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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

LormtaaZbeilaae: AUUSrirteS EsuutaEratt-

er sie bei und mit der Gründung des Flotten­vereins erstrebte, wird ihm unvergessen bleiben. Geradheit und Schlichtheit des Charakters zeich­neten ihn aus; freundlich nach unten wußte er nach oben seine Selbständigkeit zu wahren, und so kam es, daß er ebenso beliebt wie geachtet war, wo er auch nur sich betätigte.

Umwandlung des Frauen-Berdienftkreuzes in einen Orden. Die preußische Gesetzessamm­lung veröffentlicht die Urkunde vom 22. Oktober betreffend die Umwandlung des Frauen-Ver- dienstkreuzes in einen Orden, der den Namen Frauen-Verdienstkreuz" führen und aus zwei Klassen in Silber und Gold bestehen soll. Der Orden wird an Frauen und Jungfrauen ver­liehen, die sich durch aufopfernde persönliche Tätigkeit verdient gemacht haben. Für den Or­den in Gold sind nur solche Personen in Vor­schlag zu bringen, die den silbernen bereits zehn Jahre besitzen. Die Inhaberinnen des bisher als Schmuckstück zu tragenden Frauen-Verdienst- kreuzes sollen befugt sein, sie gegen die neuen Abzeichen umzutauschen.

Verleihungen von Orden und Auszeich­nungen an Damen. Berlin, 22. Okt. Der Staatsanzeiger "meldet: Auf Vorschlag der Kaiserin und des Luisenordenskapitels verlieh der Kaiser die erste Klaffe der zweiten Abtei­lung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1865 der Frau Wirklichen Geheimen Rat Helene Becker zu Köln; ferner die zweite Klaffe der zweiten Abteilung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1865 folgenden Damen: Hofdame Fräulein Martha von Selchow zu Potsdam, Frau Kommerzienrat Ida Heckmann, geborene Oechelhäuser, zu Berlin, Frau Wirklichen Ge­heimen Rat Anni von Diest, Frau Geheimrat von Massow, geborene von Medem,. zu Pots­dam und Frau Konsul Staudt zu Berlin. Ferner verlieh der Kaiser anläßlich des Geburts­tages der Kaiserin zahlreiche andere Auszeichnungen (Rote Kreuz-Medäillen).

Ordensverleihung. Dem Reichstagsabge­ordneten Dr. Stresemann ist vom Großherzog von Oldenburg das Ritterkreuz 1. Klaffe des Haus- und Verdienstordens verliehen worden. Dr. Stresemann ist mit 29 Jahren bas jüngste Mitglied der nationalliberalen Reichstags- fraktton und des Reichstags.

Der neue Staatssekretär des Auswärtigen, Herr von S ch o e n, ist gestern in St. Peters­burg eingetroffen; um sein Abberufungsschreiben zu überreichen.

Rücktritt des preußischen Gesandten in Stuttgart. LautSchwäb. Merk." tritt der preußische Gesandte in Stuttgart, Graf Ples- s e n, in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird voraussichtlich der preußische Gesandte in Wei­mar, v. Below.

Die neue Flottenvorlage, welche nunmehr mit Bestimmtheit zu erwarten ist, wird, wie der Lok.-Anz." mitteilt, im wesentlichen nur die Herabsetzung der Lebensdauer der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahren enthalten. Ferner dürf­ten im neuen Marineetat größere Forderungen für die Anschaffung von Untersee­booten erscheinen.

