mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchtzain.
Sonntaasbeilaoe: Allukteirtss SoanLaasblatt.
Jis. 265
LiiertcLjährllcher Bezugspreis. Da du Expedition 2 AtL, bet allen Postämtern 2,25 M. ^cu Bestellgeld).
JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zelle oder Deren 3t rum 15 Pfg.
Neclamcn: die Zelle 30 Pfg.
Marburg
Sonntag. 10. November 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmversttSts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Deui-'cheS Reich.
— Zum Schutze des Deutschtums in den Ost- mrien, dem für den 26. d. M. zur letzten Session der Legislaturperiode einzuberufenden Landtage wird alsbald beim Zusanimentritt die schon erwähnte Vorlage, betreffend die Fortführung der Landpolitik zum Schutze des Deutschtums in den Ostmarken, zugehen. Die Verabschiedung der Vorlage ist besonders dringlich, weil die für die Fortführung dieser Landpolitik bereit gestellten Mittel nahezu erschöpft sind. Gerade deshalb wurde ja hauptsächlich die Berufung des Landtages vor Weihnachten in Aussicht genommen. Die Vorlage wird neben der Forderung der nötigen weiteren Mittel auch die- jenigen Massnahmen vorsehen, die eine Voraussetzung für die fernere Lösung der Aufgaben der Ansiedlungskommission sind. Wie der Minister' für Landwirtschaft ant Schlüsse der vorigen Tagung mitgeteilt hat, ist von der Einbringung der in der Thronrede angekündigten Vorlage dieser Art in der letzten Tagung Abstand genommen worden, um zunächst noch einmal alle Mittel und Wege zur Erreichung des Zieles auf das Sorgfältigste prüfen zu können. Die jetzt beschlossene Vorlage bildet den Niederschlag dieser Prüfungen, die sowohl die rechtliche, wie die praktische Seite der Sache umfaßt haben. Darüber, was inbezug auf die Landpolitik zu geschehen haben wird, gehen zweifellos die Meinungen vielfach auseinander. Das liegt in der Natur der Sache und dis Bekundung solcher Meinungsverschiedenheiten hat auch nichts besonders Bedenkliches, solange es sich um mehr technische Erörterungen handelt. Ganz anders liegt die Sache,, wenn cs gilt, über die betreffende Vorlage der Regierung in den parlamentarischen Körperschaften Beschluß zu fassen. Da werden die von deutsch-nationalem Sinne geleiteten Parteien sich gegenwärtig halten müssen, daß es sich um die Lösung einer großen nationalen Frage von entscheidender Bedeutung für das Staatswohl selbst handelt. Dieser großenAufgabc gegenüber müssen die Meinungsverschiedenheiten der Einzelnen zurücktreten. Es hieße, die polnischen Bestrebungen geradezu fördern, wenn die deutschen Parteien der Landesvertretung das Schauspiel eines Kampfes gegeneinander bei einer solchen Vorlage bieten wollte. Gerade bei der Eigenart der Polen ist 25, wenn anders die Sache nicht geschädigt werden soll, geboten, daß in dieser Frage die auf nationalem Boden stehenden Richtungen im Ab- keordnctenhause ihnen in einer geschloffenen festen Phalanx gegeniibcrstehen. Das allein Richtige würde daher sein, daß diese Parteien sich vorher untereinander und mit der Regierung darüber verständigen, daß die Vorlage ohne
S1 iWaiiiDrud verboten.)
Frauenhänve.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung).
, „Möchten Sie lieber hier wohnen oder in Villa Tuskulum?"
„SelUtverftändlich hier. Zuhause ist's so tng!" ruft sie, die Oberlippe hochziehend.
Norbert schweigt kurze Zeit, dann sagt er noch inniger:
„Ich bin Ihnen vielleicht nicht ganz —“ er Jögert — „nicht ganz gleichgültig, Dolly?"
Silberhelles Lachen perlt von ihren Lippen.
„Gleichgültig, gleichgültig!" spottet sie.
^Meine Freunde sind mir nie gleichgültig!" Auch er muß wider Willen lächeln.
„Go meinte ich es nicht, Dolly."
„Wie denn?"
„Ich wollte fragen, ob Sie mir ein bischen gut sind?"
„Aber natürlich. Sehr gut sogar!"
