mit dem Kr^iMati für die Kreise Marburg und Kirckkaiu.
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Marburg
Sonntag, 1. Dezember 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag. Joh.Lug.Koch, UniversttLlS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
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42. Jahrg.
Viertes Blatt.
I
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Cassel, 29. Nov. Auf behördliche Anordnung sind sämtliche beim Eisenbahn- und Tunnelbau Winterberg-Buhlenwegen beschäftigten kroatischen Arbeiter entlassen und als lästige Ausländer ausgewiesen worden.
Fulda, 29. Nov. Der gestrige Viehmarkt, der letzte diesjährige, war vom Wetter ausserordentlich begünstigt und von Landwirten aus der Umgegend gut besucht. Es standen am Platze 28 Ochsen, 2 Bullen, 283 Kühe, 62 Stiere, 70 Rinder, 58 Kälber, 29 Pferde, insgesamt 533 Tiere. Von den Pferden abgesehen, war der Futterzustand im Durchschnitt ein sehr guter. Die Preise sind, wic wir gestern schon mittetlen konnten, bei allen Tiergattungen zurückgegan- gcn, der Handel war wenig lebhaft. Das Paar Ochsen wurde bis zu 900 Mark bezahlt, Stiere mit 600 Mark. Kühe galten bis 380, Rinder Ms 240 Mark das Stück. (Fuld. Ksbl.)
Fulda, 29. Nov. Der Wächter am Stadt- »farrkirchenturm meldete der Alarm-Zentrale der Feuerwehr, dass auf der Domäne Ziehers ausserhalb der Stadt ein grosser Brand ausgebrochen sei. Es standen die umfangreil^n Scheunen, die mit Heu- und Strohvorräten bis ans Dach gefüllt waren, in hellen Flammen. Der herrschende Südwind trieb die mächtigen Flammen nach jener Seite, wo keine Gebäude mehr standen,' bei nördlicher Windrichtung wäre wohl die ganze Domäne ein Raub der Flammen geworden. Eine Dreschmaschine, Wagen und etwa 800 Ztr. ungedroschener Hafer wurde vom Feuer vernichtet. Vieh ist nicht zugrunde gegangen, Schafe und Schweine wurden auf die Wiesen und Felder getrieben. Gebäude und Vorräte waren versichert. (Fuld. Ztg.)
Wiesbaden, 29. Dez. Der Bismarckturm, Zessen Errichtung am Bierstadter $erg geplant ist, kommt nach den in der letzten Sitzung des Ausschusses gemachten Mitteilungen 800 Meter festlich von der Bierstadter Warte zu stehen And wird von einem 26 000 Quadratmeter großen Platze umgeben sein, auf welchem patriotische Veranstaltungen abgehalten werden kön- «en. Der Turm soll 25—30 Meter hoch werden.
Giessen, 29. Nov. Der italienische Arbeiter Eugen Sperazion brachte sich heute morgen in feiner Wohnung, Asterweg 7, in selbstmörderi-
Das Deutsche Haus St. Elisabeth, i Ein geschichtliches Bild aus Marburgs ü Vergangenheit.
f Von Dr. SB. Bücking.
l Fortsetzung.)
Infolge des zwischen dem Landgrafen Philipp Und dem Landkomtur Wolfgang Schutzbar, genannt Milchling, enstandenen Zerwürfnisses hatte letzterer seinen Sitz nach Mergentheim verlegt. Nachdem im Jahre 1543 der Deutschmeister Walter von Cronberg Todes verfahren war, wurde Wolfgang zum Deutschmeister und Johann von Rehen zum Landkomtur der Ballei Hessen erwählt. Diese Gelegenheit benutzte nun Landgraf Philipp, um noch einmal als Ursurpa- :or gegen den Deutschen Orden vorzugehen, in- >em er das Deutsche Haus inventieren liess, ämtliche Ordensgüter mit Beschlag belegte und >em Landkomtur von Rehen den Einzug in das hiesige Ordenshaus verwehrte. Als Kaiser * Karl V. hiervon Kenntnis erhielt, erliess er am 8. August 1543 einen Befehl an alle Stande des Reiches, worin er ihnen bei hoher Strafe verbot, den Landgrafen Zinsen rc. von Ordensgütern in ihren Gebieten erheben zu lassen.
