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la Meinung des Madrider Kabinetts Rech» «ag. Frankreich habe in Tasablanca als Man» tzattrr Europas interveniert und ferner aus dem Arun»«, um stch nicht zugunsten anderer ver» frrihtgt* zu lasten. Frankreich bereite in Wirk» Schkeit die Ausführung der Llgeciras-Atte in allen ihren Bestimmungen vor. Paris, 26. Dez. Infolge der Unterredung, bk der fran» «öfische Gesandte Regnault mit dem Sultan Ai» fei Afis in Rabat hatte, «teilte General Drude eon neuem den Befehl, die Kasbah de Mediunas »in,»nehmen, die von den Rebellen besetzt ge­halten wird, und infolgedesten ein Hindernis für die Unterwerfung der Schaujastämme und di« Wiedereinsetzung der scherifischen Behörden in Casablanca bildet. Ten«al Drude wird, wenn « «forderlich sein sollte, Verstärkungen er» hatten.

** Die Polen frage in N««ika. Daß di« Amerikaner sich stark den Kopf mit dem Pro» tlem zerbrechen, wie ste aus den Millionen von Slaven und Romanen, die in ihr Land kommen, Pankee» machen sollen, ist bekannt, und in jeder amerikanischen Zeitung steht es täglich aufs neue zu lesen. Jetzt lenkt stch die Aufmerksam- fcit Uncle Sams auf einmal auf seine polni» Ichen Mitbürger im besonderen, und da hat man denn festgestellt, daß z. B. Chicago allein «ine polnische Bevölkerung von % Million hat. Die ,Polish National Alliance", eine Organisation, deren Mitgliederzahl jährlich um 60007000 Leute zunimmt, sorgt dafür, datz die eingewan­derten Polen ihrer Rationalität erhalten blei­ben, gewährt aber auch den Polen in Europa politische Unterstützung.

Aus der französischen Kamm«. Der Senat nahm das Budget des Innern an. Bei h« sich anschließenden Generaldebatte üb« den Erat des Auswärtigen begründete der Minister de» Aeutzern die französische Polittk in Marokko, hl« keineswegs auf Eroberung abziele, und die allgemeine französische Politik, di« nur die be- Aehenden Bündnisse und freundschaftlichen Ver- Dältniste aufrecht zu erhalten bestrebt sei.

** Französische Sorgen um die abessinische pahn. Aus Paris wird unter dem 25. d. Mts. berichtet: Zwischen den französischen Ministern de» Aeutzern, der Finanzen und der Kolonien ist ein Einvernehmen bezüglich der abessinischen Bahn erzielt worden, deren Lage durch den Bankrott der mit dem Bau und dem Betrieb betraut gewesenen Gesellschaft sehr schwierig ge­worden ist. Die genannten drei Minister legten dem Ministerpräsidenten die von ihnen zur Lö­sung dieser Angelegenheit geplanten Matznah- «en vor.

* Wegen Beleidigung der französischen Armee verurteilt. Paris, 24. Dez. Der Anti- mllitarist Gustav Herms wurde wegen feiner die Armee beleidigenden Zeitungsattikel zu einem Jahr Gefängnis und 8000 Francs Geldstrafe »«urteilt, seine Mitarbeiter Almereyda und MerlS wurden in contumaciam zu je 5 Jahren Gefängnis und 3000 Francs Geldstrafe verur­teilt.

** Aus Rußland. St. Petersburg, 26. Dez. fBon einem Privatkorrespondenten.) Gestern ist ein Militärzug mit 80 Wagen Truppen ver­schiedener Waffengattungen nach Finland abge­gangen, angeblich zur Verhütung des Schmug­gels. Im Gouvernement Wjatka ist die Frist des verstärtten Schutzes um ein Jahr verlängert worden. Der Kreis Sarapul ist unter autzer- »rdentlichem Schutze belasten worden. Baku, $6. Dez. Heute Vormittag wurden gegen den Polizeimeister zwei Bomben geschleudett, die mit heftig« Gewalt explodierten und einen Schutzmann verwundeten, während der Polizei­meister unverletzt blieb.

