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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ud Kirchtzam«

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Marburg

Mittwoch, 18. Januar 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Joh. Ang. Koch. UmverittStS-Buchdruckerei 40. Jahrfl.

Ptarburg. Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

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Der russisch-japanische Krieg.

' Zur Kriegslage in der Mandschurei

tbirfr ans Petersburg gemeldet, daß auf Befehl drS Zaren die oberste Kriegsleitung dahin ar- veitet, die Armee Knropatkins bis zum März auf seine Stärke Don mindestens 600 000 Mann zu Dringen, ohne die notwendigen Reserven. Zu die- ssem Zweck soll die M o bi lm achu n g in verstärktem Maßstab fortgesetzt nnd ebenso auch der Ankauf sowie die Ausrüstung hon wetteren Kriegsschiffen beschleunigt werden.

Der Petersburger Korrespondent des ^cko Le Pans" erfährt aus bester Duelle, daß eine russische Offensive in Ostas'en bevor- st e h e und inan sich am Vorabend großer mili­tärischer Ereignisse befinde. AuchPetit -Parifien" bestätigt aus Pete"sburg die bevor- stehende russische Offensive in der Mandschurei. Die gegenwärtig stattfindenden russischen Tnip- Pcnverschiebungen ständen hiermit im Zusammen­hang.

, , Ein Telegramm , des Generals Knropatkin besagt: Ich habe zwei Meldungen über Of^nstv- Alvcgungen unserer Kavallerie erhalten. Am 10. Januar abends wurden iy2 Kompagnien 'japanischer Infanterie und ein halbe Schwadron Dragoner vernichtet. In -er Rackst darauf »er- störten unsere Patrouillen einen Teil der Eisen- -ahnlinie, wodurch ein Zusammenstoß zweier Lokomotiven herbeigeführt wurde. Am 11. Ja­nuar wurde Riutswana uon uns besetzt Tie 'mpanifche Besatzung, bestehend aus einer Kom­pagnie und zwei Schwadronen, räumte nach einem Gewehrfeuer den Platz. Während dieser beiden Tage erbeuteten wir 500 Wagen mit Vorräten und nahmen einen Offizier und 14 Mann gefangen. Auf unserer Seite fielen drei Offiziere und 15 Mann: 10 Offiziere und 49 Mann wrden verwundet. Am 12. Januar wurde die Bahnlinie bei Sckeitze, sechs Werst von Inkan, durch unsere Patrouillen beschädigt. Nachmittags '4 Uhr näherte sich eine Abteilung Jnkau. Unsere Artillerie beschoß den Bahnhof und legi» die De­pots in Asche. Ein Teil der Abteilung saß darauf ab und griff den Bahnhof an. Die Javaner er- öfneken gegen dieselben ein Gewehr- und Magazingeschützfeuer. Unsere Soldaten stickten zunächst Schutz in den Gräben und griffen dann von neuem an, mußten sich aber schließlich vor der Uebernwcht zurückziehen. Die Gefallenen und Verwundeten wurden fast alle zurückgebracht.

Ein Telegramm Kurovatkins an den Kaiser vom 15. Januar besagt: Am 13. Januar griffen beim Tagesanbruch unfere Freiwilligen die feind­lichen Vorposten an, die in Stärke von fast einer Kompagnie Infanterie zerstreut waren. Sie ver­loren 12 Mann an Toten und 12 wurden gefan­gen, 3 darunter verwundet. Die Freiwilligen erbeuteten Waffen und Munition und verloren «einen Toten und zwei Verwund >te.

Der Zar soll beschlossen haben, daß Ge- schlvader Roschestwenskis nicht zurück»uke''ufen. Das dritte Eraänzungsgefchwader verläßt Libau Ende dieses Monats. Es wird augenblicklich über Mittel und Wege beraten, um das Ge« schwader Roschestwenskis einstweilen im indischen Ozean zu belassen, um dort die Verstärkungen «abzuwarten.

