Einzelbild herunterladen
 

W

#;s.

M

Jo 271

LicrtcljShrlicher Bezugspreis: bet ver ExpKition 2 L'ch, bet allen Postämtern 2,25 M. (excl. Bestellgeld). f Znsrrttonsgebühr: die gespaltene Zelle Jber verruß rum 15 Pfg. Reklamen: die Zeile SO Pfg.

Marburg Erscheint wöchentlich .sieben mal.

Sonntag. 17. November 1907. ?*M ttÄStfJKT* 421

Drittes Blatt.

König Jeromes Glück und Ende. .(Ein .Blatt der Hundertjahrserinnerung zum 'j 15. November.

tA Bon Dr. Emil Werner.

r Am 15. November sind es 100 Jahrs, daß das berühmte oder, wenn man will, berüchtigte .Königreich Westfalen ins Leben trat, jenes Operettenkönigreich der deutschen Geschichte. Bis zu diesem Tage hatte es nur als Beschlug exi­stiert: aber am 15. November wurde im Palaste von Fontainebleau die Verfassung des neuen Königreiches von Napoleon gebilligt, und damit war cs zu einem organisierten Körper gestaltet worden. Alsbald wurde in Casiel, der Haupt­stadt des neuen Königreiches, alles für den Ein­zug des königlichen Paares vorbereitet, und in den ersten Tagen des Dezember zogen denn wirk­liche Järüme und seine Gemahlin Katharina, dis württembergische Prinzessin, in ihre Resi- desiz ein. Es war schon gegen Abend, ein trüber Winterabend, als die schmetternden Pauken und Troinpeten das Nahen des Paares an- zeigtcn. Sie kamen in großer Gala, aber die bei deut Zuge entwickelte Pracht zog die Augen doch weniger auf sich, als der neue Herr, den aller Blicke suchten.

Es war ein junger König und ein hübscher König. Jörüme war damals erst 25 Jahre alt. Die Beschreibung eines Zeitgenoffen schildert ihn folgendermaßen:Er ist ein kkleiner zier­licher Mann, mager, mit dunklem Haar und schwarzen Augen. Sein Gesicht hatte fast starke, vorstehende Backenknochen, und um die Augen herum zeigten sich trotz seiner Jugend bereits einige leichte Falten. Sein Kinn und der starke Nacken erinnern an die Bilder des Kaisers, sei­nes Bruders, dem er aber sonst nicht ähnlich sieht. Er ist hübscher, seine Hand, die er zeigend ausstreckte, war klein und zierlich, wie die einer Dame." Unter allen Brüdern Napoleons mar er der einzige, dem mit ziemlicher Sicherheit schon in seiner Wiege eine bedeutende Zukunft vorauszusagen war. Er war der jüngste Bona­parte-Bruder, vierteicht ein wenig der Liebling der Madame Märe Lätitia, die von diesem Sohn geurteilt haben soll, er besitze unter allen ihren Kindern das beste Herz. JärOme war freilich anfangs für die Tätigkeit des Kauf­manns bestimmt, aber er war kaum 15 Jahre, als sein großer Bruder schon den Gipfel der Macht erklommen hatte, und damit änderte sich natürlich seine ganze Stellung, seine ganze Zu­kunft. Er wurde von Napeleon in das vor­nehme Guiden-Regiment des Eugen Beauhar­nais gesteckt, aber der junge Herr machte sich durch allerlei leichtsinnige Streiche, sowie durch ausgiebigen Eeldverbrauch nicht immer ange­nehm bemerkbar. Eines Tages ließ er für sich ein Necessaire zum Preise von 16 000 Frank in die Tuilerien schicken, das der damalige Erste Konsul zählen mußte. Beim Diner wendet er sich an seinen jüngeren Bruder und fährt ihn an:Also Du erlaubst Dir ein Necessaire im Werte von 16 000 Frank zu kaufen?" Peinliche Stille, man erwartet Entschuldigungen, viel- f'- leicht aber Järüme antwortet ohne die Spur

Marburg früher und heute.

