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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain.

Sormtaasbeilaaer AAußtrirtes SonntaaEaLt. J

259

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Anserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder bereu Kaum 15 PfA Reclamen: die .-teile 80 Pfg.

Marburg

Sonntag 3. November 1907.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Berlage Joh. Äug. Koch, UniversitatS-Duchdrucktttt 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt

3 Blätter.

.............= ' ~ .....~=ä Sensation der Woche.

r' Der erste Akt des Moabiter Sensationspro- Ißesses ist zu Ende, und Maximilian Harden ist 'eis Sieger aus dem forensischen Kampfe hervor- igegangen. Der Beifallssturm der großstädtischen !Menge aber, der den Herausgeber derZukunft" 'Leim Verlassen des Eerichtsgebäudes umbrauste, ckann nicht als der reine Ausdruck freudigen rDankes des deutschen Volkes für eine wackere 'und staatsrettende Tat Hardens gelten, wie es von freisinniger und demokratischer Seite mit ; großem Wortgepränge darzutun versucht wird, sondern muß vielmehr in erster Linie als das Ergebnis einer künstlich erregten und aufs höchste gesteigerten Sensationslust bezeichnet werden. Auch wenn man es Harden zum Ver- . dienst anrschnet, daß er f. Z. das bedenkliche Treiben der vom Fürsten Eulenburg beherrsch- ten Liebenberger Tafelrunde aufgedeckt hat ' über das bekanntlich kein Geringerer als Fürst Bismarck in seinen letzten Lebensjahren Grund zu schmerzlicher Klage hatte, so darf es doch Nicht gebilligt werden, daß Harden auch nach Be­seitigung derKamarilla"gefahr fortfuhr, sich mit großen Worten und dramatischen Gebärden als Staatsretter aufzuspielen, ohne in Wirklich­keit etwas anderes zu enthüllen, als eine Reihe privater Verirrungen, denen er durch verall­gemeinernde Darstellung das Ansehen einer fiefgehenden Verderbnis in den obersten Gesell­schaftskreisen zu geben suchte. Das Pathos aber, mit dem Harden im Eerichtssaale Eindruck zu erzielen wußte, war nicht echt; denn der poli­tische Hintergrund des künstlich erregten Skandal-Prozesses war so gut wie geschwunden, feit unser Kaiser mit fester Hand durchgcgriffen und das Netz der Hofintrigue zerrissen hatte. Was Harden unternommen, war, wie ein Ber­liner Blatt treffend bemerkt, eine Müllab­fuhr durch Aufdeckung von Intimitäten und Perversitäten. Wenn es dem eifrigen Cato cen- aorius lediglich darum zu tun gewesen wäre, dem Uebel zu steuern, so hätte eine stille Mit­teilung an Kriminalpolizei und Staatsanwalt­schaft zum Ziele geführt, allein Harden suchte die breiteste Öffentlichkeit; er wollte eine poli­tische Rolle spielen, wollte belobt und bewun­dert werden, ganz gleich ob durch seine Enthül­lungen das Ansehen unseres Volkes im Aus­lande Schaden leiden und die Unternehmungs­lust der Feinde des deutschen Reiches zu neuem Wagen angeregt werden könnte.

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Kreta im Jahre 1907.

In seinem AufsatzeKreta" in Maximilian HardensZukunft" sagte V. Eabrhlidi im Jahre 1897: ..Wenn gesetzliche und geordnete Zu­stande auf der Valkanhalbinsel herrschen sollen, so kann das grtechische Element nicht bei Seite ge- 'choben werden, denn die Griechen spielen die 4 sämtlichen Valkanvölkern

Literatur, Kunst, Handel und Schiffahrt. In allen diesen Zweigen sind sie den anderen Balkanvölkern dreifach überlegen und nur in den militärischen Neigungen sind' sie auffallend zurückgeblieben: das ist zwar be­dauerlich, aber doch kein Zeichen der Unkultur, denn auch England, Nordamerika, Norwegen und die Schweiz sind keine militärischen Staaten und stehen doch auf der Höhe der Zivilisation.

