mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai«
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Marburg
Donnerstag. 12. Dezember 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Ioh. Ang. «och, Untver>ttätS-B«chdruckerek Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
SS. Jahrg.
Zweites Blatt.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Lenterode, Kr. Homberg, 8. Dez. Beim Herunterwerfen von Trockenfutter stürzte am ^gestrigen Abend der Landmann Sch. so unglücklich vom Heuboden in die Scheune, daß er das Genick brach und nach wenigen Minuten seinen Geist aufgab. Der plötzliche Todesfall des fleißigen und geachteten Mannes rief große Teilnahme hervor.
Cassel, 10. Dez. Die hiesige Oberpostdirektion hat mit den gläsernen Telegraphenstangen eine Versuchsstrecke hergerichtet, die in der Fachwelt großes Aufsehen erregt. — Dem Kaufmann Adolf Schönfeld uni) dem Schreinermeister Adam Dux, beide hier, wurde der Königliche Kronenorden vierter Klasse verliehen.
Cassel, 10. Dez. Das Schwurgericht verurteilte heute den Landwirt und Korbmacher Adam Gölten aus Obersuhl wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu neun Monaten Gefängnis und verfügte seine sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachts. Der Angeklagte wurde überführt, am 11. Oktober d. I. seine Scheune vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben, um damit seinem Unmut gegen seine Frau, mit der er in unglücklicher Ehe lebte, Ausdruck zu geben.
Fulda, 10. Dez. Kürzlich in der Mittagsstunde wurde in der hiesigen Filzfabrik A.-G., der Arbeiter Sylvester Schneider von Engel« Helms von der Transmission erfaßt. Da rhm der Brustkorb eingedrückt wurde, trat der Tod auf der Stelle ein.
Hanau, 10. Dez. Eine Tabakarbeiterversammlung faßte eine Protest-Resolution gegen die Einführung der Zigarren-Vanderolesteuer.
Frankfurt, 10. Dez. Den Hauptbahnhof passierte ein Desierteur, der auf die Festung transportiert wurde. Der Mann war vor zwei Jahren desertiert, in die Fremdenlegion eingctreten und hatte den Feldzug gegen Marokko, aych das Gefecht von Casablanca mitgemacht. Von den Mauren gefangen genommen, wurde er wegen eines Exzesses zum Tode verurteilt. Es gelang ihm aber, einige Stunden vor Vollstreckung des Todesurteils zu entkommen. Rach langen Irrfahrten landete er endlich in Marseille und erreichte die deutsche Grenze. Dort nahm man ihn fest, verurteilte ihn dann wegen Fahnenflucht und schickte ihn auf ein Jahr auf die Festung. Nach Verbüßung der Strafe muß er ein Jahr nachdienen.
Langenschwalbach, 10. Dez. Mit einer gewaltigen Detonation explodierte am Freitag mittag eine größere Partie Feuerwerkskörper und Pulver im hinteren Ladenraum der Frau C. Presber Wwe. Durch die Gewalt der Explosion wurden Türfüllungen und Fenster herausge- riffen, während ein Teil der Erkerscheiben mit der ganzen Auslage über die ganze Straßen-
18 lNachdruck verboten.)
Unter der Maske.
Roman von Lady Georgina Robertson.
(Fottsitzung.)
Der Tag blieb nicht aus, an dem jedes Wort ihrer heutigen Unterredung wieder vor Ellens «. Seele trat, an dem sie verstand, was ihr Gatte gemeint hatte und wer der verlorene Freund gewesen war.
Einmal saßen sie zusammen an einem tiefen Bogenfenster, das den Blick aus das blaue Meer frei ließ. Lord Chesleigh las und Ellen saß auf einem niedrigen Stuhl neben ihm. Es war ihre Lieblingsstellung, sie konnte stundenlang so neben ihm sitzen, ohne ihn zu stören, aber stets bereit, auf feine Gedanken einzugehen, wenn er sie anredete.
Lord Chesleigh lieh endlich das Buch finken und seufzte.
