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Marburg

Sonntag, 22. Januar 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Job. Slug. Koch, UmverlüLtS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

40. Jahrg.

Zweites Blatt.

Die Religion als ^Privatsache."

t Wan schreibt uns: Es war int Jahre 1873, jfilS Me Berliner Sozialdemokratie ihre große De» tinaMjiwüion gegen die christliche Kirche beider t-pshen Gemeinschaften , ausführte, ^en ersten Nntauf nahm die um jene Zeit gegründete sog. .'Berliner Freie Presse", ein Blatt, das bestimmt Stkir, der sozialdemokratischen Hierarchie der Her- tcb Bebel und Liebknecht in Leipzig, unter deren Oberleitung derVolksstaat" erschien, nicht nur jKeschüfts-, sondern auch Meinungskonkurrenz zu Umchen, d. h. im letzteren Sinne so viel, als der ».schäkeren Tonart" innerhalb der deutschen So- tzialbemvkratie zum Durchbruch zu verhelfen. Staäf dem Sturze des Dr. v. Schweitzer, des da- «MitgenRevisionisten", der sich demsozialen Königtum" der Herren Rodbertus, Wagener, Lsreu, v. Stein usw. sympathisch erwies, nahmen die Sozialdemokraten Hasselmann, Most, Hasen- elever und die Gebrüder Grottkau die Führung 'her Berliner Sozialisten in ihre Hand. Bor allen Dingen Wilh. Hasselmann und Joh. Most, die «testen unter den Roten, welche sa beide auch Ser natürlichen Entwickelung aller gewalttätigen Umsturzideen folgten und sich bald gunt kom­munistischen Anarchismus bekannten, waren die .Hauptwortführer schon damals derPropaganda der Tat" und sie warSn es auch, welche von vorn­herein die Parole ausgaben:Austritt aus der Landeskirche!" Diese Parole wurde dann von Joh. Most in derBerliner Freien Presse" und in einer Broschüre dahin erläutert, daß die Vor- üedingnitg alles ehrlichen Sozialismus die Re­ligionslosigkeit, der Atheismus sei.

Diese Bewegung, welche reichliche Unterstütz- unz sand in der freireligiösen Gemeinde des Herrn Prediger Schäfer und Genossen, stieß merkwürdigerweise ans nur geringen Widerstand seitens der Geistlichkeit wie der staatlichen Be­hörden und hatte deshalb ziemlich leichtes Spiel. Die Folge davon ist zunächst gewesen, daß die fretrefigiöfen Gemeinden ihre Mitgliederzahl bald auf Null zusammen geschmolzen sahen und sich bis heute noch nicht wieder erholt haben, weil von Hrem demokratischen Standpunkt aus zur sozialdemokratischen Genossenschaft nur ein klei­ner Schritt ist. Damals gaben sich allerdings verschiedene Geistliche der protestantischen Kirche einige Mühe, in Teilnahme an Diskussionen in sozialdemokratischen Versammlungen den Sturm abznwebren, so als Vorläufer des Hofpredigers Dr. Stöcker u. a. die Prediger Witte und Todt: auch von konservativer Seite wurden schwache Versuche gemacht, dem Abfall von der Kirche ent- gegenzutrete«. Doch hat diese ganze Agitation toeiter nichts erreicht, als die scheinbare Rücksicht de« Erfurter sozialdemokratischen Parteitages, der die Religion alsPrivatsache" erklärte, und auf welchem Bebel wie Liebknecht der Most'schen -Lehre entgegentraten, daß einGenosse", der s-lbst, oder dessen Familien-Angehörige Gottes- 1- ... - ----------_____i

B9 Ofnrfibnttf verboten.)

zigeuverliede".

Von O. O l st e r.

t Fortsetzung.)

^Borläufig, Herr Leutnant, ist nichts weiter tu machen, als die Meldung der anderen Pa- trowäten abzuwarten, nach denen dann neue Maßregeln zu treffen wären."

Ja, das wird das beste sein. Vielleicht fan­gen die Patroillen doch noch diesen oder jenen von den Strolchen. Das ist ja eine ganz ver­fluchte Geschichte! Na, Polizist möchte ich auch nicht sein das soll das erste und letzte mal gewesen fein."

