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vierteljährlicher Bezugspreis. Da oet Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2,25 M. <exct. Bejtcllgeld).

Insertionsgebühn die gejpaltcneZeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

zur Seite gestanden, wenn sie ihm ihre kleinen Sorgen anvertraut hatte; auch diesmal würde er gewiß einen Rat wissen. Er brauchte ja deshalb noch nicht zu erfahren, daß Henris Bild einen so tiefen Eindruck auf ihr Herz gemacht hatte nein, dies Geheimnis durfte sse nicht verraten. Was sollte der Dater von ihr denken?

Gisela saß noch in zweifelnder Ungewißheit da, Wa8 sie tun sollte, als sich die Tür öffnete und ihr Vater mit einem feinem Lächeln auf dem glattrasierten Antlitz eintrat. In seiner weißen fleischigen Hand hielt er einen Brief, dessen Papier und Format eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Briefe zeigten, den Gisela empfangen.

Gisela sprang empor. Wiederum färbte sich ihr liebliches Antlitz mit dunklem Rot.

Ich sehe," sprach lächelnd Herr Markwardt, daß mein Töchterchen den besagten Brief schon empfangen hat."

L eber Dater, was meinst du hier ist ein Bcief von Gertrud Menken, in dem sie mir ihre Verlobung mit Hauptmann Ahlborn an­zeigt'

DaS ist ja sehr interessant! Aber nun kannst du dich sofort revanchieren"

Papa, ich bitte dich*

Nun, Kind, machen wir keine Weitläufig­keiten. Ich sehe da einen Brief auf deinem Tisch liegen, der hier dem meinigen auf ein Haar gleicht. Beide Briefe find von Leutnant von Usedom. Derselbe schreibt mir, daß er an dich einen Brief abgesandt, in dem er dir seine Liebe erklärt und um deine Hand bittet; er hielt eS für angezeigt, zugleich mir davon Nach-

kamen im Laufe des Krieges Nachrichten auS Tokio, die ganz oder teilweise falsche Meldungen enthielten. Aber die später eingelaufenen Tele­gramme (die wir gestern abend noch durch Extrablatt veröffentlichten), ließen dann keinen Zweifel mehr an der traurigen Wahrheit: Port Arthur ist gefallens Da- fo lange Gefürchtete, aber immer wieder gern für un­möglich Gehaltene, ist also doch eingetrrteo. Ein erschütternde« Drama, daS die ganze Welt, ob Freund oder Gegner der Russen oder Japaner, in größter Spannung gehalten hat, das die Aufmerksamkeit aller Völker auf die Felsen­festung im fernen Osten fast ausschließlich kon­zentrierte, hat sein Ende gefunden, und voll Bewunderung sieht die ganze Welt auf die heldenmütigen, ausdauern­den Verteidiger, auf General Stössel und seine tapferen Soldaten.

Hell strahlt ihr Ruhm in alle Lande hinaus als hohes Lied von Soldatenehre und Soldaten­mut, unbeirrter Treue gegen Vaterland und Herrscher. Acht Monate hat die tapfere Helden­schar die Festung gegen einen übermächtigen Feind verteidigt, in den letzten Monaten und Wochen mit dem größten Opfermut die Schreck- ss-- einer aufs schärfste durchgeführten Be­lagerung ertragen, fürwahr ein Ereignis, das in den Annalen der neuesten Welt- und Kriegsgeschichte mit den ersten Platz einnehmen wird.

Ueber die Vorgänge, die unmittelbare Ur­sache der Entschließung Stöffe'S gewesen sind, liegen zur Zeit noch keine Nachrichten vor. Nach den wenigen Telegrammen zu schließen, muß der Fall verschiedener FortS während der letzten Tage die weitere Verteidigung so gut wie unnütz gemacht haben, sodaß General Stöffel, um Blutvergießen zu vermeiden, dar doch den Endausgang nur um weniges verzögert hätte, sich zur Uebergabe deS Platzes sicher schweren Herzens entschloß. Aber die Russen ha^en fast UebermenschlicheS zur Wahrung ihrer Waffenehre geleistet. Den Helden von Sebastopol, da« sich im Krimkriege elf Monate halten konnte, stehen die Helden von Port Arthur eben­bürtig zur Seite.

