Viertes Blatt
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Herr Pfeiffer stand im Rauchzi Er sich sehr zufrieden aus. Ei
-in gutes Zeugnis
seiner Maschine statt einer festen eine biegsame Drahtwelle gab, die sich selbsttätig auf die Bewegung nm den eigenen Schwerpunkt einstellte.
Weniger glücklich war et in der Verwertung der hohen Umdrehungsgeschwindigkeiten, die eine unmittelbare Uebertragung auf eine arbeitende Maschine nicht erlauben. Er übersetzte die große Geschwindigkeit auf minder groje durch Zahnräder, die durch die Reibung in ihren Getrieben wahre Kraftfresser sind und dadurch den errungenen Vorteil zum großen Teile wieder illusorisch machen. In Fortsetzung der von ihm begonnenen Arbeit warf sich nun aber eine große Zahl anderer befähigter Erfinder auf den Turbinenbau und schufen da» „Stufenprinzip". Der durch das erste Turbinenrad durchgegangene Dampf stößt auf ein feststehendes Rad, das den Dampf in eine bestimmte Richtung zwingt, worauf er auf die Schaufeln eines zweiten Laufrades prallt, an das er wieder einen Teil seiner Kraft abgibt. Die,er Vorgang wiederholt sich bis zu zehnmal, worauf der gänzlich ausgenutzte Dampf in den Kondensator gelangt, der ihn wieder in Wasier zurückverwandelt. Da der Dampf auf jedes nachfolgende Laufrad mit geringerer Geschwindigkeit trifft, muß man deren Umfang um etwas größer und auch die Schaufelflächen länger wählen, wodurch eben der als Stufenprinzip bezeichnete treppenförmige Aufbau der Turbine entsteht. Selbstverständlich sitzen alle Laufräder auf einer und derselben mit ihnen festverbundenen Achse, sodaß Reibung nur in ihren Achsenlagern vorhanden ist. Auch zwischen den Leit- und Laufrädern und der JnnenwaÄ» des Gehäuses ist keine Reibung, sondern ein schmaler Spalt, durch den die Wirkung des Dampfes nicht beeinträchtigt wird, weil er ähnlich wie ein rasch aus der Leitung entströmender Wasserstrahl dicht zusammengshalten bleibt.
In dieser Gestalt arbeitet dir moderne Dampfturbine mit einer geringen Umdrehungszahl und eignet sich ausgezeichnet für viele Zwecke, bei denen die Kolbendampfmaschine an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist. Da die zur Elektrizitätserzeugung dienenden Dynamomaschinen am besten bei großen Umdrehungszahlen arbeiten, kann man Dynamo und Turbine auf dieselbe Achse setzen und jeden durch Uebertragung entstehenden Kraftverlust ersparen, sodaß für neue Kraft- und Elektrizitätswerke nur noch die Turbine in Betracht kommt. Das zweite große Betätigungsfeld liegt im Schiffbau. Hier kommt jedoch ein Uebelstand in Betracht, von dem man noch nicht weiß, wie man ihn beseitigen soll. Die Kolbendampfmaschine läßt sich sehr bequem umsteuern, d. h. zum Rückwärtslaufen bringen. Auf Turbinenschiffen muß man jedoch eine besondere Rückwärtsturbine aufstellen, die freilich bei weitem nicht die Kraft und Größe der Vorwärtsturbinen zu besitzen braucht. Auch ob man in absehbarer Zeit zur befriedigenden Konstrnttion von Lokomotivturbinen mit Dampfbetrieb gelangen wird, ist zweifelhaft, weil der Loko- motivbetrieb sehr langsame Umdrehungen und
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Bering- Iah. Äug. Koch, UmversitStEuchdruckmi 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2t. — Telephon oü.
seine ungeheuer wirksame Umsteuerung erfordert, sMan muß jedoch erwägen, daß die Kolben- 'dampfmaschine mehr als 100 Jahre gebraucht hat, um auf ihre jetzige Leistungsfähigkeit zu kommen, während der Turbinenbau noch fehl jungen Datums ist.