Die Schiffahrt in England. London, 24. Dez. In Grimsby herrscht dichter Rebel. Die Schiffahrt ist völlia unterbrochen. Der konti­nentale Schiffsverkehr erleidet infolgedesten großen Schaden.

* Di« Cholera in Kleinasien. Konstanti­nopel, 24. Dez. Nach der Sanitätsverwaltung zugegangenen Telegrammen find uni« den Pil­gern bisher 121 Cholerafälle konstatiert, wovon 60 tödlich verliefen. Auf den Pilqerschifsen widersetzten sich die Pilger den Sanitätsvor- schriften und verlangtn ihre Ausschiffung in Djedda. Unter der Bevölkerung von Djedda ist bizcher kein Cholerafall vorgekommen.

** China Berfastungsstaat. Peking, 26. Dez. (Reuter.) Die chinesische Regierung »«öffentlicht ein Editt, in dem die Einführung «in« Konstitution angekündigt wird. Di« Re­gierung bereite dieselbe vor, könne jedoch den Tag der Einführung noch nicht angeben , diese müßte vielmehr schrittweise «folgen.

Marburg vnd Umstrgend.

-Nachdruck aller OlRmalorhtel tft gemLtz | 18 del Urheberrecht» nur m»t der deutlichen Quellenangabe .Oberhesi. gtg.* «g-tt-t»

ordern, 27. Dezbr.

)( Lom Weihnachtsfest. Run find st« fast vorvei, die so lang ersehnten Weihnachtsfeier­tage. Im Gegensatz zum vorigen Jahre hatten wir diesmal sog.grüne Weihnachten", das letztemal lag bekanntlich überall tief« Schnee, Bäume und Sträucher waren wie mtt Silber überzogen und vervollständigten so da» schöne Bild einer rechten und echten Weihnachts­und Winterlandschast. Was nicht ist, kann noch werden, denn gestern am zwetten Weihnachts- taae fiel bereits dünner Schnee und heute am historischen dritten Feiertage weht« «in eisige» Lüstchen. Es scheint demnach, al» ob sich diese» Mal das Sprichwott bewahrheiten wollte: .Fangen die Tage an z» langen, kommt d« Winter angegangen!" Die Weihnachtsfeier­tage selbst nahmen den üblichen Verlauf. Der Sttatzenverkehr stand in jähem Gegensatz« zu den vorangegangenen Sonn- und Werktagen. Di« großen elektrischen Bogenlampen beleuch­tete» in den Abendstunden meisten» öd« Stra- tzen und Plätze. Nur zu den Zeiten de» Be­ginn, »nd Schluste» der gottesdienstlichen und wnstigen Veranstaltungen waren die Ettatzen Stiebt Ue Je fröhlicher »nd vergnügt« ging W iw den Häuser» je. Ander de» Familien­

feiern fanden auch wieder eine Äenge Weih­nachtsveranstaltungen in den Kinder- und Eonntagsschulen, sowie den verschiedensten Ver­einen statt. Sie alle hier aufzuführen, dürfte zu wett führen. Don den hauptsächlichsten Weih» nacht-fclern, die $t» jetzt stattgefunden haben, sind uns folgende Nachrichten mitgeteilt worden:

)( Die Weihnachtsfeier des Fortbildung,» verein« fand am 1. Feiettag Aberch bei grotzer Beteiligung imRestaurant Bopp statt. Der lang­jährige Vorsitzende des Vereins, Geh. Rat Prof. Dr. Westerkamv, hielt eine Begrüßungsan- anfprache und hieran schloß sich die Festrede de» He«n Pfarrer Metz, der in längeren Ausführ­ungen auf die Bedeutung des Weihnachtsfestes hinwies. An d« Üblichen Verlosung beteiligten sich eine ganz« Anzahl Mttglieder, eine stch an- schließende Scherzverlosung brachte mancherlei Uebe«aschungen, die viel zur Unterhaltung bei» trugen. Bemerkt sei, daß der Vorsitzende in einer weiteren Ansprache auf die jetzt im Ja­nuar beginnenden Vortragsabende hinwies »nd zu reger Beteiligung, auch von Seiten d« Damen aufforderte.