Branntweinmonopol? Wie dasBerl. Tagebl." aus bester Quelle wissen will, beabsich­tigt die Reichsregierung, dem Reichstage schon in der kommenden Session eine Brannttvein- monopolvorlage zu unterbreiten. Die Verhand­lungen mit dem Spiritussyndikat sollen so gut wie abgeschlossen sein. Die Hauptpunkte sollen sein: Die Reichsregierung verstaatlicht das Spi- ritussyndikat in seiner jetzigen Form und Ge­stalt; die großen Spiritusfabriken werden vom Reich aufgekauft, die kleineren entsprechend ab­gefunden. Die Reichsregierung bietet den Spi­ritusproduzenten die Gewähr» für den zu lie­fernden Rohspiritus derartig hohe Preise zu zahlen, daß sie den unter den jetzigen Verhält- ' Nissen erzielten Preisen zum mindesten gleich­kommen, wenn nicht darüber hinausgehen. Die Branntweinpreise werden entsprechend erhöht. Die Mehrkosten sind also vom Kon­sumenten zu tragen. Der Reinertrag des Branntweinmonopols wird für die nächsten Jahre auf ca. 70 Millionen bemessen, später sollen die Einnahmen aus dem Monopol gestei­gert werden. Dies die Erundzüge des geplanten Branntweinmonopols. Die Einzelheiten ent­ziehen sich vorläufig noch der Öffentlichkeit, doch sei erwähnt, daß die preußische Regierung an diesen Verhandlungen zum Teil ausschlag­gebend mitgewirkt hat Hierzu wird von an­derer Seite geschrieben: Weder die Meldung des B. T.", noch ein Dementi derDeutschen Tages­zeitung" entspricht ganz dem Stande, in dem sich gegenwärtig die Frage der Spiritus­steuerreform und der eventuellen Schaf­fung eines Monopols befindet. Tatsache ist, daß die zuständige Reichsstelle ein derartiges Projekt bereits seit längerer Zeit bearbeitet hat und daß gegenwärtig diese Ausarbeitung fertig zur Entschließung des Reichskanzlers vorliegt. Von dieser Entschließung wird abhängen, ob die Vorlage weiter an den Bundesrat geleitet wer­den wird oder nicht.

Wassergesetz und Abwässerfrag«. Dem Ver­nehmen nach wird der Entwurf eines Waffer- '°gesetzes, der in Preußen gegenwärtig von den provinzialen Instanzen geprüft wird, die Ab­wässerfrage zu regeln nicht unternehmen. Man wird sich erinnern, daß gerade diese Frage zu harten Zusammenstößen der verschiedensten

Deutsches Reich.

£ Jur Kaiserreise nach Holland wird jetzt halbamtlich mttgeteilt, daß sich der Besuch über zwei Tage erstrecken wird. Der holländrsche Oberhofmarschall ist zur Feststellung des Pro­gramms nach Berlin abgereist. DieHohen- zollern" wird in Pmuiden einlaufen; es steht Aber noch, nicht fest, ob die Kaiserjacht bis Am- . fterdam fahren wird. Wenn das nicht der Fall Ht, wSNdie Reise mit dem Königlichen Sonder­zug tzMlgen. In Amsterdam wird sich während hes Besuches auch die Königin-Mutter befinden.

Fürst Wilhelm zu Wied. Wie bereits Heute früh durch Anschlag derOberhessischen -Zeitung" mitgeteilt wurde, ist Fürst Wil- Helm zuWied am Dienstag Nachmittag 3.20 führ nach kurzem Leiden gestorben.

F L r st W i l h e l m Adolf Maximilian Karl zu Wied, der frühere Präsident des preußi­schen Herrenhauses, war am 22. August 1845 ge­boren, hat also ein Alter von 62 Jahren er­reicht. Er war erbliches Mitglied des preußi­schen Herrenhauses, General der Infanterie ä. la Suite des Earde-Grenadier-Regiments Nr. 4 And des 4. Earde-Grenadier-Landwehr-Regi- xrents und Mitglied des Kolonialrats. Seit 1871 war er mit der Prinzessin Marie der Nie­derlande vermählt. Sein ältester Sohn, der jetzige Fürst Friedrich zu Wied, ist 35 Jahre alt, Klrttmeister und Eskadronschef im Garde-Küras- sier-Regiment und mit der einzigen Tochter des Königs von Württemberg," der Prinzessin Pau­line, vermählt. Das fürstliche Haus Wied hat stets in nationaler Gesinnung den Rheinlanden ein leuchtendes Vorbild gegeben. Wie Fürst Hermann ein Vorkämpfer des deutschen Gedan­kens unter seinen Standesgenossen war, und wis er aus vollster Ueberzeugung zu Preußen hielt, dessen Beruf für die Neugestaltung Deutschlands . Ihm unzweifelhaft schien, so war auch, wie die Köln. Ztg." hervorhebt, sein Sohn, Fürst Wil­helm, stets ein guter Deutscher und ein guter Preuße. 1866 hat Fürst Wilhelm auf den böh­mischen Schlachtfeldern mitgekämpft; und als 1870 der Krieg gegen Frankreich ausbrach, eilte ex sofort zu den Fahnen. Als Adjutant des Generals Bose beim XI. Korps eingetrten, focht er bei Weißenburg, Wörth, Sedan und Paris. Im preußischen Herrenhause und im rheinischen Provinziallandtage hat er als Vor- ßtzender an leitender Stelle in praktischer, hoch­geschätzter Mitarbeit dem Wohle seines engern und weitern Vaterlandes nützen gesucht; und sein Verdienst um die Hebung des allgemeinen Verständnisses für unsere Seeinteressen und die Rtwendigkeit einer starken Kriegsmarine, wie

