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«immt, was sich ihm an geheimer Kunde bietet, D daraus allein kein Vorwurf zu machen; wenn »Ler bei einem einzigen Manne, seiner eigenen Bekundung nach, ein solches Lager tödlichen Giftes sich anhäust, so führt das zu dem trau­rigen Schluß, baß in unseren hohen Kreisen sich rin unerhörtes Denunzianten- und Sykophair- tentum gebildet hat, ein Fäulnisprodukt, viel »erderblicher als alle^ was der Prozeß ent­hüllen konnte.

Ausland.

Zur tschechische« Ministerkrifis. Wie aus Wien berichtet wird, gab Kaiser Franz Joseph am Montag zum ersten Male wieder offiziell Audienzen und empfing u. a. de« Minister bes Aeußeren Baron v. Aehrenthal sowie den öster­reichischen Ministerprüstdenten Frhrn. v. Beck, welch letztere ihm über den Stand der tschechi­schen Ministerkrisis Bericht erstatteten. Es -scheint nun doch, als ob der Ministerpräsident v. Leck trotz des energischen Protestes von deutscher Seite das Ackerbauportefeuille dem Führer der tschechischen Agrarier Praschek übergeben will. Der bisherige Ackerbauminister Graf Auersperg soll ausgeschaltet werden. Der Jungtschechische Pacak soll Landsmannminister bleiben, und der Ministerpräsident selbst soll provisoriU das Handelsministerium übernehme« an Stelle des biBerigen tschechischen Handelsminifters Dr. forscht, der ebenfalls ausscheidet. Es verlautet, daß der deutsche Handelsminister Probe de­missionieren werbe, falls der tsch«hische Agrarier Praschek das Ackerbauportefeuille erhält. Leber­haupt ist die Stimmung im deutschen Lager ge­gen den Ministerpräsidenten im Wachsen be­griffe«, da man befürchtet, daß der Minister­präsident den Tschechen im Geheimen nationale Konzessionen auf Kosten der Deutschen zuge- fichert hat. Die deutschradikale Wolfgruppe wird daher bestimmt gegen den Ausgleich zuftim- me«. Vielleicht schließe» sich auch die deutschen Agrarier der Opposition an. I« der nächsten Sitzung des Abgeordnetenhauses erwartet man Erklärungen des Ministerpräsidenten über die Rekonstruktion des Kabinetts.

= Holländisch-belgische Annäherung. In Brüssel trat am Montag Nachmittag im Sitzungssaale des Senats unter dem Vorsitz des Ctaatsministers Beernaert die holländisch-bel­gische Kommission zusammen, deren Aufgabe es ist, Mittel und Wege zu suchen, um zwischen den beiden Rationen engere Beziehungen sowohl in administrativer wie juristischer und wenn mög­lich zolltechnischer Beziehung herzustellen. Der Chef der holländischen '-Delegation ist Heems- kerk. Staatsminister Brernaett eröffnete die Plenarsitzung mit einer längeren Ansprache, in der er ausführte, baß die gemeinschaftlichen In­teressen Hollands und Belgiens eine Annäher­ung der beiden Länder wünschenswert machten. Ein unabhängiges Belgien sei ohne ein unab­hängiges Holland nicht denkbar. Wenn beide Länder sich näher aufeinander stützten, würden cfie ihren zu sehr beschränkten Warft erweitern können und an Kraft, Reichtum und Einfluß gewinnen. Im Anschluß an die Rede des Prä- Hdenten wurde die Bildung von sechs Unter- kvmmisfionen vorgenommen.

MarLsrx; vud Umgrgeutz.

(Nachdruck «Ser Cnginalartitd tst gernatz | 16 Bel Urhederrechls nur m*t der deutlichen Cucilenanaabc .Oberhejj, jjtg." «efratieti

L arrurg, 6. Novbr.

