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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Marburg

Sonntag. 15. Dezember 1907.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain, Sonntaasbeilaae: AlUrVrirteS GsuulaaZ-latt. '

Äierteljährlicher Be,ugspret»^ ba Btt Sxxrditüm 2 AL, Wo 9Q1 bet allen Postämtern 2,25 AL <ejcu Sestellgeld).

***'* A«sertt»«»gebühr: die gespaltene Zeile oder Bereu R rmu IS Pfg.

Neclamen: die Zeile 80 Pf«.

Drittes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 4 Blätter.

Rückblick.

T Unter dem donnernden Gruß der Geschütze ist Kaiser Wilhelm an Bord derHohenzollern" i»on Port Viktoria aus in See gegangen, nach- .dem er Abschied genommen hatte von dem meer- »mgürieten England, das ihm längere Zeit gast­lichen Aufenthalt zur Erholung und Kräftigung seiner Gesundheit geboten hatte. Erfreulicher­weise lassen die Berichte erkennen, daß das milde britische Klima eine äußerst wohltätige Wirkung auf das Befinden des Kaisers ausgeübt bat, so daß all' die sensationellen Gerüchte über un­günstigen Gesundheitszustand des Kaisers ver­stummt sind. Die Englandsahrt des deutschen Kaisers hat aber auch in politischer Hinsicht eine günstige Wirkung gehabt, insofern dadurch die trüben Wolken des Mißtrauens zerstreut schei- »en, die in den letzten Jahren die Beziehungen der beiden Reiche verdunkelten. Bevor er aber ,Lie Heimreise antritt, um den in seiner Abwe­senheit geborenen jüngsten Hohenzollernsproß aus der Taufe zu heben, hat das Oberhaupt des deutschen Reiches Einkehr in Holland gehalten, um die jugendliche Königin des uns stammver­wandten Volkes zu begrüßen, das in den Zeiten von Deutschlands tiefster Rot und Zerrissenheit, vom Reiche getrennt, seine eignen Wege gegan- 'ßen ist. Dadurch, daß der Besuch Kaiser Wil­helms am niederländischen Hofe unmittelbar nach seinem Aufenthalt in England erfolgt, ge­winnt er eine nicht zu verkennende politische Be­deutung,' denn heutzutage ist das einst seegewal­tige Holland ein kleiner Staat, der seine Unab­hängigkeit nicht mehr aus eigner Kraft gegen mächtige Feinde verteidigen kann und daher auf den Schutz des mächtigen deutschen Reiches an­gewiesen ist. Möge der Besuch Kaiser Wilhelms dazu beitragen^ das Mißtrauen der Holländer gegen das stammverwandte deutsche Volk, das bis zur Stunde noch immer nicht schwinden wollte, gänzlich zu zerstreuen, damit uns in Zu­kunft wieder engere Beziehungen mit unserm Nachbarlande verbinden.

Wenn wir einen Blick auf die innerpolitischen Vorgänge im Reich und im engern Vaterlande richten, so schien sich nach dem glücklich überwun­denen Konflikte zwischen Reichskanzler und Block, im Reichstage, wie nach einer außer­ordentlichen Kraftanstrengung eine Ermüdung bemerkbar zu machen, die allerdings vielleicht auch auf Rechnung der Weihnachtsstimmung ge­setzt werden konnte. Reichstag, wie Landtag sind ja auch inzwischen schon in die Ferien ge­gangen, um ihren Abgeordneten Muße zu ge­währen. in aller Ruhe mit dem Knecht Rupprecht ihre Weihnachtsbesprechungen zu halten und sich, ;von parlamentarischen Sorgen befteit, ganz ihren Angehörigen widmen zu können. Aus 'Rechnung dieser Stimmung war es wohl auch zu setzen, daß sich bei der ersten Lesung des neuen Vereinsgesetzes nach dreitägiger Beratung das Bild des Entwurfes viel gefälliger und freund­licher darstellte, als man anfänglich erwartet hatte. So scheint die Hoffnung begründet, daß man sich in der Kommisiion auf der mittleren Linie zusammenfinden wird, wenngleich es in der Sprachenfrage seitens der Polacken, Dänen Und Franzosen gewiß nicht ohne Widerstand ab­gehen wird. Dagegen dürfte das Börsengesetz eine neue Belastungsprobe der Blockpolitik be­deuten; denn obgleich der Entwurfnach Auffas­sung der Regierung ein Kompromiß darstellt, das beiden Flügeln des Blocks gerecht werden soll, haben die Konservativen, wie verlautet, be­schlossen, das Börsengesetz in seiner derzeitigen Fassung auf k e i n e n Fall anzunehmen, da zwei wichtige Forderungen der Landwirtschaft: Stra­fen für verbotene Termingeschäfte und Dekla­rationszwang im Eetreidetermingeschäst unbe­rücksichtigt geblieben find.

