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Marburg

Dienstag. 5. November 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrfitSts-Buchdruckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 2t. Telephon ob.

Zweites Blatt.

Und wenn der große Friedrich kommt..."

Zum 150. Gedenktage der Schlacht bei Roßbach, 5. November.

Don Robert Berndt.

In dem ganzen großen Heldengedichte vom /rebenjährigen Kriege gibt es keinen Teil, den ivir mit so ungemischten Eefüblen lesen, wie hen Sang von der Roßbacher Schlacht. Andere Taten und Siege Friedrichs mögen bei diesem »der jenem deutschen Stamme peinliche Erin­nerungen wachrufen, die wirklich selbst bis zum Heutigen Tage noch nicht überall ganz geheilt sind. Der Sieg bei Roßbach aber ist eine ge­mein-deutsche Angelegenheit. Freilich, auch die Reichsarmee war dabei; aber die liebe Reichs- ctmee war schon in ihren Tagen ein Spott, und ganz Deutschland fühlte und empfand Fried­richs Sieg bei Rotzbach als einen Sieg der Deut­schen über die Franzosen. Macaulay hat ganz treffend hervorgehoben, daß die germanische Rasse seit der Auflösung des Reichs Karls des Großen keinen solchen Sieg über die Franzosen gewonnen habe. Die ganze Geschichte dieser Schlacht hat etwas Strahlendes, ja beinahe Amüsantes. Denken wir an die Schlacht bei Leuthen, so klingt in unseren Ohren der Dank­choral, der sich nach schwerer Arbeit des Abends den gepreßten Herzen entrang. Denken wir Roßbachs, so kommt uns das reizendste und munterste aller Friedrich-Liedchen in den Sinn: ; Und wenn der große Friedrich kommt,.

Und klopft nur auf die Hosen, ?

| So läuft die ganze Reichsarmee,

j Panduren und Franzosen.

t ' Friedrich war freilich nichts weniger als vergnüglich zumute, da er den Marsch antrat, der ihn nach Roßbach führen sollte. Zum ersten- male war der Nimbus seiner Unbesiegbarkeit , erschüttert worden, er hatte den Tag von Kolin - hinter sich, und nun folgte Niederlage auf Nie­derlage, Verlust auf Verlust: in Ostpreußen, in Hannover; das Schlimmste aber war der Tod Winterfeldts, wohl des genialsten unter seinen Generälen und überdies seines vertrautesten Freundes. Als Friedrich diese Nachricht emp­fing, rief er erschüttert:Gegen die Menge mei­ner Feinde hoffe ich noch ein Mittel zu finden, aber nie werde ich wieder einen Winterfeldt finden!" Als er in dieser Weise seinem Schmerze Ausdruck lieh, hatte er sich bereits Soubiss und die Reichsarmee als das Opfer (eines nächsten Schlages ausersehen. Es hatte ange gedauert, ehe sich diese Armee gebildet Hatte. Mühselig waren die Kontingente der Reichsarmee zusammengekommen, meist neuge­worbene Rekruten, schlecht gekleidet, veraltet bewaffnet, mangelhaft ernährt. Der an ihrer Spitze stand, der Prinz von Hildburghausen, zählte nicht zu den großen Lichtern, aber er war doch ein ganz verständiger Mann, der die Zu­stände seines Heeres selbst zu beurteilen wußte und scharf genug in seinen Berichten nach Wien darüber geklagt hat. Hatte er aber noch einige militärische Einsicht, so ging diese Soubise ganz rmd gar ab. Der war ein Hofmann und nichts als ein Hofmann, vom Kriege verstand er nichts, und schließlich verschlug es ihm auch ein wenig, ob er siegte oder besiegt ward; denn er gehörte zu jenen Leuten, die, der Katze gleich, immer auf ihre Füße fallen. Als sich nun diese große Armee, die dem armen Markgrafen von Bran­denburg das Leben ausblasen sollte, endlich ver­sammelt hatte, da betrug sie sich ihresaller- christlichen" Kriegsherrn gar unwürdig. Plün­derung und Marodiererei schlimmster Art, sowie widerliche Ausschweifungen bezeichneten ihren Weg und ganz besonders ließen sich die französi­schen Soldaten gegen die protestantische Bevöl-

. kerungen und protestantischen Pfarrer üble Dinge zu schulden kommen.