Eabrkälidis Ausspruch hat bis heute feine Gültigkeit bewahrt, Kreta ist zwar heute nur noch dem Namen nach ein türkischer Besitz, aber her Kampf der Nationalitäten auf der Balkan­halbinsel fährt fort die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, und Mazedonien ist heute der Zank­apfel geworden.

Griechenland hat leider bisher keine Könige gehabt, die Soldaten genannt werden konnten; der gute Otto I., der sein Volk aufrichtig liebte, war ein schwacher Regent mit der Begabung, die allenfalls für einen Kanzleirat ausgereicht Haben würde, und auch Georg I. ist kein Soldat, er ließ seine Söhne als englische Eent- lemen erziehen, und sein Hauptverdienst um Griechenland gründet sich auf seine Familienb«- sriehungen. Der Kronprinz Konstantin hat an­scheinend aus seinem rühmlosen Feldzug von 1897 einige militärische Lehren gezogen, sein Prüder Nikolaus, Präsident der Artillerie-uom-

Die ernsthafte deutsche Presse hat denn auch mit ihrer Meinung über den Moabiter Prozeß nicht zurückgehalten und das Urteil des Schöf­fengerichts, gegen welches ja inzwischen bereits Berufung eingelegt worden war, kritisch beleuch­tet. So rügt dieSchlesische Zeitung" die Be­gründung des Urteils, die im wesentlichen dem Eedankengange eines pseudo wissenschaftlichen Gutachtens folge. Der Wert dieses Gutachtens aber wird von derVosiischen Zeitung" in einem literarhistorisch interessanten Aufsätze be­leuchtet, in welchent jener sachverständige Dr. Hirschfeld, der überall Homosexualität wittert, arg mitgenommen wird. DieMagdeburger Zeitung" wieder betont die juristische Seite des Moltke-Harden-Prozesses, der kein Kampf mit gleichen Waffen, sondern eine mo­ralische Erdrosselung gewesen. Sehr treffend endlich schreibt dieKölnische Zeitung" folgendes:

Die Schlußfolgerungen des Urteils erschei­nen uns unzulänglich. Wenn Moltke denn nach der Ansicht des Gerichts, das sich dabei auf das Urteil des Dr. Hirschfeld, eines bekannten Agi­tators für die Anerkennung der Homosexuellen als normaler, wenn nicht als auserwählter Menschen stützt, wirklich homosexuell veranlagt sein sollte, so ist daraus noch lange nicht der Schluß gerechtfertigt, Harden sei auch berechtigt gewesen, dem Grafen Moltke diese Eigenschaft vor aller Welt nachzusagen, die nach der Fest­stellung des Gerichts einen Menschen bei seinen Mitmenschen herabwürdigt. Seit wann wird es denn für moralisch unanfechtbar und für ehrenvoll gehalten, die krankhafte Anlage eines Mitmenschen in die Öffentlichkeit zu zerren, um ihn politisch zu vernichten?"

Das Urteil im Moltke-Harden-Prozeß wird ganz sicherlich eine Umgestaltung erfahren; denn wie neuerdings aus Berlin verlautet, hat sich inzwischen auf Anweisung des Juftizministers als obersten Chef der Anklagebehörde, die Staatsanwaltschaft der Angelegenheit ange­nommen. Uebereinstimmend berichten mehrere gut unterrichtete Blätter, daß der Erste Staats­anwalt am Landgericht I in Berlin dem Amts­gericht Berlin Mitte die Erklärung von der Uebernahme der Strafverfolgung gegen Harden wegen Beleidigung des Gra­fen Moltke zugehen ließ. Daraufhin müßte das Amtsgericht das Verfahren einstellen, und die Angelegenheit käme vor ein fünfköpfiges Richterkollegium der Strafkammer als erste Instanz.

