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Zweites Blatt

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Die Ausbildung von Seeleuten beim Deutschen Schulschiff-Verein.

Wieder rückt gegen Ende des Schuljahres die Zeit heran, in der die Eltern vor die ernste Frage gestellt werden:Was soll unser Junge werden?" Bei den wachsenden Eeeinteressen des deutschen Voltes und bei der Begeisterung unserer Jugend für das Sselsben wird auch mancher Sohn seinem Vater den Wunsch äußern, IV - Seemann werden zu lassen.

Die seemännische Laufbahn hat in großen Zügen folgenden Verlauf:

Ein jeder angehende Seemann muß seine Laufbahn als Schiffsjunge beginnen. Nach ei..er Fahrzeit in dieser Lehrlingsstellung von etwa einem Jahre wird er Leichtmatrose und wieder nach einem weiteren Jahre findet er bei ausreichendem seemännischen Können und ge­nügender körperlicher Entwicklung Stellung als Vollmatrose. Zur Ablegung der höheren Prüf­ungen wird die Bedingung gestellt, daß er als Vollmatrose mindestens 12 Monate auf Segel­schiffen gefahren hat. Nachdem der junge Mann sich also die Seefahrzeit von mindestens 45 Mo­naten erworben hat, kann er den 8 bis 9 Mo­nate währenden Kursus der Navigationsschule (Seefahrtsschule) besuchen, um sich durch Be­stehen einer Prüfung die Berechtigung zum Steuermann auf großer Fahrt zu erwerben. Aus den Steuerleu.en gehen dann nach weiterer mindestens zweijährig:! Fahrzeit und nach Be­stehen der Prüfung zum Schiffer auf großer Fahri die Kapitäne unserer Seeschiffe hervor.

Es ist bereits gesagt worden, daß der Voll­matrose ein Jahr auf Segelschiffen zu fahren hat, bevor er zur Aufnahme in die Steuer- mannsklasse einer Navigationsschule zugelasfen unrd. Kein Kapitän eines Segelschiffes wird «ber einen Vollmatrosen, der nicht vorher schon mindestens 1 Jahr auf Segelschiffen gefahren

Vierteljährlicher Bezugspreis- der oer Expedition 2Mk^ bei allen Postämtern 2,25 Mr. (.ejcu Bestellgeld).

ZnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile ober vereu Raum 15 Ptz.

Reclamen: die Zeile 30

Jßeilogen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landlriefträgern ent- sgegengenommen.

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Bestellungen

VS- den Monat Dezember aus die

.Oberhessische Zei tung" nebst

Denls-Hes . '.h.

Die Denkschrift über das Luftschiff de, Grafen Zeppelin. Dem im Reichstage nun­mehr herausgegebenen Reichshaushaltsetat für 1908 sind außer der Darstellung der gegenwär­tigen Finanzlage, mehrere Denkschriften beige­geben, unter denen sich, wie schon mitgeteilt, eine Veröffentlichung über das Zeppelinschr Luftschiff befindet, welche folgenden Wortlaut

sich in die Festung zurückzog, die, mit allem wohl versehen, eine Belagerung aushalten konnte. Na-> einigen Wochen war das Belagerungsheer stark genug, um einen Angriff wagen zu können. In dem Lustgarten und bei dem Renthofe be­gannen nun die Belagerungsbatterien ihr ver­wüstendes Spiel, die Schloßgebäude wurden mit Feuerkugeln beschossen. Ebenso mutig war die Gegenwehr seitens der Darmstädter, welche die Festung inne hatten. Endlich hatte man an der Südseite Breschen geschossen und Eaiso wollte zum Sturm schreiten, als am 25. Januar 1646 der Festungs-Kommandant Millich die Festung übergab und mit seinem 120 Mann starken Häuf, lein mit klingendem Spiele nach Eießen avzog. Dort wurde Millich wegen dieser Uebergabe vor ein Kriegsgericht gestellt und das Haupt des 70. jährigen Mannes fiel auf dem Marktplatz zu Cießen durch das Beil des Henkers. Um Mar. burgs Besitz für Hessen-Eassel zu sichern, wurde die Stadt unter der Landgräfin Amalie Elisa­beth stark befestigt. Im nächsten Jahre bereits wurde Marburg abermals belagert, aber von Olrrst Ctauff heldenmütig verteidigt. Am V Dezember 1847 nämlich schlossen die Kaiserliche, unter General Holzapfel die Stadt ein. Zu schwach, die an mehreren Punkten durch Breschen eröffnete Stadt gehörig zu decken, überließ Stauff dem Feinde den unteren Teil der Stadt und zog sich in die Festung zurück. Als nun Staufs die Wohnung Holzapfels und des Mark­grafen von Baden ausgekundschaftet hatte, ließ er während der Mittagstafel eine ganze Bat­terie des gröbsten Geschützes auf das Haus des Rentmeisters Seip am Grün, wo sich diese feind­lichen Führer befanden, abfeuern. Das Haus wu^de von allen Seiten durchlöchert, aber die kaiserlichen Heerführer kamen, wenn auch ver­wundet, mit dem Leben davon. Holzapfel gab die Belagerung auf, nachdem vorher seine Völker die Stadt total ausgeplündert und ge- brandschatzt hatten, wobei die vier Tore, Türme und Mauern gesprengt wurden. Vier Rats­herren nahmen die Kaiserlichen als Geiseln