Mißmutig entließ .Kurt den Wachtmeister. Der Besuch des Herrn Markwardt hatte seine Ge­danken auf den Herrn von Fenetrange gelenkt: nochmals überlegte er alle Verdachtsmomente, die gegen Monsieur de Fenetrange Vorlagen, und kam immer mehr zu dem Schluß, daß der Kapi­tän mit dett geheimnisvollen Vorgängen in irgend einer Verbindung stehen müsse. Ob diese Verbindung, wie der Oberjäger Schröder meinte, eine verbrecherische oder ungesetzliche war. oder ob sie sich auf einen Zufall beschränkte, darüber vermochte sich Kurt keine Rechenschaft $u geben. Nach und nach trafen die Meldungen anderer Patrouillen ein, die indessen noch nichts berichten konnten. Nur Gendarm Fuchs meldete, daß er jenseits der Grenze einen Trupp Zigeuner ge­sehen habe, die er für die Gesellschaft des alten O°fef gehalten. Von der Zigeuner-Marianne war nirgends eine Spur zu entdecken.

Schicken Sie mir de.. O^er'äqnr Schröder", befahl ärgerlich Leutnant von Usedom, der jetzt tu einem festen Entschluß gekommen war.

Ä*rt Schröder trat ein.

dienste besuchten oder gottesdienstliche Handlun- gen, wie Trauung und Taufen in der Kirche vornehmen ließen, des Namens von Parteige­nossen für unwert zu erklären und aus der Partei auszuschließen sei. Bedauerlich war damals die Haltung der. Behörden, welche den sozialdemo­kratischen Religionshetzern recht freien Spielraum ließen, so daß die in den öffentlichen Versamm­lungen getriebene Lästerung von Kirche und Re- ligion fast niemals zum Gegenstände gerichtlicher Verfolgung gemacht wurde.

Die inhalts- und bedeutungslose Phrase von derReligion als Privatsache" ist denn auch stehen geblieben, aber trotzdem hat doch die seit den Tagen Hasselmanns und Most's betriebene Agitation für die Gleichbedeutung von Sozial­demokratie mit der Religionslosigkeit kernen Augenblick nachgelassen, sodaß man nicht fehlgeht, wenn man ohne weiteres konstatiert, daß heute der Begriff sozialdemokratischer Genossenschaft ohne weiteres nicht nur. wie man es gerne um­schreiben möchte, eineKonfessionslosigkeit", son­dern di«Religionslosigkeit" in sich schließt, d. t die atheistische Feindseligkeit gegen alles, was Kirche und Religion heißt. Ein klastischer Be­weis für diese Tatsache ist der Hohn, mit dem die sozialdemokratischen Delegierten zum sog. Preußentage" den Genosten Heine überschütte­ten, als er meinte, die Schule könne so wenig einer ReligionSgeschichte entbehren als einer Kunstgeschichte. Ein Redner rief ihm zu, er solle doch lieber unter diePfaffen" gehen, den Talar habe er sa schon. (Heine ist Rechtsanwalt.) Die Verhandlungen haben bekanntlich dann auch mit dem Beschluß geendet, daß alle Religionslehre von der Volksschule fernzuhalten und selbst eine Kirchengeschichte als Lehrgegenstand die Jugend zu verderben geeignet sei.

Wohin wir trotz des Widerstandes aller ort- nmrgsliebenden und friedlichen Fortschritt er- strebenden Parteien gegen die atheistische Pro­paganda gelangt sind, das ergeben in erschrecken­der Weise die zahllosen, von den Strafgerichten abgeurteilten Rohheitsverbrechen, welche sich von Jahr zu Jahr mehren. Verhandlungen, welche z. B. am 13. Januar er. vor dem Schwurgericht und mehreren Strafkammern des Landgerichts I zu Berlin stattfanden, und welche sich gerade gegenGenossen" der sozialdemokratischen Par­tei, so des GesangvereinsFreiheit" richteten, veranschaulichten den gewalttätigen Sinn in blu­tigen Bildern, wie er von dersozialdemokrati­schen Volkserziehung" in den Massen gezeugt wird, lind dieser gewalttätige Sinn, dessen Ex­zesse gefördert werden durch den Alkoholgenuß, hat wieder seine Unterstützung in der systemati­schen Festelung derGenossen" an die Kneipe. Dieses System findet darin seinen klassischen Ausdruck, daß gerade allsonntäglich, speziell in den Vormittagsstunden, wo die nichtsozial-demo­kratische Welt der harmlosen Ruhe nicht nur, son­dern auch dem Kirchgänge sich widmet zur Er­holung und Erbauung, die sozialdemokratischen Arbiter, welche kaum dem späten Sonnabends­taumel entronnen sind, zu steten Vormittaasver- sammlungen zusammenberu^en und verv(lichtet werden, erstens zu den immer in Kneipen etab-

