MchWk MW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Louutaasbeilaae: Stttullrirtei Souvtaasblatt.
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291 J«fe:hott»oebü^n^^ef)wltm3t^J^röera‘^:I«nt16^« D0NNttstag 12. Dezember 1907. ^burg, Markt «. -Tel-pho« öS.' .
Erstes Blatt.
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Deutscher Reichstag.
70. Sitzung vom 10. Dezember. 1 Uhr.
Am Vundesratstisch: v. Beethmann-Hollwsg. , Nach Erledigung von Rechnungssachen wird bte erste Lesung des Reichsvereinsgesetzes fortgesetzt.
Unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung Erscheint der Kronprinz in der Hofloge.
Abg. Gregoire (Lothr., b. k. Fr.): Ueber vnserem Haupte schwebt das Damoklesschwert des Sprachenparagraphen. (Präsident Graf Stolberg betritt die Hofloge und unterhält sich eingehend mit dem Kronprinzen.) Für einen größeren Teil der Lothringer ist Französisch die Muttersprache und namentlich das Eros der Landbevölkerung spricht nur französisch. Der Entwurf bringt uns eine Verschlechterung der Verhältnisse; er ist wegen des Paragraphen 7 ein für uns unannehmbares Ausnahmegesetz. Wir wollen nicht der Willkür von Polizeibeamten ausgesetzt sein. Dabei werden sie nirgends eine so loyale Bevölkerung finden, wie in den französischen Teilen Lothringens.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (frs. Dp.): Das größte Interesse bot gestern die Rede des Abg. Trimborn, wenn sie auch hinter dem, auf das «ns die Zentrumspresse vorbereitet hat, zurückblieb. Solchen Hohn, wie gestern Herr Trimborn gegen den neuen Staatssekretär fand, hätte man gegenüber dem Grafen Posadowsky nicht gefunden. (Sehr richtig!) Sogar von „moderner Kultur" wußte er zu erzählen. (Heiterkeit.) Daß hier die Kongregationen und Orden nicht berührt sind, ist erfreulich. So ist eine außerordentlich schwierige Materie ausgeschaltet worden. (Sehr richtig!) Solange wir nicht Trennung zwischen Kirche und Staat haben, muß der Staat die Oberaufsicht über die Kirche behaupten. (Sehr richtig! bei den Freis.) Nun zur Kritik des Entwurfs. Ich wage cs (Heiterkeit), obwohl ich nach der „Köln. Volksztg.", dem „Taufschein der Katholiken", (Heiterkeit), dem Reichskanzler unter Tränen versprochen habe, keine Opposition zu machen. (Er. Heiterkeit.) Für welches bornierte Publikunr muß diese Presse schreiben! (Sehr gut! bei den Lib.) Noch niemals ist gegen den Kanzler eine so gemeine Hetze unternommen worden, wie in diesen Tagen. (Lärm im Zentrum.) Auch in Zukunft wird Deutschland im Versammlungsrecht nicht an der Spitze der Nationen marschieren. Das Pendant zum Reichstagswahlrecht ist ein von polizeilichen Handschellen losgelöstes Versammlungsrecht. Freilich, wir treiben praktische Politik. (Leb. Aha! im Zentrum und bei den Soz.) Darüber wundern Sie (zum Zentrum) sich, die Sie zehn Jahre lang Kompromiß auf Kompromiß geschlossen haben? Gegenüber dem bisherigen Zustande ist die Vorlage ein großer Fortschritt. Sie beseitigt die Vuntscheckigkeit und stellt endlich die Frau dem Manne gleich.
Das Deutsche Haus St. Elisabeth.
Ein geschichtliches Bild aus Marburgs Vergangenheit.
, Von Dr. W. Bücking.
t,Fortsetzung.»
