deres wisse sonst von diesen Dingen. Das Ehrengericht werde folgen. Mit der Beteiligung an den Vorgängen in der Villa, welche Bollhard: in drs Jahr 95/96 verlegt, habe Lynar nichts |u tun. Sein Vergehen, weswegen er verabschiedet wurde, sei gewesen, daß er seinen Burschen unzüchtig ansatzte, nichts weiter. Vor die Kommandantur geführt, habe Lynar das zu- gcgebrn. Der Kommandant habe die Auffassung gehabt, dem Major zu sagen, er habe sich un- rnc'lich gemacht, weiter Offizier zu sein und solle seinen Abschied einreichen. Das Abschiedsgesuch sei vom Kaiser genehmigt worden. Da ein Grund vorlag, die Dienstunsähigkeit bescheinigen zu können, erfolgte die Gewährung der Pension. Wegen der Verfehlung Eulenburgs habe Redner an maßgebender Stelle an- gefragt. Die Antwort sei durchaus negativ ausgefallen. Mit der Besetzung der Kommandantur und der Stelle des Chefs des Eeneralstabes durch die beiden Moltkes habe Fürst Eulenburg nichts zu tun gehabt, ebensowenig wie Herr Harden. Graf Moltke hat die homosexuelle Bestätigung weit von sich gewiesen. Gerüchte dürfe man nicht zu Anklagen aufbauschen. Man muß suh vor allen furchtbaren und bösen Ilebertreib- b-.gen hüten. Wenn Einzelfälle existieren, so müssen die Betreffenden entfernt werden. Die Gesamtheit bleibt gesund. (Bravo!) Wir fürchten Harden nicht, auch nicht den neuen Prozeß, frringt er neue Sünder auf die Anklagebank, so müssen wir sie abstreifen, daß wir rein und gereinigt dastehen und nicht noch Sünder unter der Decke lassen. (Bravo!) Innerlich ist das Offizierkorps gesund. Wenn die Triebe der Homosexualität auch von gewissen wissenschaft- kichen Seiten als natürlich und gleichberechtigt hrngestellt werden, so muß ich doch sagen, mir find die Leute ekelhaft und ich verachte sie. (Bravo!) Ein solcher Mann darf nie und nimmer Offizier sein. (Bravo!) Er gefährdet die Disziplin und vergeht sich gegen seinen Eid. Solche Leute müssen ihren Abschied nehmen. Wo ein solcher Mann gefaßt wird, wer er auch sei, er muß vernichtet werden. (Lebh. Beifall.)
Fürst Hatzfeld (Reichsp.) führt aus: Nachdem in Südwestafrika Frieden eingetreten ist, hoffen wir, daß auch bezüglich dieser Kolonie ein besseres finanzielles Ergebnis sich ergeben werde, Hebet das schnellere Tempo in dem Ausbau der Flotte freuen wir uns. Ein Teil meiner Freunde wünscht sogar ein noch schnelleres Tempo; doch muß man nicht päpstlicher als der Papst sein. (Sehr gut!) Der Leamtenver- mehrung muß möglichst Einhalt getan werden. Vesser wäre es gewesen, wenn der Reichsschatz- fekretär mit den Steuerplänen nicht so geheimnisvoll getan hätte. In der Frage der direkten Reichssteuer hasse,» w.r das Wort „niemals", sonst könnte es komn.en, daß wir im nächsten Jahre dies in ein „jemals" umändern müßten. (Hörti Hört!) Einer Branntweinsteuer stimmen wir auch zu, wenn die Brenner nicht dar- entet leiden. Dem Kriegsminister danke ich für {r'ne freimütigen Ausführungen über die trau- ^grn Vorgänge der letzten Zeit. Der Block ist vollständig einig und steht nicht, wie Herr Bebel «einte, vor seinem Verfall. Dank schulden wir dem deutschen Vertreter aus der Friedenskon- fcrenz. (Beifall rechts.)