Daß auch hinsichtlich anderer Fragen mancher der Abgeordneten mit ernsten Gedanken in der Brust über die Fortsetzung der parlamentari­schen Arbeit nach der Weihnachtspause in die Ferien gegangen sein dürste, ging auch aus ver­schiedenen Worten und Meinungen hervor, die ckuf dem Delegiertentage der deutsch-konservati­

ven Partei geäußert wurden. Wenn man vor allem die scharfe Erklärung des Führers der kon­servativen Reichstagsfraktion gegen die d i r e k - ten Reichs ft euer», die selbst nach kon­servativer Ansicht im Reichstage die Mehr­heit für sich haben, in Betracht zieht, und sich ferner die unausgesetzten Versuche des linken Flügels der Blockmehrheit, aus der gegenwär­tigen Situation parteipolitischen Nutzen zu ziehen, vergegenwärtigt, so wird man sich der r Befürchtung nicht verschließen können, daß zu ' Beginn des neuen Jahres neue Krisen bevor­stehen.

Angesichts dieses bewölkten Horizonts ist es mit Freuden zu begrüßen, daß Fürst Bülow we­nigstens die wichtige nationale Vorlage für Preußen, den Ostmarkengesetzentwurf noch vor Weihnachten wenn auch in abgeänderter Form gesichert sieht. Auf Grund eingehender Erörterungen war die Regierung mit den Kon­servativen zu einer Verständigung gelangt, auf Grund deren nunmehr die Vorlage in der am Freitag abgehaltenen Sitzung der Ostmarken­kommission mit den von der Regierung vorge­schlagenen Abänderungen zur Annahme ge­langte. Damit aber ist die Annahme der von den Oppositionsparteien, nicht zum wenigsten vom Freisinn, so scharf bekämpften Vorlage im Plenum gesichert. Bei zweckmäßiger Durchführ­ung des kommenden Ostmarkengesetzes wird es hoffentlich gelingen, der polnischen Verhetzung entgcgenzuwirken und gegen die mächtig an­brandende slavische Flutwelle einen Damm zu errichten.

Während es also in dieser Frage zu einer er­freulichen Einigung der nationaldenkenden Parteien gekommen ist, hat sich leider in einer großen nationalen Organisation, dem Deutschen Flotienvetein, ein Gegensatz entwickelt- der im höchsten Maße bedauerlich erscheint. Schon auf der letzten Generalversammlung des Flottcnver- eins zu Köln hatten sich Unstimmigkeiten ge­zeigt, die nur mit Mühe beschwichtigt werden konnten. Durch die bereits gemeldete Wahl des Generals Keim zum geschäftsführenden Vor­sitzenden des Flottenvereins aber ist es zu einem Konflikte zwischen Nord und Süd gekommen, der seinen offenen Ausdruck durch das Schreiben fand, in welchem Prinz Ruprecht von Bayern seinen Austritt aus dem Deutschen Flottenver­ein und die Niederlcgung des Protektorats über den bayrischen Landesverband erklärte. Trotz eines Vermittlungsversuches, der, wie verlautet, von hochstehender Seite in der bedauerlichen An­gelegenheit unternommen worden ist, hat sich bisher keine Möglichkeit einer Verständigung ergeben, vielmehr ist die ganze Lage verschärft worden durch eine Erklärung des Präsidenten des Flottenvereins, Fürsten zu Salm-Horstmar, wonach für das Präsidium des Flottenvereins kein Grund zur Aeußerung in dieser Angelegen­heit vorliege, da es streng satzungsmäßig gehan­delt und nur pflichtgemäß seine Unabhängigkeit gewahrt habe. Damit tritt das Präsidium in vollem Umfange für den, auch in der norddeut­schen Presse wegen der Energie seiner Agitation vielbefehdeten General Keim ein, der jedenfalls durch die Art seines Auftretens mehrfach das bajuvarische Stammesgefühl verletzt hat. Dies aber hat zu einem Beschluß des geschäftsführen­den Ausschusses des bayrischen Landesverbandes an das Präsidium des Deutschen Flottenvereins geführt, in welchem mitgetsilt wird, daß die Mitglieder des bayrischen Ausschusses unter schärfster Mißbilligung des Vorgehens des Prä­sidiums ihre Aemter niederlegen. In der Ein­leitung zu dieser Erklärung wird ausgeführt: Die Wahl des Generals Keim zum geschästs- führenden Vorsitzenden des Deutschen Flotten- vereine sei nicht nur die Erlegung einer Personalfrage, sondern das ganz» Verhalten des Generals Keim fett Jahren hab« das bewiesen sei nicht minder die Enttollung eines taktischen Programms. Da diese Auffassung auch vielfach außerhalb Bayerns ernstlich vertreten wird, wäre es im Interesse der ruhigen Fortentwicklung desDeutschen Flottenvereins" sehr zu wünschen daß die An­gelegenheit unter Ausschaltung aller persön­lichen Momente eingehend geprüft werde, um eine recht baldige Verständigung herbeizuführen.