Als Landgraf Moritz im Jahre 1605 die sogen. Verbesscrungspunkte in Oberhessen einführte, wurden diejenigen Pfarrer, welche deren Annahme verweigerten, ihrer Stellen entsetzt. Dies Los traf auch den intettmistifchen Pfarrer zu St. Elisabeth, Professor Magister Johannes Echollus. Landgraf Moritz bestellte nunmehr zum Pfarrer an die St. Elisabethkirche den Professor der Theologie Dr. Johannes Molter. An die Einführung der Berbesserungspuntte knüpfte (ich der Bildersturm in genannter Kirche. Dem- elben fielen zum Opfer das große Kruzifix mit einen Seitenfiguren über dem Lettner, eine große Anzahl Statuen von Stein in demselben, die Statue der Jungfrau Maria am 3. Pfeiler der nördlichen Reihe im Mittelschiff und was sich sonst nock in den drei Schiffen an Bildwerk befand. Als Landgraf Moritz auch die Beseitigung der Altarschnitzwerke in den Kreuzarmen verlangte, setzte der Landkomtur Friedrich von Hörde (von 1613 bis 1626) diesem Anfinnen den heftigsten Widerstand entgegen, und es gelang ihm durch Vermittlung des Deutschmeisters Erzherzog Karl von Oesterreich, daß der Landgraf von feinem Begehren Abstand nahm. Als im Jahre 1889 auf der Nordseite der St. Elisabethkirche nach den Fundamenten der daselbst gestandenen Firmaneikapelle gesucht wurde, trat beim Abräumen des Erdbodens eine große Anzahl beschädigter Statuen zutage, die sich in jener Kapelle befunden hatten und nach deren Abbruch tm Jahre 1786 hier »et« Narrt worden wäre»
(Heiterkeit.) Der Frau ist die erste Frucht der Blockpolitik in den Schoß gefallen. (Stürmisch andauernde Heiterkeit.) Früher ging das Zentrum nach dem Wort an die Korinther: „Eure Weiber lastet schweigen in der Gemeinde." (Sehr richtig! im Zentrum; Heiterkeit.) Noch vor kurzem sprach sich das Zentrum gegen die Teilnahine der Frauen an politischen Versammlungen aus. (Hört! hört!) Misten Sie, wer der bett. Redner war? Der Abg. Trimborn! (Er. Heiterkeit.) Jetzt gibt es nichts das so radikal wäre, daß es vom Zentrum nicht unterstützt würde. (Lärm im Zentrum.) Ich bitte den Herrn Staatssekretär um baldige Einbringung einer Vorlage auf Ausdehnung des Koalitionsrechtes auf Landarbeiter und Dienstboten. (Beifall im Freisinn.) Einige Paragraphen des Entwurfs bedürfen genauer Durchsicht. Das Recht zu öffentlichen Aufzügen darf nicht von der politischen Parteistellung abhängen. (Sehr richtig! links.) Die politische Ueberwachung können wir nicht inhibieren. Wohl aber sollte die öffentliche Bekanntmachung einer Versammlung der Anzeige gleichstehen. Wenn wir bei .internationalen wissenschaftlichen Kongresten fremde Sprachen zulasten, so betätigt sich das internationale Schamgefühl. (Sehr richtig! bei den Freis.) Was soll da die Engherzigkeit der Vorlage? Sie würde die Pazifizierung z. B. Elsaß-Lothringens nur aufhalten. (Sehr richtig!) Das gleiche gilt von den paar Tausend dänisch sprechenden Schleswigern. Würden wir aber im Paragraphen 7 die Polen allein aus- nchmen, so würde die Ausnahmebestimmung noch scharfer empfunden. (Sehr richtig! bei den Freis.) Wir geben ohne weiteres, zu, daß die großpolnisch-klerikale Agitation ost abstoßend wirkt. (Sehr wahr! rechts.) Was die neuen Kundgebungen des Auslandes betrifft, so ist es Pflicht des Reichstages, gegen die taktlose und unverschämte flavische Einmischung in innerpo- litische Angelegenheiten Deutschlands zu protestieren. (Stürmischer Beifall rechts und bei den Liberalen Lärm bei den Soz., Zurufs des Abg. Ledebour.) Ach Herr Kollege Ledeburski . . . (Stürmische Heiterkeit.) Wir können nichts dafür, daß die Herren von der äußersten Linken kein Verständnis für diese Dinge haben. (Lebh. Beifall.) Wir haben die schwersten Bedenken gegen die Anwendung solcher Ausnahmebestimmungen in Westgreußen und Posen und werden bei der Neufassung des Paragraphen 7 (Hört! hört!) alles tun, um den berechtigten Jnteresten beider Seiten zu genügen. (Beifall rechts.) Die Hauptsache bei der Vorlage wird eine liberale Auslegung bei den Verwaltungsbehörden sein. (Beifall bei den Freisinnigen.) Wir erkennen aber den Entwurf als begrüßenswerten Fortschritt an. .Ein Volk, ein Recht, 'aber auch ein freiheitliches Volk und ein freiheitliches Recht. (Lebhafter Beifall der Freisinnigen.)