Wir veröffentliche« folgende Erklärung der hiesigenHessischen Landeszeitung":

Erklärung. Aus Grund schiedsgerichtlicher Verhandlung vom 4. November 1907 geben wir nachstehende Erklärung ab:

In Nr. 249 derHessischen Landeszeitung" trachten wir unter der lleberschristAn den Pranger!" eine Auslassung, die sich mit einem eingesandten Attikel des Vereins Frauenbil- dung - FrauenstudiumZur Frage der Ausbiß düng der weiblichen Kaufmannslehrlinge" be­schäftigte und eine Beleidigung derOber- hessischen Zeitung" darstellte, deren geschäftliche Gejsslogenhetten im Verkehr mit den Einsendern einer verletzenden Krttik unterzogen wurden. Wir haben uns jedoch überzeugt, baß unser An­griff auf unzutreffenden Voraussetzungen be­ruhte. Damit sind auch alle von uns darauf ge­gründeten Ausführungen, insbesondere der Bor­wurf fottgesetzten Verletzens des journalistischen Anstandes gegenüber den Einsendern hinfAlig. Wtt nehmen dies« mit dem Ausdruck des Be­dauerns zurück und teilen gleichzettig mit, daß wir uns verpflichtet haben, 100 Mark an die städtische Armenkasse zu entrichten.

Die Redaktion der Hessische» Landeszettung.

* Nächste Feldbrief, und Paketpost «ach Afrika geht nach Abgang bet nächsten Driefpost über England am 12. von Berlin und am 18. November von Hamburg ab. Sie benutzt den an diesem Tage in See gehenden Dampfer der Deut­schen Ostafrikalinie. Der Dampfer trifft am 8. Dezember inSwakopmund und am 9. in Lüderitz- bucht ein. Befördert werden sowohl Feldpost­briefsendungen als Feldpostpakete. Feldpoft­briefsendungen verlassen Berlin am 12, Pakete Hamburg am 13. Beide Arten von Sendungen sind so frühzeitig den Postanstalten zu über­geben, baß sie in Berlin oder in Hamburg recht­zeitig zur Vorbereitung für die Briefbeutel ober zur Ueb ergäbe an den Dampfer vorliegen. Cie find demnach überall spätestens am 11 No­vember der Post einzuhändigen.

* Konzert. Sonntag den 1. Dezember, abends 8 Ahr, wird in denStadrfälen" uns« beliebter heimisch« Konzertsäng« Herr Phttipp Strö­bel unter Mitwirkung von Frau Bailey» Lpfelbeck aus Wien, einer Pianistin aller- arften Ranges, «in Konzert veranstalten, »orauf wir unsere mufikfintge« Leser schon heute

Hälfte ffl

und in

halbe Stunde vor 13 Uhr an deren nordöstliche«

num zu einer Akademie mit Lehrstühlen für alle Fakultäten mit zweijährigem Lehrkurs auszugestalten. An ihr sollten nicht nur alle Wissenschaften, sondern auch alle schönen Künste, sowie dje Kriegsbaukunst ihre Vertreter haben. Im Jahre 1766 wurden für diese Neubildung ««besserte Gesetze veröffentlicht, 1773 wurden sie ergänzt und mehrfach geänbert, außerdem fiir Adelige und fremde Studiosos von Stande" Wohnungen im Kunsthause eingerichtet. Ob­wohl zu Lehrern an der so erweiterten Anstalt nun eine ganze Reihe von Koryphäen der Wissenschaft berufen wurden, wie Dohm, Georg Forster, Mauvillon, Joh. Müll«, Sömmering, Tiedemann, so fanden diese doch an ihr kein «giebiges Wirkungsfeld, weil es an geeigneten Zuhörern fchlte. Die Eltern zogen es meist vor, zum Teil wegen des kostspieligen Lebens in Cassel, ihre Söhne direkt zur Universität zu bringen. Die Hauptsache ab« war, baß die gegen Ende der 18. Jahrhunderts auch in Deutschland verbreiteten Rousseau'schen Ideen den privilegierten Standesschulen selbst in Adelskreisen die Gunst entzogen und nette Bild­ungsideale zeitigten. Co ging die Anstalt, wie die meisten Schw^ter-Anstalten schnell ihrem Untergang entgegen. Schon 1784 sprachen von ben 14 Professoren 13 auf die ihnen vorgelegte Frage dem Carolinum in seiner jetzigen Gestatt die Lebensfähigkeit ab, und bald nach dem Tode Friedrichs EL versetzte sein Nachfolger die Hälfte der Professoren an die Marburg« Universität. Seitdem vegetierte das Carolinum noch einige Jahre in stark reduzi«tem Zustand weiter, ab« es verschwand aus bet Oeffentlichkeit. Seit dem Jahre 1791 verschwinden seine Spuren auch aus dem Staatshandbuch. Rühmlos, wie meist sein Beben, war auch fein Sterben. Für ben mit un­geteilter Aufmerksamkeit vernommenen gehalt­vollen und formschönen Vorttag dankte die Zu- hörerschast mit lebhaftem Beifall. Der Vor­sitzende sprach die Hoffnung aus, ihn bald in der Zetffchrift" gedruckt zu sehen.

