mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und dr« SeUagen: ^Literarischer Anzeigers „Laudwirtschaftliche Beilage« «ud „Illustrierte- Souutagsblatt".
LicrtellährUch-r Bezugspreis, da on Errrditwn 2 ML, Sttatfrlttti Erscheint wLchentlich sieb« moL
303 « f / ; J t Md »erlag. s°h.Aug. «och, Umver,MS-Buchdm»rei 42. Jahrg.
UVU Snserttonsgebuhndie g-spalt-rn ^üt Jber o-r-uNrmn loPfg. S0MlübeNd 28. Dezember 1907. Marburg, Markt 21. - Telephon SS. V *
Das ASonuemevt auf die „Oberhefstfche Zeitung", das größte, meistgelesenste und Weitverbreitetste Blatt Mardnrgs «nd der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.
v Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat an den ä l t e st e n Cohn »es verstorbenen Geheimen Medizinalrats Prof. ». Tobold, den Oberstabsarzt v. Tobold folgendes Telegramm gerichtet: Anläßlich des Heimganges Ihres Herrn Vaters spreche ich Ihnen und Ihren Geschwistern meine wärmste Teilnahme aus. Möge der Geist des großen Forschers, der auch meinem in Gott ruhenden Vater, des Kaisers Friedrich Majestät, in schwerer Stunde nahegestanden hat, weiter leben In der Wissenschaft der Medizin zum Heile und Wohle des Vaterlandes. Wilhelm L R."
— Das Kaiserpaar mit dem Prinzen Adalbert wohnte am zweiten Feiertage der Vorstellung von „Carmen" im Berliner Opernhause unter Leitung des Kapellmeisters Blast bei. Die Majestäten wurden von dem Generalintendanten v. Hülsen in dis große Seitenloge geleitet. In der Pause wurde das Souper eingenommen. Nach der Vorstellung begaben sich die Majestäten im Automobil nach dem Neuen Palais zurück. Vor der Vorstellung hatte der Kaiser den Reichskanzler besucht.
— Der Reichskanzler und die Heimarbeit. Nm Tage vor dem heiligen Abend ging der Hauptvorsitzenden des Gswerkvereins der Heimarbeiterinnen Deutschlands folgende Antwort vom Reichskanzler zu: „Von den mir mit dem gefälligen Schreiben vom 10. d. M. übersandten Nummern der „Heimarbeiterin", insbesondere von den Artikeln über den zweiten deutschen Arbeiterkongreß habe ich mit lebhaftem Interests Kenntnis genommen. Seien Sie versichert, daß ich auf die Beseitigung der Mißstände in der Heimarbeit mit Entschiedenheit hinwirken werde. Mit der dem Reichstag in diesen Tagen zugehenden Eewerbeordnungsnovelle, welche auch Vorschriften für die Hausarbeit enthält, wird eine wichtige Grundlage für eine Verbesserung der Verhältnisse auf jenem Gebiete geschaffen. Die baldige Erledigung dieser Novelle werde ich mir ernstlich angelegen sein lasten. In vorzüglichster Hochtung von Bülow."
— Der Prrnzrezrnt Luitpold zog sich am Dienstag eine lleberdrehung des rechten Handgelenks zu. Im Laufe der Nacht bildete sich unter ziemlich lebhaften Schmerzen ein Exsudat
30 iWartitirui? verboten.)
Unter der Maske.
Roman von Lady Georgina Robertson.
tKorUepung.)
An die moralische Seite ihrer Handlungsweise dachte Ellen in diesem Augenblick gar nicht; daß eine Vereinigung zwischen Artur und Mathilde ein Verbrechen sein würde, so lange sie noch lebte, das kam ihr nicht in den Sinn. Cie war das Hindernis gewesen, das sollte nun fcrtsallen. Freilich, das Kind — ein plötzlicher Schmerz durchzuckte sie, aber sie sagte sich, daß sie vielleicht später, nach Jahren, unerkannt nach England wieder zurückkehren würde und es aus der Ferne einmal sehen könnte.
Je mehr Ellen sich mit ihrem Plane beschäftigte, desto bester gefiel er ihr. Sie war von allen früheren Beziehungen abgeschnitten; tot für ihren Gatten, den sie so unendlich geliebt hatte, tot für Mathilde, der sie unbewußt ihr Lebensalück vernichtet. Niemals wollte sie in die Heimat zurückkehren.
