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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai«
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Erscheint wSchcntlich sieben mal.
Druck und Verlag' Jo h. A vg. Koch, UntverfitLtS-Buchdruckerel 42. Jahrg, Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Vierteljährlicher Bezugspreis. 6« oer ExpÄition 2 VtL,
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Neclamen: die Zelle SO Pf«. L0NNia^ 8. 1907.
Erttes Blatt.
Zum Versicherungsverträge.
Der „Schlesischen Zeitung" wird geschrieben:
Den Arbeitern gegenüber ist die Versicher- vngsgesetzgebung mit so viel Zwang und so viel zwingendem öffentlichen Recht umgeben, daß der Vcrsicharte fast gar reine Pflichten, aber lauter Rechte hat und diese Rechte auch niemals verlieren kann, selbst wenn er sich gar nicht um die Erhaltung kümmert. Dort aber, wo der Mittelstand sich mühesam die Zahlungen abringt, kann ein kleines Versehen oder selbst die Erfüllung »Witter Staatsbürgerpflicht, bloß weil sie dem Interesse der privaten Versicherung zuwiderläuft, die Rechte aufheben und ein langjähriges Darben für die Familienversorgung illusorisch machen.
Gerade jetzt, wo der Entwurf eines Gesetzes über den Versicherungsvertrag an die Reichskom- misfion gelangt ist, must auf einen schweren Miststand in den Bestimmungen vieler Lebens- Versicherungsgesellschaften hingewiesen werden. Zn der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" behandelt Dr. E. Sardemann in Marburg das Thema „Die Lebensversicherung im Kriegsfälle". Diese Abhandlung verdient allgemeine Beachtung.
Dr. Sardemann hat die Bestimmungen von 43 deutschen Lebens-Versicherungsgesellschaften daraufhin geprüft, ob dieselben den Versicherten, welche im Kriegsfälle, sei es auf Grund der Dienstpflicht, sei es über dieselbe hinaus oder freiwillig sich dem Vaterlands zur Verfügung stellen, eine genügende Sicherheit gewähren. Dabei zeigte es sich, dast dis bei weitem überwiegende Zahl, eigentlich alle außer fünf, Einschränkungen für den Kriegsfall enthalten, VslchMLie Versicherung des mobilen Verhältnisses ruhen lassen oder im Werte herabsetzen und für das Wiedereinsetzen der Versicherung Nach Aufhören des Kriegszustandes nicht nur keine sichere Gewähr bieten, sondern ein solches in manchen Füllen sicherlich unmöglich machen. Wenn dis Statuten einer Versicherungsgesellschaft die Bestimmungen enthalten:
„Der Versicherungsantrag wird ungültig und alle Ansprüche an die Gcsellsckaft (mit Ausnahme des Rechtes auf Antrag, oen unbestreitbaren Wert der Polize zurückverlangen zu können) erlöschen, wenn der Versicherte ohne vorherige Vereinbarung mit der Gesellschaft, ohne durch die über die Wehrpflicht geltenden Bestimmungen seines Landes dazu genötigt zu fein,
15 (Nachdruck verboten.).
Unter der Maske.
Roman von Lady Georgina Robertson.
lFortlepung.)
Ellen hatte einen besonderen Zauber in ihrem Wesen, dem niemand widerstehen konnte, der mit ihr zusammenkam. Selbst Lcktd Ches- lsigh ging es so: er liebte sie nicht und würde sie nie freiwillig geheiratet haben, aber ihr warmes, strahlendes Willkommen berührte ihn wohltuend.
»Setze Di'ch zu mir, Artur," bat sie, „ich freue mich, daß Du kamst, ich habe über allerhand nachgedacht."
„Ungewohnte Arbeit, nicht wahr?" bemerkte er lachend.
,Ja, bis jetzt haben immer andere für mich gedacht, nun must ich es selbst lernen."
„Und das Resultat?"
„Das will ich Dir sagen. Ich dachte über uns beide und unser Leben nach. Vis jetzt war ich ein verwöhntes, verzogenes Kind, von mot- >n an sängt ein neues Dasein für mich an, ich .utz versuchen, Dir eine Gefährtin zu werden. Mit Mathilde sprichst Du oft stundenlang über Bücher und Bilder, Reisen, Kunst und Wissenschaft. Ich will c; ij studieren, damit Du Dich auch mit mir rn erhältst. Warum lächelst Du. Artur?"
