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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Zweites Blatt

Scheck.

Rumänien 0, Schweiz:

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Keilagen:Literarischer Anzeiger-, ^Landwirtschaftliche Keilage« undIllustrierte- SsrmtagsbttE.

Ausland.

** Die Schutzoereine des Deutschtums ii

Oesterreich. Aus Wren wird geschrieben: Am

in traulich warmer Zelle die einfache Lampe zur Arbeit leuchtete, ein anderer, froherer und freundlicherer Ausdruck in die Gesichter trat. Und wenn ich in der Adventszeit in den Abend­stunden von Zelle zu Zelle ging, an den Arbeits­tisch mich setzte und zu dem Manne neben mir, bald einem alten, bald einem jungen redete, fand ich die Herzen offener, als in anderen Ta­gen. Bei allen fast gingen die Gedanken in dieser Zeit in die Kindheit zurück, und mit die­sen Gedanken kam die Erinnerung an bte schöne Unschuld jener Jahre. Nie habe ich so viel bit-. tere Tränen einer wahren Reue fließen sehen.? Der Heimatlose aber, der den Besitz eines El-' ternhauses nie kennen gelernt, der sein Leben lang unter fremden Menschen gewesen war, und der Bejammernswerte, dem die Sünde der El­tern früh das Leben vergiftete, klagten ergrei­fend um ein Glück, das ihnen versagt geblieben war. Stimmungen, Gefühle gewiß, aber sie wollen gedeutet sein; die Sehnsucht war es, ein Teil der großen Adventssehnsucht der Mensch­heit, der hier nach Ausdruck rang.

Es war, als wollte es mitten in der Winter­zeit Frühling werden. Selbst die Strenge des Gesetzes verlor etwas von ihrer Schärfe. Weih­nachtsstimmung war auch in die Herzen der Beamten eingezogen. Sie fühlten sich den Ge­fangenen menschlich näher gerückt und traten aus der sonstigen Reserve heraus, die schließlich ja der Dienst um seiner selbst willen forderte.

Und Lieder zogen über Hof und Gänge, all die lieblichen Weihnachtsklänge, mit denen da» Volk in alten Zeiten das Fest gegrüßt und dem Kindlein in dem Stalleden Weg bereitet'' hatte, all die vollen Akkorde, mit denen die Kirche die Tore weit und die Türen in der Welt hoch machte. Ja der Schul« sangen wir

Deutsches Reich.

Lin Geschenk unseres Kaisers. Aus dem Haag wird gemeldet: In Gegenwart des Prin­zen Heinrich der Niederlande, der Königin-Mut­ter, des deutschen Gesandten v. Müller, der Hof­würdenträger und der Behörden enthüllte Kö­nigin Wilhelmina auf dem Borhos des Palais Huts ten Bosch die Statue Friedrich Heinrichs von Oranien, das Geschenk des deutschen Kaisers. Der deutsche Gesandte übergab der Königin die Statue mit einer kurzen Ansprache, auf welche die Königin dankend erwiderte. Die Königin verlieh dem Gesandten das Großkreuz des Or­dens von Oranien-Naffau.

DieAbhängigkeit" des Reichskanzlers. DerSüdd. Reichs-Korresp." wird aus Berlin offiziös geschrieben:Gegen den Reichskanzler wrro uffti. im et tat u ver Vorwurf wetter­gesponnen, er habe sein Verbleiben im Amt von der gegenwärtigen Reichstagsmehrheit abhängig gemacht. Das bedeute schrecklich zu denken ein Hineinrutschen ins parlamentarische Re­gime. Wie liegen aber die Dinge in Wirklich­keit? Gewiß, die Blockmehrheit könnte den Rücktritt des Reichskanzlers herbeiführen, aber nur unter der Bedingung und um den Preis, daß sie selbst auseinanderfällt. Denn nur die Unmöglichkeit, den Block für dringende Aus­gaben zusammenzuhalten, könnte und müßte freilich auch den Kanzler veranlassen, einem Nachfolger Platz zu machen, der mit einer an­deren Mehrheit die Geschäfte führen kann. Er müßte gehen, nicht weil der Block ihn fortschickte, sondern weil für die Durchführung der von der Nation bei den Wahlen verlangten Politik kein Block mehr da wäre. Ein derartiger Ausgang würde von Millionen Deutschen nicht verstanden werden. Es handelt sich nicht um die Person eines einzelnen Staatsmannes, sondern um die große Frage, ob Deutschlands künftige Entwick­lung durch schiedlich-friedliche Kompromisse zwi­schen konservativen und liberalen Gesichtspunk­ten bestimm t oder dem Kampf radikaler mit

