mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbai«.
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Marburg
Mittwoch, 20. November 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Mug. S»ch, UmverfitätS-Buchdruckerei
Maiburg, Markt 2t. — Telephon 55.
42. Jahrg.
- Erstes Blatt.
Reichstagswiederbeginn.
/ Gottlob, daß die schwankenden Gestalten, die in der ihrem Ende zuneigenden parlaments- Dceien Zeit über die Blockpolitik mit erstaunlicher Hartnäckigkeit allerlei unfruchtbare Be- 'trachtungen anstellten, nunmehr verschwinden ^müssen. Die Monate des Hoffens nud Fürchtens sslnd vorüber und die Blicke richten sich gespannt inach der Bühne der in Berlin zusammentreten- jden Parlamente, auf der der neue Kurs unserer Inneren Politik durch Taten sestgelegt und be- stätigt werden soll.
: Wenn am Ende der Woche im Wallotbau Gras Stolberg die Reichsboten und wenn wenige Tage später im preußischen Abgeordneten- ihause Herr v. Kröcher, im Herrenhause der inzwischen hoffenMch völlig genesene greise Fürst Knyphausen die Vertreter des preußischen Volkes begrüßt, wird es wohl am Königsplatz wie in der Prinz Albrechtstraße und Leipzigerstraße Meißen: Willkommen zum arbeitsreichen Eesetz- -gebungsabschnitt! Selten haben dem Reichstage und dem preußischen Landtage so viele und so wichtige Entwürfe vorgelegen, wie jetzt und dabei werden sich die einzelnen Parteien, da die Hauptvorlagen auch in ihren Erundzügen bisher nicht veröffentlicht sind, schnell zu entscheideit haben. Reben den Etat, dessen erste Lesung in der Regel die Hauptaufgabe des Reichstags vor den Weihnachtsferien bildete, tritt diesmal noch das Reichsvereins- und Versammlungsgesetz und die Novelle zum Börsengesetz. Nach den Plänen des Reichstagsprästdenten steht zu erwarten, daß die erste Lesung des Etats am 27. November ihren Anfang nimmt; ihr wird sich die erste Lesung des Vereinsgesetzes sowie die Vörsengesetz, Novelle anschließen. Daneben werden zu Gunsten unserer Schlachtflotte neue Forderungen erhoben und unsere Beamten verweisen mit Recht auf ihre jetzt unzureichenden Gehälter, deren Neuordnung im kommenden Winter im Reich wie in Preußen durchgeführt werden muß. Obendrein liegt dem Reichstage noch aus dem verflossenen Abschnitte der laufenden Session ein »ielgliedriges Arbeitspensum vor, das z. T. noch der ersten Lesung harrt: Entwurf betreffend die Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit (eingegangen 23. April), Entwurf betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung (24. April) (sogenannter kleiner Befähigungsnachweis), Entwurf betreffend die Bestrafung der Majeftätsbeleidigung (25. April). Entwurf betreffend die Aenderung des Gesetzes über den Anterstützungswohnfitz (25. April), Entwurf für Aenderung des Gesetzes betreffend den Schutz
1 «NaLdrull verboten.)
Unter der Maske.
'Roman von Lady Georgina Robertson.
1 Die Fenster eines reich ausgestatteten Zimmers waren weit geöffnet und die Abendsonne warf ihre letzten Strahlen herein. Sie glitten über das Lager eines jungen Mädchens, welches mit sehnsuchtsvollen Blicken ins Weite schaute.
„Mathilde flüsterte die matte Stimme der Kranken, „ich möchte Dir etwas sagen."
„Du darfst nicht sprechen, mein Herz, der Doktor hat es verboten."
„Aber ich muß doch sterben, was kommt darauf an, ob ich eine Stunde länger lebe oder nicht. Ach, Mathilde, ist es wirklich wahr? Ich kann es nicht glauben. Ich fürchte mich gar nicht und dachte doch, daß cs so schwer sei, zu sterben."
„Du hast nichts zu fürchten, für Dich wird es ein sanftes Einschlafen sein."
„Aber welch ein Schlaf! Hier in diesem Zimmer werde ich meine Augen schließen und erst in einer anderen Welt wieder erwachen. Als ich in der vorigen Nacht das Rauschen de» Windes in den Bäumen hörte, erfaßte mich plötzlich eine wunderbare Idee; glaubst Du, Mathilde, haß Sterbende eigentümliche Visionen haben können?"