Reichskanzler Fürst Bülow erklärte zunächst tuf einige Fragen der auswärtigen Politik ein- gchen zu wollen, welche Fürst Hatzfeld berührt hatte; auf die Blockpolitik werde er später zu- rückkommen. Die Unruhen in Marokko haben in Casablanca einen besonders ernsten Charal- te- angenommen. Eine Anzahl Europäer, meistens Franzosen, find dem Fanatismus einer erregten Volksmenge zum Opfer gefallen. Ich erkenne mit Dank an, daß die spanische und die französische Regierung un» rechtzeitig von der von ihnen beabsichtigten Aktion in Kenntnis gesetzt hL.-r». Daß wir dieser Aktion keine Hindernisse in den Weg legen, ist selbstverständlich. Für uns folgt die Pflicht strenger Zurückhaltung. Leider hat das französische Vorgehen auch in einer Schädigung deutscher wirtschaftlicher enb sonstiger privater Interessen geführt. Die Schäden waren so ernstliche, daß ich mich, vorbehaltlich der nachträglichen Zustimmung des Hauses, entschloß, aus Reichrmitteln 250 000 Mark Beihilfe zur Verfügung zu stellen. Die weitere Regelung der Schäden wird voraussichtlich eine internationale Kommission beschäftigen. Die Ereignisse in Casablanca haben auch eine andere Frage in Fluß gebracht, nämlich die Organisierung der Polizeitruppen in den marokkanischen Häfen. Die französtsche und die spanische Regierung sind in dieser Beziehung an die anderen Signatarmächte herangetreten. Unseren Standpunkt haben wir in einer Denkschrift präzisiert. Inzwischen ist in den Verhältnissen in Marokko ein gewisser Stillstand eingetreten. Wir werden die wettere Entwicklung mit ruhi- ger Reserve beobachten im Vertrauen auf die Loyalität der französischen Regierung. Die Grundlage der hoffentlich bald wiederkehrenden ruhigen Zustände wird die Algecirasatte bilden. Man hat gesagt, daß Deutschland in den letzten Jahren zweimal vor der ernste» Gefahr eine« Krieges gestanden hat: Einmal während der Marokkowirren, da« ander Mdl im Jahre 1904 «ach der damaligen Mittelmeerreise der Kaisers. Am Marokko hätten wir ebensowenig einen Krieg geführt wie 1870 wegen der spanischen Königskandidatur. (Ee wäre kindlich zu glauben und tendenziös, glaubhaft machen zu wollen, Aaßpin unserer Zett zwischen großen zivilifietten Rationen ein Krieg anders entstehen könnte al» am Fragen, die das Lebensinteresse dieser Völker berühren. Gewiß, die gleichzeitige Anwesen- bett de» Kaiser» und des französischen Präsiden- in im Mittelmeer 1904 hat den Gedanken ae_
eine Begegnung zwischen beiden entstehen lassen, der jedoch nicht über den Bereich der Wünsche inausgegangen ist. Eine Ablehnung ist also ncht erfolgt. Der Kaiser war schon in Deutschland, als die Trinksprüche in Neapel zwischen ücm italienisch?» König und dem Präsidenten ausgetauscht wurden. Das Projett der mazedonischen Reformen haben wir mit dem Wohlwollen aufgenommen, mit dem wir alle Vorschläge der beiden Ententemächte aufnehmen und unterstützen, welche auf die Herstellung von Ruhe und Frieden in den mazedonischen Vila- jets und auf die Konsolidierung der dortigen Verhältnisse gerichtet sind. Das Vorgehen des Sultans mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Resormprojettes haben wir mit Befriedigung begrüßt. Heber das Abkommen zwischen Rußland und England habe ich mich schon früher ausgesprochen. Von der Feindschaft beider Länder können wir nicht leben. Das Abkommen hält fich in den damals vorausgesetzten Grenzen. Das ist noch bestärkt worden durch die Ewinemünder und Wilhelmshöher Tage. Die Rolle des ruhigen Beobachter» ist in diesem Falle die beste. Wir bleiben auf dem Posten wachsam und furchtlos. (Beifall). Mit Befriedigung nenne ich auch den Empfang des Kaiser- pares in England durch König und Volk (Lebhafter Beifall). Die früher vorhanden gewesene Spannung zu England hat auf einem großen gegenseitigen Mißverständnis beruht. In den nächsten Tagen wird dem Reichstage ein „Weißbuch" mit den auf der Haager Friedenskonferenz gefaßten Beschlüssen zugehen. Die Arbeiten der Konferenz sind nicht zu unterschätzen; der Eifer war derartig, wie er bei unseren Parlamenten in monatelangen Sessionen nicht immer zu finden ist. Der Reichskanzler ging dann auf einzelne Beschlüsse der Konfernz ein. Kamarillen und ähnliche bettübende Ersch.inungen kommen, wie Herr Bebel meinte nur in monarchischen Ländern und nicht in parlamentarisch regierten Ländern und Republiken. Ich habe einen Teil meines Lebens in solchen Läirdern zngcbracht: Jntriguen und Hintertreppeneinflüsse blühen dort mindestens ebenso wie bei uns. — Bebel:
