mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.
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Drittes Blatt.
Harde» dar der
Staatsanwaltschast.
;/ In der gestrigen Sitzung wurde in die Zeu- ßenvernehmung eingetreten. Als erster Zeuge ■.luutbe Klosterprobft Oberstleutnant Graf Otto von Moltke vernommen. Er bekundet unter seinem Eide, er kenne den Grafen Kuno Moltke leit 25 Jahren sehr genau. Er habe in Breslau Jahre hindurch mit ihm bei demselben Kürassier- regiment gestanden und kenne ihn sowohl im kameradschaftlichen wie im gesellschaftlichen Verkehr. Auch später, als Moltke Stadtkommandant war und er, der Zeuge, in Berlin als Abgeordneter gewohnt hatte, habe er wochenlang in seinem Hause und seiner Wohnung Tür an Tür bei ihm als East gewohnt und seinen ganzen Verkehr beobachten können. Unter seinem Eide stelle tt fest, daß Moltke nicht allein bei seinen Kameraden, sondern auch bei seinen Untergebenen sich ganz besonderer Beliebtheit und Hochachtung erfreute, die begründet war in dem allgemeinen Gefühl, daß man es mit einem pflichttreuen, edlen Offizier und Menschen zu tun hatte. Ferner habe Graf Kuno Moltke (der Nebenkläger) in Breslau wie in Berlin in den besten Familien und Häusern verkehrt, namentlich auch ge- Jade da, wo edle Frauen wirkten, sei er ein hoch- «ngesehener East gewesen. Soweit seine, des Zeugen, Erinnerung zurückreiche, sei nie ein Makel von irgendeiner Seite auf ihn geworfen worden. Moltke habe gerade viel mit edlen und ausgezeichneten Frauen, die er, der Zeuge, gut kenne, in regem persönlichen und brieflichen Verkehr gestanden. Seinen Umgang mit Eulenburg habe er auch aus nächster Nähe zu beobachten Gelegenheit gehabt und er konstatiere auf seinen Eid hin, daß er in den Beziehungen der beide» Männer nie etwas erotisches, unreines oder dem sittlichen Gefühl widersprechendes bemerkt habe. Der Zeuge stellt dann noch durch Verlesung eines Originalbriefes des Grafen von Hülsen- Häseler aus Wien fest, daß die Aeußerung Har- Lens, Hülsen-Häseler habe eine Bemerkung über Moltke gemacht, die nur unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wiedergegeben werden könnte, jeder tatsächlichen Grundlage entbehre. Sodann geht Graf Otto von Moltke auf den Kartellauftrag und seine Besuche bei Harden ein und verliest den zwischen ihm und Harden geführten Briefwechsel.
Otto Moltke erklärte weiter bezüglich seiner Besuche bei Harden, daß Harden ihm erklärt habe, die fraglichen Artikel nicht aus gemeiner Sensationslust geschrieben zu haben, sondern im Interesse der allgemeinen politischen Lage und
Nachdruck verboten.
Kismet.
Weihnächts-Novellette von Hedda von Schmid.
Man nannte Ernst Dirkens, hinter seinem Nücke» natürlich, den „Bummelzug" und den ».Herzog von Anhalt", weil er kurz nacheinander Lei ein paar jungen Damen sich Körbe geholt hatte. Er war ja kein schöner Mann, auch kein Hofmacher und besaß kein einziges Talent, um in der Gesellschaft zu glänzen. Wie ein echter Landjunker sah er aus und war's auch. Groß und stark, vielleichr ein bischen zu massiv von Statur. An den Schläfen war er bereits ein wenig ergraut.
„Kismet"/) sprach er mit einem Anflug von Galgenhumor, als er sich das zweite Nein geholt hatte. Und dabei war er nicht einmal verliebt in die kleine, brünette Person, die ihm anvertraut hatte, daß sie ihn aus dem Grunde nicht heiraten könne, weil sie schon heimlich mit einem Letter verlobt wäre. Er möge ihr doch nicht zürnen und über ihre Verlobung schweigen — wie das Grab.
Ernst Dirkens sah ein, daß er eine Frau im Haus haben mußte — seine vor zwei Jahren verstorbene Gattin hatte ihm ein Töchterchen hinrerlaffen, das unter fremder Pflege nicht gedieh.
