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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonutaasbeilaae: Älluktrirtes «s«»taa-blatt.

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Marburg

3ll|«h..»1.6«6n & ^i<«= 3» j»«««*»i5 Sonnabend 14. Dezember 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Lng. Soch, UmversitätS-Buchdruckari 42. Jllhlg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 12. Dezember.

Am Bundesratstisch: v. Beethmann-Hollweg, Sreihen v. Stengel und Handelsminister Dr. elbrück.

Auf der Tagesordnung steht das Börsengesetz, l Handelsminister Dr. Delbrück führt aus, die Korse sei ein Institut von weittragender Be­deutung für das ganze wirtschaftliche Leben des Kolkes. Das alte Börsengesetz vom 22. Juli 1892 habe keineswegs die an dasselbe geknüpften .Hoffnungen erfüllt. Die Regierungen hoffen, das; die Novelle von Erfolg begleitet sein werde, vmsomehr, als die Mangel des bisherigen Ge­setzes sich in dqr zehnjährigen Gültigkeit klar herausgestellt haben. Beim Erlaß des Börsen- gesetzes hatte man die Absicht, das wirtschaftlich and moralisch verwerfliche Börsenspiel oder viel­mehr Mißbrauch an der Börse zu beseitigen. 'Zu diesem Zwecke habe man erstens das Bör- . fentermingeschäft in mobilem Kapital und den Degwerks- und Fabrikanteil verboten und habe ferner das Börsenregister geschaffen, sowie in Paragra"* 66 bestimmt, daß gewiße Börsenter- ' mingeschäfte ein Schuldverhältnis nicht begrün­den-sollen. Um die Grenze zwischen erlaubtem und verbotenem Geschäft zu finden glaubte inan, den Begriff des Börsentermingeschäfts be­grifflich festlegen zu sollen. In den Beftimm- zmgen des Terminregister liege die Wurzel der Uebelstände, an deren Beseitigung jetzt heran- tzctreten wird. Das bisherige Gesetz richtet be­sonders den Schaden an, daß die kleinen Provin- -ialgeschäfte teilweise von den Großbanken auf- Gesogen würden.

Das Gesetz begrenzt den Kreis der Personen, die an dem handelsrechtlichen Lieferungsgsschäft elß Kontrahenten beteiligt sein dürfen, Land­wirte dürfen bei jedem Geschäft nur soviele Ware handeln, wie ihrer Ueberzeugung ent­spricht. Ebenso werden Handwerker oder Per­sonen, deren Gewerbebetrieb nicht über den Umfang des Kleingewerbes hinausgeht, ausge­schloffen, auch wenn sie in das Handelsregister eingetragen sind. In dem Paragraphen 118 sei die Definition des Börsentermingeschäftes be- , seitigt. Ferner lasse der Entwurf das Verbot des Börsentermingeschäfts in Getreide und Mühlenfabrikaten unverändert bestehen. Der Entwurf hat lediglich den Zweck, eine rechtliche Klarheit zu schaffen, vor allem sollen Zustände beseitigt werden, die demoralisierend auf das Publikum und den Kaufmann wirken müssen, gut Schädigung des Kaufmannsstandes im Jn- und Auslande. Der Entwurf habe keine poli­tische Bedeutung. Deshalb hoffe er, daß es ge­lingen werde, auf Grund dieses Entwurfes zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen. j(Deifall.)

Seniler (natl.) stimmt der Vorlage im allge­meinen zu. Das Termingeschäft würde von der Landwirtschaft bekämpft, in der Befürchtung, daß hierdurch die Ectreidepreise leiden würden. Darüber bestehe kein Zweifel, daß jeder Termin- Markt auf die Bildung von Transitlägern Ein­fluß habe. Tatsächlich sei aber der Eetreide- preis nicht durch den Terminhandel beeinträch­tigt worden. Die Schädigung der Kleinbanken, die durch das bestehende Gesetz hervorgerufen worden sei, sei bedauerlich. Gewiß erfüllten die Großbanken große wirtschftliche Aufgaben, aber ee sei doch zweifelhaft, ob die Akkumunierung des Geldes für die wirtschaftliche Lage und für die deutsche Industrie vorteilhaft sei. Zu be­grüßen sei es, daß die verderblichen Lockungen zu den Termingeschäften für kleine Beamte und Privatleute beseitigt würden. Die Crux der "ganzen Sache sei, daß man dem Termingeschäft ansehen kann, ob ein Zeitgeschäft gemeint ist, oder ob es als spekulatives Geschäft von den Parteien gewollt ist. Der Redner bemängelt dann verschiedentlich die Ausdrucksweise des Entwurfes. Semler schließt, seine Partei wünsche es und sei bereit, möglichst schnell die Vorlage zum Gesetz zu machen. Sie beantrage die Ueberweisung an eine 2!gliedrige Kom­mission.

