mit dem Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchtzain.
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b« allen Postämtern 2,25 W, (ejtb Bestellgeld). 2 Marburg * Erscheint wöchentlich siebe» mal. ;■
""""""hSSÄ“’““* Bomias 3. November 1907. *"*"*4213a6*
Drittes BAtt.
Bestellungen
für die Monate November und Dezember l' auf dl« VW
«Oberhesfische Zei tung" neLst ihren JBeitagNfc werden von unserer Expedition Mark et) unseren Ausgabestellen in Kirche Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbrieftrSgem ent» gegengenommen. < 'M,
Hesseir-Nsssait lind NnchbkrgeSirte.
' Bad Wildunge«, 1. Nov. Das hiesige „Hotel zur Königsquelle" ist für 140 000 °tt an Herrn Vetter aus Caffel verlauft worden., Die Uebernahme erfolgt bereits äm 1. Dezember ds. Js.
Oberhausen, 1. Nov. Auf der Eisenhütte Oberhausen explodierte gestern nachmittag ein mit Heißluft gefüllter Eowper-Apparat. Durch den Luftdruck wurden fünf in der Nähe weilende Arbeiter fortgeschleudert. Einer von ihnen wurde gegen die Wand geworfen und war sofort tot; die übrigen kamen mit leichten Verletzungen davon.
Hofgeismar, 1. Nov. Das benachbarte Dorf Kelze, eine der im Kreise Hofgeismar be- legenen Hugenotten-Niederlasiungen, begeht am kommenden Sonntag die Feier des 200jährigen Bestehens der Kolonie .und der Kirche. Ein Festgottesdienst wird um 2 Uhr nachmittags den Jubiläumsakt einleiten, daran schließt sich ein Fcstzug und ein Vortrag des Herrn Superintendenten. Wiffemann über die Ecschichte der Kolonie.
Gttinberg, 31. Okt. Ungefähr eine Stunde von unserer Stadt, an der wunderschön ge e- oenen sogen, hohen. Straße, liegt der „Hessen- brückerhammer". In dessen Nähe breitet sich ein bedeutendes Vravnlohlenlager aus. Dieses wurde bereits schon früher ausgeüsutet, bis vor etwa 10 Jahren der Betrieb niedergelrgt wurde. Man sagt, lehi-ccr sei durch einen unterirdischen Brand des Lagers unmöglich gemacht worden. Gitte, Friedberger Gesellschaft ließ die Reichhal- Kigkeit des Brauulohlenlagers feststellen und »rivarb es füt 75 000 M. Die erforderlichen Ma- Minen wurden jüngst aufgestellt und der Betrieb ist jetzt eröffnet worden. Hier und in der Umgegend gewinnen die aus Braunkohlen her- Hestellten Briketts immer größere Beliebtheit, so daß man dem neuen Unternehmen eine gute Zukunft voraussagt. (Gieß. Anz.)
Weilburg, 1. Nov. Vorgestern ist über das Vermögen der Kaufmann Franz Schmidt'schen Eheleute btt Konkurs eröffnet worden. Der Inhaber der Firnta selbst, Franz Schmidt, ist unter Mitnahme einer größeren Summe, etwa 8000 M, flüchtig geworden. Nach einer ober
Marburg früher und heute.
Don L. M ü l l e r.
