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Marburg
Sonnabend, 14. Januar 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck rmd Verlag' Joh. Slug. Koch, Universitäts-Buchdruckern Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
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verboten.)
„Fiüeunerliebe".
Bon D. Olster.
($vcrtfe6ung.)
1. Der Zigeunerin dunkle Augen erglänzten !tn düsterem Schimmer. Hochaufgerichtet stand ifie vor dem Verwundeten. Ihr Antlitz war bleich, thre Gestalt hager und schlanker ge- ‘hwirbcn als früher: Fritz Berger erkannte die frische Gestalt der Geliebten kaum wieder And ein tiefes Mitleid ergriff ihn für das Mädchen, das ffch aus Liebe zu ihm aufopferte.
„Marianne", flüsterte er liebevoll, „du tust mir unrecht, du mißverstehst mich — ich meine es gut mit dir, auch mit deinem Groß- Dtrter —"
„Safet mich", schluchzte Marianne auf. „Ich Will den Großvater rufen, mit ihm möcht Ihr verhandeln. Mir ist jetzt alles einerlei — wacht, was Ihr wollt. Und ob ich inS Gefängnis komme, oder ich sterbe — mir ist's einerlei!"
Busschluchzend stürzte daS leidenschaftliche Mädchen aus dem düsteren @eroö'6e, den sanken m fieberhafter Aufregung zurücklaffend. Drau feen in der herben kalten Luft kühlte sich bas heiße Blut Mariannens ab. Weinend ließ ste sich unter einem Busche nieder und versuchte, einen flat en Gedanken zu fassen. Dann raffte ste ßch empor. Sie mußte mit ihrem Grofe- «ter sprechen. Ihm drohte die meiste Gefahr, r0* * Fritz Berger seinen Entschluß ausführte.
Der preußische Staatshaushaltsetat für 1905.
lFortsetzung.)
Im Etat der Eisenbahnverwaltung ist die Gesamtrinnahme auf 1625,4 Millionen Mk. oder 97,2 Mill. Äüark mehr als im Vorjahre, festgesetzt. Von dem Mehr entfallen 70,9 Millionen Mk. auf den Güterverkehr, 26,6 Millionen Mk. auf den Personen- und ^stepättperkehr^ Aus dem ersteren iverden 446,3 Millionen, aus dem letzteren 1073,6 Millionen Mk. erwartet. — Die fortdauernden Ausgaben sind mit >1005,6 Millionen Mk. oder mit einem Mehr von 62,1 Millionen Mk., die einmaligen und auhcr- ivrdentlichcn mit 115,4 Millionen Mk. oder einem Mehr von 14 Millionen Mk., die Summe aller Aus- «abe-t mit 1121 Millionen oder 66.1 Millionen Mk.
angeseht. Der Abschluß gestaltet sich demnach iso, daß im Ordinarium ein Ueberschuß von 615,7 Millionen erzielt wird, wovon 111,3 Millionen Zuschuß für das Extraordinarium abzuziehen wäreri, Mß ein Ueberschuß von 504 Millionen Mk. bet» fiJeibt der sich gegenüber demjenigen des laufenden Jahres noch um 31 Millionen Mk. besser stellt. — Iaich den Erläuterungen zu den ordentlichen Aus- tzoben werden im Jahre 1005 Eisenbahnstrecken in Sb.ingc von 727,97 Kilometer Vollspur neugebaut Werden, sodaß am Schlüsse 1905 für den öffentlichen Verkehr an vollspurigen Bahnen 34586,17 Kilometer cm schmalspurigen Bahnen 231,79 Kilometer im Getriebe sein werden. Die weitere Ausdehnung deS Bahngebiets macht eine Vermehrung der Arbeitskräfte tarn 3402 nötig. Die gesteigerte Neubautätigkeit er« Mdert eine Mehreinstellung von 300 Personen, zur Verstärkung des