MM». Bon L. M üller.

(Fortsetzung.)

Nachdem das Schloß Jahrhunderte lang, ab- wechsenld mit Caffel, die Residenz der Land­grafen gebildet hatte, diente cs nach Lud­wigs IV, Tode 1604 hauptsächlich als Festung. Durch seine steile Lage und hohen Mauern war es vor der Einführung der neuen Kriegskunst schwer einzunehmen. Seine Werke, in deren Bereich die Stadt durch eine starke Mauer mit zahlreichen Türmen und Schießscharten hinein- zezogen war, wurden nochmals erweitert und er­neuert, namentlich unter Landgraf Heinrich III., so daß der Schloßberg auch im siebenjährigen Kriege ein bedeutend fester Punkt war. Nach dem Hubertsburger Frieden ließ Landgraf Friedrich II. zwar die Festungswerke schleifen, als aber die hessischen Bauern und Soldaten am 29. Dezember 1806 zu Gunsten ihres vertriebe­nen Landesherrn einen Aufstand veranlaßten, bei dem die französische Besatzung des Schlaffes verjagt wurde, dehnte Napoleon seinen Befehl gut Schleifung der hessischen Festungen Hanau, Rinteln und Ziegenhain auch auf Marburg aus und ging mit roher Schonungslosigkeit im März 1807 an die Vernichtung der noch übrigen Mauern, Bastionen und Kaffematten. Bei den Sprengungen wurde die ganze Stadt wie durch «in Erbeben erschüttert und die umliegenden Sötten in Steinhaufen verwandelt. Der 1675 vollendete 70 Klafter tiefe Klosierbrunnen wurde «- verschüttet, Ehemals ein prachtglänzender

von Verlegenheit:Ja, so bin ich nun einmal; ich liebe die schönen Sachen." Der Erste Konsul war entwaffnet, und wir werden finden, daß uns dieser leichtfertige Jsröme noch manchesmal in seinem Leben durch diese naive Offenherzig­keit und Bonhommie entwaffnet wird. Stellen wir nur gleich fest: er war nie bösartig, ja er hatte viele gute Anlagen aber es ist wahr, er liebte die schönen Dinge, sie mochten tot oder lebendig sein, in letzterem besonders die des weiblichen Geschlechtes. Das war sein Geschick.

Uebrigens war Järüme auch nicht durchaus untüchtig, wie man ihm öfters zu Unrecht nach­sagte. Als er, 1800 zum Schiffsleutnant gemacht, in den Kämpfen zur See Gelegenheit zur Be­tätigung fand, hat er entschiedene persönliche Tapferkeit und Tatkraft bewiesen. Im Dienste der Flotte kam er auch nach Domingo und, von den Engländern vertrieben, wandte er sich nach Amerika. Und dort lernte er jene schöne Elisa Patterson kennen, die ihn an seine Schwester Pauline erinnerte (jene Pauline, die Eanova als die moderne Venus in Marmor verewigt hat); er sah sie, verliebte sich in sie, heiratete sie und zwar gegen allerlei Widerstände. Miß Elisa war schön, und Järüme hat Zeit seines Lebens auf Frauen eine gewaltige Anziehungs­kraft ausgeübt. Schade, daß sich mit natürlichem Verstände, Anmut und Lebhaftigkeit nicht auch ein gleiches Maß von Männlichkeit und Stand­haftigkeit verband. Als Napoleon, der über die amerikanische Heirat in förmliche Raserei ge­raten war, 1804, Kaiser geworden, Järüme den strengen Befehl zur Auflösung der Ehe und Rückkehr nach Frankreich gab, wagte der jüngere Bruder sich nicht zu widersetzen, ließ die schöne Elisa mitsamt ihrem Sohne sitzen und kehrte nach Paris zurück. Er liebte eben die schönen Dinge, und die Stellung eines kaiserlichen Prinzen, verbunden mit all dem Luxus, den er sich als der Bruder des allmächtigen Herrn jetzt gönnen durfte, reizte ihn doch gar zu sehr, und vielleicht winkte ihm noch Höheres! Waren die Brüder Napoleons fast alle zu Thronen empor­gestiegen, warum nicht auch er, der unter allen am ehesten von sich sagen konnte, daß er schon im Glanze der Krone aufgewachsen sei?