Bitter (Ztr.) führte aus, prinzipielle, allge­meine Gründe für die Notwendigkeit einer Aenderung des Gesetzes seien heute nicht ange­führt worden. Er gebe zu, daß das ganze kauf­männische Geschäft von Spekulationen durch­drungen sei. Sobald aber die Spekulation zum Selbstzweck werde, wie solle man dann ein solches Geschäft für legitim haften? Gewiß habe der Bvrsenhandel volkswirtschaftliche Vorteile, er habe einen hervorragenden Einfluß auf die Preisbildung aber nicht auf die richtige Preis­bildung. (Sehr richtig.) Er bilde den Aus­gangspunkt von Irrtum und Fälschung bei der Preisbildung. Der Börsenterminhandel laufe den Interessen der Produzenten und Konsumen- iten entgegen. Die Kursstürze an den Börsen

seien wesentlich mit aus den Börsenterminhandel zurückzuführen. Die Begründung der Vorlage lasse in Bezug auf den Terminhandel eine zwingende Logik vermiffen, sie sei daher nicht zu beachten. Auch sonst habe seine Partei gegen die einzelnen Teile des Gesetzes schwere Beden­ken, so gegen die Ausnahmen des Terminhan­dels in Getreide und der Mühlenfabrikation, gegen den Ausschluß gewißer Kreise des Publi­kums vom Geschäft. Ohne jede Ausnahme müße das Verbot des Terminhandels aufrecht erhal­ten werden, auch bezüglich der Montan- und Fabrikunternehmungen. Bezüglich des Börsen­registers laffe sich reden.

Graf Kanitz (kons.) legt dar, man trete in die Beratung zu einem höchst ungünstigen Ter­min ein. Alle Börsen des In- und Auslandes litten unter dem Geldmärkte und einer fast un­erhörten Geldknappheit, wie sie sonst kaum in Kriegszeiten dagewesen sei. Wenn man heute die bessernde Hand anlege, habe man zu prüfen, inwieweit die Mißstände auf die Ungunst der Verhältnisse zurückzuführen sind und welche auf dem Minderwert der Einrichtungen der Börse beruhen. (Redner bricht plötzlich seine Rede ab, da ihn eine Ohnmacht befällt. Seine Partei­freunde führen ihn hinaus, nachdem man ihm Wasser gereicht hat. Dr. Mugdan bemüht sich um den Erkrankten. Die Verhandlungen wer­den zeitweilig unterbrochen. Im Saal herrscht tiefes Schweigen.)

Später ergreift Kämpf (frs. Vp.) das Wort und spricht zunächst sein. Bedauern aus, daß er in einem Augenblick das Wort nehme, wo ein sehr verehrter Kollegs seinen Platz wegen Un­wohlsein verlassen mußte. (Allseitiges Bravo!) Redner spricht die Hoffnung aus, daß man in den nächsten Tagen seine heute abgebrochenen Ausführungen hören werde. (Lebhaftes Bravo.) Er sei überzeugt, daß, wenn man auch nicht mit seinen Anschauungen übereinstimme, ihm doch die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, wie man es getin hätte, wenn er heute gesprochen hätte. ($i ,atL) Zur Sache führt Redner aus, das Verbot des Terminhandels habe zur Ver­teuerung des Geldes beigetragen, sowie zur Vernichtung kleinerer Existenzen. Der vorlie­gende Entwurf zeige, daß die verbündeten Re- gierungen bestrebt gewesen seien, ein neues, logi­sches System aufzubauen. Am richtigsten wäre es gewesen, wenn der Entwurf bezüglich des Ter- minhanoels zu den Verhältniffen vor 1896 zu­rückgekehrt wäre. Wie entstehe denn im Papiere ein Vörf-^aterminhandel. Es müffle eine Form und Einrichtung gefunden werden, daß nicht täg­lich Kaffageschäfte abgeschlossen zu werden brauchten. Selbst kleine Kaffageschäfte übten einen großen Einfluß aus die Erhöhung oder Verminderung der Preise aus. Das Börsenge­setz sei tot, da sage er: de mortuis nil nisi bene. Die Bestimmungen über den Eetreidehandel trügen den Charakter von Ausnahmebestim­mungen die bitter empfunden werden würden. Die Gesundung der Reichsfinanzen hänge mit der Börse zusammen. Deutschland habe den Be­weis erbracht, daß es in der Lage sei, seine Goldwährung aufrecht zu erhalten. (Bravo links.) Die Bevölkerung müsse sich an den lleberweisungs- und Scheckverkehr gewöhnen, um nicht unnötig große Geldsummen in Umlauf zu lassen. Gehen wir mit vollem Ernst an die Vorla> heran, um unsere Börse zu einem na­tionalen und internationalen Werkzeug zu machen. (Beifall links.)