Personals auf den umgebauten Äsahnhöfen, zur Besetzung der verschiedensten Neu- -anlageu sind 1220 Köpfe erforderlich, die Umwaud- •nun; des Nebenbahnbetriebes auf einzelnen Strecke» in Vollbahnbetrieb macht eine Vermehrung um 240 Köpfe erforderlich, die Vermehrung der Züge, der 'Fahrkartenausgabe usw. eine solche von 2/,'0 Be- omtMi und Arbeitern. Insgesamt wird gegen 1903 Ou Mehr von 10 622 Personen verlangt. Dadurch ergibt sich eine Mehrausgabe von 13 364 C00 Mk. iSnie Erhöhung der Einkommensbezüge des Dienstpersonals macht eine Mehrausgabe von 8 183 000 S/iorf nötig. Von der Erhöhung werden betroffen Bahnwächter, .Nachtwächter, Kranwächter, Rangier- jMetster, Weichensteller erster Klaffe, Oberbahnmeister, Mottenführer und Schirrmänner. Auf die E^hung !dcr Löhne der unteren .Hilfsbediensteten und 'er Be- ürtebsarbeiter entfällt eine Ausgabesteigernng von ^tinli 1,5 Millionen Mk. Mr Wohlfahrtszwecke sind »le verschiedensten Mehrausgaben vorgesehen so für ärztliche Untersuchung und Behandlung der Beamten un d Arbeiter, für Kaffenpenstonen, ' für Kranken- Men, für Unfallfürsorge. Neu ist eine Ausgabe für Unterstützung von Vereinen, die durch Krankenpflege in Familien der Eisenhahnbediensteten be-
. rs m Anspruch genommen werden. Für die Beschaffung der Detriebsmaterialien sind bei den Kohlen Mehrausgaben von 6.9 Millionen Mk. vorgesehen. Die Mehrforderung von rund 1 Million Amr? bei den übrigen Betriebsmaterialien gründet ick hauptsächlich auf die gesteigerte Verwendung von Mektrtzttat für Beleuchtung?- und Kraftzwecke. Das Mehr der Ausgaben für die Erneuerung des Oberbaues stellt sjch gegenüber der wirklichen Ausgabe von 1903 aus 10,5 Millionen Mk. Es sind als erforderlich angenommen 201 900 To. Sckwnen 8.>6no To. Kleineisen,eug. für 7.8 Millionen Weichen und für 27,3 Millionen Mk. Schwellen. Die Tonne Schienen ist auf 117 Mk. angenommen. Das Mehr entfällt mit 5 Millionen Mk. auf die Schwellen, '»nt nahezu 3 Millionen Mk. auf das Kleineilenzeug, !p,>t 1'7 Millionen Mk. auf die Schienen und mit 'den, Rest auf die Weichen. Der Durchschnittspreis für die Tonne Schienen stellt ffch um 1,18 Mk. niedri
ger als der rechnungsmäßige Preis im Jahre 1903, der deS Kleineisenzeugs um 15,96 Mk. höher. Ne» angeschasst sollen werden 570 Stück Lokomotiven zu 34 Millionen Mk., 750 Stück Personenwagen zu 12,3 Millionen Mark, 8000 Gepäck- und Güterwagen zu 23,7 Millionen Mk., zusammen für 70 Millionen Mk. mehr als im Jahre 1903 tatsächlich ausgegeben wurde. — Unter bett einmaligen Ausgaben sollen erwähnt werden erste Raten: 400 000 Mark zur Herstellung eines Verkehrs- und Stau« Museums in Berlin, ebensoviel zur Herstellung eines zweiten Geleises auf der Strecke Neisse—Camenz— Glatz, 300 000 Mk. zur Herstellung eines neuen Bahnhofs bei Mocker im Bezirk Bromberg, ebensoviel zur Umgestaltung der Bahnanlagen bei Köln, 400000 Mark für einen Vorbahnhof bei Barmen-Ritters- hausen, ebensoviel für ein zweites Geleise auf der Strecke Camburg—Kösen, 150 000 Mk. ebenso für die Strecken Kodier—Pich, Vienenburg—Bad Harz- Burg, Bünde—Osnabrück.