Abg. Fürst Radziwill (Pole): Ich weise die Angriffe gegen unser Volk das seine legitime Vertretung durch Gottes Fügung in diesem Hause gefunden hat, zurück. Von einem freiheitlichen Gesetz kann hier keine Rede sein. Es
Ein im Deutschordens-Archiv zu Mergentheim vorhandenes Eeneral-Visitationsprotokoll vom Jahre 1608 enthält über das Haus Marburg nachstehenden ungünstigen Bericht: »Wir haben gesunden die Kirch und die Heiltümer, auch noch etliche Paramente und Ornamente darin so verwüstet, verunehrt, zertrennt, verworfen, verfault, das Haus auch sehr unsauber und unwesentlich, und in Summa in Religion- und Profansachen nichts Rechtes, sondern alles dergestalt verkehrt, daß mit dem Propheten gesagt werden mag: vidi abonimationem deso- lationis in loco saucti (d. h.: ich habe den Greuel der Verwüstung am heiligen Orte gesehen); ließ bei diesen Leuten nicht der Orden und dessen Ehre und Nutzen, sondern vielmehr ihr Unterhalt und Erfüllung ihres Bauches und Säckels gesucht werden."
Jahraus, jahrein vernimmt man täglich in der St. Elisabethkirche, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage vormittags, ein viermaliges Geläute mit verschiedenen Glocken, und am 30. April, mittags 12 Uhr, läßt die größte der 7 Glocken ihre weitschallenden Töne hören. Letzteres Geläute und das um 11 Uhr morgens und 7 Uhr abends stammt noch aus vorreformatorischer Zeit. Das Geläute um 10 Uhr morgens und 5 Uhr abends ist ein Eebetsgeläute, welches zur Zeit des 30jährigen Krieges in den Jahren 1631 und 1632 von Landgraf Georg H. von Hessen-Darmstadt für das ganze Land angeordnet wurde.
Von dem verhängnisvollen 30jährigen Krieg ist auch die Ballei Hessen sehr empfindlich berührt und geschädigt worden. Im Jahre 1632 nahm jener Landgraf Georg von Darmstadt vom Hause Marburg Besitz, belegte dasselbe mit 1 Kapitain und 50 Soldaten nebst vielen Reitern und Pferden, und die Ordensprrsonen und Or» densuntertanen mußten dem Landgrafen hul-
handelt sich um Millionen polnisch sprechender Deutscher, die hier rechtlos gemacht werden sollen, und in deren Namen ich Protest cinlege, auch gegen die Verdächtigungen der Abgg. Dietrich und Dr. Hieber, die uns direkt verleumdet haben.
Vizepräsident Dr. Pasche ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung. (Lärm bet den Polen und Soz.)
Abg. Fürst Radziwill (fortfahrend): Ein dem Deutschen gleichwertiger Volksstamm wird hier in seinen vitalsten Interessen geschädigt. Der Philosoph zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Wilhelmstraße möge sich ein Beispiel nehmen am königlichen Philosophen am Ende des 18. Jahrhunderts, dessen schönstes Denkmal immer in der Mühle von Sanssouci bestehen wird. Hier soll an die Stelle des Rechts die administrative Befugnis treten. Ich würde es beim gegenwärtigen Kanzler nicht als Mangel an Größe ansehen, wenn er seiner Polenpolitik, dieser partiellen Fortsetzung des Kulturkampfes (sehr richtig! im Zentrum) ein Ende setzte. Wir verlangen objektive Rechtsnormen. Ich hoffe, im Deutschen Reichstage finden wir noch Verständnis für unseren Apell. Die Vorlage hat einen Schrei der Entrüstung bei der ganzen zivilisierten Welt ausgelöst. (Beifall bei den Polen.)
