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mit -em Kreisblatt für -Le Kreise Marburg uu- Kirchhain.

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Marburg

Sonntag. 15. Januar 1905.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch. llniversttätS-Bttchdruckerek 40. Jahrg.

Marburg, Markt 2L Telephon ab.

Erstes Blatt.

I

Der preußische StaaLchaushattsetat für 1905, (Forttetzung.)

Im Etat der Bauverwaltung sind die Fond- für Unterhaltung der Schiffahrtsstraßen sowie der Binnenhäfen und -Gewässer wieder beträchtlich er­höht worden. Unter den einmaligen Ausgaben werden erste Raten u. a. verlangt für Herstellung des dritten Hafenbeckens bei Kofel, Schleppzugschleuse an der Neißemündung, Winterhafen bei Frankfurt a. O, eur Regulierung der Weser an verschiedenen Stellen, «er V ahn, des Rheins, zur Verbesserung der Be­tonnung und Befeuerung der fchleswigschen West- viste. Eine besondere Summe ist ausgeworfen zur Beschaffung von Arbeiterwohnschiffen für die mär- kschen Wasserstraßen. Das Regierungsgebäude in vtettrn soll neu gebaut werden.

Nach dem Etat für die Handels- und Gewerbe- tzerwaltung soll ein Landesgewerbeamt und ein stän­diger Beirat errichtet werden. Die Forderung wird begründet mit dem Ausbau des Fach- und Fort- bildungsschulwesens und mit den Maßnahmen für Gewerbefördcrung vornehmlich zur Stärkung des Handwerkerstandes. Das Landesgewerbeamt soll die Aufgabe haben, den Minister bei Erledigung der laufenden technischen Fragen ständig zu beraten «nd ihn bei der regelmäßigen Beaufsichtigung der gewerblichen Unterrichtsanstalten und der der Ge­werbebeförderung dienenden Einrichtungen zu unter« stützen, der Beirat soll ein zur Begutachtung grund­legender Maßnahmen geeignetes Organ sein, das der Gewerbeverwaltung hauptsächlich die beständige Füh­lung mit dem praktischen Leben und seinen Bedürf- niffen vermittelt. Tas Landesgewerbeamt ist dem­nach eine dem Hcmdelsminister unterstellte öffentliche Behörde, deren Mitglieder Beamte sind, dem Beirat jollen außer den Migtliedern des Gewerbeamtes auch andere Sachkundige angehören. Für das gewerb­liche Unterrichtswesen sind nahezu 600 000 S)lt. mehr ausgeworfen. Seine Ausgaben belaufen sich jetzt auf 9,4 Millionen Mk. Im Regierungsbezirk Marienwerder soll ein neuer Regierung?- und Ge­werbe rat angestellt und eine vierte Gewerbeinspek­tion stelle in Graudenz errichtet werden. Desgleichen sollen neue Inspektionen in Berlin III (Potsdams, Flensburg, Wandsbeck, Berlin SO. und Berlin SW. eingerichtet werden. Zur Ausstattung der Hand­werker- und kunstgewerblichen Fachschulen mit Lehr­mitteln sind 30 000 Mk. eingestellt. In Magdeburg sollen Meisterkurse neu eingerichtet werden. Der Fonds zur Förderung der Fortentwickelung des klein- gewerblichen Genoffenschaftswesens ist rm 15 000 Mark erhöht worden Die im Jahre 1903 begon­nenen, tnt Jahre 1904 auf die Vereinigten Staaten hon Nordamerika erstreckten Studienreisen sollen im lommenden Etatssahre auf Belgien, Holland und Frankreich ausgedehnt werden, womit diese Reisen vorläufig zum Abschluß gelangen sollen.

Im Etat der Justizverwaltung sind die Ein­nahmen aus den Gerichtskosten um 3,2 Millionen axort erhöht. In der Justizprüfunaskommission soll das Nebenamt des Präsidenten in ein Hauptamt umgewandelt werden. Es werden neue Stellen ver­langt bei den Oberlandesgerichten: für 7 Senats- Präsidenten, davon 3 beim Kammeraericht, 2 beim Oberlandesgericht in Köln, fe 1 in Celle und Namm, für 33 Oberlandesgericktsräte, darunter 12 beim Kammergericht, 8 in Köln, 7 in Hamm, für 1 Staatsanwalt, bei den Land- und Amtsgerichten: für 27 Landgerichtsdirektoren und zwar 5 beim Landgericht I in Berlin, je 2 in Berlin II, Köln,

Wissenschaft, Kunst und Leben.