)( Seine« 78. Geburtstag begeht am 8. No­vember unser Mitbürger, He« Kapellmeister a. D. Noack.

* Die Marburger Freie Studentenschaft, Ab­teilung für Fragen des persönlichen Lebens, hält am Mittwoch, 8. ds., 8y2 h. s. t. im Fronhof eine Sitzung ab. Herr stud. theol. I. Berendt spricht üb« das Thema:Die Stellung eines modernen Menschen und zugleich Lb«zeugten Christen zur Welt." An den Vortrag schließt sich eine freie Aussprache an. 3eb«mann ist willkommen.

* Freistuben tische Konferenz in Berlin-Char, (ettenburg. Am 9. und 10. November findet in Berlin und Charlottenburg eine freistudentische Konferenz statt. Der Abend des 9. November ist dem Thema »Modernes Studenien- tum gewidmet, und zwar find folgende Vor­träge angesetzt: 1) Ptivatdozent Dr. W. Ohr- München:Student und öffentliches Leben". 2) Gewerkvereinssekretär A. Erkelenz-Berlin: Arbeiter und Akademik«". 3) Ingenieur W. Wagner-München:Studentische «rbeiteruntet- richÄurse". 4) Dr. F. Behrend-Berlin:Erund- züge eines neuen 6tubententums". Der Vor­mittag des 10. November gilt dem Thema Student und Hygiene". Hierzu refe- ri«en: 1) Dr. web. BlaftPo-Berlin, General­sekretär bet Deuffchen Gesellschaft zur Bekämps- ung b« Geschlechtskrankheiten:Student und sexuelle Frage". 2) Dr. Eggers-Bremen, Ge­neralsekretär der Deutschen Gesellschaft für East- hausreform:Student und Alkohol". 8) Prof. Dr. C. L. Schleich-Berlin:Student und Körper­kultur" 4) Dr. Kühne-Charlottenburg:Stu­dentenheime". Am Abend des 10. November wird bas ThemaStudent und Kunst" behandelt. Es sprechen 1) Dr. Credner-Branden- burg übetFreie Studentenschaft und Kunst". 2) Dr. Dohrn-Dresden, Sekretär d« Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst:Die Kunst im Leben des Studenten". Sämtliche Veran­staltungen find öffentlich. Die Tagung des 9 November (mit freier Aussprache) findet im Feftsaale des Rathauses zu Charlotten- bürg, die des 10. November im Bürgersaale des Rathauses gu Berlin statt. Auskunft an Interessenten erteilt das Prasidrum bet Marburger Freien Studenten­schaft in ben Eeschäftsstunden (vormittags 11 bis 12% Uhr im Fronhof, Erdgeschoß).

Das Abrufen i« ben Wiirtesälen soll vor­aussichtlich schon vom 1. Januar n. I. ab in ganz Preußen aufhören; man wird Signalkästen mit elektrischem Bettieb einführen. Aus einem Kasten wird jeder fällige Zug und der bettef- fenbe Bahnsteig in großer Schrift zu ttsen sein. Ist bet Zug abgefahren, so fällt die Aufschrift.

