mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain w
rrrrd de« Kerlagen: „Literarischer Anzeiger-, „Landwirtschaftliche Keilage- «nd „Illustrierte* Ksmrtagsdlatt-,
nnn brüllen Postämtem 2,2» ZU. ^ct. I^stellgeld). 2 “• Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.
•S2 302 Mittwoch^ 25. Dezember 1907. M
Erstes Blatt.
„Und Friede auf Erden!-
Das deutsche Volk darf sein Weihnachtsfest diesmal, dem Fimmel sei es getankt, in einer glücklicheren Stimmung und in größerem Vertrauen auf seine nationale Zukunft begehen, als man noch vor Jahresfrist zu erhoffen wagen durste. Nicht, als ob die Nebel, die beklemmend über unserm deutschen Leben lagerten, gewichen wären; aber ein fröhliches Durchblicken der siegenden Sonne K,t doch die Herzen wieder freudiger schlagen in der gewissen Hoffnung auf den Sieg des Lichtes. In immer weiteren Kreisen unseres Volkes hat die Erkenntnis Platz gegriffen, daß es nicht so weiter gehen konnte mit der ruchlosen Verführung unseres Volkes und mit dem Abwenden der modernen Bildung von Gott. Immer tiefer wird erkannt, dafj alle wahre Wissenschaft, insbesondere auch alle ernsthafte Naturforschung, zu Gott zurückführt und daß als aller menschlicher Weisheit letzter Schluß hinter dem Urgrunde aller Dinge die ewige Wahrheit steht: „Ehre fei Gott in der Höhe!"
In dem großen Zwiste, der als geschichtlicher Niß in unserem Volke zwischen den christlichen Bekenntnissen klafft, wird dieser Trost immer mehr auf beiden Seiten empfunden und sicherlich wird dies, wenn auch nicht zum Zusammenschluss«, so doch zu einem wechselseitigen Sichachten und Elchverstehen führen, das eine gemeinsame Abwehr der zersetzenden Einflüsse ermöglichen wird, die das Christentum ebenso wie das Deutschtum bedrohen. Und aus tiefster Seel« quillt auch hier die Sehnsucht nach dem alten Worte der Verheißung auf: „Und Friede auf Erden!" Immer nachhaltiger wird es empfunden, daß wir in unserem Vaterlande zu einem inneren Herzensfrieden nicht gelangen können, ohne daß unser Volk zugleich Gott in der Höhe die Ehre gibt. Und wenn es an dieser Ueberzeugung bei sonst Wohlmeinenden irgend noch gefehlt haben sollte, so wird ein Hinblick auf die besondere Art der von den Mächten des Umsturzes betriebenen Zersetzung und Verhetzung beweisen, daß alle Feindschaft gegen die Hochgedanken Unseres Volkstums zumeist die Eottesleug» nung zur Voraussetzung hat und daß auch alle Wege unseres nationalen Lebens zurück zu (Sott führen.
Wie dicht dis Nebel auch lagern, es ist doch um vieles, vieles besser geworden in unserem Volks. Man vergegenwärtige sich nur, wie trotz aller parlamentarischen Schwierigkeiten die Verständigung über die nationalwichtigen Vorlagen sich diesmal leichter und in angenehmerer Form vollzogen hat, als früher. Man vergegenwärtige sich auch die Einmütigkeit, mit der alle verständig denkenden Deutschen ohne Unterschied der Partei sich zusammengefunden haben in der Verurteilung jener häßlichen Schmähsucht, die
ß * iNocliüruc! verboten.)
Unter der Maske.
Roman von Lad'y Georgina Robertson.
tKortjetzung.)
Sicher gelangte sie in das Boot und Lord Chesleigh, in dem Glauben, feine Frau gerettet zu haben, fing an, nach Mathilde zu suchen. Er stieß aus den Matrosen, und dieser berichtete, daß die Dame, die seiner Obhut anver- kraut gewesen war, gerettet sei. Er machte sich kein Gewissen daraus, darüber zu schweigen, daß er ganz unbeteiligt daran war, er nahm die Belohnung, die Lord Chesleigh ihm gab, so ruhig an, wie vorher Ellens Goldstück und freute sich seines leichten Verdienstes.
Die Boote, in denen die Frauen und Kinder sich befanden, erreichten zuerst den Hafen von sMessina. Vergeblich suchte Mathilde Ellen irgendwo zu erspähen, vergeblich rief sie immer von neuem ihren Namen.