„Das klingt , als ob ein Schmetterling t lernen wollte, geradeaus zu fliegen,"
„Du kränkst mich," entgegnete sie lebhaft.
gebe zu, Last ich zu lange als Kind behandelt worden bin, aber Du sollst mir auch glau- 1 ven, dast ich den guten Willen habe, mich weiter
s zu bilden. Nur eins mußt Du mir versprechen, Uttur, Du mußt mich ebenso lieben, wie jetzt, .auch wenn ich ernst und klug werde und alle Kindlichkeit abstreise."
Er konnte mit gutem Gewissen „ja" sagen, denn er liebte sie jetzt überhaupt nicht.
. „Ich habe Mathilde immer beneidet," fuhr Ellen fort, Jie ist so ruhig und verständig — Ich wollte, ich wäre ihr ähnlich."
„Das wollte ich auch!" entfuhr es Lord Ches- «igh in einem so traurigen Tone, dast feine »tau ihn erstaunt ansah.
im Falle eines Krieges Dienst in einer Kriegsmarine oder in einem Heere, gleichgiltig ob als Kombattant oder Nichtkombattant oder Militärbeamter antritt oder leistet",
so ist es klar, dast Offiziere und Sanitätsoffiziere des Beurlaubtenstandes, welche freiwillig über die Zeit der Wehrpflicht hinaus im Mi- litärstande verbleiben, oder verabschiedete Offiziere und Sanitätsoffiziere, die sich für den Kriegsfall zur Verfügung stellen, oder Aerzte und andere Personen, die sich freiwillig stellen, durch ihre Vaterlandsliebe ihre eigene Zukunft und diejenige ihrer Relikten in die schwerste Gefahr bringen. Nicht immer sind die Versicherungsbedingungen so deutlich. Wenn z. B. andere Versicherung die Fortsetzung der Versicherung nach dem Kriege von der Einreichung eines Gesundheitsattestes abhängig machen, so wird in manchen Fällen, wo die Versicherung bereits 10 Jahre und länger besteht, und seitdem der Gesundheitszustand, auch abgesehen von den Erschütterungen eines Feldzuges, nicht mehr derartig ist, daß die Versicherung ein Interesse an der Fortsetzung der Versicherung hat, eine solche Fortsetzung abgelehnt werden können. Oder das Fortbestehen der Versicherung wird von einer besonderen Erhöhung der Prämie im Kriegsfall abhängig gemacht, die in diesem Zeitpunkte gerade am drückendsten sein r /
Mit Recht sagt der Verfasser: „Wer zu. terstützung seines Alters und Versorgung sei'- , Hinterbliebenen auf die Lebensversicherung angewiesen ist, mutz die Gewißheit haben, daß sie durch die Teilnahme am Kriege nie gefährdet wird, einerlei, ob er zu den Waffen eilen muß oder dem Vaterlande seine Dienste freiwillig weiht." Dasselbe wird von anderen Versicherungsarten z. B. Jnvaliditäts-, Witwen- und Waisenversicherung gelten können.
Wenn schon die Frage, ob Duell oder Selbstmord die Pflicht der Versicherungsgesellschaft nicht aufheben darf, von großer sozialer Bedeutung ist, so liegt hier ein eminentes Staatsinteresse vor. Es gilt auch, durch Förderung des freiwilligen Versicherungsgedankens die zeitliche Neberfpannung des Zwangsversicherungsgedankens überwinden zu helfen. Möge die Reichstagkommission zu dieser Erkenntnis gelangen.
DenischeS Reich.
— Beamtenanfbesserung und Erhöhung der direkten Steuern der Einzelstaaten. Der „Köln. Ztg." zufolge wird gleichzeitig mit der Gesetzesvorlage über die Gehaltserhöhungen die preußische Regierung dem Landtage- ein zur teilweisen Deckung dieser Mehrausgaben bestimmtes Gesetz über eine mäßige Erhöhung der Ein
I „Ich will. mir Mühe geben, Artur," sagte Ellen sanft. „Ich möchte gerne so sein, daß Du
I mich lieb haben kannst."
Ach, warum konnte er diese rührende, hingebende Liebe nicht erwidern, warum hatte sein Herz schon für eine ckndere gesprochen?