Jnteressenkreisen führte, als vor länger den« zehn Jahren der erste Entwurf eines solchen Eft setzes aufgestellt war. Man hat demgemäß il der Regierung die Absicht, sich bei Regelung die« ser Frag« mit der ministeriellen Anweisung zu begnügen, die vor längerer Zeit ergangen ist und die sich ganz gut bewährt hat. Scheidet diese Frage aus dem Gesetzentwurf aus, so hat er grö- ßere Aussicht auf Annahme im Landtage al« sonst. Daß der Entwurf den Landtag nicht scholl in der nächsten Tagung beschäftigen wird^ braucht bei dem Stadium, in dem sich die So« arbeiten zu ihnen befinden, wohl nicht noch bft sonders betont zu werden.

Die erste Konferenz der Zentralstelle für volkswohl wurde am Montag in B e r l i n voll Ministerialdirektor Thiel in Anwesenheit »oll Vertretern des Staatsministeriums und Iw Reichsmarineamtes eröffnet.

Zur Affäre Held. Wie berichtet wird, er« ließ der nationalliberale Wahlausschuß Verde« eine Erklärung, daß er erst nach Eintritt bei Rechtskraft des Urteils vom 19. darüber bft schließen könne, ob der Abgeordnete Held seilt Mandat behalten dürfe. Dieser hat, wie von b« teiligter Seite mitgeteilt wird, durch seinen Rechtsvertreter Rechtsanwalt Stehmann gegen das schöffengerichtliche Urteil Berufung ringe« legt. Außerdem ist wegen des behaupteten Er« Pressungsversuches Helds, den das Urteil vonk 19. Okt. als erwiesen bezeichnet hatte, die ne­gative Feststellungsklage bei der zuständig^ Zivilkammer des Landgerichts Hannover heute eingereicht worden.

Zweiter deutscher Arbeiterkongreh. I« der gestrigen Sitzung des christlich-nationalen Arbeiterköngresses in Berlin verlas der Vor» sitzende, Abgeordnete Behrens folgende Kund­gebung des Kaisers:

Ich ersuche den Vorstand, dem zweiten deut-- scheu Arbeiterkongreß für den Ausdruck treuer Anhänglichkeit und nationaler Gesinnung mei­nen wärmsten Dank auszusprechen. Ich freue mich, daß auf dem Kongreß eine solche ansehn­liche Zahl patriotisch fühlender deutscher Arbei­ter vertreten ist und wünsche den Verhand­lungen des Kongresses guten Erfolg zum Segen, der Arbeiterschaft wie des gesamten Vaterlan­des. Wilhelm I. EL"

Auf Antrag von Fräulein Behm-BerN« wurde hierauf die Absendung eines Glück­wunschtelegramms an die Kaiserin "beschlossen. Danach wurde die Besprechung der Frage der Sonntagsruhe (im Anschlüsse an das Referat des Mitgliedes des deutsch-nationalen Hand-' lungsgehilfen-Verbandes Richard Döring) zu Ende geführt. Die Abstimmung über die vor­liegenden Anträge wurde aber vertagt. Als-

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der ExpKition 2 Wh, Erscheint wöchentlich sieben mal. q.