.Die Dame wird in einem anderen Boote sein," trösteten die geretteten Passagiere, aber Mathilde ging nicht vom Ufer fort, bis das letzte anlangte und sie in diesem Artur entdeckte.
Er stand sofort an ihrer Seite.
- „Mathilde," sagte er innig, „Gott sei Dank, daß Du sicher hier bist. Ich suchte Dich noch auf dem Schiffe. Jemand wollte Dich dort gesehen haben."
„Wo ist Ellen?" schrie sie auf. „Um Gottes willen, wo ist sie?"
„Ellen?" erwiderte er. „Sie muß hier sein, ich habe sie selbst in das Boot gebracht."
„Nein, nein, das war ich, Du hast mich gerettet."
• »Ich habe Dich ja garnicht gesehen, Mathilde. Ich trug Ellen über das Deck und ließ sie in Das Boot k, munter, Aber, was ist denn das?"
alles in den Kot zu ziehen trachtet, wofür unsere Väter einst gerungen haben and unsere Brüder in den Heldentod gegangen sind. Und man blicke nur auf das Ausland, das gerade aus Anlaß jener beklagenswerten Vorgänge, die man Deutschland nicht zugettaut hätte, unzweideutig zu erkennen gegeben hat, daß trotz unserer Schwächen uns die Achtung der Welt ge- wahtt geblieben ist.
freilich entspricht die Geltung, die wir als Volk int Auslande finden, noch immer nicht entfernt unserer tatsächlichen kulturellen und militärischen Bedeutung. Immerhin aber hat man int Auslande begriffen, daß das Deutsche Reich auch jetzt noch eine in sich so gefestigte Macht darstellt, daß der Friede auf Erden durch das deutsche Schwert gesichert bleibt. Die Ansprache, die Kaiser Wilhelm dieser Tage in Amsterdam in Erwiderung des Trinkspruches der Königin von Holland gehalten hat, liefert der ganzen Welt einen neuen Beweis für diese geschichtliche Tatsache. Und dies muß uns mit um so größerer Genugtuung erfüllen als die alten Feinde, die nach unserem Sturze trachten, gerade den Friedensgedanken benutzen wollten, um uns mit Krieg und, wie sie hoffen, mit Verderben zu überziehen. Die Ergebnisse der Haager Konferenz haben eins über alle Zweifel klar erwiesen,, daß, solange das große Völkerleben ein Trauerspiel und das Schwert sein ewiges Symbol bleibt, der Weltfriede nur gewahrt werden kann, wenn die sittlich tüchtigen Völker letzten Endes den Ausschlag geben. Noch immer gilt der Satz: „Wenn Du den Frieden willst, so bereite Dich aus den Krieg vor!"
Es steht uns wohl an, gerade an dem Tage, da der Heiland und Friedensfürst der Welt geboren wurde, dieser geschichtlichen Wahrheit eingedenkt zu bleiben. Denn wenn er auch in erster Reihe die Mühseligen und Beladenen zu sich rief, und seine Lehre die Friedfertigen selig pries, so ist es doch eine Verkennung der sittlichen Kraft des Christentums, in diesem eine Gegnerschaft gegen alles Starke und Gesunde erblicken zu wollen. Uns Deutsche aber insbesondere bringt der Christbaum eine doppelte Mahnung. Sein Lichterschmuck weift auf den alten Glauben unserer Väter hin, daß am Tage des tiefsten Sonnenstandes der lichtbringende Baldur geboren wurde, daß also aus der tiefsten Not auch die seligste Hoffnung wieder entspringt. Und der immergrüne Baum dient dem nicht nur zur bildlichen Bestätigung, sondern mahnt uns auch an den alten Sachsenspruch:
„Es grüne die Tann', Es wachse das Erz, Gott schenke uns allen Ein fröhliches Herz!"
Da ist nichts von weibischem Verzagen und Verzichten auf Kampfessreude, sondern deutlich der Stolz auf die deutsche Wehrhaftigkeit ausgesprochen, die aus der echten Herzensfröhlichkeit entspringt.
So möge jeder helle Christbaum in deutschen Herzen das Vertrauen festigen, daß es nun durch Nacht und Not wieder aufwärts gehen muß und
fuhr er, näher tretend, fort: „Du hast ja ihre Sachen, ihren Schal und Schleier, wo ist sie denn?"