„Ich habe so manche ernste Gedanken gehabt seit meiner Krankheit," begann sie wieder, „ich bin nicht mehr dieselbe wie vorher. Wenn man, so wie ich, mit Bewußtsein am Rande des Grabes stand, dann erscheint einem alles in einem anderen Lichte. Jetzt erst fange ich an zu leben, ich bin kein Kind mehr, und mein Leben in jener Welt hängt davon ab, wie ich meine Jahre nutze. Willst Du mir helfen, Artur, daß ich meinen Vorsätzen treu bleibe?"
„Wenn ich es kann, gewiß, Ellen, aber ich glaube. Du brauchst keine Hilfe."
Sie seufzte.
„Ich bin noch so wenig mit dem Leben in Berührung gekommen," sagte sie, „und doch weiß ich, daß es manche unglückliche Ehen gibt. Wie schrecklich muß das sein! Ich möchte Dich gerne glücklich machen und habe mir fest vorgenommen, wenn unsre Ansichten und Wünsche auseinander gehen, mich Dir zu fügen. Dein Wille soll mir Gesetz sein, nicht in sklavischer Unterwürfigkeit, sondern in freier Anerkennung Deiner besseren Einsicht. Willst Du mein Führer in allem Guten fein, Artur? Ich werde Dir willig folgen."
Er küßte ihre Hand, die sie in die [einige gelegt hatte.
,,3«, so soll cs sein," sagte er und es war aufrichtig sein Wille, danach zu handeln.
Als Ellen ihn verlassen hatte, dachte er noch Tange Über ihre Worte nach. Welch ein zarter Reiz lag über ihr, ein wunderbares Gemisch von kindlichem Wesen und reifer Weiblichkeit: auf der einen Seite immer heiter, frisch und zum Scherze aufgelegt und doch wieder ernst und nachdenkend, als ob cs ihr stets gegenwärtig fei, an einem wie feinen Faden ihr Leben gehangen hatte. Welche Verantwortung, dieses junge Wesen, das ihm so ganz vertraute, zu fuhren und zu leiten! Lord Chesleigh war sich klar darüber, daß es ganz in feinen Händen lag, Ellen» Charakter zu bilden und zu formen.
kommen- und Ergänzungssteuer im Januar vor- legsn. An Gehaltsaufbesserungen für Beamte werden 60—80 Millionen, für Lehrer 30, für die Geistlichkeit und deren Angehörige 10—14 Millionen beansprucht. Wegen der Erhöhung des Amtseinkommens der katholischen Geistlichkeit haben Verhandlungen zwischen der Staatsregierung und den Bischöfen stattgefunden. Bezüglich der Lehterbcsoldungsvotlage haben sich das Kultus- und das Finanzmini- fterium nach längeren Beratungen über die finanzielle Tragweite des Gesetzes geeinigt. Betreffs der Deckung des aus der Vergangenhei herrührenden Ausfalles an Betriebsmitteln be der Eisenbahn hält die Regierung es mit den Grundsätzen einer verständigen Finanzwirtschaf nur noch für vereinbar, nochmals als Ausnahmeregel den Anleiheweg zu beschreiten. Allein für die Beschaffung von Betriebsmitteln, in erster Linie, um dem allseitig beklagten Mangel an Güterwagen abzuhelfen, sollen im nächsten Jahr 250 Million Mark zur Verfügung gestellt werden. — Das offiziöse Blatt erklärt weiter in feinen augenscheinlich inspirierten Ausführungen, daß auch die übrigen Bundesstaaten im Laufe der Zeit mit der gesetzlichen Erhöhung der Einnahmen aus der Einkommen- und Ergänzungssteuer nachkommen müssen. Für den Reichstag müsse das ein weiterer Grund sein, die Bedenken der Regierung zu respektieren, in erster Linie an den Ausbau des direkten Steuersystems zu denken und erst im Falle der äußersten Not die direkten Steuern anzugreifen.