TBZ? OKÜ bet allen Postämtern 2,25 M. (ejcl. Bestellgeld). Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei 4-2.

/IS SvU InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren SkMM 15Pfg. DMNerstllg 24 CffObCT 1907. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

16 (Nachdruck verboten.),

Frauenhände.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung).

j 9.

i Tiefe Nacht...

1 Alles schläft.

Es^fchläft das bunte Schiffstreiben auf dem Hudson. Es schläft das wirre Ameisengewuhl der Menschen in den Straßen. Es schlafen heißes Sehnen und Verlangen in Tausenden von

Auch Frau Morton in ihrem kleinen Stüb­chen oben im zweiten Stock des ärmlichen Hauses in der Kanalstraße schläft. Bis nach Mitternacht hat sie am Bett ihres kranken Kindes gesessen. Dann begab sie sich zur Ruhe, um sogleich einzu- fchlafen.

Plötzlich fährt sie auf.

Zog da unten an der Haustür nicht jemand 6n der Klingel?.

Sie horcht...

Alles still. . . v--'

Doch nein. Jetzt klingelt es abermals stärker, heftiger.

Frau Morton springt aus dem Bett, wirst rasch einen Morgenrock über und öffnet das Fenster.

Ich bin es, Muttert"

Großer Gott, Ruth!"

Frau Morton schließt hastig das Fenster, er- tzreift einen Leuchter und eilt, so schnell es ihre zitternden Beine gestatten, die Treppen hin­unter, um die Haustüre zu öffnen.

Nichts fragt die arme, verängstigte Frau, als sie der Tochter voran die Treppen wieder emporklimmt.

Und auch Ruth schweigt.

Als aber die beiden eingetreten sind in das kleine Wohnzimmer da sinkt das unglückliche junge Geschöpf zu Füßen der Mutter nieder und »irgt das bleiche Antlitz leise aufweinend in ihrem Schoß. ,

Mutter! Ach, Mutter!"

Und die arme Mutter schlingt die schwachen, kraftlosen Arme um den Nacken der Tochter und bettet den blonden Kopf an ihrer Brust.

Was ist geschehen, Kind?" zittert es über ihre Lippen.Warum hast Du Deine Stellung so plötzlich verlassen? Und mitten in der Nacht?"

Ruth bricht in leidenschaftliches Weinen aus. Den goldigschimmernden Kopf tief eingewühlt in den Schoß der Mutter, vertraut sie ihr alles an, was ihr armes Herz mit so namenlosem Weh erfüllt.

Zum ersten Mal in ihrem Leben vertraut Ruth ihrer Mutter!!

O heilige unlöslich« Bande, die Mutter und Kind umschließen! Die starke, energffche, auf sich selbst angewiesene Tochter sucht im Unglück Zuflucht bei der schwachen Mutter und beugt das stolze Haupt vor ihren zitternden Händen.

Frau Morton ist fast starr vor Entsetzen. Immer wieder streichelt sie die kalten Hände, das weiche Eoldhaar, die tränenfeuchten Wangen.

Mein schönes, stolzes Kind, was hab' ich Dir angetan!" stöhnt sie ein- über das andre- mal.Kannst Du mir verzeihen? . ,. O, mein Gott!- Mein Gott!"

Da im Nebenzimmer rin schwaches Ge­räusch.

Und dann eine leise Stimme, die nach der Mutter ruft.

Ada ist aufgewacht," flüstert Frau Morton erregt.Was wird sie sagen?"

Eine plötzliche Sehnsucht nach der kleinen Schwester überfällt Ruth nach dem ruhig lächelnden, überirdischen Gesichtchen, nach der Hellen Kinderstimme.

Laß mich zu ihr gehen, Mutter?"

Sich hastig die Augen trocknend geht sie hinein zu Ada.

Die Vorhänge sind nicht herabgelassen. Voll wirft die leuchtende Mondscheibe ihre matten Strahlen auf das weiße Lager,

Ada liegt, wie gewöhnlich, ganz still da, di« großen Augen auf die Tür gerichtet.

