Einzelbild herunterladen
 

<;r

V«

Marburg

Freitag. 25. Oktober 1907.

Erscheint wöchentlich sieben -rial.

Druck und Verlag. Joh. Aug. Koch, llmvcrMtS-Buchdruckerck 42. Jahrg.!

Marburg, Markt 21. Telephon 55. ö !

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 Mtz, TM» ftRI bet allen Postämtern 2,25 M. (exct. Bestellgeld).

InsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder bereit Raum 15 Pfz.

Steel(litten: die Zeile SO Pra.

Zweites Blatt.

Bestellungen

die Monate November und Dezember

< auf di» ~

btrhessisch» 3»l tuns nebst ihren Beilagen wrrden von unserer Expedition -tMarkt 21) unkerea Ausgabestellen in Kirch, ^-ain, Neustadt und Wetter, sowie von Men PostanstskfM und LandkriestrSgern ent« tzegengenommen«» > ,

Die deutsche Gewerbeordnung.

Da gegenwärtig wieder eine Eewerbeord- Mungsnovelle in legislatorische Behandlung ge- inommen ist, so ist es von Interests, einen Rück­blick auf die Geschichte der Gewerbeordnung seit Jbet Wiedererrichtung des deutschen Reiches zu jverfen. Die Grundlage der heutigen Eewerbe- Srdnung bildet die Fastung, die ihr im Jahre ,»869 gegeben worden ist. Ihr Geltungsbereich wurde noch im Jahre 1870 auf den südlich des (Mains belegenen Teil des Grotzherzogtums Hessen ausgedehnt, 1871 auf Württemberg und ' Baden, 1872 auf Bayern. Elsaß-Loihringen wurde anfänglich nicht in den Geltungsbereich ,Kingezogen, für die Reichslande wurden zu- ' nächst nur einzelne Bestimmungen der Gewerbe­ordnung von 1869 in Kraft gesetzt; deren Zahl wurde dann später allmählich vermehrt. Erst fm Jahre 1888 wurde die Geltung der ganzen Gewerbeordnung und dann auch nur unter Mo­difikation bestimmter Einzelheiten auf die Reichslande ausgedehnt. Inzwischen waren dis verschiedensten Novellen zu ihr schon erlassen worden. Die Novelle vom 2. März 1874 brachte ,?ine Aenderung in der Zahl der nach § 16 ge- stehmungspflichtigen Betriebe, die vom 8. April A876 enthielt die Bestimmungen über die ge- ^verblichen Hilfskasten, die vom 7. Juli 1878 Hab dem Titel über die gewerblichen Arbeiter Iine völlige Umgestaltung, die vom 23. Juli 1879 brachte neue Vorschriften hinsichtlich ge­wisser konzessionierter Betriebe mit sich. Hatten |>ie filziger Jahre vier Eewerbeordnungs- .ftovellen aufzuweisen, so vermehrte sich die Zahl [im achten Jahrzehnt auf sechs. Die Novelle vom <15. Juli 1880 bezog sich auf die Schauspieler- Unternehmungen, die vom 18. Juli 1881 auf die Pestimmungen über das Jnnungswesen, die Pom 1. Juli 1883 auf die verschiedensten Ge­biete, namentlich auf den Gewerbebetrieb im Umherziehen, die vom 8. Dezember 1884 wieder auf das Jnnungswesen, die vom 23. April 1886 auf die Jnnungsverbände, die vom 6. Juli 1887 auf eine größere Kräftigung der Innungen. Von da ab folgten sich die Novellen nicht mehr so Häufig. Die Novelle vom 1. Juni 1891 war aber um so bedeutsamer, sie war hauptsächlich der Erweiterung des Arbeiterschutzes gewidmet, die Vom 6. August 1896 Aenderungen in den Vor­schriften über den Kleinhandel, Handel mit Droguen und Wandergewerbescheine, die vom

Aus dem Briefwechsel und den Tagebüchern der Königin Viktoria von England.

in. ..-r

Di« Verlobung des Prinzen Friedrich Wilhelm l von Preußen.

