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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und KirMaiit

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Marburg

Sonnabend 30. November 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Berlagi Joh. Ang. Koch, UmversitAS-Buchdruckttel

Mafturg, Mark 81. Telephon 55,

42. Jahr,.

Die Deutsche Kolomalgescllschaft.

Diese für die Weckung des kolonialen Ver- kündnifles im deutschen Volke und für die För­derung deutscher kolonialen Bestrebungen so Wichtige nationale Organisation begebt in nächster Zeit (am 6. Dezember) zu fyriv 'furi j. M., ihrer Eründungsstätte, die Feier i.,tes LSjährigen Bestehens. In Hinblick aus diese Jubelfeier, auf welche wir nochmals alle Freunde der für die weitere Entwickelung der wirtschaftlichen und politischen Machtstellung des deutschen Reiches so wichtigen kolonialen Be­strebungen aufmerksam machen, sei hier ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Deutschen Kolonialgesellschaft gegeben. Diese beginnt mit dem 26. Aug. 1882. An diesem Tage hatten sich aus Aufforderung des Fürsten Hermann zu Hohenlohei-Langenbuirg und de« damaligen Oberbürgermeisters Miquel im Englischen Hof zu F r a n k f u r t die Mitglieder der Handelskammern von Frankfurt und Offen­bach, Großindustrielle, sowie auch Vertreter der Wissenschaft zusammengefunden, um zu beraten, in welcher Weise die Kolonialbestrebungen des deutschen Volkes auf einer breiteren Grundlage, als bis dahin möglich, gefördert werden könnten. In jener Versammlung im Englischen Hofe be­schloß man, einen Verein ins Leben zu rufen, dessen Aufgabe es wäre,das Verständnis der Notwendigkeit, die nationale Arbeit dem Ge­biete der Kolonisation zuzuwenden, in immer weitere Kreise zu tragen, für die darauf gerich­teten Bestrebungen, einen Mittelpunkt zu bil­den, eine praktische Lösung der Kolonialfrage anzubahnen und zunächst die Errichtung von Handelsstationen als Ausgangspunkt für größere Unternehmungen zu fördern". Es wurde ein Ausschuß gewählt, der mit den gleichstreben­den bestehenden Vereinen gemeinsame Bezieh­ungen anknüpfen, in den Hansastädten gewich­tige Unterstützungen suchen, einflußreü'e Freunde der deutschen Kolonialbestrebungen im gesamten Vaterlande gewinnen und mit ihnen zur Bildung eines deutschen Kolonialvereines einen Aufruf erlassen sollte. Der Auftuf zur Einberufung einer konstituierenden Generalver­sammlung auf den 6. Dezember in Frankfurt a. M. erging in sämtlichen Zeitungen Deutschlands und trug die Unterschriften von hervorragenden Staatsmännern und Parlamentariern aller Parteien von Nationalökonomen, Historikern, Geographen, Forschungsreisenden, Gelehrten all.: Fakultäten, von Mitgliedern der Handels­kammern, von Rheedern, Kaufleuten, Groß­industriellen und von bewährten Vertretern der bisherigen Kolonialbestrebungen. Am 6. De­zember erschien im Saalbau zu Frank- f u rt a. M. eine große Anzahl von Männern aus allen Gauen des Vaterlandes; selbst aus dem Auslands waren Deutsche herbeigeeilt. Nach gewichtigen Debatten wurde auf Grundlage der Vorversammlung vom 26. Aug. der Deutsche Ko­lonialverein (einstimmig) ins Leben gerufen. Präsident wurde Fürst Hermann zu Hohenlohe- Langenburg, erster Vizepräsident Oberbürger-

9 «Nachdruck verboten.).

Unter der Maske.

Roman von Lady Georgina Robertson.

(Fortsetzung).

'Wir müssen beide Geduld haben und dürfen nichts tun, was das arme Kind auftegen und kränker machen könnte."

Am anderen Morgen rief Lord Ehesleighs Entschluß, nach London zu fahren, großes Er­staunen hervor.

Mußt Du wirklich fort?" fragte Ellen traurig und hielt seine Hand fest.

Za, ich kann cs nicht mehr aufschieben, es ist eine wichtige Eeschäftssache."