Die Generale Stössel und Nogi habe:' für ile Verleihung des Ordens Ponr le m^rite mit nachstehenden Antworttelegrammen aedankt: .An S.. M. den Deutschen Kaiser, V/rlin. Euerer Masestät Telegramm erreichte mich in der schwersten Stunde meines Lebens. Ich und die Garnison der Festung sind tipf gerührt und jgeehrt durch die Verleihung des hohen preußischen Ordens, der mich bis an das Ende meines Lebens chrt. Möge Euere Masestät überzeugt sein von meiner Anerkennung für die erwiesene Gnade. Ich habe die Ehre. Euerer Masestät meinen und meiner Soldaten Gruß zu übersenden. General- adsutant Stössel."

S. K. M. dem Deutschen Kaiser. Berlin. Ich statte meinen tiefgefühlten Dank für die Güte ab, di° Euere Masestät mir durch die Verleihung des Ordens Pour le m^rite unerachtet der Ge­ringfügigkeit meiner Dienste erwesten. Indem ich Euerer Majestät Orden mit der tippen Dank­barkeit annehme, drücke ich in Ehrerbietung meine öoffe Hochachtung für Euere Masestät aus. General Nogi."

9$arlfftnentartf<fie$.

(Eiaenberlcht.d

4« Berlin, 16. Januar.

Am Bundesratstisch: Dr. Nieberding.

Im Reichstage brachte heute die Fortsetzung

-er Besprechung des Justizetats in der Haupt­fachs nur unwesentliche Nachträge und persönliche

Auseinandersetzungen. Nachdem Abg. Dr. Krzy- minski (Pole) die üblichen polnischen Beschwerden vorgetragen hatt, rechtfertigte Abg. Kirsch (Ztr.) nochmals die Aufrechterhaltung des Gottes­lästerungsparagraphen. §">g. Gamp (Rp.) wandte sich mit großer Entschiedenheit gegen die Gewohnheit der Linken, bedeutungsloseFälle" breit zu treten und die Ob'ektivität der Richter in Frage zu stellen. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.) wollte den § 166 als einAusnahme­gesetz zugunsten Roms" binstelleu. Auch die Abg. Schrader (fr. Vgg.) und Kunert (Soz.) traten für Aufhebung des § 166 ein. Abg. Bruhn (Deutsche Reformpartei) beleuchtete noch einmal die Stellung des Abg. Lenzmann zum Antisemi­tismus. Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) trat gleichfalls für Aufrechterhaltung des Gottes- lästerungsparagraphen ein, worauf Abg. Dr. Müller-Meininaen (fr. Vp.) nochmals den ent- gegenaesetzten Standpunkt entwickelte, was wieder eine längere Erwiderung des Abg. Dr. Spahn (Ztr.) zur Folge hatte. Nach weiterer Debatte wurde der Titel Staatssekretär bewilligt, die bei­den Resolutionen Müller-Meiningen u. Erzberger wurden angenommen. Der Rest desJustizetats" wurdedebattelos" genehmigt.

Dienstag 1 Uhr: Reichsschatzamt.

Preußischer Landtag. Abgevrbn-t-nlmuS.

* Berlin, 16. Januar.

Am Ministertifch: Frhr. v. Rheinbaben, Frhr. v. Kammerstein, Studt, Möller, v. Podbielsky.

