Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaiit. Sorrntaasbeilaae: Muttrirles SovuEsasblaü. '

H 5^X3 Ws

El

ErKes Blatt

ihm im Jahre drei oder vier Mal an einem Tische gegessen. Weder in Rom noch in Norder­ney sei er je mit ihm spazieren gegangen, ge­fahren oder geritten. Bülow fährt fort, die Behauptung des Angeklagten, er sei der Gegen­stand von Erpressungen geworden, sei unwahr. Ebenso unwahr sei es, daß er hinter den An­griffen stehe, die in derZukunft" gegen ver­schiedene bekannte Persönlichkeiten bezüglich Homosexualität uild eine Kamarilla gerichtet worden sind. Er habe die Angriffe weder ver­anlaßt, noch beeinflußt. Als Reichskanzler und als Mensch habe er es für seine Pflicht gehalten, den gegen ihn erhobenen unerhörten Beschuldig­ungen entgegenzutreten. Bülow erklärt auf Be­fragen, daß die genannten römischen Zeugen ihm größtenteils unbekannt seien. Scheefer habe er in Rom als pflichttreuen Beamten kennen gelernt und später nach Berlin übernommen. Der Vorsitzende erklärt, es werde behauptet, daß er, Bülow, mit den Herren, die bei Eulenburg verkehrten und homosexueller Neigungen ver­dächtig seien, sehr freundlich verkehrt habe. Da­bei sei auch Scheefer erschienen und es seien Um­armungen und Küffe getauscht worden. Bülow erwidert, seines Wissens habe er nie mit Schee­fer zusammen eine Gesellschaft besucht und auf die anderen Behauptungen brauche er wohl nicht zurückzukommen. Lynar kenne er gar nicht. Ueber Hohenau und Eulenburg seien ihm erst in den letzten Jahren ungünstige Berichte zugegangen. Er habe aber keine tatsächlichen Unterlagen gehabt, um offizielle Schritte zu unternehmen. Ueber Homosexualität habe er seines Wissens mit Eulenburg nie gesprochen, ebensowenig über Abschaffung des § 175. Auf eine Frage erklärt Bülow auch, daß er in der Ernennung Scheefers zum Geheimen Regie­rungsrat keine auffällige Auszeichnung sähe. Bülow wird dann vorläufig entlassen. Als nächster Zeuge kommt Eulenburg zum Wort. Er erklärt, es fei ihm nicht bekannt, daß Bülow in den Gesprächen mit ihm von seiner Zuneig­ung zum männlichen Geschlecht kein Hehl ge­macht habe; er selbst habe sich niemals Verfeh­lungen gegn den § 175 zu Schulden kommen lassen; er sei stolz darauf, gute Freunde gehabt zu haben und habe überschwengliche Briefe ge­schrieben, aber in solchen Ausdrücken habe nie­mals etwas Böses und Schmutziges gelegen. Eine ganz infame Schmutzigkeit sei von Harden und Konsorten gegen ihn inszeniert worden. Von Zärtlichkeiten zwischen Bülow und Scheefer wisse er nichts. Eulenburg erklärt, er habe nie­mals, weder an allerhöchster Stelle, noch zu Be­kannten, etwas gegen Bülow gesagt und habe daran fest gehalten, daß Bülow sein Freund sei. Er habe niemals etwas getan, daß darauf Hin­weisen würde, daß er eine Jntrigue gegen-

Erschriut wöchentlich siebe« mal.

Druck und Berlage Joh. Äug. Koch, UmversttätS-Buchdruckrä 42. Jayrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 66.