Ein paar Worte von Mathilde «Härten alles und beide sahen sich wortlos an, während die Menge um sie herum schrie und tobte.
Endlich sagte Mathilde verzweifelt: „Jetzt verstehe ich alles. Ich hätte mein Leben für Ellen hingeben müssen, und statt dessen hat sie sich für mich geopfert.
Lord Chesleigh bot so reiche Belohnung aus, daß sich ein paar Fisch« fanden, die hinausfuhren, um das brennende Schiff und die Umgebung noch einmal zu durchsuchen. Erst gegen. Morgen kehtten sie zurück. Sie hatten das Schiff noch brennend gefunden, aber es war schon bis zum Deck gesunken und keine lebende Seele mehr an Bord. Auch im Wasser hatten sie nichts gesehen.
Sie mußte also ettrunken fein, die liebliche, junge Frau und die beiden, welche gern ihr Leben für sie hingegeben hätten, standen ratlos und verzweifelt da.
„Was tat sie, als sie den Schal um Deinen Arm legte? Wohin ging sie?" fragte Lord Chesleigh.
„Sie wollte zu Dir. Ich glaubte, Du seiest in unserer Nähe."
„Ich wollte mich erkundigen, ob es möglich fei, einen Platz in dem Boots zu erhalten, in welchem di« Frauen ans Land gebracht wurden. Ich wußte, daß Ellen sich fürchtete. Gott ist mein Zeuge, ich glaubte bestimmt, sie gerettet zu haben."
»Ich sagte Dir doch, daß ich Mathilde fei und nicht Ellen," versetzte das junge Mädchen, „aber Du hörtest nicht auf mich."
„Nein, ich verstand Dich nicht. Ich v«nahm nur das Wort „Mathilde" und meinte daß Ellen mich bäte. Dich nicht zu verlassen,^
wird mit den alten Vätettugenden und daß eine bessere und deutschere Zeit wieder Heraufziehen wird. Dann wird auch in unserem Volke das dritte Wort der alten Verheißung sich erfüllen: „Und den Menschen ein Wohlgefallen!"
Amerika und Japan.
Die Abfahrt der amerikanischen Kriegsflotte nach dem Stillen Ozean lenkt die Blicke aller seefahrenden Völker nach jenem riesigen Wasserbecken, in welchem seit etwa 30 bis 40 Jahren Ruhepause zum ersten Male wieder Seekriege geführt und Schlachten auf wogender Flut geschlagen wurden. Zuerst zwischen Spaniern und Amerikanern, dann zwischen Russen und Japanern. Die Sieger in diesen beiden Kriegen üben diesseits und jenseits des Ozeans jetzt eine Art Vormachtstellung aus, die Japaner tm Westen, die Amerikaner im Osten. Es fehlt zwischen ihnen nicht an Gegensätzen und Reibungsflächen, doch steht kein Lebensinteresse auf dem Spiel, wie es Japan zum Losschlagen g<>gen China und Rußland trieb. In diesen beiden Fällen handelt es sich bekanntlich um Versuche, den Einfluß Japans auf die ihm benachbarte und seit Jahrhunderten unter dem Mikado Lehenshoheit stehende Halbinsel Korea zu vermindern und dieses Gebiet zu einer Overattonsbasts gegen Japan zu machen. Da es aber an einem gefährlichen Zündstoff zwischen Japan und den Vereinigten Staaten vollständig fehlt, so ist es nicht anzunehmen, daß es zu einem ernsthaften Zusammenstoß der beiden Nattonen kommen werde.
Wohl haben im Stillen Ozean alle Völker, die Schiffe auf weite Fahrt aussenden, Handels- interessen, und China, Japan, Rußland, Amerika, sowie England (letzteres durch Kanada und Australien) auch Landinteressen. Jedoch wünscht England heute keinerlei Verwicklungen in diesem entlegenen Teil des Erdballes, China hat keinerlei nennenswerte Seemacht, Rußland kann seins schweren Verluste nur feijr langsam ersetzen, und die übrigen Nationen kommen kaum in Betracht. Es bleiben also als Rivalen und mögliche Gegner im Stillen Weltmeer tatsächlich nur Amerika und Japan. Amerika befindet sich mehr in Abwehrstellung, Japan im Vordringen. Da die Regierung des Mikado aber zur Zeit er' Korea und der Halbinsel Kwantung viel zu viel zu tun hat, um, wie ihr zugeschtteben wird, die Hand nach den Philippinen und nach Hawaii auszustrecken, und die nordamerikanische Union sicherlich nicht auf Eroberungen auszugehen beabsichtigt, so würde es nicht bloß an einem Streitgegenstände, sondern auch an einem Kampfpreise fehlen.