„Dolly!" Wieder faßt er ihre Hände und »iesmal entzieht sie ihm dieselben nicht. „Liebes, kleines Mädchen, bleiben Sie doch für immer auf Rose-Farm!"
Ihre großen Augen starren ihn an.
«Mit Mamachen und Arthur — meinen
Sie--“
„Rein, Dolly. Ohne Ihre Frau Mutter Und Ihren Bruder. Als meine liebe kleine *— Frau!"
Ein leiser Schrei springt von Dollys Lippen.
»Als Ihre Frau?" wiederholt sie verwirrt. »Aber — aber--Sie sagten doch, Ihr Herz
tzehüre einer — einer —“
Er beugt sich über ihren gesenkten Kopf und drückt die Lippen auf das duftige braune Lockenhaar.
„Mein Herz gehörte einer Toten — ja, Dolly", erwidert er ernst. „Vielleicht gehört es Hr zum Teil noch immer. Aber — ich fühle es
Kommissionsberatung verabschiedet wird. Am zweckmäßigsten würde cs unter diesem Gesichtspunkte natürlich sein, wenn die Verständigung auf die unveränderte Annahme der Regierungsvorlage hinausliefe; denn auf diese Weise würde am sichersten der Eindruck voller Geschlossenheit und Entschlossenheit auf deutschnationaler Seite bei den Polen hervorzuruscn sein. Sollte bedauerlicherweise sich das Ziel aber nicht ganz erreichen laffen, so würde wenigstens dafür zu sorgen sein, daß man sich vor den Beratungen über die etwa vorzunehmenden Aenderungen zwischen den Parteien und der Staatsregierung auf der ganzen Linie verständigt und so, wenn auch auf etwas verändertem Wege, das Ziel rasch und ohne große Weiterungen erreicht. Ein solches Verfahren bedingt selbstverständlich die Unterordnung der Einzelauffassung unter den gemeinsamen leitenden Gesichtspunkt des Zusammenstehens zum Schutze des Deutschtums in den Ostmarken. Aber dies Opfer muß im wohlverstandenen deutschnationalen Jntereffc gebracht werden, wenn anders die große Aufgabe des wirksamen Schutzes deutscher Rationalität, deutschen Wesens und deutscher Bildung in den Ost marken befriedigendgelöst werdensoll.
— Die Heilbehandlung in der Znvaliden- verstcherung im Fahre 1906. In beständig wachsendem Maße machen die Versicherungsanstalten und Kasseneinrichtungen der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung von dem ihnen zustehenden Rechte Gebrauch, erkrantten Versicherten ein Heilverfahren angedeihen zu laffen, um ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder wieder herzustellen. Rach der soeben erschienen Statistik sind — wie aus dem Reichsversicherungsamte dem .Aeichs-Arbeitsülatt" mitgeteilt wird — im Jahre 1906 bei allen Versicherungsanstalten usw. 66 883 Personen mit einem Kostenaufwande von 16 660 445 Jl behandelt worden. Im Jahre 1901 betrug die Zahl der behandelten Personen nur 32 710 und die Summe des Kostenaufwandes nur 7 912 220 M. Der Umfang der Heilbehandlung ist also im Laufe der letzten fünf Jahre, alljährlich steigend, um das Doppelte angewachsen. Von den Kosten entfallen auf Angehörigenunterstützung 2 050 364 im Jahre 1906, gegen 916 274 M im Jahre 1902. Die Zahl der im Eigentum«! der Versicherungsträger stehenden Heilstätten, Krankenhäuser usw. beträgt 53, von denen sind 27 Lungenheilstätten und 26 Sanatorien, Krankenhäuser, Genesungsheime usw. Dabei sind die Institute der Lan- desversicherungsanftalt Berlin, die auf einem großen Komplex in luxuriöser Ausführung je eine Lungenheilstätte und ein Sanatorium für Männer und Frauen errichtet hat, als vier gesonderte Anstalten gezählt worden. Rach der Statisttk beträgt der Kostenaufwand bei ständiger Heilbehandlung (d. h. bei planmäßigen Heilverfahren in Sanatorien, Kliniken, Bädern oder in der eigenen Wohnung) für eine — wenn mir irgend jemand mein entschwundenes Glück wiederbringen kann, so bist Du es, Du liebes kleines Mädchen .... . Antworte, Dolly! Willst Du mein Weib sein?"