Mit unheimlicher Energie und überraschender methodischer Sicherheit haben die Japaner in den letzten Wochen ihre Belagerungsarbeiten ausgeführt. Seit dem ersten Weibnachtsfeier- tage hatte der letzte Gewaltangriff auf den Nordkranz der russischen Fort« eingesetzt. DaS schräg nordwestlich ein wenig vorgetaute Fort Kuropatkin war ja längst im Besitze der Japaner. Jetzt ging es der Reihe nach und dann gemeinsam gegen West Kikwanschan, Fort Erlungschan und Ost Kikwanschan vor. Erst der Artillerie-An­griff. Dann trug die Sappe den Infanteristen und den Pionier an Wälle und Brustwehr heran. Unb dann begann der Mineur seine

Arbeit. Der innere Befestigungsring der Forts ist durch mächtige Dynamit-Minen niedergestürzt worden.

Ueber die letzte» T«fte der Festm»r liegen folgende Nachrichten n

Tokio, 1. Januar. Die Japaner machten gestern einen Sturm auf da« Fort Sung- schuschan der Festung Port Arthur und er­oberten e«.

Tokio, 1. Januar. Ein Bericht der Port Arthur belagernden Armee besagt, daß die mittlere Abteilung den Feind vor sich her­treibend heute früh 7 Uhr da« L - F o r t be­setzte und darauf da« neue Fort vonPanlung- schan einnahm, sodaß die ganze Linie de« Panlungschan- und de« 8.-FortS tatsächlich der Besetzung dur-b die Japaner verfiel. Der japa­nische rechte Flügel begann heute früh 8 Uhr die Beschießung der Höhen im Süden de« Dorfes Sanhangtau und nahm sie trotz de« hestinen Widerstande« deS Feinde«.

Im Laufe de« Sonntag« hatte» die Japaner auch das Fort Wangtai und den Signal- Hügel mit Sturm genommen. Wangtai ist eines der starken Werke in der Tafelberg-Gruppe nordwestlich vom Zentrum der Festung; der Signalhügel liegt dicht daneben.

Tokio, 2. Jin. General Nogi berichtet über die Einnahme de« Fort» Wangtai am 1. Januar, daß da« Zentrum und die linken Abteilungen um 9 Uhr morgen« den Angriff eröffnet hätten, fich geschickt da« Resultat der Beschießung zunutze machend. Die japanischen Truppen stürmten in da« Fort Hinern und be­setzten es um V«4 Uhr. Hier erbeuteten die Japaner vier Geschütze, im 8 Fort drei und im Fort Sungschuschan sieben.

Tokio, 2. Jan. (Amtliche Mitteiluu ; General Nogi m-ldet, daß die Fort« Ostkrt- wanschan und Ma 12 Uhr 30 Min. nacht« vom Feinde geräumt und selbst in die Luft ge­sprengt wurden. Die Japaner haben diese Forts und die Höhen im Süden davon besetzt. Fast alle Schiffe im Hafen und in der Hafen­einfahrt wurden am Morgen de« 2. Januar vom Feinde selbst in die Lust gesprengt. Die Operationen der Japaner find seit dem Morgen bi« zum Schluffe der Kapitulationsverhandlungen unterbrochen worden.

London, 2. Jan. Aus Tokio wird de­peschiert: ®ie. Eroberung von Sungschuschan wurde durch die Benutzung der in Erlungschan eroberten rusfifchen Geschütze erleichtert. Die Nicktkombottanten haben unter Liautischan Zu­flucht genommen, und die Russen ersuchten die Japaner, diese Stellung nicht zu bombardieren, indem sie erklärten, daß sie von dort au« nicht feuern würden. Die Jipaner willigten in diesen Vorschlag ein. Ueber die

8erha»dl«»ge» wegr« der Uebergabe wird gemeldet, daß General Stöffel, laut amt­licher Depesche aus Tokio, einen Brief an den

richt zu geben unb im Falle du nichts dawider hast, um meine Einwilligung zu bitten. Nun, was fa st du?'

Herr Markwardt blickte feine Tochter über­rascht unb erstaunt an. Gisela stanb in augen­scheinlicher Verlegenheit da; ihre Augen suchten den Boden, während Röte und Blässe auf ihren Wangen wechselten. Ihre Lippen zuckten, sie wußte nicht, was sie ihrem Vater erwidern sollte.

Ja, was sehe ich denn, mein Kind?' nahm Herr Markwarbt wieder das Wort, indem er etwas ungeduldig seine goldene Brille zurecht rückte.Du stehst ja da, als ob dir die Nach­richt unangenehm wäre? Ich dachte, du würdest mir jubelnd um den Hals fallen; denn ich habe gegen eine Verbindung mit Leutnant von Usedom nicht das geringste einzuwenden.'

Lieber Vater, ich kann dir nicht erklären, ich weiß nicht, was ich Herrn von Usedom er­widern soll.'

Aber dir scheinen doch sonst Herrn von Usedoms Aufmerksamkeiten Freude zu machen?"

