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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
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Jnsertlonsgebuhr: die gespalteneZeile ober vcren Raum 10 Pfg.
Marburg
Sonntag, 1. Januar 1905.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck und Verlag' Job. Aug. Koch, llmveytläts-Buchdruckerek 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Deutschland*»#** » * O » »im Sabre 1904.
Während das Jahr 1903 infolge der Reicks« tagswahlen sehr ftütuafeh verkiek und die .politische Erregung bis zum Schluffe n ickritterte, iann das soeben abgelaufene Jahr hinsichtlich 'bet innerdeutschen Politik als ein verhältnis- Mäßig ziemlich ruhiges bezeichnet werden.
Im Rückblick auf die Ereignisie des Wahres 1864 hat man in Deutschland alle Ursache, t.otz mancher Enttäuschungen und trüber Tage dankbar der Dersehung zu gedenken, die dem Vaterland wieder ein Jahr des Friedens und segensreicher Entwicklung gewährt hat. Vor allem freut sich jeder treugesinnte Deutsche, d«h die in den ersten Monaten des letzten Jahres schwer lastende Befürchtung einer bedenklichen Erkrankung unseres Kaisers und KSnigS von unS genommen ist, und daß es »nserm kaiserlichen Herrn gelungen ist, Europa den Frieden zu erhalten. Welch schwere« Leid ein großer Krieg über Land und Volk, welch uner- meß? iches Elend er über die Familien der Kämpfenden bringt, sieht man an den beiden Ländern, die im fernen Osten um die Vormacht ringen. Ein besonders freudiges Ereignis in unfern Kaiserhaus war die Verlobung des Kronprinzen Wilhelm mit der Prinzessin Cäcilie von Mecklen- burg-Schwerin. Leider hat der Tod im Lause des Jahres vier deutsche Bundesfürsten abberufen, mit denen wieder Zeugen und tätige Helfer aus der Zeit der Reichsgründung dahin- geganaen sind. Im Januar ver'chied der hoch- bejohite Herzog Friedrich I von Anbalt, im Mai der greise Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz,im September derGrafregent Ernst zu Lippe-Biesterfeld und endlich im Oktober der schon als Heerführer im Kriege von 1870/71 weithin bekannte König Georg von Sachsen. Aber auch an Freude fehlte es in den deutschen Fürstenhäusern nicht. Der Novemcec brachte die Verlobung des Großberzogs Ernst Ludwig von Hessen, eines der sympathischsten BnndeS- sürsten, mit der Prinzessin Eleonore von Hoben- svlms-Lich, an deren Seite dem schwergeprüften Fürsten hoffentlich in dem kommenden Jahre und weiterhin neues Glück erblühen wird.
Wenn auch Deutschland selbst wie ganz Europa von Kriegsgefahr unbedroht blieb, so berührt es doch nicht wieder schmerzlich, welche großen Op°er der Aufstand in Deutsch- Südwestafrika unö auferlegt hat. Leben und Blut zahlreicher Söhne Deutschlands, — ganz abgesehen von den materiellen Schäden — hot der Aufstand bis jetzt gekostet. Die Tapferkeit und der Opfermut, mit welchem die deutschen Soldaten die ungeheuren Mühseligkeiten und Entbehrungen in dem mörderischen Feldzuge ertragen und womit sie die Ehre oeS deutschen Namens zur Geltung gebracht haben, sind in allen Vcllkskreisen auf daS Höchste gerühmt und dankbar anerkannt worden. Allem Anschein nach ist der Ausstand niedergeschlagen, und hoffentlich wird eS gelingen, allmählich wieder friedliche und geordnete Verbältniste in unterem schwer heimgesuchten Kolonialgebiete herzustellen und dasselbe zum Segen Deutschlands weiter nutzbar zu machen.
Zweites Blatt.
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(Nachdruck verboten.)
Die neue Köchin.
Sylvester-Humoreske von Marie Scheller, (Fortsetzung aus dem 1. Blatt.)
Verlegen wehrte der Baurat den Doktor ab, zum Glück erschienen nun auch die übrigen Gäste und bald war die kleine Tafelrunde vollzählig im Speisezimmer bei einander und ließ sich die vorzüglich zubereiteten Karpfen und den kühlen Rüdesheimer trefflich munden.