Die amerikanischen Admirale haben allerdings recht vornehm mit dem Säbel gerasselt. So sagt der Führer ter Flotte, Admiral Evans, ein Veteran aus dem Bürgerkriege: „Wir sehen dem Tanz oder Komps gleich freudig entgegen." Und Admiral Dewey, der Sieger von Manila, entließ die Flotte mit dem Abschiedsgruß: „Ihr seid bereit zur Erfüllung auch der letzten Pflicht und gerüstet bei jeder Eventualität." Aber die
Beide waren in völliger Verzweiflung. Zunächst über das, was sie selbst verloren hatten: Er die Gattin, sie die Freundin. Und dann: Wer sollte zurückkehren und den liebenden Eltern mitteilen, daß ihr Kind ettrunken sei, oder der kleinen Dora sagen, daß ihre Mutter nie wiederkehren werde. Wer sollte die entsetzliche Kunde nach Hause bringen?
Es stellte sich heraus, daß das Unglück noch mehr Opfer gefordert hatte: eine italienische Dame und drei Matrosen wurden vermißt, und als Sir John Marstone in Messina eintraf, war er nicht der einzige der trauerte. Tief bekümmert stand er am Ufer und hätte fein Leben hin- gegeben, wenn er sein Kind, welches, wie er glaubte, auf dem Grunde des Meeres lag, damit hätte zurückrufen können.
Als der «ste Schmerz der gebeugten Eltern fein Recht gefunden hatte und alle Nachforschungen vergebens waren, beschlossen sie, nach South- wald zurückzukehren. Es dauerte lange, bis sie jede Hoffnung aufgaben. Es war jebodj möglich, daß Ellen von einem Schiffe ausgenommen wäre, welches nach einem fernen Hafen fuhr und auf dem ihr keine Gelegenheit geboten war, den Ihrigen Nachricht zukommen zu lassen. Tage und Wochen verbrachten Sir John Marston« und Lord Chesleigh in Messina und suchten Erkundigungen einzuziehen. Aber keine, mochte sie noch so groß fein, brachte ihnen Nachricht von der Verlorenen, sie konnten nicht länger daran zweifeln, daß sie ihr Grab in den Fluten gefunden hatte.
Es war eine traurige Rückkehr und der Anblick der kleinen Dora in ihrem Trauerkleidchen rührte das Herz aller, die sie sahen. Von allen Seiten wurde der Familie das auftichttgste Beileid entgegengebracht, Freunde und Untergebene nahmen Teil an dem schweren Verluste.
Die alte Haushälterin Weigerte sich, an de»
Flotte zieht zunächst gar nicht nach einer Regiovtz wo sie in Sicht eines Gegners kommen könnte« sondern soll erst in einem Vierteljahr, am 14, März 1908, in der zum mexikanischen Nieder» Kalifornien gehörenden Magdalena-Bai ein» treffen, um dort wochenlang Schießübungen vor» zunehmen. Auch dann jedoch soll die Flotte rwch immer nicht über den Ozean damofen, sondern vorher noch an der amerikanischen Westküste hinauffahren. Das Endziel ist bekannt, wahrscheinlich sind es die Philippinen, und die Absicht der amerikanischen Regierung ist «• vermutlich, überhaupt nur zu zeigen, daß sie imstande ist, im Stillen Ozean eine unbedingte Flottenüberlege.heit über jede andere dort interessiette Macht zu entwickeln. Daß ste dieses Uebergewicht aber bloß dazu ausnutzen will, um friedliche und zugleich den amerikanischen Interessen dienliche Verständigung über schwebende Streitfragen herbeizuführen, wird hoftentlich durch den Verlauf der Flcttenausreise festgestellt werden.