bi» «ine Brandschatzung bezahlt sei. ,

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sein..c Sitz, l'.s der Orden 1809 durch Napoleon aufgehoben wurde und seine Güter vom Staate eingezogen wurden. Damals wurde auch das Elisabethen-Hospital der Universität über­wiesen.

Obgleich Marburgs Ursprung in Dunkel ge­hüllt ist, so erscheint dieseehrwürdige Krone", die Hauptstadt Oberhessens, doch nicht bloß durch ihre schöne Lage, sondern durch eine lange Reihe geschichtlicher Erinnerungen merkwürdig, die sich an die Stadt und ihre Denkmäler knüp­fen. Marburg, welches 1227 Etadtrechte erhielt, wurde von Landgraf Ludwig von Thüringen seiner Gemahlin zum Witwensitz angewiesen. Nach feinem Tode nahm diese Zier der deutschen Frauen, wie Max von Echonkendors sie nennt von ihrem Wittum Besitz und damit beginnt' Marbu-gs Geschichte.

Elisabeth zog mit ihrem Beichtvater Konrad von Marburg, einem strengen finsteren Mönche, nach Marburg, wo sie ein Hospital er- l'auen Iie5, das sie nach dessen Fertigstellung 1229 bezog. Hier widmete sie ihre Zeit und Tätigkeit der Pfleg: von Sieujcn und Armen und unterzog sich der Wartung der von eckel- erregenden Krankheiten Befallenen. Sie legte ^'km zarten Körper durch Fasten und Geißeln d^e schwersten Prüfungen auf, die ihre Kraft in der Blüte ihres Lebens am 19. November 1231 aufzehrten. Papst Gregor IX. versetzte sie 12uj unter die Zahl der Heiligen. Wallfahrten und Wunder verherrlichten ihre Ruhestätte. Die Verleihung der Stiftung Elisabeths an den Deutschen Orden (1235), die Pilgerfahrten nach j ihrem Grabe, über welchem sich bald eine der herrlichsten Kirchen Deutschlands wölbte und die Erhebung der Stadt zur Mitrefidenz der Land­grafen brachten Marburg in kurzer Zeit empor, daß es lckon 1247 die zweite Stadt in Hessen wurde und in ritterlicher und geistlicher Hoyeit erstrahlend, das Ansehen einer heiligen Stadt genoß. Feuersbrünste wie 1261, 1279 und 1313 I suchten Marburg heim und die Niederlage I welche die Bürger 1327 durch einen Hinterhalt I d.r Mainzer bei Amöneburg erlitten, unter- I brache, ihr Emvorblühen nicht.; 1