„Ob wohl Romane, wie dieser, das wirkliche Leben treu wiederspiegeln?" sagte er. „Ach, nein, welch' ein Unterschied ist zwischen den Romanen und dem Leben!" In der Dichtung endet jede Liebe schließlich glücklich, in Wirklichkeit—" er zögerte.
„In Wirklichkeit auch," ergänzte Ellen.
„Richt immer, nicht oft," fuhr er fort.
„Aber unsere endete glücklich," sagte sie strahlend.
Lord Chesleigh lachte verlegen und schlug den Blick vor ihren klaren Augen nieder.
„Unsere Liebe hat noch kein Ende gefunden, Ellen," bemerkte er endlich.
„Nein, Du hast recht, sie soll auch nie enden. Ob Du mich auslachst, Artur, wenn ich Dir meine Idee über wahre Liebe sage?"
„Gewiß nicht, Deine Ideen haben den Vorzug, immer originell zu sein." '
„Wirklich? Das freut mich. Ich glaube, daß wahre Liebe nicht von Aeußerlichkeiten abhangt, sondern ein innerer Zug ist, der beim ersten Sehen wie ein Funken von einem Herzen zum
anderen fliegt. Ich glaube auch fest, daß die irdische Liebe im Himmel ihre Fortsetzung findet."
„Ein schöner Gedanken, Ellen, aber wie erklärt Du es Dir, wenn zum Beispiel zwei Männer ein Mädchen lieben, oder umgekehrt, zwei Mädchen einen und denselben Mann?"
Ellen dachte einen Augenblick nach.
„Sie können ihn nicht beide lieben," sagte sie endlich entschieden. „Eine von ihnen bildet es sich ein. Ich glaube, das kommt oft vor. Ein wirklich kluger Mann wird herausfinden, was die wahre Liebe ist. Daß viele es nicht tun, zeigen die häufig vorkommenden unglücklichen Ehen. Die Menschen sind in dieser Hinsicht leicht blind."
Lord Chesleigh dachte lange über Ellens Worte nach. Wenn sie recht ha: e, wer liebte ihn dann wahrhaft, sie, feine Frau, oder Mathilde, der sein Herz gehörte.
Vermischtes.
Das verhinderte Duell. Ein Pistolenduell sollte, wie aus Leipzig berichtet wird, Samstag früh in den Waldungen bei Böhlitz-Ehren- berg zwischen einem 46 Jahre alten Privatmann und einem 22jährigen Apotheker stattfinden. Die Kriminalpolizei erhielt indes rechtzeitig Kenntnis davon und nahm die beiden
Hochschulnachrichten.
X Das Theologiestudium im Jahre 1907. An den 17 deutschen Universitäten, die evangelisch-theologische Fakultäten haben, waren itn letzten Sommer 2319 Studierende der Theologie immatrikuliert, gegenüber 2208 im Winter 1906/07 2329 im Sommer 1906 und etwa 4800 zur Zeit des höchsten Zuganges im Sommer 1888. Von den reichsdeutschen evangelischen Theologen ist demnach wieder eine kleine Zunahme in den letzten Semestern festzustellen, die allerdings gegenüber dem Bedarf gar keine Rolle spielt. Es treffen gegenwärtig auf 100 000 evangelische Deutsche 5,6 Studierende der Theologie. — Die Zahl der Studenten an den acht katholischen Fakultäten betrug 1866, während 1872 nur 674 gezählt wurden. Diese Zahl steigt seit Jahren fast ununterbrochen und hat jetzt eine Höhe, die früher nie erreicht wurde. Auf 100 000 katholische Deutsche treffen 8,2 Theologiestudierende. Dabei ist zu beachten, daß in Bayern die katholischen Theologen ihre Ausbildung fast ausschließlich in den Lycecn erhalten, deren Schülerzahl hier nicht mit in die Erscheinung tritt. Rechnet man jedoch diese etwa 550 Lyceumzög- linge zu den Theologiestudierenden, so stehen 2400 katholische gegen 2152 evangelische.
breite fortgeschleudert wurde. Der Kommis Pfeifer erlitt erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen und mußte ins Krankenhaus verbracht werden. Der Schaden ist ein beträchtlicher.