Und so kam es. Järüme hatte sich in dem Feldzug von 1806 in Schlesien nicht über benom­men. Am 9. Juni teilte ihm Napoleon aus Til­sit mit, das Königreich Westfalen sei beschlossen und anerkannt, und Järüme sollte sein König werden. Da hatte er denn die Krone die Krone, nach der ihn so sehr verlangte. Denn es gehörte zu seiner Natur, daß er eine groß­artige Repräsentationsrolle, wie Nie eines köitig- lichen Herrn, zu spielen Lust empfand. Bevor er bett Thron indes wirklich bestieg, wünschte ihn Napoleon noch zu verheiraten. Er hatte auch schon die Frau für ihn. Und diesmal hat et gut gewählt. Prinzeß Katharina, des dicken Fried­rich von Württemberg Tochter, wollte zuerst um feinen Preis von dieser Ehe hören. Katharina war vielleicht kein großes Ingenium, sie war ein wenig schläfrig oder doch phlegmatisch. Aber im Grunde ihrer Seele war sie eine noble Persön­lichkeit, die. treu an dem festhielt, wozu sie sich einmal ein Herz gefaßt hate. Uebrigens war sie hübsch, hatte schöne blaue Augen und prächtiges blondes Haar und war recht gut, wenn auch vielleicht etwas üppig gewachsen. Mit wehem Herzen zog sie nach Frankreich, aber als sie

Fürstenfitz, wo am 13. November 1504 Philipp der Großmütige geboren, wurde das ehr­würdige Schloß, nachdem es zuletzt 200 Jahre als Wohnung eines Militärkommandanten und höherer Zivilbeamten diente, auch Frucht­speicher war, zu einem Lazarett und Gefängnis eingerichtet. Ein Augenzeuge, C. W. Jufti, schreibt über den damaligen Zustand des Schlos­ses:Die noch stehenden Schlotzgebäude, die einst stattliche Burg, haben nach der Sprengung das Aussehen einer Ruine und dienten während der französischen Zwischenherrschast zu Gefäng- niffen für Kriminalverbrecher, Vagabunden, widerspenstige Konskribierte usw. und seit eini­gen Jahren ist das schöne und herrlich gelegene Kommanderiegebäude zu einem Kerker für die Eisengefangenen eingerichtet. Für den Platz­major wurde ein neues Wohngebäude auf ge­führt. Eins der steinernen Hauptgebäude steht seit einiger Zeit ohne Dach urü> wird, wenn nicht baldige Herstellung erfolgt, auch zur Ruine werden."

Ein anderes Gebäude diente als Kaserne und in einem befand sich die Dienstwohnung des Stockhausinspektors. Die Sträflinge wer­den mit allerlei Arbeiten beschäftigt und machen Spielwaren, auch Klaviere, die versendet wer­den. Ein Turm führt den Namen Hexenturm, eine traurige Erinnerung an die Zeiten der Hexenprozeffe. Sein Waffer empfängt das Schloß durch eine Röhrenleitung von dem Dorfe Mar­bach und durch ein künstliches Druckwerk aus der Lahn. Herrlich ist der Rundblick, welchen man hier über die malerisch gruppierte Stadt und die herrliche Gegend genießt. Dieser entzücken-