Wirst die W It We*tet?

Alljährlich, wenn die Ziffern der Kriminal- stanstik des Deutschen Reiches veröffentlicht werden, begegnet man beweglichen Klagen darüber, daß die Anzahl der Verurteilungen immer mehr zunehme, und daß diese Zunahme deutlich für die beklagens­werte Tatsache spreche, daß wir in derschlechtesten aller Welten" leben. Diesmal sind nun unsere Moralphilosophen in eine peinliche Verlegenheit ge- laten. Ihre gewerbs- und gewohnheitsmäßige Be­weisführung von der Verschlechterung der Mensch- heir hat ein Loch erhalten. Die Ziffern der Kriminal- statistik für das Jahr 1903 fügen sich in das Schema F nicht ein

Die Beweisführung für dieses Schema F pflegt in der Weise einzusehen, daß man vom Jahre 1882 ausgeht, wo unsere Reichskriminalstatistik begonnen hat, und ausführt, daß die Gesamtzahl der damals wegen Vergehens gegen die Reichsgesehe Verurteilten 299 249 betrug, während sie seitdem fast ununter­brochen gestiegen ist und sich im letzten Berichtsjahre 1903 auf 505 336 -belief. Die Tatsache, daß die Zirtern der Kriminalität in den letzten 20 Jahren foft ununterbrochen gewachsen sind, ist in der Tat bubt zu leugnen, aber die Moralvhilosopb*n, welche gewöhnlich gute Leute, aber schlechte Musikanten, 'S- b. schleckte Statistiker sind, übersehen bei ihren «lagen über die Schlechtigkeit der Welt einmal die «an, außerordentliche Zunahme unserer Bevölkerung welche ja ein entsprechendes Wachsen der Kriminali- tatszjffern bedingt, und zweitens die nickt minder .llroße Zccnahme neuer Reichsgesetze, die eine ganze "ninfil neuer Straftaten geschaffen haben. Es gibt heute eine Menge Verstöße und Verurteilungen, n die im Jahre 1882. wo unsere Kriminalstatistik skmfetzte, noch niemand gedacht hatte. Wir erinnern *wr an _ die Arbeiterversicherungsgesetze, an das jWuchergesetz, an das Weingeseh. an das Gesetz über ** unlauteren Wettbewerb. Und die Anzahl dieser

Düsseldorf, Frankfurt a. M. und Essen, für 59 Landrichter und 112 Amtsrichter, sowie für 28 Staatsanwälte. Neubauten sind geplant für Ge­richte ober Gefängnisse in Landsberg (Ostpr.), Bal- denburg, Mewe, Oranienburg, KottbuS, Rogasen, Haynau, Hirschberg, Friedland b. W., Treffurt, Halle a. S., Oldesloe, Itzehoe, Apenrade, Husum, Wilhelmshaven, Hannover, Lüdenscheid, Bielefeld, Essen, Werl, Eschwege. Fronhausen. Linz a. Rh., Hermesheil, Grevenbroich, Gemünd, Ahrweiler. Auch werden wieder verschiedene Summen zur Erbauung von Dienstwohnungsgebäuden für Amtsrichter in Westpreußen und Posen verlangt.

Ter Etat des Ministeriums de» Innern weist unter den Einnahmen ein Mehr von 2 Millionen Mark zu Beihilfen für unterstützungsbedürftige ehe­malige Krieger auf, die natürlich auch unter den Ausgaben erscheinen. Für die Polizeiverwaltung in Berlin werden 0,5 Millionen mehr verlangt, hauptsächlich zur Erweiterung des Beamtenper­sonals. U. a. sollen 103 neue Schuhmannsstellen geschaffen werden. Die Polizeiverwaltung in den Provinzen erfordert ein gleiches Mehr Hier sollen u. a. 98 neue Schutzmannsstellen geschaffen werden. In der Provinz Pofen sollen drei neue Distrikts­ämter errichtet werden. An neuen Gendarmen sollen 30 und an Obergendarmen 5 eingestellt werden. Der Prämienfonds für die Ermittelung von Ver­brechern ist um rund 150 000 Mk. erhöht, der für die Zuschüsse an die Kommunasverbände zur Ausführung des Fürforgeerziehungsgesetze» um 170 000 Mk. Im außerordentlichen Etat sind ausgeworfen: 141 400 Mk. zum Umbau des Polizeidienstgebäudes in Berlin, 542 500 Mk. zum Ankauf für ein Polizeidienstgebäude in Cbarlottenburg, 102 500 Mk. erste Rate für den Neubau eines Polizeidienstge­bäudes in Kiel, 189 500 Mk. zur Errichtung bezw. Beschaffung von Dienstgebäuden für Polizei-Distrikts- kommiffare. 143 449 Mk. zum Neubau bezw. Ankauf von Dienstwohngebäuden für Gendarmen im Osten der Monarckie.

