mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kircklwin
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Erscheint wüchcutlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnwersitatS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
Marburg
Sonntag, 24. November 1907.
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Zweites Blatt.
Die heutige Mmmer umfaßt 3 Blätter.
Nachklänge zum Kaiserbesuch in Windsor.
,f Die glänzenden Festlichkeiten, die zu Ehren des deutschen Kaiserpaares in England veranstaltet worden, sind verrauscht: die Kaiserin ist über Holland, wo sie der Königin Wilhelmina .•inen kurzen Besuch abstattete, nach Hause tzurückgekehrt, während der Kaiser zwar noch auf britischem Boden weilt, sich aber für einige Zeit ins Privatleben zurückgezogen hat, um als East des Schloßherrn von Highcliffe mildes Seeklima zu genießen und ganz seiner Erholung zu leben. Nachdem die Tage von Windsor ohne jeden Mißlang zu Ende gegangen sind, kann es als festgestellt gelten, daß der gute Zweck, den Kaiser Wil- lhelm bei seiner Englandfahrt im Auge hatte, ,nämlich die Wiederannäherung der beiden Höfe Pnd damit auch eine solche der beiden blutsverwandten Völker erreicht worden ist. Auch wenn inan die bei solch' festlichen Anlässen üblichen Aeberschwänglichkeiten abrechnet, so kann man doch aus der Fülle und Wärme der unserem Kaiser dargebrachten Huldigungen und nicht zum wenigsten aus den herzlichen Aeußerungen der englischen Presse auf eine Wendung zum Besseren schließen, auf ein Nachlassen der uns feindlichen Dolksstimmung in England und auf eine gegen früher wesentlich vermehrte Bereitwilligkeit John Bulls, sich mit seinem deutschen Vetter gu vertragen. Weit gefehlt aber würde es sein, hieraus weitgehende Schlüffe für die Zukunft zu ziehen: benn dieser Stimmungswechsel in England ist doch wohl zunächst ein Augenblickserfolg, in erster Linie hervorgerufen durch den persönlichen Eindru. Kaiser Wilhelms auf das englische Volk. Daß dieser Eindruck zu einem deutsch-englischen Vertrage führen muß, wie von Übereifrigen Englandschwärmern schon als sicher angenommen wird, scheint jedoch jedem kühler denkenden wenig wahrscheinlich. Nicht durch Hingebungsvolles Umschmeicheln der „Königin der Meere" darf Deutschland hoffen, in dauernder Freundschaft mit Britannia zu leben. Den Engländern muß einer imponier en, wenn Man von ihnen als gleichberechtigt angesehen werden will, und nur auf dem Boden der Eleich- Herechtigung können ehrlich gemeinte, gute Verträge abgeschloffen werden. Dazu aber ist in erster Linie nötig, daß deutscherseits die nach schweren Kämpfen errungene Weltmachtstellung im Konzert der Mächte auch tatkrätig betont wird, ohn: daß Albions Stirnrunzeln llnsicher- Heiten und Schwankungen unserer Auslands- Politik (Marokko!?) zur Folge hat. Immer wieder muß den Engländern klar gemacht wer- dm, daß sich im Laufe der Jahrhunderte die Machtverhältniffe auf unserem Planeten doch etwas verschoben haben. Endgültig find ja die Zeiten vorüber, wo England ein Monopol als Kolonialmacht zu haben glaubte und über die Welt verfügte, ohne den deutschen Vetter auch nut einer Frage zu würdigen: denn überall in überseeischen Ländern sind heutzutage deutsche Jntereffen vertreten, über die England nicht einfach, wie ehedem, zur Tagesordnung schreiten darf. Das eine Gute hat die Akte von Algeciras denn doch gehabt, daß John Bull hierüber aufge«. klärt worden ist. Hieran wird auch durch die große Herzlichkeit der Trinksprüche von Windsor nichts geändert werden; denn auf Grund verdrießlicher Erfahrungen ist man