mit dem Kreisblatt für die Kreise Mardmg und Kirckk^r^
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“O“ Ansertlon»gebühr: die gefpaltette 3cik über eerat iRwtt 15 „ 1on— Druck und Berlag: Joh. Log. Koch, UnivcrfitätS-Bnchdruckerel 42. Jahrg.
AeclaAm: die .W 80 Pfg. Sonntag, I. $^601061 1907» Marmrrz, Dior» 21. - Telephon öS.
Zweites Blatt.
Reichstagsabgeordneter Dr. Böhme über die Schutzzollpolitik.
L IlSchlutz.)
5 Meine Herren, Sie werden jetzt vielleicht sägen: warum wollen Sie denn jetzt nicht eine .Suspendierung der Eetreidezölle? Weil die Verhältnisse heute ganz anders liegen wie im Jahre 1891. Ich habe schon auf die gewaltige Preissteigerung der Produktionskosten hinge- »viesen. Ich möchte jetzt darauf Hinweisen, daß auch heute im Durchschnitt des laufenden Jahres He Preise für Weizen wie für Roggen um 20 Mark pro Tonne niedriger waren als im Jahre "91. Ich möchte ferner darauf Hinweisen, daß auch bte Wiedereinführung des Jdentitätsnach- rveises nicht zum Ziele führen würde. Es wird vielleicht dem Herrn Abgeordneten Scheidemann bekannt fein, daß die Wiedereinführung des Identitätsnachweises nach wissenschaftlicher Anschauung, wie sie z. B. in der neuen Auflage des Wörterbuchs der Volkswirtschaft niedergelegt Ist, zur Folge haben könnte, daß die Preise im Westen unseres Vaterlandes weiter steigen würben. Wenn ich also nur vom Standpunkt der westlichen Landwirte sprechen würde, könnte ich ja für eine Wiedereinführung des Identitätsnachweises sein. Aber ich habe auch die Konsumenteninteressen des Westens zu berücksichtigen und aus diesem Grunde mutz ich mich gegen die Wiedereinführung des Identitätsnachweises wenden, weil sie das Gegenteil von dem zur Folge haben würde, was der Herr Abgeord- nete Scheidemann gesagt hat.
Aber ebenso, wie wir uns gegen die Aus- Nahmetarife für die Ausfuhr von Kohle wenden 10 haben wir auch nichts gegen die Beseitigung der ermäßigten Ausfuhrtarife für Getreide.
Was uns aber ganz wesentlich veranlaßt, (legen die Vorschläge der Sozialdemokratie zu timmen, das sind die finanziellen Bedenken, die wir haben. Es ist schon darauf hingewiesen worden, in wie hohem Maße die Bedürfnisse der Reichs gestiegen sind, daß 150 Millionen Mark gebraucht werden. Wenn Sie jetzt, meine Herren, nur die Zölle für Roggen und Weizen aufheben würden, so würden Sie, wenn die Ein- fuhr nach Deutschland dieselbe bliebe wie im Men Jahre, einen Ausfall bis zu Anfang März von 30 Millionen haben. Es könnte vielleicht erwartet werden, daß infolge der argentinischen Ernte, wenn sie im März auf den Markt gelangt, eine Senkung des Preises eintreten wird. Aber ob das sicher ist, so sicher ist wie es der Herr Abgeordnete Paasche hier gemeint hat, das möchte ich doch nicht behaupten. Und wenn sie dann die Zölle aufheben wollen bis zu unserer eigenen neuen Ernte, so würden sie einen Ausfall an Zolleinnahmen von 130 Millionen Mark haben. Es würden dann also 280 Millionen Mark zu decken sein.
Meine Herren, ich bin mir nicht zweifelhaft darüber, daß bei einem solchen Fehlbetrag zu
.^ Marburg früher und heute.
Von L. Müller.
_ , . „ (Fortsetzung).
Durch den siebenjährigen Krieg entstanden neue Drangsalen für die Stadt, in der die Franzosen von 1757 bis zu dessen Ende Herr waren.