Im Etat der landwirtschastlicken Verwaltung wird die Stelle für einen Vortragenden Rat im Mi­nisterium neu verlangt, die sich infolge des Tomänen- verkaufsgeschäftes nötig macht, außerdem die Um­wandlung der Stelle eines meliorastonswckniscken Hilfsarbeiters -fn die eines Vortragenden Rats. Bei den Generalkommisstonen soffen 30 Svezialkom- missare und -Sekretäre, 100 Vermeffunasbeamfe, 13 Zeichner neu eingestellt werden. Da die landwirf- sckaftlicken Versuchs- und Torsckungsanstalten in Bromberg vom 1. Oktober 1905 ab zum Teil in Be­trieb genommen werden können, sind die entsprechen­den Beam'ensteffen geschaffen. Der Zuschuß für ländliche Fortbildungsschulen ist um 75 000 Mk er­höht. Da das Interesse für biefe Schulen nament­lich auch im Osten erwacht ist, wird in ifirer Errich­tung auch ein M'"el zur Förderung des Teufschtums gesellen. 460 Kreistierarzfsteffen werden mit durchschnittlich 1650 Mk. misoeftottct. was einen Mehraufwand von 472 200 Mk. ausmacht.. Diese Gehaltserhöllung ist von der Regierung bereits 6ei Beratung über die Dieu^be-öae der Kre'stierär^te angekiindiat worden. Als Zulagen für die ^-eis- tierärzte sind 207 000 Mk. ausgeworfen. Die Aus­gaben für die Untersuchung des in das Zoffinland eingehenden Fleisches konnten um 200 000 Mk. er­mäßigt werden. Zur Förderung der Viehzucht, für Meliorationszwecke, für die Unterstützung 'and'mrt» sckaftlicher Vereine, für die Förderung de» Obst-, Wein- und Gartenbaues stnd verschiedene Mellraus­gaben eingestellt. Im Ertraardinarium stnd u. a. mehr ausaemorfen: 110 000 Mk. zur Förderung der Land- und Forstwirtschaft in den westlichen, 200 000 Mark zu der in den östlichen N-ovin-en. 1 000 ono Mark zum Ausbau der llochwaffe-->efährlichen Flüsse Schlesiens und Drandenllurgs. Neu eingesetzt sind 2 000 000 Mk. zur Förderung der inneren Koloni­sation in den Provinzen Ostpreußen und Pommern.

neuen Gefe<-e, die eben Strafbestimmungen und da­mit neue Straftaten mit sich brinnen. ist noch immer in der Zun-ckme begriffen ^azn kommt noch des weiteren, daß bestimmte ~ rastaten mit der Ans- deönung bestimmter Betriebe und Verrieb^nr^n im­mer häufiger werden. Wir brauchen hierbei nur daran -n erinnern, weich' breiten Raum in der Kri­minalistik beisse die Verstöße gegen die Gewerbe­ordnung einnellmen.