Allerdings, er ist ein sehr ehrenwerter Mann, nett und liebenswürdig, aber'

Aber?!'

Papa, lieber, guter Papa, quäle mich doch nicht so. Ich kann dir nicht antworten. Ich weiß es selbst nicht, aber seit einiger Zeit kommt mir Herr von Usedom nicht mehr so nett, so liebenswürdig vor.'

Unter Stocken, Erröten unb verlegenem Augensenken hatte Gisela die letzten Worte ge­sprochen. Dann schlug sie plötzlich die Hände vor da« Gesicht und sing an zu weinen.

Papa Markwarbt betrocetete sein Töbtera e» eine Weile mit schlauem Lächeln, während feind Lippen einen leise vreifenden Ton hervorstießen^ wie man zu tun pflegt, wenn man eine über­raschende Entdeckung gemacht hat. Dann sagte er:

Mo feit einiger Zeit findest du Leutnant vou Usedom nicht mehr so nett ei, ei, bo«' ist ja eine merkwürdige Sinnesänberunq. Ich glaube indessen den Zeitpunkt dieser Sinnes­änderung bei meinem Töchterchen ganz genau bestimmen zu können.'

Papa, lieber Papa!' schluchzte in lieblicher Derle--eirheit Gisela unb wandte ihr schmollende« Gesichtwen dem Fenster zu, damit Papa Mark­wardt daS heiße Erröten desselben nicht be­merken sollte. Aber Papa war ein viel zu pfiffiger Geschäftsmann, als daß er das nicht erkannt haben sollte, er habe das Richtige mit feiner Vermutung getroffen.

Ich will nicht weiter in dich dringen, Töchterchen, sprach er lächelnd,aber du weißt doch, daß du deinem'Papa ganz vertrauen kannst, still nur, still! Jetzt nicht! Die An­gelegenheit ist ja noch nicht spruchreif; wer weiß denn, ob derAndere" dich nett und liebenswürdig findet, es hat gerade nicht de» Anschein, denn er läßt sich selten genug sehen.'

Papa, wie kannst du mich nur so quälen!'

Nun gut, sprechen wir nicht mehr von dem Andern"! Aber dieser hier," und bei diese» Worten klopfte Herr Markwardt leicht auf de» Brief Usedoms,will doch eine Antwort haben. Watz soll ich ihm denn nun antworten? Du fändest ihn nichtnett" genug zum Heiratens Freilich, er ist wohl seine sechs Fuß hoch, fast wie der Riese Goliath.' (Fortsetzung folgt.)

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und »erlag- Iah. «ug. Koch, tlmverfttäts-Buchdruckerck 40.

Marburg, Markt 2L Telephon 56. "

Oberkommanbierenden der Belagerunqsarmee sandte, worin er einen Vorschlag, betreffend bis Uebergabe von Port Arthur, machte. General Nogi empfing den Brief Sonntag abend 9 Uhr. Der japa ische General ist erkrankt, doch wurde» sofort in seiner Gegenwart die Unte* Handlungen eingeleitet, die fich auf die einzelnen Bedingungen der Uebergabe beziehen. Wir erhielten noch folgende telegraphische Meldungen, die wir, teilweise wiederholt, hier nach einander wieder» geben:

T»ki», 2. Januar, 1 Uhr nachmittag«. Die ruffifchc« nnd japanifche» Bevoll- mächttAte« trete* heute ««chmtttag zu­sammen, nm »der die Vedinannge« »er Uebergabe zu beraten.

Tokio, 2. Januar, 2 Uhr nachmittags. I* feinem Briefe an den General Nogi er­klärt «eneral Stäffel, »atz feder Wider» stau» jetzt «nnntz fei. Der Mikado fprach in einem Telegramm a» General Nogi feine hohe Anerk «nnng für General Stöffel ans nnd wies »en General Nogi an, dem General Stiftel, »em Chef »es Gener.lftabes und der Besatzung von Port Arthur alle Ehren zu erweisen. General Jjichi fvngiert als Bevoll­mächtigter veS Generals Nogi bei de* Rnffeu.

Tokio, 2. Jan. (.Reuter'-Melduno.) General Stöffel ersuchte de» General Nogi, Bevoll­mächtigte zu ernennen, um die KapttulationS- bedingungen zu besprechen. General Nogi ant­wortete, er habe Generalmajor Jjifchi und andere Offiziere ernannt, um mit Stössel« Be­vollmächtigten zusammenzutreffen unter bet Be­dingung, daß die beiderseitigen Bevollmächtigte» ermächtigt wären, den Abschluß der Kapitu­lation zu unterzeichnen, die sofort in Wirksam­keit treten solle, ohne daß die Ratifizierung ab­gewartet würde.