Woher kam cs nur, daß er dieses Pech hatte, sich einen Korb einheimste, sobald er um ein junges Mädchen anhielt, von dem er dachte: das ist die Rechte". Die erste, um die er gefreit, hatte ihn doch ohne Zaudern genommen und war an seiner Seite glücklich gewesen. Freilich hatte hinter all dem Sanftmut und all dem Liebreiz
*) Da Wort ist arabisch und bedeutet »Schicklek".
für das Gemeinwohl. Er (Harden) habe die Ueberzeugung, daß Kuno Moltke nach männlicher Richtung hin sexuell veranlagt sei. Gewißheit habe er erst erlangt, als er das in den Eheschließungsakten aufgesammelte Material kennen lernte und Frau von Elbe bei ihm Schutz suchte. Darauf habe er (Otto v. Moltke) Harden erklärt, daß Kuno v. Moltke ihm am Abend zuvor, als er ihm das Kartell übertrug, ehrenwörtlich versicherte, daß er niemals mit Männern geschlechtlich verkehrt habe. Hierauf erwiderte Harden, er würde glauben, sich selbst zu nahe zu treten, wenn er an diesem Ehrenwort zweifeln wollte. Dieses Ehrenwort eines Edelmannes und Offiziers ändere die ganze Sachlage. Harden gab ferner sein Ehrenwort soweit ihn nicht die politische Pflicht dazu zwinge, sich mit der Person Kuno v. Moltkes nicht weiter zu beschäftigen. Der Zeuge verliest schließlich ein Schreiben Hardens, in welchem dieser den Zweikampf ablehnt. Auf eine diesbezügliche Frage des Justizrats Sello erklärt der Zeuge weiter, daß er erst Anfang Mai Kenntnis von den Angriffen bekommen habe und bei allen Personen auf den Eindruck gestoßen sei, daß in den Artikeln etwas schwer Beleidigendes liegen müsse, namentlich für einen Offizier.
Justizrat Bernstein sucht durch eine Reihe von Fragen Auskunft zu erhalten, wann eigentlich von Moltke die Artikel in der „Zukunft" als beleidigend empfunden habe. Zeuge von Moltke erwidert: Die Aeußerung Kuno von Moltkes, daß er über die Zeit vom November bis Ende April diese oder jene Auffassung von den Artikeln hatte, sei ihm nicht erinnerlich. Am 5. Mai oder am 6. Mai sei Kuno von Moltke zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, er sei in schwerer Bedrängnis und bitte um seinen Beistand. Harden schildert sodann den Besuch des Zeugen bei ihm und erklärt, daß er Otto v. Moltke gebeten haben würde, gemeinsam ein Protokoll über das Gespräch aufzunehmen, wenn er gewußt hätte, daß dieses Gespräch hier einen Teil des Verfahrens und der Anklage hätte bilden können. Auf dis Frage von Moltkes, ob aus den Artikeln die Ansicht hervorgehen soll, daß er (Harden) Kuno von Moltke der Perversion verdächtige, habe er erwidert: Gedruckt ist davon nichts. Meine Ansicht aber Ihnen zu verhehlen würde ich für Feigheit halten, ich sage Ihnen darum offen: Ich habe allerdings die Ueberzeugung gewonnen seit Jahren, daß Kuno von Moltke ein von der Norm abweichendes Empfindungsleben hat nach der Richtung hin,, daß er Freuirdschaft zu Männern mit Ueberschwänglichkeit und mit leise erotischem Ton empfindet, die man nicht als normal bezeichnen kann. Der Zeuge habe ihm darauf Mitteilung von dem Ehrenwort Kuno von Moltkes gemacht, worauf er erwiderte, er könne die Wahrhaftigkeit des Klägers nicht bezweifeln, das falle aber nicht in das Gebiet seiner Be-
der jungen Frau nicht viel gesteckt... Sie hatte das Leben wie ein fröhliches Spiel angeschaut — und Dirkens brauchte doch eine tapfere, tüchtige Frau, die sicher neben ihm Schritt hielt, dis. wenn es sein mußte, in Stunden der Trübsal auch festen Blickes durch tiefe Wasier watete. Als die kleine, blonde Frau zum letzten Mal ihre Augen schloß, erwies sie ihrem Gatten vielleicht durch ihr frühes Sterben dis größte Wohltat, weil sie ihn vor schweren Enttäuschungen tn seiner Ehe mit ihr bewahrte. Wenn nur das arme, kleine, vierjährige Gür, die Marrit, nicht dagewesen wäre. Was sollte der Vater, der in seiner Landwirtschaft alle Hände voll zu tun hatte und von Kleinkinderpflege absolut nichts verstand, mit dem Mädchen anfangen.