Berüöss'chtigt man biefe beiden Momente, so leuckwt obne weiteres ein, daß die Vergleichung der absoluten Kriminalitätsziftern vollkommen wertlos ist, und daß sie sich allenfalls für eine Bußpredigt, nickt aber für eine ernsthafte, wissenschaftliche Unter­suchung und auch nicht für einen ernst zu nehmenden Leitartikel eigne*. Nur mit Einschränkungen darf man also die Ziffern der Kriminalstaftstik betrach­ten. Da ergibt fick denn, daß feit dem Jahre 1896, wo die Anzahl der Bestraften sogar einen kleinen Rückgang aufruweifen F '"e, diese bis zum Jahre 190*3 nur ganz verschwindend stärker, als die Zu­nahme der Bevölkerung gestiegen ist. Im Jahre 1896 betrug die Anzahl der Verurteilten 456 999; 1897: 463 585; 1898: 477 807; 1899: 478 139; 1900: 469 869: 1901: 497 310; 1902: 512 329 und im letzten Berichtsjahre 1903 nur 505 336. In den Jahren 1899 und 1900 hat alfo eine relative, 1900 sogar eine starke abfolnte Abnahme der Krimi- nnlirätsziffern stattgefunden Es waren dies die Jahre des allgemeinen wirtschaftlichen Auftckwunas, und es zeigt sich hierbei am deutlichsten der Zu­sammenhang zwischen der wirtschaftlichen Lage und der Kriminalität. In den schlimmen Jahren 1901 und 1902, ganz besonders 1901, war eine starke Zunahme der Kriminalität zu verzeichnen, die jedoch im Laufe de? Jahres 1902, wo die ersten Anzeichen der wirtschaftlichen Befferung sich geltend machten, schon schwächer wurde. DaS Jahr 1903 hat nun be­reits einen Rückgang der Kriminalität gebracht, bet um so bedeutsamer ist, da die Anzahl der Verurteil­ten nicht nut relativ, b. h. mit Rücksicht auf die Be- völkerungsziffer, sondern absolut abgenommen hat.

Die tmrch Abwanderung hervorgerufene Abnahme der ländlichen Bevölkerung in den Provinzen Ostpreußen und Pommern läßt eS geboten erscheinen, zur Förde­rung einer gesunden inneren Kolonisation in diesen Landesteilen in erhöhtem Maße staatliche Mittel bereitzustellen. @8 ist nicht beabsichtigt, eine Koloni­sation für eigene Rechnung des Staate» einzuleiten, vielmehr sollen die bereitgestellten Mittel dazu dienen, um private Kolonisattonsunternehmungen, deren ge- nleinnütziger Charakter gesichert ist, staatlich zu fördern.

(Schluß folgt.)

Umschau.

Ein wichtige» Interesse de» deutschen Handel»

liegt, so betont der Jahresbericht der Hamburger Hardelskammer über da» Jahr 1904, in der Erhaltung de» Deutschtum» im Au»» land und in derPflege undFörderung der deutschen Auslandschulen al» der wichtigsten Organe zur Bewahrung und Ver­breitung nattonaler Kultur. Der Jahresbericht der Hamburg er Handelskammer sagt hierüber: Die Erhaltung und Föcderung deS Deutsch» tums im Auslands liegt nicht nur im natio­nalen Interesse, 'andern ist zugleich von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der Nutzen, den die deutschen AnSlandSschulekz tn nationaler und ku turei'er Beziehung bewirken, kommt daher dem deutschen Hantel mit zu gute. In dieser 6t'e< ntnis haben wir bei den hamburgischen Behörden beantragt, die Bestrebungen der hiesigen OrtS auppe des Allgemeinen Deutschen Schul- vereinS zur Erhaltung des Deutschtums im Auftande durch Gewährung eines ZuichufleS zu föroern. Wir halten eS für eine Aufgabe HuwckurgS, als des HanksspfatzeS für den über- tekiscben Handel Deutschlands, die idealen Be- "r buicgen deS Vereins nach Möglichkeit zu fördern, nicht minder aber auch für eine Pflicht des hamburgischen Handels, in Anbetracht der materiellen Förderung feiner Interessen tat­kräftig dntz W rken des Vereins zu unterstützen. Wir möchten daher bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Kaufmannschaft auf den Verein lenken, der unseres Erachtens weit mehr als bisher, in den Stand ges tzt werten sollte, seinem Wunsche, dem deutschen Handel V'vnier bienfte zu le stea, nachzukommen.' Hoffentlich veinhlen biefe von so maßgebender Seite kommenden Worte nicht ihren Zweck. Talfäch lich versäumt, rote schon oft betont, der deutsche Kaufmann seinen eigenen Vorteil, wenn er die Ir teressen des Deutschtums im Audlande mit ro htnimmt. Wie reät die deutschen Kauf­leute tun, wenn fie das Teutjd t m im AuS- lanöe t ach Kräften pflegen, kann man übrigens au-ck aus e njm Aus'atz übet den Gebrauch der deutschen <r prarbe im Levantehändel ersehen, ben das .Konstantmop er HandtlSblotf in seiner Nummer vom 16. Nov.mber 1904 Der« off-nttichte. Das Blatt wendet sich mit großer Gui'chletenheit gegen die deutsche Ai s änderet lO'ö zwar ebenso aus Gründen der n t onalen