Admiral Evans wird, wenn er an der kalifornischen Küste eintrifft, die dort stationierte» Linienschiffe, sowie die vorausgesandte» Panzerkreuzer und Torpedobootzerstörer au sich ziehen und alsdann über folgende Flottenmacht verfügen: 19 Linienschiffe, 7 Panzerkreuzer, 8 geschützte Kreuzer, 7 ungeschützte Kreuzer und ein Geschwader von Zerstörern. An der Atlantische» Küste bleiben noch 3 Linienschiffe und zahlreiche kleinere Schiffe zurück. Geradezu fieberhaft wird dabei cm weiteren Ausbau der amerikanischen Flott« gearbeitet. Die Regierung beantragt beim Kongreß für das Jahr 1908 nicht weniger als 28 neue Schiffe (darunter 4 Linienschiffe) mit einem Kostenaufwande von 292 Millionen Mark. Die japanische Flotte hat da» liegen alles in allem nicht mehr als 6 Linienschiffe ersten Ranges, 2 Linienschiffe zweite» Ranges, 23 Panzerkreuzer und geschützte Kreuzer nebst den ensprechenden Avisos, Küstenverteidigern, Torpedobooten ins Treffen zu führen. Dieses Stärkeverhältnis kann jedenfalls selbst ein größenwahnsinniges Japan nicht zur Kriegführung verlocken. Zudem hat Japan, das de» russischen Krieg mit englischem und amerikanischem Gelds führte, an den Lasten seiner damals eingegangenen Verpflichtungen so schwer zu tragen, daß es sein Heer- und selbst sein Flottenbudget erheblich einschränken muß. Auch steht man schon aus dem niedrigen Stande der japa» Nischen Anleihen (vierprozentige 83,10, viereinhalbprozentige zwischen 88 und 90), wie wenig günstig es um die Finanzen dieses mit Naturschätzen nur sparsam bedachten Landes bestellt ist. Herrscht nun auch zwischen den beiderseitigen Völkern viel Gereiztheit, so verstchern doch Kenner Japans, daß die Verstimmung gegen Amerika nicht entfernt an den leidenschaftlichen Haß gegen Rußland heranreicht, wie er weite Schichten des ehrgeizigen Volkes ergriff, als das Zarenreich sich in Port Arthur festsetzte und di« Wälder Koreas auszubeuten begann. So wirb wohl das Ende der amerikanischen Flottenausreise ein friedliches sein. Vielleicht könnte sogar
Tod ihrer jungen Herrin zu glauben. Sie hatte Ellen aufwachsen sehen und hing mit voller Liebe an ihr.
„Ich träumte jede Nacht von ihr," fegte sie zu Lord Marstone, „und immer steht sie frisch und gesund vor mir. Sie kann nicht tot sein, sie wird wiederkommen." i
Aber das Mutterherz wußte, wie weite Nach» forschungen gemacht worben waren und daß alle ohne Erfolg geblieben. Lebte Ellen, so mußt« sie jetzt Gelegenheit gefunden haben, die Ihrigen zu benachttchtigen.
Und doch kamen Zeiten, wo die Hoffnung wieder auflebte. Als der Frühling ins Land kam und alles Leben in der Natur erwachte, da schien es Lady Marstone fast undenkbar, daß ihr Liebling nicht auch zurückkehrte. Der Schmerz hatte tiefe Furchen in ihr Antlitz gezogen, ihr Haar war ergraut und ihre stolze Figur zusammengesunken. Die Liebe zu Ellen hatte ihr ganzes Leben ausgefüllt und nichts konnte sie ihr ersetzen.
Mathilde sorgte mit rührender Sorge für sie, sie hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den armen Eltern ihre Kräfte zu widmen und sie nie zu verlassen.
Lord Chesleigh blieb nur kurze Zeit in Southwald, dann richtete er sich auf feinem Gut« ein. Hier knüpften sich nicht an jeden Fleck trübe (Erinnerungen wie dort, und er sucht« und fand Arbeit, die ihn von seinem Kummer ablenkte. _ t ,,
Er verhehlte sich nicht, daß Ellens Tod ihn schwer getroffen hatte, schwerer, als er selbst cs geahnt hatte. Jetzt empfand er, wie viel ihr frisches, liebliches Wesen, ihre anschmiegende Natur ihm gewesen war. Wenn er ihr auch nicht die volle Liebe seines Herzens entgegen- gebracht hatte, so hatte er sich doch an das Zusammenleben mit ihr gewöhnt, und jetzt vermißte tt sie, Ihre Sorge für ihn, ihre ßi«K