Im Etat der Staatsschuldenverwaltung wird die Staatsschuld für 1905 auf 7 208 953 039 Mk. 11 Pf. festgesetzt. Die Verzinsung erfordert 5,2 Millionen Mark mehr als im laufenden Jahre, wovon 2,2 Mill. Mark auf die 3 proz. Anleihe, der Rest auf die Schatzanweisungen entfällt. Die Summe für die Tilgung der Schuld, die mit 7, Prozent erfolgt, ist auf 40,3 Millionen Mk. notiert.
Die Etats des Herrenhauses, des Abgeordnetenhauses weisen wesentliche Aenderungen nicht auf. In letzterem wird das Einkommen der Kellner und anderen Bediensteten etwas mehr als bisher gesichert.
Der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung verzeichnet in den Einnahmen unter den Ueberweisungen vom Reiche ein Weniger von 222,9 Millionen Mk. Da Zölle und Tabaksteuer nicht mehr überwiesen werden, so ist dadurch ein Ausfall von 227,9 Millionen Mark verursacht. Aus der Branntweinsteuer wird auf ein Mehr von 6,8 Millionen Mk., au8 den Reichsstempelabgaben ein Weniger von 1,8 Millionen Mark erwartet. Dem Ausfall entsprechend sind die Mairikularbeiträge gekürzt worden.
Im Etat der Generalordenskommissio» ist ein Neudruck der Ordensliste, die zuletzt im Jahre 1895 herausgegeben ist, vorgesehen.
Der Etat der Ansiedeluugskommission sieht 4,5 Millionen Mk. Mehreinnahme aus der Ueberlaffung von Stellen, Wiederlvräußerungen von Grundstücken nsw. vor. Unter die Ausgaben sind 700 000 Mk. als erste Rate für die Errichtung eines Dienstgebäude 3 eingestellt. Die bisher ermicteten Räume erweisen sich als unzulänglich. Auch laufen die Mietsverträge 1907 und 1908 ab. Dann müßte mit einer wesentlichen Steigerung der Mietspreise gerechnet werde». Ein geeigneter Bauplatz für das neue Dienstgebäude ist auf dem durch die Entfestigung der Stadt Posett gewonnenen Gelände vorhanden.
Im Etat des Finanzministeriums ist die Errichtung eines dritten Regierungsbezirks in Ostpreußen mit dem Sitze in Allenstein vorgesehen. In einer hierauf bezüglichenDenkschrift wird die Maßnahme mit der fortdauernd ungünstigen wirtschaftlichen Sage der Provinz und mit der Notwendiakeit einer besonders eingebenden Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und ständigen Fühlung mit der Bevölkerung seitens der Regierungen begründet. Der Regierungsbezirk Königsberg ist übrigens der größte der ganzen Monarchie und der Bezirk Gumbinnen immer noch größer als die Provinz Heffen-Naffau. Der neue Bezirk würde in der Hauptsache die masurischen Kreise, und zwar Osterode, Allenstein, Neidenburg, Rössel, Ortelsburg, Sensburg, Lätzen, Lvck und Johannisburg umfassen. Die Durchführung der Maßregel soll zum 1. Oktober 1905 erfolgen. — Der Dispositionsfonds der Oberpräsidenten zur Förderung und Befestigung des Deutschtums in den Ostprovinzen und Schleswig-Holstein ist um 750 000 Mark, auf 2 250 000 Mk. erhöht worden. Namentlich soll der an Schärfe zunehmenden großpolnischen
sich den Behörden zu stellen. Ihr Gro Vater mußte sich wenigstens vorder retten, nach Jfrank- reich hinüber, dann mochte Fritz tun, was er wollte. Die andern Schmuggler kannte er ja nicht, der Jockel konnte ebenfalls über die Grenze gehen und sie — was lag an ihr! Wenn er sie nicht mehr liebte, dann mochte aus ihr werden, was da wollte — ihr wars einerlei! Aber sie wollte bei ihm ausbalten und ihr Zeugnis sollte seine Worte unterstützen. Dann verzieh man ihr vielleicht, weil sie Fritz fo treu gepflegt, und vielleicht kehrte auch seine Liebe wieder zu ihr zurück. Dieser Gedanke gab ihr neuen Mut und rasch eilte sie den Abhang hinauf. Erschreckt fuhr sie zusammen, als sie sich dem jungen Baron von Fentrange gegenübersah.