Um fein Tun zu rechtfertigen, sandte Philipp hierauf einen Gesandten mit einer Instruktion an den Kaiser, in der er erklärte, dass er diesen Schritt nur getan habe, um der Veruntreuung der Ordensgüter in der Verwaltung und dem unchristlichen Leben im Deutschen Hause ein Ende zu machen. Er sei nicht willens die Ordensgüter für sich zu behalten, sondern sie nur ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäss verwalten zu lassen und sei bereit, die Beschlagnahme sofort aufzuheben, wenn der Orden sich christlich reformieren lasse und die Ordensleute ihr unchristlich Leben abftellen würden. Nach längeren Verhandlungen kam es schliesslich am 24. Juli 1545 in Cassel zwischen dem Landgrafen und dem Deutschen Orden zu einem Vergleich. Nach demselben hob Landgraf Philipp die Beschlagnahme der Ordensgüter auf, berief die Aufseher nach getaner Rechnung ab und gestattete nunmehr den Einzug des Landkomturs von Rehen in das Deutsche Haus, dagegen er- kannte der Orden die in der St. Elisabethkirche tznd in der Pfarrkirche eingeführte Reformation
Bücherjchau.
** Der Feind im Land? Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71. Nach dem Tagebuche von Franzosen herausgegeben von Ludw. Halevy. Deutsche autorisierte Uebersetzung von Dr. Altona. 6. Auflage. Preis 1,50 JA. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30. — Wenn von einem derartigen Buche in wenigen Jahren 6 starke Auflagen gedruckt werden können, so ist das sicher ein Beweis, dass dasselbe grossen Verfall unter den vielen Freunden von Kriegs- erinnerungen gefunden hat. Und in der Tat verdienen diese von Franzosen herrührenden Schilderungen aus dem letzten Kriege einen
Grund, dessen Denken und Dichten ist faul auf den Grund." Der Metzger aber war nicht faul und redete auch: „Mir scheint. Du hast einen bösen Mund, das ist genügender Kündigungsgrund" ünd sagte ihr die Stelle auf. Nun ging Anna ans Stellesuchen, wobei sie von einer auswärtigen Vorstellung nachts spät zurückkam und das Tor verschlossen fand. Sie schellte und rief, aber niemand machte auf, sodass die verlassene Dichterin die Nacht im Hotel zubringen musste. Am andern Morgen trat sie natürlich sehr ungereimt auf und machte einen Mordsspektakel, dass ihr Pegasus scheute und davon flog. Einer Aufforderung, ins Geschäft zu komme«, leistete sie keine Folge und wurde entlassen. Ihre Klage auf 126 Mark Entschädigung findet beim Kaufmannsgericht keinen Anklang, denn sie hätte der Aufforderung, ins Geschäft zu kommen, auch auf die Gefahr der Entlassung folgen sollen. Der angedichtete Metzger gibt 50 Mark Entschädigung, womit die Dichterin zufrieden sein kann.
Ein Landstreicherkongreh. In Cumberland im Staate Maryland findet gegenwärtig einer der merkwürdigsten Kongresse für —-Armenpflege statt, den die Vereinigten Staaten je gesehen- Jn den Außenbezirken der Stadt versammeln sich Abgesandte der über das ganze Land verzweigten, ohne Statuten und offizielle Aller- kennung in festem Zusammenhang bestehenden „Brüderschaft der Tramps". Die Beratungen gelten vor allem der Vereinbarung eines neuen Systems, die Häuser zu „zinken" (mit Geheim- zeichen zu versehen), deren Bewohner sich als wohltätigen Sinnes bewährt haben. Die sonderbaren Kongreßteilnehmer find mit Geld teuf, lich versehen, und der Whiskyumsatz steigt. Die Bewohnerschaft ist von dem Zusammenstromen so zweifelhafter Elemente wenig erbaut, doch ist die Ruhe bisher nicht gestört worden.
scher Absicht einen Revolverschuß in die rechte Schläfe bei.
Darmstadt, 29. Nov. Der Landwirt Schneider aus Heppenheim, welcher sich zum Zwecke ärztlicher Behandlung hier aufhielt, stürzte heute nacht gegen 1 iHr aus dem dritten Stockwerk eines Hauses der Frankfurter Straße und starb auf dem Transport nach dem Krankenhause.