wegen Beleidigung des Reichskanzlers. ' Dor der zweiten Strafkammer des Landge­richts II zu Berlin begann gestern morgen um halb zehn Uhr die Strafsache gegen den Schrift­steller Brand wegen Beleidigung des Reichs­kanzlers. Als Zeugen waren u. a. erschienen: der wirkliche Geheimrat v. Holstein, Dr. Hirsch­feld, Geheimrat Schefer, Fürst Eulenburg. Nicht erschienen waren: Die Grafen Hohenau und Lynar. Der Staatsanwalt teilte mit, daß der Angeklagte gestern noch eine große Reihe von Zeugen vorgeschlagen habe, die meist in Rom wohnen. Er habe sich an den dortigen Polizei- präsidenten gewandt, der telegraphisch geant­wortet habe. Für die Uebersetzung sei der ita­lienische Dolmetscher geladen. Der Verteidiger Brands erklärte, es sei zweifelhaft, ob Brand int Stande sei, der Verhandlung zu folgen. Der Gerichtshof beschließt, einen Arzt zuziehen. Der Verteidiger gibt anheim, ob es Zweck hat, in die Verhandlung einzutreten, da viele Zeugen feh­len, namentlich Graf von der Schulenburg, auf den er unmöglich verzichten könne, ebensowenig auf die Zeugen aus Rom. Der zugezogene Arzt erscheint hierauf, um den Angeklagten auf seinen Gesundheitszustand hin zu untersuchen. Hierzu tritt eine viertelstündige Pause.ein.

Nach der Pause wird der inkriminierte Ar­tikel verlesen. Brand erklärt, daß er den Vor­wurf der Homosexualität, der seiner Meinung nach gar kein Vorwurf sei, dem Fürsten Bülow nur deshalb gemacht habe, weil dieser einen solchen Vorwurf selbst benutzt habe, um seine Feinde zu stürzen. Als erster Zeuge wird Fürst von Bülow vernommen. Er erklärt, daß ihm homosexuelle und normwidrige Neigungen stets widerwärtig und unverständlich waren. Dies beziehe sich nicht nur auf Zuwiderhandlungen gegen den Paragraphen 175, sondern auch auf jede derartige Neigung und Empfindung. Die gegen ihn erhobene Anschuldigung sei unwahr und sinnlos. Bülow schildert dann den an­strengenden Dienst der Beamten der Reichskanz­lei, von denen ein hohes Maß von Fleiß und Gewissenhaftigkeit verlangt werde. Als Aequi- valent dafür erhielten sie entsprechendes Gehalt und Avancement. Er fei für die Beamten ein wohlwollender Vorgesetzter, aber von irgend einer Familiarität mit den Untergebenen, be­sonders mit Scheefer, sei niemals die Rede ge­wesen. Scheefer wohne im Neichskanzlerpalais, damit er rascher zu erreichen sei und er habe mit

Marburg

Freitag 8. November 1907.

Deutsches Reich.

Der Wiederzusammentritt de» Reichstages ist für den 22. oNvember in Aussicht genommen Die Regierung hofft, dem Reichstag unmittek bar bei seiner Eröffnung drei große Aufgabe^ zuweisen zu können, nämlich den Etat, das Bör* sengesetz und das Reichsvereinsgesetz. Alle btd Gesetze werden nach Annahme im Bundesrar offiziell veröffentlicht werden, also noch vor de« Zusammentritt des Reichstages. Neben den btef genannten Vorlagen dürfte vor Weihnachten dem Reichstage kein neues gesetzgeberisches Mch terial, mit Ausnahme kleinerer Gesetze, zugehen. Außerdem liegen dem Reichstag noch vor: De|: kleine Befähigungsnachweis, der Entwurf bett, den Unterstützungswohnsitz, der Entwurf über di« Sicherung der Bauforderungen, der Entwurf über den Versicherungsvertrag, der Entwurf eines Gesetzes über die Hülfskaffen und Heiners Vorlagen. Nach Neujahr sind zu erwarten: der neue Servistarif mit der Reichsbeamtengehäl. teraufbefferung, die Flottenvorlage und ritz Viehseuchengesetz. ,

Der Preußische Landtag wird auf bei 26. November einberufen.

Die Einweihung der Lützener Gustav Adolf-Kapelle. Am gestrigen 6. November, dem 275. Jahrestage der Schlacht bei Lützen, sand daselbst die Einweihung der Gedächtniskapell« zu Ehren des schwedischen Heldenkönigs stati^ welcher Prinz Eitel-Friedrich und der Kron«; prinz von Schweden beiwohnten. Wie au» Lützen von gestern berichtet wird, begann nach­mittags 2% Uhr die Aufstellung der Prozession zur Eedächtniskapelle. Die Feier in bei Es-,

low gespronnen habe. Damit falle der uner­hörte Vorwurf zusammen, als stände er mit den Angriffen aus Bülow im Zusammenhang.