Im Abgeordnetenhause war heute erster Red­ner der Handelsminister Möller, der mitteilte, daß der berabauliche Verein die Ens' Lung einer staatlichen Kommission beantragt habe, um feststellen zu lassen, daß allgemeine Beschwerden der Arbeitnehmer im Ruhrrevier nicht vorliegen. Diese staatliche Kommission werde alsbald ent­sandt werden. Im übrigen war bei der ^Fort­setzung der ersten Lesung des Etats nichts von dem hohen Schwünge zu verspüren, der am Sonnabend die Verhandlungen auszeichitete. Zum Worte kamen heute nur die beiden freisinnigen Gruppen und Palen. Abg. Dr. Wirmer (fr. Vp.) trug eine Menge von Einzelheiten vor. Er be­fürchtete von den neuen Handelsverlrägen ehe einseitige Bevorzugung des Großgrundbesitzes und eine höhere Belastung der Volksmehrheit, er sprach sich gegen die Besteuerung der Gckellsckaf- ten m. b. H. aus und forderte schließlich eine Reform des Wahlrechts und eine Neueinteilung der Wahlkreise. Zu ähnlichen Forderungen be­kannte sich auch Abg. Broemrl (fr. Vgg.). Die üblichen Beschwerden der Polen trug Dr. v. Jazdzcwski vor, der gegenüer den Ausführungen des Grafen Bülow den Frieden in den gemischt­sprachigen Landesteilen für unmöglich hielt, so­lange den Polen nicht Gleichheit vor dem Gesetz und Anerkennung ihrer Nationalität vorenthalten werde. Auf weitere Beschwerden des Redners er­widert Minister des Innern Frhr. v. Hommer- stein: Ich bin dem Vorredner dankbar, daß er offen ausgesprochen hat, daß die großpolni'che Agitation in den Geistern und Gemütern in den gemischtsprachigen Gebieten rege und lebendig ist. Tas nmrds bisher von polnischer Seite bestritten. Der Vorredner meinte, es fei ein natürlicher Wunsch aller Polen, einen großpolnischen Staat zu gründen. Eine Wiederherstellung Polens ist aber nur möglich durch Zertrümmerung Vrenßens und des Deutschen Reiches. Das Interesse Preu- ßens aber steht höber als das vermeidliche pol­nische Interesse. Bisher hat keine Verdeutschung eines polnischen Ortsnamens stattgefunden, wenn sie nicht von der berufenen Vertretung der Ort­schaft selbst beantragt wurde. Die Versöhnung mit unserer polnischen Bevölkerung ist nur mög­lich, wenn sich die Polen als Preußen fiihlen und bekennen. Graf Limburg-Stirum hat mir aus dem Herzen gesprochen, iveun er wünschte, daß in den Vereinen und Versammlungen nur deutsch gesprochen werde. Tie einfachste Regelmtg dieser Frage wäre eine Novelle zum Vereinsgesetz, deren Einbringung aber zur, Zeit nicht möglich ist, mit Rücksicht auf die derzeitigen Verhandlungen über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. In der Wahlrechtsfrage hatte ich gehofft, erst noch über die Aitschanungen der einzelnen Parteien genauer und präziser unterichtet zu werden. Danit würde ich dem hoben Hause in der nächsten Session spe­zielle Vorschläge unterbreiten können. Der Mi­nister rechtfertigte nochmals die Notwendigkeit' der Errichtung der Regierung in Alleinstein, geht auf eine Reihe von Verwaltungsfragen ein und begründete weiter die geforderte neue Stelle eines Rates im Zivilkabinett. Die Generale Stössel und Nogi feien der hoben Auszeichnung des Ordens pour le märite durchaus würdig: die Verleihung von Ordensanszetchnungen aber fei ein Vorrecht der Krone. (Beifall.)

Kultusminister Stndt rechtfertigte zwei vom Abg. v. Jazdzewski angegriffene Erlasie und be­merkt, die llnterrichtsverwaltung wolle kein in­diskretes Eingreifen in die Familiensprache der Lehrer. Ein preußischer König habe gesagt: Es ist mein ernster Wille, das Vergangene -er Ver­

gessenheit zu übergeben. Die Polen haben sich an dieses Wort im letzten Jahrzehnt kaum er­innert.