Staatssekretär v. Beethmann-Hollweg: Sluf den letzten Teil der Rede des Fürsten Radziwill gehe ich nicht ein, weil ich bei der Tagesordnung bleibe. (Sehr gut!) Die Polen bestreiten ihre Absonderungsgelüste? Wissen Sie nichts von dem Boykott der deutschen Geschäftsleute durch die Polen? (Lebhafter Beifall rechts.) Wissen Sie nicht, daß die Polen mit dieser Absonderung begonnen haben? (Sehr wahr! rechts.) Weiß man nicht, daß in der polnischen Presse der Haß gegen das Deutschtum über- wcht? (Lebhafte Zustimmung.) Welcher Pols würde es fertig bekommen, in einer polnischen Versammlung von Polen den Traum vondev Wiederherstellung Polens als Hirngespinst hinzustellen? Leugnen Sie doch nicht die auf uns zukommende slawische Welle! Daraus die Konsequenzen zu ziehen, ist Pflicht des Deutschen Reiches. Lebhafter Beifall.) Ich will an dieser Stelle den Abg. Gregoire, dessen Ausführungen zu denen des Fürsten Radziwill in wohltuendem Gegensatz standen (Beifall), dahin beruhigen, daß die Ausführungen des Gesetzes seine Bedenken völlig beseitigen wird. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Kolbe (Rp.) erhebt Bedenken gegen die schrankenlose Zulassung der Jugendlichen und erkennt die Begründung des Paragraphen 7 als zutreffend an. Wir müssen ven großpolnischen Hetzern die Eiftzähne ausbrechen und uns als gute Deutsche fühlen — so hätten die Polen sprechen müssen, haben es aber nicht getan. (Der Kronprinz verläßt die Hofloge.) Redner wendet sich gegen einzelne Aeußerungen des Zentrumsredners.
Abg. Dr. Pachnicke (frs. Vgg.): Wir erblicken in den Ausführungen des Abg. Trimborn gegen den Freisinn eine Frucht der Blockpolitik, und richten danach unsere Taktik ein. Wir find auch
digen. Als der Interims-Administrator der Ballei Hessen, Konrad Clotz Vorstellung dagegen erhob, bekam er die kurze Antwort, wenn er, Landgraf Georg, dies nicht getan hätte, dann wäre es von anderen geschehen. In einem Entschuldigungsschreiben an Kaiserliche Majestät führt der Landgraf als Ursache der Besitzergreifung an, weil das Easselsche Kriegsvolk bis an das Deutsche Haus streife und der allgemeine Ruf ergangen sei, es wollte das Deutsche Haus okkupieren, so sei er diesem Anfinnen nur zuvorgekommen.
Nachdem am 1. November 1645 die Cafsel- schen Truppen unter Führung des Generalmajors Johann Eeise die Stadt Marburg erobert hatten, kehrte letzterer in sein Standquartier Kirchhain zurück, erschien aber am 5. Dezember d. I. wieder und nahm Quart :r im Deutschen Hause bei dem Landkomtur Georg Daniel von Habel. Nach Htägigem Aufenthalte verließ der Generalmajor wieder sein Quartier und die Stadt, ließ aber vor seinem Abzug durch seinen Sekretär dem Stadtmagistrate sagen weil er wegen Mangels der Quartiere in der Stadt nicht habe einlogiert werden können, sei er in das Deutsche Haus gezogen, habe aber dem Landkomtur viele Mühen und Unkosten verursacht, man möge sich deshalb gegen denselben dankbar beweisen. Hierauf wurde eine Deputatton an den Landkomtur abgeschiat. Dem ausgesprochenen Danke fügte sie noch hinzu: „weil der Herr Landkomtllr der Stadt Patron sei, jo gebe man sich der Hoffnung hin, er würde ihr Elend berücksichtigen und es so machen, daß die Bürgerschaft sich dessen zu bedanken habe". Der Landkomtur entgegnete: „Er kenn« der armen Bürgerschaft Zustand gar wohl, wenn es sich um ein Paar Tage handele, dann würde er keine Entschädigung beanspruchen, weil w aber so lange gedauert hätte und 1 Ms 8 Oh» Wein
über die
nicht der Meinung, wie Abg. Heine zu glaube« sich den Anschein gab, daß mü dem neuen Gesetzentwurf eine neue liberale Aera anbrechen wird, aber die Zeit einer freieren Anschauung wird der Entwurf einletten. Redner geht die einzelnen Bestimmungen der Vorlage unter der Unruhe des Hauses durch und bemerkt zum Paragraphen 7, man möge bei seiner Partei nicht Unsicherheit des nationalen Denkens an* nehmen. Die polnischen Provinzen müssen un- ttennbar mit Brennen verbunden fein. Aber es gebe ein Recht auf die Muttersprache, und an der Sprache hänge das Herz des Polen. Der Paragraph 7 sei auch unzweckmäßig, weil er die Besprechung aller Dinge In geheime Konventikel
treibe.