Allen«, 29. Nov. In dem Walde zwischen Altena und Iserlohn ist gestern die 15Z^jährige Hedwig Hartmann von Hagen mit durchschnittenem Halse tot au^efunden worden. Das Mädchen war mit einem Manne, der sich als Landwirt aus Altenhundem vorstellte und vorgab, dass sein Bruder in Altenhundem eine Stelle als Buchhalterin zu besetzen habe, abgereist, um sich um die Stelle zu bewerben. Wie es dem Mörder gelungen ist, das Mädchen in den Wald zu bringen, ist noch nicht ermittelt worden.
Vermischtes.
Reifen nach Algier. Eine vorzügliche 5teife-; gelegenheit nach Algier bieten neuerdings die ostasiattschen Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd in Bremen, welche von jetzt ab sowohl ausgehend wie einkommend alle 14 Tage diesen interessanten nordafrikanischen Hafen anlaufen. Algier bietet eine Reihe von hervorragenden Sehenswürdigkeiten. Die weitere Umgegend der Stadt ist auf Eisenbahnen und in gutem Zustande befindlichen Chausseen, die auch für den Automobilverkehr geeignet find, leicht zugänglich. Die Fahrpreise betragen für die Reise von Bremen, Hamburg, Rotterdam und Antwerpen nach Algier 290 JL erster Klasse, 190 JA zweiter Klasse und 80 JA dritter Klasse; von Southampton 230 «M, 150 JA. bezw. 70 JA, von Gibraltar 80 JA, 50 JA bezw. 30 JA, und von Genua 90 JA, 60 M bezw. 40 JA, zuzüglich einer Primage von 10 Proz.
Di« Dichterin. Der „Franks. Generalanz." erzählt folgendes niedlich« Eeschichtchen: Schön Aennchen war Verkäuferin in einem Wurstladen, aber sie war noch mehr, nämlich eine Dichterin, deren Werke mit Ausschluss der Oef- fentlichkeit erschienen. Eines Tages hatte sie ihr Prinzipal wegen eines Fehlers zur Rede gestellt. Was tut Aennchen? Sie greift in ihrer Saite tönend Erz und macht ein Gedicht, legt es auf den Hackklotz, wo es auch hingehört und der Wurstkommandant es finden muß. Das Poem lautete also: „Wer Misstrauen heget ohne ~~~~......
an und verpflichtete sich, statt der vielen Priester acht Stipendiaten an hiesiger Universität zu unterhalten. Nach einer vom Landgrafen erlassenen Verfügung mußten die Stipendiaten an Sonn- und Festtagen des Morgens vor der Predigt und des Abends zur Vesper in der Deutsch- hausttrche etliche geistliche Lieder, Psalmen und Lobgesänge singen.
Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Deutschen Hause waren durch das Verhalten des Landgrafen Philipp gegen letzteres unterbrochen worden und hatten somtt für alle Zeiten ihr Ende erreicht. Das Streben, das Deutsche Hau» aus seiner Unabhängkeit und aus seinen Freiheiten und Gerechtsamen zu verdrängen und der Landesherrschaft unterwürfig zu machen, zieht sich durch die Geschichte des Hauses bis zur Auflösung des Deutschen Ordens hin.
Kaiser Karl V. nahm von vornherein Stellung gegen die Reformation und behauptete diese auch bis zu seinem Tode. Den Riss, welche die Reformation in die abendländische Kirche gemacht hatte konnte er nicht verschmerzen, weshalb es sein sehnlichster Wunsch war, eine Vereinigung der getrennten Kirchenparteien in den Deutschen Landen wieder zustande zu bringen. Z. dem Ende liess er von mehreren Theologen eine hieraus bezügliche Schrift, die unter dem Namen „Interim" bekannt geworden ist, ausarbeiten und dem Reichstag zu Augsburg vorlegen, der sie als Reichsgesetz am 15. Mai 1548 publizierte.
Zur Zeit der Bekannrmachung des Interims befand sich Landgraf Philipp zu Oudenarde in der Gefangenschaft des Kaisers, in die er in der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg im Jahre 1547 geraten war. Auf freiem Fuße würde er aus begreiflichen Gründen Verwahrung gegen die Einführung bc- Interims gelegt haben, so aber, weil er glaubte, seine Freiheit dadurch zu erlangen, zeigte er sich gefügig ued befahl durch eine Verordnung vom 1. August 1548 die Einführung und Befolgung des Jntettms in der hessischen Kirche.