Schuttrchuffches. Aus der Anweisung zur Verhütung bet Verbreitung übertragbarer Krankheiten, dis bet Herr Minister am 9. Juli 1907 «lassen hat, teilen wir als allgemein wichtig folgendes mit:Gesunde Lehr« und Schäl« aus Behausungen, in denen Erkrank­ungen an einer der in § 3a genannten Krank­heiten, nämlich Aussatz (Lepra), Chol«a (asia­tische), Diphtherie, Fleckfieber, Gelbfieber, Ge­nickstarre, Pest, Pocken, Rückfallfieber, Ruhr, Scharlach und Typbus, vorgekommen find, dür­fen die Echulräume nicht betreten, soweit und so lange eine Weiterverbreitung der Krankheit aus diesen Behausungen durch sie zu befürchten ist." Bei Fawus, Keuchhusten, Körnerkrank- hett, Krätze, Masern, Milzbrand, Mumps, Rö­teln, Rotz, Tollwut und Windpocken ist dagegen eine Cchulvetfäumnis gesunder Lehr« und Schüler nicht votgeschrieben.

D« Rerkur-Lnrchgaug. In den Mittags­

stunden des 14. November findet ein sogenann­ter Durchgang des Merkur durch die Sonnen- scheibe statt, wobei bei Planet wegen seiner Kleinheit bloß im Feu«tvhr als schwarz« Fleck erscheint. Der Durchgang ist in der weftlicyen Nstens, in Europa, Afrika, Südamerika ..... ... der östliche« Hälfte Nordamerikas zu sehen. In unseren Gegenden findet der Eintritt des Merkur in die Sonnenscheibe etwa eine

aufmerksam machen. Das Programm wirb spä­ter noch mitgeteilt werden.

* Deutsche Kolonialgesellschaft. Gemäß Be­schluß der ordentl. Hauptversammlung in Worms vom 23. Mai 1907 findet hier, wie schon erwähnt wurde, am Donnerstag, den 5. Dezember 1907, vormittags 9y2 Uhr, in Frankfurt a. M. eine außerordentliche Hauptversammlung der Deut­schen Kolonialgesellschast statt. Die Auskunsts­stelle befindet sth am 4. Dezember mittags von 28 Uhr im Hauptbahnhof, an de» Verhand- lungstagen im Zoologischen Garten. Sie gibt gegen Vorzeigung d« Mitgliedskarte das FHt- abzeichen, die Karte« für die Teilnahme an den verschiedenen Veranstaltungen usw. aus und nimmt Briefe, Telegramme u. a. für die Teil­nehmer entgegen. Im Zoologischen Garten wirb während bet Tagung Eintrittsgeld von den Teilnehmern nicht «hoben. In einem Neben- saale daselbst ist eine kartographische Ausstellung (nebst Photographien) von wirtschaftlichen llnt«nehmungen in den deutsche« Kolonien. Am 5. Dezember haben die Teilnehmer während bes ganzen Tages freien Eintritt in den Pal­mengarten; in den Pflanzenschauhäuser» da­selbst ist eine Sammlung von Kolonialpflanzen ausgestellt.

* Wartburg-Vorträge. Am letzten Donners­tag fand der erste öffentliche Vorttag im Audi­torium 24 statt. Herr Kand. Erhardt reziettette Liliencron. Heute Mtttwoch wird Eonrad Ferd. Meyer gelesen 8 h. c. t. Für die nächste Zeit sind von einigen Herren Dozenten wie von Stu­dierenden int«essante Vorträge in Aussicht ge­stellt, zum Teil mit Lichtbildern. Besonders er­wünscht sind Reifesoritäge. H«t Dr. Bock hat für das Semefterenbe eine« Vorttag überMo­derne Kunst" zugesagt.