)( Der Krieg«, und Land»ehrv«ein hielt feine Weihnachtsfeier gestern in den Stadtsälen ab, nachdem am Tage vorher 6 alte Veteranen und 6 Veteranen - Witwen, sowie 5 Krieger­waisen mit Geschenken bedacht worden waren. Einem der letzteren, der stch im Glisabethhaus« befindet, übergab man ein Spattassenbuch mtt 20 Mk. Einlage. Bei d« Weihnachtsfeier in den Stadtsälen hielten Ansprachen b« zweite Vorsitzende des Vereins, Magistratsmttgliü» Dö­ring, sowie der langjährig« Borsttzend«, Kauf­mann Blende, bet von Anfang an nicht bähet sein konnte. Die Festtebe hatte Pfarrer Metz üb«nomrnen. An bie Verlosung schloß sich ein flotter Ball. Unter ben zahlreich Erschienenen bemerkte man auch ben Kgl. Landrat Geheimrat v. Negelein, die Spitzen der hiestgen Militär­behörden, sowie zahlreiche alte höhere Militärs.

)( Die Kriegerkameradschaft veranstaltete gestern in den Lokalitäten des Echlotzgartens llhr« übliche Weihnachtsfeier. Der Nachmittag war den Kindern und b« Abend ben Erwach­senen gewidmet. Auch hi« gerächte man der bedürftigen Veteranen, sowie der Krieger- Witwen und -Waisen. An die Üblichen Be- grüßungrreden schloß sich bie allen zu Herzen gehende Festansprache des Psa«ers Mang«. Nachdem bie Verlosung zu Ende war, schloß man das Fest mit einem flotten Ball.

)( Die Weihnachtsfeier der Handwerksbur- fch«n. Wie in febem Jahre, so wurde auch dies­mal wieder in der Herberge zur Heimat den Wanderern eine Weihnachtsfreude bereitet Be­merkenswert ist, daß stch diesmal eine außer­ordentlich große Zahl von Handwerksburschen eingefunden hatte, am heiligen Abend waren es 74 und am 1. Feiettag wieder 60 andere Teil­nehmer. Es fand jedesmal eine Andacht statt, bei der Pfarrer Scheffer eine Ansprache hielt. Die Wanderer erhielten warmes Rachtesten, Frühstück und Mittagesten sowie freie» Rächt» quatti« und wurden auch, soweit sie es be­dürftig waren, mit Kleidungsstücken beschenkt. Da die Wanderer selbstredend nicht alle in der Herberge schlafen konnten, mußte ein grof^t Teil im Arbeitshaus untergebracht werden. Be­merkt sei auch, daß ein Teil von ihnen an ben Weihnachtsgottesdtensten in den hiesigen Kir­chen teilnahm.

Mit Marburg« Verhältnisse« beschäftigt sich bet Herausgeb« einer deutsch-amerikanischen Wochenschrift ,D>« deutsche Vorkämpf«", etn Herr L. Viereck. Seine Beobachtungen Über heutige Verhältniste, die er auf einet Reise durch seine alte Heimat sammelte, erscheinen uns zwar nicht in allen Punkten al» zutreffend, find aber für uns Marburg« ebenso intet» essaitt wie bie Schilderung be» alten Studenten­lebens. Er schreibt:

Meine erste Station auf bet Heimteise von Wildungen nach New-Pott war meine alte Uni­versitätsstadt Marburg, wo ich einst als Fuchs So unvergeßliche Zeiten verlebte. Die zahllosen »unten Mützen und Bänder, bie ich gleich am Bahnhof zu sehen bekam, schienen anzukündigen, baß bie alte Poesie des Kouleurlebens noch im» m« nicht ausgestorben ist, aber ttotzdem konnte ich die gewaltige Aenderung der V«haltniste s«tt meiner Zeit unmöglich verkennen. Stadt mi« i Universität haben inzwischen ihre Bürgerschaft etwa verdreifacht und die Kosten des Kouleur­lebens dürften sich mehr al» verdoppelt haben. Ich bezahlte anno 1869 im Hause Stetefeld für eine möblierteBube", bie aus zwei großen Zimmern bestand, das ganze Eemest« nur 20 preußische Taler und konnte (ob« sollte wenig­stens) mit 50 Talern monatlich haushalten. Jetzt wirb, fo.uk! ich weiß, in den besseren Ver­bindungen niemand aufgenommen, bei nickt wenigstens 300 (?) «* Monatswechsel aufznwei» I sen hat, also beiläufig so viel, wie «in Amts» I richt« an Gehalt bezieht ob« sich gar manch« I Literat als festes Einkommen vergebens herbei- I sehnt. Gewisse akademische Vorzüge finb damit I da» Privileg ein« glücklich situietten Minb«- I heft geworden, bi« sich auch durch Kleidung und I Auftreten vom Gros der Studentenschaft ganz I »nvettennbar unterscheidet I

Sm meisten kam mir der Unterschied von da« I mals und jetzt zum Bewußtsein, al» ich in Ge- I danken bie alte Baracke, bie früher al»Teu- I tonenfneipe" diente, mit dem prächtigen Schlötz- I chen verglich, wo j«ht bie Aktiven gewissermaßen I ihren Klub haben. Di«fette Weide" de» I JSatet Zeiß" bestand häufig genug in folgend« I Östlich« Speisekarte, bte uns abends angeboten I wurde:Eie können haben Handkäs, Butt« und I Brot Brot, Butter und Handkäs!", während I jetzt ein« mindestens so groß« Auswahl von ®e» I richten wie in einem guten Hotel und durchau» I nur in bester Beschaffenheit geboten wird. Da- I mal» begnügten wir uns mit einem elende» I Bi«, wovon bas Gla» ein Paar Pfennig« I kostet«, oder mit saurem SachsenhSnser Apfel- I »ein, während der eigen« reich ausgestattet« I Weinkeller des Korps von heut« ben Reid man- I chenAgrariers" «regen dürst«. Dabei hört« j ick klagen, daß st» Garte« »och Ne .EpielvlL-» J

für Tennis und Krokett fehlten, die ein moder­ner Student unmöglich entbehren könne.

Erfreulich war es mir dabei auch, auf Merk­male zu stoßen daß die ftühers Gleichgültigkeit der Koureurstudenten gegenüber dem geistigen Leben der Nation und den Vorgängen in der Oeffentlichkeit geschwunden zu fein scheint. Ich bemerkte sogar bie Anfänge einer Bücherei im Korpshause und hätte viel von einem realisti­schen Roman sprechen, den kürzlich einalter Herr" des Korps verfaßt hatte. Und just, als ich hinkam, kam eine Bewegung in Gang, um gegen diezunehmende Verschändung der ehr­würdigen Schönheit ihrer akademischen Heimat" durch die neuen Baupläne von hohen Miets­kasernen in der Umgebung des Schlosses (?) zu protestieren. In solchem Vorgehen steckt offenbar der gesunde Gedanke, daß eine bevorzugte Stellung auch zu einem V«halten verpflichtet, da» bie Mißgunst entwaffnet Die alten Ritter waren nicht nur fehbelustige Feubale, sondern auch die Schutzherren der Schwachen und die verständnisvollen Pfleger des Minnegesangs wie bei epischen Dichtkunst, also wichtige Kultur- ttSgei."

* Universität. Der ordentliche Professor der Theologie Lic. Rud. Knopf in Wien, früher a. o. Professor b« hiesigen heologischen Fakultät» wurde von dieser zum Ehrendottor ernannt. Dem Privatdozenten in der philosophischen Fa­kultät Dr. Georg Thiele, ist das PrädikatPro­fessor" verliehen worden.