heutzutage in deutschen Regierungskreisen nicht mehr so leicht bereit, auf eine freundliche Phrase hin, einem anderen — und wenn's Vetter John wäre — den Vortritt zu lassen. Zudem will es uns fast scheinen, als ob die englische Freundlichkeit nicht lediglich als Ausdruck eines übervollen Herzens aufzufassen, sondern vielmehr als ein Anzeichen dafür zu betrachten fei, daß den Engländern eine Ahnung aufdämmert, daß sie vielleicht in Zukunft einmal unser Wohlwollen recht nötig haben könnten. Politische Sßettetlunbige wußten schon vor längerer Zeit von einer Besorgnis erregenden Wolkenbank zu berichten, die sich im äußersten Osten am Horizonte auftürmt. Uncle Sam, der Amerikaner und der kleine ehr« geizige Japse drohen sich bet nächster Gelegen- jieit beim Schopfe zu kriegen, und das könnte
natürlich John Bull nicht ganz unberührt lassen; zumal ihn freundliche Beziehungen mit der kleinen Eelbhaut verbinden. Mag auch die Kraft der Union durch die schreckliche Eeldkrifis, die infolge des frevelhaften Spiels der Trusts einen so ungeheuren Umfang angenommen hat, gegenwärtig gefesselt fein, die Stunde wird kommen, wo der amerikanische Simson seine Kraft wieder- sindet und sie gebrauchen lernt! Wie dem aber auch sein mag, Albion scheint sich heute nicht mehr so sicher in seiner weltbeherrschenden Stellung zu fühlen, wie noch vor wenigen Jahrzehnten, und dürfte darum den deutschen „Emporkömmling" hinsichtlich seines politischen Wertes etwas höher in seine Rechnung, einstellen. Möge die deutsche Reichsregierung in diesem Sinne die englische Freundlichkeit einschätzen, damit unsere Auslandspolitik an Sicherheit und Stetigkeit gewinnt. Dazu allerdings bedarf es auch der Machtmittel, um sich bei den „guten Freunden und getreuen Nachbarn", nicht zum wenigsten bei den Engländern in Respekt zu setzen. Diesem Zwecke vornehmlich will das neue Flottengesetz dienen, über dessen Inhalt bereits berichtet worden ist.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser verbrachte den gestrigen Morgen zu Highcliffe in Gesellschaft des Grafen Wolff-Metternich und des Grafen Eulenburg auf der Parkterrasse, die einen Ausblick auf dir See gewährt. Nach dem Frühstück unternahm der Kaiser einen Automobilausflug. Das bis jetzt herrschende warme, aber trübe Wetter wich Ijeuie einem klaren, frischen Wetter mit hellem Sonnenschein. Schon in der Frühe haW» der, Kaiser Aussicht auf die Insel Wight und er sprach über die Szenerie fein Entzücken aus.
— Bom Bundesrat. Berlin, 22. Roo. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde über mehrere Resolutionen des Reichstags zum Etat der Reichsjuftizverwaltung Beschluß gefaßt. Die Mehrzahl der Resolutionen, darunter die Resolutionen betreffend die Entschädigung von Schöffen und Geschworenen, betreffend die Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Haftpflicht der Betriebsunternehmer für die beim Bau von Automobilen verursachten Schäden wurden dem Reichskanzler überwiesen. Zugestimmt hat der Bundesrat der Vorlage betreffend Aenderung des Militärtärifs für Eisenbahnen.
— Eine konservative Interpellation. Wie aus Berlin verlautet, haben die Konservativen im Reichstage eine Interpellation wegen der Höhe des Reichsbankdiskonts eingebracht.
. — Bom Auswärtigen Amt. Berlin, 22. Nov. Der Staatssekretär von Schön ist von England, zurückgekehrt und hat die Leitung des Auswärtigen Amtes übernommen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Teheran Dr. Stern« rich zum Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt unter Beilegung des Charatters als Wirklicher Geheimer Legationsrat.