Hessisch« Geschichtsverein. In der Sitzung vom 2. November gedachte der Vorsitzende, Ge­neralleutnant Beß, zunächst bes Eintritts drei« neuer, des Wegzugs von vier Mitgliedern. Weiter berichtete « kurz üb« die Verhand­lungen bes Eesamtvorstandes auf ber Jahresver­sammlung zu Eschwege, über die Vorträge des Gymnafiolldirektor E. StendellWie find Esch­wege und die Eschweger geworden" (im Druck «schienen bei R. Himmelreich, Eschwege, 18 E. 8°, 50 Psg.) und bes Prof. E. Schröder-Göttin­gen, ber die Tatsache bet Illustration von Eri'mm's Märchen durch Otto Ubbelohde in ein­gehender Begründung freudig begrüßte. Dann empfahl bet Vorsitzende die Subskription auf die Geschichte des 83. Reg. vonHerrn v. Dalwigk, bas ben Subskribenten zum Preis von 5.50 J*. üb«- lassen werden soll. Hierauf gab er dem Geh. Reg.-Rat Dr. Hartwig das Wort zu seinem Vorttag:Fragmente aus bet Geschichte bes Collegium Carolinum zu Cassel." In grund- legenber Einleitung schilderte b« Vortragende den Umschwung, der sich während bes 17. Jahr­hunderts im Anschluß an die Wandlung im polittschen und gesellschaftlichen Leben des deut­schen Volkes, wie in ber allgemeinen Bemessung der geistigen Kutturw«te, so namenttich auch auf dem Gebiete bes Unterrichts und besonders auf dem bet höheren Jugendbildung vollzogen hatte. Dor anberm durch das Erwachen realisti­sch« Tendenzen im Lehrbettieb wird dieser Um­schwung charakterisiert. Im Anschluß daran gab « eine Uebersicht über die gerade in dieser Richtung sich bewegenden und teilwerse bahn­brechenden Reformbestrebungen d« hessen<assel- scheu Landgrafen, von Philipp dem Eroßmütt- gen bis auf Friedrich II., unter besonderer Her­vorhebung d« Wirksamkeit b« Landgrafen Moritz und Karl. Weit« schilderte er auf Grund bes leider für die Geschichte des Colle­gium Carolinum recht lückenhaften Aktenbestan- bes des hiesigen Staatsarchivs und gedruckter fürstlicher Erlasse, sowie d« in den AnstMs- Programmen enthaltenen Nachrichten, bte Ent­wicklung des von Landgraf Karl 1709 in dem 16J6, nahe bei dem Schlosse am Wald, erbauten Kunfthause gegründeten und von Friedrich IL 1786 in eine höhere Standessckw le rein akademi­schen Charakters umgeformten Collegiums. Bei ber Errichtung ber Lehranstalt, die den Namen des Gründers erhielt, aber auch als Gymnasium illuftre und Athenäum bezeichnet wurde, war d« Landgraf von bet Absicht geleitet, den Zög­lingen ber bamaligen Lateinschule, die mit ein« !üt bie höheren gewerblichen Berufsarten be» anders in den Realien ganz unzulängliche« Vorbildung zur Universität entlassen wurden, einen den modernen Anforderungen entsprechen­den Vorbereitungskurjus für bas llniversitäts- studium zu schaffen. Dieser Kursus sollte etn zweijähriger fein und wat anfänglich nur auf Mathematisch-Physikalische Vorträge in lateini­scher Sprache eingerichtet, er würbe ab« bald, weil es annoch an Latinität zu fehlen pflegt" durch einen Lehrgang im Fache d« Humaniota, bet sich auch auf bas Gebiet ber Philosophie, Ethik und Methaphyfik «streckte, ergänzt. Wenn bie Entwicklung bes Instituts ben Erwartungen seines Gründers wenig ent» sprach, so ttagen, nach Ansicht des Vortragenden, vornehmlich drei, diesem neuem Schultypus von seiner Entstehung an anhaftende Gebrechen bie Schuld: L bie Einführung akademischer Vor­tragsweise, für welche bie Vorbildung ber Zög­linge unzureichend war, 2. bie zu enge Umgrenz­ung des Lehrstoffes, ber in feiner Beschränkung auf wenige Disziplinen in einem zweijährigen Kursus Zeit unb Kraft b« Scholaren nicht genug in Anspruch nahm, 8. die Sonderstellung bet Anstatt zwischen Schule und Universität, die zumal bei Gewährung akademischer Freiheit bie Disziplin erschwerte. Die Idee bes Landgrafen würbe sich besser haben verwirklichen lassen, wen» anstatt bes neue« Echulgebildes dem etwas modernisierten Casseler Pädagogium eine Selekta mit realistischem Zuschnitt ungegliedert worden wäre. Da das Carolinum in seiner seit­herigen Berfassung auf die Dauer nicht lebens- fcttg erschien, so entschloß sich nach dem Ende des siebenjährigen Krieges yriebridj LI unter Be­rücksichtigung der Standesunterschiede, bie in ber «sie« Hälfte bes 18. Jahrhunderts auch in b« Organisation ber höheren Schulen mehr unb mehr zur Geltung gekommen waten, und in Nachbildung b« anderwärts in jener Zett schon vorhandene« Standesschulen, hur EarM-