hat, an Bord nehmen, weil letzterer seinen Posten an Bord nicht ausfüllen könnte. Daraus ergibt sich, daß derjenige, welcher im Seemanns- berufe weiterkommen will, seine Laufbahn als Schiffsjunge auf einem Segelschiff beginnen muß, um sich hier die Kenntnisse zum Leichtma- rrosen und Vollmatrosen zu erwerben. Schiffs­jungenstellen auf guten Segelschiffen zu erhal­ten, ist jedoch schwer, weil die Segelschiffahrt immer mehr und mehr durch die Dampfer ver­drängt wird und die Zahl der Segelschiffe da­her ständig abnimmt. Weiter läßt die Aus­bildung der Schiffsjungen auf vielen Segel­schiffen zu wünschen übrig. Kapitän, Steuer­leute und Bootsleute sind durch ihren an­strengenden anderweitigen Dienst so in Anspruch genommen, daß ihnen beim besten Willen keine Zeit zur Ausbildung der unerfahrenen Schiffs­jungen bleibt. So ist den jungen Leuten einer­seits der Eintritt als Schiffsjunge auf Segel­schiffen sehr erschwert, andererseits ist die Aus­bildung als Schiffsjunge in den mühesam und oft unter Aufwendung erheblicher Kosten cr- langten Schiffsjungenstellen meist eine mangel- bnfte. Dadurch droht dem deutschen Seemanns­stande und damit unserer gesamten Handels­schiffahrt direkte Gefahr. Von mehreren Seiten wurde diese anerkannt und nach Gegenmaß­regel,a gesucht. Aus diesem Grunde bildete sich unter dem Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg der Deutsche Schulschiffverein, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, junge Seeleute heran­zubilden, und damit den Nachwuchs an tüchtigen Seeleuten zu vermehren.

Aus privaten Mitteln interessierter Kreise unterhält der Verein ein Schulschiff, einen schönen schmucken Segler mit Vollschiffstakelage. Nach der hohen Patin, der Großherzogin von Oldenburg, führt das Schiff den NamenGroß­herzogin Elisabeth". Es ist 1901 vom Stapel gelaufehat eine Länge von 66 Mtr., eine Breite von 12 Mir., ein Deplacement von 1600 Ions. Da das Schiff keine Fracht fährt, son­dern lediglich zur Aufnahme von Zöglingen dient, sind die Wohnverhältnisse die denkbar günstigsten: weite luftige Decks geben Schlaf- und Wohnräume, Wasch-, Bade- und Brause­einrichtungen, sowie ein Destillierapparat zum Anfertigen von Trinkwasser sind vorhanden.

Die BSatzung des Schiffes besteht aus dem Kapitän, 6 Offiziere;:, 1 Arzt, 1 Zahlmeister, der 16 Köpfe betragenden Stammannschaft, 30 Kadetten, 7 Matrose.r, 30 Leichtmatrosen und j 130 Schiffsjungen. ' !

Schiffe solcher Größe brauchten nach dem j Gesetz neben dem Kapitän nur noch zwei Ossi- ziere an Bord zu haben, um das Schiff sicher I über See zu bringen. Um für die Ausbildung der Zöglinge ein vollkommenes Lehrpersonal an Bord zu haben, ist die Zahl der Offiziere an |

Unter den Schiffsjungen im ersten Jahre be­finden sich eine Anzahl Jünglinge, welche btf Berechtigung zum einjährig-freiwilligen ME- tärdienst besitzen. Von bissen kann eine f* schränkte Zahl nach dem Schiffsjungenjahre ti? zweites und drittes Jahr als Kadetten an Bott verbleiben. Sie erhalten neben der praktischer Ausbildung auch theoretischen Unterricht, sods-, sie später den Kursus in der Eteuermannsklas,, der Navigationsschule von 89 Monaten aus etwa 4 Monate abkürzen können. Der Pech sionspreis für Kadetten beträgt jährlich 600 ü'.

So können sich tüchtige Jungen drei Iah« Seefahrtzeit auf dem SchulschiffeGroßherzogin Elisabeth" erwerben. Weitere 9 Monate müssen sie noch auf anderen Dampf- oder Segelschiffen fahren, um zum Besuch der Steuermannsklasse einer Navigationsschule zugelassen zu werden.

Nicht alle Zöglinge, die als Schiffsjunge» auf dem Schulschiffe eintreten, gelangen natür­lich bis zu der Stellung eines Steuermann:» oder Kapitäns; manche haben nicht das Geld oder nicht die Schulbildung dazu. Sie bleiben im Mannschaftsbestande der seefahrenden Be­völkerung, und bilden darin dann einen guten Stamm, der als alter Matrose, Bootsmann, Steuerer auf Dampfern auch zu guter Bezahlung kommt.

Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß es meh­rere Einrichtungen gibt, die sich die Aufgabe ge­stellt haben, für guten Offiziers- und Matrosen­ersatz der Handelsmarine zu sorgen, so unter­hält z. B. der Norddeutsche Lloyd zwei Segel­schiffe als Kadetten-Schulschiffe, auf denen jedoch wesentlich der eigene Offiziersersatz ausgebildet wird.