Scheefer sagt aus, es sei vollständig aus der Luft gegriffen, daß es zwischen ihm und Bülow je zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Bülows Neffe, Bernhard von Bülow, sagt in gleichem Sinne aus. Bülows Hausmeister Schrader weiß auch nichts über die Behauptungen des Ange­klagten zu bekunden. Brand erklärt, er habe alles, was er über Scheefer erfahren, von Gehl« fen gehört und dieser von Dr. Hirschfeld. Letz- terer tritt dieser Darstellung entgegen; der Name Scheefer sei ihm ganz unbekannt gewesen. Hieraus tritt die Mittagspause ein.

In der Nachmittagssitzung wurden die Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Kriminal- Kommisiur v. Treskow sagte aus: Vor zwei oder drei Jahren sei, einige Tage, nachdem er eine Unterredung mit Brand gehabt habe, sein sämt­liches Material aus seinem Amtszimmer ge­stohlen worden. Im Monatsblatt habe bann Schneidt behauptet, das Material sei ihm von einem Unbekannten Überbracht worden. Brand erklärt sehr erregt, daß ihm damit die unge­heuerste Beschuldigung gemacht werde. Hierauf erklärt der Rechtsanwalt Varnau im Namen Brands, er habe auf Grund der Ergebnisse der Verhandlungen die Ueberzeugung gewonnen, daß die von ihm behaupteten schweren Anschul­digungen, die er gegen Bülow erhoben habe, nicht der Wahrheit entsprechen. Er erkläre mit tiefstem Bedc rn, daß er sich durch die ihm ge­machten Mir.^lungen habe hinreißen lasten. Er würde, wenn Bülow anwesend wäre, diesem um Verzeihung bitten. Es könne ihm nur noch darauf ankommen, darzutun, daß er den ihm von verschiedenen Seiten gemachten Mitteilun­gen beilegen mußte.

Der Staatsanwalt führte in seinem Plai- doyer aus: -Tie von Brand behaupteten Tat­sachen sind nicht erwiesen worden, sondern als vollkommen und unwiderleglich unwahr festge- ftellt. Von der Wahrnehmung berechtigter Jn- teresten kann nicht die Rede fein. Der Ange­klagte hat den Reichskanzler beleidigt, um Auf­sehen zu erregen und Sensation zu machen; er beantragte 1 Jahr 6 Monate Gefängnis.

Der Verteidiger führte aus, bezüglich der vom Angeklagten erhobenen Beschuldigungen sei er derselben Meinung wie der Staats­anwalt. Der Angeklagte habe zweifellos gefehlt damit, daß er auf Grund bloßer Mitteilungen gegen den höchsten Beamten des Reichs den von der Allgemeinheit als schwere Beleidigung emp­fundenen Vorwurf erhebe, daß er homosexuell veranlagt sei. Der Angeklagte sei aber ein Phantast und Fanatiker seiner Ueberzeugung, der den unwiderstehlichen Drang in sich fühlte, das vorzubringen, was seiner Ansicht nach der Wahrheit entsprach, weil er glaubte, damit für die Aushebung des Paragraphen 175 zu wirken. Der Angeklagte glaubte die Interessen seiner

Pierteljährlichrr Bezugspreise bet oet Expedition 2, Ifto 9ßQ bet allen Postämtern 2,25 Mt. (c$cl. Bestellgeld).

vl ZnsertionSgebuhr: die gespaltene Zeile oder vereu Raum 15 Pßz.

Reclamen: die Zeile 80 Psg.

Gemeinschaft zu vertreten. Der Angeklagte bat in einem Schlußwort, ihm zugute zu Balten daß er zehn Jahre fein Blut geopfert Hao« füj die Abschaffung des Paragraphen 175 und bal er sich jetzt nur in der Wahl der Mittel verx griffen habe. Hierauf wurde das bereits gostev Abend durch Extrablatt gemeldete Urteil gi fallt.

Der Angeklagte Brand wurde wegen Beleb digung des Fürsten Bülow zu 1 Jahr 6 Monatei Gefängnis verurteilt und wegen Fluchtvext dachtes die sofortige Verhaftung angeotbse^ Auch wurde aus Unbrauchbarmachung der Mit Herstellung der zur Herstellung der Broschur« benutzten Platten und Formen erkannt.