Als das Schiff in den Hafen von Toulon einlief, bat Ellen Madame Marie, ihr ein Unterkommen zu besorgen, wo sie ihre volle Genesung abwarten könnte. Diese sagte, daß sie ein Häuschen in einer ruhigen Straße der Vorstadt besäße und schlug der jungen Frau vor, bei ihr zu bleiben.
Ellen war einverstanden, mietete zwei Stuben und ließ sich von der Französin pflegen. Die Wunde am Kopfe entzündete sich von neuem und wochenlang lag die Kranke still im Bette. All ihr schönes blondes Haar mußte abgeschnitten werden, sie behielt kaum so viel, wie die kleine Dora hatte. Madame Marre sah voll Bewunderung auf die Maste goldiger Locken.
„Wie schade," rief sie aus. „Das Haar ist e »iel wert. Soll ich es verkaufen?"
Ellen lächelte. „Verkaufen?" wiederholte ße. „Wer wir- das Haar kaufen?"
im Handgelenk. Fieber ist nicht vorhanden, das Allgemeinbefinden ist nicht nachteilig beeinflußt.. Der Prinzregent unternahm später die gewohnte Ausfahrt in den englischen Garten und erledigte nach seiner Rückkehr mit dem Chef der Geheimkqnzlei die laufenden Geschäfte. Mittags empfing er dne Staatsminister Frhrn. von Podewils zum Vortrag.
— Die Rückkehr des Staatssekretärs v. Beth- mann-Hoüweg. Berlin, 24. Dez. Der Staatssekretär des Innern, Staatsminister Dr. v. Beth- mann-Hollweg, ist von seiner Reise nach den süddeutschen Residenzen zurückgekehrt. Er ist von dem König von Württemberg und den Eroßherzögen von Baden und Hesten in längerer Audienz empfangen und zur Tafel gezogen worden. In Karlsruhe wurde ihm besonders noch die Ehre eines Empfanges durch die Großherzogin-Mutter zuteil. Mit den leitenden Ministern, so in Stuttgart mit dem Präsidenten des Staatsministeriums Dr. von Weizsäcker, in Karlsruhe mit den Ministern von Dusch und Marschall von Bieberstein, in Darmstadt mit dem Staatsminister Dr. Ewald hat der Staatssekretär des Innern langdauernde Beratungen gepflogen. — Solche persönliche Aussprachen, be- mertt hierzu die „Deutsche Taaesztg.", sind von größtem Nutzen für den Gang der Reichsangelegenheiten. Ihre häufigere Wiederholung würde auch im Sinne der Geschäftsordnung des Bundesrates liegen, die davon ausgeht, daß an den Verhandlungen über die wichtigeren Aufgaben des Bundesrates die leitenden Staatsmänner der Bundesregierungen regelmäßig teilnehmen sollen.
— Die Eeneralsnnode und das Pfarrbesetzungsrecht. Die „Nsrdd. Allg. Ztg." schreibt: Hebet den von der Eeneralsynode beschlostenen Entwurf eines Kirchengesetzes bett, das Pfarr- besetzungsrecht geht uns die Mitteilung zu, daß das Kitchengesetz nach der entscheidenden Auf- fastung bet Staatsregietnng der staatsgesetzlichen Genehmigung bedarf. Es handelt sich daher vorläufig nur um Vorschläge der kirchlichen Organe über die Neuregelung. Die Frage, ob und wann die staat-gesetzliche Genehmigung des Kirchengesetzentwurfes herbeizuführen fein möchte, wird von der Staatsregierung erst entschieden werden können, wenn die Provinzialsynoden von Rheinland und Westfalens die voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres sich mit der Angelegenheit befasten werden, über ihre Stellung zum Gesetzentwürfe Beschluß gefaßt haben. Sind auch die Rheinvrovinz und Westfalen im § 7 des Kirchengesetzentwutfes in der bei derartigen Gesetzen üblichen Form und Maßgabe der für diese Vrovinzen geltenden besonderen Verfastungsbestimmungen von der Vorschrift des Kirchengesetzes zunächst ausgenommen, so ist doch der Erlaß des Kirchengesetzes für
„Jeder Haarkünstler. Es ist wohl hundert Frank wert."