Was ihr Männer nur alles unter dem Wort Geschäft versteht," versetzte sie.Könnte Papa es Dir nicht abnshmen? Er würde alles tun damit Du mich nicht verlassen brauchtest."

Ihre Worte rührten ihn und auch Sir John Und Lady Marstone bedauerten die Notwendig­keit dieser Reise und hofften so lebhaft, um Ellens willen auf seine baldige Rückkehr, daß er sich bittere Vorwürfe machte. Wenn sie alle den Zweck seiner Reise wüßten!

Bleibe nicht lange fort," bat Sir John, und Ellen versicherte, daß sie die Stunden zählen und am liebsten die ganze Zeit seiner Abwesen­heit schlafen würde, um ihn nicht entbehren zu müssen.

Er fühlte sich unbehaglich, als ob er nicht offen und ehrlich gegen alle diese Menschen handelte, die ihn so lieb hatten. Und doch konnte keine Rücksicht ihn zwingen, die Kette durchs Leben zu schleppen, an die er sich aus Eutmütig- kett hatte schmieden lassen.

Lord Chesleigh nahm sich bei seiner Ankunft s London gleich einen Wagen und fuhr zu Mr. Lubank, dem berühmtesten Rechtsanwalt Der Hauptstadt. Ul_. , .

meister Dr. Miquel, zweiter Dr. Adolf v. Brüning. In den geschäftsführenden Ausschuß in Frankfurt a. M. wurde Sanitätsrat Dr. Cohn, Geh. Kommerzienrat E. v. Reufville, Theodor Stern und Geh. Sanitätsrat Dr. Bar- rentrapp, in den weiteren Vorstand 24 aus­wärtige Mitglieder gewählt. Von Frankfurt aus erfolgte die Ausbreitung der Organisation der Gesellschaft über ganz Deutschland. Bis zum Jahre 1886 wurden 69 Abteilungen mit 12000 Mitgliedern ins Leben gerufen. Aber es blieb nicht blos bei der Agitation durch Vor­träge aller Arten, Förderung der Auswanderer­frage, Unterstützung kultureller Bestrebungen. Auch praktische Kolonisation wurde durch Unterstützung der Frankfurter Handelskreise er­strebt. Die erste Kolonial-Erwerbung geschah durch Dr. Adolf von Brüning aus den Los-Jn- seln (Nordwestafrika), die indes durch franzö­sische Beeinflussung wieder verloren ging. Al­es galt, den Besitz von Angra Pequena Deutsch­land zu erhalten, haben die beiden kaufmänni­schen Mitglieder des . Frankfurter Ausschusses namhafte Opfer gebracht. Als 1886 die Zen­trale der Gesellschaft nach Berlin verlegt wurde, zum Teil, um mit den maßgebenden Behörden in näherer Fühlung zu sein, bildete sich mit 400 Mitgliedern die Abteilung Frankfurt a. M. der Deutschen Kolonialgesellschaft, in der auf Vor­schlag des Oberbürgermeisters Dr. Miquel Sa­nitätsrat Dr. Cohn den Vorsitz übernahm, den er bis jetzt führt. Mittlerweile ist die Deutsche Kölonialgesellschaft erstarkt und hat das in Frankfurt angenommene Programm mit großem Erfolg weitergeführt. Unter dem Präsidium des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg ist sie auf 37 000 Mitglieder mit 385 Abteilungen (Gauverbänden) in Deutschland und jenseits der Meers angewachsen. Geschäftsführender Vizepräsident ist der Botschafter a. D. Dr. v. Holleben, stellvertretende Präsidenten Graf v. Arnim-Muskau, Kontre-Admiral z. D. Strauch und Geh. Rat Dr. Paasche; mit ihnen führt ein Ausschuß von 20 und ein Vorstand von 121 Mit­gliedern die umfangreichen Angelegenheiten der Gesellschaft. Gewichtige Fragen, die die gesamte Organisation der Gesellschaft und ihre Verbreit­ung in weitere Kreise berühren, werden in der Frankfurter Hauptversammlung zur Erledigung kommen. Aber neben der ernsten Arbeit wird auch die festliche Stimmung durch den Rückblick auf eine erfolgreiche 25jährige Entwickelung, durch die von den Frankfurter Ausschüssen der Gesellschaft wohlvorbereitete Feier und durch die Beteiligung einer großen Zahl hervorragen­der Männer zu ihrem Rechte gelangen.