Die Körbe bedrückten ihn nicht sonderlich, aber es ging in diesem Stil doch absolut nicht weiter. Die Hausdame, ein ältliches Fräulein verabscheute innerlich das Landleben, und noch dazu das Leben auf einem einsam gelegenen Gut. Sie litt an chronischem Schnupfen und klagte früh bis spät über die Unarten der kleinen Marrit. Rur aus Mitleid hatte Dirkens das spitznäfige, ihm höchst unangenehme Fräulein Spangenberg noch nicht vor die Tür gesetzt. Die Aermste, die auf den Verdienst bei Fremden angewiesen war, würde schwer einen Posten finden, jetzt kurz vor dem Weihnachtsfest erst recht nicht. Seit drei Jahren feierte Dirkens einsame Weihnachten. Daß er auch zu Lebzeiten seiner Frau einsam gewesen war, hatte er nur nicht gemerkt.
Und nun sollte es für ihn wieder ein ödes Weihnachtsfest geben.... Er schritt grüblerisch und unentschlossen in seinem Arbeitszimmer, an dessen Wänden Jagdtrophäen und Jagd- bilder hingen, auf und nieder . . . . Wenn er es nun doch wagte .,,?. Er hatte ja nie ernstlich daran gedacht...» Dis Sterne, die begehrt man eben nicht,»,, Mer senil er den
hauptungen. Nachdem Moltke ihn verlaßen habe, habe er sich das Gespräch noch einmal überlegt und dann einen Brief an den Zeugen geschrieben, in welchem er erklärt, daß er keinen Grund habe, an der Wahrhaftigkeit des Ehrenwortes des Grafen Kuno von Moltke zu zweifeln. Harden fährt fort: Seine Anschauungen über das Empfindungsleben Kuno Moltkes habe er schon lange vorher dem Freiherrn von Berger mitgeteilt und dieser hätte schon 1906 dem Kläger darüber Klarheit gegeben. Bezüglich der Aeußerung des Chefs des Militärkabinetts über den Privatkläger sei ihm von glaubwürdigen Personen, die er als Zeugen nennen könnte, gesagt, daß Graf Hülsen-HSseler Aeußerungen getan habe, die verletzend sein mußten für die Herren, die damals sich in der Umgebung des Kaisers befanden.
Oberstaatsanwalt Jsenbiel erklärt, der springende Punkt in den Auslassungen des Angeklagten liege darin, daß er behauptet habe, er habe dem Zeugen erklärt in den Artikeln stehe nichts von den Beschuldigungen. Der Zeug« sage aber das Gegenteil. Zeuge v. Moltke erklärt dann nochmals, daß sein Kartellauftrag dahingegangen sei, festzustellen, was mit den Artikeln festgestellt sein sollte, nicht aber di« Herzensmeinung des Angeklagten festzustellen. Hieran schließt sich die bereits im Vorbericht ge- meldete Verhandlung über den Ausschluß der Öffentlichkeit im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit an und zwar für die Vernehmung des Fürsten Eulenburg, des Grafen v. Moltke, der Frau v. Elbe, deren Mutter und weitere Zeugen.