Napoleon, der Gefürchtete, der alle Damen aus echt fürstlichem Eeblüte in hohem Grade respek­tierte (bet Parvenü in ihm!), mit außerordent­licher Liebenswürdigkeit aufnahm, als et sie mit Geschenken überschüttete, und Josephine gleichsam ihre ganze gewinnende Anmut ihr ent- gegenbrachte: da wat sie gewonnen. Und um das Geschick zu vollenden: sie verliebte sich in ihren Mann, sie hat ihn fortab bis zu ihrem letzten Lebenstage mit unerschütterlicher Treue geliebt. Sie hat zu seinen Irrungen die Augen zuge­drückt, sie hat für den Entthronten gekämpft, wie eine Löwin. Und unwillkürlich sagt man sich, etwas müsse doch an diesemKönig Lustick" dtan- gewesen sein, daß diese Frau gar so sehr an ihm hängen tonnte.

Unterdessen hatten die klassisch gewordenen Lusticktage in Caffel ihren Anfang genommen. Nichts war dem zärtlichen, jungen König gut und reich genug. Die Schlöffet mußten neu möbliert, Wilhelmshöh, daß jetzt Napoleonshöh hieß, mußte gründlich verändert werden, aus Paris kamen ganze Ladungen kostbarer Möbel und Stoffe. Ehe wir indes auf das Hof- und Privatleben unseres Helden, wie er es in feinem Königreiche führte, eingehen, muß doch wieder hrvorgehoben werden, daß er sich nicht in jeder Hinsicht feines Amtes unwürdig gezeigt hat. Bekanntlich hat er sein neues Königreich in völ­liger finanzieller Zerrüttung gefunden, und die Kriegskontribution, die auf dem Lande lastete, trug dazu bei, den finanziellen Ruin zu beschleu­nigen. Alles, was wahr ist: J^tüme hat sich redlich bemüht, die Kriegskontribution zu er­leichtern, er hat auch Ansätze gemacht, für seiv Land zu sorgen. Aber da stieß er auf einen härteren Gegenwillen. Amüsieren durfte et sich, Schulden machen auch; aber selbständige Persön­lichkeit werden, und fein Land selbständig ent­wickeln: das durste er nicht. Et geriet mit Na­poleon, bet ihn durch seine Spione auf das ge­naueste beobachten ließ, ziemlich scharf zusam­men; und einmal sagte der Kaiser sogar:Wenn Ströme eine Armee von 300 000 Mann hätte, bann würde er mit den Krieg erklären." Et hatte abüt keine Armee von 300 000 Mann, und überdies reichte auch seine Spannkraft nicht zu wahrhaft entscheidenden Entschlüffen. Et sollte also nut Scheinkönig von Napoleons Gna­den sein? Nun gut, bann galt es wenigsten, sich nach Kräften zu amüsieren. Und dazu wat Jsrüme allerdings bet rechte Mann.

Immer roieber muß man an bas Wort des 15jährigen jungen Herrn denken: er liebte die schönen Dinge. Et wat ein Zärtling bet seinen Körper peinlich pflegte unb in kölnischem Wasser babete, der es nicht luxuriös genug haben konnte. Alles mußte auf bem größten Fuße, und seine Resibenz sollte eine der Hauptstädte Europas sein. Was die Ursache wurde, daß et die Bauwut bekam, und unerachtet des jammer­vollen Zustandes der Finanzen Hunderttausende verbaute, Ueberhaupt, er hätte seinem Lande gewiß gern aufgeholfen; aber es versteht sich, daß die Hunderttausende und Aberhunderttau- sende für ihn da fein mußten, damit er seinen Favoriten unb Favoritinnen fürstliche Geschenke machen und sonst all seine Launen befriedigen konnte. Diese Launen gingen nun bekanntlich seht bald nach der Seite des Ewig-Weiblichen. Es begann die berüchtigte Pascha-Wirtschaft in Caffel. Erst war die Gräfin Ttuchseß-Walb-