' Die Werbung des Prinzen Friedrich Wil- Helm späteren Kaisers Friedrich, um die Prinzeß Viktoria schildert, bald nach dem Ereignisse, ein Brief der Königin an den König der Belgier vom 22. September:

Liebster Onkel! Ich mache mir Ihren Kurier zunutze, um Ihnen anzuvertrauen, und zwar Ihnen allein, indem ich Sie bitte, es nicht gegen die Kinder zu erwähnen, daß unsere Wünsche betreffs einer späteren Verheiratung Vickys sich in sehr erfreulicher und befriedigen­der Weise verwirklichen werden. Äm Donners­tag, den 20., nach dem Frühstück, sagte Fritz Wilhelm, er wolle gern mit uns über einen Wun,ch reden, dessen seine Eltern, wie er wisse. Niemals gegen uns Erwähnung getan hätten, nämlich zu unserer Familie zu gehören. Es sei lange scm Wunsch gewesen, er habe die Zu­stimmung und Billigung nicht nur seiner Eltern, sondern auch des Königs erhalten und da er Dickysa allerliebst" finde, könne er Nicht länger warten, seinen Antrag zu stellen. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, mit welcher Freude wir unsererseits seinen Antrag Annahmen. Aber das Kind selber soll nichts davon vor ihrer Konfirmation wissen, die nächste Ostern statt- linden wird: dann wird «r wahrscheinlich her-

26. Juli 1897 der Handwerksorganisation. In dem jetzt lausenden Jahrzehnt ist die ganz kurze Novelle vom 14. Oktober 1905 erlassen, die eine Aenderung in den Vorschriften über die Han­delsagenten vornahm. Ueberblickt man den In­halt dieser Reihe von 14 Novellen, so wird man finden, daß sie in der Hauptsache zwei Gegen­stände behandeln, nämlich das Handwerk und die gewerblichen, namentlich die Fabrikarbeiter. Es ist dies auch ganz natürlich, da die gewerb­liche Entwicklung des neuen deutschen Reiches gerade die Umgestaltung eines großen Teiles des Handwerks zur Industrie als charakteristi­schen Zug aufweist. Man hat immer von neuem versuchen müssen, in der Gewerbeordnung dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wie ja denn auch die dem Bundesrate vorliegende Eewsrbc- ordnungsnovelle wieder eine Ändersgestaltung der Verhältnisse einzelner Arbeiterkateaorien im Gewerbe zum Ziel hat. Die Entwicklung, die die deutsche Gewerbeordnung in den nahezu vier Dezennien ihres Bestehens aufweist, bildet ein Zeichen von der mannigfaltigen und rapiden Umgestaltung, die seit Wiedererrichtung des Reiches die Erwerbstätigkeit im Gewerbe ge­nommen hat. Daß diese Umgestaltung so gute Früchte gezeitigt hat, daß das Gewerbe trotz der starken Bevölkerungszunahme immer noch im­stande gewesen ist, für die vorhandenen Arbeits­kräfte ausreichende und gute Arbeitsgelegenheit zu bieten, ist aber gleichzeitig ein Zeichen dafür, daß die Gewerbegesetzgebung gut funktioniert hat. Sie hat bisher Arbeitgeber und Arbeitnehmer in ihren Erwerbsbestrebungen ge­stützt und gefördert und wird es hoffentlich auch ferner tun.

Hefsen-Naffart rind Nachbargebitte.

Alsfeld, 23. Ott. In der heutigen Schöffen- gcrichtssttzung wurde ein Bauersmann, der in Alsfeld faule Eier verkauft hatte, wegen Ver­gehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 60 -ü Geldstrafe und Tragung der Kosten des Ge­richtsverfahrens verurteilt.

Bad Nauheim, 23. Okt. Das Eroßh. Hess. Tiefbauamt hatte seiner Zeit den Plan einer gemeinsamen Kanalisations- und Klärbecken­anlage für die Abwässer der Städte Friedberg und Bad Nauheim ausgearbeitet, die Stadtver­ordnetenversammlungen beider Städte lehnten jedoch das gemeinsame Projekt ab und be­schlossen, daß jede Stadt für sich eine solche An­lage errichte. Die Regierung hat nunmehr an beide Städte die Aufforderung ergehen lassen, die Entwürfe für die Kanalisationsprojette spä­testens bis zum 15. November d. I. zur Vorlage zu bringen, damit schon im nächsten Frühjahr mit der Ausführung begonnen werden kann.