^^Jch habe oft davon gehört. Was sähest
„Ich wag' es Dir nicht zu sagen und doch verfolgt es mich so, daß ich leichter sterben würde, wenn mein Wunsch in Erfüllung ginge."
»Sprich ihn aus," bat Mathilde, aber Ellen zögerte zu antworten.
„Ihr werdet mich für kindisch und töricht halten, ich scheue mich, davon zu sprechen, aber das Verlangen wächst in mir und uh weiß, daß ich nicht ruhig und glücklich sterben kann, wenn
mei» letzter Wunsch versagt wird."
von Vögetzr (25. April), Entwurf betreffend die Sicherung der Bauforderungen (241 April), Entwürfe über den Versicherungsvertrag und Aenderung der Vorschriften des Handelsgesetzbuches über die Seeversicherung (29. April), Entwurf eines Gesetzes über die Hilfskassen (3. Mai). Zu solcher Kleinarbeit wird voraussichtlich noch die schon im Jahre 1905 eingebrachte, damals aber noch nicht erledigte Maß- und Ee- wichtsordnung sowie die mehrfach verlangre Vorlage über die Haftung des Tierhalters neuen Stoff bieten. An Arbeiten wird es also im Reichstage wirklich nicht fehlen. Hoffentlich gebricht es auch nicht an Arbeitsbienen. Das gesetzgeberische Schaffen wird aber besonderen Reiz erhalten durch die neuen Männer am Regierungstisch. Den „Gras im Bart" hat Herr von Bethmann-Hollweg abgelöst, der sich in seiner früheren Stellung als preußischer Minister des Innern bei allen bürgerlichen Parteien ein gutes Maß von Vertrauen errungen hatte, und der etwas schweigsame Herr v. Tschirschky hat inzwischen in Herrn y. Schön einen Nachfolger gefunden. . ;
In Preußen ist der seit Miquels Rücktritt unbesetzt gebliebene Posten des Vizepräsidenten des Staatsministeriums Herrn Dr. v. Bethmann-Hollweg übertragen worden und ins Ministerium des Innern zog Herr v. Moltke ein, nachdem zuvor Dr. Holle den verdienten und vielangegriffene Dr. v. Studt abgelöst hatte. Der neue Herr im Ministerium des Innern wird seine Fähigkeiten und Eigenart gleich bei der Vertretung der neuen Ostmarkenvorlage betätigen können, während mit dem Finanzminister namentlich bei der Neuregelung der Ve- amtengehälter gekämpft werden wird.
So gehen Reichstag und Landtag reicher Arbeit und schwerwiegenden Entscheidungen entgegen. Müssen auch jene Preßquertreibereien scharf gerügt werden, deren Ziel es war und noch heute ist, einen Teil der. Liberalen vom Block abzusprengen, so darf man doch erwarten, daß es nach den zahlreichen Unterredungen in Norderney dem Kanzler gelingen wird, die nationale Mehrheit wenigstens in den entscheidenden Fragen zusammenzuhalten. Das wird freilich nur gelingen, wenn sich auch die bürgerliche Linke des Dichterwortes erinnert: Hand wird nur mit Hand gewaschen; wenn du nehmen willst, so gib!
Deutsches Reich.
— Abschied des Kaiserpaares von Windsor. Windsor, 18. Nov. Der König und die Königin, der Prinz und die Prinzessin von Wales, Prinz Arthur und Prinzessin Viktoria von Connaught begleiteten mit großem Gefolge das Kaiserpaar um %11 Uhr von Windsor nach der South- Western-Station, von wo die Kaiserin mittels
1
„Ist Dir in Deinem ganzen Leben wohl ein Wunsch abgeschlagen worden, Ellen? Du brauchst nicht zu fürchten, daß es mit diesem letzten der Fall sein wird."
Ein glückliches Lächeln glitt über das Antlitz der Kranken, „Ja, Du hast recht," sagte sie. „Das Leben hat mir nur Gutes, nur Glück gebracht. Ich bin immer mit Liebe überschüttet worden, kein Wunsch ist mit unerfüllt geblieben. Dafür muß ich nun so jung sterben, kaum achtzehn Jahre alt. Aber die Erfüllung meines größten Wunsches soll der Schluß meines glücklichen Lebens sein. Ach, Mathilde, wirst Du mich verstehen? Ich sah im Geiste ein weißes Marmörkreuz auf meinem Grabe, und weißt Du, welche Inschrift es hatte?"