Groß, forschend blicken die braunen Augen in die seinen.
Dann legt sie, ohne ein Wort zu sagen, das Köpfchen an seine Brust.
In ihren Augen erglänzen Tränen.
Doch nur kurze Zeit dauert diese dem Wildfang ganz ungewohnte Rührung.
Schon wieder wetterleuchtet der alte lleber- mut aus ihren schelmischen Augen.
„Wir find also jetzt verlobt?" lacht sie. Wirklich verlobt? ... O, was wird Mamachen sagen! Und Arthur! Und — und der Brumnchär von Vormund, der mich immer noch wie ein einfältiges Kind behandelt! . . . Verlobt! Verlobt!!
Sie wirft Norbert eine Kußhand zu und tanzt, die Arme graziös über den Kopf erhoben, davon.
Norbert blickt ihr lächelnd nach.
Welch liebes, herziges Geschöpf!
16.
Norbert beabsichtigt, seine Verlobung mit Dolly Robinson noch geheim zu halten, bis die Gäste in einigen Tagen Rose-Farm rerlaffen haben werden.
Trotzdem munkelt man hie und da davon, ohne recht daran zu glauben. Man hatte das liebliche Mädchen, das sich so einfach und natürlich gibt, kaum beachtet.
Nur Thomas Mackay und seine Gattin erhallen sofort davon Kenntnis. Norbert hielt es für feine Pflicht, gerade diese beiden nicht im Dunkeln tappen zu laffen.
Madame Dianas Wut überschreitet jedes Maß.
Alle gutgemeinten Beschwichtigungsversuche ihres Mannes, daß Dolly Robinson sehr hübsch, aus guter Familie, hochgebildet und vor allem gesund fei, prallen ab
Person im Durchschnitt bei Lungentuberkulose 370.16 oM, bei anderen Krankheiten 194.40 M, — bei nichtständiger Behandlung (d. h. in der Sprechstunde des Arztes usw.) 24.12 <.H bezw. 35.94 M. Die sogenannten Tages- und Walderholungsstätten haben sich mehr und mehr bewährt und werden steigend mit immer zahlreicheren Kranken belegt. Der Kostenaufwand betrug im Jahre 1906 für Männer 42 362 M, für Frauen 24 649 M. Aus allen diesen imposanten Ziffern, die doch nur eine Nebenwirkung des Jnvalidenvcrsicherungsgesetzes darstellcn, ersieht man, wie sich das Arbeiterversicherungswesen immer segensreicher erweist, und wie das „Bißchen Sozialpolittk" einen ganz gewaltigen Umfang angenommen hat.
— Di« Sonntagsruhbestimmungen sollen, wie aus Berlin verlautet, demnächst umgestaltet werden. Dabei werden zwei Aktionsarten zu unterscheiden sein. Einmal handelt es sich um die Sonntagsruhe-Ausnahmebestimmungen, die auf Grund der Gewerbeordnungsnovelle vom Jahre 1891 erlassen wurden, damit das Gewerbe vor Härten bewahrt wurde, die mit der rigorosen Durchführung der Gesetzesbestimmungen unstreitig verbunden gewesen wären. Diese Ausnahmebestimmungen, die vom Bundesräte ' erlassen waren, sind eineinhalb Jahrzehnte in Kraft. Schon vor längerer Zeit war man in dis Prüfung der Frage eingetreten, ob, nachdem eine so lange llebergangsfrist gewährt worden, sie noch in ihrem vollen Umfange aufrecht erhalten werden müßten, oder ob nicht auf einzelne der Ausnahmebestimmungen nunmehr Verzicht geleistet werden könnte. Die Arbeit in dieser Richtung dürfte dem Abschlüsse nahe sein. Auf jeden Fall ist der Bundesrat allein kompetent, eine hier etwa wünschenswerte Aender- ung eintreten zu laffen. Er ist lediglich verpflichtet, von Maßnahmen, die er auf diesem Gebiete trifft, dem Reichstage Kenntnis zu geben. Verschieden von dieser Aktion ist die, die sich auf den Ausbau der im Gesetze, d. h. in der Gewerbeordnung befindlichen Sonntagsruhevorschriften bezieht. Ob und gegebenenfalls in welcher Weise diese Eesetzesvorschristen ergänzt oder erweitert werden sollen, dürfte sich ergeben, sobald die im Bundesrat befindliche Gewerbe- ordnungsnovelle von ihm fertiggestellt und bekannt gegeben sein wird. Aenderungen, die hierin eintreten sollen, müssen selbstverständlich die Genehmigung von Bundesrat und Reichstag erhalten, unterscheiden sich also insofern von dec ersteren Aktion.