Obgleich, wie bereits ausgeführt wurde, das Innere von Marburg nicht schön genannt wer- den kann, so hat Pfister doch ganz recht, wenn er über bte altertümliche Stadt schreibt' In ganz Hessen hat die Natur einen so anmutigen Wohnort bereitet, Marburg liegt so recht im Schoße der Natur, in einer dichten Fülle von Berg und Tal, Fluß und Wald, Auen und Gärten. Das Ganze ist ein Lustgarten, verschönert durch die Kunst. Alles Schöne liegt so nahe und innig da, möge man aus der Stadt hinaus und hinab sehen, oder von den Höhen ringsum zu ihnen hinüber, wie sie an ihrem Berge herab bis zu dem Talboden sich ausdehnt. In der Tat, man betrachte Marburg, wie und wo man will, es bietet von allen Seiten immer ein anderes malerisches Bild und nach jeder Weltgegend eine andere reizende Aussicht. Es konnte daher nicht fehlen, daß, wie einst aus halb Europa die Pilger hierher zum Grabe der heiligen Elisabeth strömten, so mehr und mehr jetzt die Freunde der Natur und der heiligen Kunst dorthin ziehen werden."
Begrüßen wir nun noch die schönsten und merkwürdigsten Punkte von Marburgs Umgebung, von denen des Dammelsberges bereits gedacht wurde. In grauer Vorzeit soll hier eine «urg gestanden haben, dir Lassenburg hieß. Dicht vor der Elifabethkirche erhebt sich die Augustenruhe. im Bsltomunde die JDlinne" ae-
dem, was wir doch alle wünschen, zu der Erhöhung der Beamtengehälter nur sehr schwierig zu schreiten sein würde. Gerade im Interesse der Beamten müssen wir dafür eintreten, daß das Defizit, das schon vorhanden ist, nicht noch in einer derartigen Weise in die Höhe getrieben wird. Sonst würde er außerordentlich schwer werden, den weitergehenden Wünschen der Beamten Rechnung zu tragen. Da wir anerkennen, daß kein Stand so sehr unter der gegenwärtigen Hochkonjunktur, die, wie gesagt, nicht eine Ursache des Schutzzolls, sondern in der ganzen Weltkonjunktur begründet ist, leidet, deshalb wünschen wir, daß es möglich werde, die finanziellen Mittel zu erhalten, die zur Aufbesserung der Gehälter der Beamten beitragen. Das wird nicht möglich fein, wenn durch die Aufhebung der Eetreidezölle der Ausfall derartig vergrößert wird.
Nun noch einiges, meine Herren. Der Herr Abgeordnete Scheidemann hat es bestritten, daß die Löhne in der Industrie derartig gestiegen sind, daß die Arbeiterschaft die jetzige Teurung nicht besonders schwer empfindet. Ich möchte darauf Hinweisen, daß nach Aussprüchen sozialdemokratischer Organe doch die Arbeiterschaft in vielen Kreisen eine ganz erhebliche Aufwärtsbewegung ihrer Löhne erfahren hat. Bei den 190 000 Maurern, die in der sozialdemokratischen Organisation vereinigt sind, sind die Einnahmen gestiegen von 1895 bis 1905 pro Kopf um 236 Mark. Dazu bemerkt die „Münchener Post", bas Organ des Herrn Abgeordneten von Vollmar:
Die Verbesserung in der Lebenshaltung der organisierten Arbeiter Deutschlands drangt sich jedem ruhig Beobachtenden so stark auf, daß er auf alle theoretischen Argumente für die Notwendigkeit und den Nutzen der Gewerkschaftsbewegung verzichtet.
Eine Aeußerung des sozialdemokratischen Herrn Abgeordneten v. Vollmar!
Nach dem „Courier", dem Organ der sozialdemokratischen Transportarbeiter, ist der Wochenlohn der Rollkutscher gestiegen von 1896, wo er 15 bis 18 Mark betrug, bis zur Gegenwart auf 25 und 28 Mark; bei Müllkutschern von 16 bis 19 auf 39,50 Mark; bei Mehlkutschern von 18 auf 36 Mark, bei Arbeitskutschern von 15 auf 30 bis 33 Mark. Eie sehen, meine Herren, an diesen Steigerungen, daß der Abgeordnete Scheidemann sogar nach den Aeußerungen seiner eigenen Organe im Unrecht ist, wenn er eine solche außerordentliche Aufwärtsbewegung leugnet.
Meine Herren, wenn wir also auch nicht verkennen, daß natürlich die gegenwärtigen Preisverhältnisse schwer auf der konsumierenden Bevölkerung lasten, so sehen wir doch, daß im großen und ganzen die Wirtschaftspolitik, die wir vertreten, eine gesunde gewesen ist, und daß sie zur Aufwärtsbewegung aller Teile der Bevölkerung geführt hat.