Erschöpft schwieg die Kranke. Mathilde strich sanft mit der Hand über die blasse Stirn.
Nach einer Pause fuhr Ellen leise fort: ,Lch möchte, daß die gleiche Inschrift auf meinem Grabe stände und jeder les«: „In treuem Gedenken an Ellen, die geliebte Gattin Sir Artur Chesleighs." — Nun kennst Du meinen letzten Wunsch: Ich möchte mit Artur Chesleigh getraut werden^ ehe ich sterbe."
Als das Geheimnis endlich heraus war, sank Ellen in die Kissen zurück und schloß die Äugen.
Einige Minuten herrschte tiefes Schweigen. Aus Mathildens Antlitz war jede Farbe gewichen und sie kämpfte einen schweren, bitteren Kampf mit ihrem Herzen. Endlich sagte sie leise:
„Hast Du ihn so sehr lieb, Ellen?"
Die Kranke schlug die Augen auf.
"Ja", erwiderte sie. „Ich liebe ihn mehr als alles auf der Welt, mehr als meine Eltern, mehr als Dich und tausendmal mehr als mich selbst. Ich liebe ihn so sehr, daß ich, ehe ich .sterbe, sein Weib heißen mochte. Ist das ein Unrecht?"
Wie konnte Mathilde ihr« Cousine ve;ur-
Eonderzuges nach Port-Viktoria und Holland abceifte. Die Studenten vom Eton-College, die einen freien Tag hatten, brachten den Gasten und dem Könige stürmische Hochrufe dar. Alsdann begaben sich die hohen Herrschaften nach der Creat-Wefternstation, von wo nach herzlichem Abschied in den königlichen Zimmern des Bahnhofes der Kaiser um 11 Uhr nach Highcliffe abreiste. König Eduard stand bis zum letzten Augenblick im Gespräch mit dem Kaiser an der Tür des Wagens. — Bei seinem Eintreffen in dem festlich geschmückten Highcliffe wurde der Kaiser am Bahnhof durch die Spitzen der Behörden bewillkommnet. Auf der nach dem Schlosse führenden Straße bildeten Schulkinder Spalier. Das Wetter heitert sich auf. — Die deutsche Kaiserin kam um 12 Uhr 30 Min. in Port Victoria an und wurde von dem Höchst- kommandierenden der Insel Store, sowie von dem Oberstkommandierenden der Heimatsflotte empfangen. Die Kriegsschiffe feuerten Salut. Um 2 Uhr nachmittags hat die Kaiserin an Bord der „Hohenzollern", begleitet von der „Königsberg" und dem „Sleipner" unter dem Hurra der Besatzungen und dem Salut der Kriegsschiffe den Hafen zur Fahrt nach Pmuiden verlassen. — Heute gegen 1 Uhr nachmittags trifft die Kaiserin auf Schloß Het Loo ein, wo Frühstückstafel und abends Familiendiner stattfindet, an dem der deutsche Gesandte mit Gemahlin und der Legationssekretär der deutschen Gesandtschaft teilnehmen. Abends 10 Uhr reist die Kaiserin nach Potsdam ab.
— Drr neue Unterstaatssekretär Dr. Stern« »ich trat 1874 als Referendar in den Justizdienst, wurde 1881 Eerichtsassessor und ein Jahr später Rechtsanwalt in Wiesbaden. Er ging bald in den Konsulatsdienst über, war Vizekonsul in London, eine Zeit lang Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, Konsul in Antwerpen und Mailand. Von dort kam er 1895 nach Konstantinopel und erwarb sich dort den Ruf, .einer der besten Kenner der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Türkei zu sein. Wetteren Kreisen ist Geh. Rat Dr. Stemrich dadurch bekannt geworden, daß er die Studienexpedition leitete, die im Auftrage der Deutschen Bank die Gebiete Kleinasiens und Mesapota- miens erkundete, durch die die Bagdadbahn gehen soll. Den hohen Ruf, der ihm voranging, hat Dr. Stemrich dann als Gesandter in Teheran nach jeder Richtung hin bewährt, und auch dort sieht die deutsche Kolonie ihn nur mit lebhaftestem Bedauern scheiden. Vorläufig wird für ihn auf seinem bisherigen Posten die Geschäfte der Legationssekretär Frhr. von Richt- Hofen führen, der vom Urlaub nach Berlin kürzlich nach Teheran zurückbefohlen wurde.