Friedrich, bei Kolin geschlagen, von Feinden umringt, an Trost und Mitteln arm, an Mut aber ungebeugt, sah sich, als er seine Truppen wieder beisammen hatte, um, wen unter seinen Feinden er zunächst fassen könnte. Dag schien ihm Soubise und die Reichsarmee. Er übergab Schlesien in die Hand des Herzogs von Bevern und machte sich selbst in Eilmärschen auf den Weg nach Thüringen. Die thüringischen Lande atmeten auf, als er mit seinen Truppen erschien. Wie einen Befreier empfingen sie ihn. Wen er Uber nicht traf, das war derFeind. Dieser wählte den befferen Teil der Vorsicht, und wich. Fried­rich war ihm schließlich dicht auf den Fersen. Erst zwei Stunden waren die Franzosen aus Gotha abgezogen, als Friedrich eintraf und das Mittagsmahl einnahm, das für die französilchen Offiziere zubereitet worden war. Damals er­eignete sich jene Episode derEroberung von Gotha", die ein wenig an das Gefecht von Saar­drücken im Jahre 1870 erinnerte. Wie die fran­

zösische Armee die kleine preußische Schaar aus Gotha verjagte, um kurz nachher durch den über­mütigen Seydlitz wieder davongejagt zu werden, das war ein lustiges Stückchen. Im ganzen aber lag die Situation doch für Friedrich recht wenig günstig. Der Feind, den er suchte, ließ sich nicht fasten; von allen anderen Kriegsschau­plätzen kamen Hiobsposten und schließlich ward gar gemeldet, daß die Streifscharen des ver­wegenen Hadik sich durch einen Handstreich der Landeshauptstadt bemächtigt hätten. DieseEr­oberung von Berlin" schien zunächst gefähr­licher, als sie in Wirklichkeit war, so daß Fried­rich sich entschloß, Thüringen zu verlassen, um sich mit seiner schlesischen Armee behufs einer Overation gegen Norden in Fühlung zu treten. Mit diesem Abmarsche Friedrichs gegen Leipzig endete der erste Akt des Schauspiels von Roß­bach. Denn kaum hatte die französische und Reichsarmee Wind davon bekommen, daß Fried­rich zurückging, als sie plötzlich Mut bekam und ihm nachrückte. Sollte er doch noch den Feind zu packen bekommen, den er zuerst ins Auge gefaßt hatte? Hildburghausen schien es jetzt gar eilig zu haben und ließ schon den alten Keith in Leip­zig zur llebergabe auffordern. Keith meldete es dem Könige, doch der König schrieb ihm zu­rück: geruhigen Sie sich, der Hildburghausen wird Sie nicht fressen, ich bürge Ihnen dafür."' Der König kannte seine Pappenheimer, er wußte diesen Feind richtig einzuschätzen, und kaum hatte er Kehrt gemacht und war in Leipzig ein­gezogen, als das Soubife-Hildburghausenfche Barometer schon wieder stark auf Rückzug wies. Aber Friedrich ließ nicht locker, Seydlitz mit sei­nen Reitern setzte dem weichenden Feinde dicht nach, schon ist Weißenfels erreicht, der Versuch Hildburghausens, die Stadt zu halten, mißlingt, und dis Saalelinie fällt in die Hand des Preu­ßenkönigs.

Jenseits aber der Saale, j>. i. westlich von Weißenfels, liegt das Gelände, das am 5. No­vember weltgeschichtlich werden sollte. Gerade gegenüber Weißenfels, von der Biegung der Saale umfaßt, steigt sehr allmählich ein stump­fer Landbuckel, wie ihn Carlyle nennt, auf, auf dem Roßbach und eine Anzahl anderer Dörfer liegt. Die beiden höchsten Punkte dieses Buckels werden der Janusbnckel und der Pützenbügel genannt, doch ist der Ausdruckhöchste Punkte" ein wenig vorsichtig zu nehmen; denn es handelt sich in Wahrheit um recht geringe Erhebungen. Im ganzen hat Carlyle das in Frage kommende Terrain gar nicht übel mit einem Bilds gekennzeichnet, indem er es eine umgestürzte Untertaste von 3V2 Stunden im Durchmesser nannte.