reaktionären Strömungen ausgeliefert werden soll. Der Reichskanzler ist der verantwortliche Träger eines nach langer Unterbrechung er­neuerten Versuchs, im Deutschen Reich mit einem Zusammenwirken der Rechten und der bürgerlichen Linken positive politische Arbeit zu leisten. Nicht Rücksichten aus den Fürsten Bu­low, sondern die den Mehrheitsparteien von der Wählerschaft anvertrauten Interessen der Na­tion erfordern, daß dieser Versuch nicht miß­linge.«

Der neue deutsch« Botschafter in Rußland. Unter den üblichen Feierlichkeiten begab sich der deutsche Botschafter Graf von Pourtalds, be­gleitet von sämtlichen Mitgliedern der Botschaft, nach Zarskoje^elo, um in feierlicher Audienz dem Kaiser sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Der Kaiser richtete sehr gnädige Worte an den Botschafter.

Ein vergessenes Gebiet! Der Streit um das neutrale Gebiet Moresnet, das seit dem Jahre 1816 von einem preußischen und einem belgischen Kommissar gemeinsam verwaltet wurde, ist nunmehr geschlichtet worden. Aus Grund eines gegenseitigen Vertrages ist Mores­net dem deutschen Reiche zugesprochen worden, während Belgien durch einen Landstrich in der Gegend von Altenburg entschädigt wird.Ein vergessenes Gebiet im Herzen Europas«, nannte Hoch das neutrale Gebiet Moresnet, das jetzt durch einen Staatsvertrag mit Belgien in den Besitz Preußens übergegangen ist. Sehr erheb­lich vergrößert ist unser Lgndbesitz dadurch nicht; denn die 550 Hektar, die das bisherige Neutral- Moresnet umfaßt, wollen nicht viel besagen, immerhin ist es etwa zehmal so groß al» Helgo­land. Das Gebiet war auf dem Wiener Kon­greßvergessen" worden, 1816 wurde es dann tu» neuiitu uiitiiumu uiw v« uvureiii*

schaftliche Verwaltung von Preußen und Bel- gien gestellt. Im Jahre 1841 erhielt es nach der Tägl. Rundschau« Selbstverwaltung, und den Einwohnern wurde freigestellt, ihr Recht nach Belieben vor preußischen oder belgischen Ge­richtshöfen zu nehmen. Geurteilt wurde nach dem Tode Napolson. Ihrer Militärpflicht ge­nügten die Einwohner, deren es etwa 3000 gibt, je nach der Cerichtsangehörigkeit in Preußen und Belgien. Wichtig ist das Gebiet durch sein großes Ealmeibergwerk, das hoffentlich bei Preußen bleibt.

Zur Lotteriesteuer. Die bestehenden vier Staatslotterien werden, wie aus Berlin verlau­tet, bei Zugrundelegung der neuesten Lotterie­pläne an Steuern an das Reich zu entrichten haben: die preußische rund 17% Millionen Mk., die sächsische rund 7% Millionen Mk., die braun­schweigische rund 3 Millionen und die ham­burgische rund 4 Millionen Mk., insgesamt rund 32% Millionen Mk.

Die Stempelpflicht des Schecks im Aus­lande. Angesichts des Umstandes, daß in Deutschland der Scheck Stempelfreiheit genießt und weiter genießen soll, hat es ein besonderes Interesse, die Abgaben, mit denen der Scheck

Sonntagsanzügen und de« sauberen blau und weißen Halstüchern sitzen die Gefa^enen da; auf ihren C-si-qtern liegt mehr ak nur der Schein der Kerzen, ihre Augen leuchten vor Freude wen-ger als aus Hoffnung, und auf de« Strahlen der Lichter wandern ihre Gedanke« durch die Finsternis dahin, wo ihr Liebste» wohnt, wo sie gut zu machen haben, was sie ver­schuldet.