In seinem Buche von Kurhessen schrieb Eustsv Georg Lange im vorigen Jahrhundert folgendes von Marburg:
„Wer es liebt, Bilder aus der Ferne herzu- ßolen und mit ihnen die Schönheiten aus der Heimat zu vergleichen, kann den herrlichen Partien dieser Musenstadt allerdings wohl südländisches Eeprügs und ihr selber den Namen „Lahn-Athen" wohl zusprechen. Marburg hat wenigstens einen so tiefblauen Himmel, eine so Malerische Lage, eine so romantische Umgebung, als sie die Natur nur immer geschaffen. Warum aber die Gefilde des Vaterlandes schätzen, wie sste italienischen Landschaften ähneln? Mögen - darum Anderen Marburgs Lage und Umgebung chübschsr erscheinen, wenn sie dieselben mit den schönsten Partien Italiens vergleichbar finden, -ich glaube die Stadt höher zu ehren, wenn ich sage: „Ihre Partten sind unvergleichlich schön." Herantretend aus dem üppig grünen Tale der Lahn, welche ihr Weichbild in einem weiten Schlangenbogen in mehreren Armen umzieht und unterhalb dem Grün über ein Wehr rauscht, schmiegt sich Marburg halbmondförmig um den Steilen Schloßberg und steigt texrastenartig hoch ;bis zur Kuppe des Berger empor, in malerischen Gruppen von Häusern, -Gärten und Bäumen, hoch oben durch, ein stattliches Schloß, wie mit einer Krone geschmückt. Die Stadt, zwischen deren Häuser sich zahlreiche Terrassengärten > drängen, ist darum weit ausgedehnt, sie bildet .ein merkwürdiges Gemisch von großartigen und Unansehnlichen Gebäuden, von altertümlich und modern gebauten Häusern und fall scheinen ihre Bewohner besorgt, das Ehrwürdige des Altertums ja nicht durch Aufputz zu verwischen, denn
flächlichen Schätzung sollen die Passiva 70000 M, hingegen die Aktiva 40 000 M betragen: zu letzteren gehört ein allerdings noch zu vollendender Neubau eines „Hinter der Mauer" belesenen Geschäftshauses.
Hachenburg, 1. Nov. Schon lange bemühten sich die Bewohner von Eebhardtshain um eine Eisenbahn. Endlich sollen laut „Westerwälder" die Wünsche in Erfüllung gehen; denn der Kreisausschuß in Altenkirchen hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Kleinbahn zu bauen, und zwar mit Normalspur. Die Bahn wird vom Kreis gebaut; der Staat trägt aber ein Drittel der Kosten. Die Bahn soll von Betzdorf über Scheuerfeld nach Nauroth gehen.
Darmstadt, 1. Nov. In Biebesheim im Ried ist vorgestern nachmittag ein schweres Berbre- ten verübt worden. Der 31jährige frühere ehrer Otto Seipel hat in einem Anfall von Geistesgestörtheit dort feinen zehn Jahre alteren Bruder, den Kolonialwarenhändler und Landwirt August Seipel erschossen.
Merzheim b. Eebweiler, 1. Nov. Einen kostbaren Fund machte hier der Landwirt Arrus in seinem Hofe an ehtfct Stelle, wo früher eine Weintrotte stand. In einet Tiefe von ungefähr 50 Ztm. fanden Arbeiter einen Kochtopf, der mit französischen Gold- und Silbermünzen im Betrage von etwa 40 000 Franken gefüllt war. Ein Verwandter des Arrus, von dem der jetzige Besitzer das Anwesen geerbt hatte, und der als sehr vermögend galt, soll im Jahre 1870/71 den Schatz vergraben haben.
Hmmschtes.
Backfischchens Hochzeit. Aus Frankfurt wird geschrieben: In Neapel har vor dem Standes- amte eine Trauung stattgefunden, die sogar für diesen gesegneten Himmelsstrich etwas sonderbar war. Der Standesbeamte traute den 15jährigen Jungen Celestino Eiordano mit der noch nicht ganz 13jährigen Giulia Nappi. Ein königliches Dekret hatte die vom Gesetz eigentlich noch nicht erlaubte Ehe des Miniaturpaares möglich gemacht. Sein „Jawort" kleidete das Backfischlein in die emphatischen Worte: „Ja, und zwar mit dem denkbar größten Vergnügen!", worauf die gesamte Hochzeitsoersammlung samt dem Standesbeamten in stürmische Heiterkeit ausbrach. Der junge Ehemann ist trotz seiner 15 Jahre ein gewandter Geschäftsreisender, der den in Neapel zur Gründung einer Familie nötigen täglichen Teller Maccaroni aus eigener Kraft verdient.