„Sie können es ruhig verkaufen," sagte Lady Chesleigh. ,.Fch gebrauche cs nicht."
Die alte Französin sah erstaunt auf. Sie war nicht sehr selbstlos, aber freundlich und aufmerksam. Sie pflegte Ellen gut, sorgte für einen tüchtigen Arzt und ließ sich ihre Dienste dann ordentlich bezahlen.
Es dauerte lange, bis Ellen sich so weit erholte, daß sie ihr Zimmer verlassen konnte. Dann überschlug sie ihr Besitztum und machte sich einen festen Plan für die Zukunft. Sie hatte noch soviel Geld bei sich, um ein bis zwei Jahre bescheiden leben zu können. Sodann besaß sie eine Hht mit Kette, Ringe und eine lehr wertvolle Brache: wenn sie dies alles verkaufte, so, half der Erlös noch eine Weils weiter. Aber sie .wollte nach Paris gehen, in Toulon mochte sie nicht bleiben.
In der Hauptstadt würde sie leichter unter der Menge verschwinden, dort wollte sie ihr einsames Leben verbringen. Später, nach Jahren vielleicht, dachte sie nach England zu gehen, um ihr Kind wiederzusehen. Niemand würde sie erkennen, und sie könnte ihres Herzens Sehnsucht stillen.
,Mur ein einziges Mal!" sagte sie zu sich, indem sie in ein leidenschaftliches Schluchzen ausbrach, und dann wollte sie warten, bis sie in jener Welt mit ihren Lieben vereint wäre.
Sie machte es sich nicht klar, daß nur der Wunsch, England näher zu fein, sie nach Paris übersiedeln ließ. Sie sagte sich, daß Ellen Chesleigh tot sein müßte und bedachte nicht, daß ihr Herz von derselben Liebe erfüllt war und blieb, und dasselbe Leid zu erdulden hatte, wie es vorher geliebt und gelitten hatte.
Sie zog sich so einfach wie möglich an und beschloß, ein kleines Zimmer zu mieten un- sparsam zu leben, damit ihre Mtttel so lange wie möglich reichten. Nachher mußte sie suchen, ihren Unterhalt zu verdienen. Gelang ihr das nicht.
den ganzen Bereich der evangelischen Landeskirche in den älteren Provinzen beabsichtigt und konnte auch vom Standpunkt der Staatsregierung aus nur für diesen ganzen Bereich in Frage kommen. Die Erwägung der Staatsregierung, ob und unter welchen Maßgaben die staatsgesetz- lichs Genehmigung und damit die Beschlußfassung der Landesvertretung herbeizuführen ist, kann daher, wie bereits erwähnt, erst nach Abgabe des Votums der Provinzialsynoden der genannten beiden Provinzen eintreten.
— Der Kriegsveteranen-Berband für Thüringen in Gotha verteilte, wie alljährlich, 2065 Mark an arme Kriegsveteranen und deren Witwen und Waisen als Weihnachtsgabe.
— Aus Bayern. Wie der „Regensburger Anzeiger,, meldet, ist der frühere Präsident der Kammer der Reichsrate, Graf Lerchenfeld auf Köfering, Dienstag mittag gestorben. — Ferner wird aus München gemeldet: Der Chef des Ee- neralstabes, Generalleutnant Ritter v. Endres, ist Dienstag mittag nach längerem schweren Leiden gestorben.
— Deutsch-chinesische Beziehungen. Wie der „Köln. Ztg." aus Peking berichtet wird, überreichte kürzlich bei Gelegenheit eines Frühstücks zu Ehren des Großsekretärs Jüanschikai der deutsche Gesandte Graf v. Rex, Jüanschikai das diesem vom deutschen Kaiser verliehene Großkreuz zum Roten Adlerorden. In seiner Erwiderung auf die Ansprache des Gesandten bei Tisch hob Jüanschikai hervor, daß er bereits in Tientsin zur Zeit, als er noch Eeneralgouver- ncur dort gewesen wäre, gehört hätte, daß der kommende Gesandte Graf v. Rex, von freundschaftlichen Gefühlen für China beseelt, nach Peking käme und das er nach seiner Versetzung als Eroßsekretär nach Peking vollauf bestätigt gefunden habe; wie der Gesandte, so werde auch er an seinem Teil gern Mitarbeiten, an der weiteren Förderung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und China. Jüanschikäi sah zwar abgespannt, aber verhältnismäßig ganz wohl aus; jedenfalls sah man ihm nicht an, daß er krank gewesen war. Bei Gelegenheit der Unterhaltung über die Fortschritte, die die Lust- schiffahrt in den letzten Iahten gemacht hätte, äußerte Jüanschikai, daß dadurch wohl alle Bemühungen sämtlicher Haager Konferenzen übet den Haufen geworfen werden würden.