— Reichsfiskus und Gemeindesteuern. Daß an einem Gesetzentwürfe über die Heranziehung des Neichsfiskus zu den Gemeindesteuern gearbeitet wird, ist bekannt man wird aber gut tun, nicht anzunehmen, daß der Entwurf in naher Zeit zu Stande kommt. Die Schwierigkeiten, die seiner Fertigstellung schon früher entgegen« standen, liegen auch heute noch vor und sind so bedeutend, daß sie immer wieder auch nur die Aufstellung eines endgültigen Entwurfes behindern. Es wird demgemäß noch auf einige Zeit damit zu rechnen fein, daß diejenigen Gemeinden, die finanziell unter den teichsfiskalischen Anstalten leiden, auf Beihilfen angewiesen bleiben, die ihnen jährlich im Reichshaushaltsetat gewährt werden. In diesen Beihilfen sind für 1908 einige Acnderungen eingetreten. Die preußische Militärverwaltung wird für 1908 bereits 79 000 3t zahlen. Davon soll Spandau 50 000 3t oder 20 000 31 mehr als bisher, Siegburg 20 000 3t und Lippstadt 9000 34 erhalten. Die Marineverwaltung will im nächsten Etatsjahre als Beihilfen für Gemeinden insgesamt 94 000 3t oder 18 000 3t mehr wie bisher gewähren. Davon soll Kiel 28 000 31 erhalten.
Das war der große Unterschied zwischen ihr und Mathilde: mit dieser fühlte er sich gleich- stehend, eher daß sie ihm überlegen war, ihre Interessen waren dieselben und der geistige Verkehr mit ihr regte ihn an. Mit Ellen war es ein Gegenteil, da mußte er geben und fand selten einen Widerhall.
„Gott gebe, daß alles gut endet," dachte er, aber er hatte wenig Hoffnung. Sein Hauptgedanke war auch immer wieder der, daß er doch Abschied von Mathilde nehmen mußte. Ihr blasses, trauriges Gesicht verfolgte ihn beständig und er wußte, wie sehr er auch litt, sie trug doch unendlich schwerer an ihrem Unglück.
„Ich kann Dich doch ein paar Minuten sprechen, Mathilde?" bat Lord Chesleigh, als er ihr half, einige Adressen für das Gepäck zu schreiben.
„Ja, wenn ich es einrichten kann," erwiderte sie.
Sir John kam, um feinen Schwiegersohn zu holen.
„Ich mutz Dir etwas geigen, Artur," sagte er, „aber Du mutzt nicht erschrecken. Komm' mit in die Halle."
Dort standen Berge von Koffern, und Sir John meinte lachend: „Eichst Du, das kommt davon, wenn man es unternimmt, mit einer Dame zu reifen. Ich glaube, meine Frau hat sich Ellen in allen möglichen Lebenslagen vorgestellt und für jede einzelne gesorgt." Dann fügte er ernsthaft hinzu: „Du siehst, mit wie viel Liebe unser Kind umgeben gewesen ist: latz sie dieselbe nie vermissen, gib ihr nicht die Empfindung, daß sic etwas verloren hat."
Ein schlichtes Manneswort findet immer seinen Weg zum Herzen. Sir Johns kurze Bitte rührte Lord Cheslcigh tiefer, als alle», was Lady Marstone ihm vorgetragen hatte.
„Du kannst sie mir ruhig anvertrauen," entgegnete er und bekräftigte feine Antwort iptt einem festen Händedruck. Im Innern gelobte ersich, alle Erwartungen zu erfüllen, und wenn er auch Ellen feine Liebe nicht schenken konnte, so wollte er doch mit derselben Treue für sie sorgen, wie ihre Eltern es bisher getan hatte«.
Damit wird dieser Gemeinde die 8. Rat« bet Kapitalabfindung für die Eingemeindung vo» Gaarden xuflietzen. Mit dem Jahre 1915 hört diese Zahlung auf. Die Gemeinde Ellerbek soll 12 000 34, Elmschenhagen 1000 3t, Bant 18000 3t oder 8000 3t mehr als bisher, Heppen» 9000 31 oder 5000 3t mehr, Wilhclmshafe» 20 000 31 und Wellingdorf' 1000 3t erhalten. Neuerdings sind auch die Verhältnisse der Gemeinde Neuende bei Wilhelmshafen infolge der benachbarten großen Marinebetriebe und der starken Zunahme der Arbeiterbevölksrung derartig geworden, daß ihre Unterstützung au» Reichsmitteln nicht zu umgehen ist. Für dies« Gemeinde sind 5000 3t neu ausgeworfen. Insgesamt zahlen also jetzt bereits Militär- und Marineverwaltung 173000 34 jährlich Beihilfen an Gemeinden dafür, daß diese infolge der Ansammlung von Arbeitern in Reichsbetrieben größer« Lasten haben. Man wird sich mit dieser Regelung durch den Etat zufrieden geben müssen, weil keine bessere da ist, eine gesetzliche Grundlage für die Heranziehung des Rcichsfis- kus zu den Gemeindesteuern bleibt aber trotzdem erstrebenswert.