Am Westrande dieser Untertasse, bei dem Dorfe Mücheln, hat die vereinigte Armee endlich ein Lager bezogen. Das Lager war sehr schlecht gewählt, der König hätte bei dieser Stellung den Feind umgehen und aufrollen können. All­gemein herrschte Unzufriedenheit über diese Wahl des Lagers, und schließlich konnte sich auch Soubise den Warnungen nicht entziehen. Der König, der die Vorteile der Müchelner Stellung sogleich mit seinem Adlerauge durchschaut hatte, mußte am 4. November morgens zu seinem Ver- drusse bemerken, daß der Gegner seine Stellung gewechselt hatte und auf dem Hügelrücken zwi­schen Mücheln und Branderode eine neue und zwar diesmal eine sehr günstige Stellung ge­wählt hatte. Mit ihrem altüberlieferten Ge­schick hatten die französischen Soldaten die Vor­teile dieser Stellung außerdem noch durch rüstige Schanzarbeit verstärkt. In dieser Lage war dem Feinde nicht beizukommen. Das sah Friedrich gleich; und da er überdies wußte, daß er eine gewaltige Uebermacht vor sich hatte, so stellte et den Vormarsch ein und ging nahezu südlich auf der Linie Breda-Roßbach zurück, wo er sich seinerseits wohl gedeckt fand. Diese Bewegung aber übte im Lager des Feindes eine ganz uner­wartete Wirkung aus. Er geht zurück, er fürch­tet sich wir haben ihn! Das war die Parole, die unter großem Lärm, Trompetenklang und Trommelgerastel im französifch-reichsarmeslichen Lager verkündet ward. Jetzt war es Zeit, jetzt konnte man diesen armen Brandenburgischen Marquis wie eine Maus in der Falle fangen. Es galt, ihm den Rückzug zur Saale abzuschei- den, und in diesem Sinn wurde angeordnet, daß das Heer in einem großen Bogen auf den Janus- hügel zu vormarschieren sollte. Freilich, je näher die Ausführung dieses Planes rückte, umsomehr sank der Kampfesmut der fanzöstschen Herren, aber schließlich rückte das Heer doch vor und trat den Marsch auf den Ianushügel an.

Vom Dache des Herrenhauses zu Roßbach, aus dem einige Ziegeln herausgenommen wor­den waren, blickte ein Mann auf das verbün­dete Heer. Es war König Friedrich. Sogleich erkannte et die Absicht des Feindes, sogleich war sein Plan fertig. Ihn 2 Uhr stieg er vom Dache Betontet, ur y23 Uht waren die preußischen Ko­lonnen tn Bewegung. Sein Schlachtplan war, man muß sagen, von. geradezu genialer Einfach­heit. Er marschierte in der Sehne des Bogens, den die Franzosen machten. Sein Marsch blieb

aber den Gegnern verborgen, weil er hinter der Kulisse des Janus- und des Pützenhügels Pch vollzog. Wie nun endlich die Franzosen an diesen Hügel angelangt waren, da waren natür­lich die Preußen, die den kürzerenWeg zu machen gehabt hatten, längst zur Stelle und im Besitze dieser Position, während die Franzosen von ihren Feinden keine Ahnung hatten, weil sie sie nicht sehen konnten. Aber sie sollten sie bald fühlen. Linker Hand auf dem Ianushügel er­schien die Batterie Möller und ihre Kugeln fangen an, den Franzosen zuzufetzen. Doch die Regimenter setzten ihren Marsch trotz der preu­ßischen Kugeln unverdrosten fort. Aber das ge­schah das Unerwartete, das Entscheidende.

