I
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckb^i«
Lontttaasbellaae: AlluttrirteS SonutaaSblait. J
Vierteljährlicher Bezugspreis- ber bei ErMtion 2 ML, btt alle» Postämtem 2,25 M. le$cL Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: die gespaltene Zelle jber derett Raum ISPjg.
Neclainen: die Zeile 30 Pfg.
Marburg
Sonntag. 27. Oktober 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckers Maäurg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt
Dke Kaiserin Friedrich über den Tod König I ihren Kopf auf demselben Kiffen, auf dem er Friedrich Wilhelms IV. | lag. Mit der anderen Hand wischte sie fort
während den Schwertz von seiner Stirn. Man
Bestellungen
£. die Monate November und Dezember
IF' auf die
yVbVH^esfksche Zei tung" nebst ihren BeiSwgew werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent- gegengenommen. fr
hätte eine Stecknadel zur Erde fallen hören können: kein Laut war zu hören autzer dem Knistern des Feuers und dem Röcheln, jenem schrecklichen Ton, der einem ans Herz greift, und deutlich verkündet, datz das Leben zur Neige geht. Dieses Rakeln in der Kehls dauerte noch eine Stunde, unb dann lag der König bewegungslos. Die Aerzte beugten sich tief nieder, um zu hören, ob er noch atme, und wir standen, nicht wagend uns hinzusetzen, und beobachteten den Todeskampf. Hin und wieder atmete der König schnell und laut, öffnete aber niemals die Augen. Er war rot im Gesicht, und der kalte Schweiß floß ihm von der Stirne. Ich habe niemals eine so schreckliche Zeit durchgemacht. Und nun die arme Königin sitzen zu sehen, es zerriß mir das Herz, — es schlug drei, vier, fünf, sechs, sieben und wir standen noch da, ein Mitglied der Familie nach dem andern kam herein und bneb regungslos im Zimmer; nur Seufzer unterbrachen das Schweigen. Ach! es ist schrecklich, jemand sterben zu sehen!
Ich kann nicht beschreiben, was für Gedanken und Gefühle sich in diesen Stunden in meinem Gehirn drängten,- es waren mehr, al» in
unglücklichen Königs Friedrich Wilhelms IV. von Preußen:
„Gegen iy3 Uhr hörten wir an die Tür Uopfen, und meine Kammerjungfer brachte ein Telegramm herein, das lautete, der König sei vufgegeben, und eine Note vom Prinzregenten, die sagte, er ginge sofort hin. Wir standen in großer Eil? auf und zogen uns an, — ich weiß kaum wie. Ich zog an, was ich gerade fand, und hatte keine Zett mein Haar zu ordnen, rckachdern wir uns eiligst angekleidet, gingen wir o ®PP* hinab und hinaus, denn es war keine ™ L»einen Wagen oder Diener oder sonstwas 1» f^ktnke.TL es war eine herrliche Nacht, aber im Trm,n^aIte (Neaumur). Ich kam mir wie mH'S „tu’’ 015 mich um 2 Uhr nachts Et Fr-tz °N-tn auf der Straße fand.
mH iim9l.^hTT>15UnL>^rin3re9enten und dann E/ Prinzessin in ihrem Wagen
Ihm»61 wir vier allein im
hirfw ; f o'"Cn In Sanssouci an und gingen direkt in das Zrmmer, wo der König lag; Stille
In einem Briefe an ihre Mutter vom 2. Januar 1861 gibt die Kronprinzessin Viktoria (Kaiserin Friedrich) die folgende anschauliche und ergreifende Schilderung vom Ableben des
I des Todes herrschte darin, nur das Licht des
Ans dein Briefwechsel und und einer schwachen Lampe. Wir
t... x.___ ,, . I näherten uns dem Bette und standen am Fuß
test Tagebüchern der Ädnigin Bikwria I ende, ohne zu wagen, einander anzublicken oder hnn Enallllld. I ein Wort zu sprechen. Die Königin saß in
■ y I einem Armsessel am Kopfende des Bettes,
IV- I ihren Arm unter dem Kopfe des Königs und
Staubwolken aufwirbeln, die für ungezählte Scharen von Fußgängern ebenso ärgerlich wie gesundheitsschädlich sind.
