mit dem Kreis blatt für die
Sontttaasbeilaae:
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Mitgliederbeitägen über 2 Mil« lionen Mark aufgewendet. Wie ganz anders noch wird sie zu produktiven Aufwen» düngen für das Eesamtwohl in der Lage sein, wenn sich ihr Mitgliederkreis in der Weise «• weitert, wie dies der wirklichen Bedeutung der kolonialen Idee für unser Volksleben ent« spricht. 37 000 Mitglieder auf etwa 16V2 Millionen männlicher Erwerbstätiger, das ist etwa V5 Prozent. Dieser Prozentsatz wird und muj noch wachsen?
In der Zeit vom 4. bis 7. Dezember d. gefeiert die Deutsche Kolonialgesellschaft in der Eeburtsstätte der kolonialen Bewegung, Frankfurt a. M., ihr 25jähriges Bestehen im Anschluß an eine Hauptversammlung und Vorstandssitzung der Gesellschaft. Die eigentliche Jubiläumsfeier findet im Hippodrom statt. Die Beteiligung, auch aus dem nahen Marburg, wird eine große sein. Alle Freunde unserer kolonialen Entwicklung wünschen der Deutschen Kolonialgesellschaft ein zweites Vierteljahrhundert, das das erste an Wirksamkeit und Erfolg noch übertrifft.
Deutsches Reich.
— Unkenntnis von Berwaltungsvorschriften in Zagdsachen. Eine für Jäger wichtige Entscheidung, schreibt die „Köln. Ztg.", ist soeben vom Kammergericht gefällt worden. Die gesetzliche Schonzeit für Rehkälber erstreckt sich auf die ersten zehn Monate des Jahres. Aus Rücksichten der Iagdpflege kann jedoch durch Beschluß des Bezirksausschusses die Schonzeit auf das ganze Jahr ausgedehnt werden. Einen dahin- ! gehenden Beschluß hatte ein Bezirksausschuß (Königsberg) für das Jahr 1905 erlassen. Ihm zuwider hat im November 1905 ein Landwirt ein Rehkalb geschossen, weshalb er zur Untersuchung gezogen wurde. Im zweiten Rechtsgange verurteilte das Landgericht den Ange-- klagten mit der Ausführung, daß ihn, wenn ct den Beschluß des Bezirksausschusses nicht gekannt habe, der Vorwurf der Fahrlässigkeit treffe. Das Landgericht stellte sich dabei auf den Standpunkt, daß der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Jagdscheinbesitzer und Jagdpächter auch mit den Vorschriften, die auf Grund der in den Jagdgesetzen erteilten Ermächtigungen von den Verwaltungsbehörden erlassen wurden, sich vertraut machen müssen. Sehe man auch hier von der Veröffen.tlichung jenes Be- schluffes des Bezirksausschusses im Kreisblatt ab, so wäre es doch jedenfalls dem Angeklagten nicht schwer gefallen, durch Nachfragen sich darüber zu unterrichten, ob ein die gesetzliche Schonzeit für Rehkälber ausdehnender Beschluß des Vezirksausschuffes ergangen sei. Es könne nicht
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Derlag' Joh. 81«g. Koch, UniversttStS-Buchdruckmi 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
sie wolle mit ihrem „lieben Thomas" und einigen Freunden und Freundinnen kommen, um Rose-Farm „einzuweihen". Er brauche sich um nichts zu kümmern, sie werde alles arrangieren.
Gelangweilt warf Norbert zuerst den Brief beiseite.
Festlichkeiten, Bälle, Jagden! Wie gleichgültig ist ihm dies alles! Jetzt noch viel gleichgültiger als früher, da er weiß, daß Ruth, seine geliebte unglückliche Ruth, tot ist! So lange er sie noch unter den Lebenden wußte, gedachte er ihrer stets mit heimlicher Sehnsucht, fühlte er sich trotz der Trennung fast verbunden — nicht nur durch den Bund, welchen er vor dem Altar mit ihr geschloffen, sondern auch durch die Bande des Herzens. Oft ertappte er sich dabei, daß der Wunsch in ihm austauchte, er möge die Entschwundene einst wiederfinden,' nickt mehr würde er sie von sich laffen, allem, was sich ihrem Zusammenleben entgegenstellen sollte, zum Trotz.