„Ein Original". Unter dieser Ueberschrift berichtet die „Sachs. Arb.-Ztg." über eine merkwürdige Versammlung, die in Dresden stattgefunden hat. In dieser Versammlung hat ein Schriftsteller namens Arnold über den Moltke- Harden-Prozeß gesprochen. Das Eintrittsgeld betrug 1, 2 und 3 Mark. Nach dem Berichte des genannten Blattes hat der Schriftsteller am Ende seiner Rede ausgeführt, es beginne jetzt die Zeit eines demokratischen Kaisertums, Männer wie der nationalliberale Reichstagsabgeord
nur wenige Gebäude haben sich in neuen Gewändern verjüngt, während viele ihr Alter durch Giebelwänd» verkünden, deren durchlöchertes Fachwerk Wind und Wetter freien Einzug gewährt. Fast aus jedem Fenster durch eine liebliche Fernsicht erfreut, im Anblick der herrlichen Natur, mag man freilich vergessen, daß die Wände, in denen man sich wohl fühlt, außen schwarz und verwittert find. Auch die Läden der Stadt versinnbildlichen größtenteils noch die gute alte Zeit und stechen durch ihre Einfachheit ab gegen die kleine Zahl ihrer anspruchsvolleren Brüder. Wie in allen Bergstädten, deren Häuser gleich einer Herde Ziegen die Bergwand hinauf zu klettern scheinen, sind auch in Marburg die Straßen uneben, ungrad und schmal und stehen in ihrer Mehrzahl durch eine solche Menge Treppen mit einander in Verbindung, daß man sich nicht wundern darf, wenn dw Zahl der Schuhmacher 109, die alle Geschäftsleute übersteigt, selbst die der Wirte, die doch in feinet Musenstadt schwach vertreten find. Oft schreitet man sogar aus den Straßen in Häuser, aus deren oberen Stockwerken man wieder in eine Straße von Hausgärten kommt. Schweres Fuhrwerk muß daher an dem 1809 angelegten Pil- grimftein im Tale herfahren und selbst gewöhnliche Kutschen finden in diesem Netze enger Gasten nur kläglichen Raum. Hauptstraßen der Stadt sind die Barfüßerstraße, Wetter- und Untergaste, Steinweg und Ketzerbach. Diese mit einer Olltee bepflanzte, von der Marbach durchflossene Straße erhielt nach der Sage dadurch den Nanien daß Konrad von Marburg die Äsche her verbrannten Ketzer in den Bach streuen ließ.
Viele und schöne Brunnen zieren die Straßen, deren magisch düstere Beleuchtung mit dem altertümlichen Charakter der • Stadt {jerabc nicht im Widerspruch steht, und 'empfangen ihr •
nete Dr. Heinze, Harden, Bebel, v. Vollmar würden sich um den Kaiser zum Segen für das Volk scharen. Für die geeignetsten Vertreter des Volkes an den Stufen des Thrones hat Arnold, nach der „Sächf. Arb.-Ztg.", die Redakteure des „Simplizistimus" gehalten. — Entweder ist der Bericht des genannten Blattes ein Scherz, oder das freie Herumlaufen dieses „Originals" müßte von Staats wegen verhindert werden.
Verzeichnis
der an hiesiger Universität für das Winter- Semester 1907/08 immatrikulierten bezw.
inskribierten Studierenden.