Schröder, Sie sind der einzige, der mir ver­ständige Meldungen gebracht bat", saate Kurt. Die anderen laufen in der Welt mit verschlösse- nen Augen umher. Sie sollen mir jetzt raten. Sie wissen, daß die Patrouillen. nichts ausge­richtet haben, und daß der alte Zigeuner, ebenso wahrscheinlich wie die Zigeunerdirne, über die Grenze gegangen ist."

Das letztere glaube ich nicht. Herr Leutnant. Jetzt kann ich mir die Szene unter der Grenz­eiche sehr wohl erklären: der Alte hotte von sei­ner Enkelin Abschied genommen, nachdem er ver­geblich versucht hat, sie zu überreden, ihn zu be­gleiten, als ich das Mädchen verfolgte, floh es auch nicht der Grenze zu, sondern tiefer in das Gebirge hinein."

Und was schließen Sie daraus?"

Daß das Mädchen einen Grund hat, hier zu bleiben, Herr Leutnant und dieser Grund ist im Turm von Fenetrange zu erfahren."

Sie denken noch immer an die Mitschuld des Herrn von Fenetrange?"

Ja, Herr Leutnant, mehr denn je. Herr von Fenetrange will diese Nacht schon abreisen wie ich nock erfahren habe: weshalb diese schnelle Abreise gleichzeitig mit den Zigeunern, die no­torisch in den schlimmen Kindel verwickelt sind wenn Herr de Fenetrange sich hier nicht unsicher fühlte? Und noch eins, .fSerr Leutnant, was ich vergessen habe, zu erzählen. Ich habe, als ich mit Unteroffizier Berger noch auf der Dachsburg lag es war zur Zeit des Drosselfanges Herrn von Fenetrange mit dem Unteroffizier und der Marianne zusammen gesehen. Zufällig streifte ich die Stelle, wo die drei zusammen­standen. ich hielt mich zurück, da ich nicht wollte, daß man meinen solle, ich spioniere Berger nach, der schon damals ein ganz seltsames Wesen zeigte aber ich hörte doch auch, wie der Baron sagte:

lierten Zahlstellen und dann zu sogenannten Diskussionen über Lohnstreitigkeiten, Streikange­legenheiten usw. zu erscheinen. Wie eS in diesen Versammlungen zugeht, das ist oft unbeschreib­lich. Die durch Alkohol und Dressur, genannt Disziplin, erhitzten Geister entweihen durch ihr Betragen geradezu den Sonntag. Rahe Gesänge und maßloses Geschimpfe hallt überall wider in den Versammlungsräumen, und die Herren Agi­tatoren machen ihre Beute am Geist und Geld­beutel der Verführten. Diese Art der Sonntags­ruhe und Sonntagsentweihung ist vollkommen getragen vom Geiste der atheistischen Weltan­schauung, welche die Auflehnung bedeutet gegen alle Autorität in Staat und Kirche.

Lehrreich in dieser Richtung sind auch die neuerdings in großen Berliner Versammlungen abgehaltenen Diskussionen über den Punkt 6 des Parteiprogramms:Religion ist Rrivat- sachel" So sprach u. a. der Redakteur Paul John vomVorwärts" im 6. Berliner Wahlkreis über diesen Punkt. (Vorwärts" vorn 12. Jan.) Seine Auslegungen givfelten darin, daß e» hauptsächlich gelte, die Staatskirche zu schwächen durch Mastenaustrstt. Er verwarf entschieden den Vorschlag des Dr. Arons auf dem soge­nanntenPreußentage", die Genossen sollten sich an den Kirckenwahlen beteiligen, wenigstens insoweit, sie der Kirche noch nickt den Rücken ge­wandt hätten. Diele Ansckauung des Dr. Arons hat übrigens in allen übrigen Versammlungen gleichfalls einstimmigen Widerspruch gefunden und überall klingt es:Die Religion ist die Fein- din aller Kultnr! Fort mit ihr aus Schule und Haus!" Darum Massenaustritt.