Eine Hülfe bei der Unterbringung auf Schift fen der Handelsmarine gewehrt auch der in Hamburg gegründete VereinSeefahrt", indem er auf Grund der ärztlichen Zeugnisse ge­eigneten Knaben Stellung als Schiffsjunge vet Hamburger Segelschiffs - Reedereien nachweist und den Reedereien zum Teil einen Kostenersatz für die Ausbildung auszahlt.

Die nächste Einstellung an Bord des deutsche» SchulschiffesGroßherzogin Elisabeth" erfolgt Ende April 1908. Anmeldungen werden von Anfang Dezember ab bei der Geschäftsstelle bes Deutschen Schulschiffs-Vereins in Bremen ent­gegengenommen.

I Eine ganz andere Gestalt erhielten Mar- I burgs Verhältnisse durch die Reformation. I Die Hauptquclle des Wahlstandes versiegte mit I den Wallfahrten zu Elisabeths Grabe, aber eine I neue tat sich auf durch die Gründung der I Hochschule, die 1527 durch den Landgrafen

Philipp den Großmütigen erfolgte. Von dem Landgrafen als das edelste Kleinod seines Lan­des, wie et sie nannte, mit vier Fakultäten aus- gestattet, empfing die Akademie 1541 von Ka fer Karl V. als die erste proteftan- tische Universität die Privilegien. Aber mehr als ein Jahrhundert hindurch hatte sie mit I einem Feinde zu kämpfen, gegen welchen die I menschliche Macht ohnmächtig war. Schon 1529 mußte sie wegen des Auftretens des englischen Schweißes und der Pest nach Frankenberg, 1542 nach Grimberg, 1564, 1575 und 1585 wieder nach diesen Städten verlegt werden. 1595 zogen die Professoren mit ihren Hörern nach Kirch­hain, Grünberg und Homberg. War Mar­burgs Lage schon während der Pest eine trostlose, wo es von allen Behörden ver­lassen, von der Umgegend abgesperrt, aller Ge­werbstätigkeit beraubt und vom Elend heimge­sucht, so wurde dieselbe noch schrecklicher während der Zeit des 30jährigen Krieges.

Infolge der Einführung des reformierten 1 Gottesdienstes, die das Reichsgericht als einen Verstoß gegen das Testament des letzten Land­grafen Ludwig IV. von Oberhessen betrachtete, wurde dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt die Marburger Erbschaft zugesprochen und die Darmstädter nahmen 1624 von Marburg Besitz. Von da ab begannen die verheerenden Durch­züge, Einlager, Brandschatzungen und Plunder- I ungen. 1623 sah man in Marburg die Tillyschen I Scharen, 1640 das französisch-weimarische Heer, I 1643 Königsmarks und Hatzfelds Truppen und I 1645 zog der Krieg selber in Marburgs Mauern ein. Damals überflutete das vereinigte schwe- disch-weimarisch-hessische Heer Oberheffen. Am 28. Januar war Weidenhausen von den Schwe­den geplündert worden. Am 10. November kam der hessische General Eaiso vor die Stadt, die er nM ILO^Schüffe» Mhm. «ährend ibtt Btftiuma

Word derGroßherzogin Elisabeth" auf sechs er­höht, die sich ihrer mühevollen, aber wichtigen Aufgabe der Erziehung um so wirkungsvoller widmen können, weil das Schiff keine Ladung fährt. Daß bei der Auswahl der Offiziere mit größter Sorgfalt vorgegangen wird, versteht sich von selbst.

Die Einstellung der Schiffsjungen erfolgt im April und September jeden Jahres. Die Annahme-Bedingungen schreiben eine besondere Schulbildung nicht vor, wohl aber eine Alters­grenze von 14y2 bis 16 Jahren. Bei Anwär­tern mit der Berechtigung zum einjährig-frei­willigen Militärdienst erhöht sich die obere Altersgrenze auf 18 Jahre. Ferner verlangen die Bedingungen natürlich völlige Gesundheit, besonders die der Augen, und normalen kräf­tigen Körperbau. Der Seemannsberuf ist an­strengend und verlangt gesunde Männer, die ihrem Körper etwas zumuten können.