Abg. Goldschmidt (fr. Vp.) hofft, daß im Ruhrrevier der Friede durch ein Entgegenkommen der Arbeiter wie der Arbeitgeber wiederhergestellt werde. Am Ausbruch des Streiks sei auch die Regierung nicht ganz schuldlos: sie habe z. B. die Reform des Berggesetzes mehr beschleunigen können.

Stach unwesentlichen Bemerkungen des Abg. v. Jazdzewski (Pole) und einer kurzen Erwide­rung des Kultusministers und des Ministers des Innern vertagt sich das Haus. : ,

Dienstag 1 Uhr: Fortsetzung. '

Umschau.

Die PensionSvkksichtrung derPrivttt- Antzkstellte«.

Wie derSozialen Praxis" mitgeteilt wird, ist auf Grund der bisher eingegangenen Frage- booen über die Verhältnisse der Privatange­stellten eine Stichprobe vorgenommen worden. Diese Stichprobe umfaßt 5000 Fragebogen aus den verschiedensten Berufen und den verschiedensten G.-genden. Sie läßt erkennen, daß die ersten Fragen de« BogenS, die sich auf die persönlichen Verhältnisse (Alter, Familienstand, Kinder, Ge­halt usw.) beziehen, recht vollständig beant­wortet sind, daß aber der zweite Teil deS Frage­bogens erhebliche Lücken aufweist. Die Fragen des zweiten Teile? haben die Stellenlosigkeit in den letzten fünf Jahren, dann das Verhältnis des Befragten zu der staatlichen Invalidenver­sicherung, ferner die etwa von den einzelnen abgeschlvsienen privaten Versicherungen zum Gegenstands.

DaS Statistische Amt ist jedoch der Ansicht, daß auch dieser Teil recht wertvolle Aufschlüsse über die Lage der Privatbeamten bringen wird. Die Beantwortung dieser Fragen ist zudem zu einem Teile auf Grund der Feststellungen an anderer Stelle möglich. So läßt die allge­meine Beantwortung der Frage über daS Ge­halt ohne weiteres erkennen» wieviele der An­gestellten nach dem Jnvalidenversicherungsgefetze zwangsweise versichert sind, da ja nur ein ver­schwindend kleiner Teil der Angestellten in den unteren Gehaltsklassen nicht unter daS Jnvaliden- versicherungsgefetz fällt. Die auch vom Haupt- ausfchuß aufgestellte Frage, wieviele Angestellten nach dem bestehenden JnvalidenversicherungSge- setze sich nicht versichern können, weil sie schon von Anfang an ein über 3000 Mark hinauS- aehendeS Gehalt beziehen oder weil sie einem Berufe angehören, der nicht unter das Jnvaliden- tierfifl erungSgefetz fällt, daS wird allerdings nicht festgestellt werden können.

Was die Vollendung der Arbeit angeht, fo ist das Erscheinen der Denkschrift erst im Früh jahr 1906 zu erwarten. Die Bearbeitung der etwa 187 000 Fragebogen, zu denen mözlicher- roeife noch einige Tausend nachträglich bis zum 1. Februar entkommen werden, wird die Tätig­keit von 18 bis 20 Beamten auf 4 bis 6 Monate erforderlich machen. Dazu kommen dann die Borarbeiten, und endlich wird die Bearbeitung der Tei kschiift ein halbes Jchr in Anspruch nehmen. Daß die Bearbeitung dieser En- q iete, auch vom Reiche einige Aufwendung finden wird, geht, wie dieSoziale Praxis" dazu be­merkt, daraus hervor, daß das Statistische Amt einen Teil der erforderlichen Beamten neu ein» stellen muß, und daß für die Abeit dieser neuen Beamten notwendige Räume nicht vorhanden sind, mithin beschafft werden müssen.

Sozialdemokratische Handwerker!-: Politik.