Die Orgel klingt, und die Lieder ertönen mit einer Kraft, daß ich ost habe denken müssen, daß wohl auch die ersten Christengemeinden in Höh­len und Einöden mit solcher Inbrunst mögen gesungen haben. Daß Tränen fließen, ist nicht wunderbar; es find die erleichternden Tränen Augustins. w r

Die Feier in liturgischer Art und nur mit einer kurzen Ansprache, denn der Abend selbst predigt besser als ein Mensch, ist zu Ende. In langer Reihe leert sich die Kapelle; die einsame Zelle nimmt den Gefangenen wieder auf. Aber ein grüner, duftender Tannenzweig liegt auf dem Arbeitstisch und daneben ein Blatt, v« ihn trösten soll, wenn nun die lange, schlaflose Nacht kommt. Früher war auch wohl ein kleine» Christbrot dabet. soweit der schmalbemessene Etat es zuließ, aber seit längerer Zeit schon ist Nefe Sitte abgeschafft. Der Feiertag bringt Fletsch und Bier, und nachmittags auch Besuche. Die Angehörigen kommen, um für ein paar Minute» den Mann, den Bruder den Vater, wenn auch hinter dem grauen Drahtgeflecht, zu sehen uno zu sprechen. Manchem, der mich bat, habe ug auch ein Wiedersehen in meinem Zimmer mög­lich gemacht. .,

Natürlich bekamen nur wenige Besuch, «E meisten aber erhielten Briefe. Die waren ihn^ so, gut wie ein Geichs Vielen aber ward. M»

anderwärts belastet ist, kennen zu lernen. Der Wolffschen Zeitschrift für Sozialwissenschast" entnehmen wir zu diesem Zwecke folgende im Anschluß an das Buck von Paul Stiller über nationale Bankpolitir ausgestellte Ueberficht über diejenigen Länder, die den Scheckstempel längst eingeführt haben:

England 1 Penny fite jeden Scheck.

Frankreich 0,10 Cent- für Platzschecks und 0,20 Cents für andere Schecks.

Oesterreich 0,10 Heller und 0,04 Heller (falls auf Deposttenkassen gezogen).

Italien 0,10 Cents für jeden Scheck.

Holland 0,5 Cents für Beträge über 10 holl. Gulden.

Portugal 20 Reis für Inhaberschecks über 5000 Reis und entsprechend steigend.

Kanton Araau 0,10 Cents für Beträge bk» 500 Franks, 0.20 Cents bis 1000 Franks ujf.

Kanton Berne 0,10 Cents für jeden Betrag. Kanton Freiberg 0,20 Cents für jeden Betrag. Kanton St. Gallen 0,10 Cents für Beträge über 50 Franks. )

Kanton Tessin 0,10 Cents für jeden Scheck. Kanton Wallis 0,25 Cents für jeden Scheck.

Spanien 0,10 Pesetas für Beträge bis 25 009 Peseta usf^

Selbst Serbien und Bulgarien haben ihre» Scheckstempel, wenn auch in irgend nennens­werten Umfang noch nicht den Scheck.

Einjährige bei der Schutztruppe solle» vom 1. April 1908 ab in Südwestafrika einge­stellt werden. Schon während des Aufstande» befanden sich Einjährige bei der Truppe, und die Einrichtung ist nunmehr eine dauernde ge­worden.

Die wirtschaftliche Erschließung Deutsch.

Md,.j<G.rnerÄlÄ, ländische Industrie- und Plantagen-Gesellschast m. b. H.«, welcher angesehene Plauische Kauf­leute angehören, im Begriff, am Pangani zwei Plantagen anzulegen. Diese liegen zwischen Tanga und Pangani nahe der Usambarabahn ie gesundheitlich guter und für den Verkehr vor­teilhafter Lage. Das 900 Hektar große Manevi, wie auch das 3450 Hektar Umfang messende Kili- mangwidu, weisen humusreichen, durchlässige» Boden auf und find moskitofrei. In Maveni sind schon Agaven angepflanzt worden; es liegt übrigens in der Nähe der von uns schon früher erwähnten Kalksteinbrüche, deren Stein sich be­sonders zur Verarbeitung von Zement eignen soll. Auch auf Kilimangwidu werden Agave« gebaut, und außerdem wird mit einer Arbeiter. schar von rund 500 schwarzen gerodet. Säch­sische Betriebsamgeschäftliche Intelli­genz wird Swst in Deutsch-Ostafrika

eine würdige Stätte schaffen.