Die Anschaffungskosten einer Dampfturbine sind heute noch ziemlich hoch, jedenfalls nicht viel geringer als diejenigen einer Dampfmaschine von gleicher Pferdekraft. Es liegt dies erstens daran, daß kein Gußeisen, sondern nur teurer Nickelstahl von bester Beschaffenheit verwendet werden kann. Zweitens ist jedes Stück an ihr Präzisionsarbeit. Während auch eine etwas minderwertige Kolbendampfmaschine noch Arbeit leistet, läuft die peinlich genau gearbeitete Turbine lange Zeit mit unverändetter Leistung, die schlecht gebaute aber versagt gänzlich und zerstört obendrein sich selbst. Sie verlangt Präzision bis auf wenige Hundertstel Millimeter, belohnt die ausgewendete Mühe abe» auch durch ein Minimum von Unterhaltungskosten. Bemerkenswert ist übrigens, daß man heute statt der nach dem Rückstoßprinzip konstruierten Dampfturbinen bemüht ist, sogen. Aktionsturbinen zu bauen, bei denen die dirette Stoßkraft d« Dampfes ausgenutzt wftd und dem Dampf keine Zeit bleibt, Wärme nutzlos an das Gehäuse zu verlieren.
Die ungeheure Zahl von Schaufeln, die in einer stufenförmigen Dampfmaschine nötig sind, hat den Technikern schon seit Jahren die Frage aufgedrängt, ob nicht eine wesentliche Vereinfachung der Turbinenkonstruktion möglich sei. Die Nachricht, daß in England das Problem einer zweischauselingen Dampfturbine gelöst fei, hat deshalb großes Aufsehen hervorgerusen. Nicht minder gift dies von der Kunde, daß man nun auch in Deutschland an einer zweischaufeli- gen Turbine arbeitet, die aber zum Unterschied von der englischen nicht mit Dampf, sondern mit explosiven Gasgemischen betrieben wird, die in ähnlicher Weise wie in den Motoren der Auto- mobile entzündet werden. Bei dieser Konstruktion rotieren zwei kleine Explosionskammer,r, zu denen je eine Düse mit Schaufel gehört, mit dem Turbinenrade. Durch die im Turbinenrade entstehende Drehung laden sie sich sofort wieder mit Explosivgemisch von Gas und Ver- brennungsluft und wirken so fortgesetzt auf dir Schaufeln.
Gelingt es nun noch, die Gasturbine so zu vervollkommnen, daß sie mit geringen Umdrehungszahlen arbeitet und direkt mit der Welle einer Schiffsschraube verbunden werden kann, dann dürfte die Zeit nicht mehr fern sein, in der Fahrzeuge mit 100 Kilometer Geschwindigkeit, wie sie Santos Dumont für sein neues Gleitboot voraussteht, durch das Wasser rauschen. An große Ozeandampfer braucht man dabei nicht gleich zu denken. Schon kleine Aufklärungsschiffe mit solcher Geschwindigkeit wären im Seekriege von unschätzbarem Nutzen. Auf jeden Fall aber darf man einer neuen Steigerung der Schiffsgeschwindigkeit in absehbarer Zeit'entgegensehcn. ,
der springende Punkt des Fortschritts; denn selbst in ein Schiff von der Größe der Maure- tania lasten sich Kolbendampfmaschinen von 68 000 Pferdekräften nicht bauen, ohne die Raumbenutzung für andere Zwecke im weitesten Umfange zu beeinträchttgen. Die Ozeanfahrten dieser beiden Schiffe sind also ein vollgültiger Beweis für die Ueberlegenheit der Dampfturbinen, was immer man auch sonst über gewiste, nicht zu bestreitende Nachteile der Turbine sagen mag.