TrrrLjches Reich.

Rücktritt des Reichsbankpriifidenten in Aussicht. Zu den Gerüchten von einem bevor­stehenden Wechsel im Präsidium der Reichsbank erfährt derBerl. Lok.-Anz." von einer dem Reichsbankpräsidenten Dr. Koch nahestehenden Seite folgender: Dr. Koch trägt sich bereits seit

l> ngerer Zeit mit dem Gedanken, von seinem verantwortungsvollen Posten zurückzutreten. Er fühlt sich nicht mehr wrperlich kräftig genug, um die Last seines Amtes wie bisher tragen zu können, k azu kam der vor einiger Zeit er­folgte plötzliche Tod seiner Tochter, der seinen Gemütszustand tief erschütterte. Es ist deshalb vorauszusehen, daß Dr. Koch sich vielleicht schon sehr bald ins Privatleben zurückziehen wftd. Einen bestimmten Termin für seinen Rücktritt hat er bis jetzt noch nicht in Aussicht genommen. Was die Frage seines Nachfolgers betrifft, so kann sie noch als durchaus offen be­zeichnet werden. Wenn in Börsenkreisen wie­der der Name des Geheimen Kommerzienrats r>. Mendelssohn-Bartholdy in diesem Zusam­menhänge genannt wird, so kann darauf ver­wiesen werden, daß Herr v. Mendelssohn noch gestern im Herrenhause auf direkte Befragung die Absicht, das Reichsbankpräsidium zu über- nchmen, entschieden bestritten hat. In den Kreisen der Reichsbankverwaltung dentt man in erster Reihe an den Vizepräsidenten Dr. von Elasenapp als Nachfolger für Dr. Koch, zumal et in wirtschaftspolitischer Hinsicht vollständig auf dem Boden der Anschauungen des Präsiden­ten Dr. Koch steht. Das ist allerdings der Grund, warum diejenigen Kreise, die den Prä­sidenten Dr. Koch aus wirtschaftlichen Gründen bekämpfen, auch gegen Herrn v. Elafenapps Kandidatur Bedenken erheben.

Der Bundesrat stimmte in seiner gestri­gen Plenarsitzung dem Entwurf eines Gesetzes betr. die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche zu. Vorher hielten mehrere Ausschüsse Sitzungen.

Die Vorlage Über die deutsch-britischen Handelsbeziehungen wird dem Reichstage am Ende der Woche zugehen; er verlängert das be­stehende Provisorium.

Der Erlös aus den Beitragsmarken der Jnvalidenversicherungsanstalten har im Oktober 15,8 Millionen Mark gegen 15,1 Millionen Mark im gleichen Monate des Vorjahres aus­gemacht.

Zur Entdeckung des Waffenlagers rus­sischer Terroristen wird aus Berlin noch weiter gemeldet: Der Spediteur Eugen Ernst hat bei seiner gestrigen Vernehmung angegeben, daß das im Keller des Hauses Pankstraßs 32 b be­schlagnahmte Papier mit Wasserdruckstreifen nicht aus derVorwärts"druckerei stamme, und, soweit er wisse, auch von dort nicht expediert worden sei. Andererseits erklärte die Reichs­bank, die Reichsdruckerei und eine der größten Papierfirmen, daß das Papier zur Herstellung bestimmter russischer Wertpapiere verwendet werde; außerhalb Rußlands wird es nicht be­nutzt. Wenn solches Papier sich im Besitz nicht­amtlicher, russischer Personen befinde, so könne

Es war eine qualvolle halbe Stunde, die er im Vorzimmer warten mußte, bis Mr. Lubank erschien, und alles, was er in den letzten Wochen durchlem hatte, trat noch einmal vor seine Seele. Jetzt, wo er vor der Entscheidung stand, fühlte et erst, wie fest er hoffte, daß sie nach seinen Wünschen ausfallen möchte.

Es ist eine eigentümliche Angelegenheit, in der ich Ihren Rat erbitte," sagte Lord Ches- leigh, als der Rechtsanwalt eintrat,sie klingt fast unwahrscheinlich und ist doch leider nut zu wahr."

Die Herren setzten sich und Lord Ehesleigh erzählte den ganzen Hergang seiner übereilten Heirat. Mr. Lubank hörte aufmerksam zu und saß nach dem Schluß in tiefe Gedanken ver­sunken.