Wenden wir uns von der Schweiz nach Norwegen! Am 1..August d. I. ist in diesem ausgeprägt demokratischen Lande zur Bekämpfung der Trunksucht ein Gesetz in Kraft getreten, das vielen braven Deutschen als der Inbegriff eines drakonischen Polizeigeistes erscheinen dürfte. Es straft die Trunksucht an öffentlichen Orten nicht nur mit Geld-, sondern auch mit Freiheitsstrafen und zwar in solchen Fällen, wo es sich um die mindestens zweimalige Wiederholung des Vergehens innerhalb Jahresfrist handelt. Das Gericht darf auch die-Verweisung in eine staatliche Zwangsarbeitsanstalt verfügen, wo der Betroffene bis zu seiner völligen Besserung — im erstmaligen Betretungsfalle bis zu 18 Monaten, im Rückfalle bis zu drei Jahren — Aufnahme findet. Wer infolge Trunksucht die
Ter .preußisch-deutsche P-lizeigeisf I
und das Ausland. I Wer eine nüchterne Person öffentlich oder pri-
I vatim zum Alkoholgenuß verleitet oder einen Wie im neuen Reichsvereinsgesetze die Spra- 1 bereits Berauschten zur Fortsetzung seines laster- chenfrage geregelt wird, ist zur Zeit noch nicht I haften Beginnens veranlaßt, wird mit hohen bekannt; fest.steht nur, daß die Regierung ge- I Geldbußen oder im Wiederholungsfälle mit Gegenüber den polnischen Vereine sich gewisse I fängnisstrafe bestraft. Bei öffentlicher Verlei- Rechte vorbehalten will. So selbstverständlich I tung tritt sofort Gefängnisstrafe ein. Personen hie deutschfeindlichen Treibereien des verhetzten I unter 18 Jahren ist es verboten, an öffentlichen Polentums eine derartige Vorsicht erscheinen I Stellen zu verweilen, wo geistige Getränke verlassen, so wenig schrecken die klerikalen Schutz- I schänkt oder sonstwie feilgehalten werden diir- herren der Polen davor zurück, auch bei dieser I fen. Solche Getränke dürfen unter keinem Vor- Gelegenheit die polnische Sache zu führen. Da- I wände durch Mitwirkung minderjähriger Per- bei arbeitet man besonders nachdrücklich mit An- I sonen von einem Orte nach dem anderen verklagen wider den preußisch-deutschen I sandt oder befördert werden. Schuldforderungen Polizeigei st", der angeblich jene schlechtere I auf geistige Getränke werden ebenso wie Spiel- Behandlung der Polen verschulde und fügt hin- I schulden behandelt und dürfen nicht mit gericht- zu, daß man im ganzen Auslande über die i licher Beihilfe beigetrieben werden.
deutsche Polizeiwirtschaft erbittert sei. Das I Noch durchgreifender zeigt sich der „Polizei- Sch-slen nach dem Auslande ist gerade im Zu- I geist" beim Kampf gegen den Alkohol im Preußischen Polenpolitik I freien A m^ri ka-. Dis Verfassung von nicht neu. Muß jetzt die vermeintliche deutsche I Kansas verbietet „für ewige Zeiten" die Her- Po.tzetwtrtschaft herhalten, um die Ver- I stellung und den Verkauf jeder Art von bcrau- stimmung des Auslandes gegen das Deutsche I schenden Getränken, mit Ausnahme, der für Reich zu begründen, dann ist ein Blick auf die I ärztliche, wissenschaftliche oder technische Zwecke "Ponzetwrrtschaft des Auslandes ungemein bestimmten. Der Staat Süd-Karolina hat zur Nützlich; denn er lehrt, daß es in ausgespro- I Erreichung der gleichen Zwecks sämtliche berau- ^<v>en,,be!no/r?rtJf^en .Staaten eine schende Getränke monopolisiert. Demgemäß
p l i z e r w i r t s ch a f t" gibt, wie sie inner- I dürfen dort die nur vom Staate eingerichteten halb der schwarz-werß-roten Erenzpfähle nicht I „Dispensaries" die ihnen vom Staate geliefer- entfernt besteht. ten Getränke, einschließlich Bier, verkaitfen.