Das alles ist jetzt mit einem Schlage anders geworden.
Ruth weilt nicht mehr, unter den Lebenden.
Norberts Hoffen — vorbei. Vorbei für immer . . .
Schon wollte er Madame Diana abschreiben.
Da hörte er eines Tages Dolly Robinson klagen:
„Wie gräßlich, gräßlich langweilig ist es hier! Wenn man jung ist, möchte man doch etwas vom Leben haben, möchte tanzen, fatfcn, lustig sein — nicht bloß so zwischen Kochen und Hühnerfüstern hinvegetieren!“
Und der Gedanke kam ihm:
„Warum sollst Du dem fröhlichen Kinde nicht das Vergnügen bereiten? Laß es sich einmal tüchtig austanzen! Dann hat Deine „Rose- Farm" mit ihrem Glanz und Reichtum doch mal was Gutes gestiftet!"
So schrieb er an Madame Diana, sie könne kommen mit ihrem ganzen Troß und in Rose- Farm alles auf den Kopf stellen. Ihm sei's egal.
Und die laute Gesellschaft kam und nahm Be- i fitz von sämtlichen Zimmern und tollt und jubelt 1
Da lohnt es sich, einen kurzen Rückblick zu I tun auf die Entwicklung des kolonialen Gedankens im Volke und auf die Arbeit derer, die ihn hervorgerufen und gefördert haben. Auf I heimatlichem Boden, hier im fränkischen Lande, I zeigten sich die ersten Spuren einer ernsteren kolonialen Bewegung. Zu Frankfurt am Main, dem geistig regsamen, fand sich auf Einladung des Fürsten Hohenlohe,! Langenburg eine Anzahl Männer zusam- I men, welchen die kolonialen Jntereffen am I Herzen lagen. So kam es zur Gründung des I Deutschen Kolonial-Vereins. Der- ! selbe hatte es sich zunächst nur zur Aufgabe ge- I stellt: 1) den in überseeischen Ländern bestehen- I dnk^Handelsfaktoreien den nationalen Schutz I zW^währen, 2) überseeische deutsche Nieder- I begünstigen — wahrlich ein be- I schMrrtes Ziel vom Standpunkt der Gegen- I wart aus? Es wurde denn auch bald in einer | größeren Versammlung, die im Saalbau zu I Frankfurt — der Geburtsstätte des Deutschen j Nationalvereins von ehemals — tagte, der wei- I tere Gedanke in das Programm ausgenommen, I das Verständnis für die Notwendigkeit der Kö- I Ionisation - in weiten Kreisen des Volkes zu I wecken. Mit glücklichen Worten faßte damals I Oberbürgermeister Miauest einer der eifrigsten I Vorkämpfer der Bewegung, die Bedeutung des I
quena gehißt. Dann folgten die Landerwerbungen in Ostafrika. Auch der deutschen Auswanderung nahm sich der Kolonial-Verein an, nachdem ein Vortrag von Professor Theobald Fischer -Marburg auf der Hauptversammlung in Eisenach die Gründung des Bureaus für Auswanderungsangelegenheiten angeregt hatte.
Die 1884 getrennt entstandene „Gesellschaft für deutsche Kolonisation", deren eigentlichster Urheber Karl Peters war und deren Zweck eine direkte Betätigung zur schleunigen Erwerbung kolonialer Gebiets gewesen war (Ostafrikanische Gesellschaft), wurde in 1887 mit dem Kolonial-Verein verschmolzen, nachdem dieser inzwischen seinen Sitz von Frankfurt nach Berlin verlegt hatte. Damit kam es zur Gründung der Deutschen- Ko 1» n ial ges el l- schaft — und von nun ab konnte man wohl mit einem weitergehenden dauernden Steigen der kolonialen Bewegung rechnen. Daß diese Hoffnung sich so intensiv verwirklichte, ist nicht zum mindesten das Verdienst der beiden bisherigen Präsidenten der Gesellschaft, des Fürsten Hohenlohe und des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg. Hat doch nicht einmal die llebernahme der Regentschaft in Braunsthweig den letzteren bewogen können, von der kolonialen Tätigkeit, der er sich mit aller Hingabe widmete, Abstand zu nehmen.