Arnsberg, 10. Dez. Wegen Verbrechens im Amt, Beseitigung und Vernichtung von Urkunden verurteilte das Schwurgericht den ftüheren Stadtrentmeister von Nehem, Franz Burgand, zu 5 Jahren Zuchthaus, 1500 M Geldstrafe und 10 Jahren Ehrverlust. Die Amtsunterschlagungen des Angeklagten belaufen sich auf 174 000 Mark. Als die Verfehlungen des Angeklagten bekannt wurden, beging femerzeit der Bürgermeister der Stadt Neheim Selbstmord. Mildernd für den Angeklagten kam in Betracht, daß hinsichtlich der Revisionen in Neheim eine Mißwirtschaft geherrscht habe, die ihresgleichen suche.
Hagen, 10. Dez. Der Mörder der Hedwig Hartmann, der Waldarbeiter Franz Hesse aus Lenhausen bei Plettenberg, wurde gestern Nachmittag in der Nähe von Meschede durch einen Gendarmen verhaftet.
Es war Frühling geworden und dem Wunsche Ellens, in die Heimat zurückzukehren, stand nichts mehr im Wege.
„Sie muß sich ganz gesund fühlen," sagte Sir Jobn, „ihre Briefe klingen so ftisch."
„Und vollkommen glücklich," fügte Lady Marstone hinzu. „Welche Freude wird es fein, „sie wiederzusehen!"
Die ganze Natur schien sich mit zu freuen, sie hatte ihr schönstes Festkleid angelegt, um die junge Erbin bei ihrer Rückkehr zu begrüßen. Das Entzücken der Eltern war unbeschreiblich, als sie ihr Kind, so frisch und gesund aussehend, in ihre Arme schloffen, und auch Mathilde begrüßte ihre Cousine freudig, für deren Glück sie ihr eigenes willig geopfert hatte.
„Du hast Wort gehalten," sagte Lady Mar- stone, indem sie ihrem Schwiegersohn warm die Hand drückte, „wir selbst hätten nicht bester für Ellen sorgen können."
Das Wiedersehen zwischen Mathilde und Lord Cheisleigy war kühl und ruhig. Sie
Duellanten in Schutzhast, bevor ste sich an den verabredeten Ort begeben konnten. Die Mafien wurden ebenfalls beschlagnahmt. Sie schienen ziemlich harmloser Art. Ueber die dem projektierten Zweikampfe zugrunde liegende Affäre erfahren wir: Der Wirt eines hiesigen an der Reichsstraße gelegenen Lokals hatte den Apotheker zurechtgewiesen, weil er sich Freiheiten gegen eine Kochlernende erlaubt hatte. Der Apotheker war darüber ungehalten und sprach sich kurze Zeit darauf in einer größeren Gastwirtschaft an der Burgstraße beleidigend über jenen Reichsstraßen-Wirt aus. Da der oben erwähnte Privatmann die Partei jenes Wirtes nahm, geriet er mit dem Apotheker in Streit, die schließlich in Tätlichkeiten ausarteten. Es soll hierbei Ohrfeigen gegeben haben. Dies führte zu der Herausforderung des Privatmannes.