189 Lenz, Karl, Breidenbach, phil., Kasernen- straße 21
190 Lendle, Wilhelm, Sonnenberg, jur., Wötth- straße 4
191 Löw, Hermann, Mühlen, meb., Pilgrimstein 25
192 Nölle, Karl, Hamburg. Math., Reitgaste 2
193 Nagel, Ernst, Metz, hist., Eistelbergerstr. 11.
194 Nestriepfe^ Siegfried, Bartenstein, germ., Kasernenzkraße 21
195 Neumann, Ernst, Frankfurt a. M., jur., Universitütsstratze 31
196 Nickol, Albrecht, Daaden, jur., Luther- straße 6
197 Majer. Paul. Frankfurt a. M., jur., Frank- furterstraße 3
198 Marx, Karl, München, meb., Deutschhausstraße 32
199 Mappes, Wilhelm, Frankfurt a. M., jur., Kasernenstraße 3
200 Maus. Wilhelm, Gemünden, phil., Frankfurterstratze 27
201 Melchers, Bernhard, »-Remscheid, hist, et
germ., Markt 23
202 Moskopp, Paul, Mainz, chem., Rolerstraße9
203 Mickael, Mar. Hamburg, meb., 'Neustadt 25
204 Müller, Ignaz, Deuna, hist., Haspelstr. 35
205 Müller. Carl, Breslau, jur., Frankfurterstraße 2a
206 Ortmann, Max, Wiesbaden, phil., Jägerstraße 1
207 Paulus, Ernst, Lohre, theol.. Untergaffe 9
208 Potz, Hans, Rade vorm Walb, jur., Augustinergaste 2
209 Rottmann, Gottfried, Bistritz (Siebb.),
. theol. et phil., Markt 10
210 Röder, Ferdinand, Hamburg, hist, et geogr., Kasernenstraße 13
211 Richard, Otto, Lüneburg, jur., Lutherstr. 9
212 Runge, Hermann, Bremen, meb., Ketzerbach 10 i
213 Rupp, Oskar, Frankfurt a. M., jur., Fried- richstr. 11a
214 Siedel, Adolf, Sonneberg, hist, et germ.. Grün 38
215 Sommer, Richard, Frankenberg, meb. deut., Deutschhausstr. 22
216 Spindler, Paul, Mülhausen, theol., Rent- hofstr. 30
217 Spöntjes, Heinrich, Kalk b. Köln, rer. nat, Steinweg 43
vortreffliches und gesundes Quellwaster durch eine Röhrenleitung aus dem nahen Dorfe Marbach. Der offene Elisabethbrunnen von dem gleichnamigen Tore zeichnet sich nicht blos durch sein aus zwei Röhren laufendes Quellwaster aus, sondern ist auch geweiht durch die fromme Sage, daß hier die Heilige einst den Armen Zeuge und Kleider gewaschen habe.*)
Geräumige öffentliche Plätze darf man in dieser Bergstadt nicht suchen. Der Martt ist unansehnlich, doch ersetzt er, was ihm an Erötze abgeht, durch die Altertümlichfett seines Rathauses und anderer Gebäude seiner Umschließung. Marburg hat vier Tore und zwei Lahn- brücken, deren eine, alt und unansehnlich, nach Weidenhausen fühtt. Von den alten Befeftig- ungsmauern sind noch einige Ueberreste vorhanden, von den Türmen derselben ist namentlich n«") jener, den Bettina von Arnim erklettert bat und der jetzt ersteigbar gemacht ist, zu erwähnen. Wenn wir nun die Hauptwerke der Stadt näher betrachten, beginnen wir mit der Krons auf dem Haupte und enden mit dem kostbaren Juwele am Saume des Gewandes.
*) Leider sind beide Quellen unmöglich gemacht worden; denn die Elifabethbrunnenquelle ist durch die Neubauten teilweise abgegraben unb die Morbacher Leitung mußte auf Veranlassung eines Marburger Eelehtten, weil das Master im Sommer 1904 trüb war, vorübergehend gefchlosten werden. Bis zum Jahre 1886 war letztere die einzige Quelle, die für Marburg Trinkwaster lieferte. Zu Zeiten war das Marbacher Master, das vom Rotenberg kommt, etwas trüb, aber nie gesundheitsschädlich. Schon Winckelmann gedenkt des gesunden Masters, das in 1600 Kandeln in die Stadt geleitet wurde und Tag und Nacht die immer laufenden Marburger Brunnen speiste.