Infolge der Uebernahrpe der Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft erfährt die Stel­lung des Privatklägers eine wesentliche Aen- derung. Diesem fällt jetzt die Rolle des Ne­benklägers zu und zwar von selbst, ohne daß es seiner Anschlußerklärung bedürfte. Ein durchgreifender Unterschied zwischen der Stellung des Nebenklägers und der Privat­klägers, von anderem abgesehen, liegt in der

Mission beim Wettschießen zwischen Krupp und Schneider-Creuzot rc., wurde 1897, als der erste Kanonenschuß fiel, von seiner vorher sorgfältig ausgestatteten Batterie zum Hauvtquartier sei­nes Bruders versetzt! Welche Verirrung! Wie ganz anders erscheint uns da der tavfere bayerische Prinz Leopold an der Spitze seiner Batterie bei Coulmiers! Prinz Georg von Griechenland, der Gatte der Prinzessin Maria Bonaparte, hat sich in Kreta nicht übel bewährt, freilich, sein Nachfolger Zaimis erweist sich als eiif noch weit umsichtigerer Regent und Diplo­mat, und er führt Kreta augenscheinlich einer glücklicheren Zeit entgegen.

Lord Bvron verglich im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts Hellas mit einem eoen Entschlafenen:

Wie schön und still und sanft gewiegt. Der erste Schlaf des Todes liegt, So liegt auch Hellas still und hehr, Noch Hellas, doch es lebt nicht mehr. So grabesschön, so lieblich kalt. Doch seelenlos Dich schaudert bald« Liebreiz' im Tod sind ihm verlieh'n, - Die nicht mit fliehendem Leben flieh'«! Unheimlich schöner Farbenduft, Der ahnungsvolle Schmuck der Gruft, Des Liebens Dämmerung, bleich und fahl, . Ein Elorienschimmer um ein Totenmal, Der sterbenden Empfindung Abschiedsstrahl, - Funk einer Glut, die himmlisch wohl entstand Sie glimmt, dock wärmt nicht mehr ihr Lieb« lingsland.^

Doch seit jenen Jahren ist Helas au neuem Leben erwacht, und wir können die ersten Knospen wieder aufblühenden Lebens erkennen, wohl aber paßte Byrons melanckolts^s Gleichnis bis zum Jahre 1898 voll und ganz

Zulassung zum Zeugnis und Eid. Der Privatkläger kann nicht als Zeuge vernom­men werden und seine Aussage beschwören; der Nebenkläger dagegen darf als Zeuge aussagen und beeidigt werden. Das ist natürlich von größter Tragweite, insofern der Gerichtshof der ersten Instanz sein Urteil vorzugsweise auf das bedingte Zeugnis einer einzigen Zeugin stützte. Eine weitere Rechtswirkung hinsichtlich des Ver­fahrens liegt darin, daß das Gericht in öffent­lichem Verfahren nicht wie im Privatklagever- fahren den Umfang der Beweisauf- nähme nach eigenem Ermessen zu bestimmen hat; die Beweisaufnahme hat sich vielmehr auf die sämtlichen vorgeladenen Zeugen und Sach­verständigen, sowie auf die anderen herbeige- schafftsn Beweismittel zu erstrecken.

Englands Reichtum.

Wie ost ist nicht von den englischen Hetzblät­tern darauf hingewiesen worden, daß Deutsch­land überall in der Welt England wirtschaftlich zurückdränge. Demgegenüber konnte festgestellt werden, daß England hinsichtlich des Exports und Imports, des Schiffbaues und der Schiff­fahrt Deutschland noch bei weitem überlegen wäre und daß es zwar relativ in diesen Hin­sichten nicht so große Fortschritte gemacht hätte wie Deutschland, absolut genommen aber eine wesentlich größere Zunahme aufzuweisen hätte. Dieses Bild von Englands wirtschaftlicher Pro­sperität wird nun noch wesentlich verstärtt, wenn man die Darstellungen eines englischen Fachblattes über die Kapitalien, die England am Auslande angelegt hat, liest.