Frankfurt a. M., 23. Okt. In einer Wirt­schaft in der Moselstraße knallte am Sonnabend abend ein Schuß und kurz darauf stürzte ein junger Mann auf die Straße mit dem Schrei: Ich bin geschossen!" Im gleichen Moment stürzte er bewußtlos zusammen. Die Aerzte stellten einen Schuß in der linken Brnstseite fest. Die Kugel war an einer Rippe abgeprallt und in den Unterleib eingedrungen. Aus den Aus­sagen des jungen Mannes ließ sich entnehmen, daß er in der Wirtschaft mit einem Kaufmann Billard spielte, mtt dem er wegen zwei Mark

überkommen, da er ihr selber seinen Antrag zu stellen wünscht, den sie ich habe wenig oder vielmehr keinen Zweifel freudig annehmen wird. Er ist ein lieber, vortrefflicher, reizende: junger Mann, dem wir unser liebes Kind mit vollem Vertrauen geben können. Was uns so sehr an ihm gefällt, daß er wirttich von Dicky entzückt ist. Ich bleibe, mit Albetts herzlichen Grüßen, und dem Wunsche, daß Sie dieser Ver­bindung Ihren Segen erteilen mögen, wie Sie es der unserigen getan haben, stets Ihre er­gebene Nichte, Ihr Kind Viktoria K.

Einen reizenden Einblick in die junge Liebe des Brautpaares eröffnet dann ein Brief vom 3. Juni 1856:

Während Fritz Wilhelm hier ist (so schreibt die Königin), ist jeder freie Augenblick, den Vicky hat (und ich habe, denn ich muß das Lie­bespaar chaperonieren, was viel von meiner kostbaren Zeit wegnimmt), ihrem Bräutigam gewidmet, der so in sie verliebt ist, daß er, selbst wenn er mit ihr spazieren fährt oder geht, nicht befriedigt ist und meint, er habe sie Nicht gesprochen, wenn er sie nicht auf eine Stunde für sich haben kann, wobei ich natürlich verpflichtet bin, sie zu chaperonieren."

Der Dank des Prinzen von Preußen

Der Prinz von Preußen, nachmals Kaiser W i l h e l m I, hat sich bekanntlich im Sturmjahre 1848 mehrere Monate lang in Eng­land aufgehalten und dort in innigstem Verkehr mit der Königin und dem Prinzgemahl gestan­den. Beim Abschiede aus England richtete er an sie aus Brüssel, 30. Mai 1848, den folgen­den warmen Dankbrief;

in Wortwechsel geriet. Der Kaufmann hatte ihn dann auf die Straße begleitet und plötzlich einen Schuß auf ihn abgegeben. Der Schwerverletzte heißt Joachim Proschka und stammt aus Jo- achimstal in Böhmen.

Wiesbaden, 23. Okt. In der Nähe des Bahnhofes Igstadt wurde gestern vormittag der 34jährige Streckenarbeiter Braun aus Norden­stadt in dem Augenblick, als er gerade von seinem Kind das Frühstück entgegennahm, von einem Eisenbahnzug erfaßt, geriet unter die Näder und wurde völlig zermalmt. Nach einer anderen Meldung soll Braun Maurer sein und wegen eines unheilbaren Leidens den Tod auf den Schienen gesucht haben.

Hombressen, 22. Ott. An dem Wege von hier nach dem Forsthaus Waldhaus wurde der 74- jährige Landwirt Joh. Scheffer von hier tot aufgefunden. Tags vorher war er noch auf seinem Acker gewesen und soll mit seinen Ange­hörigen in Streit geraten sein. Zur Aufklär­ung der Todesursache begab sich eine Gerichts- kcmmission an Ort und Stelle; heute fand die Sektion der Leiche statt.

Hochschulnachrichten.

X Zum deutsch-amerikanischen Professorenaustausch. Der Inhaber der Theodore Roosevelt-Professur an der Ber­liner Universität, Dr. Arthur T. Hadley, Prä­sident der Jale-University, New Haven Gönn., beginnt am 29. Oktober seine Vorlesungen an der Friedrich Wilhelms-Universität. Er wird ein zweistündiges KollegVolkswirtschaft und Sozialpolitik in den Bereinigten Staaten" lesen undSeminaristische llebungen über amerika­nische Wirtschaftsgeschichte" (zweistündig) ab- halteir.

Wissenschaft, Kunst und Lebezr.