— Nichtzulassung der Oberrealschüler zum Apothekerberuf. B e r l i n, 22. Nov. Der preußische Kultusminister hat das Gesuch des Apo- thekerkammerausschuffes betreffend die Zulassung der Schüler der Oberrealschulen zum Apotheker- beruf abgelehnt. Der Kultusminister hält daran fest, daß der Apothekereleve ein gewisses Mindestmaß von Kenntnis in der lateinischen Sprache mitbringen mutz.
— Hebung der Militärkapellmeister. Berlin, 22. Nov. Ein Erlaß des Kriegsministers beabsichtigt die Hebung der Militärkapellmeister. Nach diesem Erlasse sollen die Militärkapellmeister in Zukunft den Titel '„Musikmeister" und nach einigen Jahren den Titel „Obermusikmeister" erhalten. Sie erhalten ferner einen über dem Feldwebel stehenden Rang und haben nur den Regimentskommandeur, sowie die höheren Befehlshaber zu Vorgesetzten. Der Sold wird abgeschafft werden, dafür erhalten die Musikmeister und Obermufikmeister ein gegenüber dem l isherigen Solds erhöhtes Gehalt. Auch die Uniform erfährt eine Aenderung.
— Heeres-Ergänzungs-Eeschäft. Berlin, 22. Slot. Die Uebersicht über die Ergebnisse des Heeres-Ergänzungs-Eeschäfts für 1906 ist dem Reichstage zugegangen. An Militärpflichtigen wurden geführt: 1145 386, davon wurden ausgeschlossen vom Militärdienst 921, ausgemustert 3» 327, dem Landsturm überwiesen 116 584, der Ersatzreserve überwiesen 828 864, der Marineersatzreserve überwiesen 1654, ausgehoben 213 995 Mann. Von letzteren wurden für das Heer bestimmt 210 993^ für die Marine 8902.
Freiwillig stellten sich: 10 833 Einjährige, 41169 sonstige für das Heer, 579 Einjährige, 2827 sonstige für die Marine.
— Eine Untersuchung der deutschen Geld- und Kreditverhältnisse ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, in umfassendem Maße seitens der Reichsverwaltung bereits seit längerer Zeit unter Mitwirkung von Sachverständigen in Aussicht genommen. Die einleitenden Schritte hierzu sollen schon in den nächsten Wochen erfolgen, um den Sachverständigen genügende Zeit für eine eingehende Prüfung und für Umfragen in weiteren Kreisen zu lassen. In gleicher Weise wird eine Enquete über Fragen des Bankwesens beabsichtigt, wie sie bereits in der vorigen Session des Reichstages von der Reichsverwaltung in Aussicht gestellt worden ist. Die Anhörung von Sachverständigen über diese Frage ist auch zur Vorbereitung der Entschließung erwünscht, welche anläßlich des am 1. Januar 1911 eintretenden Ablaufs der Reichsbankprivilegien zu treffen sein werden.
— Die Hochseeflotte trat gestern von Kiel aus ihre diesjährige Winterreise nach den jüt- ländischen Gewässern an.
— Die Polenvorlage. Köln, 22. Nov. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Forderung der Polenvorlage geht über 250 Millionen hinaus. Die Zahl der jährlich angesetzten Ansiedler war im letzten Jahr doppelt so groß als unmittelbar nach 1902; dadurch sind die damals bewilligten 250 Millionen schneller aufgebraucht worden als erwartet war. Hinzukommt, daß in den letzten zwei Jahren durch die Umwandlung des vorhandenen deutschen Bauern- Hesitzes in Rentengüter neue große, viele Mittel erfordernde Ausgaben erwuchsen. Deshalb ist zu erwarten, daß in der jetzigen Anforderung der Regierung wiederum wie im Jahre 1902 ein erheblicher, bestimmt zu normierender Anteil für den Ankauf von Domänen und Forsten mit» enthalten ist. Die geforderten Mittel können auch diesmal, weil es sich um dauernde verzinsliche Anlagen von Staatsgeldern handelt, nur durch Anleihen gedeckt werden. Eine baldige Verabschiedung der Vorlage durch den Landtag ist wünschenswert, weil die Ansiedlungskom- misfion bekanntlich am Ende ihrer Mittel steht.