TerlljcheS Reich.

Som Kaiserbesnch in Holland. Der Kai­ser ist gestern vormittag 10 Uhr 15 Min. in Am­sterdam eingetroften. Er begrüßte die Königin sehr herzlich- Nach den Vorstellungen der Mi­litär- und Zivilbehörden schritten die Maiestä» ten bei klingendem Spiel« die Front der Ehren­

wache ab. Der Kaiser trug die deutsche Admi­ralsuniform mit dem Eroßkreuz des niederländi­schen Milttär-Wilhelmsordens. Trotz des unauf­haltsamen Regens begaben sich die Majestäten im offenen Wagen ins Palais. Ein deutscher Gesangverein trug von einer in der Rahe de» Schlosses aufgestellten Tribüne aus ein Lied vor. Der Kaiser, die Königin und der Prinz zeigten sich nachher auf dem Balkon. Für die begeister- 'ten Ovattonen der Menge dankte der Kaller, ii dem er freundlich den Hut schwentte. Der Empfang des Kaisers durch die Bevölkerung ist von herzlicher Begeisterung getragen. Vizead­miral Joncheer Roell und zwei hohe Offizier« des Laill>esheeres wurden dem Kaiser als Ehren­geleit beigegeben. Um 12y» Uhr fand im Palais Familienfrühstückstafel statt. Rach der­selben begaben sich der Kaiser und die Fürstlich­leiten nach der Gemäldesammlung Six und dem Reichsmuseum. In der Eintrittshalle wurden die Majestäten von dem Hauptdirektor und dem Direkte: der Kupferstichgalerie empfangen. Die Halle trug Chrysanthemum- und Palmenschmuck. Die Fürstlichkeiten begaben sich sodann in die Haupthalle, wo 150 Schüler der hiesigen Kaiser Wilhelm-Schule sie mit einem Gesang begrüßten. Zwei Schülerinnen boten den Majestäten Blu­mensträuße. Der Schulrektor brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Hierauf begleitete die Kö­nigin den Kaiser auf dem Gang durch das Mu­seum, bei dem die Königin dem Kaiser persönlich Auskunft gab. Sodann wurde das städtische Waisenhaus besucht, wo die Majestäten vom

Präsidium der öffentlichen Armenpflqge und den Vertretern der Gemeindebehörde.n empfan­gen wurden. Die Waisen stimmtenHeil dir tm Siegerkranz" an. Die Königin lobte ihren Gesang. Ein Verwaltungsmitglied des Waisen­hauses brachte ein Hoch aus den Kaiser aus. So­dann kehrten die Majestäten im offenen Wagen ins Palais zurück. Die Menge brachte ihnen überall herzliche Ovationen dar. Der Kaiser legte nach Besuch des Museums einen Kranz cm Grabe des Admirals de Ruyter in Rieu- wekcrk nieder. Um 5 Uhr empfing der Kaiser ftlgende deutsche Deputationen im Palais: deutscher evangelischer Kirchen und Schulen im Haag, Flottenverein im Haag, kaiserliche Kon­suln, deutsche Reserveoffiziere, deutsche Kolonie, deutscher Verein, deutscher Schulverein, deutscher evang bischer Verein und Flottenverein, alle in Amsterdam. Der Kaiser verlieh dem Mini­ster des Aeußern, Jonkherr van Tets van Cvudriaan das Eroßkreuz des Roten Adler- erdens mit Brillantene Ferner erhielten: Der niederländische Gesandte Berron Eevers und der Präsident des Ministerrates de Maester den Ro­ten Adlerorden erster Klasse, der Gouverneur der Provinz Nord-Holland van Tienhoven den Kro- n<.norden erster Klasse, der Hofwürdenträger Oberstallmeister Baron Berttnck den Roten Ad­lerorden erster Klasse mit Brillanten, der Ober- kammerherr Baron van Kardenbroeck, der Ober- hcfmeister Baron van Grovestins, der Oberzere­monienmeister Baron van Pallandt und der Oberyofmarschall Baron Cyifferd den Roten Adlerorden erster Klasse, der Oberhofmeister, diensttuend bei der Königin Mutter, Jonkherr v. Ranitz, und der Zeremonienmeister Graf van Randwyck den Kronenorden erster Klasse.