In der Urteilsbegründung hecht es: Der Schutz des Paragraphen 193, Wabrnehnmng von berechtigten Interessen, ist dem Angeklagte« nicht zuzubilligen; Interessen, die gegen Zuckt und Sittlichkeit verstoßen, sind nicht berechtige Jnteresten. Erschwerend ist, daß sich die Beleb digung gegen den höchsten Beamten des Reiches richtet und daß dies öffentlich, durch bte Presto geschehen ist.

29 «Nachdruck verboten.)

Frauenhcinde.

> Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung).

15.

«oJ^:<Wen Morgen in derRose-Farm" übernächtig und mißgestimmt.

x)|i es das Uebermaß der gestrigen Lustigkeit und Lebensfreude, welches heute eine Reaktion hervorruft? Oder die Wirkung von Mercedes hsrrlw)em Vroltnfprel welches den leichtherzi­gen Genußmenschen bis in die tiefste Seele brang und in ihnen eine Ahnung davon erweckte daß es etwas Höheres, Besteres gibt, als Bälle und tojibare Kleider und Diamanten und Den- Tag-Tot schlagen? ___

Am meisten ergriffen von sämtlichen Gästen bunj) die Macht der Musik ist Norbert. Viel- tercht, weil er von allen das tiefste Gemüt besitzt. Vielleicht auch, weil er der unglücklichste ist.

. Er hat während des Restes der Nacht kaum eine Minute geschlafen. Gleich Sphärenmusik hallten die wunderbaren Klänge in seiner Seele nach.

Mercedes selbst ist an diesem Morgen beson- bers unliebenswürdig. Selbst das gewohnte xia undnein schenkt sie sich. Höchstens, daß Fe auf die an sie gestellten Fragen nickt oder den Kopf schüttelt.

Dagegen folgen ihre düstern, schwarzen Augen beständig Norberts Gestalt, wohin er sich auch wenden mag.

Zwar gibt sie auch ihm nur einsilbige Ani- R* en; aber ihr gleichgültiges Gesicht belebt bch wenigstens etwas im Gespräch mit ihm.

ilnb Norbert beschäftigt sich viel mit Mer­kes Aristides.

Das eigentümliche, eigenartig häßliche Mäd- ^*n intereftiert ihn und stößt ihn zugleich ab.

Diana Mackay bemerkt diese Annäherung »er beiden mit geheimem Vergnügen. i

Als der reiche Plantagenbefitzer Rodus Ari­stides vor einigen Wochen aus Rio de Janeiro in Newyork eintraf und Dank seinem uner­meßlichen Reichtum von der dortigen besten Gesellschaft mit offenen Armen ausgenommen wurde da faßte die kluge Weltdame sofort den Plan, die reiche Erbin für ihren Stiefsohn zu angeln.

Und nun scheint alles nach Wunsch zu gehen. Madame triumphiert.

Und noch jemand merkt Norberts auffallen­des Jnteresie für die junge Kreolin.

Die harmlose kindliche Dolly fit's.

Und merkwürdig die Freude an den rauschenden Festlichkeiten, an dem so heißersehn­ten Glanz und Trubel ist ihr plötzlich vergangen. Am liebsten möchte sie gleich wieder zurück in bas stille Stübchen zur Mutter und zum bleichen Bruder, der seit gestern abend, da er Mercedes' Spiel gehört, noch bleicher ist, als sonst und heftig fiebert.

Doch Norbert erklärt dem kleinen Trotzkopf, sie müsse unbedingt bleiben, wenn auch die Mutter und Arthur nach derVilla Tuskulum" zurückgekehrt sind.

Und Dolly bleibt.

.Am Abend wird Mercedes von allen Seiten aufgefordert, wieder etwas zu spielen.

Nein, erklärt sie kurz.

Und dabei bleibt sie.

Nur, als Norbert sich neben sie setzt und sie liebreich fragt warum sie den allgemeinen Bit­ten nicht nachkäme, da strahlt ein fünfter es Licht aus ihren finstern Augen.

Ich kann heute nicht vor der Menge spielen," ruft sie gedämpft, in verhaltener Erregung. Die Leute verstehen mich ja doch nicht."

Sie schweigt und blickt düster vor sich hin, während Norbert immer verwunderter bas selt­same Geschöpf betrachtet.