Rande statt, ber Durchgang dauert annähernd 3y2 Stunden.

)( Ortskrankenkasse. Aus die heute Abend in der Aula der alten Realschule stattfindend« Generalversammlung der Ortskrankenkasse ma­chen wir hiermit besonders aufmerksam. .

* I. Abonnements-Konzert Brau». Der Ruf von Prof. Emil Sau«s (Dresden) Kunst hatte gestern eine zahlreiche Gesellschaft von Mufikliebenden in bieStadtsäle" geführt. Waten die Erwartungen schon von vornherein; hoch gespannt, so wurden sie dennoch durch bas' Dargebotene weit übertroffen. In Professor! Sauet lernten wir einen Klavierkünstler ken­nen, ber mit einer blendenden Technik, was sich' ja von selbst versteht, vor allem Verständnis und fein musikalische Empfindung, die kennen ge» lernt zu haben, reich« Gewinn ist. Gleich di« Wiedergabe bes v-Moll-Konzertes von Frieden man Bach, dem genialen, jedenfalls begabteste« der 11 Söhne bes berühmten Thomaskantor». Johann Sebastian, zeigte Sauet auf der Höh« feinet Kunst, die besonders hier in bet Führung' ber Bässe im Maestoso wirkungsvoll hervortrat.' Es folgte die mehr bekannte 0-Dur-Sonate Beethovens op. 85, von ber besonders die fünft»; lerische Auffassung des wundervoll melodiöse«! Adagio gracioso gefiel. Vielleicht hätte ber. Künstler im letzten Satze dem Alegretto; eine etwas kräftigere Stimmführung anwende« können. Unter dem dritten Programmpunfte waten etwas musikalisch heterogene Elemente, zusammengefaßt, von denen BrahmsInter­mezzo" durch bie Geschlossenheit seiner Kompo­sition unb die herrliche Melodik in ben Vorder­grund trat. SchumannsTraumeswirren" und MendelssohnsPräludium" sprachen daneben in, Sauers Wiedergabe sehr an. Bon Chopin hör­ten wir neben ben bekannteren .Impromptu" undNocturne" bieFantasie" (op.49) unb ein« kleinere Etüde (op. 25 Nr. 9). Besonders bi« Fantasie" wirkte ungemein tief durch die feelen» volle Interpretation, bie sie gestern Abend fand. Nach KriegsNocturne" kam ber Künst­ler selbst als Komponist zu Worte in sein« Serenade fran^aise" und einer feinet Konzert» EtüdenEspenlaub" (Nt. 6). Die reizend« kleine Müde wirb an musikalischer Bedeutung jedenfalls weit durch dieSerenade" überholt^ die sich mit ©TiegsNocturne" ruhig messe« durste, sowohl was musikalische Erfindung, als auch was Stimmführung anbetrifft. So, dürfen wir auch dem Komponisten Sauer unser« Hochachtung zollen. Zum Schluß spielte ber Künstlet Arabesken über Motive des Walzet«, An der schönen blauen Donau", die wohl be«. Zweck hatten, die hervorragende Technik be», Künstlers in ihrer Größe zu zeigen, doch fdT damit der musikalische Wert des Tonstücke« keineswegs bezweifelt werden. Die Variationen! über das musikalisch ansprechende Walzer-Thema, Joh. Strauß' boten besonders in der vollendete« Wiedergabe Prof. Sauers einen hohen Kunst», genuß. Der Beifall wat nach allen Darbietun­gen, besonders ab« am Schluß außerordentlich, stark, so baß sich ber Künstler zu einer Zugabe! entschließen mußte. Er spielte meisterhaft' Mendelssohns kleines StückAuf Flügeln be»1 Gesanges", unb als die Begeistertsten immer noch nicht weichen wollten, trug « noch ein«; feiner eigenen Etüden vor. Hoffentlich nimmt« der Künstlet und Komponist bie Ueberzugung! mit, baß seine Darbietungen ein dankbare« unb aufmerksames Publikum gefunden habe« und hoffentlich finden werden. Wen« wir a« dem gestrigen Abend eine Ausstellung machen wollten, so wäre es an d« Zusammen­setzung bes Programmes, ooch kann man bat» übet wohl zweierlei Meinung sein. Zunächst würde eine einheitlichereGestaltungbesselbendem Eindruck bes Ganzen nur förderlich gewesen feittj dann aber wat unseres Erachtens ber zweit« Teil inhaltlich, namentlich, nachdem Chopin noch« auf ben ersten Teil vorlegt war, aber auch schon in ber ursprünglichen Fassung, keineswegs gleich» wertig. Eine anoere Anordnung als die nach zeitlichem Gefichtspuntt wäre vielleicht gut gewesen. Wit wollen auch nicht verfehlen, bar«i auf hinzuweisen, baß bet von dem Künstler be»: neutzte vorzügliche Konzertflügel von bei Firmch Grotrian Steinweg Nachf., Braunschweig, zu, Verfügung gestellt war. ch. i