Beginnen wir bei der benachbarten Schweiz. I Die Getränke werden nur in versiegelten Fla- Wer ihren größten Kanton, der ein Sechstel der I schon und nicht nach Sonnenuntergang abge- ganzen Eidgenossenschaft ausmacht, wer Grau- I geben, dürfen nicht an Ort und Stelle genossen bänden besucht und dort Fußwanderungen un- I werden, find nur auf schriftlichen Antrag zu er» ternimmt, wird sehr bald die hochwillkommene I langen und müssen Minderjährigen, Berausch- Entdeckung machen, daß ihm der Anblick von I ten und gewohnheitsmäßigen Trinkern vorent- Automobilen erspart bleibt. Warum? Einfach I halten werden. Brennereien und Brauereien deswegen, weil der Kanton Graubünden auf I müssen mindestens 3,2 Kilometer von jeder den für den Fremden wertvollsten Straßen, und I Kirche oder öffentlichen Schul« entfeint sein seien sie noch so wichtige Verkehrswege, wie z. B. I und bedürfen der Genehmigung, Auch das Rau» die Splügenstraße, Automobile nicht duldet! I chen hat der amerikanisch« „Polizeigeist" in den Man vergleiche mit dieser „Polizeiwirtschaft" I Kreis seiner Wirksamkeit gezogen. Zahlreiche die einschlägigen Verhältnisse in Deutschland! I Staaten stellen die Erzeugung, den Kauf und In Berlin z. B. muß man schon froh sein, wenn I den Verkauf von Zigaretten unter hohe Strafen, auch nur in einem Bruchteile des Grüne- I auch unter Gefängnisstrafen, und drohen die- walde» der Automobilverkehr untersagt ist. I selben Strafen für das Zigarettenrauchen an. Selbst an Sonntagen dürfen hier, wo Hundert- I Ja, in Nebraska wurde im Jahre 1905 ein tausende von Berlinern ihre Erholung suchen, I Mann, der sich bloß eine Zigarette gewickelt Automobile beinahe ohne jede Einschränkung I hatte, zu 50 Dollars Geldstrafe verurteilt.
Deutsches Reich.
— Set neue preußische Gesandte in München, Legationsrat Karl von S ch l ö z e r hat bereits eine längere diplomatische Laufbahn hinter sich. Er wurde 1882 als Kammergerichts-Referendar vom Auswärtigen Amt übernommen und als Attache und Legationssekretär in Rio de Janeiro, Belgrad, Athen und Bukarest verwandt. 1894 zum Legationsrat ernannt, kam et ein Jahr darauf nach dem Haag und 1897 als erster Sekretär nach Konstantinopel, von wo er drei Jahre später zur Botschaft in Paris versetzt wurde. 1903 erhielt er die Stellung des deutschen Vertreters am niederländischen Hof, nachdem er schon früher mit dem Rang und Titel eines Gesandten bekleidet worden war.
— Zusammenschluß der landwirtschaftlichen Arbeitgeber. In München hat vor kurzem eine Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte unter Teilnahme zahlreicher, auch außerhalb des Bundes stehender, hervorragender Vertreter des landwirtschaftlichen Gewerbes über die Dienstboten- und Landarbeiterfrage verhandelt. Dabei kam volle Einmütigkeit darüber zum Ausdruck, daß die Dienstboten- und Landarbeiternot zu einer förmlichen Kalamität sich auszuwachsen drohe und daß die schwierigen Verhältnisse unter Umständen durch die geplante Landarbeiterorganisation sich noch ganz bedeutend verschärfen könnten. Jedenfalls erfordere — darüber war man sich klar — die Situation die ganze Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise, und lege die dringende Frage nahe, j ob nicht eine Organisation der Arbeitgeber in der Landwirtschaft nach dem Muster der industriellen Arbeitgeberverbände zu gründen sei. Diese Frage wurde einstimmig bejaht; doch wurde dabei hervorgehoben, daß ein solcher Zusammenschluß keinerlei aggressiven Charakter tragen solle und nicht so anzusehen wäre, als solle sie einer Dienstboten- und Landarbeiterorganisation entgegen gesetzt werden, um sie zu unterdrücken. Die in Aussicht genommene Arbeitgeberorganisation soll lediglich das Gleichgewicht herstellen und verhindern, daß der ein-
Diese Beispiele veranschaulichen auf das deutlichste das Walten des „Polizeigeistes" im demokratischen Auslande. Deswegen aber auf die Schweizer, Norweger und Amerikaner „erbittert" zu fein, wird kaum einem Deutschen einfallen. Auch die Erbitterung des Auslandes über Deutschland als ein Reich engherzigster Polizeiwirtschaft steht in der Hauptsache auf dem Papier; wo sie jedoch wirklich das ausländische Urteil beeinflußt, ist sie die Folge einseitiger Darstellungen. Jedes Land hat im Punkte des „Polizeigeistes" vor seiner eigenen Tür zu kehren. Und wenn das deutsche Reichsvereinsgesetz aus Gründen staatlicher Notwendigkeit der großpolnischen Agitation einige Zügel anlegt, dann ist dies ein „Polizeigeist", der sich vor dem schweizerischen, norwegischen und amerikanischen ganz gewiß nicht zu verstecken braucht.