* Eine Forschungsreise m nördlichen Grön­land. Durch die Vermittlung der Bradley-Ex­pedition sind soeben in Kopenhagen Nachrichten von dem dänischen Forschungsreisenden Knud Rasmussen eingetroffen, der vor einem Jahr, von seiner Schwester begleitet, zu einer großen Schlittenexpedition durch Grönland aufgebro­chen ist. Von zwei Eskimos begleitet, mit kaum nennenswerten Vorräten, im wesentlichen auf ihre Büchsen vertrauend, ist das kühne Ge- schwisterpaar von der Jnglefield-Bai aus nach Kap Camperdow und dann nordwärts in die Regionen des ewigen Eises gedrungen. An interessanten Jagdbeuten hat es nicht gefehlt; in einem Augenblick schlimmen Nahrungs­mangels stieß man auf eine Herde Moschus­ochsen; und o.c.h einer aufregenden Jagd gelang es drei der mächtigen Tiere zur Strecke zu brin­gen. Am 23. Mai kehrte Rasmussen zur Nord- sternbai zurück; 1700 englische Meilen wurden mit Schlitten zurückgelegt. Der kühne Däne wird bei Kap Porck überwintern; eine um­fassende Expedition quer durch das arktische Amerika wird folgen.

* Ein amerikanischer Flugapparat. Wie aus Berlin gemeldet wird, stehen die amerikani-

,Allergnädigste Cousine! Ich folge dem An­trieb meines Herzens und ergreife, ohne lange damit zu warten, die Feder, um Ihnen meinen wärmsten und tiefgefühltesten Dank für die so unendlich huldreiche und liebevolle Weiss aus­zudrücken, in welcher Eie und der Prinz mir während meines Aufenthalts in London entge­gengekommen sind. Es war eine traurige Zeit, als ich damals ankam. Durch den Anteil aber, den Cie an meiner Lage nahmen, allergnädigste Cousine, wurde sie nicht nur erträglich, sondern geradezu in eine verhältnismäßig ehrenvolle und wertgeschätzte umgewandelt. Diese Ihre Huld hat zweifellos zu der Meinungsänderung beigetragen, die zu meinen Gunsten eingetreten ist, und somit verdanke ich Ihnen, dem Prinzen und Ihrer Regierung den glücklichen Ausgang meines Mißgeschicks. So ist es gekommen, daß ich jetzt England mit schwerem Herzen ver­lassen habe, ohne zu ahnen, was mir die Zu­kunft Bringet! wird, denn ich weiß nur, daß ich die kräftigende friedliche Ruhe nötig habe, die mir während meines Aufenthaltes in England und durch die gewonnenen Einblicke in feine Institutionen in vollem Maße dargeboten wurde. Indem ich den Prinzen herzlich grüßen lasse, dem ich sobald als möglich schreiben werde, bleibe ich, allergnädigste Cousine, Ihr treuer und dankbarst ergebener Vetter

Prinz von Preußen."

Der Tod des Prinzgemahls.

Von dem furchtbaren Schlage, der sie durch den Tod des Gatten bettoffen hatte, machte- . nigin Viktoria dem belgischen König in folgen­dem erschütternden Briefe Mitteilung:

schen Flugtechniker Brüder Wright unter and«» rem mit der allgemeinen Elettrizitätsgefellschast und Ludwig Löwe u. Co. in Verbindung, um ihren Flugapparat zu verkaufen. Der Kauf, preis soll eine Million Mark betragen. Im Juni d. Js. versuchte Wilburg Wright bei sei­nem Aufenthalte in Berlin bereits mit bei deutschen Militärbehörde Fühlung zu bekom­men, ohne jedoch zu einem Resultat zu gelangen.

i Der Flugapparat selbst soll sich in Paris 6e» finden.

Vermischtes.