©o ist denn beute die Sozialdemokratie dabin gelangt, den Punkt ibres Programms, dab Re- ligion Privastache sei sedes Einzelnen, 'elbst als 6ore Keuckeleizu erklären und sie arbeitet nach wie vor an der Untergrabt:.,q aller Religion, weil sie weiß, daß in der Sckädiaung der Kirche und Schule der Staat geschädigt wird, und in der Ausrottung alles religiösen Gefühls in den Massen allein der Geist der aewaltsamen Re­bellion zur Herrschaft gebracht werden kann.

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Umschau.

Tierquälerei und Strafrecht.

Die im Hinblick auf die Bestrebrtngen der Tier­schutzvereine äußerst interessante Frage der straf- gesetzlichen Auffassung der Tierquälerei bebau- delte, wie aus Leipzig berichtet wird, Professor Dr. jur. Albrecht Mendelssobn-Bartholdh, der Enkel des bekannten Komponisten, in seiner An­trittsrede. Es gibt in der Stellung des Gesetz­gebers zur Tierquälerei zwei Normen, die sich diametral gegenüberstehen, die angelsächsisch­skandinavische Norm und die romanische. (Unser Strafgesetzbuch nimmt eine auf die Dauer iw^alt- bare Mittelstellung ein.). Die romanische Norm betrachtet das Tier als Sache, die im Interesse des Eigentümers zu schätzen ist, herrenlose und wilde Tiere gelten von vornherein als vogel- frei und straft die Tierquälerei nur da, wo Wenn ihr einmal einen Freund braucht, kommt zu mir."

Also der Baron kennt den Unteroffizier und die Zigeuner."

Kitrt erinnerte sich der Erzählung les Herrn Markwardt von der Befreiung Giselas aus den Hän^-n der Zigeuner durch Henri.

Was raftn Sie mir, Sckröder?"

<?err Leutnant, ich würde die beiden Herrn von fenetrange verhaften lassen, das Schloß durchsuchen, und den alten Turm einmal gründ­lich durchstöbern."

Das erstere geht nicht, aber das letztere kön- nen wir schon wagen ohne fürchten zu müss?n, unsere Befugnisse zu überschreiten. Finden sich dann neue Verdachtsmomente gegen den Baron, nun dann kommt die Verhaftung doch noch früh genug."

-Aber es dämmert bereits, Herr Leutnant, und mit dem Abendschnellzuge wollen die Herren abreiftn."

Wann hält der Schnellzug auf der nächsten Station?"

Um 9 Uhr."

Also werden die Herren vor 8 Uhr nicht ah- fahren. Sie haben also iroch drei Stunden Zeit zur Durchsuchung des alten Turmes. Nehmen Sie sich einige ordentliche Leute mit, und machen Sie sofort Meldimg--oder halt! Es ist

das beste, ich begleite Sie. Tann kann ich sofort weitere Anordnungen treffen."

Rach kurzer Zeit schritt Kurt von Usedom, in seinen Regenmantel gehüllt, gefolgt von Karl Schröder und sechs kräftigen Jägern, die außer ihren Waffen kurze Handbeile trugen, dem alten Turm am Eingang der finsteren Schlucht zu. Es dämmerte bereits sehr stark, und unaufhörlich neselte ein feiner eiskalter Regen nieder.

W M

sie öffentlich vor sich geht und Aorgernis erregt. Im schneidenden Gegensatz hierzu ist nach de« angelsächsischen Norm das Tier um seiner selbst willen, weil es leidet und empfindungsfähig ist« unter den Schutz des Gesetzes gestellt. Der Tier« quäler wird deshalb mit Strafe bedroht, lverk er sich ohne Not gegen das Leben eines Wesens vergeht, weil er Qual verursacht im Bewußtsein, daß sie empfunden wird. Handelt es sich also nach romanischem Recht bei der Tierquälerei um eine Sachbeschädigung usw-, nnd ist dement­sprechend die Strafe regelmäßig Vermögensstrafe, so sieht das angelsächsische Recht in derselben ein Roheitsdelikt, das, den Sittlichkeitsdelikten ver­wandt, eine körperliche Strafe verlangt. Aus der einen Seite somit eine materialistische Auf­fassung, auf der anderen eine n .-Br etbiicke, spiri­tualistische, die zweifellos dem sittlichen Emp­finden unseres Volkes weit mehr zusagt, als bi« erstere. Bei der in Aussicht genommenen Am- derung unseres Strafgesetzes hätte nach dem Ge­sagten der Typus des angelsächsisch - skandinavi­schen Rechtes als vorbildlich zu gelten.