— Die Verlängerung des Handelsptoviso-- riums mit England. Dem Reichstage ist bei Entwurf eines Gesetzes betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche nunmehr zugegangen. Die durch Gesetz vom 20. Dezember 1905 dem Bundesrate erteilte Vollmacht, England die den meistbegünstigten Ländern gewährten Vorteile einzuräumen, erlischt mit de« 31. Dezember. Da es bisher nicht gelungen ist, feste Handels- und zollpolitische Abmachungen zu treffen, wird vom Bundesräte die Verlängerung der erwähnten Vollmacht bis zum 31. Dezember 1909 vorgeschlagen. — So dringend notwendig es ist, daß es endlich zu einer grundsätzlichen Regelung unserer Handelsbeziehung zum britischen Reiche kommt, so erforderlich ist es, im Interesse eines ungestörten Fortganges der sehr erheblichen Handels- und Verkehrsbeziehungen das Provisorium auf kurze Zeit hinaus zu verlängern. Hoffentlich geschieht die diesmalig« Verlängerung des Provisoriums zum letzten Male.
— Deutsche Sozialdemokraten als Helfers, heiser der rnsstschen Terroristen. Wie schon mehrfach erwähnt, ist in Berlin von der Volt- zei ein terroristisches Waffen- und Papierlager entdeckt worden, ein Arsenal für russische Revolutionäre und Banknotenfälscher. Helfershelfer der Terroristen sind deutsche Sozialdemokraten
Der Tag verging, ohne daß Lord Chesleigh die Möglichkeit sah, Mathilde ungestört zu sprechen, und doch konnte et nicht abreisen, ohne von ihr Abschied genommen zu haben. Erst nach dem Abendbrot ging sie, wie oft, noch hinaus in den Garten und er konnte ihr folgen, ohne daß es auffiel.
Es war ein klaret Herbstabend, und die Sterne leuchteten in stillet Pracht. Auf wie viel menschliches Elend hatten sie schon herabgeschaut, wie mancher bittere Kamvf hatte nur sie zu Zeugen! Und das Bild, oas sich ihnen heute zeigte, war ein besonders trübes.
Lotd Chesleigh und Mathilde gingen einig« Minuten schweigend nebeneinander. Sie hatten sich noch so viel zu sagen und wagten doch nicht von dem anzufangen, was ihre Herzen bewegte.
„Wie schwer ist unser Schicksal!" tief Lotd Cheslcigh endlich aus. „Ob wohl jemals ein Mann unter solchen Verhältnissen seiner Liebe entsagen mußte? Wit können uns keinen Vorwurf machen, desto grausamer erscheint es mit,, daß ich Dich, das erhoffte Glück meines Lebens, verlieren soll."
Et sah Mathilde an, als ob er Hilfe vo» ihr erwartete. Nie zuvor waten ihre Züge ihm so edel, so schön erschienen. Ein tiefes Weh lag in den dunklen Augen, und ihre Stimme zitterte, als sie erwiderte: ,D<rs Leven mancher Menschen gleicht einem Trauerspiel: uns ist auch die Rolle in einem solchen zugeteilt, und wir müssen uns bestreben, sie so dutchzufühten, daß wir vor uns selber bestehen können."
Lord Cheslcigh schwieg. Die Worte Mathildens zerrissen ihm das Herz.
„Was die Zukunft uns auch bringt, Artur," begann das junge Mädchen wieder, „wir habe» doch einen schönen Traum geträumt und wolle» dankbar fein, daß wir uns gekannt und geliebt haben."
Langsam wandten sie sich dem Hause wiev« zu. Sie kamen überein, daß sie sich in Zukunft als Fremde begegnen müßten: sie hatten sich zu heiß geliebt, um als Freunde verkehren pi können. Beide hatten den festen Willen, streNG auf dem Wege der Pflicht zu bleiben. >
(Fortsetzung folgt)