Der Tränenguß der Indianer. ImGlobus* wird auf eine Abhandlung von G. Friederici über den Tränenguß der Indianer hingewiesen, eine unter den Indianern anscheinend weit ver, breitete eigentümliche Sitte: die Gewohnheit, zum Zeichen der Freude des Willkommens zu weinen oder zu heulen. Die Verbreitung des Tränengusses über den ganzen amerikanischen Kontinent geht so weit, daß die Sitte dushört, seltsam zu erscheinen. Der Tränenguß fand sich nach den Beobachtungen Friedericis in Süd­amerika bei den Charrua, Lengua, Guarani, Tapuya, Zabaro, Euayana-Karaiben und Arau- kcmiern; in Mittelamerika bei den Jnsel- Karaiben; in Nordamerika bei den Karankawa, Caddo, Sioux, Athapasken, Algonquins und Timucua. Seine räumliche Ausbreitung war eine ungeheure; nimmt man die zweifelhaften und nahe verwandten Fälle hinzu, so kommt man zu der Auffassung, daß er sich in früheren Zeiten über den ganzen Erdteil Amerika erstreckt haben mag.

Was ist ein Fatzke? Auf diese Frage gibt Franz Sandvoß-Weimar imKorrespondenz» blatt des Vereins für niederdeutsche Sprachsor- forschung" eine überraschende Antwort. Danach stammt das liebenswürdige, echt berlinisch yn- inutenbe Wort aus dem Italienischen, Ein Facivetia ist ein Kerl, der civetta madjt, d. h. ihre Rolle spielt; die civetta aber ist das Käuzchen oder der Lockvogel (auch Gpottoogel). den man anbindet, um dieGimpel u. a. zu locken. Civetta ist schon für Weiber kein Ehrentitel, denn es meint die Kokette; aber ein ganj unausstehlicher Geselle ist der Mann, der ih< gleite, der eitle La'e, der Zierbengel. Ein Fazvogel hieß er zur Zeit des Hans Sachs.

Kleine Nachrichten. Berlin, Die allge­meine Berliner Omnibus-Gesellschaft beabsichtigt die Einstellung des Verkehrs auf einzelnen, be­sonders unrentablen Omnibuslinien mit Pferde­betrieb, falls die Gemeinde-Verwaltung ihr nicht größeres Entgegenkommen zeigt. Lan­dab , 23. Okt. Die. Strafkammer verurteilt«' den Feldhüter Hitschler aus Rod wegen Wein- fäljchuug zu 6 Wochen Gefängnis und ben Händler Löb aus Edinkoben wegen Beihilfe zu 14 Tagen Gefängnis und 300 dl Geldstrafe.' Halle 23. Okt. Im Wippacher Walde routb« die seit voriger Woche vermißte Kazrfmannsfrau" Müller ans Leipzig mit ausgeschnittenem Leih, tot aufgefunden. Eine neben der Leiche liegende Herrenuhr läßt auf einen Kampf mit dem Mär-' der schließen. Breslau, 22. Okt. Die, Echtes. Volksztg." meldet aus Reusalz, daß ge­stern nachmitag das in der Nähe ter Stadt ges legens Pulvermagazin mit starkem. Getöse in bie

Mein einziger, liebster, liebevollster Va­ter ! Denn als solchen habe ich Sie stets geliebt? Das arme vaterlose Baby von acht Monaten ist jetzt eine gebrochene und vernichtete Witwe von 42 Jahren! Mein Leben, als glückliches, ist be­endet! Mit bei Welt ist es für mich zu Ende! Wenn ich weiter leben muß (und ich will mich nicht schlechter machen, als ich bin), so ist ci fürderhin nur für unsere armen vaterlosen Kinder, für mein unglückliches Land, das in ihm alles verloren hat, und um nur das zu tun, was ich weiß und fühle, daß er es wünschen würde, denn er ist mir nahe, sein Geist wird mich leiten und anregen! Aber ach! Getrennt zu werden in der Blüte des Lebens unser reines, glückliches, ruhiges, häusliches Leben, das es mir allein ermöglichte, meine undank­bare Stellung zu ertragen, mit 42 Jahren zer­schnitten zu sehen, wo ich doch mit instinktiver Gewißheit gehofft hatte, daß Gott uns niemals trennen würde, sondern zusammen alt werden lasse (obwohl er stets von der Kürze des Lebens sprach) ist schrecklich, zu grausam! Und doch muß cs zu seinem Wohl, zu seinem Glück sein? Seine Reinheit war zu groß, sein Streben war zu hoch für diese arme, elende Welt. Seine große Seele genießt jetzt, wessen sie würdig wah Und ich will ihn nicht beneiden, nur beten, daß die meine dadurch vollkommener und für Mrdig befunden werde, in Ewigkeit bei ihm zu sein; und ich sehne mich innig nach diesem gesegneten Augenblick.". '