L.e Ostmarkenvorlage in der Kommission. In der heutigen Sitzung der Kommission des Abgeordnetenhauses für die Ostmarkenvorlage gab der Landwirtschastsminister folgende Er­klärung ab: Die Staatsrsgierung halte zwar das unbeschränkte Enteignungsrecht für die rich­tigere und mildere Maßregel, würde jedoch ge­neigt sein, den diesbezüglich bestehenden Beden­ken der Partei Rechnung zu tragen und einer Einschränkung zuzustimmen, falls auf Annahme der Anträge im Abgeordnetenhause mtt großer Mehrheit zu rechnen sei. Die Negierung habe daher ihre Forderung von 400 auf 275 Millio­nen Mark herabgesetzt und sich mit der Verleih- ung des Enteignungsrechtes für zwei größer« Ansiedelungsgebiete, je eines in Posen und in Westpreußen, einverstanden erklärt. Namen» der konservativen Partei erklärte der Abgeord­nete v. Heydebrand, daß seine Partei im natio­nalen Interesse der eingeschränkten Vorlage zu- stimmen würde und ihre früheren Wünsche be­treffend die Beteiligung des Läienelement» fallen lasse. Dr. Friedberg (natl.) gibt für die Nationalliberalen eine zustimmende Erklärung zu der eingeschränkten Regierungsvorlage ab. Eine ähnliche Erklärung gibt für di« Freikon« servattven Frhr. v. Zedlitzsch ab. Hierauf wur­den die von den Abgeordneten Heydebrandt, Friedberg und Frhr. v. Zedlitz vereinbarten An­träge vertritt und zu ihrem Studium eine Pause bewilligt. Der Antrag der Opposition auf Vertagung, weil in den Kompromitzanträgen das Enteignungsgebiet noch nicht bezächnet ist, wurde mit 18 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Darauf wurden die schon erwähnten Anträge der Aogeordneten von Heydebrand, Dr. Fried- berg und Freiherr v. Zedlitz nach einer uner­heblichen Debatte mit der Mehrheit von 18 Stimmen mit kleinen Mendtrungen angenom­

men. Ferner wurde folgender Anttag ang« nommen: Auf Ver langen des Eigentümers ist dos zur Bewirtschaftung des enteigneten Grund­stücks nicht unbedingt erforderliche Zubehör von der Enteignung auszuschließen. Das gleiche gilt von der auf dem Grundstücke gehaltenen Stamm» < Herde. Schließlich wurde mit derselben Majori­tät der ganze Gesetzentwurf angenommen.

Ein neue» Preßgesetz? DieVoss. Ztg.» glaubt kürzlich mitteilen zu dürfen, daß der Ent­wurf eines neuen Pretzgesetzes von der Reichs­regierung vorbereitet werde und dcch diese» Ge­setz den entschieden libralen Anschauungen ent» sprechen solle. Wie wir vernehmen, ist aller« dings eine Abänderung des Preßgefetzes in Er« wägung gezogen worden, und man mag auch in dem zuständigen Reichsamte gewisse Vorbereit« ungen oereits getroffen haben. Aber über das. Stadium solcher Vorbereitungen ist die Frag§ noch nicht hinausgekommen. Sie wird sicher den Reichstag in der jetzigen Tagung nicht beschäf­tigen,' und es ist fraglich, ob der nächste Reichs« tag damit befaßt werden wird. Ueber den ge-' planten Inhalt des Entwurfes läßt sich unter diesen Umständen schon deswegen nichts jagen, weil es sich um eine vorläufige Vorbereitung handelt und weil das Staatsministerium mit der Angelegenheit noch nicht besaßt worden ist. Die Behauptung, daß der Entwurf entschieden liberalen Anschauungen entspreche, ist also nur Vermutung. Wenn wir richtig unterrichtet find, schreibt dieDeutsche Tageszeitung", plant man in erster Linie die preßgesetzlichen Bestimmun­gen über die sogenannten Berichtigungen zu än­dern; man wird auch auf konservativer Seit« picht in Abrede stellen können, daß diese Be­stimmungen besserungsbedürftig find.