— Die „Schandsäule von Memel". Am 4. Januar findet der Prozeß gegen zwei Redakteure der sozialdemokratischen „Königsb. Volkszeitung" statt wegen des Schmäh-Arttkels zur Enthüllung des Memelet Nationaldenkmals. Es ist nicht nur gegen den verantwortlich zeichnenden Redakteur „Eenosien" Marchionini, sondern auch gegen den Verfasser des Artikels, den „Eenosien" Matckwald Anklage erhoben worden,
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so war es ihr auch gleichgültig. Sie hatte so Schweres innerlich durchlebt, daß äußere Dinge ihr nicht mehr nahe treten konnten. Hunger und Kälte ertrug sie in einer Weise, die wohl niemand der verwöhnten jungen Frau zugetraut haben würde.
Und doch war das Leben voller Entbehrungen, welches sie jetzt führte, erträglicher, als das letzte Jahr, wo sie, umgeben von allem Luxus, sich in Kummer um die verlorene Liebe ihres Gatten verzehrte.
Ellens Tage flosien einförmig und trostlos dahin. Sie hatte eine Wohnung neben der Madeleine genommen. Es hatte für sie etwas Beruhigendes, wenn sie die alte, ehrwürdige Kirche ansah. Sie trat oft ein, setzte sich auf eine der Bänke und ließ im stillen Gebet den Frieden des alten Gotteshauses auf sich wirken. Es war doch eine Stelle, an der sie Ruhe fand. In gleichen Stunden zog ihr ganzes Leben an ihr vorüber. Wie glücklich, wie sorglos war sie gewesen bis zu dem Tage, an dem sie so töricht begehrt hatte, Artur Chesleigh zu heiraten! Von da an war sie elend und hoffnungslos geworden. Während sie im Schatten der alten Kirche kniete, um sie herum Andächtige, die ihre Gebete in fremder Sprache murmelten, durchlebte sie im Geiste die letzten Jahre noch einmal. Und jedesmal kam sie von neuem zu der Einsicht, daß für sie der Tod weit bester fei, als das Leben.
Einmal wagte sich Ellen in eine der vornehmen Straßen und kaufte sich dort eine englische Zeitung. Sie durchflog die Spalten und fand unter den Nachrichten über die hohen Kreise die Notiz, daß Lord Chesleigh sich nach Schloß Ashbrooke begeben hatte. Tränen träten in die Augen der jungen Frau, sie, die sich abgestumpft glaubte gegen alle Gefühle, liegen Liebe und Schmerz, pe drückte ihre Lippen wieder und wieder auf den Namen ihres Gatten und las ihn immer aufs neue.
„Lord Artur Chesleigh!" Wie eigen nahmen sich die Worte gedruckt »u«, Was würde ihr
und zwar wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung des Denkmalskomitees.
— Neutral-Roresnet noch nicht deutsch. Di« Rachttcht, daß Neutral-Moresnet gegen ei» keines Gebiet an der belgisch-deutschen Grenze eingetauscht und. in deutschen Besitz übergegangen sei, ist verfrüht. Wie die,„Tagl. Nundsch." sich selbst berichttgend fesisteEsind die Verträge zwischen Belgien und Deutschland über diese» Eebietswechsel noch nicht abgeschlossen.
— Die Ernte im Jahre 1907. Der „Reichsanzeiger" meldet: Im Deutschen Reiche betrug 1907 die Ernte an Winterweizen 2,613,826, Sommerweizen 865,498, Winterroggen 9,585,817, Sommerroggen 172,042, Sommergerste 3,497,745, Hafer 9,149,138, Kartoffeln 45,538,299, Klee (Heu) 9,98,368, Luzerne (Heu) 1,401,368. Der Ertrag von Bewästerungswiesen Betrug 2,767,222 von anderen Wiesen 22,144,766 (alles i» Tonnen).