Eine wunderbare Geschichte," begann et nach einer Pause,aber es kommt vieles Selt­same vor in der Welt. Leidet kann ich Ihnen keine Hoffnung machen; es liegt kein Grund vor, der die Heirat anullieten könnte. Die Frage ist freilich überflüssig und doch will ich sie stellen: Sie haben nach keiner Richtung hin der Dame einen Vorwurf zu machen?"

Rein, wie sollte ich?"

Sie können also nicht vorgeben, hinter- Sangen zu sein, denn Sie haben aus freier Ent- hließung in die Trauung gewilligt; ich sehe keinen Ausweg für Sie."

Lord Ehesleigh erhob sich und ging einige Male in der Stube auf und ab; seine Züge drückten den heftigsten Kamps aus, der in ihm tobte. Er hörte jetzt die Bestätigung dessen, was er ja wußte, an das er aber zu glauben mit aller Macht sich gesträubt hatte; daß es keine Möglichkeit gab, seine Ketten von sich ab- schüttel» zu können, und doch sagte et endlich, vor Mr. Lubank stehen bleibend:

Wollen Sie mir wirklich zu verstehen geben, daß die wenige» Worte, die ich aus Gutmütig­

keit gesprochen, mein ganzes Leben vernichten werden?"

Sie müssen die Sache auch von der anderen Seite betrachten," erwiderte der Rechtsanwalt. Es sind freilich nut wenige Worte, aber ihr Zweck ist ja eben, daß sie bindend sein sollen für das gan^e Leben."

Es scheint mit unglaublich," tief Lord Chesleigh erregt aus,es war doch gar nicht meine Absicht; wie kann ein Mann gegen feinen Willen gebunden werden!"

Es wat nicht gegen Ihren Willen, Lord Chesleigh, wie ich von Ihnen verstand, haben Sie damals mit voller Ueberzeugung einge­willigt."

Ja, weil ich glaubte, eine Sterbende vor mit zu haben, deren letzter Wunsch erfüllt wer­den sollte. Hätte ich ahnen können, wie die Sache ablief, ich hätte mich nie dazu hergegeben."

Das macht keinen Unterschied," versetzte Mr. Lubank.Es ist sehr traurig!"

Lord Chesleigh unterbrach ihn:Sie müssen einen Ausweg für mich finden, Mr. Lubank, Sie dürfen mich nicht ohne Hoffnung fortlassen. Ich habe orctz? Achtung für die Dame, die sich meine Frau nennt, aber ich kann nicht neben ihr leben. Ueberlegen Sie den Fall nochmals, beraten Sie den Fall mit anderen Juristen, nur nehmen Sie mir noch nicht jede Hoffnung."

Ich will alles tun, was in meiner Macht steht," entgegnete der Rechtsanwalt.Wäre es nicht das beste, Sie sagten der Dame ganz offen, daß Sie eine unüberwindliche Abneigung gegen ein Leben mit ihr hätten und bewegten sie dazu, sich im Guten von Ihnen zu trennen?

Vielleicht. Aber eine freundschaftliche Trennung, wie Cie es nennen, würde mich nicht berechtigen, eine anders zu heiraten, und das ist doch die Sache, au! die es mir ankommt. Ich verlasse mich auf Sie, Mr. Lubank, tun Sie ftlr mich, was Sie tun können, sparen Sie weder

dies nur den Zweck haben, Falsifikate he« zustellen. Der Polizei ist e» auch gelungen, de» Besteller der 9 Millimeter (also sehr groß­kalibrigen) Parabellum-Pistolen und etwa 300t Patronen festzustellen. Es war dies ein iP September in Lüttich weilender Russe lurpaeff,

Deutscher Reichstag.

60. Sitzung vom 28. November.

Am Bundesratstisch: Frhr. v. Stengel, Frhr, v. Rheinbaben, v. Loebell, v. Bethmann-Hollwet Kräfte, Dernburg.