Während der Vernehmung des Zeugen Grafen Otto von Moltke teilt Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel mit, daß Fürst Philipp zu Eulenburg erschienen sei und sich in einem besonderen Zimmer befinde. Der Fürst sei noch kränker als früher, er habe dringend gebeten, ihn möglichst schnell zu vernehmen. Er, der Oberstaatsanwalt, möchte deshalb den Fürsten Eulenburg sofort als Zeugen vernehmen, außerdem bitte er, während der Vernehmung des Fürsten die Oeffentlichkeit auszuschließen, einschließlich der Preße. Justizrat Kleinholz, der Verteidiger Hardens, bittet, den Fürsten Eulenburg nicht sofort zu vernehmen. Vielleicht erübrige sich durch vorherige Vernehmung des Grafen Kuno von Moltke die Vernehmung des Fürsten überhaupt. Außerdem müße auch durch die Aussagen des Grafen Kuno erst eine Grundlage für die an den Fürsten zu richtenden Fragen geschaffen werden. Justizrat Sello, der Vertreter Moltkes, schließt sich dem Anträge des Oberstaatsanwalts an, da der Fürst nur zu bestimmten Punkten zu vernehmen sei. Von dem anwesenden Arzte des Fürsten wird angeregt, seinen beiden Söhnen, die ihn stützen und führen müßten, die Anwesenheit während der Verhandlung zu gestatten und auch den Aerzten zu erlauben, während der Vernehmung
kläglichen Versuch, sich eine Lebensgefährtin, das beißt, eigentlich seinem Kinde eine Mutter zu gewinnen, gemacht hatte, war er nachher froh gewesen, ein Körbchen heimzutragen. Wie seltsam war das doch . . . Und warum wich er dem ruhigen, stolzen Mädchen so scheu aus? Warum hatte er nach tauben Blüten gegriffen, wo eine präcbtige, wundervolle Blume prangend stackd? Aber dieses Mädchen, diese Inga Fredenhall nahm ihn ja nimmermehr. Sie kümmerte sich nicht um die Männer, und so viele Körbe, di« empfangen zu haben man Dirkens andichtete, hatte Inga bereits ausgeteilt. Nordisch, wie ihr Name, war auch ihr Wesen. Groß und stark, mit ausdrucksvollen, regelmäßigen Gesichtszügen, konnte sie für schön gelten. Ihr selber war es gleich — unbekümmett um alles, was sie anfocht, schritt sie durchs Leben. Was sie beim Mann« am höchsten schätzte, war die Kraft des Willens. Sie glaubte nicht an Vorbestimmung, für sie gab es kein „Kismet", wie für Dirkens, sie meinte, daß bei eigene Wille des Menschen dazu da wäre, um ihn, wenn's nötig wurde, auch gegen das Schicksal auflehnend geltend zu machen. Gin» mal — kürzlich hatte Inga im Vorüberreiten Klein-Marrit mit ihrer alten, bäuerlichen Wärterin auf der Landstraße getroffen. Das Kind sammelte am Wiesenrande Blumen. Da war Inga vom Pferde gestiegen, über den Graben gesprungen und batte das kleine Ding, das vernachlässigt und kränklich ausgesehen, in ihre Arme genommen und es nach seinem Namen gefragt.
„Es ist unverantwortlich von Ernst Dirkens," äußette sie nachher zu ihrem Vater, dem sie, nach dem Trde der Mutter, umsichtig die Hauswirtschaft führte. ~ t „
„Was denn?" fragte Herr von Fredenhall zerstreut.
„Daß er neulich auf dem Jagddiner bei Hunt
im Saale zu bleiben. Der Gerichtshof zieht fich zur Beratung zurück und verkündet bann, daß die Oeffentlichkeit bis auf weiteres vollständig (einschließlich der Preße) ausgeschloßen sei.
Die Vernehmung des Fürsten Eulenburg unter vollständigem Ausschluß der Oeffentlichkeit zog sich mit einer kurzen Unterbrechung von etwa % Stunde, bis nach 3 Uhr hin und dauerte also etwa % Stunden. Nach den Dispositionen des Gerichtshofes soll nunmehr nicht Graf Kun» Moltke, sondern zunächst Frau v. Elbe vernommen werden. Die Oeffentlichkeit bleibt ausgeschloßen.' Da Frau v. Elbe erst aus einem Nebenzimmer geholt werden muß, wird inzwischen das Gutachten des Kriminalkommissars v. Ttes». kow über Homosexualität usw. gehört. Nachdem Frau v. Elbe und Graf Kuno v. Moltke unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vernommen RnL wird gegen fünf Uhr die Weiterverhandlung auf nächsten Vormittag 10 Uhr vertagt. Auch am Samstag wird zunächst hinter verschloßenen Türen verhandelt. Im Auftrage des Eerichtsherrn der ersten Gardekavallerie-Division wohnt» Haiiptmann Pförtner von der Hölle den Verhandlungen bei.
scheren.