Also doch bei un» auch!" — Reichskanzler Fürst Bülow fortfahrend: Leider! Es gibt aber auch eine rote Kamarilla. Auch in der Sozialdemokratischen Presse habe ich achtungswette Leistungen gefunden (Große Heiterkeit). In der Kunst des Bauchrutschens und Schweifwedelns (Große Heiterkeit) steht man bort anderen nicht nach. Die Geschichte Bebels von meiner Reife nach Wien war ganz hübsch, nur schade, daß sie nicht wahr ist (Sehr gut). Schwer ist es mir geworden Rom zu verlassen und Minister und Reichskanzler zu werden, zumal Herr Bebel fich fett 10 Jahren bemüht, mir das Leben schwer zu machen. Er hat ein trauriges Bild von der Stellung des Reichskanzlers entworfen, bet gar keine Initiative und Einfluß mehr hätte. In Zentrumsblättern las ich anders. Danach soll ein preußischer Prinz gesagt haben: Was soll aus den Hohenzollern werden, wenn Bülow es so weiter tteibt! (Stürmische Heiterkeit). Den Prinzen möchte ich sehen (Erneute Heiterkeit). Die Wahrheit liegt natürlich in bet Mitte. Was tiskiert ein Minister heutzutage? Er kann höchstens entlassen werden. Glauben Eie, daß 'das ein so großes Unglück ist? (Große Heiterkeit und lebhafter Beifall).
Darauf wurde die Weiterberatung auf morgen Vormittag 11 Uhr vertagt.
Schluß 6 Uhr 15 Min.
Deutsches Reich.
— Das preußische Abgeordnetenhaus begann nach Wiederwahl des Präsidiums (über welche bereits im gestrigen Depeschenteile berichtet wurde) die erste Beratung der Ostmarkenvor- lage.
— Landtagswahl. Eckernförde, 28. Roo. Bei der Landtagswahl im Kreise Eckernförde wurde Graf Reoentlow-Altenhof, Pro- vinzial-Vorsitzender des Bundes der Landwirte für Schleswig-Holstein, mit 91 Stimmen gewählt. Der freisinnige Kandidat Prof. Leu- Eckernförde, erhielt 53 Stimmen.
— Technische Prüfungsftelle. Durch den Reichshaushaltsetat für 1908 soll die Organisation de» Reichsschatzamts in eine Lage gebracht werden., die der de» Reichsamt» des Innern ähnlich ist. Bekanntlich find dem Reichsamt des Innern eine ganze Reihe von Reichsämtern unterstellt, diezwar zum Zentralamt gehören, deren Leiter aber eine größere Selbständigkeit und die Aufgabe der allgemeinen Verwaltung ihres Amtes haben. Solche dem Reichsamt des Innern nachgeordnett, ihm unterstellte, aber mit größerer Selbständigkeit ausgestattete Aem- ter find das Patentamt, das Gesundheitsamt, da» Reichsverficherungsamt und andere. In dasselbe Verhältnis, in dem dies» Aemter zur Zenttalinstanz stehen, soll dem Reichsschatzamt gegenüber die Technische Prüfungsftelle gebracht werden. Mit bet Leitung bet Arbeiten bei bet Technischen Prüfungsstelle ist bisher ein technisch vorgebildeter Rat beauftragt. Da bie ihm zufallenden Aufgaben bedeutend an Umfang zugenommen haben und stetig wachsen, auch bet Geschästsvetkeht nach Außen, namentlich mit ben Kreisen und Unternehmungen bet Industrie fich erweiterte, so hat fich bie Notwendigkeit ergeben, ben Leiter mit größerer Selbständigkeit aurzustatten und ihm die allgemeine Verwaltung der Prüfungsstelle zu übertragen. Diese ist deshalb al» dem Reichsamte nachgeottmete Amtsstelle besonder» zum Etat gebracht. Der Letter bet Prüfungsstelle hat zunächst die Bezeichnung „Vorstand" erhalten. In der Prü- fungsstellefolle» nach de« Etat M 1908 zwei
Mitglieder und drei ständige MitarSSter tätig sein, dazu eine kleinere Anzahl vor» Bureau- beamten. Auf 1908 ist insgesamt für die Technische Prüfungsstelle die Summe von 72720 Ji ausgeworfen. Die Technische Prüfungsstelle hat insbesondere viel mit der Industrie und mit der Prüfung der Wünsche der letzteren bezüglich der Ausgestaltung des Amtlichen Warenaerzeichnis zum Zolltarif zu tun.