nun Tag für Tag. Wer eine Geschichte über die Macht des Gesanges, insbesondere der musica sacra schreiben wollte, sollte in den Gefäng­nissen am besten in der Weihnachtszeit seine Studien machen. Zwar hatten die Gefangenen ihren regelrechten Gesangsunterricht, aber so­bald es auf Weihnachten ging, habe ich dem Leh­rer ins Handwerk gepfuscht und manche Stunde mit den Schülern gesungen, statt irgendeinen trockenen Stoff mit heißem Bemühen zum Leben zu gestalten. Zuerst sahen sie mich meist verwundert an, wenn ich das Buch zuklappte und sie aufforderte, mit mir eins der alten, frohen Lieder aus der Kinderzeit zu singen. Nur schüch­tern sangen zuerst einige mit, schüchtern fielen andere ein, und die vergessen hatten, was ihnen doch einst wert gewesen war, die schämten sich. Und schließlich sangen sie alle, hell und laut wie Kinder, diese umgetriebenen Menschen, die doch schon dem Mannesalter nahe waren. Und ost kam der geheime Schmerz ihres Herzens so er­schütternd zum Ausbruch, daß ich das Singen ab­brechen mußte.

Weihnachten! Heiliger Abend! Auch hinter den Mauern wartet man daraus, ob er schon keine lleberraschung bringt, sondern nur eine ernste, wenn auch frohe Feier. Manches hat eine Eefangenengemeinde vor den sogenannten freien Gemeinden voraus, auch die Feierlich­keit der Christnacht. Zu beiden Seiten des Altars, in der stzlichtenKapell^ stehen die Christ-, bäume im Glanz der vielen Lichter, geschmückt mit Sternen, Körbchen und bunten Ketten, die Gefangene vor Jahren und in jüngster Zeit in Mußestunden angefertigr haben. Es ist leine künstlerische Leistung, aber e» ist etwas darin von der Liebe, mit der die Witwe ihr Scherflein brachte; in laugen Reihen in den dunkelgraue^

Weihnachten im Gefängnis.

f Das ist mir immer als das Allerwunder- Aarste am Weihnachtstisch erschienen, schreibt F. H ö f f n e r in der Weihnachtsnummer des Daheim, immer als einer der stärksten Be­weise für die von Ewigkeit her in der mensch­lichen Seele liegende Bedürftigkeit nach dem Licht des Lebens und der Wärme der Liebe, daß es auf die Gemüter eine so allgemein zwingende Gewalt ausüvt, daß auch dem Aermsten ein Schein von Glückseligkeit in das dürftige Käm­merlein fällt. Ich möchte das Weihnachtsfest als solches die stärkste Apologie des Christen­tums nennen, auch wenn man alles, was Gemüt und poetische Stimmung diesen heiligen Winter­tagen umhängt, in Abrechnung bringt. Nie ist mit das so deutlich geworden als während mei­ner Tätigkeit unter den Gefangenen. Solch ein Strafhaus ist gewiß kein Ort von besonderer Schönheit, und es gehört schließlich eine nur ge­ringe oder gar keine ästhetische Veranlagung dazu, wenn man beim Betreten dieses Ortes bet Hoffnungslosigkeit, beim Anblick ber trostlosen C.stallen, mit ben abgestumpften, verbitterten Gesichtern von Entsetzen gepackt wirb. Und es würde wohl niemand geben der sich entschlösse, -in solch einem abstoßenden Milieu zu arbeiten, wenn das Mitleid nicht wäre, das die Aeußer- lichkeiten übersehen lernt und nur an das In­wendige denkt.

In der Weihnachtszeit aber veränderte sich das Bild ber Anstalt auffällig. In den ersten Jahren habe ich wohl an Selbsttäuschung ge­dacht, später jedoch die Tatsache feststellen kön­nen, daß mit dem Beginn der langen Winter- ßage, wen» draußen der Schnee lag und abend»

Harde« dar der

Staatsanwaltschaft.