* »
Die Hütte deS alten Zigeuner Josef war in eine tiefe Felsspalte hineingebaut, welcher in halber Höhe des DergeS lag. Das Inne e der- ' eiben war in einen vorderen und einen hinteren Raum eingeteilt: dieser erhielt sein spärliches Licht durch eine O.-ffnung in dem Dache. ES war indessen der größere der beiden Räume und glich einem großen Keller. Nur eine sehr kleine Tür, für fremde Augen kaum bemerkbar, führte in denselben hinein, während in seinem vollständig finsteren Hintergründe ein enger Gang den Felsen nach obenhin durchbrach, so daß der Bewohner iieser Höhle auch von hier auS ins F>^ gelangen konnte. Durch diesen versteckten Hin- |
Agitation in den Ostprovinzen entgegengetreten werden. — Der Pensionsfonds für Zivilbeamte usw. ist um 7 Millionen Mk. gesteigert. — Auch der Posten für die an die Reichspostverwaltung zu zahlende Vergütung für aversionierte Porto- und Gebühren« betrüge hat eine Erhöhung, und zwar um 823 000 Mark, erfahren. Die Portozählung im Kalenderjahr 1903 hat ergeben, daß rund 9 545 000 Mk. zu Postsendungen in Staatsdienstangelegenheiten verwendet worden sind. Unter Annahme dieser Summe und Zugrundelegung eines Steigerungssatzes von 5 Prozent hat eine Erhöhung der bisher gezahlte« Vergütung für 1904 auf 10 022 000 Mk., für 1905 auf 10 523 000 Mk. und für 1906 auf 11 050 000 Mark stattfinden müssen. — Zu baulichen Verbesserungen im Königlichen Schauspielhause zu Berlin tverden 1802 055,21 Mk. gefordert.
(Schluß folgt.)
Der rnssisch-jarmuische Krieg.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze sind augenblicklich außerordentlich spärlich. Wie ein Telegramm der „Morning Post" auS Schanghai unterm 11. d. MtS. meldet, entfalten die Russen a m S ch a o eine gesteigerte Tätigkeit. Täglich kommt e8 bei Schentiang zu Gefechten mit dem japanischen reckten Flügel. Die japanischen Stellungen in der Nähe von Kulaotunq werden eifrig beschossen. Alle Angriffe der Russen gegen die japanischen Vorposten 'waren bi» jetzt erfolglos.
General Nogi berichtet unterm 12., daß die Uebergabe Port Arthur» beendet ist. Dabei wurden ausgeliefert: 59 permanente Befestigungen, 546 Geschütze (darunter 54 von großem, 59 von mittlerem und 433 von kleinem Kaliber), 82 670 Granaten, 3000 Klgr. Pulver, 35 252 Gewehre, 1920 Pferde, 4 Schlachtschiffe (ebne die „Sebastopol", die vollständig gesunken ist), 2 Kreuzer, 14 Kanonenboote und Torpedobootzerstörer, 10 Dampfer, sowie außerdem 35 kleinere Dampfer, die nach unerheblichen Reparaturen noch brauchbar find.
Paris, 12. Jan. Die Kommission zur Untersuchung der Hüller Angelegenheit genehmigte in ihrer heutigen Sitzung die Ausarbeitung über das einzufchlaqende Verfahren, und vertagte sich dann auf Dienstag zur Aufnahme des Tatbestandes. Die Berichte darüber werden in der ersten öffentlichen Sitzung am 19. Januar verlesen werden.
Petersburg, 12. Jan. Die „Noweje Wremja" gibt eine japanische Meldung wieder, wonach in Port Arthur noch Reis, Mehl und Salz für zwei Monate sowie 2000 Pferde vor» bannen gewesen seien und daß dieserhalb die Generale Sn hnow, Fock und GordatowSki geoen eine Kapitulation im KriegSrat gestimmt hätten. Das Blatt befürchtet, daß wegen deS Gegensatzes zwischen General Smhrnow und General Stöffel eine Skandalaffäre herauS- wachfen dürfte.