Sobald jene landgräfliche Verordnung in Hessen bekannt, hielten die Geistlichen und die Landstände Versammlungen, um zu beraten, wie man sich zu verhalten habe, erstere in Cassel und Marburg, letztere am Spieß bet Spietzkappel.
Die Mehrzahl der Geistlichen war gegen die Einführung des Interims, während die Landstände sich für dessen Einführung erklärten. Unter den hiesigen Pfarrern hatte nur der von Landgraf Philipp im Jahre 1545 an die St. Elisabethkirche bestellte Pfarrer Professor Dr. Theobald Thamer das Interim anerkannt und auf Befehl des katholischen Landkomturs von Rehen in genannter Kirche eingeführt. Thamer» Amtstätigkeit in Marburg war jedoch nur von kurzer Dauer. Am 2. August 1549 erhielt et wegen verschiedene! gegen ihn erhobenen Beschuldigungen" seinen Abschied, verließ Marburg und ging später in Mainz öffentlich zur katho- lischen Kirche über. Nach seinem Abgang fun. gierten weiter in der Elisabethkirche die vier Geistlichen des Landkomturs von Rehen. Nachdem Landgraf Philipp aus seiner 5jähttgen Hast entlassen war bestellte er zum Pastor an die St. Elisabethnrche den Professor Dr. vartholo- mäus Meyer, der die Ausübung des Augsburger Bekenntnisses vom Jahre 1530 wieder ein» führte.
Rach Einführung der Reformatio« war es den Evangelischen von Adel gestattet, auch ohne vorherige Ablegung der Gelübde in den Deutschen Orden einzutreten. Zur Zett de» Mittelalters, wo der Deutsche Orden die glänzendste« Taten verrichtete, begnügte man sich bei der Ahnenprobe der in den Orden aufzunehmenden Ritter mit vier Slhnen, nach Einführung der Reformation, wo der Orden bereit» im Sinke« war, verlangte man acht Ahnen und nach dem Lvjähttgen Kriege bi» zur Auflösung des Ordens 16 Ahnen.
Wie bereits bemertt, wurden die Lemter im Deutschen Hause von Brüdern desselben verwaltet. Nach Einführung der Reformation gestalteten sich die Verhältnisse ander» und e» traten nunmehr im Laufe der Zeit weltliche Beamte in deren Stellen ein. Daraufhin waren Familienwobnungen im Deutschen Haus« Mit Notwendigkeit geworden, und es entstanden da. selbst Neu-, An- und Ueberbauten. Ein Neubau erhob sich recht» neben dem Haupttor und ein zweiter außerhalb der Umfassungsmauer am Mühlgraben. Anbauten erhielten da» Herrenhaus im Norden und Süden und das Waffen- jaus, und «inen hölzernen Ueberba« erhielt
solchen Erfolg, denn selten find wir so lebendig geschriebenen Kriegsbericht« begegnet. Fran. Mische Soldaten erzählen hier das Leben auf dem Marsch, im Gefecht, im Lager, und lassen ihre Hoffnungen, ihre Stimmungen während der verschiedenen Phasen des Krieges an unterem Auge vorüberziehen.
** Blau Paul, Kons.-Rat u. S>ofpwb, Und dann? Zehn biblische Betrachtungen über die persönliche Vollendung. Nebst einem Anhang: Ist Christus wirklich auf erstanden? Geh. 2 JA, geb. 2.80 JA. Es ist das SBefen des ewigen Lebens und damit das tiefste Verständnis menschlichen Lebensziels und unjetei Christenhoffnung, das Blau aus den Ausstrrü- chen der Heiligen Schrift beleuchtet. Die Tiefe und Klarheit des Gedankeninhalts und di« Schönheit der Form, die wir an ihm gewöhnt sind, vereinen sich mit der für den Gegenstand besonders gebotenen nüchternen Besonnenheit. Und gerade dieses gestattet es dem Leser, sich der Führung des Buches ganz anzuvertrauen und Ewigkeitslicht zu schauen. Viel Lebensfreudig- leit wird von diesem Buche ausgehen, und fut Trauernde viel Trost.