(Sehr richtig! rechts.)
Die Sozialdemokratie sollte eigentlich nach den Erfahrungen, die sie im letzten Wahlkampf gemacht hat, etwas vorsichtiger auf diesem Gebiete der Agitaion sein.
(Sehr wahr! rechts.)
nannt, ein Spitzkegel, auf welchem, erinnernd an die Kurfürstin Auguste, die im Frühjahr 1814 hier weilte, ein Obelisk mit einer Inschrift angebracht ist. Die Fernsicht von dieser Höbe ist reizend, majestätisch liegt die Elifabethkirche au Füßen des Beschauers. Höher erhebt sich ein naher Berg mit Felsgruppen und mächtigen Eichen, die Kirchspitze, deren Namen die Sage doppelt deutet. Man sagt, die Türme der Eli- sabethkirche hätten der Höhe dieses Berges glerchkommen sollen, dann erzählt sie: Dort oben habe man mit dem Bau der Kirche begonnen, es sei aber über Nacht alles eingestürzt, was während des Tages gemauert wurde. Darin habe man einen Wink der Vorsehung erkannt, daß dieser Platz ungeeignet sei, und habe den rechten Platz durch Herabrollen eines Steines ermittelt. An dieser Stelle habe man nun die Kirche erbaut. Auf der Kirchspitze sowohl wie auf bet Augustenruhe wurden Ende vorigen Jahrhunderts Ausstchtstempel und Schutzhütten erbaut und bequeme Wege angelegt
Von bet Augustenruhe nach Norden erblickt man das Dorf Wehrda, man sagt, die heilige Elisabeth habe hier, ehe sie nach Marburg übersiedelte, ein Haus bewohnt. Hinter Wehrda liegt d« Weißenstein, auf welchem einst ein Raubschlotz stand, welches der Sage nach die Herzogin Sophie von Brabant mit Hülfe der Wehrdaer Bauern um 1249 zerstörte. Die Sage lautet: Auf einem hohen weißen Sandsteinfelsen, der Weißenstein genannt, welcher an der Krümmung bei Lahn hinter dem Dorfe Wrhrba liegt, wohnte auf seinem Raubneste ein Ritter, welcher den Reisenden, die die hinter seiner Burg herziehende Straße (die Weinsttaße genannt) passierten, ausplünderte und die Bauern in Wehrda arg peinigte, Pie Bauern
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Meine Herren, die ft^l-x.rotratische» Vertreter haben ja vielfach aftötitannt, daß Lüef» PolitL der Agitation gegen den sogenannten Fleischund Brotwucher eine verfehlte war. Z. B. Herr Kollege Eichhorn, der nach mir reden wird, wird sich gewiß daraus besinnen daß auf einer Tagung der badischen Soziamunokratte ein Vertreter sich äußerte:
Um diese Arbeit Sei bet Agitation zu erleichtern, ist es notrsenbig, baß unsere > Parteipresse etwas vorsichtiger in bet
Schreibweise ist. Die Parteipresse baif nicht bei jeder Gelegenheit mit Fleisch- und Brotwucher um sich t, elfen.
Und ähnliche Aussprüche sind dort gefallen. Ich möchte auch daraus Hinweisen, daß ein Vertreter der ostpreußischen Sozialdemokratie, Herr Genosse Linde, in der „Neuen Zeit" darauf hinge- wiesen hat, welche schlechte Erfahrungen man in der ostpreußischen Agitation mit dem Fleisch- und Brotwuchergeschrei gemacht habe, und auch er fordert, daß man vorsichtiger vorgehen soll.
Nun, meine Herren, wir stehen auf dem Standpunkt, daß allerdings, wie bei Heu Staatssekretär schon ausgefühit hat, Verhältnisse eintreten können, unter denen auch wir mit einer zeitweiligen Suspension der Eetreidezölle einverstanden sein könnten. Aber wir verhehlen uns auch nicht die Tatsache, daß Frankreich in dieser Beziehung keine günstigen Erfahrungen gemacht hat. Frankreich hat vielfach diesen Versuch gemacht, und jedesmal, wenn es ihn machte, sind die Preise nicht gesunken, sondern sie sind gestiegen, und erst nachdem man die Zölle wieder eingeführt hat, ist ein Sinken der Preise eingetreten. Also auch das französische Beispiel veranlaßt uns in keiner Weise zu einer Nachahmung der Politik, die dort getrieben worden ist.