Zur Zeit sind dis 3000 Mitglieder des Deutschen Kolonialvereins (des Jahres 1882) auf 37 000 Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft gestiegen. In Abteilungen u. Gauverbünde
Marburg
Sonntag, 3. November 1907.
«Nachdruck textete« ) Frauenbünde.
Roman von Erich Friesen.
(Ferffetzung).
Gedanken. Auch die Abteilung Marburg tut in dieser Beziehung das ihre, indem sie alljährlich teils eine Reihe von Herren- Abenden, d. h. kleinere Versammlungen der Mitglieder, in denen koloniale Themata in Vorträgen behandelt und besprochen werden, teils eine Anzahl öffentlicher Vorträge, für die Vortragende von besonderer Bedeutung gewonnen werden, veranstaltet. Aber nicht nur für Verbreitung kolonialen Wiffens und kolonialen Strebens im Volke tritt die Deutsche Kolonial- geselllchaft ein: auch die Förderung praktischer Unternehmungen in den deutschen Kolonien und in außerdeutschen überseeischen Gebieten hat sie sich zur Aufgabe gemacht. Wie sie auf der einen Seite neben der „Deutschen Kolonialzeitung" noch die .Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolo- lonialrecht und Kolonialwirtschaft" und die „Mitteilungen der deutschen Kolonialgesellschaft" herausgibt, Flugschriften zur Aufklärung verbreitet, Vorträge veranstaltet, für Errichtung von völkerkundlichen und konialrechtlichen Lehrstühlen an den Hochschulen eintritt, die Beschaffung wohlfeiler Unterrichtsmittel durch Herausgabe kolonialer Wandkarten und Atlanten ermöglicht, so unterstützt sie auf der anderen Seite wissenschaftliche Ärbeiten, die der Erschließung der Kolonien dienen, entsendet Beauftragte nach den einzelnen Schutzgebieten zu Erhebungen über kolonialwirtsckastliche Unternehmungen, tritt für Versuche zur Bekämpfung von Tropenkrankheiten und Viehseuchen ein, regt die Schaffung neuer Verkehrswege, Dampferverbindungen, Eisenbahn- und Farmbauten in den Kolonien, sowie auch die Legung deutscher Kabel an, sammelt Auskunstsmaterial zu den die Besiedlung betreffenden Fragen und verwendet sich für alle Jntereffen, die im Laufe der Besiedlung unserer Kolonien auftauchen. Im Einzelnen hat sie u. a. Expeditionen in das Hinterland von Kamerun und von Togo unterstützt und hat die Arbeiten zur Schaffung einer Vaumwoll-Volkskultur in Togo in Angriff genommen: sie hat für Südwestafrika direkte Dampfererveditionen eingerichtet und eine besondere Gesellschaft zur Lösung der Aufgabe, diese Kolonie zu besiedeln, ins Leben gerufen, auch durch kostenlose Hinaussendung von Bräuten und Familienangehörigen den dortigen Ansiedlern die Gründung eines eigenen Hausstandes ermöglicht, sie hat in Ostafrika Dampfer auf dem Viktoria- und Tanganyka-See schaffen laffen, eine deutsche Regierungsschule in Tanga gegründet und hat die Erschließung der Südsee-Kolonien durch i Förderung wirtschaftlicher Expeditionen dorthin unterstützt. Auch hat sie für überseeische Gebiete aller Art eine unter Aufsicht des Reiches stehende Auskunfterteilung an Auswanderer eingerichtet.
Für ihre Zwecke bat die Deutscke Kolonial- gesellschast seit ihrer Gründung allein aus
I gegliedert, treten sis vor allem auf als werbende I Macht für den kolonialen und den Uebersee-
neuen Kolonial-Vereins dahin zusammen: „daß nach der Begründrtng des Reichs sich wieder einmal eine Aufgabe gefunden habe, an welcher alle Lande Anteil nähmen und alle Parteien gleiches Jntereffe hätten." Wie sehr patteipolitische Verblendung den Blick für die einfache und selbstverständliche Forderung unseres Volkes nach kolonialer Ausdehnung trüben würde,
Dr. Derry zögert ein wenig. Er hat etwas auf dem H^Kn und weiß nicht recht, wie er an- fangen soll.