Paris, 13. Im. „Echo de Paris" will erfahren haben, daS dritte russische Geschwader werde endailtig in der Zeit zwischen dem 15. und 18 Januar russischen Stils die Ausreise antreten. Das Geschwader werde Ende Februar
und Ausgano, ker niemanden als den Bewohnern der Hütte bekannt war, eignete sich die Höhle zum Schlupfwinkel für das verbrecherische Treiben des alten Zigeuners auf daS vortrefflichste. Josef hütete auch mit großer Sorgfalt das Geheimnis dieses Baues, nur der Gastwirt Bourgeois und Jockel Sckmidt wußten von diesem geheimen unterirdischen Gange, da sie oft zu Besprechurnen und Beratungen in der Hüt'e des alten Zigeuners zusammengekommen waren. Diese Zusammenkünfte wurden indessen nur bei Nacht abgehalten; denn selbst die Bewohner des Zigeunerdorfes sollten nicht ahnen, daß Maitre Bourgeois in daS verbrecherische Treiben verwickelt war. Wenn er sich einmal, wie bei dem letzten großen Schmuggel in Person bei einem solchen nächtlichen Unternehmen beteiligte, dann schwärzte er sein Gefickt und vermummte sich so, daß die übrioen Schmuggler ihn nickt erkennen konnten. Er war der geheime Leiter aller Unternehmungen, welche er durch den Zigeuner Jgsef und Jockel Sckmidt ausführen ließ; wenn diese beide Widerspruch gegen seine absonderliche Stellung erhoben, dann beruhigte er sie stets dadurch, daß er darauf hinwieS, wie viel leichter eS für ihn in feiner geheimen Stellung fei, die gepaichten Waren unlerzubringen und wie viel beffer er dieselben verwerten fö ine zum allgemeinen Nutzen der Schmugglerbande. So auch heitte wieder, als er mit Josef und Jockel in der trüben Dämmerung der Hütte z isammensafe.
»Ihr seht, Jockel", fa^te er, »wie gut e»
im indischen Ozean eintreffen. RoschestwenSky sei telegraphisch befragt worden, wo er gedenke daS Geschwader abzuwarten.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Januar.
— Seine Majestät der Kaiser empfing gestern Vormittag den Oberleutnant Lebedew vom russischen Infanterie-Regiment Wiborg und den russischen Botschaftssekretär van der Bliet und hörte die Vorträge des Generalleutnaiits v. Beseler, beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Generalinspekteurs des Ingenieur- und Pionierkorps und der Festungen, ferner des Chefs des Generalstabes der Armee, beS Kriegsministers, des Chefs des Militärkabinetts und des Generalinspekteurs der Fußartillerie. Das Frühstück nahm der Kaiser bei dem Generalintendanten v. Hülsen ein. — Der Kaiser beabsichtigt, einer Meldung aus Spandau zufolge, das im Kreise Osthavelland an der Chaussee von Potsdam nach Spandau belegene Rittergut Groß-Glienicke käuflich zu erwerben; die Besitzung soll für den Kronprinzen bestimmt sein.
Die Kaiserin begab sich gestern Vormittag nach Potsdam und wohnte der Einweihung der Anstaltskirche des Oberlin-HauseS in NowaweS bei. Nach der Feier besuchte sie das Kinderkrüppelhaus.
Der Kronprinz, der infolge einer Erkältung genötigt war, einige Tage das Zimmer zu hüten, ist so weit wiederhergestellt, baß er sich im Freien bewegen und auch demnächst seinen Dienst wieder über« nehmen kann.