Noch eine Feldbriefpost nach Afrika gebt schon wieder am nächsten Sonntag, ben 29. De­zember, von Berlin ab. Cie wird nach Antwer­pen geschickt, um dort dem Reichspostdampfer am 80. Dezember üb«geben zu werden, der Ham­burg am Weihnachtsfest verließ. Der Reichs- postdampfer trifft am 19. Januar in Ewakop- mund und am 20. in LLderitzbucht ein. Diese Feldpost befördert ausschließlich Briefsendungen. Sie verlassen bas Marinepostbureau in Berlin Sonntag früh nach 8 Uhr. Sendungen für dies« Gelegenheit müssen also spätestens am Sonn­abend, den 28. Dezember, dieser Sammelstelle für Feldpostsendungen vorliegen.

)( Sport. Gestern Nachmittag fand auf der Wese beim Schützer pfuhl wieder ein Fußball- Wettspiel zwischen einer hiestgen und einer auswärtigen Mannschaft statt. Wie man hört, blieb die hiesige Mannschaft 6kger.

)( Turnerisches. Eine kürzlich hier abgehal­tene Sitzung der Vertreter der beiden hiesigen, der deutschen Turnerschast angehörenden Ver­eine, Turnverein und Turngemeinde, hatte da» Ergebnis, daß beim nächsten Eauturn- tag in Gießen da» Gauturnfest im Jahre 1909 für Marburg beantragt werden soll. Auch der akademisch« Turnverein hat seine Zustimmung zu dem Beschlüsse gegeben.

)( Ein Aufsehen erregend«Vorfall ereignete sich am 2. Weihnachtsfeiertage gegen %2 Uhr nachmittags auf unserer Straßenbahn. Bei dem V«suche, einen wegen der Nähe bei Weiche langsam fahrenden Straßenbahnwagen zu be­steigen, kam in d« Elisabethstraße eine Dame z» Fall und wurde von dem Wagen, ba sie im Schrecken die Stange an der Plattform krampf­haft umklammette, eine ganze Strecke mit fort» geschleift.

)( EinWigwam". Einige junge Burschen, bie kürzlich in bet Nähe b« Mooseiche im Walde spazieren gingen, entdeckten im Dickicht eine fein ausgestattete Hütte. Es fanden sich »«schiedene Kleidungsstücke, hauptsächlich bessere Damengarberobe, und auch Speisereste. Als man abends aufpaßte, kamen auch die Bewohner des Wigwams", ein auf bet Durchreise befindliches Pärchen aus einer größeren Stabt. DasHand­werk" wurde ihnen natürlich gelegt.

)( B«haftu»gen. Auch bte Kehrseite bet Weihnachtsfreuben wollen wir nicht v«gessen. Am Dienstag wurde ein junger Mann festge­nommen, der vor etwa 14 Tagen am Schloßberge kleine Mädchen in unsittlicher Weise belästigt hatte. Außerdem gelang es, einen von aus­wärts steckbrieflich verfolgten Mann, sowie den­jenigen zu «Mitteln, der kürzlich an der Ketzer­bach bas Kabelhäuschen demolierte, zu ermit­teln. Am Schützenpfuhl bereitete stch ein Mann au» Weidenhausen bei Gladenbach da­durch eine seltsame Weihnachtsfreude, daß er sich in den Anlagen im Sdjlamm umherwälzte. Ein vorübergehender Polizeimann sorgte für seine Unterbringung an einem besseren Ort.

* Da» Ende der Phosphorftreichhölz«. Von der Bildfläche v«schwinden werden, wie schon früher erwähnt, mit dem 1. Januar 1908 bte Phosphorstreichhölzer. Die Verwendung von weißem und gelbem Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern und anderen Zündwaren war schon vom 1. Januar d. I. ab verboten; ebenso Durften Zündwaren dies« Art zu gew«bltch« Verwendung nicht mehr nach Deutschland ein- aefühtt werfen. Vom 1. Januar k. I. ab dürfen Zündwaren, bte unter Verwendung von weißem »nd gelbem Phosphor hergestellt find, auch nicht mchr gewerbsmäßig feilgehalten, verkauft oder sonst in V«kehr gebracht werden. Zuwider- fendlungen w«den mtt Geldstrafen bis z» 2000 Matt bestraft.