PlötzlfchSgt er, ' direkt mit der Tür ins Hans fefienft:
.__„Sir wissen doch, lieber Douglas, daß Ruth
Morton tot ist?"
„Tot ist?" wiederholt Berry entsetzt. „Unmöglich!"
„Fassen Sie sich, Douglas? Es ist leider so. Ruth Morton ist tot. . . Verzeihen Sie mir, I wenn ich Sie mit der traurigen Nachricht erschreckt habe. Aber wie konnte ich ahnen, daß man Sie nicht davon in Kenntnis gesetzt hat — I gerade Sie, denn es doch am meisten angeht!" I
„Ruth — tot?" stöhnt Robert. „Tot?! Großer Gott! Und woher wiffen Sie--“ I
Kurz und ohne Umschweife erzählt Dr. Berry I dem wie betäubt Dastehenden, wie er die kleine j Ada gesehen, wie er dann Frau Morton ge- I sprachen und von beiden gehört, daß Ruth gö- I storben sei und wie er später sogar an ihrem I Grabs gestanden. I
Norbert ist aufs tiefste erschüttert. I
Ruth tot! Seine schöne strahlende Ruth, I »et die Gesundheit aus den Augen lachte! Tot! 1 Tot!! I
Wieder taucht alles vor seinem geistigen I Auge auf: was er in ihrer keuschen, innigen I Liebe besessen, all die herrlichen Erinnerungen, I die er schon halb begraben wähnte in der Tiefe I keines Herzens. I
Kein Gedanke daran kommt ihm in dieser I stunde, daß er jetzt frei ist — frei von einer I Dessel, die ihm nach Lage der Sache nur eine I Drückende Fessel fein konnte. I
Ruth tot!? I
; Wie mit Flammenschrift gräbt sich dies Wort I P sein Hirn ein. Er kann nichts anderes I »enken. I
I den ganzen Tag über und auch noch die halbe I Nacht, so daß es widerhallt bis zu der kleinen I „Villa Tuskulum" und der nervös empfindliche I Arthur sich die Ohren zuhält und klagt:
„Wie kann Dolly sich nur bei sowas amüsieren! Wenn ich da an mein liebes Florida denke---“
Und er nimmt Schwester Virginias Bild aus seiner stets festverschlossenen Schreibmappe und blickt es lange an und träumt sich zurück in den stillen Frieden des St. Aaatha-Savatoriums. —
Heute nun hat der Lärm und Trubel in der „Rose-Farm" seinen Höhepunkt erreicht.
Ein großes italienisches Nachffest pruntt auf, von welchem Madame Diana sich ganz besonders viel verspricht — zumal sie noch eine lleber« raschung vor hat. Was für eine, verrät sie nicht. Aber sie tut furchtbar geheimnisvoll, und blickt I beständig nach dem Haupteingang des Saales, als erwarte sie jemanden . . .
Soeben ein graziöser Strauß'scher Walzer beendet. Die einzelnen Paare verteilen sich in die Flucht der festlich geschmückten Säle oder ergehen ■ sich draußen in dem durch Tausende von Lampions erhellten Park.
Auch Norbert tritt mit seiner Tänzerin hinaus aus die Terraffe.
Hier alles still und einsam — ein wohltuender Gegensatz zu dem lärmenden Trubel da drinnen.
„Sind Sie zufrieden, Fräulein Dolly?• lächelt Norbert mit einem Blick auf ihr heiß- gerötetes Gesichtchen.
„Bloß zufrieden?" ruft sie begeistett, indem sie die Hände zusammenschlägt. „Ach, glücklich bin ich! So glücklich! . . . Sich einmal so recht austoben zu können — ach--"
Und sie breitet beide Arme weit aus, wie sie es stets tut, wenn Jngendlust und Jugendübermut in ihr nach Betätigung drängen.
„Glückliches Kind!" murmelt Norbett sinnend. „Wer noch wie Sie empfinden könnte!"
Dolly läßt die Arme sinken. Heiße Stott steigt in ihre Stirn.
(Fortsetzung folgt.)
Auch dann nicht, als Frau Robinson und Dolly wieder eintreten und das mutwillige Mädchen ihn wegen feines „Brummbärgesich- tes". vor dem man „sich fürchten muß", neckt.
Früher als sonst empfiehlt er sich.