Arendt (Rp.) dankt zunächst dem Vorredner für die freundlichen Eingangsworte, die er dem verehrten Kollegen widmete, in dessen Befinden glücklicherweise bereits eine Besserung eingetre­ten sei. Man könne hoffen, daß der allseitig verehrte Kollege bald wieder an den Arbeiten des Reichstages sich beteiligen werde. (Lebhaftes Brtvo.) Sodann führt Redner aus, für den Postscheckverkehr werde er eintreten, wie für alle Maßregeln, die bestimmt seien, den Barumlauf im Lande angemessen zu erhöhen durch direkte Vermehrung oder Ersparniffe. Er halte es für falsch, daß alle Schwierigkeiten beseitigt werden, wenn man 10 Millionen Mark Gold aus dem Verkehr in die Reichsbank bringe. Seine Partei stehe dem Entwurf mit ernsten Bedenken gegen­über, fei aber zur Mitarbeit in der Kommission bereit, in der Hoffnung, daß sich der Entwurf dann fo gestalten werde, daß er die Bedenken mildere. Das die Reichskaffenscheine zur Sicher­heitsstellung zugelaffen werden, halte er für silbstoerftändlich. Die Newyorker Börse sei ge­wiß stark und uneingeschränkt gewesen von Bör­se: -setzen. Trotzdem sei sie zusammengebrochen durch die maßlose Spekulation, die das ganze Land und auch uns in Mitleidenschaft gezogen habe. Vorsicht sei geboten. Die Konzentration des Bankgewerbes sei zu begrüßen, wenn auch das Schicksal des kleinen Bankiers bedauerlich sei. Die Börsenregisterfrage sei diskutierbar, aber das Verbot des Terminhandels für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sei für seine Partei ein noli me tanger. Daß der Kurs der Staatspapiere ohne das Börsengesetz sich anders gestaltet hätten sei nicht a»zunehmen.

Das sehe man en den englischen Konsuls. Nur die Aenderung unserer Eeldpolitik könnte hier Besserung schaffen. - -

Mommsen (frs. Vg.) meint, mit Arendt werde man sich über die Eeldpolitik nicht einigen. Diese Frage habe ja aber mit der Vorlage nichts zu tun. An dem Gebot des Ter­minhandels für Getreide und Mühlenfabrikate Labe auch, wie er glaube, die Landwirtschaft keinen Nutzen. Die kleinen Bankiers seien das sage er Arendt gegenüber nicht nur in der Provinz, sondern auch in Berlin ein un­bedingt notwendiges Bindeglied zwischen den großen Firmen und dem Publikum im Interesse des letzteren. Er betrachte eins möglichst schnelle Durchberatung und Verabschiedung des Gesetzes al» eine dringende Iiotwendigkeit für das ge­samte Wirtschaftsleben. (Beifall.)

Weiterberatung morgen 1 Uhr: Kleine Vor­lagen; Wechselprotest.