Anäfand.
** Andrasty über die magyarischen Bestreb- ungen. Ofen-Pest, 25. Dez. Der Minister des Innern Graf Andrasty äußerte sich, einem Vertreter des „Magyar Hirlap" gegenüber, übet die Angriffe, die in verschiedenen Blätter» des Auslandes gegen die ungarischen Bestrebungen gerichtet werden, ungefähr folgendermaßen: „Im Auslande habe man vielfach den Eindruck, daß die nationalen Bestrebungen Ungarns den Bestand der Monarchie ober deren Großmachtstellung gefährden würden. Jndesten werde durch die Geschichte der Beweis erbracht, daß die Dynastie mit dem größten Vertrauen auf die Ungarn sich stützen könne, wenn seine Bestrebungen befriedigt würden. Selbst der sogenannte ungarische Chauvinismus sei keine Gefahr für di« Monarchie, wie denn jetzt die Unabhängigkeitspartei unter Führung Franz Kostuths den Anforderungen der Eroßmachtsstellung mit größter Vereitwigkeit entgegenkomme. Bezüglich de» Verhältnistes der Magyaren zu den andere» Dolksstämmen sagte Graf Andrasty, daß diese vollkommen gleiche Rechte genösten, wie die Magyaren, nut könne man sie nicht als Staat im Staate anerkennen und ihren Partikularismu» nicht zum Gesetze erheben, denn sonst würde in Ungarn der Nationalitätenhader viel heftiger ausbrechen als in Oesterreich. Dies zu verhüten, muffe das berechtigteBestreben Ungarn bleiben.
** Zur französischen Marokkopolitik. Paris, 25. Dez. Während der Beratung über das Budget des Ministeriums des Auswärtigen im Senat wiederholte der Minister des Auswärtigen, Pichon, in Erwiderung auf Ausführungen des Monarchisten Dövillaine, daß Spanien und Frankreich in Marokko gemeinsam vorgehen; di« französische Regierung kümmere sich nicht um gewisse Artikel spanischer Zeitungen, sie trage nur
Träger sagen, wenn er wüßte, daß jetzt die Augen seiner Frau darauf ruhten!
Ellen kaufte nun öfter eine Zeitung, aber seinen Namen fand sie nie wieder. Wahrscheinlich war er dauernd in Ashbrooke geblieben. Sie dachte oft an ihn und versuchte sich auszu- malen, was er wohl täte und wer um ihn fei. Jetzt würde er Mathilde noch nicht, heirate», dazu würden beide ihr Gedächtnis zu sehr ix Ehren halten.
Ellen hatte geglaubt, es fei so leicht, mit bet Welt abzuschließen, ein paar Jahre allein zu leben, das Dasein ohne Zweck von einem Tag zu anderen zu fristen, bis die Erlösung durch den Tod kam.
Und nun war es doch nicht so leicht. SU hatte ihren Anzug vereinfacht, ihren Namen, ihre Stellung aufgegeben, aber ihre Natur konnte sie nicht ändern. Sie wurde ruhelos und je mehr die körperliche Genesung fottschritt, um so mehr lastete der gänzliche Mangel an Be- fchäftigung auf ihr.
„Hätte ich nur feinen Namen nicht gelesen!" dachte sie und versuchte sich glauben zu machen, daß nur dies sie aus dem Gleichgewicht gebracht habe. Nie hätte sie sich eingeftanben, baß ihr Herz sich nach dem Gatten sehnte, daß sie ihn liebte, trotz allem, was zwischen ihnen lag. SU würbe sich für schwach und feige gehalten haben, hätte sie sich ihre Gefühle klar gemacht, aber in Wahrheit verhielt es sich so.
Nach unb nach fing sie an, sich um ihre Nachbarschaft zu bekümmern. Ein kleines Kind würbe krank, und sie erbot sich, es zu pflegen. Sie war sehr sanft und gut, so daß die Klein« fast lieber bei ihr war, als bei seiner Mutter. Von der Zeit an würbe sie oft umJRat gefragt ynh u» Silfe gebeten. Schon bet Anblick ihre» stillen, freundlichen Gesichtes tat ben Mensche» wohl unb war ihnen ein Trost unb so wirb« sie, bie verwöhnt« Dame, eine treue Pflegert» der Arme», w j
.(Fortsetzung fei*).