geschlossen, und ein süßer und glücklicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht; seine beiden Hand« lagen auf den Augenlidern. Ich küßte sie beide zum letzten Male; sie waren ganz kalt. Fritz und ich blickten eine Weile auf ihn. Ich könnt« mich kaum zu dem Glauben bringen, daß die» wirklich der Tod fei, vor dem ich so oft geschaudert und mich gefürchtet hatte. Es war nicht» Schreckliches oder Entsetzliches dabei, nur himmlische Ruhe und Frieden. Ich fühlte, es tat mir gut, und mar mir eine Beruhigung. „Tod wo ist dein Stachel? Grab wo ist dein Sieg?" Er war ein gerechter und guter Mann und hatte ein von Liebe und Güte Lberfließendes Herz: nun ist er weggegangen, um nach vielen Prüfungen, die er in Ergebung trug, zu ruhen. Ich fürchte mich jetzt nicht vor dem Tode, und wen« mich die Furcht kommen sollte, so werde ich an den feierlichen, beruhigenden Anblick denken, und daß der Tod nut ein Uebergang zum Besseren ist.
Wir gingen nach Hause und zu Bett, und heute morgen gingen wir um 10 Uhr hin. Ich saß eine Weile bei der armen Königin, die so ruhig, so ergeben und rührend in ihrem Kummer ist. Sie meint nicht, aber ihr Herz ist gebrochen. Sie sagte zu mir: „Ich bin nicht länger von Nutzen in dieser Welt. Ich hab« nicht einen Beruf und Pflichten zu erfüllen; ich habe nur für ihn gelebt/ Dann war sie so freundlich zu mir, freundlicher, als sie je gewesen, und sagte, ich sei ihr wie ihr eigenes Kind und ein Trost für sie. Ich sah die Leiche wieder beute morgen; er ist unverändert, nut hat di« Farbe gewechselt unb die Lände find steif g* worden."
meinem ganzen früheren Leben. Der Morgen dämmerte und die Lampen wurden entfernt, o, wie schrecklich für den ersten Tag im Jahre. Wir gingen nun in das anstoßende Zimmer, denn ich versichere Ihnen, Angst, Wachen, Stehen und Weinen hatten uns vollständig erschöpft. Die Prinzessin fiel in einem Sessel in Schlaf, ich auf einem Sofa, und die übrigen gingen im Zimmer auf und ab und fragten sich: rote lange wird das noch dauern? Gegen Mittag gingen Marianne und ich allein in das Zimmer, da wir wünschten, dort zu verweilen. Wit kamen heran und küßten der Königin die Hand, und wir knieten nieder und küßten die des Königs; sie war noch ganz warm. Wir standen aufrecht und warteten bis 5 Uhr, dann aßen wir etwas, und ich fühlte mich so krank und der Ohnmacht nah«, daß Fritz mich hierher zu Bett schickte.