— Handels-Mariae und KriegsflMe. Prinz Echönaich-Carolath hat kürzlich ben Ausspruch Bismarcks angeführt, baß es die Handelsmarine gewesen sei, bie Deutschlands lieber sc chandel geschaffen hat und nicht die Kriegsflotte. Dieser Ausspruch soll gewiß nicht bestritten oder widerlegt werden, daß aber Bismarck damit hat sagen wollen, daß zur Erhaltung des lleberseehandels und bet Handelsmarine die Kriegsflotte entbehrlich sei, wird niemand behaupte» wollen. Die Holländer und Spanier haben ihren einstmals bedeutenden Ueberseehandel und ihren Wohlstand ficher auch durch ihre Handelsmarine begründet, aber ebenso gewiß ist es, daß fie ihre Handelsmarine und ihren Handel fast gänzlich eingebüßt haben, weil sie ihre Kriegsflotte nichr auf der Höhe hielten. Als der spanische wie bet holländisch: Ueberseehandel anfing, England unbequem zu werden, und als es sich lohnte, dieses Objektes wegen einen Krieg anzufangen, da war es die englische Kriegsflotte, die die Kriegsflotte der Spanier und Holländer schlug und damit den Ueberseehandel, die Handelsmarine und die Weltmachtstellung dieser beiden Nationen vernichtete.
— Die erste Feldpost im Dezember geht von Hamburg am 4. ab. Eie benutzt den Dampfer der Deutschen Ostafrika-Linie, der planmäßig am 29. Dezember in Swakopmund und am 30. in Lüderitzbucht eintrifft. Feldpostpakete müssen am 3. Dezember abends in Hamburg sein. Feld- postbriefsendungen Müssen am 2. de» Monats dem Marine-Postbureau in Berlin vorliegcn.
— Zur wirtschaftlichen Erschließung Deutsch- Oftasrika». In seinem bemerkenswerten Buche: ,/Die Zukunft Deutsch-Ostafrikas" macht der leider zu ftüh verstorbene, prattische Kolonialkenner Bernhard Perrot auf einen Mißstand aufmerksam, der in Britisch- wie Deutsch-Ost« afrika bedenklich in Erscheinung tritt, auf die Ueberschwemmung des Kolonialgebietes durch indische Zwischenhändler und Wucherer. In einem schr lehrreichen Abschnitte dieser Bücher steht folgendes zu lesen: Ein großes Hindernis für die selbständige Entwicklung von Deutsch- Oftafrika ist bie Förderung des indischen Elements durch die Zanzibarfirmen und das durch diese beeinflußte Gouvernement.... Der Grund, aus welchem die indischen Kleinhändler für ein durchaus unerwünschtes, ja schädliches Element betrachtet werden müssen, ist bet, daß fie nicht als Ansiedler in das Land kommen, fonbetn nut ein schmarotzendes Dasein führen. Eie suchen durch Schacher, Wucher und allerlei betrügerische Manipulationen, unter welchen der Bankerott an erster Stelle steht, schnell ein paar tausend Rupien zusammenzuraffen, um dann wieder aus dem Lande zu verschwinden... Das hauptsächlichste Argument, welche» immer für die „Unentbehrlichkeit" der Inder vorgebracht wird, ist die Redensart, daß der Weiße nicht Direkt" mit den Eingeborenen verkehren könne, fonbetn dazu eines „Vermittlers" bedürfe. — Sehr richtig wird hierzu der „Rhein.- Westf. Ztg." geschrieben: Es mußte leidet schon wiederholt bemertt werden, daß bei unseren großen Hamburger Firmen, in deren Händen überwiegend der koloniale Handel liegt, eine ähnliche Erschlaffung frischer Initiative zu spüren ist, wie bei den schon vielfach gesättigten englischen Firmen. Sie geben den Farbigen, im besonderen Falle den Indern, Kredite, statt durch eigene weiße Agenten den Warenaustausch mit den Stämmen des Innern betteiben zu lassen. Dadurch bekommen sie kein richtiges Bild von den Bedürfnissen der Eingeborenen, können auf die Hebung des Handelsverkehrs nicht geeignet einwirken und geraten zugleich in eine Art Abhängigkeit von ben schmutzigen braunen Gesellen. Doch die» könnte unsere Volkswittschaft nicht wesentlich interessieren, wenn dadurch nicht zugleich der Zugang kleiner, selbständiger, deutscher Kaufleute — gewollt oder ungewollt: das tut nichts zur Sache — tatsächlich verhindert würde. Auch unser ostafri- kanisches Gouvernement erhält so ein falsches Bild von der wirtschaftlichen Lage der Kolonie. Die Inder lungern um das Zollhaus herum und machen sich ben ankommenden Reisenden so wichtig, daß der Anschein erweckt wird, als seien fie ein in dem ganzen Lande unentbehrliches und auch überall vertretenes Vermittlerelement. Dabei hüten fie fich, im Innern zu hausieren, das infolgedessen wirtschaftlich fast brach liegt So erzielen fie namhafte Zwischengewinne, ohne daß die Kolonie für uns durchgreifend erschlossen wird. — Cs wäre zu wünschen, bemertt da» gitterte Blatt, daß Exzellenz Dernburg während seiner Reise auch auf diesen wichtigen Umstand sei» Augenmerk gerietet hätte.