* Schutz ben Fischen. Die Königliche Re- aierung hat eine Verfügung an die Kreisschul- tnfpefttonen und Schuldeputationen erlassen, wonach die Schuljugend durch die Lehrer ver­warnt werden soll bie Fische auf ihrem Leich- Sge zu fangen, indem bie Kinder auch zugleich ich Belehrung darauf aufmerksam zu machen sind, welch groß« Schaden durch eine solche widerrechtlich« Handlungsweise der Fischzucht -»gefügt wird.

)( Wasserrohrbruch. In ber Frankfurter- ' straße machte «in Wasserrohrbruch umfangreiche Erdarbeiten notwendig.

D Schwarzenborn, 26. Dez. Der Knecht des Landwirt» L. Gombett von hi« schoß sich aus Unvorsichtigkeit «ine Kugel in ben Leib, Der Mann mußte in Hk Klinik gebracht werden,____

Gladenbach, 26. Dez. Für das Jahr 1908 find für den Regierungsbezirk Wiesbaden nicht weniger als 17 Kollekten genehmigt worden. Ein verbrecherischer Anschlag wurde in der ver­gangenen Sonntag Nacht auf den von Herborn kommenden letzten Zuge in der Nähe von Rehe ausoeübt. Ein anscheinend angetrunkenes Indi­viduum hatte die Frechheit, nachdem er eine Echutzhütte der Streckenarbeiter demoliert hatte, zwei dicke hölzerne Pfähle auf das Eleis zu legen. Durch Zufall wurde ein größeres Un­glück verhütet. Dem rohen Menschen ist man auf d« Spur.

Hejseu-Nassall und NachöaWbiüe.

Fritzlar, 24. Dez. Zwischen Wabern und Singlis stürzte ein Soldat aus Erfurt, der zu Weihnachten nach seiner Heimat, Hüddingen bei Wildungen, fahren wollte, aus dem Zuge. Er wurde schwer verletzt mit dem nächsten Zuge in das Hospital nach Fritzlar gebracht.

Au» dem Kreise Fritzlar, 24. Dez. Wie ge­fährlich es ist, Gift auf das freie Feld zu streuen, mußte ein Landwirt in dem in unserem Kreise gelegenen Dorfe G. erfahren. Derselbe hatte, weil bie Mäuse auf seinem Acker überhand ge­nommen hatten, Eiftweizen ausgelegt. Nach einigen Tagen kamen Gänse auf den Acker, fra­ßen davon und gegen Abend lagen sämtliche 7 Stück verendet auf dem Felde.

Cassel, 24. Dez. Ein großer Juwelendieb» stahl wird von hier gemeldet. Ein reicher Ame- rifaner, bet mit Familie in einem hiesigen gro» ßen Hotel wohnte, machte der Polizei die Mit­teilung, daß fein Reisekoffer erbrochen und ein Teil seiner Barschaft, zwei Tausendmarkscheine und Brillanten im Werte von angeblich 6000 Mark gestohlen seien. Der Diebstahl fei mit Hilfe von Brechwettzeugen oder Anwendung falscher Schlüssel mit großem Raffinement aus­geführt worden, als er sich auf einem Spazier­gänge durch die Stadt befunden habe. Die Kriminalpolizei fahndet eifrig nach dem Diebe.

Cassel, 23. Dez. Der gestrige Bürgermnster- tag des Landkreises Cassel beschäftigte sich auch mit der Ueberbürbung der Landbürgermeister, bie durch die ständig wachsenden Arbeiten für den Staat, bie Alters- und Invalidenversiche­rung, Verufsgenossenschaften usw. Hervorgerufe» würde. Die Bürgermeister sollten Gemeinde­beamte fein, in Wirklichkeit wären sie ftdoch Überwiegend Staatsbeamte, ba ihnen vontz Staat bie meisten Arbeiten auferlegt würden. Wäre dies nicht zu umgehen, sollte wenigstens' die Besoldung der Bürgermeister erhöht und zum Teil auf ben Staat übernommen werden. Es wurde ein gemeinsames Vorgehen der Bür­germeister des Bezirkes bezw. der ganzen Pro­vinz in dieser Angelegenheit angeregt. Gestern Nacht, als zum Glück niemand im Bau. war ist ber Fabrikneubau der Zündholzfabrik von Otto Miramm in Cassel-Bettenhausen teu» weise eingestürzt, insbesondere die sämtlichen Massiv-Betondecken und ein Teil der Vorder- front mit dem Giebel des Gebäudes.