Um 1 Uhr heute früh stand ich auf und zog mich an, und hörte, baß der König nicht mehr viele Minuten zu leben habe; ehe ich aber noch i» den Wagen kam, hörte ich, daß alles vorbei sei. Ich fuhr nach Sanssouci und sprach den König und die Königin. Gott segne und erhalte sie, und möge ihre Regierung eine glückliche und gesegnete sein. —
Dann ging ich in das Zimmer, wo der König lag, und konnte es kaum übet mich bringen, wieder weg zu gehen. Es wat so beruhigend, auf diesen ruhigen, friedlichen Körper zu sehen, der von allen seinen Leiden ausruhte, endlich aus dieser Welt der Leiden- heimgegangen war — et sah so friedlich und ruhig aus, wie ein schlafendes Kind. Jeden Augenblick glaubte tm, ihn sich bewegen und atmen zg sehen; sein Mund und seine Augen waten
gelne Landwirt etwaigen Hebelgriffen von bet anderen Seite schutzlos pteisgegeben sqj. W« wirkliche Mißstände in der Dienstboten- und Arbeiterentlohnung, Behandlung und Versorgung vorhanden seien, wolle man einer Verbesserung dieser Verhältnisse gerne Vorschub leisten; anderseits wurde auch festgestellt, daß seitens der Landwirte nach dieser . Richtung hin zumeist bereits alles geschehen sei, was nut irgendwie geleistet werden könnte. Mit Einstimmigkett wurde beschlossen, an die Bildung einet Kommission heranzutreten, welche alle einschlägige« Fragen zu prüfen und vorzuberaten und weite». Schritte in die Wege zu leiten hätte. Die Kommission ist bereits gebildet: man wird auf das Ergebnis ihrer Beratungen gespannt sein können.
— Zur Brennfteuervergütung. Wie bereit» mitgeteilt wurde, hat der Bundesrat den Brenn st euet-Vergütungssatz vom 20. Oktober ds. Js. ab von 8 M auf 6 M für das Hektoliter Alkohol herabgesetzt. Et wurde dazu durch die Entwicklung der Verhältnisse der Brennsteuer gezwungen. Diese Steuer wird 6ei änntlich neben den anderen Branntwein- ’teuern, also Verbrauchsabgabe und Material- teuer, in denjenigen Brennereien erhoben, di« n einem Jahre mehr als 300 Hektoliter reinen Alkohols erzeugen, von der mehr erzeugten Alkoholmenge. Ihr Ertrag wird dazu benutzt, bei der Ausfuhr von Branntwein, sowie von Fabrikaten, zu deren Herstellung Branntwein verwendet worden ist, die Branntweinvet» brauchsabgabe zu vergüten. Da die Brenn- fteuer sonach keine Einnahme abwerfen kann, s» wird sie auch im Reichshaushaltsetat nur al» Durchgangsposten geführt. Die Sätze, nach denen aps der Vrennsteuer die Vergütung gezahlt wird, unterliegen alljährlich einer Revision und sind vom Bundesrate für das folgende Iaht entsprechend herabzusetzen, wenn die (5efamt«i summe der gezahlten Vergütungen oder im Falle einer vorherigen Kürzung der Ausfuhr-! Vergütung diejenige Summe an Vergütungen,! die bei Gewährung der vollen Ausfuhrver- gütung gezahlt sein würde, für das abgelaufene Jahr einen Betrag ergibt, der größer ist, als die gleichzeitige Einnahme an Vrennsteuer. Ein solcher Fall ist eingetreten. Die monatlichem Angaben über die Jsteinnahmen an Zöllen unb< Verbrauchssteuern weisen übrigens im laufen-j den Jahre ab April nach schlechtere Ergebnisse! auf als im gleichen Zeiträume des Finanzjahres 1906. Schon im Avril betrug die Jsteinnahm«' aus der Brennsteuer gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres fast eine halbe Million Mark weniger. Die Verschlechterung hielt von da ob an. Während am Schluffe des Juli 1906। noch ein Bestand von rund 160 000 zu verzeichnen mar, wurde für die gleiche Zeit 1907 bereits ein Fehlbetrag von 1,6 Mill. Mark angeschrieben. Dieser war auf 2,4 Millionen Mark am Ende August angewachsen, was einem Weniger gegenüber dem gleichen Zeitpunkt de» Vorjahres von 1,9 Millionen Mark entsprach. Umsomehr war der Bundesrat zu einer Heran»' setzung des Steuervergütungssatzes verpflichtet.