— Die konservative Partei bringt im Reichstage folgende Jnterpella« tion ein: Ist der Herr Reichskanzler in der Lag«, dem Reichstage eine Auskunft über den gegenwärtigen Stand der Handelsvertragshandlungen mit Oesterreich-Ungarn, sowie über die Umstände zu geben, welche ihn veranlaßten — seiner am 12. Dezember b. I. abgegebenen Erklärung, die abgeschlossene« neuen Handelsverträge dem Reichstage gteiu: nach seinem Wiederzusammentritt vorzulegen, nicht z« entsprechen, auch eine Kündigung der alten Handelsverträge bisher nicht eintreten zu lassen.
— Die Handelsvertragsverhandlun« gen mit Oesterreich-Ungarn haben z« einem Kompromiß geführt, mit dem sich die verbündeten Regierungen und, wie man annehmen darf, insbesondere auch das Preußische Staatsministerium in seiner vorgestrigen Sitzung einverstanden erklärt hat. Namentlich ist man auch in der viel umstrittenen Frage der Veterinärkonvention zu einer vermittelnde» Einigung gelangt. Der enbgiftige Abschluß der Verhandlungen hängt noch von bet Stellungnahme des österreichisch-ungarischen Ministerrats ab, der, wie bereits gemeldet, in Budapest zusammentrat. Sollten, was als ziemlich ausgeschlossen gilt, noch Differenzpunkte bestehen bleiben, oder sich neu Herausstellen, so würden die Unterhändler ihre Beratungen Wohl oder Übel nochmals aufnehme« müssen.
— Die Verhandlungen über die deutsch« Eisenbahnbetriebsmittelgemeinschaft die am 9. Januar in Berlin begonnen, sind gefter« vorläufig beendet worden; ein endgilffger Abschluß ist noch nicht erfolgt, da es sich vorerst nur um eine« unverbindlichen Meinungsaustausch zwischen den beteiligten Regierungen handelt, doch wurden in eingehender Beratung die Grundzüge für eine weitere Behandlung vereinbart. Mit der Vorberatung der zahlreichen, vielfach äußerst schwierigen Einzelfrage« wurde em Unterausschuß betraut, in dem sämtliche deutsche Staatseisenbahnverwaltungen vertreten sind.
— Bei der gestrigen Reichstagsersahwahl in Ealbe-Aschersleben erhielt Placke snl.) 11 624, Rahardt (Mittelstandsparteis 7898, Albrecht (Soz.)i 18 450 und Fleischer (Zentrum) 366 Stimmen. Einige kleine Orte fehlen. Stichwahl zwischen Placke und Albrecht ist sicher.
war, bafe ich selbst unseren Leuten gegenüber eine unbekannte Person blieb. Jetzt ist kaum Gefahr für mich vorbanden, daß ich entbeeft werde, wenn Ihrs Maul haltet, und so kann ick weit leichter alle Maßregeln des Offizier«, der beute bei mir eingerückt ist, ausspionieren.*
»Ja, ja, Ihr könnt schon recht hoben, Monsieur Bourgeois", entgegnete Jockel. „Mr verraten Euch nicht; wenn? uns an den Kragen oehen sollt, laufen wir über die Grenze, und Ihr werdet schon dafür sorgen, daß es unS drüben nickt schlecht geht."
„Sicherlich werde ich dafür sorgen. Da» beste wäre, Ihr würdet gleich heute nacht über die Grenze gehen, ehe sie von den Soldaten gesperrt ist. Wie ich gehört habe, soll von heute abend an schon ein fortwährender Pa- touillengang an der Grenze entlang eingerichtet werden. Kennen die Soldaten erst die Grenze genauer, dann dürfte es schwer halten, unbemerkt hinüberzukommcn."
„Die verdammten Grünröcke!"
„Mit unserem Schmuggel ists vorderhand doch vorbei. Ein Glück ist8 nur, daß ich de« größten Teil der zuletzt h?nibergeho.ten Waren ckon verkauft habe. Der andere Teil steckt noch im Turm, da mag er liegen bleiben, bis bessere Zeiten kommen. Aber sagt mir nur, Joies, waS soll mit dem Unteroffizier geschehen? Ihr erzähltet mir, daß er auf dem Wege d«r Besserung sei?"
„Ja, daS ist er; in acht Tagen kann « wieder auSgehen." (Fortsetzung folgt.)