Kleine Nachrichten. Berlin, 8. Dez. Heute Vormittag wurde .in einem Hause der Straße Altmoabit der Kaufmann Max Liebmann, geboren in Brackwitz im Kreise Lolmar, ermordet aufgefunden. Ob Raub vorliegt, ist noch nicht festgeftellt worden. Die Tat ist wahrscheinlich schon am 30. November vollbracht worden. Der Polizeipräsident setzte eine Belohnung von 1000 Mark auf die Ermittelung des Täters aus. — Christiania, 8. Dez. Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Ableben des Königs von Schweden wurden hier auf dem Schlöffe, auf dem Storthinggebäude, auf allen übrigen öffentlichen und auf allen Privatgebäu- den die Flaggen Halbstock gesetzt. Der norwegische Hof legt Trauer auf drei Wochen an. — Han - nover, 9. Dez. Eine Einbrecherbande hat einen schweren Eeldschrank in der Nacht vom Montag aus der Eierhandlung Fuchs gestohlen. Von dem Schrank, der gegen 3000 Mark in Bar und Wertpapiere enthielt, und von den Einbrechern fehlt jede Spur. — Plauen (Voigtl.), 9. Dez. In einem Teiche wurde der 26jährige Kommis Heinze mit durchschnittenem Halse als Leiche gefunden: es steht noch nicht fest, ob Mord oder Selbstmord vorliegt. — Köln, 9. Dez. Den Kölner Abendblättern zufolge sind die beiden Inhaber der Bankfirma Ph. M. Wulf u. Co., welche in Zahlungsschwierigkeiten geriet, Phil. M. Wulf und Siegfried Wulf, verhaftet worden. Der „Köln. Ztg." zufolge sollen Depotunterschlagungen vorliegen. — Fairmond, Man hat alle Hoffnung aufgegeben, die in der Grube Verschütteten zu retten. Nach mäßiger Schätzung beläuft sich die Zahl der Opfer auf 400. Die Hälfte sind Amerikaner, die übrigen Polen und Italiener. — Stockheim, 7. Dez. Der oberste Gerichtshof hat das am 20. August v. I. gefällte Todesurteil gegen die Mörder Winther und Scholkemeyer, die den Briefträger Olsten ermordet und beraubt hatten, bestätigt und dem König anheimgestellt, sie nicht zu begnadigen. — Newyork,9. Dez. Aus Monon- gahela (Westvirginien) wird gemeldet, daß die Zahl der bei dem Grubenunglück von Fairmond
wechselten einige Worte und mieden sich dann soviel wie möglich.
Acht Tage nach ihrer Ankunft reiste Artur ab, um auf seiner Besitzung nachzusehen, wie der Schloßvau vorgeschritten fei. Leider fand er, daß während seiner Abwesenheit die Arbeiten wenig gefördert waren und es wohl noch ein Jahr dauern könnte, bis das Haus bewohnbar sei. In Southwold erregte diese Nachricht große Freude. Das junge Ehepaar war dadurch ge- nöttgt, seinen dauernden Aufenthalt dort zu nehmen.
Frühling und Sommer vergingen und Lord Chesleigh und Mathilde hielten sich, da das Schicksal sie zwang, länger unter einem Dache zu leben, genau an ihr gestecktes Ziel. Sie vermieden jede Versuchung. Kam einer von ihnen in ein Zimmer, in dem der andere sich allein befand, so zog er sich sofort zurück.
Nie gingen oder fuhren sie gleichzeitig aus, nie musizierten sie zusammen. Fremde hätten sich nicht kühler und förmlicher gegenüberstehen können. Ellen wunderte sich innerlich darüber und. sprach es gegen beide aus, Lady Marstone hielt ihrer Nichte ihre Unfreundlichkeit gegen Lord Chesleigh vor — keiner änderte etwas. Nach einigen Wochen reiste Mathilde zu einer Dame, die sie von Malta her kannte und dehnte diesen Besuch möglichst lange aus; Lord Ches- leigh verbrachte einige Zeit mit seiner Frau in London, um jedem Zusammensein mit seiner alten Liebe möglichst aus dem Wege zu gehen.
Gleich nach Weihnachten fand ein (Ereignis statt, dem alle mit Spannung entgrgengesehen hatten: Die Eebutt einer kleinem Tochter. Sir John hatte sehr gewünscht, daß cs ein Junge wäre, ein Erbe für dir beiden Besitzungen, während Lady MarstLne sehr erfreut über die kleine Enkelin wr».
Ts war auch ei» kleines Wunderkind, rosig und weiß, mit »lauen Augen und blonden Härchen. Ellen wurde nie müde, es anzufehen und ihre ganze reiche Liebe wandte fie N» Kinde zu.
Getöteten annähernd 600 betrage. Der Direktor des Bergwerks habe die Zahl der fehlenden Bergleute mit 478 berechnet; in dieser Zahl feien aber 100 Knaben, die als Wagenschieber verwendet wurden, nicht mit inbegriffen. Durch die Nachschwaden werden die Rettungsarbeiten sehr verlangsamt; zahlreiche Personen, die bei den Rettungsarbeiten tätig find, erliegen den Gasen.