Marburg und Umgtß&i.
< Nachdruck aller Orignialarllttt ist cemSfj § 18 6t3 Urheberrecht» nur mit der deutliche« Quellenangabe .Oberhess. Ltg.' «efftttett
Marbrrrg, 80. Novbr.
• Parolemusik findet morgen Sonntag von 12% bis 1% Uhr in bet Schwanallee statt. Programm: 1. König Eeorg-Marsch von H. Georg. 2. Ouvertüre z. Optte. „Bandttenstreiche" von Suppä. 3. Divertissement aus „Rheingold" von R. Wagner. 4. „Set gegrüßt b» mein schönes Sorrentk" Lied 999 WaldlWtzM 5. ^Ujein»
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sagen", Aalzer von 5le$t 6. Jäger-Marsch »och Bratfisch.
* Kolonialoorttag von Dr. Rohrbach. Dr, Paul Rohrbach, der am nächsten Mittwoch, 4. Dezember, abends %9 Uhr, im großen Stadtsaale Über AufgabenundErfolgedetdeut- schen Kolonialpolitik spricht, darf als Kolonialfachmann ersten Ranges gelten. Dr. Rohrbach wurde im August 1903 aufgrund seiner Arbeiten über verschiedene Forschungsreisen von bet Kolonialabteilung des Deutschen Reichs für bie Aufstellung eines Ansiedlungsplanes nach Südwestafrika berufen und verweilte dort als Ansiedlungskommissar und wirtschaftlicher Sachverständiger beim Gouvernement bis zum Dezember 1906. Da während der Aufstandszeit das Besiedlungswesen natürlich stockte, erhielt et während der Zeit die Leitung der Kommission zur Feststellung des Aufstandsschadens und zur Entschädigung der beraubten Aufiedler. Nach Abschluß bet Ermittelungen und nachdem die vom Reichstage zunächst bewilligten Mittel verteilt waren, verließ er Eüdwestafrika, in dem er ununterbrochen während der ganzen Zeit des Aufstandes zugebracht hatte. Auf bet Rückreise nach Deutschland hat Dr. Rohrbach dann in der Zeit vom Dezember vorigen bis März dieses Jahres Kamerun und Togo bereist. Gegenwärtig ist et Dozent für Kolonialwirtschaft an bet Handelshochschule in Berlin. Die Ergebnisse seines Aufenthalts in Südwestafrika hat er in dem kürzlich im Verlag der „Hilfe" erschienenen ersten Barrde eines umfassenden Werkes über dis deutsche Kolonialwirtschaft niedergelegt. (Deutsche Kolonialwirtschaft. Band I. Südwest- afrika, 510 Seiten, mit Abildungen und Karte, Preis 10 J(). In einem kleineren Buche behandelt Dr. Rohrbach allgemein kolonialwirt- schastliche Probleme („Wie machen wir unser« Kolonien rentabel?" Halle, Verlag von Gebauer u. Schwetsch*e, Preis 3 X) — Der Vortrag am Mittwoch wird durch Lichtbilder erläutert werden.
* Freie Studentenschaft. Montag abend 8y> Uhr wird Herr Edgar Meier, der Vorkämpfer' des Deutschtums in Südtirol, der in diesem Sommer durch den Uebcrfall der Italiener auf die deutschen Turner auch weiteren Kreisen bekannt wurde, über Kämpfe des Deutschtums in Südtirol sprechen.