Als sie Ruth erblickt, streckt sie die eine kleine Hand nach ihr aus.

Kein Verwundern über die unerwartete An­kunft der Schwester mitten in der Nacht. Kein Fragen. Nur ein frohes Willkommeulächeln.

Ruth setzt sich auf die Bettkante. Fest um­spannt ihre weiße Hand die abgezehrten Finger- chen.

So verharren die beiden Schwestern wortlos lange lange--

Dann fragt Ada mit ihrer süßen Stimme:

Nicht wahr, jetzt ist Dir besser? Ich habe den Engel des Lichts gebeten, daß er Dir in Deinem Kummer helfe. Denn ich sah gleich, daß Du einen großen Kummer hast. Ist es jetzt besser?"

Ruth nickt und preßt die kleinen Hande, die noch viel durchsichtiger und seraphartiger ge­worden find, an ihre Lippen.

Hörst Du den Engel des Lichts singen?" flüstert das Kind, sich ein wenig aufrichtend. Wer ihn noch nicht gehört hat, weiß nicht, was Sphärenmusik ist. Horch nur, horch!"

Und das Köpfchen im Takt hin und her wiegend, beginnt es leise zu singen jene über­irdische Musik, welche ihm die Phantasie stets vorgaukelt...

Sanft zieht Ruth ihre Hand fort.

Ada mertt es gar nicht.

Ein überirdisches Lächeln auf den Lippen, fingt und singt sie immerfort . . .

Das Traumland mit seinen rosigen Schleiern Und seiner Sphärenmusik hält ihren Geist um­fangen.

Ruths Energie und Willenskraft sind zurück­gekehrt.

Kurz und mit größter Bestimmtheit teilt sie her Mutter mit, daß sie alle drei noch heute Rewyork verlassen müssen. Frau Mortons ent­setzten Widerspruch schneidet sie ab durch die Erklärung:

Wenn Du mir nicht folgst, Mutter, so gehe ich allein und Du kannst sehen, wir Du mit Ada

ohne meine Hülfe auskommst. Ich habe genug Unglück über meinen sie stockt und ihre Stimme zittert, als sie fortfährtüber meinen Gatten gebracht. Ich will ihn nicht noch elender machen. Ich muß verschwinden au» seinem Leben ganz und für immer."

Am folgenden Morgen schreibt sie einige Zei­len an Norbert und fügt den letzten Brief der Mutter bei. .

Dann begibt sie sich ans rasche Packen der notwendigsten Sachen.

Mit Tränen in den Augen und zitternden Händen hilft ihr Frau Morton, während im Nebenzimmer die kleine Ada still lächelnd in die hell leuchtende Sonne blickt und vom strahlendes Engel des Lichts" träumt... '

Als Norbert von dem Diener erfahren hatte, daß Fräulein Morton nachts das Haus verlassen habe und bis jetzt nicht wieder zurückgekehrt fei, war er vorerst etwas beruhigt.

Seine gestrige Furcht, der Geliebten könne etwas zugestoßen sein, erscheint ihm heute fast lächerlich. Kommt es nicht oft genug vor, daß im Gedränge zwei Menschen einander verlieren? Jeder von beiden geht dann ruhig nach Hause, So auch gestern Ruth.

Gewiß hat sie dann eine Zeile ihrer Muttes vorgefunden, die sie zu sich rief. Vielleicht wat Frau Motton erkrankt! Oder der Zustand bd kleinen Schwester hat sich plötzlich verschlimmert! Die Sache wird sich gewiß bald aufklären...

Wie bitter sollte er enttäuscht werden!

Gegen Mittag kehrten Thomas Mackay und seine Gemahlin von ihrem zweitägigen Ausflug zurück und Madame findet auf ihrem Toiletten­tisch einen Brief ihrer Gesellschafterin vor, itz welchem diese ihr höflich, aber kurz mitteilt, sie sei leider gezwungen, sofott ihre Stellung bei Frau Mackay aufzugeben. Man möge die ELtß haben, ihr ihren Koffer in das Haus ihrer Mut» ter zu senden.

(Fortsetzung folgt.)