Der Btrsirbeiter«,tsst»»d im 9t*Srgeiiet

Sine gestern in Bochum von der Berg« arbeiter - Versammlung gefaßte Resolution legt gegen die Abweisung der rechtsmäßigen Ver­tretung der Bergarbeiter durch den bergbau­lichen Verein Verwahrung ein und spricht die Erwartung aus, daß dieser über die Forder* uncen der Arbeiter, welche nur zu gerecht seien, verhandeln würde, um im allgemeinen Jnterefft zum Frieden zu gelangen. Von der Regierung erwartet die Versammlung, daß sie den Not­schrei der Bergarbeiter hört und ihnen durch endliche Einführung gesetzlicher Reformen auf dem Gebiete der bekannten Forderungen aus­reichende Hilfe gewahre. Dis Resolution spricht schließlich den Entschluß au», im Lehnkampf auSzuharren und ihn in Ruhe und Ordnung durchzuführen. Sie erwartet von den Behörden gerechte Behandlung bei Aufrechterhaltung der Ordnung und volle VersamlungSfreiheit und bittet um Beistand des Bürgertum».

Dortmund, 20. Jan. Die seit gestern stattfindenden Lohnzahlungen auf den Zechen wickeln sich im hiesigen Bezirke glatt ab, da die Verwaltung keine Lohnkürzungen für den Kontraktbruch vornehmen. Einige Zecken schicken den Leuten den Lohn durch die Post zu. Di« Siegerländer Werke, die wegen der am 15. Jan. eingetretenen Fracktermäßigung nur geringe Koks- und Kohleuvorräte auf Lager hatten, leiben sehr unter dem Kohlenmangel.

Essen, 21. Jan. Man glaubt hier, daß das Beispiel des Kardinal» Fischer aus der katholischen Bürgerschaft viele tausende vou Mark den Streikenden zuführen werde.

Hamm, 20. Jan. Die westfälische Draht- Industrie legte gestern den Walzwerk - Betrieb wegen Kohlenmangel still. Damit sind ein-

Fast vollständiges Dunkel herrschte in dem fcuchtkalten Kellergewölbe des alten Turmes von Fenetrange. Das Feuer in dem kleinen Ofen lvar dem Erlöschen nahe und die Lampe an den Decke glimmte nur noch mit unsicherem zittern­dem Schein, der anzeigte, daß das Del auf di« Neige ging.

Fröstelnd lag Fritz Berger auf feinem Saget und suchte sich durch festes Einhüllen in die Decke zu erwärmen. Seit er aus dem heftigen Wund­sieber erwacht war, hatte die Heilung seiner Wunde wohl Fortschritte gemacht, aber die düstere Umgebung, die feuckte Luft, der Mangel an Licht und frischer Luft und die mangelhafte Pflege in den letzten Tagen hatten verhindert, daß sich das Allgemeinbefinden des Kranken heben konnte: ja in den letzten vierundzwanzig' Stunden waren zuweilen wieder Fieberschauey eingetreten, welche den sonst so kräftigen Körpev des jungen Mannes ungemein schwächten. Es war voronszusehen, daß eine volle Genesung bictf in diesem dumpfen Raum niemals eintrete* würde, wenn nicht gar die örückendeLnft, dis Feuchtigkeit der Wände, und alle die Uebelstände eines unterirdischen Aufenthaltes das Leben des' Verwundeten aufs neue gefährden würden. Die anfängliche Spannkraft nach Anfhören desWund> fiebers hatte wieder nachgelassen. Wie die'es^ Abeuten er enden sollte: er hatte nur die eine Sehnsucht: fort ans diesem dumpfen Erdloch, iit dem er meinte, ersficken zu müssen. Dieter Sehn­sucht hatte er auch heute morgen Marianns gegen­über Ausdruck gegeben.

Schafft mich mir fort von Bier aus diesem Loch, Marianne!" hatte er gebeten.Mir ist'» einerlei, wohin, meinetwegen nach Frankreichs oder Afrika, nur fort, fort, daß ich frische Luft atmen und Helles Sonnenlicht sehen."

(Fortsetzung folgt).