Nach der Einstellung als Schiffsjunge geht es für den Sommer auf die erste Reise in die Ost- und Nordsee. Hier wird den Jungen die erste seemännische Ausbildung zu Teil, wozu sich die wenig gefahrvolle Ostsee besonders eignet. Ende September wird dann die Auslandsreise ange­treten, welche die Knaben in ferne Länder führt, meist über den Ozean nach Westindien. Auf den Ozeanreisen können die Jungen dann zeigen, was sie gelernt haben. Besonders die Heimreise im Frühjahr wird so schnell als mög­lich zurückgelegt, um das Sportinteresse am Segeln zu, heben. Am Schluffe des Ausbildungs­jahres findet unter der Leitung des Hohen Pro­tektors und in Anwesenheit von zahlreichen Ver­tretern der Kriegs- und Handelsmarine eine Besichtigung statt, welche bisher stets den Be­weis geliefert hat, daß die Zöglinge den Weg von der Landratte zum Seemanne zur. vollsten Zufriedenheit gemacht haben.

Die Mehrzahl der Schiffsjungen wird nach Beendigung des Ausbildungsjahres als Leicht­matrosen anderen Segelschiffen der Handelsma­rine überwiesen, wobei der Schulschiff-Verein den jungen Leuten durch seine Verbindungen mit der Reederei behülflich ist.

Eine Anzahl von Schiffsjungen, natürlich die tüchtigste», können ein zweites Ausbildungsjahr als Leichtmatrosen, unter diesen wieder wenige tüchtige ein drittes Jahr als Vollmatrosen an Bord des Schulschiffes verbleiben. Diese unter­stützen die Offiziere in der Ausbildung der Schiffsjungen.

Der Pensionspreis für Schiffsjungen, Leicht­matrosen und Vollmatrosen beträgt jährlich 250 -Ü, Vollmatrosen erhalten jedoch die ortsübliche Heuer, verdienen also. Für alle Knaben wird beim Eintritt gleichartige gute Kleidung ein- ; schließlich eines Oelanzuges zum Selbstkosten­preise von 150 cW aus der Kleiderkammer des Schulschiffes geliefert.

Marburg früher und heute.

, Von L. Müller,

(Sortierung.}

? Die Perle unter Marburger Gebäuden ist uu/reilig die St. Elifabethkirche, ein unschätz­bares Kleinod der Stadt. Nennt sie einen herr- Iiu?en Diamanten, der bescheiden und demütig wie die Magd des Herrn selber, den Fuß des fürstlichen Marburg schmückt! Ein Meisterstück der altdeutschen Baukunst aus der Zeit ihrer ungeschminkten Jungfräulichkeit, erhebt sich der prächtige Elisabcthendom in den edelsten For­men und macht den Eindruck, der nur empfun­den, nrcyt beschrieben werden kann. Größe und Einfachheit, Kühnheit und Anmut, Kraft und Leichtigkeit bilden in harmonischer Vereinig- Ung den Eharckter des ehrwürdigen Baues. K und schlank erheben sich ihrs beiden Türme ine Höhe von 303 Fuß zum Himmel und tragen auf ihrem Knopfe, der rechte einen Ritter mit gezücktem Schwerte, der linke, eine ziemlich seltene Verzierung, einen Stern. Sieben C/ocken ergießen von ihnen ihr harmonisches Geläute über Stadt und Tal. Durch ein prachtvolles Portal zwischen beiden Türmen betritt man das Innere der geräumigen Kirche, die nach der im Mittelalter beliebten Weife in der Form eines Kreuzes erbaut und über dem Kreuzpunkt des Hauptschiffes mit den Querschiffen noch durch eine kleinen Turm geziert ist. Die Kirche wurde rn den Jahren 12351283 aus glatten Quader- fiemen ausgeführt und steht noch so glatt und tr \ als ob sie eben unter dem Meise! des un­bekannten Baumeisters gewachsen wäre. Im Ebor des rechten Kreuzarmes befinden sich die Gräber der Erbauer der Kirche, vom Hochmeister Konrad bis auf Landgraf Wilhelm III. Der linke Kreuzarm wird der Elisabethenchor ge­nannt und enthält die interessante Erabkapelle in welcher früher der Sarg der Heiligen gestan­den, bevor er an seine jetzige Stelle in der Sakri­stei kam. Neben der Kirche liegen die alten Komtureigebäude des Deutschen Ordens. Der Komtur der Ballei Hesse» hattr ja Marburg

mit dem ^eisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbtti«

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Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.

Mittwoch. 27. November 1907. lt"'* 491 3a6r$