' He6et die gestrige (Montag) Verhandlung liegen noch folgende Nachrichten vor:

Während des letzten Teiles der Vormittags- fitzung wurden Frau v. Elbe und Fürst Eulen­burg noch einmal eingehend vernommen. Nach %2 Uhr wurde eine halbstündige Pause gemacht. In ber Nachmittagssitzung sollen zunächst bte Kriminalkommissare v. Treschkow unb Dr. Kopp als Sachverstänbige gehört unb bann bie Öf­fentlichkeit wieberhergestellt werben. Wie ver­mutet wird, hat ber Gerichtshof beschlossen, bie Erbprinzessin Charlotte von Meiningen kom­missarisch vernehmen zu lassen. Justizrat Dr. Sello hat bie Nachricht einzelner Blätter, baß gestern Vergleichsverhanblungen gepflogen wor­ben seien, als vollkommen aus ber Luft gegriffen bezeichnet.

In der Nachmittagsfitzung wird bis gegen 3% Uhr nichtöffentlich verhandelt. Sodann wird die Oeffentlichkeit wiederhergestellt. Zu­nächst wird die Krankenpflegerin Hedwig Large vernommen, die Frau v. Elbe, seinerzeit Gräfin Moltke, in den Jahren 1899 bis 1900 ge­pflegt hat.

Unter den nachmittags vernommenen Zeu­gen befand sich auch die frühere Gesellschafterin der Frau v. Elbe, die vom Juli 1900 bis Mai 1901 bei ihr gewesen ist. Die Zeugin bekundet, daß Frau v. Elbe auf Spaziergängen und im Hause häufig über ihre Ehe mit dem Grafen Moltke unb ben Ehescheidungsprozeß gesprochen habe. Frau v. Elbe habe dabei gesagt:Einem von uns kostet es den Kragen, hoffentlich ihm. Auch habe Frau v. Elbe gegen sie einmal An- schudigungen gerichtet, wegen deren sie später zu­gab, die Unwahrheit gesprochen zu haben, und die Zeugin um Verzeihung bat. Auf Befragen des Oberstaatsanwaltes erklärte die Zeugin weiter, daß Frau v. Elbs sie gelegentlich gefragt habe, ob sie ihr nicht Journalisten nennen könnte, welchen sie Material geben könnte, um den Grafen Moltke bloszustellen. Den Aus­druckblosstellen" erhält sie auf Befragen von Justizrat Sello und der Frau v. Elbe, die sich dessen nicht entsinnt, aufrecht.

Im Laufs der Nachmittagssitzung fanden sehr eingehende Erörterungen über den körperlichen und selischen Zustand der Frau v. Elbe in oer in Betracht kommenden Zeit statt, insbesondere über die Frage, ob Frau v. Elbe hysterisch sei. An diesen Erörterungen beteiligte sich der als Zeuge erschienene langjährige Hausarzt der jetzigen Frau v. Elbe, Dr. Korn, und die Sach­verständigen Medizinalrat Dr. Hoffmann und Geheimrat Eulenburg. Um 5 Uhr wird auf den von Justizrat Bernstein geäußerten Wunsch grundsätzlich Vertagung bis Freitag beschlossen. Vorher zieht sich der Gerichtshof noch einmal zur Beschlußfassung darüber zurück, ob Geheim­rat Schweninger, dessen kommissarische Vernehm­ung in München heute während ber nichtöffent­

lichen Sitzung beschlossen war, auch als Sach- verstänbiger über den Zustand der Frau v. Elve vernommen werden soll. Der Gerichtshof be­schließt, daß Geheimrat Schweninger auh als Sachverständiger zu vernehmen sei. Die nächste Srtzung findet Freitag, den 27. ds., um 11 Uhr statt. In dieser sollen die Fragen festgesetzt werden, die dem Geheimrat Schweninger bei seiner kommissarischen Vernehmung vorgelegt werden sollen.

Notiz: Die aus vettraulicher Sitzung ver­breitete Meldung über die Vernehmung der Erb­prinzessin von Meiningen scheint sich nicht zu bestätigen.

Aus der vertraulichen Sitzung verlautet, Sachverständiger Hirschfeld habe sein Gutachten aus der schöffengerichtlichen Verhandlung auf­grund der gemachten Erklärungen der Frau v. Elbe zurückgezogen. Das Gerücht ist jedoch un­kontrollierbar.

Vierteljährlicher Bezugspreis^ tia m ErpÄition 2 ML, *<»**.*

J2 302 6« alle« Postämtern 2,25 M. (Q* Bestellgeld). JylUlvUVg

Reclamcn: die Zelle 30 Pfg. Mittwoch, 25. Dezember 1907.

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