218 Scherrer, Oskar, Thann i. E., theol., Wife helmstr. 1
219 Schumann, Otto, Meißen, theol., SBeiben« Hausen 4
220 Schold, Johannes, Allendorf, jur., Grün
221 Schulze, Albrecht, Lauenau, jur., Werder straße 4
222 Schoppe, Wilhelm, Cassel, germ. et hish
223 Schäfer, Ottmar, Hechingen, hist, et germ« Kasernenstraße 21
224 Schubotz, Eduard, Elberfeld, germ. et hist^ Ockershäuserallee 13
225 Schirmer, Wolfgang, Saarburg, pharm. Ketzerbach 44
216 Schwandt, Johannes, Prenzlau, für., Ani> versitätsstr., 60
227 Schwandt, Ernst, Prenzlau, jur., Haspel straße 1
228 Schütte, Ernst, Bremen, phil., Wörthstr. V
229 Schubart, Friedrich, Frankfurt a. M., chem, Marbacherweg 26a
230 Schwitzkn. Dr. E., Frankfurt a. M., philos, Bismarckstr. 16b
231 Schumacher, Earl Walter, Destau, theol. es phil., Bismarckstr. 30
232 Schwab, Alfred, Frankfutt a. M., jur., Bis» marckstr. 16b,
233 Schrvartze, Emil, Bremen, jur., Untergaste 6
234 Schmidt, Albert, Limburg, jur., Kappeler- straße 10
235 Schneider, Wilhelm, Simmern, meb., Lahnstraße 5
236 Storch. Anton, Schwabsoien, phil., Frank, furterstr. 2b
237 Stock, Gustav, Darmstadt, phil.. Reit, gaste 6
238 Stange, Otto, Gaffel, jur., Markt 15
239 Steinbock, Ernst, Frankfurt a. b. O., fut., Grün 30
240 Stern. Fritz, Siel, meb., Roserstr. 25
241 Taufkirch, Richard, Frankfurt a. M., phil., Haspelstraße 5 ,
242 Theiß, Fritz, Gaffel, jur., Frankfurterstraße 57
243 Timphus, Lambert, Esten, meb., Rotergraben 4
244 Vogt, Walther. Kiel, meb., Bismarckstr. 7
245 Volger, Otto, Mainz, math.. Grün 34
246 Vollbach. Walter, Haiger, jur., Wilhelm- straße 26
247 Weber, Franz, Hersfeld, phil., Stein- weg 10
248 Weise, Wilhelm, Bielefeld, phil., Grün 33
249 Wolff, Peter, Köln, hist., Steinweg 39
250 Wolff, Josef, Aachen, germ. et hist., Weidenhausen 104
251 Wrage, Emil, Hamburg, phil., Haspelstr. 35
252 Wieser, Fritz, Cassel, jur., Wörthstr. 20 •
253 Wiedersum. Jakob, Amsterdam, jur., Eissel», bergerstr. 23
254 Westerhoff, Felix, Bocholt, meb., Rotergra- ben 4
255 Zehetmair, Alois, Netterndorf, phil, Frankfurterstr. 2a
256 Zenn, Robert, Felsendorf, theol- Stein»; weg 19.
Aus mehreren unregelmäßigen Gebäuden zu» sammengesetzt unb durch Abbruch und Neubau- ten vielfach seiner Altertümlichkeit beraubt, bildet die Burg oder das Schloß zwar kern har-' manisches Ganzes, imponiert aber nach außen: durch seine Lage wie durch sein kühnes Stauet«: wert desto mehr und enthält in einzelnes Teilen seines Inneren noch schöne Baureste alt- deutscher Baukunst. Ausgezeichnet ist besonders der von Landgraf Heinrich I. 1288 begonnene unb von seinem Sohne Ludwig, Bischof von Münster, 1312 vollendete Rittersaal unb die Kapelle. u _
Ersterer ist ein 112 Fuß langes und 49 Fuß breites Viereck, besten doppeltes Kreuzgewölbe von vier achtkantigen Säulen getragen, sich tn leicht geschwungenen Bogen in einer Höhe von 25 Fuß abschließt. Drei mit Holzschnitzwerk versehene Motten führen in den Saal, der seur Licht durch 10 große Doppelfenster in Sprtz- bogensorm empfängt, sonst aber aller Pracht b^ raubt ist, die fein Inneres einst geschickt hat.
Außer einer Beratung der Kurfürsten von Mainz. Trier, Sachsen und der Pfalz wegen; Enthebung des Kaisers Wenzel 1399 und dem Abschluffe eines Bündnisses zwischen König Ruprecht unb Landgraf Hermann gegen ben Erzbischof von Mainz 1410 wurde in diesen» Saale vom 1. bis 4. Oktober 1529 jenes berühmte Religionsgespräch unter dem Vorsitz? des Landgrafen zwischen Luther, Zwingli, Mo- lanchthon und Oekolampsdius über ben Abend» mahlsstreit gehalten. Die alte Slotzkirche, i« der Luther und Zwingli predigten, in der noch im Sommer alle 14 Tage für die Bewohner be» Schlaffes Gottesdienst abgehalten purb^ U schon lange veröbet. —'
. (Fortschung folgt.) , A