Die ungeheuren Fortschritte des Turbinenbaues beruhen auf folgenden Tatsachen. Der unter hohem Druck stehende Dampf strömt aus dem Kestel mit so ungeheurer Geschwindigkeit aus, daß auch das von ihm getroffene Turbinenrad mit rasend schnellen Umdrehungen läuft Das hierbei maßgebende Prinzip kann man sich ohne Mühe an einem Wasterrade versinnbildlichen, desten Schaufeln sich aus der einen Seite mit Master füllen und der Schwerkraft folgend das Rad in Bewegung setzen, an dem sich die jeweilig oberen Schaufeln der einen Seite beständig aufs neue mit Master füllen. Hier ist also die Schwere das bewegende Moment. Ein Schaufelrad befindet sich auch im Innern der Dampfturbine; bei ihm wird aber die Bewegung des Rades nicht durch die Schwere des Dampfes, sonderen durch besten Ausströmungsgeschwindigkeit verursacht. Mit einer Geschwindigkeit von 500 und mehr Meter in der Sekunde tritt er durch zahllose Düsen in das Innere des Turbinengehäuses ein und wirkt senkrecht auf sämtliche an der Peripherie des Rades schief angebrachten Schaufeln, die in dem Bestreben, dem Dampfe auszuweichen,- das Rad in drehender Bewegung mitfortreißen.
Seltsamerweise hat schon Branca, fast 100 Jahre vor Papin und 150 vor James Watt den Versuch gemacht, strömenden Dampf aus die Schaufelil eines Rades wirken zu lasten. Der Gedanke wurde aber nicht weiter verfolgt, und später, als man die Geschwindigkeit des Dampfes kennen lernte, erschrak man vor den berghoch sich auftürmenden technischen Schwierigkeiten. Ein Turbinenrad von 30 Zentimeter Durchmester, wie man es vor 12 bis 15 Jahren baute, mußte, wenn man den Dampf rationell ausnutzen wollte, auf 25 000—30 000 Umdrehungen in der Minute berechnet werden. Jeder Puntt seines Umfanges mußte also in einer Minute einen Weg von 22,6 bis 28,3 Kilometer zurücklegen. Die Techniker von damals erklärten, daß derartig hohen Beanspruchungen auch der beste Stahl nicht gewachsen sei und behaupteten, daß jedes Rad dabei in Stücke fliegen müste. Es ist eine der vielen J.onien des Schicksals, daß ein Dilettant, der schwedische Ingenieur de Laval (allerdings ein Ingenieur von Gottes und nicht do-; Diploms Gnaden) sie von der Unrichtigkeit ihrer vorgefaßten Meinungen überzeugen mußte. Er baute eine Turbine, die trotz 30 000 Umdrehungen in der Minute nicht in Stücke flog, sondern Monäte lang lief und löste die Bedingung, daß die rotierenden Masten sich immer zentrisch bewegten, dadurch, daß er
Gesellschaft zusammen. Fräulein Malten äußerte ihren Freundinnen gegenüber, es sei ihr peinlich, daß die Menschen sie Beide, Herrn Doktor Pfeiffer und sie, „förmlich aufeinander hetzten". ...... ' [immer und paffte.
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(Nachdruck verboten)
Die Maschine der Zukunft.
> - Von Dr. Curt Rudolf Kreuschner.
< Die fast gleichzeitigen Erfindungen einer von einem englischen Techniker konstruierten zwei- schaufligen Dampfturbine und einer zwei- jchaufligen Gasturbine, die von einem deutschen Erfinder gebaut wird, sind Ereignisse, die in technischen Kreisen berechtigte Aufregung her- eorgerufen haben und geeignet sind, auch dem großen Publikum die reißend schnellen Fortschritte darzulegen, die der Turbinenbau zurzeit macht. Noch vor 10 Jahren nicht viel mehr als tin Versuchsobjekt technischen Scharfsinns, steht die Turbine, obwohl man sie immer noch als erst im Kindheitsstadium ihrer Entwicklung befindlich betrachten muß, als ein Apparat da, den man als die „Maschine der Zukunft" bezeichnen muß. Die ungeheuren Kolbendampfmaschinen der großen Elektrizitätswerke, die mehrere taufend Pferdekräfte entwickeln und mit ihren riesigen Schwungrädern große Säle zur Montie- rung und zum Betriebe verlangen, werden zwar bis zu ihrem UnbrauchbarweHen weiter benutzt. Reue Nachfolger