— Eine Regelung der Arbeiterverhältnisse im Reichspostdienst? Die „Tägl. Rundschau" erfährt von unterrichteter Seite, daß ein Erlaß des Staatssekretärs des Reichspostamts bevor- stehe, wonach die Arbeiterverhältnisse im Reichspostamt geregelt werden. Seitens der beiden Vereinigungen dieser Arbeiter liegen eine Reihe Beschlüsse über Reformen der Arbeitszeit, Arbeiterausschüffe, Tagelöhne usw. vor. Der erwähnte Erlaß beschäftigt sich mit berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft, beispielsweise sollen die Löhne aufgebessert werden.
— Ein Kolonialkenner über die Entwickel- «nd Kamerun. In Dortmund sprach in der dortigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes der bekannte Vezirksamtmann a. D. Eeo Schmidt in einem Vortrage über Kamerun. Der Vortragende bemerkte einleitend, daß er ohne politische Tendenz über die bisherige Entwicklung und die Entwicklung-Möglichkeit Kameruns sprechen werde. Die größte Schuld daran, daß die Entwicklung nicht tn dem Matze fortgeschritten ist, wie sie sollte, schiebt er den kolonialfeindlichen Parteien zu, die kein Verständnis für Kolonialsache hätten. Der bisher für Kamerun bewilligte Rerchszu- schuß sei hauptsächlich für die Schutztruppe zur Unterwerfung des Landes verwandt worden. Der Handel in Kamerun ist in den letz, ten Jahren sehr gestiegen. Es bestehen dort 21 größere Gesellschaften mit einem Eesamtkapital von 421/2 Mill, eti und 42 Handelsfirmen mit 350 Niederlassungen. Der Handel ist messt noch ein Tauschhandel, nur an der Küste herrscht der Celdverkehr, und wird durch Wanderhändler (Europä'er) und Zwischenhändler (Eingeborene) ausgeführt. Die europäische Kultur bedeckt ein Gebiet von 77 552 Hektar, in dem 10 000 Ar- beiter unter 143 Europäern tätig find; die Arbeiter erhalten monatlich bei völlig freier Station 6—10 <41, ein Mangel an Arbeitern ist nicht vorhanden. Die Hauptarbeit in dem Schutzgebiet für uns liegt in der Erziehung der Bevölkerung; die Eingeborenen find das Arbeitskapital, dos vielfach noch brach und unbenutzt darliegt. Mit Gesetzen ist bei der Erziehung der Eingeborenen wenig zu machen, da die Rechtsanschauung eine ganz andere ist; auch ist es falsch, den Fetisch mit Gewalt zu bekämpfen, wie es die Misstonen machen. Die Missionen könnten ein großer Kulturfaktor fein, wenn sie erst den Neger zur Arbeit erziehen wollten und sich nicht um Regierungsmaßnahmen kümmerten; aber jetzt ist der Konkurrenzkampf den Missionen unteieinonx-x »och zu groß, uni"
etwas Großes leisten zu können. Die Wege« und Vahnverhältniffe find in Kamerun noch fchlecht und unvollkommen. Für eine fc e f f e t c und schnellere Entwicklung Kamee tuns macht Schmidt folgende Vorschläge: I» Kamerun ist nur mit großen Mitteln etwas zu eitei ''en, deshalb sollte die Regierung kapitalkräftige Unternehmungen nach jeder Richtung unterstützen (Land umsonst geben, Wege und Bahnen bauen). Die Beamten, die jetzt ihre Stellung als Durchgangsstellung anfehen, müssen sichergestellt und ihnen die Möglichkeit gewährt werden, sich dort eine Familie gründen zu können. Die einzelnen Bezirke (jetzt 20 von je 24 000 und mehr Quadrat-Klm.) müssen kleiner werden (40 einrichten) und 5—6 bet kleineren Bezirke einem Oberamtmann unterstellt werden; die einzelnen Bezirke müssen nach sprachlichen Gruppen zusammengelegt werden, da die jetzigen von dem Dolmetscherunwesen zu viel abhängen. Die Verkehrssprachen der Eingeborenen müssen ausgebildet werden. Die Zahl der Aerzte (13) muß vermehrt werden, einmal zum Schutze der Europäer und jum anderen zum Kampfe gegen die Epidemien und die Kindersterblichkeit, der jetzt % der Kinder zum Opfer fallen. Die Schutztruppe (1350) muß vermehrt und allmählich in eine Polizeitruppe umgewandelt, da diese sicherer und billiger ist, und manche Reibungsfläche zwischen Zivil und Militär beseitigt. Es sollen keine Neulinge in die Kolonien geschickt werden; man soll die Offiziere der Schutztruppe in die Ver- waltung übernehmen und ihnen sichere und gute Stellungen geben. Die wissenschaftliche Durchforschung ist notwendig, da im Boden noch ungeahnte Werte liegen. Die Vorschläge kosten viel Geld, aber es ist besser, das Geld wird zur Erhaltung der Werte jetzt hineingesteckt als spater.