Er fühlt, er ist heute ein noch schlechterer Gesellschafter, als gewöhnlich.
.Mas hatte der gute Herr Douglas nur so plötzlich?" fragt Frau Robinson erstaunt, nachdem Norbert gegangen. „Er war so eigentümlich — so--"
Schweigend zuckt Dr. Berry die Achseln.
„Bah, er wird schon "wieder lustig werden!" lacht Dolly, die niemals lange ernst sein kann. „Ich werd's ihn lehren."
„Du —?"
„Ja, ich! . . . Gucken Sie mich nicht so schulmeisterlich an, mein gestrenger Herr Vormund! Ich habe etwas vor. Was, sage ich nicht — Ihnen nicht, Mamachen nicht — niemand!"
Und, eine lustige Melodie trällernd, tanzt sie zum Zimmer hinaus.
Gegen zehn Uhr abends . . .
In feenhaftem Glanze erstrahlt der weite Park der „Rose-Farm". Zwischen dem dunklen Laub der Bosketts, in Lauben und Rondels — überall buntfarbige Lampions.
Und jetzt aufsprühende Raketen. Drehende Sonnen. Taghell schimmernde bengalische Beleuchtung.
Drinnen, in den prunkvollen Räumen, alles Leben und Bewegung. Das neigt sich und wiegt sich, lächelt und flüstert, scherzt und kokettiert — man amüsiert sich geradezu köstlich.
Madame Diana Mackay mit ihrem Gatten und einem langen Gefolge von Herren und Damen der Newyorker Gesellschaft ist vor einigen Tagen zu längerem Aufenthalt in „Rose-Farm" eingetroffen. Und mit ihnen ein Troß von Dienern, Kammerzofen und Hunden.
Als Madame Mackay vor einiger Zeit hörte, daß ihr Herr Stiefsohn von seinen Weltreisen zurückgekehrt sei und „Rose-Farm" bezogen habe — ganz in der Stille, ohne irgend welches Aufsehen davon zu machen — da schrieb sie an ihn.
konnte Miguel damals noch nicht voraussehen. Hoffen wir, daß dieser Blick durch die aufdämmernde Einsicht geschärft wird, daß eine 11 Ti ■ * | Mitbetätigung Deutschlands an der Erschließung
I der unkultivierten Weltteile unvermeidlich ist
Die Entwicklung der deutschen u? .
_ , . , J? ” I Am lebhaftesten begeisterte man sich für den
Kolonial-Bewegung. | kolonialen Gedanken in Süddeutschland. „An
Von R -A D r K r u a - Marbura I ben Forellenbächen" dachte man warmherziger
t < / , .an das künftige Deutschland Über See, als an-
Exzellenz Dernburg kehrt Herrn aus Ostafrrka, fänglich an den Gestaden der Nordsee. Allein
durch eigene Beobachtung „überzeugt von dem unter der Führung des Fürsten Hohen-
Wette der Kolonie und ihren natürlilhen Hilfs- I lohe breitete sich der Kolonial-Verein quellen". So hat er selbst im Kreise der Deut- bald im Süden wie im Norden aus: schon im
schen von Daressalam sich ausgesprochen. Und ersten Jahre brachte er es auf 3000 Mitglieder,
lerne Ueberzeugung wird sich in Taten umsetzeu, Organ des Vereins wurde zunäckst die „Kolo-
— dessen kann man bei dem neuen Staat-sekre- nialpolitische Korrespondenz", an deren Stelle
tär des Reichskolonialamts gewiß sein. Auch bald die „Deutsche Kolonialzeitung" trat,
die Presse wird nun, nachdem das Interesse wei- Bald sollten die Zeitereignisse die Gründung
ter Kreise geweckt ist, das ihre tun, die kolonia- des Vereins rechtfettigen. 1884 wurden die von
len Ziele nicht in Vergessenheit geraten zu I Lüderitz erworbenen Gebiete in Süd west- lassen Beginnt unser Volk doch zu fühlen, daß afrika unter den Schutz des Reiches gestellt —
«s sich recken muß über die europäischen Eren- der erste Schritt zur Gründung von Kolonien
zen hinaus, um seine Aufgabe im Kreise der war gemacht. Bald wurde die deutsche Flagge
Volker zu erfüllen. I in Togo, Kamerun und Angra Pe-