ihrer Art wird man ihnen aber Nicht geben; denn neben ihnen taucht ein Zwerg auf, die Dampfturbine, die sie im Wettkampf spielend leicht niederringt. Auch im Schiffbau findet die Turbine ein immer größeres Feld für ihre Betätigung. Sie braucht unendlich wenig Kraft und Bedienungsmannschaften und erspatt durch die gleichmäßigen Umdrehungen der bewegten Maschinenteile dem Schiffskörper die Erschütterungen, die auch von den Passagieren individuell so unangenehm empfunden werden. Und wenn die soeben erfundene deutsche Gasturbine die auf sie gesetzten Erwartungen in der Praxis voll erfüllt, dann werden aus den Schiffsrumpfen auch noch jene ungeschlachten Dampfkessel verschwinden, die die stete Sorge des Schiffsingenieurs sind und erst vor kurzem (allerdings durch Hinzutreten größter menschlicher Saumseligkeit) zu der betrüblichen Katastrophe auf dem deutschen Kriegsschiff „Blücher" geführt haben. Also Gründe genug, um dem heutigen ©taube der Turbinenfrage auch in Laienkreisen die Aufmerkfamkeit zu schenken.__
Als vor kurzem die beiden neuen Riesenschiffe der englischen Cunardlinie das von Deutschland lange mit Erfolg verteidigte blaue Band des Atlantischen Ozeans für die Briten zurückeroberten, waren es die Turbinen dieser Schiffe, die eigentlich den Sieg erstritten. Allerdings befinden sich diese beiden derzeit schnellsten Renner des Ozeans, die 45 000 Tonnen Deplacement besitzen, gegenüber unserem schnellsten Schiss, dem bei einem Tonnengehalt von 20 000 Tonnen mit 38 000 Pferdekraft arbeitenden „Kaiser Wilhelm II." insofern im Vorteil, als sie 4 Schrauben besitzen und über je 68 000 Pferdekraft verfügen. Gerade hierin liegt aber
für die Zigarren des Hausherrn.
Beim Nachhauseweg schloß sich Doktor Pfeiffer der Familie Mallen an. Fräulein Irmgard hätte es gern verhindert, aber sie wollte jede» Aussehen vermeiden. So ging sie denn mit verschlossenem Gesicht neben ihrem „Feinde" her.
„Fräulein Irmgard, ich bin glücklich, daß Sie nicht mehr meine Freundin sind!" begann tot Doktor. Seine Stimme klang sehr weick. „Früher war es anders, da wußte ich ober freilich, daß Sie ein modernes Mädchen find."
„Ich verstehe Sie absolut nicht, Herr Doktor! llebngens müsten wir schneller gehen, die Eltern sind schon so weit voraus."
„Ick kann beim besten Willen nicht schneller vorwärts, meine Ueberschuhe find eine Nummer zu groß — Fräulein Irmgard, so rennen Sie doch nicht fo, — vor solcher Freundschaft, wie Sie
(Nachdruck verboten.)
Ein modernes Mädchen.
V Skizze von Käthe Lasker.
/ „Gnädiges Fräulein, ich kann es nicht ändern," sagte Doktor Pfeiffer, als er Fräulein Malter den Arm bot, um sie zu Tisch zu führen.
Die lächelte: „Und ich muß mich fügen! Uebrigens dürfen mir nicht undankbar sein — Neulich, bei Direttor Ramm waren Sie nicht Mein Tischherr."
i Man setzte sich. j V
z „Weiß ober rot, Gnädigste?"
- „Bitte, Herr Doktor, seien Sie barmherzig, ich kann es nicht mehr hören! Immer dieselben Worte mit derselben Stimme — immer dieselbe Tafeldekoration und dieselben Kellner. Es ist wirklich zu viel für die Nerven eines modernen Mädcyens!"
„Sie rechnen sich also zu den modernen Mädchen, Fräulein Irmgard? Das ist mir ganz neu!"
„Das glaube ich gern," sagte Fräulein Malten, während sie die dänischen Handschuhe lässig von den Fingern streifte — ich tue es auch erst seit gestern abend. Und glauben Sie, Herr Dollar, daß ich ordentlich glücklich war, als ich in mir ein modernes Mädchen entdeckte? Ich dachte, das kannst du gleich morgen abend Herrn Doktor Pfeiffer erzählen, falls er wirklich wieder dein Tischherr ist. Das ist doch dann wenigstens gleich der Beginn einer Unterhaltung."
„So, das dachten Sie? Nun, das ijt nett von Ihnen. Jetzt müssen Sie mit aber auch erzählen, wie Sie zu der Entdeckung kamen!" — „Gern!