Schluß nach 6 Uhr.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus erledigte am Don­nerstag zunächst die erste Lesung des Entwurfs eines Polizeikrstcngesetzes. Die Beratung eröff­nete der neue Minister des Innern v. Moltke, der hie von der Vorlage geforderte neue Kosten- einteiluug (Erhöhung des städtischen Anteils von ys auf '/J in klaren Worten begründete. Die Abg. v. Treskow (kons.), Rewoldt (fkons.) und Dr. König-Krefeld (Ztr.) standen der Vor­lage freundlich gegenüber, während die Abgg. Schroder-Cassel (ntl.), Cassel (frs. Vp.) und Münsterberg (frs. Vgg.) die vom Entwurf ge­brachte Mehrbelastung der großen Städte für ungerechtfertigt hielten. Die Vorlage ging an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Es folgte die Bestechung der Interpellation des Abg. v. Pappenbeim (kons.) betr. Maßnahmen gegen Rechtsverletzungen durch ausländische Arbeit/r und gegen den Kontraktbruch in Arbeitsvcrhält- niffen, sowie der Interpellation der Freikonser­vativen, betr. Maßregeln gegen den Kontrakt- bruch ausländischer landwirtschaftlicher Arbeiter. Nachdem die Abgg. e. Pappenheim (kons.) und Dr. v. Woyna (frkons.) die Anfragen begründet hatten, betonten Minister v. Arnim, die Be­schwerden über Kontraktbruch ländlicher Arbei­te . seien berechtigt. Es sei beabsichtigt, die aus­ländischen Arbeiter mit Legitimationskarten zu versehen, auf denen auch die Arbeitsstätte ver­zeichnet sein müffle. Der Besitz dieser Karte fei für den Arbeitsantritt Voraussetzung das Feh­len der Karte habe Ausweisung zur Folge. Die Legitimationsämter an der östlichen Grenze sollen ihre Tätigkeit am 1. Februar 1908 be­ginnen. In der Besprechung der beiden Inter­pellationen fand der Plan des Ministers bei den Abgg. Dippe (natl.), Goldschmidt (frs. Vp.) und Sero.o (Ztr.) Zustimmung, während Abg. Reh- bet (kons.) schärfere Maßnahmen für notwendig hielt.

Die nächste Sitzung findet am 8. Januar statt.

Deutsches Mich.

Der Kaiser in Holland. Pmuiden, 12. Dez. Die JachtHohenzollern" lief mit dem Kaiser heute nachmittag 4% Uhr ein. Beim Einfahren derHohenzollern" wurde ein Salut nicht ab­gegeben, weil der Kaiser bis Amsterdam inkog­nito reist; nur als die .^Hohenzollern" das nie­derländische PanzerschiffFriesland" passierte, wurde von der Kapelle dieses SchiffesHeil dir, im Siegerkranz" gespielt, während die Besatzung paradierte. Am Ufer hatte sich eine große Men­schenmenge angesammelt, von der dieHohen­zollern" bei ihrer Einfahrt mit lautem Jubel begrüßt wurde. DieKönigsberg" undSleip- nei" machten in der Nähe derHohenzollern" fest. Heute abend ist der deutsche Gesandte im Haag, v. Schloezer, hier eingetroffen. Amster­dam, 12. Dez. Anläßlich des bevorstehenden Be­suchs des deutschen Kaisers veröffenflichen alle Blätter Begrüßungsartikel, in denen sie beson­ders dem Kaiser als Friedensfürften huldigen und die zwischen Deutschland und den Nieder­landen bestehende gute Nachbarschaft betonen.

Nachklänge zum Kaiserbesuch in England. London, 12. Dez. DieWestminster Gazette" führt anläßlich der Abreise des Kaisers aus: Es wird eine überall freudig aufgenommene Nach­richt sein, daß sich die Gesundheit des Kaisers durch seinen Aufenthalt in England sehr gebes­sert hat. Wir glauben, daß sein Besuch wesent­lich daz» beigetragen hat, den Nebel des Miß- versteheM zu vertreiben, der eine Atmosphäre darstellt^ in welcher gegenseitiger Argwohn besser -Meh als freundliche Beziehungen. Es ist erfreulich, die durch de« deutschen Botschaft«

bekannt gegebene Abschiedsbotschaft des Kaiser» zu lesen. Wir alle sind durch den Kaiser tn. warmherziger Weise begrüßt worden. Die herz­liche Gesinnung, die er an den Tag legte, hat ihn persönlich sehr populär gemacht. Er wäre da» beste Resultat, das dem Besuch entspringen könnte, wenn er einen Wendepunkt in der Ge­schichte und in den Beziehungen beider Länder bilden würde. DiePall Mall Gazette" gibt ebenfalls ihrer Befriedigung über die Besserung im Befinden des Kaisers Ausdruck und schreibt: Der Kaiser tat fein Bestes, um bessere Beziehun­gen zwischen Deutschland und England ins Le- den zu rufen. Wir können für die liebenswür­dige Art und Weise, in der sich der Kaiser di« Erreichung dieses Zieles hat angelegen sein lassen, Zeugnis ablegen und geben uns der auf­richtigen Hoffnung hin, daß die Zeit den Erfolg dartun wird. Es wird nicht der Fehler des eng­lischen Volkes fein, wenn die Bemühungen de» Kaisers nicht den Erfolg haben, den sie ver­dienen.