In mir wohnen zwei Seelen," fährt Mer- cebes, wie zu sich selbst sprechend, fortDie eine erwacht, wenn ich singe ober spiel«. Di« andre

Sie stockt.

Die andre?" fragt Norbert eifrig.Wie steht die andre aus?"

Die andre düstert in ihrer nächsten Nähe," murmelt Mercedes.Sie steckt in einem häß­lichen Körper. Sie weiß nichts mit sich anzu­fangen. Ihr einziger Vorzug ist dies hier!" Verächtlich beuten ihre Finger auf die Diaman­ten und Verlenschnüre, welche ihre Brust und Hals schmücken.Nach diesem angeln die Men­schen, wenn sie liebenswürdig sind zu der reichen Mercedes Bttstides und ihr schmeicheln, wie 'Frau Diana Mackay und viele andere es tun. Und weil die erste Seele, die vergeistigte, die musikalische, sich unverstanden sieht, so zieht sie sich in sich selbst zurück."

Mercedes hat sich in ihren Stuhl zurückge- lehnt. Ihre Finger spielen mechanisch mit den langen Perlschnüren, die bis auf ihre Brust herabhängen.

Plötzlich blickt sie Norbert voll an.

Möchten Sie mich fingen hören?" flüstert si« mit eigentümlicher Hast.Ja? ... So werd« ich singen. Aber nur für Sie. Nicht für die Menschen hier.

Sie steht auf und schreitet nach der Tür, in­dem sie ihm winkt, ihr zu folgen.

Beide verlassen den Saal.

Allgemeines Staunen. Verblüfft blickt man sich gegenseitig an. Welch seltsames Benehmen! . . . Köpfschütteln, Lächeln, Tuscheln.

Dolly hat einen ganz roten Kops bekommen und zerpflückt nervös eine der Rosen, die an ihrer Brust duften.

Mercedes' Vater lacht laut und wohlgefällig. Er ist an derlei Extravaganzen seiner Tochter gewöhnt. Sie ist ja ein Genie. 1

Diana Mackay aber arrangiert, um die allge- I meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, rasch ein Gesellschaftsspiel.

Inzwischen hat Norbert feinen jungen East in einen der kleinen Rebenräume geführt.

Dars ich Ihr« Violine holen lassen, Fräu­lein Mercedes?"

Nein, die Laute."

Ein Diener bringt bte Laute, unb Mercedes beginnt zu singen seltsame Melodien in einer fremden Sprache, eigenartig, bizarr, herzergrei­fend --die Musik ihrer Seele.

Norbert lauscht mit einer Art von Ent­zücken.

Auf den Flügeln ihrer eigenen Seele hebtz, das Mädchen den müden Mann empor. Sir trägt ihn hin nach den blumigen Gefilden der Hoffnung, da Herzleitz^ und Kummer gleich duftigen Wölkchen in weite Ferne entschweben. Sie führt ihn ein ins Paradies, wo er sich eins fühlt mit seiner Ruth-------

Als Norbert nach einiger Zeit wieder de» Festsaal betritt, ist er auffallend bleich und erregt. .

Oder scheint es der ihn scharf beobachtenden. Dolly nur so?--

Rasch fliegen die Tage dahin.

Uebermorgen schon will die heitere, leicht«, lebige Gesellschaft die Rose-Farm wieder ver,' affen, um in Newyork andern Vergnügungen^ andern Nervenerregungen nachzujagen.

Diana Mackay wartet täglich, ja stündlich darauf, daß ihr Stiefsohn sich der reichen Kreo­lin erklären soll.

Nichts dergleichen geschieht, und Madame be« schließt, trotz der Abmahnung ihres Gatten, dessen ehrlichem, geraden Sinn die ganze Sach« zuwider ist, selbst nachzuhelfen.

Bei der ersten paffenden Eelegenhett erfiätf sie Norbert, sein Benehmen gegen Merced^ Aristides lasse keine andere Deutung zu, als bad er beabsichtige, um ihre Hand anzuhalten. Auch fei es ja klar ersichtlich, daß das Mädchen ihrt liebe. Und da es ja doch für ihn Zeit wtit zu heiraten und eine Familie zu gründen, st. stände der baldigsten VerlobuiW nicht» ich Wege.

^Fortsetzung folgt.)