— Die nächsten Aufgaben des Landtages. Die bevorstehende Tagung des Landtages, der am 26. November eröffnet werden soll, ist die letzte von den Neuwahlen im Jahre 1908. Dringlicher Aufgaben ist seine Einberufung entgegen dem bisherigen Brauch diesmal bereits zu einem so frühen Termin, noch im Spätherbst, erfolgt. Zwar wird, wie die „Köln. Ztg." mitteilt, der
teilen, da sie selbst Artur Chesleigh in derselben Weise liebte? Sie küßte die Kranke zättlich.
„Und er, Ellen, hat er Dich auch lieb?" fragte sie.
„Ja, davon bin ich überzeugt. Ihr sagt doch alle, daß jedermann mich lieb hat."
„Das ist wahr, aber dies ist eine andre Liebe, ganz anders wie die der Eltern und Freunde.
Ein Schatten zog über Ellens Gesicht.
„Was liegt daran, Mathilde, welcher Art seine Liebe ist. Du weißt, daß morgen um diese Zeit alles Irdische hinter mir liegt."
„Und warum beunruhigt Dich diese Sache denn überhaupt noch?"
„Du. verstehst mich eben nicht," erwiderte Ellen traurig. „Ich habe von Tag zu Tag gelernt, ihn mehr zu lieben, und ich sterbe leichter, wenn er in der Nähe ist. Ich möchte in der letzten Stunde seine Hand hatten, mein Blick soll auf ihm ruhen, und in seinen Armen will ich hinüberschlummern. O, Mathilde, bedenke, mach' mein Ende leicht und hilf mir. Ich weiß, Du kannst es!“
„Was soll ich tun?" fragte diese mit klangloser Stimme.
„Ich weiß, daß et hier im Hause ist, ich höre fernen Schritt, und mein Herz schlägt höher, wenn et vorbeigeht."
„Et ist hier," gab Mathilde zu.
: JDonn suche ihn auf und sprich mit ihm. Erzähle ihm von dem Wunsche und der Bitte einer Sterbenden, die ihn Übet alles liebt. Er wird nicht „nein" sagen. Sage ihm, daß er mit meinen Tod versüßt. Geh' beeile Dich. Bedenke, wie kurz die nur gegebene Frist ist. Und bitte meinen Vater, daß ex zu mit komme, ich weiK daß er mich verstehe» wird."
Mit ungeahnter Kraft richtete sich die •
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Etat nicht sogleich vorgelegt werden können, die bedeutungsvollen Debatten über die Haup» frage, die bereits ihre Schatten vorausgeworfeO hat, ob die Deckung des Bedarfes für die in Au» sicht genommene Aufbesserung der Beamteng» hättet, der Lehret- und PfatrerbesoldungeG durch eine Erhöhung der Einkommensteuer ob* durch eine Umänderung der bisherigen AuM stellung des Eisenbahnetats erfolgen soll, stnA vorerst nicht zu erwarten. Doch wird auf einet» anderen Gebiet bet Kampf sogleich mit groß* Leidenschaftlichkeit einsetzen, nämlich bei der Frage der Neüauffüllung des Ansiedlungsfond- unb der bannt zusammenhängenden Forderung bet Regierung auf befonbere Befugnisse zugunsten bet Ansiedlungskommission. Nachdem die Regierung zu bet Erkenntnis gekommen ist, baß bis Zwecke bet Polenpolitik, baß eine vernunftgemäße Fortsetzung bet Ansiedlung Deutscher in polnischen Gegenden mit den gegenwärtig verfügbaren Mitteln nicht zu erreichen ist, werde» hoffentlich die widerstreitenden Anschauungen innerhalb bet Blockparteien über Form, Ausdehnung und Inhalt der zu ergreifenden Ausnahmemaßregeln auf einer mittleren Linie zum Ausgleich gelangen. In dieser Beziehung werden die Verhandlungen, die über die Polenvorlage der Reichskanzler mit den Führern bet Blockparteien schon während seines Aufenthalte» in Norderney gepflogen hat, sicher auch nicht ohne Wirkung bleiben. Wie das zitierte Blatt bemerkt, wird die bis zu den Weihnachtsferien zur Verfügung stehende Zeit auch im wesentlichen wohl durch Verhandlungen über die Polenfragt in Anspruch genommen werden.