* Stadttheat«. Nochmals sei auf bie morgig« Vorstellung von IbsensNordische Heerfahrt", hingewiesen. Das Werk, das auch auf große« Bühnen selten erscheint, übt starke Anziehungs­kraft aus. Interessenten werden daher gut tun, sich vor ber letzten Stunde Plätze zu sichern. ;

)( Mephisto-Theater. Wir wollen nicht un­terlassen, auf das heute Abend im Saale des! Cafä Quentin beginnende für drei Tage be»i rechnete Gastspiel des weltberühmten österreichi­schen HoMnstl«s Hartmann aus Wien hinzu-, weisen. Ein Abend im Ttaumlande und Sen, Abu Bekir, ber indische Fakir betiteln sich bie: Hauptnummern bes Programms. Jedenfalls, dürften den Besuchern genußreiche und inter­essante Stunden in Aussicht stehen.

* Wandervogel-Marburg. Nachdem auf der letzten Generalversammlung die Gründung end-, lich vollzogen und Herr Pros. Schenck einstimmig zum Vorsitzenden gewählt wurde, hat die Tätig-, kett frisch begonnen. Bereits 4 Ausflüge wur-s den gemacht und für nächsten Sonnabend und Sonntag sind bereits 4 weitere angezeigt. SHes. Nähere erfährt man durch den Vorstand Herrn, Professor Schenck und in den Führersprechstun­den Donnerstag 56 und Freitag 67 im Milchrestaurant. j

* Katholischer Gesellen»««». Man schreibt uns: Am nächsten Sonntag den 10. November, abends von 8 llhr an feiert bet Verein sein 17.; Stiftungsfest in ben Stadtsälen (Museum) mit; Theater unb Tanz. Zur Ausführung komme«: die Schwänke:Die Nihilisten" unbWurst wider Wurst". Das letzt«e Stück ist vor einige« Jahren schon einmal aufgefühtt und hat damals sehr gefallen. Schon fett Jahren erfreuen sich die festliche« Peranstattnguen be» Verein» iw