Vergleichen wir das erste und bas letzte bet von uns herangezogenen Jahre, so fmben wir, baß von 1896 bis 1903 die Anzahl bet Bestraften absolut um 48 337 gestiegen ist. In betreiben Zeit hat bie Be­völkerung Teutschlanbs um 5,86 Millionen zuge­nommen, b. h. während bie Bevölkerung um 10,2 Prozent gewachsen ist, hat bie Anzahl der Bestraften um 10,6 Prozent zugenommen. Berücksichtigt man hierbei die Zunahme der neuen Gesetzesbestimmungen, so darf man eher von einer Verbesserung, als von einer Verschlechterung der Kriminalistik sprechen. Hierfür spricht auch bie sehr bedeutsame Tatsache, daß die Anzahl der zum ersten Mal verurteilten Personen in den letzten Jahren abgenommen hat, während bie Verbrechen im Rückfalle in bet Haupt­sache zugenommen haben. Das spricht aber weniger für bieVerschlechterung der Welt", als für bie von uns schon oft betonte Notwendigkeit einer Reform unseres Strafrechts und des Gefängniswesens.

Sterblichkeit t ub Allohol.

Wenn man unsere llebereifrigcn im Kampfe nicht bloß gegen unvernünftigen, sondern auch gegen ver­nünftigen Alkoholgenuß hört, so möchte man glauben bqs dem schmählichen Trunk verfallene Gros der Be­völkerung befinde sich im Zustand fortschreitender Lebenszerrüttung und gehe einem baldigen gänzlichen Verfall entgegen. Wäre dies so, so müßte sich ge­rade in der Gesamtstatistik ganzer Völker im Zusam­menhang mit dem angeblich seit einiger Seit so ge­waltig gestiegenen Alkoholgenuffe eine Zunahme der Sterblichkeit für die neueste Zeit Herausstellen. Ge­rade das Gegenteil aber ist bie wissenschaftliche Wahrheit. Am eingehenbsten hat bies vor kurzem Dr. Albert Abel (Der Rückgang ber Sterblichkeit in ben letzten fünfzig Jahren unb seine Bedeutung für das Versicherungswesen") in v. Mahr's Allge­meinem Statistischen Archiv auf Grund sorgsamster, wissenschaftlich einwandfreier Berechnung nachge­wiesen. Er hat dabei gezeigt, baß in ben sämtlichen »on ihm betrachtete» europäischen Staaten in der

Würce wie deS geschäftlichen Vorteils. Preis« listen und Druckfachen müssen in der Lande»« spräche abgefaßt werden, wenn sie der Kunde verstehen soll. Wo man weiß, daß er Deutsch versteht, schicke man ihm ruhig deutsche Ver­zeichnisse, er fühlt sich dadurch nur geschmeichelt. Aber Schilder, MarkeAufschriften aus btt Waren nur deutsch! Kennt der Kunde btt Sprache de» Warenschilde» nicht, so ist's ihm einerlei, wa» darauf geschrieben steht, er kaiH nur nach der ihm bekannten Marke; kennt er sie aber, so sieht er sa sofort daS Herkunftsland. Ganz besonder» verkehrt sei e», wenn sich ein ehrlicher Johann Toundfo oder eine Gesellschaft in Kassel in einen John und eine Comnaiy, Ld. verkleiden, um Geschäfte in einem Lande zu machen, in dem die Zahl der Deutschver« stehenden immer größer wird, so daß englische Fabrikan ten viel eher Grund zu dem um Be­lehrten Verfahren hätten, wenn sie nicht dagegen gefeit wären. Auch der Deutsche wird, so hoffen wir, sich besinnen; gibt e» doch in Konstantinopel schon Deutsche genug, die mit Widerwillen diese »Kriecherei vor dem Aulande sehen, sich der »Fremdfeligkeit' so vieler deutscher Fabrikan ten schämen und grundsätzlich keine deutschen unter f als cherFl agge segelnden Ware» kaufen. _________

Milderungen de» Strafgesetzbuches?