Die Taufe des jüngsten Hohenzollern. Die Taufe des jüngst geborenen Prinzen findet am 21. Dezember im Marmorpalais zu Potsdam statt.

Graf Kanitz. Glücklicherweise handelt e» sich bei dem gestrigen Zwischenfall um ein leichtes schon früher wiederholt an ihm beob­achtetes Unwohlsein das den, wie auch das takt­volle Verhalten des Abgeordneten Kaempf und des ganzen Hauses bewies, hochverehrten kon­servativen Führer nicht nötigt, seine parlamen­tarische Tätigkeit zu unterbrechen. Graf Kanitz hatte sogar die Absicht, nach einer kurzen Pause die begonnene Rede fortzusetzen; er hat dann aber doch davon Abstand genommen und will sich nun einige Tage der Erholung widmen.

Freiherr v. Marschall in Wien. Wie die Pol. Korr." erfährt, trifft der deutsche Bot­schafter in Konstantinopel, Frhr. Marschall von Bieberstein, in Wien ein. Er wird einige Tage daselbst sich aufhalten und mit dem Minister de» Aeußern, Frhrn. v. Aehrenthal, eine Unter­redung haben.

Abschied des Gouverneurs v. Lindequist lautet ei-.* Notiz derZuid-Afrikaanschen Post". Vor seiner Abreise aus Deutsch-Südwest-Afrika machte Herr v. Lindequist eine Reise durch dar Schutzgebiet. Bei dieser Gelegenheit wurde et herzlich begrüßt durch die Buren, die den sym­pathischen Machthaber gern in ihrer Mitte ge­halten hätten. Die Buren hatten große Strecken zu Pferde zurückgelegt, um von dem Haupt der Regierung Abschied zu nehmen. Nach den letzten Mitteilungen ist das Einvernehmen zwischen den Behörden und den Burenansiedlern ausge­zeichnet, nachdem die schlechten Elemente, die an­fänglich sich dort eingebürgert hatten, nach und nach verschwunden sind.

Der Wiederzusammentritt des Abgeord netenhauses wird am 8. Januar 1908 erfolgen. An diesem Tage wird der Etat eingebracht und vom Finanzminister Freiherrn v. Rheinbaben begründet werden. Die erste Lesung des Etats wird am Montag, den 13. Januar, beginnen. Die zweite Lesung der Polenvorlage ist auf den 15. oder 16. Januar angesetzt. In der Zwischen­zeit wird auch die Interpellation Kreth (kons.) wegen des hohen Bankdiskonts zur Besprechung gelangen.

Das Verzeichnis der Mitglieder des preu» ßifchen Abgeordnetenhauses ist soeben «usgege- den worden. Danach zählen die Konservativen 142, die Freikonservatioen 65, die Nationallibe­ralen 76, die Freisinnige Volkspartei 24, die Freisinnige Vereinigung 9, das Zentrum 95, die Polen 13 Mitglieder, fraktionslos sind 8. Er­ledigt ist das Mandat von Trier. Von den 432 gegenwärtigen Mitgliedern sind 100 Mitglieder des Reichstages. Seit dem Schluß der letzten Session sind 10 neue Abgeordnete gewählt.

Zum Verdingungswefen. Im preußischen Abgeordnetenhause ist von konservativer Seit« der nachstehende Antrag eingebracht worden: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Staatsregierung zu ersuchen, in dem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, betr. das Verdingungswefen, vom 23. Dezember 1905, folgende Aenderung vorzunehmen: Bei der Aus­stellung von Preisverzeichnissen für Unterhalt­ungsarbeiten für staatliche Bauten und Lie­ferungen wird dem Handwerk in größerem Maß« als bisher seitens der beteiligten Behörden eine Einwirkung zugestanden durch Heranziehung von Sachverständigen aus den Reihen von In- nungsangehörigen. Die Sachverständigen wer­den von der Regierung im Einvernehme- mit der Handwerkskammer ernannt.

Die europäische Fahrkartenkonferenz wurde am Mittwoch durch den österreichifchen Life»