LSchluß fofag
Deutsches Reich.
— Eine Ehrung des Prinzen Ludwig von Bayern durch den Kaiser. Prinz Ludwig von Bayern wurde &, la suite des 2. Seebataillon», gestellt. Bekanntlich steht bereits der Sohn be» Prinzen Ludwig, Prinz Ruprecht von Bayern ä la suite des 2. Seebataillons, Übrigens bet» selbe Prinz Ruprecht, der jetzt im Stteite inner« hmlb des Flottenvereins hervorgetreten ist.
— Prinz Joachim Albrecht von Preußen, der zur Dienstleistung beim Kommando der Schutztruppen kommandiert ist, hat den Dienst im Reichskolonialamt angetreten.
— Fürst Eulenburg gegen Harden. Das „Beil. Tagebl." meldet, bei Staatsanwalt bes Landgerichts I habe dem Klageanträge des Fürsten Eulenburg gegen Maximiilan Harden und den Justizrat Bernstein wegen Beleidigung be- reits stattgegeben; das Ermittelungsverfahren sei eingeleitet.
— Prinz Heinrich der Oiederlande sandte auf ein Glückwunschschreiben zu seiner Stellung L la suite der deutschen Marine folgende Antwort an den Prinzen Heinrich von Preußen: Die warmen Worte des Glückwunsches, bi« Gute Könioliche Hoheit im Namen des See. offtzietkorps ausgesprochen, erfreuen mich be- anders und spreche dafür meinen Dank aus. Ich reue mich, diese schöne Uniform tragen zu düt« en, die einstmals mein verstorbener Bruder beseßen, und bin stolz, jetzt mit der deutschen Marine eins zu sein. Prinz Heinrich der Nieder« lande." ,
— Ein Trinkspruch bes bayerischen Thtonfol. gers. Während des Festmahles bes Zentral« von Leisewitz angehalten hat. Cie hat mit'» selber erzählt. Einem Kinde, wie der kleinen Marrtt Dirkens, gibt ein verständiget Vater nicht solch' eine Stiefmutter."
Am Nachmittag vor dem Weihnachtstage lieh Dirkens sein schnellstes Pferd vor den leichten Einspänner-Schlitten schirren Et wollte zu Fredenhalls nach Btoswig. Es lag Schnee der Wind ging schatt unter bedecktem Himmel. Mate rit umfaßte die Knie ihres Vaters. Sie sah blaß aus gar nicht wie ein Kindchen, dem die Freude auf'den Christbaum schon viele Tage vorher aus den Augen guckt. Sie hatte knapp eine böse Grippe überstanden, das atme Dingelchen be« durfte wahrlich einer Mutterhand — je ehe, — je besser.
Dirkens hob die Kleine empor und küßte Re. Nein et durfte nicht länger mit seinem Vorha. Len zögern. Eine Art von verzweifeltem Trotz überkam ihn. Wenn's wieder nichts war, dann verkaufte er hier alles wie es ging und stand, nahm sein Kind und siedelte sich in einer fernen Gegend an. t f
Unter tief hetabhöngenden, bleigrauen Wol- ken fuhr er dahin Es lag noch Schnee in d« Lust, obgleich er bereits in hoher, dichter Decke das 'Land überspannte. ± _
Der Fuchs schnaubte und trabte unter Helle» Schellengeläut mit flatternder Mähne dahin.
Es war, als ob die Glocken mit dem eisig« Wind, der über die Tannenwipfel strich, um d« Wette fangen: „Morgen ist Weihnachten — morgen ist Weihnachten."
In Btoswig roch es nach Weihnachtsgeback, und mitten im großen Saal stand Inga und putzte einen Tannenbaum mit allerhand bunte» Sächelchen und einer Unmenge von Wachskerz«. Sie wollte heute abend den Dorfkinder» W