— Zur Unfall- und Invalidenversicherung. Der auf dem Gebiete der Unfallversicherung ausgesprochene Grundsatz, daß für die Erwerbs- versäumnis, die durch einen vom Schiedsgericht angeordneten Aufenthalt in einer Krankenanstalt entstanden ist, ein angemessener Ersatz zu gewähren sei, findet feine Begründung in der Erwägung, daß dem Versicherten durch den unfreiwilligen Aufenthalt im Krankenhause dis äuZL ■
„Paperlapapp!" fällt sie ihm höhnisch ins Wort. „Keinen Cent Vermögen hat sie!"
Doch der „gute Thomas" muckt zum ersten Male in feiner Ehe mit Diana Tickletvn auf. Mit aller Bestimmtheit erklärt er, die arme hübsche Dolly sei ihm eine 'willkommenere Schwiegertochter, als die reiche schwarze Kreolin.
Und Madame ist so verblüfft über diese Kühnheit, daß sie sogar vergißt, ihrer Empörung Luft zu machen. —
Mercedes Aristides hat sich fast ganz von der Gesellschaft zurückgezogen. Wie zu Anfang existieren in ihrer Unterhaltung wieder nur die beiden Worte „ja" und „nein“, und ihr Gesicht zeigt den gewohnten mürrisch gleichgültigen Ausdruck.
Es ist eine halbe Stunde vor der gemeinsamen Abreise der ganzen Gesellschaft nach New- york.
Eine Reihe von Automobilen, Equipagen und Reitpferden hält vor der breiten Freitreppe, gewärtig der Winke ihrer Herrschaft.
Dolly, die feit gestern wieder bei ihrer Mutter in der kleinen Billa Tuskulum weilt, ist auf Norberts Bitten heute früh nach der Rsfe- Farm herübergekommen, um der Abfahrt der ganzen „Kavalkade" beizuwohnen.
Sie steht an einem der hohen Bogenfenster der weiten Halle und beobachtet amüfiert das theatralisch aufgeputzts Schauspiel des großen Abschiednehmens, als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter fühlt.
Sie blickt sich um und sieht sich Mercedes Aristides gegenüber.
Die Kreolin macht heute einen besonders unvorteilhaften Eindruck. Das braune übernächtigte Gesicht ist halb bedeckt von einem grauen Automobilschleier. Der weite Staubmantel läßt die kurze, untersetzte Figur noch breiter erscheinen. Die Lider sind leicht gerötet, als habe sie geweint.
„Wir werden uns wohl nie im Leben wieder begegnen, Fräulein Robinson," beginnt Merce-
Möglichkeit entzogen wird, die ihm verblieben« Erwerbsfähigkeit auszunutzen. Dieser Grundsatz ist nach einer Entscheidung des Rcichs-Versiche» rungsamts auch auf dem Gebiete der Invaliden» Versicherung anzuwenden; daß hier eine ausdrückliche Bestimmung über die Gewährung einer derartigen Entschädigung fehlt, ist unerheblich, da anderseits einer solchen Zahlung auch nicht irgend ein gesetzliches Verbot oder ander- weite ausdrückliche Bestimmungen entgegen, stehen.