Es sind gegenwärtig Bewegungen im Gange, die die Abschaffung einiger Paragraphen de» Strafgesetzbuchs betreiben. Diefe ange'ocktenen Paraqraplen (66, 95 und 175) beziehen sich auf die Bestrafung von Majestätsbeleidi mngen, ReliqionSlästerungen und widernatürlicher Ur« zücht. Nur roenine der Befürworter der Hinweg räumung dieser Bestimmungen sind neneigt, die hier betroffenen Straftaten zu recktftrfi >en oder gutz"heißcn. Außer den dreisten Homoiex; ellen, die sich nicht scheuen, für ihre schmcuvollen Neigungen gar noch öffentlich und zwar unbehindert Propaganda zu machen und den Soz aldemokraten, die jedes Verbrechen von pathologischen Gesichtspunkten aus, jede Gottes­lästerung und MajestätS^eiei^igung als eine mutüone und verdienstliche Tat a* f he >, tritt nie ranb bafür em, baß bie B^ eh ing dreier Delikte oesördert werden solle, i^be n man deren Straflos! feit proklamiere. Im Ge ie teil be­haupten bie Zeitungen und Penö li-bleiten, die eine M lderung des Strafgesetzbuchs in 'bieder Hinsicht fordern, daß dadurch diese Uebeltatei sich vermindern würden. Ferner fr-ö fie der Meinung, daß schon die Ausnützung der er- wäbnten Paragraphen durch Erpresser deren Abschaffung erforderlich mache. Wenn man aber von solchen Anschauungen ausgeht, fe wird man schwerlich eine Grenz- finden neu, wieweit daS Strafgesetzbuch ü ergaupt noch i Geltung bleiben soll. Auch eine grofce Zahl anderer Paragraphen wirb vo Erpressern aus« genützi. Wir machen nur auf den § 176, 3 (5ittlid)feit8Deraebeu oegen äbrben u ter 14

letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein zu- Teil recht erheblicker Rückgang der -Sterblichkeit f;

gefunden hat. Er hat ferner nachgcwicscn, daß l r Rückgang der Sterblickkeit fast ausschließlich den jüngeren und mittleren Altersklassen zu gute kam. weniger den Kindern im ersten Lebensalter und ben Kreisen der höchsten Alwrsktassen. Es ist nun von Interesse, mit diesen Feststellungen für Europa die Ermittelungen zu vergleichen, die für die Ver­einigten Staaten in dem soeben erschienenen, vom Zensurbureau in Washington herausgegebenen Bulletin 15 (A discussion of the vital statistics of the 12th Census") enthalten sind. In dieser Sttidie untersucht Dr. John Shaw Billings, der schon beim 10. und 11. Zensus der Vereinigte« Staaten sich mit der Sterblichkeitsstatistik befaßt hatte, die Sterbeziffern für einige Hauptaltersklassen, wie für solche in jenen Gebietsteilen der Union, die eine einigermaßen zuverlässige Registrierung der Sterbefälle haben, für die Jahre 1890 und 1900 sich Herausstellen. Ist dieses Material und diese Berech­nung an wissenschaftlicher Zuverlässigkeit auch mit dem europäischen auf keineswegs gleiche Stufe z« stellen, so ist es doch beachtenswert, baß auch in be« genannten Gebietsteilen der Union gerade für da» letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts eine recht erhebliche Abnahme der Sterblichkeit sich eroibt. Di« allgemeine Sterbeziffer, b. h. bie Zahl ber in der Jahreszeitftrecke Gestorbenen auf 1000 der mittle- e« lebenden Bevölkerung bentg 19,5 im Jahre 1890 und 17,3 im Jahre 1900. Tie Sterblichkeit de» ersten Lebensjahres ist leider nicht besonders ausae- wiesen. Tie besonderen Sterbeziffern der einzelne«

Altersklassen stellten sich folgcndermaf-en:

1 890 1 900

Unter 5 Jahren 64,5°,9

5 bis 14 Jahre 5,3 3,8

15 bis 44 Jahre 9.4 7,9

45 bis 64 Jahre 21,3 20,3

65 Jahre unb darüber 76,6 82 8

Auch jenseits des Ezean» zeigt iteg hiernach eint allgemeine Verbesserung der Sterblichkeitsverhältnig^