Abg. Roth (wirtsch. Vgg.) begrüßt die Vorlage namentlich wegen der allgemeinen Zulassung der Frauen, meint aber, die Jugendlichen hätten nichts in den politischen Versamm. lungen, auch nicht In denen der Ordnungepar- teten zu suchen. Die öffentliche Anzeige genüge auch in den großen Städten. Die Vorlage müsse freiheitlich sein, dürfe aber auch die ftaat« lichen Interessen nicht außerAcht lassen. (Beifall rechts.)
Abg. Hanssen (Däne) beklagt sich polizeiliche Willkür gegenüber den Dänen.
Mittwoch, 1 Uhr: Fortsetzung.
lieber Marokko.
Die neuerdings in Tanger (zweimal wöchentlich) erscheinende „DeutscheMarokke- Zeitung", auf die bereits kürzlich in d« „Oberhess. Ztg." hingewiesen wurde, bringt in ihrer 13. Nummer (vom 3. ds. Mts.) ein Referat Über einen in Berlin gehaltenen Vortrag, der unsere Leser sowohl seines Inhaltes, als auch der Person des Vortragenden selbst wegen interessieren wird. Dr. Kampfmayer nämlich, dessen Ausführungen der Bericht wie- dergibt, jetzt Professor am Orientalischen Seminar in Berlin, war früher Privatdozent an der hiesigen Universität und hat bekanntlich s. Z. Geh. Rat Professor Dr. Th. Fischer, auf seiner letzten Forschungsreise nach Marokko begleitet. Der Vortrag erscheint um deswillen von besonderem Wert, weil Professor Kampfmayer erst Anfang Oktober von einem sechs- monatlichen Aufenthalt in Marokko nach Berlin zurückgekehrt ist, also die gegenwärttge polittsche Lage im scherifischen Reiche aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Unter diesen Umständen konnte es nicht Wunder nehmen, daß Professor Kampfmayer von hoher amtlicher Stelle zu einem öffentlichen Vortrage über seine Eindrücke während seiner Forschungsreise auf
gefordert worden ist.
Der Bericht der „Deutschen Marokko-Zig.* über den Vortrag lautet wie folgt:
In der Vereinigung für staatswisscnschast- liche Fottbildung" in Berlin, deren Ehrenpräsident der Reichskanzler Fürst v. Bülow ist, hielt
darauf gegangen wären, ohne die Fourage für die Pferde, so könne er, wenn er auf Zahlung verzichten wolle, solches gegen den Deutschen Orden nicht verantwotten, hoffe aber, weil die Stadt den Generalmajor hätte verpflegen müssen, sie seinen Schaden nicht begehrten." Die Unkosten der Generalität beliefen sich auf 404 Reichstaler, die mittelst zweier Kollektionen in der Stadt erhoben wurden.
Am Sonntag Cantate. 28. April des Jahres 1720, wurde wegen geschehener Erklärung des Erbprinzen Friedrich von Hessen-Eassel zum re« «ierenden König von Schweden ein allgemeines »ankfest kirchlich gefeiert «nd das .Herr Gott, »ich loben wir" unter zweimaliger Abfeuerung »er Kanonen gesungen. Nach hochfürstlichem Be« ehl sollte das Lied an diesem Tage und zu der- elben Stunde um 10 Uhr auch in der St. Elisa« »ethkirche gesungen werden, ohne jedoch nach alter Observanz den Landkomtur davon in Kenntnis zu setzen. Daraufhin protestierte der Ordensvogt Hartmann und sagte, der Land- komtur würde von selbst schon aus Hochachtung gegen das Haus Hessen ein solches Dankfest veranstaltet haben, man möge ihm doch nur Zeit zur Abfassung seines Berichtes lassen, welches aber nicht geschah. An dem genannten Sonntag m'.r erschien in der St. Elisabethkirche an Stelle des erkrankten Ordenspredigers Dr.Fen- ner, dessen Sohn und hielt die Dankpredigt, an die sich das Tedeum reihte. Der anwesende oben genannte Ordensvogt aber verdarb nuy nur eigenmächtig den Gesang, sondern hieß auch den Opfermann, den Leiter desselben, Weggehen und verhinderte den Organisten die Orgel zn spielen. Noch an demselben Tage, nachmittags gegen 2 Uhr, erschien ein Kommando von 100 Sollnrten vor dem Deutschen Hause, erbrach Tore und Türen, holte den Ordensoogt Harb-, mann und die Notare «nd Zeuge«, die bei chm