Dank seinen großen Kolonien und seinem starken Handel nach der Uebersee hat England schon seit viel längeren Zeiten als irgend ein anderer Staat Geld im Auslande untergebracht und dieses in der Form der Zinszahlung tribut­pflichtig gemacht. Die Höhe der überseeischen Geldanlagen hat sich fast von Jahrzehnt zu Jahrzehnt regelmäßig gesteigert und sie hat nur während des Burenkrieges einen starken Rück­schlag erfahren. Damals brauchte England so­viel Geld für seine eigenen Kriegsanleihen und es herrschte im Lande eine solche Unsicherheit und Mißstimmung, daß die englischen Kapi­talisten in den sechs Jahren von 1898 bis 1904 nur 107 Millionen Lstrl. im Auslands anlegten, während sie in den vorangegangenen sechs Jah­ren mehr als das Doppelte, nämlich 223 Milli­onen Lstrl. in den Kolonien und den fremden Ländern untergebracht haben. Seit dem Jahre 1905 aber hat der englische Unternehmungsgeist wieder einen unverkennbaren Aufschwung er­fahren. In den beiden Jahren 1905 und 1906 wurden 97 Millionen Lstrl. außerhalb Eng­lands angelegt und in den zwölf Monaten vom 1. Juli 1906 bis 1. Juli 1907 sogar 105 Mil­lionen.

Insgesamt werden die englischen Kapitals-

auf Kreta, so lange nämlich, als diese Insel unter der Herrschaft des Halbmonds stand.

Kretas Geschichte zeigt uns eine fast ununterbrochene Schreckenszeit. Von Pelasgern bewohnt, ergoß sich 1049 Jahre vor Christus eine mächtige dorische Einwanderung von Grie­chenland nach Kreta, die Sprache Kretas blieb bis auf unsere Tage die griechische. Die Römer gewannen die Insel nach harten Kämp­fen um 66 vor Ehr., im Jahre 825 nach Chr. gelang es den Sarazenen, die Insel zu unter­werfen, die erst 961 vom byzantinischen Feld­herrn Phokas zurückerobert wurde und später, im Jahre 1204, in den Besitz der Venetianer kam. Die eingeborene Bevölkerung wurde zwar von den Venetianern mit brutaler Härte be­handelt, und Bürgerkriege und Aufstände des griechischen Elements zerfleischten wiederholent- lich die Bevölkerung, aber trotzdem blühte der Handel, und die Erzeugnisse Kretas, besonders der Malvafierwein, wurden weithin bekannt. Eine nicht unbeträchtliche Einwanderung aus Italien fand statt und läßt sich bei der heutigen Küstenbevölkerung noch immer Nachweisen, während die Bewohner von Sphakia, der Zita­delle Kretas, ihre dorische Abstammung nicht ver­leugne«. Kreta ist heute eine Fundgrube für Archäologen, aber aus dem Mittelalter erblicken wir auch die höchst bemerkenswerten Bauten der Venetianer, die während der seit 1669 hereingebrochenen Türkenherrschast dem Verfall preisgegeben wurden. Wo gibt es aber auch eine Provinz in der europäischen Türkei, bis unter dem Halbmond gedeihen könnte?

Viele Tausende der Kreter hielten es damals für nützlich, den Glauben der Eroberer anzuneh­men, aber der Haß der christlichen Kreter gegen tiefe Renegaten flammte immer von neuem auf und macht« sich bis auf unsere Tage in wilde»

anlagen in ausländischen Staatsanleihen uitlj industriellen Unternehmungen auf die unge­heure Summe von 2620 Millionen Lstrl., alstz auf über 52 Milliarden Mark, veranschlagt, Davon ist nahezu die Hälfte, nämlich 1168 Mil« Ihnen Lstrl. in Nord- und Südamerika unter« gebracht, in Afrika 469 Millionen, in Aste* 436% Millionen, in Australien 346 Million«» und in Europa 201 Millionen Lstrl. Dem euro­päischen Kontinent hat mithin England «och nicht 8 Proz. des Kapitals geliehen, das es i» Auslands überhaupt untergebracht hat. Im Gegensätze dazu steht Deutschland, das in de« außereuropäischen Ländern lange nicht soviel Kapital angelegt hat, wie in Rußland, Oester­reich-Ungarn, den standinavischen Ländern und sonstige« europäische« Staaten. Die Engländer haben also viel mehr für sogenannteexotische* Unternehmungen übrig, als die deutschen Kapi­talisten. Sie können sich diesen Wagemut auch eher leisten, weil sie reich genug find, um Ver» lüfte besser zu verschmerzen. Dieser Wage» mut macht sich natürlich auch durch eh» höhere Verzinsung bezahlt. Da» englische Fachblatt berechnet, daß England a« Verzinsung und an Eeschäftsgewinn aus An» lagen im Auslands jährlich über 240 Millionen Lstrl. vom Auslande bezahlt bekommt. Die» bedeutet, daß Großbritannien in jedem Jahr vom Auslands etwa eine Milliarde Mark mehr Tribut erhält, als Deutschland nach dem Kriege mit Frankreich Kriegsentschädigung bekomme« hat.