Lenhausen, 24. Dez. DerFranks. Zig." wird von hier geschrieben: Unmittelbar nach der Verhaftung des Franz Hesse von hier, wel» cher des an der Buchhalterin Hartmann aus Hagen verübten Lustmordes bezichtigt wird, tauchten hier und in der Umgegend Gerücht« auf, welche Hesse noch mit anderen, früher im: Sauerlande verübten, aber noch nicht aufge» klärten Mordtaten in V«bindung brachten. Am Weihnachtsabend des Jahres 1891 wurde in b« Bölerheide bei Hagen bie 17jährige Amalie Mander ermordet, und aus verschiede­nen Indizien wird vermutet, daß Hesse der Mörder auch dieses Mädchens ist. Eine Dienst- magd, mit ber Hesse früher verkehrte, hat ein« Brosche vorgezeigtt die sie von ihrem früheren Liebhaber zum Geschenk «halten haben will, und dieses Schmuckstück ist jetzt von den Set»; wandten der Mander als deren Eigentum wie­dererkannt worden. Man hat ferner festgestellt,, daß sich Hesse zur Zeit der Mordtat in Hagew aufgehalten hat. Ende ber achtziger Jahre wurde bann der Metzgerlehrling Hesse, der nicht' mit dem verhafteten Hesse verwandt, wohl^nber in der Nähe von dessen Wohnort zu Hause ist, ermordet. Er war von seinem Lehrherrn, einem 8s«lohn« Metzgermeister, zwecks Einkaufs con; ieh in das Kölnische Sauerland geschickt unb mit Geldmitteln versehen worden; von diesem^ Gange ist ber Junge nicht zurückgekehrt, auch fanb man seine Leiche nicht, weshalb angenom­men wird, baß ihn sein Mörder an einer ein» [am gelegenen Stelle verscharrt hat. Hesse Hatz ich nun zur Zeit dieser Mordtat In Iserlohn aufgehalten. Weiter wird dann Hesse mit einem an dem Bahnhofsvorsteher Hupperh iw Meggen begangenen Morde in Verbindung ge­bracht. Huppertz wurde näcktlicherweile, als et sich allein im Bureau befand, ermordet und bie Stationskasse beraubt. Die Untersuchung dieser Fälle, die jahrelang geruht hat, wird zweifellos nun wieder ausgenommen werden.

Franffutt a. M., 24. Dez. Die Stadtverord­netenversammlung beantragte gestern beim Ma­gistrat einstimmig die Erhöhung des Zinsfußes ber städtischen Sparkasse von 3JA auf 3y2 Proz. Im Anschluß an eine Anfrage ber sozialdemo­kratischen Fraktion wurde der Magistrat ersucht, bei Versammlung Ober die Maßnahmen zu be­richten, welche er zwecks Vorbeugung der Folgen der Arbeitslosigkeit treffen will. Im Kran- kenhause des Diakonissenvereins Eschersheimer' Landstraße 122 erkrankten an Fischvergiftung ungefähr 20 Krankenschwestern. Die Krank­heitserscheinungen stellten sich später als weni­ger gefährlich heraus, als man anfänglich an­nahm. Der größte Teil der Kranken war bald wieder gesund. Auch die übrigen dürften nun­mehr ihre Tätigkeit wieder ausgenommen haben.! Die Vergiftungserscheinungen sollen aus den Ee« nuß verdorbener Fiiche zurückzuführen fein. , Homburg v. b. H., 26. Dez. Ein bejahrter Herr erstattete kürzlich Anzeige wegen Betrugs,: weil ein paar Buben, die ihm gegen Eeldver- gütung Wasser vom ElisabethbrUNne» hole» kollten."wie er nachträglich fen Augenzeugen «fsj