Nusfisches. Der Gouverneur von Moskau besuchte jüngst die Kreise feines Gouvernements und hat nach Beendigung seiner Reise einige recht charakteristische Tagesbefehle erlaffen. In einem Tagesbefehl dankt er den Jsprawniks des Dmitrewschen Kreises für die Ordnung, die er vorgefunden hat, bemerkt aber gleichzeitig, daß er in einem Bureauschrank neben durcheinander- liegenden Dienstpapieren Gegenstände nichtdienstlichen Charakters gefunden habe. Ein zweiter Tagesbefehl lautet: „Beim Pasfieren von Dörfern im Verwaltungsbezirks des Pri- staws Enytko bemerkte ich, daß man sich bemühte, mir einen „Empfang" zu bereiten. Diese Bemühungen verdarben den sonst günstigen Eindruck, den der Bezirk auf mich machte." Das find — so bemertt dazu ein Moskauer Blatt —- typische innerrussische Jntimitätcu. Die „Gegenstände nichtdienstlichen Charakters", wie der Tagesbefehl sich mit Diskretion ausdrückt, wird jeder Russe sofort erraten: es wird wahrscheinlich jenes Stilleben von Schnaps und Salzgurken gewesen sein, das für russische Aktenschränke so charakteristisch ist, daß oft sogar die Akten den Dust von Schnaps und Salzgurken annehmen. Doch — wir sind allzumal Sünder! Man kann dem braven Jsprawnik den Schnaps gönnen, denn fein Dasein ist nicht leicht. Muß der Gouverneur feine Nase auch gerade in den Schrank stecken, in dem das Kräutlein Herzfreude gedeiht!
^ppen«, enthalten alle Nähr- und Geschmack» Stoffe einer guten Fletschsuppe. Man (braucht nur mit Wasser zu kochen. Ein Würstchen gibt 3 Teller gehaltreiche Sappe.
Koche mit rKnorr\]
Rotationsdruck.
—
Verantwortlich für die Reo «...non: Dr. Johannes Otto in Marburg.
Ihr Glück war noch größer geworden und sie gab sich ganz ihm hin.
Alsbald begannen die Beratungen, wie sie heißen sollte, und bei diesen fiel zum erstenmale ein leiser Argwohn in Ellens Herz, eine Ahn- ung, daß ihr Gatte fie nicht so liebte, wie fie ihn.
Eines Morgens faß sie an der Wiege des Kindes, als Lord Chesleigh eintrat. Beide bewunderten das kleine Wesen, das fo friedlich schlummerte.
„Sie muß nun aber wirklich einen Namen bekommen, Artur," sagte Ellen.
„Gewiß, der Ansicht bin ich auch," lachte dieser, hast Du noch immer keinen gefunden, der Dir gut genug scheint?"
„Ich möchte Sie nach der Besten, Edelsten nennen, Artur. Ist es Dir noch nicht eingefallen, wer das ist? Laß fie Mathilde heißen," bat sie, froh über ihren guten Einfall, „es ist ein so hübscher Name und erinnert mich immer an eine, die ich so lieb habe."
Sie blickte zu ihm auf und sah, wie ein schmerzvoller Zug über fein Antlitz glitt. Erst nach einigen Minuten antwortete et: „Nicht, nicht Mathilde — lieber jeden anderen Namen."
Seine Stimme hatte einen fremden Klang und Ellen sah ihn erstaunt an.
„Gefällt Dir der Name nicht, Atthur?" fragte sie.
„Doch, er ist sehr hübsch," gab er zögernd zu.
Ellens Augen waren fragend auf ihn gerichtet.
„Warum soll die Kleine denn nicht so heißen? Wie sonderbar Du bist, Artur, ich ver. stehe Dich nicht ganz." „ _ ,
Er beugte sich über die Wiege, um ihre Aufmerksamkeit von sich abzulenken.
„Es muß Dir doch genügen, daß ich es nicht gerne möchte, wenn unser Kind fo heißt" sagt« er. „Wir werden schon einen ebenso hübsche« Namen finden, der zugleich kürzer tft*
(Fortsetzung folgt)