Die ganze preußische Kavallerie befehligte an diesem Tage der junge Seydlitz, Friedrichs genialster Reiterführer, und die Aufgabe, die ihm gestellt wurde, sagte so recht seinem Tem­peramente zu. Und jetzt, wo die französischen Regimenter an dem Defile zwischen den beiden Hügel sind, da erscheint auf dem Kamme des Pültzenhügels die preußische Reiterei. Herab fährt sie gleich einem Sturmwinde und nichts kann ihr widerstehen. Die ganze Schlacht be i Roßbach besteht im Grunde genommen aus zwei Akten. Der erste Akt wird gebildet durch den Kavallerie-Kampf. Dreimal versuchten die Franzosen, sich dem vernichtenden Ansturm der Seydlihschen Schwadronen zu widersetzen, aber jedesmal hat Seydlitz ein neues Treffen bereit und reitet nieder, was ihm in den Weg kommt. Hildburghausen tut, was er tun kann. Der Rauhgraf brüllt über das Schlachtfeld hin:A moi, moi, Rougravc!" Die Mitglieder des alten französischen Adels, die Custine, die Rougck und Crillon bewähren den alten Ruhm ihrer ritterlichen Tapferkeit aber die preußischen Schwadronen sind ihnen überlegen, und so oft auch die Franzosen mit lautemVivo le Roi! gegen den unseligen Berg vorbrechen: sie müssen zurück, zurück und wieder zurück. Und nun kommt der zweite, der letzte große Schlag. Ein» halbe Stunde später, nachdem Seudlitz vom Pültzen- hiigel herab auf den Feind losgebrochen ist, er­scheinen oben auf dem Ianushügel die Jn- fanteriebataillone. pünktlich, genau, ausgerich­tet wie auf dem Exerzierplätze. Das Ganze ein großartiges Parademanöver und über den Ianushügel herüber rücken sie,Vater, aus dem Wege, daß wir schießen können!" rufen die Musketiere Alt-Braunschweig dem vor ihnen reitenden König zu und die Salven dieser einer einzigen Mauer gleichenden Infanterie mähen die Feinde reihenweise nieder. Jener Tag war der erste, da die preußische Infanterie mit Echelons vom linken Flügel in schrägem An­griff vorging. Das war, wie gesagt, um 4 Uhr, als die Infanterie eintraf. Anderthalb Stun­den später ist cs schon Nacht und nicht nur be­reits die Niederlage der Franzosen und Reichs­armee entschieden, sondern diese Armee existiert nicht mehr. Sie ist ein Chaos, eine wirre, wilde Masse, die völlig ungeordnet in atemloser Flucht gegen Westen zurückflüchtet. Seydlitz mit seiner Reiterei ihnen nach. Kein Regiments­verband mehr, kein Korpsgeist, kein Mut und keine Hoffnung. Sie laufen durch Erfurt, und auch dort finden sie noch keinen Halt. Die große Landstraße, die noch heute Deutschland von Osten nach Westen durchquert und von Halle bis nach Frankfurt führt, ist besät mit flüchtenden Sol­daten und mit militärischen Requisiten aller Art. Das ist das Ende der großen Armee, die den Marquis von Brandenburg hatte fangen sollen. Es herrschte ein einziger Jubel über diese Schlacht. Ja, ein Jubel in ganz Europa. Die Preußen jubelten, die Bayern, die Schwaben lachten, die Franzosen selbst bewunderten und feierten ihren Vefiger. Warum das? Wie kam es. daß sie alle mit dem Herzen auf Seite Fried­richs standen? Weil sie alle instinktiv fühlten, daß hier eine historische Wahrheit über historische Lügen gesiegt hatte. Die Wahrheit war dies Genie, das einen armen und kleinen Staat eben im Begriff war, zur Großmacht zu erheben, und die Lüge war das Schemen des alten Deutschen Reiches und des verlotterten Frankreichs, die eine Rolle spielen wollten, die ihnen nicht zu­kam. Und wie der Sturmwind in die Gewitter­schwüle hinein Luft und Frische bringt, so ist die Schlacht von Roßbach sozusagen ein großes Rei­nigungsmittel der europäischen Atmosphäre ge­wesen.

Hessen-Naffa» imb Nachtzargebiete.

§§ Cassel, 3. Noo. Der 5. Bezirkstag des 6. Bezirks des Westdeutschen Spiel-Verbandes wurde heute hier abgehalten. Vertreten waren die Städte Cassel, Dillenburg, Fulda, Gießen, Marburg, Siegen undWetzlar durch 19 stimm­berechtigte Delegierte. Die Ergänzungswahlen zum Bezirksauschuß, die nach Genehmigung des Protokolls des 4. Bezirkstages in Wetzlar vor­genommen worden waren, ergaben die Wahl des Herrn C. Demuth aus Gießen zum 2. Obmann, zum Beisitzer wurde Herr Puuly aus Fulda ge­

wählt. Zum Ort des nächsten BezirkstagsG wurde Gießen bestimmt. Sodann wurde den Ds» zirkssiegern Diplome zuerkannt und innere De» einsangelegenheiten beraten.

Frankfurt a. M., 2. Noo. Gestern Abeich gegen 9 Uhr hat sich in einer hiesigen Wirtschaft Ecke Mainzer Landstraße-Heinrichstraße, der 37* jährige Techniker Friedrich Ientsch aus Odessa; mit einem Revolver erschossen.

G. Hanau, 3. Nov. Der landwirtschaftliche Kreisverein beschäftigte sich in seiner gestrigen; Sitzung u. a. auch mit der im nächsten Jahre Hanau abzuhaltenden Bezirkstierschau und be< Generalversammlung der Landwirtschaftskam- mer. Als Termin für die Abhaltung der Ba^ zirkstierfchau ist der 4. September 1908 vorgeü sehen, die Generalversammlung des Vereinsause fchusses soll am 5. September stattfinden.

Zum Eisenbahnunglück auf der Brohltaldahn.