Antrag betreffend die Münzfrage. Zur zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern hat Herr Abgeordneter Graf von Kanitz, unterstützt urch die deutsch-konservative Fraktion, den nacyftehenden Antrag im Reichs­tage ein'gebracht: Der Reichstag wolle be­schließen den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: 1. die seit dem 1. Oktober 1907 eingezogenen Taler, soweit noch keine Umprägung stattgefun­den hat, wieder in den Verkehr zu setzen; 2. dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes vorzule- gen, durch das 1. der nach Artikel 9 des Reichs- Münzgesetzcs vom 9. Juli 1873 in Zahlung zu nehmende Höchstbetrag an Reichs-Silbermünzen beträchtlich erhöht wird. 2. der durch Artikel 4 Kr Gesetzes vom 1. Juni 1900 auf 15 Mark ür den Kopf der Bevölkerung normierte Ge« amtbetrag der Reichs-Silbermünzen auf zu­nächst 25 Mark heraufgesetzt wird.

Aus Bayern. Dem Landtage ging ein Nachtragsetat von neunzehn Millionen Mark zu zum Bau neuer Eisenbahnen und zwar: eine eingleisige Hauptbahn von Carmisch-Partenkir- dien bis zur Landesgrenze bei Scharnitz im An­schluß an die österreichische Fortsetzungsbahn nach Innsbruck, ferner zur Erwerbung der Pri- vatbayn Murnau-Earmisch, der Lokalbahn von Carmisch bis zur Landesgrenze bei Griesen und für eine eingleisige Hauptbahn von Gemünden bis Bad Kisfingen.

Der letzte Rücktransport. 20 Offiziere, sowie 475 Unteroffiziere und Mannschaften find mit dem DampferPrinzessin" als Schluß-Rück­transport aus Südwestafrika in Curhaven ein­getroffen.

Die Angelegenheit v. Puttkamers, des ftüheren Gouverneurs von Kamerun, wird deq Displinargerichtshcf in Leipzig als Berufungs­instanz am 13. Januar n. I. beschäftigen. Putt- tarnet war am 25. April d. I. von der Dis« plinarkammer zu Potsdam wegen Dienstver­gehens in drei Fällen für schuldig erkannt iintf mit einem Verweise, sowie mit einer Geldstrafe in Höh« von 1000 -4t bestraft worden. Gegen dieses Urteil hat di« Reichsregierung Berufung eingelegt, über die am 13. Januar entschieden werden wird.

Bermehrung der Kronen und Fünfmark- stücke. Wie schon bekannt, werden demnächst so», wohl di« im Verkehr befindlichen Kronen rote die Fünfmarkstücke um je 20 Millionen Mark ver­mehrt werden. Kronen find bisher für 731,9 Millionen Mark geprägt worden. Davon wur­den für 40,3 Millionen Mark wieder einge­zogen. Die Krone ist überhaupt diejenige Mün^orte, bei der sich die Wiedereinziehung tn der höchsten Summe notwendig macht. Ihr nahes kommt das Fünfzigpfennigstück, bei dem eine Einziehung von 37,1 Millionen Mark bisher zu' verzeichnen, war. Hier ist der hohe Betrag aber auf die feit einiger Zett erfolgte Umprägung zurüHuführen. Selbst bei den Doppelkroneir beläuft sich der Betrag der eingezogenen Mün­zen nur auf 24,8 Millionen Mark, bei allen übrigen Münzsorten ist «r gering, selbst bei den Zehnpfennigstücken, die hier in erster Reihe in Betracht kommen, erreicht er nicht ganz 0,4 Millionen Mark. Nach Abzug jener au» de« Verkehr entnommenen Kronen im Betrage von 40,3 Millionen Mark sind gegenwärtig i« Set» kehr noch 691 Millionen, die also durch W IUm.