II I
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
SonataaSbeilaaer StttuttrirM Tonrrtaasblatt» '
sie vorhin schilderten, graut mir —ich sage Ihnen, ich verliere meinen linken Schuh — und mit Ihnen in Italien alsFreunde — davor habe ich eine geradezu kindische Angst."
„Aeußerst schmeichelhaft für mich, Herr Doktor!"
„Ist es auch? Aber nicht wahr, aus Feindschaft kann doch Liebe werden bei einem moder- nen Mädchen?"
„Das habe ich nie behauptet, Richard," rief Fräulein Malten kläglich; aber er hielt ste schon am Arm und küßte sie.
„Und was sagst Du jetzt, Liebling?" fragte er zärtlich.
Sie lachte hell auf. „Run, ich bin zuftiÄeu mit mir!"
„Mit Die? Die zwei Silben wurden ungebührlich gedehnt.
„Run ja — glaubst Du etwa, ich hätte solch ein Buch je gelesen. Du dummer, süßer Mensch?"
E riß die Augen aus und den Zylinder vom Kopfe: „Mir schwindelt."--
„Ich wollte Dich nur »um Sprechen bringen! Die dumme Freundschaft dauerte mir nachgerade zu lange! Ich mußte immer an mich halten, um Dir nicht einfach um dm Hals zu fallen."
Sie holte e» nach.
„Und warum hast Du es nicht getan?" fragte er schmeichelnd.
*30, sieh mal, Schatze!, — für eine „Freundschaft auf Lebenszeit" war ich ja nicht moder» genug, — aber das wäre milk doch zu altmodisch gewesen."
Bierteljährlicher Bezugspreis; der der Erpsition 2 ML, nn. der allen Postämtern 2,25 Mk. (exel. BrMgeld). jtfcfUHWHty
M 3nf«ition8flebu^r:^ie^0efpaU{m3c^j^^ö£teu15S0NNtüg, 15. Tezembtt 1907.
„Ja, meine Allergnädigste, mein voller Ernst! Und ich gehe sogar noch weiter und sage: Kennen Sie nur das Extrem „Freund oder Feind" — dann bitte ich Sie hiermit: seien Sie mein Feind!"
„Ihre Bitte sei gewährt!" Es klang eisig.
Dann wandte sich Fräulein Malten zu ihrem Nachbar zur Rechten und plauderte äußerst lebhaft mit ihm.
Herr Dollar Pfeiffer und Fräulein Malten sprachen kaum ein Wort während der ganzen
— Nein, danke, ich esse keinen Hummer! — Ich las also in einem Buche — der Name tut ja nichts zur Sache — und in diesem Buche wurde --so eine Freundschaft geschildert, wie die zwischen uns!"
„Ei das ist ja interessant!" Dollar Pfeiffer rückte unwillkürlich etwas näher.
„Ja, mich interessierte es ungemein," pflichtete Fräulein Malten errötend bei. „Der Verfasser jetzt uns eben auseinander, daß ein solches Verhältnis nur bei einem modernen Mädchen möglich ist. In früherer Zeit wäre aus solcher Freundschaft sicher Liebe geworden."
„Und was wird bei dem modernen Mädchen daraus?"
„Run, gar nichts? Sie bleibt eben Freundschaft. Der Verfasser schildert äußerst reizvoll, wie der junge Mann und das junge Mädchen zusammen lesen und musizieren. Sie sprechen rückhaltlos über alle Fragen — ja, sie reifen sogar zusammen nach Italien, immer als Freunde!"
,Perzeihen Sie, Fräulein Irmgard, aber der Verfasser Ihres Buches ist ein Esel!"
„Sie sind ja sehr höflich, Herr Dollar."
„Höflichkeit ist nicht immer angebracht, aber Aufrichtigkeit in den meisten Fällen, und in dem unserigen ganz besttmmt! Halten Sie eine solche Freundschaft etwa für möglich?"
„Aber selbstverständlich, Herr Doktor."
„Dann bitte ich Sie inständigst, mir die Freundschaft zu kündigen!" Fräulein Matten blickte auf, um ihre Lippen zuckte es.
„Und da» ist Jchr Ernst, Herr Doktor Pfeiffer?"