Nun, meine Herren, zum Schlüsse noch eins! Es wird immer von bei Sozialdemokratie die gegenwärtige Gesellschaft verantwortlich gemacht füt Mißstände, die aus irgend einem Gebiete vorhanden sind. Es wird skrupellos jetzt die Schutzpolitik angegriffen, wie zur Zeit, als wir den Freihandel hatten, dem Freihandel und bet Freihandelspolitik die Schuld in die Schuhe geschoben wurde. Im Jahre 1875 hat der sozialdemokratische Abgeordnete Hasselmann, also in einer Zeit, in der wir den Freihandel hatten, in der also keine Belastung durch Zölle vorhanden war, folgendes ausgeführt:
Tatsache ist, daß fast jedes Produkt, welches von dem arbeitenden Volke, tesp. von den niederen Beamten konsumiert wird, infolge des Andranges der Massen nach den Großstädten, in einer Weise im Preise gesteigert worden ist, wie man dies nimmer vor 20 Jahren oder selbst vor 10 Jahren geglaubt hätte. Das Brotkorn wird vom Konsumenten des Brotes nicht mit dem Preise bezahlt, für welchen es der Bauet etwa produziert, sondern die Preise aller Lebensbedürfnisse, des Brotes, der sonstigen Nahrung, vor allem der Speisen in den Restaurationen, sind gänzlich vom Zwischenhandel abhängig und daher in einer unberechenbaren Weise gesteigert, je dichter der großstädtische Verkehr ist. Ich kann aus eigener Erfahrung
wußten, daß dieser Wegelagerer den Schwerttanz über alles liebt«, und erschienen einst vor seiner Burg und baten um Einlaß, unter dem Vorwande, einen Schwerttanz vor dem Ritter auführen zu wollen. Willig öffnete man das Tor und ließ die Bauern ein. Kaum hatte jedoch der Tanz begonnen, als die Bauern mit ihre» Schwertern über den Ritter herfielen und alles niedermachten, worauf sie die Burg anzündeten und zerstörten. Das Burgfräulein soll aber mit ihren Schätzen den Berg hinab geeilt und in die Lahn gesprungen sein. Alle sieben Jahre erscheint an dieser Stelle ein goldenes Rad auf dem Wasser. So lautet die Sage. Die Land- gräfin soll den Bauer ein großes Stück Wald für ihre Mithülfe an der Zerstörung des Näub- schlosses geschentt haben.
Wenden wir uns von Augustenruhe nach Westen, da entfaltet sich ein liebliches Landschaftsbild, das kleine Mariachtal mit seinen malerischen Vergkup;'»n und bep Dörfchen Marbach, in welchem, «uie ermähnt, seines trefflichen Wassers halber, 1840 ven dem Kreisphystkus Dr. Zusti eine Wasserheilanstalt errichtet nrde. Das herrlichste Panorama über bie Stadl selber und ihre Umgebung bis zur weitesten £.m genießt man von dem Lahnberge, von Spiegelslust, ehemals „Köhlersruhe", nach dem alten 1821 Jp;«m6enen Registrator Köhler, später nach dem Domherrn von Spiegel zu Dasenberg, welcher in Marburg studierte und diesen Puntt mit Anlagen und einem Tempel ausstattete, Spiegelslust benannt. Vor uns breitet sich hier das Lahntal aus wie ein bunter Garten. Im Süden winkt der Frauenberg nebst der Wittelsberger Warte zu uns herüber, von Südwest der Staufenberg und Gleiberg bei Gießen und in der Ferne bet Tau
mitteilen, daß im Laufe der letzten 6 Jahr» . auf diese Art die Lebensmittelpreise minde
stens um 75 bis 80 Prozent in Berlin «fr geschlagen sind. ■
(hört! hört! rechts),
die Wohnungsmieten aber noch mehr. ~ x Meine Herren das war die Zeit des Freihan- dels, und er fährt bann fort:
Ich Habs es Ihnen vorgefühtt, baß man gegenwärtig fast in jeder einzelnen Rum« mer in den Berliner Zeitungen Selbst- : moidfälle aus Nahrungssorgen reproduziett findet. In England ist dies seit langer Zett an der Tagesordnung gewesen.
— In England, diesem Ideal des Freihandels! —
3>n Deutschland sprach man immer von glücklichen deutschen Verhältnissen. Aber jetzt ist ganz im Stillen dieses englische Elend auch über Deutschland gekommen. Ich schreibe allerdings nicht einigen wenigen Personen die Schuld an der Handelskrisis
1 x zu. Nein, nicht einzelne Personen tragen :• dieselbe, sondern die ganze herrschend«
Klasse der liberalen Bourgeoisie.