Die allen anderen Parteien so gern Stimmen­fang vorwerfcnde Sozialdemokratie hatte seinerzeit selbst einen Antrag zu der Frage der Neuregelung des Submisswnswescns im Reichstage cinbringen und durch den vielgenannten Dr. Braun begründen lassen, der sich inhaltlich zwar nur auf die Arbeits­verhältnisse in der Heeres- und Marineverwaltung bezog, dessen Begründung indessen zum Fenster hinauswirken sollte. Wenn es in dieser Begründung aber heißt, daß die Sozialdemokratie ein warmes Herz für die Handwerker habe und herzliche Terl- nahme für sie zeige, fo muß das jedem Geschäfts­mann und Handwerker die Frage aufdrängen, ob hier Schauspielerei oder Unkenntnis vorliegt. Und der Umstand, daß Dr. Braun sich sogar zu der Be­hauptung versteigt, daß an einer Neuregelung der Submissionswesens die Arbeiterschaft mehr inter­essiert fei als die Handwerker, kann die Schärfe dieser beideit Möglichkeiten nur noch erhöhen. Jeder Hand­werker weiß, daß die Gesellen schon zu ihrem Gelbe kommen, denen steht das Reichslohngesetz, die Ge­werbeordnung und die ergangenen Ministerialverord- nungen zur Seite, und das ist gut so. Wo aber will die Sozialdemokratie die Handwerker und die Bau- maierialienlieferante» hintun, die die Neuregelung

des SubmissionswesenS im Sinne des Dr. Braun und seiner Genossen noch rascher als bisher dem wirtschaftlichen Ruin entgegenführen würde? Die von Herrn Dr. Braun geforderte Weiterausdehnung, der Konkurrenz zum Schutze des Staates gegen Ueberteuerung, syndikatliche Preistreibereien und die monopolitischen Bestrebungen einzelner Personen würden die vorher erwähnte Wirkung zweifellos er­zielen. Sie ist für uns aber auch deshalb noch in­teressant, weil Herr Braun alle diese Erscheinungen gewissermaßen durch die Blume noch dem Handwerk mit in die Schuhe schiebt. Und das hat doch wohl da­mit nichts zu tun. Die ganze Episode ist für die Handwerker deshalb lehrreich, weil sie ihnen zeigt, daß die Sozialdemokratie für sie je mehr übrig hat, je weniger es sie selbst kostet. Der selbständige Handwerker ist den Herren Genoffen ein Dorn im Auge, weil er aus der einen Seite nicht mitzustreikeu braucht und auf der anderen Seite sein Einkommen noch nicht in das für Parteikaffenzwecke kontrollier­bare Lohneinkommen des Arbeiters umgewandelt ist. Es ist das ein Pröbchen von der Freiheit im sozial­demokratischen Staate, das selbst manchen Idealisten zu scharf sein dürste.

Ost märkische BesiedlungSpolktkk

In Literatur und Preffe ist schon mehrfach bt< Frage aufgeworfen worden, ob die Ansiedlungskom- inission nicht mehr Nachdruck als bisher auf die An­legung kleiner Bauernstellen legen solle. Die Frage wird von neuem berührt in einer Zuschrift, die uni aus landwirtschaftlichen Kreisen in Posen zugeht. ES heißt da:

Die Ansiedlungskommission hat den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf die überwiegend polnischen Gegen­den der Ostmark gelegt. Tie Folge ist, daß sie be­strebt sein muß, möglichst zusammenhänaende An­siedlungskomplexe im Innern der Ostmark zu schaffen. Wenn eS nun auch sozial wichtig sein mag. in jedem Ansiedlerdorfe mehrere größere Stellen von 1325 Hektar auszulegen, so sollten diele große« Parzellen bei den Ansiedlungen in volnifcher Um­gebung doch auf das Mindestmaß beschränkt werden. Es ist nämlich einem größeren Ansiedler im Inner« Posens und Westpreuße« so gut wie unmöglich, sich deutsche Knechte zu verschaffen, er ist ganz aus Polen angewiesen. In älteren Ansiedlungen, bei­spielsweise der Kreise Gnesen und Wongrowitz, roe die Söhne der Ansiedler, die trüber den Vätern hal­fen, sich bereits wieder selbständig gemacht haben, sind durchschnittlich etwa 810 polnische Knechte be­schäftigt, die sich fast sämstich einer zahlreichen Fa­milie erfreuen. Es sollten daher möglichst viele kleine Stellen, solche von 413 Hektar geschaffen werden, denn die kann eine Ansiedlerfamtlie noch allein be­wirtschaften. DaS Ziel der Ansiedlungskommission ist ja doch, einen möglickst großen Stock von deutsche« Bauern ins Land zu führen und gerade durch diese vielbegehrten kleineren Stellen wird der Grundhesth der Anffedlungskommisfion ganz anders ausgenutzt, als die? bei den größeren Stellen von 13 bis 25 Hektar möglich ist. Uebrigens bat die starke Nach­frage nach kleineren Parzellen die Kommission schon öfter zu tunfangreichcn Planänderuttgen und nach­träglichen Teilungen gezwungen.

Deutsche S eIbsthülfe im Osten.

Wir können heute auf das Jahr 1904 mit größerer Befriedigung zurückbficken, als wir vor Jahresfrist erhoffen durften. Zwar baben auch die Polen Fortschritte gemacht: ihre Propaganda hat, worauf erst kürzlich wieder das Vofencr Tageblatt" hinwies, den offenkundigen Ucbertritt der Polnischen Geistlichkeit in das radikal-vol- nische Lager bewirkt, ein Erfolg, dessen Bedeu­tung durchaus nicht zu unter^ckätzen ist. Denn der Einfluß des polnischen Klerus ist insbeson­dere auf die unteren Volksschichten überaus groß auch in weltlichen Dingen: wir werden das vor allem zu fühlen bekommen in einer verschärften Handhabung des Donkotts nuferer Kaufleute und Gewerbetreibenden, ailt doch diese Art des Kanip- fes den Polen mit Reckt als die wirkfaniste Waste.

Dem gegenüber aber dürfen wir mit Genug­tuung darauf Hinweisen, daß auck auf unferer Seite Fortfckriste zu verzeichnen sind und zwar solckst die wir besonders bock werten, da sie sich in einer wachsenden Organisation unserer Selbst-, hülfe offenbaren. Denn was nützt die weiseste^ und zielbewußteste Regierungsvolitik, wenn sie, nickt ihre Ergänzung in einer ebenso klaren und entschlossenen Volkspolitik findet, in dem Zu- sammensckluß und der qeqenfcittgen Unter« stützung aller Volksgenossen, die im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind steben. Als Kamvf um den Besitz von Grund und Boden und als Kcnnpsi um die Erhaltung eines lebenssäbigen deutsche«! Mittelstandes entwickelt sich ja immer mehr die deutsche Abwehrbewegung in den Ostmarken. Und eben in diesem dvvvelten Kample hat das Jahr 1904 Erscheinungen zutaae gefördert,, die wir als die verheißung^glGn Anfänge eiuerl entscheidenden Wendung der Dinge zu unseren' Gunsten begrüßen zu dürfen glauben, eben als' den Beginn einer Aera deutscher Volksvolitik in: den Ostmarken. Schon daß der 3hm der De-, gründung eines besonderen Ostmarkenickatzes ge-f faßt wurde, ist ein erfreuliches Snmvton nach biM fer Ricktung hin. Jst's freilich zunächst nut ei» Gedanke, fo enthält der Gedanke ein Proatamn» von werbender Zugkraft. Wichtiger für beflS Moment erscheint uns bie Grünbung bet MiftÄ» stanbskasse, bie durch bie beiden großen deutsches Genossenschaftsverbände mit Unterstützung bee Staatsregierung erfolgte. Auch hier freilich ißk