* Elisabethfeier. Der Ausschuß zur Veranstaltung der Elisabethfeier hat beschlossen, die Hauptprobe, bie ben Schülern und Schülerinnen i bet hiesigen Schulen zugänglich gemacht werdens soll, auf Montag, den 9. Dez., nachmittags 5 Uhr, bie eigentliche Frier auf Mittwoch, den 11« Dez.» abend« 8 Uhr, festzusetzen. Bei der eigentlichen Feier wird Herr Prof. Dr. Wenck, bei der Hauptprobe Herr Oberlehrer Wallenfels die An«; spräche zur Würdigung der Gefeierten halten.:
* Wartburg-Vorträge. Man schreibt uns:. Der gestrige Rezitationsabend im And. 24 Kat; zum ersten Mal aus der Stadt gut besucht Der' Vortragende, Herr Jungk, sprach mit großem. Ausdruck und verfügt über ein ebenso wohl«, klingendes wie starkes Organ. In der nächsten Woche findet mit Rücksicht auf die vielen an-, deren Vorträge von Seiten der Wartburg keine öffentliche Veranstaltung statt. Wird, doch auch der Koloniattag in Frankfurt in, dieser Woche abgehalten. Dafür werden aber i^ übernächster Woche wahrscheinlich 2 Vorträge; stattfinden, beide von auswärtigen Rednern^ beide von allgemeinstem Interesse. Am Mittwoch, den 11. Dez., spricht cand. Eckhardt-j Eießen vom Dürerbund, am Sonnabend, den 14.; cand. med. Zetsche-Leipzig zu dem Thema: „Wie und warum mutz die akademische Jugend zur Alkoholsrage Stellung nehmen." Es dürfte st« an letzteren Vortrag eine längere Diskussioitz anschließen. Hat fich doch ein Verbindung^ student erboten, einen Vortrag über „die Vortz zöge des Alkoholismus" zu halten. Am Sonn« abend hat er dazu Gelegenheit und zwar im einem großen Saale. Ein anderer Verbindungstz student hatte einen anderen Vortrag gegen dem Alkoholismus zugesagt, die Ankündigung waü bereits im Druck, als eine Absage eintraf, da! seine Verbindung ihn hinderte. Der andertz Herr dürfte kaum aus diesem Grunde absagen. -
* Wandervogel. Gautag auf dem Feldi berg im Taunus. Mit Rücksicht auf bett Eeologentag in Marburg ist der Plan der ^ahr« geändert. Die Teilnehmer fahren, wann sitz wollen, nach Frankfurt und von dort Sonntag früh 7 Uhr nach Cronberg. Auf Ruine Königs stein und Besuch der Kuranstalt wird also vertz zichbet. Ihr Erscheinen auf dem Feldberg sagtz ten zu Wandervogel Darmstadt, Frankfurt Frankfurt, Friedberg, Gießen, Limburg, Offen-! buch, Wiesbaden und Marburg.
* Lieder- u«b Klavier-Abend. 5tau; Bailey-Apfelbeck, die bekannte Pianistin, beten musterhaftes Spiel zu bewundern: wir in dem heute Abend 8 Uhr in den Stadt-, fälen stattfindenden, von unserem beliebten hei-, mischen Baritonisten Philipp Etrobei und, der Künstlerin gemeinsam veranstalteten Hebet«; und Klavier-Abend Gelegenheit haben werden,: ist in ben letzten Tagen in einem großen Konzert be» Lehrergesangvereins in Hanau aufge-; treten. Es dürfte die Besuchet des hiesigen' Konzertes interessieren, welche Aufnahme! Frau Bailey-Apfelbecks Spiel in Hanauer, Kunstkeifen gefunden hat Die Hanauer Zei-j tung" schreibt darüber am 27. November u. a.j folgendes: •
Der zweite Solist des Abends war die Kia«' viervittuosin Maria Luise Bailey-Apfelbeck aus! Wien. Wir hatten vor einiger Zeit Gelegen-! heit, auf Grund von Rezensionen der bestenj Kunstkritiker den bet Künstlerin vorausgehentz den hervorragenden Ruf zu beleuchten. Heut«, sind wir in bet angenehmen Lage, zu berichten,' daß fie biefen vollauf rechtfertigte. Die Kunst«! lerin versteht es, durch eine fabelhafte Technip burch eine spielende Ueberwindung bet schwieg rigsten Passagen, durch ben Duft unb die Weich-> heit bes Anschlages, durch besondere Schönheit! der .Phrasierung Io» Publikum zu entzücken,;