Einer der Herren, ein besonderer Freund leiblicher Genüsse, der am längsten getafelt hatte, band sich endlich seufzend die Serviette ab und meinte: „Du bist zu beneiden, Norbert, daß Du so ein Juwel an Deiner Köchin, Deiner Friederike, hast, das Esten war wreder einmal mehr als vorzüglich, wüßte ich ein weibliches Wesen, das so kochen könnte, ich entsagte dem Zölibat und ginge unter die Ehemänner."
„Was, auch Du, mein Brutus, hast Lust, fahnenflüchtig zu werden," schrie der Doktor, ,daS wäre I Scheint wohl gar der Anfang
Zum netten Jahre!
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JL-ä, err, aus Dein Wort werf ich im neuen Jahr cjf] Mit neuem Mut mein Netz zur Arbeit aus.
Hab' Lob und Dank, daß Du so wunderbar eyC?’ Bisher geleitet mich und all mein HauSI Auf eine Höhr sind wir heut gefahren, Und warten gläubig auf Dein Offenbaren. Bist Du mit uns so geht's von Ort zu Ort, Herr auf Dein Wort.
Wir harren Deiner aufgetanen Hand, Die über uns gewaltet spät und MF', Wo Du nicht segnest Herz und Hans und Land Ist gar vergeblich unsre Sorg' und Müh'
Dcch was uns diese treue Hand genommen. Wir werden alles einst zurückbekommen. Ist es nicht hier, so ist's gewißlich dort, Herr, aus Dein Wort.
Voll Neid, voll Streit, voll Leid ist untre Zett. Es seufzt die Erde in des Bösen Bann.
So manckes Rätsel erst die Ewigkeit Aus dunklen Tränenschleiern lösen kann. O Herr, erhöre unser banaeS Klagen, Hat Deine Stunde auch noch nicht geschlagen, Nimm doch des Kleinmuts schwere Bürde fort, Herr, auf Dein Wort *
Dann geht's getrost mit Dir von Jahr zu Jahr; Du bist derselbe gestern und auch heut, Im Zeitenwandel — Du unwandelbar Von Anfang her und bis in Ewigkeit.
Du wirst bis an daS Ende aller Zeiten —, Wie Du verheißen haft, die Deinen leiten Durch Sturm und Wogen bis zum sichern Port, Herr, auf Dein Wort.
Im übrigen aber konnte sich das Reich friedlicher Arbeit widmen und es hat dabei zweifellos ein bedeutsames Pensum erledigt. Auch im Reichstag wie in dem preußischen Landtage wurde manch erfreuliches Ergebnis erzielt. So wurde vom Reichstage verabschiedet der Gesetzentwurf betreffend die Einsetzung der Kaufmannsgerichte, die Vorlage wegen der Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft, sowie die sogenannte kleine Finanzreform. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Reichspolitik, die längst erforderliche Reform des Finanzwesens und damit die Abgrenzung der Finanzen des Reichs von denen der Einzelstaaten sowie den Ausbau des indirekten Steuersystems zugunsten der Reichsbedürfniffe herbeizuführen.
Im preußischen Landtag der am 16. Januar 1904 eine neue Legislaturperiode begann, führte zu lebhaften Erörterungen das neue Ansiedelungsgesetz, während die viel umstrittene Kanalvorlage eine veränderte Gestalt erh Uten hat. Im Reick wie in Preußen wurden Arbeiten hinterlassen von dem scheidenden Jahre, deren Erledigung zu Beginn des kommenden Jahres zu lebhaften Kämpfen und folgenschweren Entscheidungen h hren wird. Im Reichstage steht die Erledigung der Handelsverträge vor der Tür, während es im Land
tage zu entscheiden gilt, ob daS geflügelte Wort vom Kanal „Gebaut wird er doch" wenigstens unter besonderen Beschränkungen und ganz bestimmten Voraussetzungen Erfüllung finden soll oder nickt.