(Heiterkeit.)
Es trifft daher vor allem die Träger de» Systems die Schuld.
Also, meine Herren, je nachdem, ganz gleichgültig, ob wir Freihandel oder Schutzzölle haben, ganz gleichgültig, wie die Weltmarktoer, hältnisse sich gestalten: findet eine Preissteigerung statt, dann schieben die Herren die Schuld daran natürlich nicht den Verhältnissen zu, son- dern sie machen dem Bürgertum den Vorwurf, denjenigen Parteien, die über die Politik des Reichstages entscheiden, die die Mehrheitsparteien dort sind. Aber gerade dieses Beispiel wird die Möglichkeit dafür geben, zu erkennen, was von Ihrer Agitation zu halten ist, daß Sie Ihre Reden nicht halten, um wirklich die Interessen der breiten Masse» unseres Volkes zu fördern, sondern lediglich, um Ihren Agitationsbestrebungen zu dienen.
(Lebhaftes Bravo rechts.)
Deutsches Reich.
— Zur Reichssinanzlage wird von wohlunterrichteter Seite Folgendes hervorgehoben. Bei der Beurteilung der Reichsfinanzlage wird man nicht blos von der Gegenwart ausgehen dürfen, die wohl am besten dadurch charakterisiert wird, daß die zur Tilgung der Reichsschuld in den Etat für 1908 eingestellten nahezu 24 Millionen Mark durch das Etatsgesetz gestrichen werden, weil mit Recht nicht die Einzelstaaten auch noch die Reichsschulden bezahlen sollen, sondern man wird auch die Zukunft in Betracht ziehen müssen. Ein Puntt, der dabei scharf ins Auge springt, betrifft den Reichsinvali- d e n f 0 n d s. An die Sanierung dieses Fond» ist man auf Betreiben des jetzigen Reichsschatzsekretärs schon vor einigen Jahren herangette- ten. Damals übernahm man, nachdem durch bie Anweisung der verschiedensten früher nicht vorgesehenen Ausgaben auf den Fonds dessen recht schnelle Aufzehrung sicher geworden war, einen Teil dieser Ausgaben auf den allgemeine»
nüs. Westlich liegt Burg Hohensolms, im Norden das Städtchen Wetter und Battenberg, sowie die Ruine NieU .au. Nach Osten Amöneburg, Schweinsberg und Homberg a. O. Ein noch mannigfaltigeres Rundgemälde entfaltet sich vor uns auf dem Frauenberg der höchste« Kuppe des Lahngebirges, auf welchem die Herzogin Sophie 1252 eine Trutzfeste gegen bie mainzische Amönebnrg erbauen ließ, die sie Frauenberg nannte. Die Burg, zu welcher da» nahe Wittelsberg mit seiner alten Warte gehörte, ist jetzt eine unansehnliche Ruine. Ai» Fuße des Berges finden sich mehrere Höfe französischer Kolonisten, die sich 1687 als Flüchtlinge hier niederließen und Nachkommen des Leib«; arztes Ludwig IV. sein sollen. i
Unterhalb des Frauenberges lag eine Kapelle, welche jetzt vom Erdboden verschwunden! ist und deren Standpuntt ein einfacher Stehr bezeichnet. An dieser Stelle wurde am 30. Juli 1233 der Ketzerrichter Konrad von Marburg von Ritter von Dernbach erschlagen. Der Weg von Marburg führt von hier durch den Einstrittersgrund, wo früher ein Einsiedler gehaust hat. Weiter kommt mmt an den großen und kleinen Forstgarten, in welchem sich das Grab des Oberforstmeisters »0«. Wildungen befindet. Die waidmännische Ernsts deckt eine Pyramide von Waldsteinen und eine Säule mit bet Inschrift: „Hier ruht der Be, schützet bet Wälder, der im Leben selten geruhet; hat!" In nächster Nähe befindet sich die sogen.; Schanze, eine Erinnerung an den siebenjährige« Krieg, sowie bet „Glaskopf", ein altes Stein»; gebäude, und die Ruine von einer Warte. Deffj Elaskopf und der Schwanhof gehörte« beeii Staat und waten ein gräfliches Vorwerk. J
^Fortsetzung folgt).