Tokio, 2. Jan. Die Konferenz über die Kapitnlation Port Arthurs fchlotz um 41/, Uhr nachmittags mit dem Er» gebniffe, »atz daS Abkommen über die Unterzeichnung »es formellen Kapitu» lationsaktes erzielt fei. Es verlautet, »atz die von den Japaner« vorge» fchlageneu Bediugnngeu angenommeu wurde«.

Emer Meldung de« Bureau Reuter au« Tschifu zufolge kamen dort Nummern de« Novy Krai" an« Port Arthur vom 24. und 25. Dezember au. Sie erwähnen den letzte» Widerstand des letzten Schiffes de« russische« asiatischen Geschwaders, beschreiben, wie die Abhänge des 203-Meter-Hüyels von 800-vflin«

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Da dieOberbesfiiche Zeitung' in ständiger Ver­bindung mit h rotzten deutschen aus amtlichen Quellen bediente. telegraphischen Burea» steht und ei* weitverzweigte« Netz von Korrespondenten m ihrem BerbreitungSbezirke und wett darüber hinan« unterhält, so ist sie in der Lage sicher für jedermann etwa« zu bringen, was deffen Interesse besonder« in Anspruch nimmt. Außer­dem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten »u« Stadt und Land zu vermehre», da der sich be­ständig vergrößernd» Leserkreis derOberhesstschen Zeitung' dies erfordere und ermöglicht

Ueber alle Fragen der inneren und äußeren Politik unterrichtet dieO b e r b e s s i s ch» Z e i t u n g' ihre Leser ausreichend, durch Leitartikel. Ueberstchten und Berichte und nimmt auch zu ihnen i» nationaler Gesinnung frei und offen Stellung.

Der Leserkreis der .Oberhessischen Zeitung' umfaßt in Stadt und Land zahlreiche Mitglieder aller Stände. Es finden daher alle Anzeigen in der .Oberhesstschen Zeitung' wirksamste D>rbreitung Mwal die .Oberhrssische Zeituna' das größte, Weitverbreiteste und bestein- gesührte Organ am Platze ist.

Wir bitten unsere zahlreichen Freunde und Leser, für die weitere Verbreitung unserer Zeitung zum neuen Quartal eifrigst tätig zu sein.

Probeblätter werden gern unentgeltlich zur Ver­fügung gestellt.

Redaktion ntt» Verlag derOberheffifche« Zeitung".

Aackdruck verboten.)^ gigeunerlleve".

Bon O. Olster.

tFoniehung.)

mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg Md Kirchhain.

. - Sonntaasveilager ZAuAMB

Die geraden ehrlichen Worte des Offizier«, der kein großer .Schriftgelehrter' war, aber ein ehrenfestes und aufrichtiges Herz besaß, daS fich in jedem Wort de« Briefes offenbarte, be­wegten daS Herz des jungen Mädchens aufS tiefste. Gisela gestand sich offen ein, baß noch vor einigen Wochen Kurt von Ufebom baS Ideal' ihrer Mäbchenträume gewesen war unb daß fie manches dazu beigetragen hatte, wenn fich Leutnant von Usedom in etwa? auf­fallender Weise genähert. Aber die letzten Wochen hatten eine merkwürdige Veränderung ui Gisela heroorgebracht. DaS Bild Kurts !rat mehr und mehr in den Hintergrund, um demjenigen des schlanken Henri de Fenetrange Platz zu muchen, deffen melancholische Augen nicht mehr ov; t-e- Erinnerung Giselas weichen wollten.

Gisela ließ den Brief in den Schoß finken und blickte gedankenvoll in den vor dem Fenster langsam nieberrieselnden Schnee hinaus. Was sollte sie tun, ein Entschluß mußte gefaßt wer­den. Leutnant von UsevomS Brief mußte auf die eine oder andere Weise beantwortet werben. Aber sie selbst konnte boch diese Antwort, wie sie auch auSsallen mochte, nickt abfaffen. Sie wußte mit ihrem Vater sprechen. Ihr Vater war stets gütig unb freunblich zu ihr gewesen, hatte niemals ihren Wünschen widersprochen «nb nur mit freundlich warnendem Rat ihr

Die Uebergabe Port Arthurs.

Als wir gestern nachmittag das erste Tele­gramm erhielten, das un« in wein,neu Worten die Einleitung ton Kapitulationsverhandlungen weidete, da waren wir nur halb unb halb über- geugt von dem Ernst der Lage, denn wie oft

Marburg

Mittwoch. 4. Januar 1905.

Ba'!________JM