In der Sozialpolitik hat Deutschland auch in diesem Jahre ttrebet erhebliche Fortschritte aufzuweisen, die Zeugnis davon ablegen, daß unsere Sozialreform auf keinen Fall zum Stillstand gebracht werden soll. Freilich wird mit dem weiteren Ausbau um so vorsichtiger fortgeschritten werden müflen, je weiter darin vorgegangen wird: Leider zeigte sich die Sozialdemokratie unverändert als der freffende Krebsschaden im Volksleben. Ihre Entwicklung zu einer radikalen Reformpartei erwartet jetzt selbst der mauserungsfreudige Liberalismus nicht mehr. Die Revisionisten find machtlos und der Radikalismus triumphiert überall.
Im allgemeinen gibt also das verflossene Jahr zu pessimistischer Betrachtung keinen Grund. Es führte durch Freud und Leid, aber die erstere überwog dock bei weitem. Wir können somit voll froher Zuversicht in das Jahr 1905 binübergehen. Möge unserem großen schönen Vaterlande, seinen Fürsten und Völkern ein glücklicher Stern in dem vor uns liegenden Jahre leuchten, zum Segen Deutschlands und jedes Deutschen I -s.
Men vierzigsten Jahrgang
beginnt mit dem neuen I ihre die
♦ „Oberhesfische Zeit«««" ♦
Aus kleinen Ankäufen hervorgegangen, erscheint fie nach mehrfachen Wandlungen nunmehr schon im bieiten Jahrzehnt als Tageszeitung und mit Genugtuung darf fie auf ihre stets dem Dienste der Allgemeinheit gewidmete arbeitSre-che Tätigkeit »urückblicken. Die
„Oberhesfische Zeit««»"
ist — daS soll mit dankbarer Freude Betont werden — beute unbestritten das größte und beliebt-ste Blatt Marburgs und der näheren und weiteren Umuebune. In allen Familien isl die „Oberhesfische Zeitung" ein gern gesehener Gast, der von Jahr zu Jahr mit gleicher Treue ausgenommen wird. So bat fich mit der Zeit ein sozusagen freundschaftliches Verhältnis zwischen der Bevölkerung und dem „Oberhessen" berauSgebildet, auf das dieser besonders stolz ist. Bedeutet seine fortwährend wachsende Beliebtheit doch kür ihn die beste und schönste Anerkennung für seine meist nicht leichte Av beit, allen Ansprüchen und Jntereffen, die von Jahr zu Jahr vielseitiger fich gestalten, mit bestem Wollen und Können gerecht zu werden.
Die „Oberhesfische Zeitung" hat es fich von jeher angelegen sein lassen, ein unparteiischer und gerechter Vertreter aller Volksklaffen zu sein und ist immer für gesunden und maßvollen Fortschritt auf allen Gebieten des politischen und städtischen Lebens eingetreten. Getreu den bewährten konservativen Traditionen galt für die Leitung stet« der gut preußische Wahlspruch: „Mit Gott für König und Vaterland". In diesem Zeichen hat die .Oberhesfische Ztg.", unbeirrt durch gehässige Anfechtungen, gegen die von demokratischer Seite auf Minderung der Rechte des KönigstumS und auf Schwächung der Macht des Staates hinzielenden Angriffe gekämpft und sie wird auch in Zukunft den Kampf gegen offene oder heimliche, unter allerlei angeblich nationalen und sozialen Theorien versteckte Umsturzbestrebungen für ihre vornehmste Aufgabe halten. Die „Oberhesfische Ztg." rechnet dabei zuversichtlich auf die Unterstützung ihrer zoh'reichen Freunde, an der es bisher nie gefehlt hat. Nur im einmütigen Zusammenstehen aller für Monarchie und Christentun eintretenden Elemente der Bevölkerung kamt Ersprießliche« für die von der „Oberhessischer Zeitung" befolgte Politik bewirkt werden.
Mit dieser Hoffnung beginnt die Zeitung ihren vierzigsten Jahrgang, und mit dem Vev sprechen, auch im neuen Jahre 1905 das Vertraue» zu rechtfertigen, das ihr in so reichern Maße aut allen Kreisen ihrer Leier entgegengebracht wordez ist. Nur durch das Vertrauen ihrer 2e?er ist eint Zeitung heute eine Macht und befähigt, iht verantwortungsreiches Amt als Vertreterin bei öffentlichen Meinung und als Beraterin zun» Wohle der Allgemeinheit auszuüben. Mögt daher im Jahre 1905 das schöne Verhällnit zwischen Lesern unö Zeitung ungetrübt bleibe« und fich stetig vertiefen, zur beiderseitigen Freudt und Förderung.