— Der neue Fischerei-Gesetzentwurf. Ueber den kommenden Fischerei-Gesetzentwurf wirb bet „Rhein.-Wests. Ztg." von unterrichteter Seite mitßeteilt, daß dieser sehr wesentliche Urnge- staltung des Fischereigesetzes vom Jahre 1874 und der dazu gehörigen Novelle vom Jahre 1880 bringen wird. Besonders wird der Entwurf neue Bestimmungen enthalten über den Begriff der geschlossenen Gewässer, über die Fischerei bet Gemeinden, den Fischereischein und das Recht der Uferbetretung durch die Fischereiberechtigten. Auch die Beaufsichtigung der Fischerei und die Bestimmungen über die der Fischerei schädlichen Tiere find nicht unerheblich abgeändert worden. Der Entwurf hat bereits den Provinzialbehot- den zur Begutachtung vorgelegen und wird nunmehr von den zuständigen Ministerien fettig« gestellt. Falls die parlamentarische Lage es ge- stattet, soll das Gesetz noch in dieser Tagung dem Landtage zugehen.
— Die Betriebseinnahmen der preußischen Staatseisenbahnenverwaltung zeigten nach Mitteilung der „Norddeutschen Allgem. Zeitung" tt» Monat Oktober eine Steigerung von 8,2 Mm. Mark, wovon 3,4 Millionen auf den Personenverkehr, 4,2 Millionen auf den Güterverkehr, 0,6 Millionen auf sonstige Einnahmequellen entfallen. Im Personenverkehr ergibt sich ein erfreulicher Aufschwung, der anscheinend haupfi sächlich auf das außergewöhnlich schone Wetter im Oktober zurückzuführen ist, während die —■
Kranke im Bette auf, und der Ausdruck ihres Gesichtes verfolgte Mathilde noch lange.
„Sollte er meine Bitte abschlagen," sagte sie „meinen Wunsch nicht erfüllen, bann laß niemanb zu mir, denn ich will ganz allein und einsam sterben. Aber er wirb kommen, ich weitz es ich werbe noch im Tobe seinen Name» tragen. Beeile Dich, eile, Mathilbe!"
Verwirrt unb betäubt erhob Mathilde Burton sich unb verließ ohne ein weiteres Wort bas Zimmer, um ihren Onkel aufzusuchen. —
Ellen war bas einzige Kind von Sir Joh» unb Lady Marstone. Von ihren ersten Lebenslagen an war sie auf den Händen getragen unb mit Liebe überschüttet worden. Sie wat auch so sanft und lenksam; jeder mußte sie lieb haben, unb in den Augen ihrer Ettern besaß sie keinen einzigen Fehler. Als sie dann heranwuchs unb aus bem Kinde eine Jungfrau würbe, mit allen Reizen bet Jugend ausge* stattet, da war ste erst recht bet ganze Stolz und, bie Freude ihrer Eltern. Unb nun hatte eine schwere Krankheit sie ergriffen, unb bet Engel bcs Todes schien feine Fittiche über sie breite» zu wollen. Tiefe Trauet lag übet bem ganze» Hause. Berühmte Aerzte aus London wate» konsultiert unb heute hatten sie erklärt, baß bie Kranke kaum ben nächsten Morgen erleben würbe. Der Geistliche, bet sie getauft und zum Tische bes Herrn geführt, wat gerufen wor. ben, um ihr mitzuteilen, daß sie nut noch wenige Stunden zu leben hätte. Ellen hatte ihn ruhig angehört unb ihm leise bie Gebet! nachgesprochen, bie sie als Kind bei ihrer Muttex gelernt hatte. Dem alten Manne traten btt Tränen in bie Augen, als er sie so still und bleich vor sich liegen sah, bie Augen vol ruhiger Ergebung auf ihn gerichtet unb *t sagte sich, baß et selten an einem solchen Sterbebette adtanben habe.
(Fortsetzung folgt.)'