ben Aussicht erfreut sich jener Auswurf bet Menschheit aus seinen Zellen tagtäglich. Der nahe Dammelsberg mit seinem hetrlichenEichen- walb unb seinen schattigen Anlagen, in bem sich auch ein Tanzplatz, Mooshäuschen, Tempelchen, sowie eine Grotte mit Quelle befinben, gewährt liebliche Spaziergänge und reizende Aussichten, weshalb er in letzterer Zeit öfter zur Abhaltung von Volksfesten benützt wird. Keffelfötmig, von Bergen umschloffen, die teils mit Wald, teils mit Ackerfeldern bekleidet unb von bem Silberbanb bet Lahn butchzogen sind, liegt Marburg umschloffen von seinen Dörfern, Gär­ten, Wiesen, Felbern unb Vaumgtuppen, in malerisch schönet Abwechslung zu unseren Füßen unb gewährt einen herrlichen Anblick.

Der nörblich gelegene weitläufige Renthof wat ein altes Vorwerk vom Schöffe. Am be­merklichsten macht sich aber hier bie auf den alten Grundmauern des Dörnbetget Hofes 1840 er­baute Sternwarte. Am Fuße des Weinberges, am Eingang in das liebliche Marbachtal, wurde 1840 bie Anatomie erbaut, um bie sich besonders Dt. Sänger, dessen Herz unb Schädel auch dorten aufbewahrt wirb, nerbient machte. Auf einet am süblichen Betgabhange eingehauenen Tet­raffe erhebt sich bie lutherische Pfarrkirche, ein im 13. Jahrhundert begonnenes schönes Ge- bäube. Von bem bacorliegenben Kirchhofe mit seinen schattigen Platanen genießt man eine herrliche Aussicht. Weiter westlich liegt die Kugelfiiche unb die Probstei, in deren ersterer in westfälischer Zeit französischer Gottesdienst abgeljalten wurde, seit 1828 dient sie als katho­lische Kirche. Mitten in der Stadt finden wir.

bürg die anerkannte Mätresse de» Königs, bann löste bie Gräfin Bocholtz sie ab. Letztere war eine nicht mehr junge, aber vorzüglich konser­vierte Dame, bie bei ihrem Verhältnisse zum Könige von sehr kühler Berechnung geleitet worden zu fein scheint. Auf diese folgte bie bildschöne La Fläche unb ihr, man kann sagen, ungezählte andere. Allein urteilen wir hier auch gar nicht zu hart über unseren guten Jsrüme. Die Frauen boten sich ihm ge­radezu an, und noch heute muß der Deutsche er­röten, denkt er daran, wie sich seine Landsleute in jenen westfälischen Tagen betragen haben. Antwortete nicht die Bocholtz auf die Frage bei Königs, ob sie einen kleinen Grafen erwarte: Sire, ich hoffe, es wird ein Prinz sein!" Ließen sich nicht die hochadligen Gatten der königliche« Favoritinnen den hohen Vorzug, den ihre Frauen genoffen, geduldig und dankbar für emp. fangene Ehrungen gefallen? Geeiferte sich nicht auch bas Bürgertum, bie losen Sitten des Hofes schleunigst nachzumachen? Ja, bas gute Lasset verwandelte sich auf einmal in Klein-Paris mit Chantants unb dazugehöriger Weiblichkeit, und bas biedere alte Bürgertum schien ganz umge» wandelt und verdrängt.