— Antimilitaristisches aus der Sozialdcmo. kratie. Daß die Propaganda des Antimilitaris. mus vielen Leuten innerhalb der Sozialdemokratie unangenehm ist und zwar aus zeitlichen taktischen Gründen, ist bei verschiedenen Gelegenheiten schon hervorgetreten. Noske und Bebel riskierten, wie bekannt, patriotische Töne. Jetzt erklärt sich Herr Wolfgang Heine gegen Liebknechts Antimilitarismus in einem Artikel der sozialistischen Monatshefte. Er will keineswegs den Rekruten die Kaserne „verekeln": „Wir haben mit der Tatsache zu rechnen, daß gegenwärtig für sehr große Kreise des Volkes die Militärzeit nicht völlig ohne Re-ze ist und keineswegs eine Zeit bloß der Erniedrigung nutz Qual bedeutet, ja sich in der Erinnerung sogar noch verklärt und in dieser Gestalt im Leben nachwirkt. Es ist auch nichts unnatürliches, daß junge, kraftvolle, leicht zu entflammende Menschen Geschmack an angespannter, körperlicher Ausbildung finden und sich mit einem gewissen Stolz in das Getriebe dieses in seiner Art impo. nierenden Mechanismus einordnen. Das sind keineswegs immer die schlechtesten Teile eines Volkes. Solange nicht alle großen Rationen sich von der Räubernwral in der Politik abgewcndct haben, bleibt die Ausbildung des Volkes zur Wehrhaftigkeit ein Erfordernis der nationalen Selbsterhaltung. . . Wir werden für die Erhaltung des Friedens wirken. Haben wir aber ttotzdem den Krieg nicht hindern können, f« würde das Volk, bedroht in seinen Grenzen, seinem Eigentum, seiner Sicherheit und Freiheit, sich nicht gefallen laffen, daß wir erst Betrachtungen anstellten und uns herumstritten, wer die Schuld daran trüge. Unter solchen Umständen gar einen Wehrstreik anzuzetteln, wäre ilt Deutschland jetzt und auf Zeiträume hinaus, di« für die praktische Politik allein in Betracht kommen, vollendeter Wahnsinn. Man würde durch solche Aufforderung lediglich eine Anzahl Söhn« des Volkes, die sich verpflichtet fühlten, ihr Folge zu leisten, zum Opfer bringen, ohne de« geringsten Erfolg damit zu erzielen. Man würd« nicht "den Militarismus schädigen, sondern da» deutsche Volk, besonders die Arbeiterklaffe selbst und man würde nicht nur alle Leidenschaft dei kriegerisch fanatisierten Gedankenlosigkeit gegei die Partei lenken, sondern würde auch die Sym pathieen von ernsthaft denkenden, an der Erhaltung der nationalen Kultur und am Wohl- ergehen des Volkes ehrlich interessierten Volks- des mit scheinbarer Ruhe. „Ich will Ihne» Lebewohl sagen."
Etwas überrascht ergreift Dolly die geboten« Hand. Sie glüht wie im Fieber.
Kleine Pause.
„Vorher möchte ich Sie noch etwas fragen, fährt Mercedes lebhafter fort. „Sie brauche« mir nicht darauf zu antworten, wenn Sie nichf wollen ... Sie haben sich mit Herrn Douglar verlobt, nicht wahr?"
Heiße Röte steigt in Dollys Stirn.
„Das geht wohl nur mich allein an," ev widert sie mit bei ihr sonst fremdem Hochmut
,Lhr Gesicht hat mir bereits die Antwort gegeben," bemerkt Mercedes ohne jede Spur ool Empfindlichkeit. „Das genügt mir." Sie nestelt an ihrem Schleier herum und fährt sich dann leicht über die Augen, bevor sie fortfährt: „Ei ist ein guter Mensch und Sie werden glücklich mit ihm fein."
Sie läßt sich auf einen Stuhl fallen uni wischt sich die Schweißtropfen von der Stirn Ihr Gesicht ist erschreckend bleich.
Dolly wird unbehaglich zumute. Was ma( das Mädchen nur von ihr wollen?
„Ich möchte Ihnen ein Verlobungsgeschenf überreichen" — beginnt Mercedes abermals — „ein kleines Andenken an mich!"
Sie zieht ein Armband aus der Tasche un reicht es Dolly.
Eine seltsam geformte, geringelte Schlang mit gespaltener Zunge und zwei großen, funkeln, den Diamantenaugen glotzt ihr entgegen.
Dolly erschrickt. Rasch zieht sie ihre Haich fort und verbirgt sie hinter dem Rücken.
„Nein, nein! Ich mag das Armband nicht „Es ist ein Amulett!"
„Ich brauche kein Amulett!"
Ein eigenes, halb mitleidiges, halb überlegenes Lächeln zuckt für eine Sekund« um di« Lippen der Kreolin.
(Fortsetzung folgt.)