Vor gut besetztem Hause begann bei starken Besuche die erste Lesung des Etats in Vev bindung mit der ersten Lesung der Novelle zu» Flottengesetz. Die Beratung eröffnet« Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel, der eit trübes Bild der gegenwärtigen Finanzlage zeichnete und cs für den neuen Etat als not« wendig hinstellte, jede Ausgabe auf ihre Not­wendigkeit streng zu prüfen. Freilich habe di« Sparsamkeit ihre Grenzen, sobald die Schlagfer­tigkeit von Heer und Marine in Frage komme. Die letzte Reichsfinanzreform habe sich nicht als ausreichend gezeigt. Deutschland fei in einem fast vierzigjährigen Frieden zu hohem Wohl, stände gelangt. Trotzdem fei es bisher nicht möglich gewesen, den Finanznöten des Reiches ein Ende zu machen. Der Schatzfekretär bot darauf eine kritische Beleuchtung des neuen Etats und teilte mit, daß eine neue Steuervor­lage demnächst beim Bundesrate eingehen werde, jedoch müßten die direkten Steuern den Einzel- ftaoten vorbehalten bleiben. Daraus gab Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz eine kurze Begründung der neuen Flottenvor­lage, der er einen mehr technischen als politische» Charakter zusprach. /

Abg. Dr. Spahn (ßentr.) teilte mit, seine Partei werde auch weiterhin Ausgaben nur be­willigen, wenn für die Deckung gesorgt sei. Sie fei jäwch nicht geneigt, den minderbemittelten Klassen neue Lasten aufzuerlegen. Redner kam alsdann auf den Prozeß Moltke-Harden zu sprechen und auf die aufgedeckten Mißstände und meinte, ganze Kavallerieregimenter seien ver­seucht; weite Kreise trügen Bedenken, ihre Söhne diesen Regimentern anzuvertrauen. Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) betonte, seine Partei werde fortan gegen jede direkte Reichssteuer stimmen. Die im Prozesse Moltke-Harden auf« gedeckten Zustande seien nicht einem bestimmten Stande zur Last zu legen. Seine Partei fordere rücksichtslose Bestrafung aller Schuldigen ohne Ansehung der Person. Die Reichsfinanzreform müsse weitergeführt werden. Die Konservati­ven würden alles tun, um das Reich stark zu er­halten zu Wasser und zu Lande.

Dem Sprecher des Zentrums entgegnete i» längerer Rede Reichskanzler Fürst Bülow, Dieser erklärte:Ich wollte erst nicht das Wort nehmen. Ich muß es aber doch, angesichts der Art, wie der Abg. Spahn über Verseuchung

sr-, - ,

................ ............ -;-------- .......... - Mühe noch Kosten, ober geben Sie mir meine Freiheit wieder."

Ich will mein Bestes tun, Lord Chesleigh ~ aber ich fürchte, ich werde Ihren Wünschen nicht entsprechen können," sagte Mr. Lubank und, nachdem fein Klient sich verabschiedet hatte, fügte er zu sich selbst hinzu:Wenn doch die jungen Leute vorsichtiger fein wollten, fit machen die unglaublichsten Dummheiten in Be­zug auf ihre Heiraten und dann kommen sie zu uns und wir sollen die Sache wieder in Ordnung bringen. Ich fürchte, in diesem Falle gibt es keine Hilfe."

Lord Chesleigh blieb noch einige Tage iw London; schließlich mußte er an die Rückkehr denken.

Die Freude über seine Rückkehr war groß. Ellen hatte die Zeit nicht erwarten können und ihre Eltern empfingen ihn mit so warmer Herz­lichkeit, daß sein Gewissen schlug. Er hatte sich ja keine Vorwürfe zu machen, trotzdem kam er sich wie ein Verräter vor. Als Ellen voller Glück die Arme um feinen Hals schlang und ihn küßte, tat es ihm leib, daß er ihr gar keine Lieb« entgegenbringen konnte. Er sah sie nut daraus an, ob sie wohl bald kräftig genug sein würde, um ihm zu erlauben, mit ihr zu sprechen, aber sie sah so zart und durchsichtig aus, daß er wohl noch auf lange Zeit davon absehen mußte.

Als Mathilde einhat, erschrak er, wie bk wenigen Tage sie verändert hatten; er war ihr» unmöglich, ihr ein Wort zu sagen und doch schien es ihm grausam, sie langer in Ungewch» heft zu erhalten.

Mein Geschäft in London fit noch nicht be­endet," sagte er im Laufe des Gesprächs zu Sitz John,ich werde noch einmal hinfahren müssen um es ganz zu erledigen."

(Fortse-un? folgt.)

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