Es gibt einen anderen Zug an Ströme, bet im Grunde genommen unsympathischer ist. Man sagt, als Madame Lätitia in Cassel zu Besuch war unb die Kostbarkeiten im Museum besich­tigte, habe sie angesichts gewiffer Juwelen ge­sagt:Ici il faut voler, unb nach ihrem Be­suche sei einer bet schönsten Diamantringe ver- mißt worben. Wahr ober nicht wahr: so viel ist gewiß, daß Jörüme zusammenraffte, was er raffen konnte. Er hatte sich bas Schloß in Braunschweig von ben Ständen prächtig neu einrichten taffen, unb er hat von dieser Neu­einrichtung später mitgenommen, was nicht niet- unb nagelfest war. Du lieber Gott, er mochte wohl sehr halb bas Gefühl haben, daß es mit seiner Herrlichkeit nicht gar zu lange dauern werbe. Zwar fehlte es nicht an offiziellem En­thusiasmus, und bei feiner näheren Umgebung war der persönlich sehr gewinnende König sicherlich aufrichtig beliebt. Aber seit den Tagen des Dörnberg-Aufstandes fühlte er doch ben Boden unter feinen Füßen zittern, unb in ben letzten Jahren feiner Herrschaft waren die Pferbe immer angespannt, um in eiligen Fällen ben König unb bie Königin zu retten. Nun, bie Tage kamen ja nur zu halb. Nach bet Leipziger Schlacht brachen auch Järümes Eintagsherrlich­keit zusammen, und ver König von gestern war ein Landslüchtiger von heute geworden.

Und da begann nun die große Zeit Katha­rinas. Seitdem Waterloo endgültig über den Sturz Napeoleons entschieden hatte, hatte sie einen Kampf um ihre unb unb ihres Mannes Existenz zu führen. Erst fanden sie im Reiche der Habsburger eine Zufluchtsstätte; bann ver­lebten sie traurige Tage im Lande des Königs von Württemberg, der unter allen Umstände» feinen Schwiegersohn los zu werden versuchte, schließlich wandten sie sich nach Oesterreich, unb erst, nach unendlichen Bemühungen gelang es ihnen, die Erlaubnis zur Ansiedlung in Rom zu erlangen. Katharina ist es gewesen, die i» bet Hauptsache den Kampf um diese Dinge ge­führt hat, bie auch bie schwer zerrütteten finan­ziellen Verhättniffe Järdmes durch unermüdliche Bitten bei ben Fürstlichkeiten Europas leiblich

das Rathaus, ein ansehnliches altertümliches. Gebäube aus bem Jahre 1512 mit Ecktürmchen unb Staffelgiebelmänben, einem Glockentürm­chen über bem Dache unb einem Pfortenturm an, bet Front, besten Spitze ein Hahn bewacht. Wäh< rend dieser gefieberte Wächter, ben jedoch eine künstliche Uhr erst in Amtstätigkeit setzt, bei jedem Stundsnschlage mit dem Flügel schlägt unb kräht, stößt zugleich bie Figur eines Wäch* ters in sein Horn, eine andere aber, der Tod, dreht die Sanduhr herum. Eine Mondscheibe in Form einer Kugel zeigt den jeweiligen Mond­schein an. Das Bild der Justitia mit dem Schwert und der Wage, mit verbundenen äugen, steht außerhalb des Sitzes der Gerechttgkeit hoch unter dem Zifferblatt der Uhr. Der Volkswitz sagte hiervon, daß bie Gerechtigkeit gewöhnlich vor dem Rathause prange, drinnen aber fehle. Eine alte Gedenktafel war am Rathause ange­bracht mit bem weisen Spruch:

Ihr Herren unb Richter, richtet recht, Gott ist euer Herr, ihr seid fein Knecht', Richtet nicht nach eines Mannes Klag', Zuvor hört, was der andre sagt!"

Eine bis zum Jahre 1667 benutzte Folter­kammer ist ihrer Marterwerkzeuge beraubt worden. Tief am Fuße des Berges, unweit der Lohn, erheben sich bie Gebäube bes 1290 er­bauten Dominikanerklosters, welche die Univer­sitätsaula und das Gymnasium enthalten. Am 26. Januar 1846 stürzte hier der südliche Teil der Umfaffungsmauer ein und verschüttete acht Kinder, von denen drei tot blieben,

tLortfLtzunL folgt.l