Das englische Fachblatt hält es für sicher, daß diese gewaltige finanzielle Ueberlegenheit übet die anderen Länder in den nächsten Jahren nur noch größer werden wird. Als Gründe für di« leitende Stellung Englands auf dem Geld­markts führt das Blatt an: erstens den unter­nehmenden und fortschrittlichen Charakter de» englischen Volkes; Weitens die im Verhältnisse zum Reichtum des Landes anerkennenswert» Sparsamkeit des englischen Volkes, die alljähr­lich große Kapitalsüberschüsse ermöglichte, welche aufs neue angelegt werden können; drittens die Universalität der englischen Interessen, die de« Engländern einen bessere« Ueberblick über die Aussichten ausländischer Unternehmungen er» möglichste, als anderen Völkern.

Das englische Fachblatt kommt zu dem Schlüsse, daß, wenn Newyork im Jahre 1899 und späterhin einmal Berlin die Führung auf dem Geldmärkte gehabt hätten, dies nur eine vor­übergehende Erscheinung gewesen wäre: Eng­land sei und bleibe von jedem Eesichtspuntte aus der größte Geldmarkt und werde es in Zu­kunft in noch größerem Maße fein als bisher.

Wir wissen dieses nationale Hochgefühl durchaus zu würdigen, aber wir möchten wün­schen, daß dann nicht immer wieder ein fürchter­liches Geschrei erhoben werden möchte, wen« Deutschland einmal irgendwo der Erste am' Platze ist und das Geschäft macht.

Morden Luft. Fast immer gingen die Aufstände in Kreta von den Sphagioten aus; Bedrückung des flachen Landes durch die Türken und ange­borene Rauflust der in ihren Bergen fast una«-! greifbaren Sphagioten fühtten zu wechselseiti­gem Morden und zur Verwüstung des Landes«. Dis Weinreben verschwanden und machten bem; Oelbaum Plak. Handel und Schiffahrt hörte«; auf, und die Bewohner der so überaus frucht­baren Ebene tonten sich beim bellen Willen nicht, mehr kulturellen Arbeiten nrbmen. Sie sagten sich:Warum sollen wir uns Häuser baue«, warum Weinberge anlegrn, etwa damtt di« Türken sie vernichten, wenn die Sphattote« nächstens wieder einen Aufstand machen?"

Kreta besitzt in der Suda-Bai den größte«! und schönsten Hafen des Mittelmeeres, nut' gegen Afrika hin verschließen es steile Fels-' wände; man sollte nun glauben, daß der Kreter", zum Seefahrer geboren fei, aber nein, di« eigentümliche Struktur der im Karstgebirge ab­geschlossenen kleinen Gebirgstäler hat einen dem größten Eemeinsinn abholden Kantönligeist Und ein schädliches Clansystem geschaffen; die Kreter -euren stets unter sich uneinig, sie find miß«! iranisch und selbstsüchtig, im übrigen aber find! sie rin auffallend schöner Menschenschlag, dem e» auch an Heroismus nie gefehlt hat. Christen und muhamedanischen Kretern ist das Grie­chische die Umgangssprache.

Die Kreter haben von jeher Schulter a« Schulter zu den Griechen gestanden und in ihre«' Reihen gefochten, deshalb konnte Eabriölidi- sagen:Die Kreter find unsere Lieblingsbrüder;', das Blut steigt uns förmlich zu Kopf, wenn sie« um Hülfe rufen. Sind wir denn zu verachte«^ wenn wir so fühlen?"Hellas ohne Kret« ist wie Deutschland ohne Brandenburg!"

Seit dem Jahre 1770 fand fast in jede»

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