Köln, 1. Nov. Das Vrohltalbahn-Unglück ist augenscheinlich dadurch veranlaßt worden, daß der Zug in furchtbarer Geschwindigkeit eine sehr abschüssige Stelle herunterfuhr, sodaß ein Fahr^ gast vorher absprang, weil ihm die Geschwindig« leit zu unheimlich wurde. Er brach beide Beine^ Der Zug stürzte in einer Höhe von 30 Metern ab. Wäre der Zug fünf Meter vorher abge« stürzt, so würde bei der Höhe von 50 Meters wohl niemand mit dem Leben davongekommen sein. Der Zug, der an jener Stelle mit Zahn« rädern befahren wird, stürzte mit 12 Waggons bei einer scharfen Biegung ab. Laut derKölm Ztg." befanden sich nicht die genügende Zahl Bremsen am Zuge.

Weiter wird gemeldet: Das Eisenbahn« Unglück auf der Brohltalkahn stellt sich als ge« fährlicher heraus, als ursprünglich angenommen wurde. In der Dunkelheit stürzten, nachdem' einige Wagen entgleist waren, die Lokomotive und der ganze Zug unweit des Bahnhofes Ober« zissen von der Brücke ab, die gesamten Insassen des Zuges, sowie das Personal unter sich begrün bend. Außer sechs Personen, die sofort tot waren, sind die übrigen fast alle schwer verletzt worden. Bis Freitag mittags waren ein Dutzend Schwerverletzter hervorgeholt, die in den Schulsaa! gebracht wurden, der in ein Kran, kenhaus umgewandelt worden ist. AndereSchwer- verletzte sind ins Krankenhaus nach Niederzissen gebracht worden. Die gesamte Bevölkerung der benachbarten Ortschaften ist mit Krankenschwe­stern und Feuerwehrleuten mit der Bergung und Unterbringung der Verstümmelten beschäf­tigt. Mittags trafen Negierungsbeamte ein, desgleichen geistlicher Beistand, der den Schwer, verletzten die Sterbesakramente spendete. Die Verstümmelten find gräßlich; die meisten haben außer Bein- und Armbrüchen. schwere Kops- und innere Verletzungen durch die Wucht' des zusammengedrückten Waggons erlitten. Din Unglücksstätte umsteht eine dichte Menschen« menge in eisigem Schweigen.

Brohl, 2. Nov. Gestern war der Erste Staat»., anwalt und der Untersuchungsrichter aus Kob«! lenz an der Unfallstelle, ebenso der Geh. Bau» rat Diesel aus Berlin. Der bei dem Unfall get tötete Italiener heißt Pia von der Firma Holz­mann in Frankfurt. Der Zugführer Weber austz Kempenach, dem beide Beine abgefahren wur­den, starb im Kloster zu Niederzissen. Er hinter­läßt eine Fran und vier Kinder im Alter von vierJahren bis drei Wochen, f (Frkf. Ztg.)

Bücherjckau.

** Die Kun st. Monatshefte für freie uni angewandte Kunst. Jahrgang 9, Heft 1 (Müm chen, Verlagsanstalt F. Bruckmann. Preis vier» teljährlich M 6.). Immer wieder üfcenafdjt diese Zeitschrift durch ihren gediegenen textlichen und illustrativen Inhalt. Was hier an text« lieber Vielseitigkeit, was im besonderen auch an Fülle des bildlichen Anschauungsmaterials gs» boten wird, ist besonders in Hinsicht auf den mäßigen Abonnementspreis von M 6 im Vierteljahr erstaunlich; Fritz von Uhde, bei. berühmte Münchener Meister John S. Sar- gent, wohl der bedeutendste der zeitgenössischen, englischen Porträtisten sind in zwei prächtig illustrierten Monographien behandelt; der, der angewandten Kunst gewidmete Teil des Heftes enthält einen illustrierten Aufsatz über das ge». schmackvolle Heim, das Otto Henckel! in Wies­baden sich durch H. B. Wieland schaffen lieft einen solchen über Blumenhalter von Leopold Bauer neue Zierarbeiten von Ernst Riegel usw. 147 Abbildungen in Text und zehn Son," derbeilagen in Farbendruck, Mezzotinto usro. bilden eine Quelle reichlichsten Genusses.Die Kunst" sei bei Beginn ihres 9. Jahrgangs als ein .Organ, das der Wiederspiegelung der zeit-- genössischen Kunst in geradezu vorbildliche» Weise dient, bestens empfohlen.

Verantwortlich lütbO^afHonTT^

/ Dr. Johannes Otto i» Marburg. -6