— Ein gewaltiger Rückstrom von Auswanderern aus den Bereinigten Staaten macht sich gegenwärtig bemrkbar. Der neue Postdampfer der Hamburg-Amerika-Linie „President Grant" ist mit 3200 Zwischendeckspassagieren von New- York nach Hamburg abgegangen und hat, da auch die anderen Fahrklassen stark besetzt find, wohl die größte Zahl Personen an Bord, die je aus einem Schiffe zwischen Amerika und Europa befördert wurden. Infolge dieser die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Saaten kennzeichnenden Verhältnisse haben sich die Hamburg- Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd veranlaßt gesehen, die Zwischendeckfahrpreise zu erhöhen.
— Ein verurteilter Genosse. Hallen. S., 22. Nov. Wegen Beleidigung eines Bergmannes wurde Genosse Redakteur Leopoldt zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Leopold hatte den Berg- man und dessen Familie beleidigt, weil dieser der Sozialdemokratte keinen Geschmack abgewinnen konnte.
Deutscher Reichstag.
Am gestrigen Freitag trat der Reichstag wieder zusammen, um die im Mai unterbrochene Session in 55. Sitzung fortzusetzen.
Am Bundesratstifche waren erschienen Frhr. v. Stengel, v. Bethmann-Hollweg, Nieberding und Kräfte. Das Haus war gut besetzt. . .
Präsident Graf Stolberg eröffnete die Ätzung mit geschäftlichen Mitteilungen und stellte fest, daß das Präsidium des Reichstages am Begräbnis des Eroßherzogs von Baden teilgenom- men hat.
Das Andenken der während der Vertagung verstorbenen Abgg. Rißle» (kons.) und Dasbach (Ztr.) wurde in der üblichen Art geehrt.
Darauf trat man in die Tagesordnung ein, auf der ausschließlich Petitionen standen.
Eins Petttton, betreffend die Sozialreform im Handelsgewerbe, beantragte die Kommission zur Berücksichtigung zu überweisen.
Nach einer längeren Siebe des Abg. Molkcn- tuhr (Soz.), die im Zusammenhang unverständlich blieb, wandte sich
Abg. Schack (wirtsch. Vergg.) gegen die Sozialdemokratie, die keinerlei Verdienste um die Sozialreform im Handelsgewerbe habe. Die Freude über die kaiserl.Botschaft würden wir un$ burd) keinerlei Angriffe von links verekeln lassen. Das Buhlen um die Gunst der Privatangestellten könne die Sozialdemokratte einstellen. Die Privatbeamten wollten mit ihr nichts zu tun haben. (Beifall.)
Nach einer Erwiderung des Abg. Molken« buhr wurde der Kommiffionsantrag ange- nommen.
Eine Petition bett, den Verkehr mit Zelluloidwaren wurde ohne Erörterung zur Erwägung überwiesen, ebenso eine Petition auf Einführung obligatorischer Arbeiterausschüsse zur Erwägung bezw. als Material.
Bei der Petttton auf Einrichtung von Ha» delsinlvektionen beantragte die KommssLa» #»