** Nassauisches Dichterbuch. Herausgegeben von Hans Ludw. Linkenbach, Verlag der Kesselttngschen Hofbuchhandlung (E, v. Meyer), Leipzig-Frankfurt a. M. Prei« eleg. geb. JA 4.—. Diese sorgsam ausgewählte, alles Diletantische streng vermeidende Anthologie ist das Produtt echter Heimatkunde. Ihr Herausgeber, der in weiteren Kreisen bekannt« und geschätzte Lyriker Hans Ludw. Linkenbach, bringt hier charakteristische Stichproben des lytischen Schaffen» seiner engeren Landsleute, um — wie er selber im Vorwort bemertte — zu beweisen, „daß der ewig junge Born deutscher Dichtung in unserer Heimat, von der einst Goethe ausging, auch heut« noch quillt". Nicht weniger als 22 Autoren sind im nassauischen Dichterbuche mit Beiträgen vertreten. Unter den Mitarbeitern sind viele Namen von gutem Klang, wie Ludwig Fulda, Josef Laufs, Rudolf Presbet. Das gut ausgestattete, mit wohl, gelungenen Bildern nassauischer Städtchen und Burgen geschmückte Buch sei somit warm em» pfählen.
OeffenMche Feirermelvestelleu befinden sich: Im Elektrizitätswerk, RudoUsplatz, in der Gasanstalt, im Hotel Pseiffer, im Kontor des Spediteurs August Heppe, Sckwanallee, in der Wohnung des Stadtrats Binder, WUhelmsplatz und aus der Polizeiwache^im/Kathhaus. [
Verantwortlich für die Red- r. Dr. Johannes Otto in Marburg.
das im Westen den Oekonomiehof abschließende innere Tot.
Als Landgraf III. von Obethessen im Jahr« 1568 auf hiesigem Schlosse einen neuen Turm und ein neues Uhrwerk zum besten der Stadt und bet Umgegend zu errichten beabsichtigte, be- gehtte et dazu vom Landkomtur von Rehen eine große Glocke von bet St. Elisabethkirche, bi« man weit hören könnte. Der Landkomtur ver. weigerte dies, stellte aber dem Landgrafen zwei kleine Glocken vorn Turme des Elisabethhospitalq und zwei dergleichen von den Ordenshöfen, Kapelle genannt, bei Beltershausen gelegen, zur Verfügung, au» denen sie sich eine großes Glo« unfertigen ließ«, welches Anerbieten dankend angenommen wurde.
Einige in bet Nähe Oberhessens auf ehemali. gern Kur-Mainzischen Gebiete gelegenen Ott- chaften mit hessischen Kirchenpatronaten hatten ich im Jahre 1527 mit ihren Pfarrern bet Re- örmation zugewandt. Ginseldorf war eines liefet Dörfer, dessen Kirchenpatronat dem Deut- chen Hause zustand. Als im Jahre 1598 durch >en Abgang de» zeitigen Pfarrers Magister Happel die Pfarrei erledigt worden war, be. nutzte der Dechant auf Amöneburg diese Gelegenheit und machte von deren Vakanz dem Deutschmeister Erzherzog Maximilian von Oesterreich Anzeige. Infolgedessen verbot dies« dem Landkomtur Wilhelm von Oeynhausen, dem b ritten Landkomtur lutherischer Konfession nach Johann von Rehen, bei einet Strafe von 1000 Gulden einen evangelischen Pfarrer t« Ginseldorf zuzulassen. Der Landkomtur batte kein« Lust, sich einer so hohen Strafe zu unterwerfen und verhinderte nicht, daß Mainz etnei katholischen Priester nach Ginseldorf schickt«. Auf dies« Weile ging bas Kitchenpattonat dem Deutschen Hause verloren.
Im Jahre 1599 stattete bet Deutschmeister Erzherzog Maximilian von Oesterreich beut Deutschen Hause einen Besuch ab. Wir ersehe« btes aus einem Eintrag im hiesigen Ratsproto- koll vorn 4. Oktober, der fiolgendermaßeH lautet: „Weil denn heutigen Taae» der ®ry Herzog von Oesterreich, der Deutsche Meistev anbet» ist kommen und bi« Bürger in bet Rüsts ung auf sein und stehen müssen, ft ist «Xitel nicht» gehandelt worden," _
—------ Fortsetzung folgte ,