In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern, Freunden und Mitarbeitern ein
glückliches, «enes Jahr'.
einer Heiratsepidemie unter uns auszubrechen, unferm Norbert ist ebenfalls eine solche Desertion, wie ich vorhin Gelegenheit hatte zu bemerken, zuzutrauen."
„Was müssen wir hören, Norbert, Menschenkind, Baurat, jetzt beichte einmal," schrie aufgeregt die ganze Runde.
„Ach was," lachte der von allen Seiten Angegriffene. „Der Doktor hat wahrscheinlich schon früh angefangen, Sylvester zu feiern und hat Halluzinationen."
„Und ich lasse mich hängen," brummte der Doktor, „die Sache ist doch so, eS liegt so etwas in der Luft; Ihr wißt, Freunde, ich habe eine feine Nase, ich rieche es förmlich, daß auch in diese geheiligten Räume die weibliche Atmosphäre einzieht."
„Und mir riecht eS wie Fisch und Weindunst, gesegnete Mahlzeit, meine Herren," und der Gastgeber stand vom Tische auf. „Drüben in meinem Tutzkulum findet Ihr die braunen Wickelkinder, laßt sie den Feuertod sterben, ich komme gleich nach."
Gar zu eilig hatte es der Baurat mit dem Nachkommen aber nicht, er langte nach der vorsorglich bei Seite gestellten Fischplatte, nahm eine Flasche Wein unter ben Arm und stieg
selbst nach der oberen Etage hinaus, wen hätte er auch damit senden sollen?
Da stand an der Korridortüre auf blankem Messingschild zu lesen: „Frau Hauptmann Ranke", aus fein Klingeln öffnete ein sauberes Mädchen, aber nicht die Köchin.
„Hm," brummte er vor fich hin, „wird die andere fein, die die grobe Arbeit besorgt."
„Sie wünschen die Frau Hauptmann noch zu sprechen?" fragte das Mädchen freundlich.
„Gott bewahre, ober schicken Sie mir doch die Köchin einen Augenblick her."
„Die Köchin, mein Herr, ja die Köchin —"
„Ist sie vielleicht ausgegangen?" unterbrach unangenehm überrascht der Baurat das Mädchen.
Ta wurde rasch eine Zimmertüre geöffnet und der Kopf mit den braunen Flechten, jetzt aber ohne das weiße Häubchen, schaute heraus. „Ah, da sind Sie ja, mein hilfreicher Hausgeist," rief Norbert erfreut, „hiermit überreiche ich Ihnen den fchuldigen Tribut, ein bischen spät kommt er, doch er kommt."
„Aber bitte, wollen Sie nicht näher treten, Herr Baural?" und sie ging ibn? voran tn ein sehr behaglich eingerichtetes Zimmer. .Kesten Dankt" Damit nahm fie ihm Wein und Platte
ab, „bitte, nehmen Sie doch einen Augenblick Platz," und rollte dem Gast einen Sessel hin, während fie fich ans dem Sofa niederließ. „Nun, hat es Ihren Gästen geschmeckt? ES muß ein heiteres Mahl gewesen fein, ich hörte das Lachen bis hier herauf, wo ich einsam bei meinem Buche faß, ick bin auch so gern lustig."
Der Baurat griff roch dem Bucke, das dz vor ihm auf dem Tiscke lag. „Jörn Uhl von Frenffen," las er. „Das lesen Sie?" fragte er zweifelnd.
„Ja, warum nicht, denken Sie, ich verstehe es nicht?"
„Nein, nein," fiel er hastig ein, „ich glaubt» nur, ich dachte nur —" was er dachte, wußte der Baurat selber nicht, seitdem er diese- Zimmer betreten. Das Mädchen — oder war es eine Frau? — kam ihm auf einmal so anders vor, wie sie so dafaß in der einfachen aber eleganten To kette, fast als wäre sie in diesem Namne zu Hauke.
Aber sie überließ ihn nicht lange seinen Gedanken. „Ich darf Sie nicht lange Ihren Gästen entziehen, geehrter Herr Baurat, aber ein Glas von dem Wein, den Sie in höchsteigner Person mir überbracht, müssen wir doch erst zusammentrinken, auf gute Kameradschaft^