mit dem KrsiMM für die Kreise Marburg und Kirckkain.
GormtaLsbeilaaer MuttrMes SouutäasbM- J ' * J
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Züiertcljährlicher BezugspretSi bet sei Expedition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 ML texct. Bestellgeld).
ZnserttonSgebnhr: die gespalteneZcüe oder Dereu 'Jirum 15 Pfg.
Neclamen: die ,^eiTc 80 Pfg.
Marburg
Mittwoch. 23. Oktober 1907.
Erscheint wöchentlich ftebett mal. ■
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmverfitatSÄuchdmckerÄ 42. Jahrg.'
- Marburg, Markt 21. — Telephon d5. i
Zweites Blatt.
Bestellungen
die Monate November und Dezember ' auf die pOberhessische Zoi tung" nebst ihren Beilagen " werben von unserer Expedition ssMarkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch, thain, Neustadt und Wetter, sowie von 'allen Postanstalten und Lan>?rieftragern ent» ttzegengsnommen.
i Marburg und Umgegend.
Machdruck aller Ortgmalartitet ist gemäß § 18 bei tlrhebrrrechtl nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberhess. Ztg." gestattet)
s Mardnra,.22. Oktbr.
t * Zahlt Eure Handwerkerrechnungen! Die Handwerkskammer Wiesbaden schreibt: -„Jeder ordentliche Mensch bezahlt seine Rechnungen pünktlich, wenn er es kann. Es besteht aber leider vielfach, und zwar auch bei gutsituierten Leuten, die üble Gewohnheit, gerade die Hanb- werkerrechnungen gleichgültig beiseite zu legen. Dies ist doppelt unrechts denn gerade der Handwerker, . der monatelang gearbeitet hat ohne avesentliche Einnahmen, wartet mit Schmerzen Küs sein Geld, um leben und seinen eigenen Verpflichtungen, die sich zu den Quartalsan- 'fangen besonders reich und dringend einstellen, -Nachkommen zu können. Man denke sich in seine Lage, wie er von Tag zu Tag hofft und wartet ,fcte er sorgenvoll den Tag beschließt und ebenso -wieder beginnt, um ftsull-vs an die Arbeit zu Zehen, wenn die Früchte derselben sich so lang- .sam und spärlich einstellen. Ly dürfen wir unsere Handwerker nicht behnnd«!n, die einen besonders schweren Existenzka>npf zu führen haben. Ms ist Ehrensache, gerade ihre Rechnungen .pünktlich zu bezahlen." (Stimmt, an alles andere wird in der Regel eher gedacht, als wie an die Pflicht, die Schulden zu bezahlen.)
* Zum Koffsrfund in Cassel. Die zuerst von -Berliner Blättern gebrachte Nachricht, daß der Kus Duisburg stammende Student Besserer in Cassel Selbstmord verübt habe, bestätigt sich .«nicht. Nach der „Rhein- und Nhurzeitung" beifindet sich Besserer auf einer Reise in bie. Schweiz. Es handelt sich um den auch von uns gemeldeten mysteriösen Kofferfund in der Karls- <m in Cassel.
• Zählung der Barmittel öffentlicher Kassen, die am 31. Oktober stattfindende Zählung sümt- Ncher Bestände an Münzen, Reichskassenscheinen Und Banknoten ist keine außerordentliche, sondern eine periodische Maßnahme. Sie erfolgt fe."1-' 1 ...............- —
Ans dem Briefwechsel unb den Tagebüchern der Königin Viktoria von England.
i. *
Cs ist ein dankenswerter Entschluß König .Edwards gewesen, allmählich die große Sammlung von schriftlichen Denkwürdigkeiten der Königin Victoria der Geschichtsforschung zugänglich -zu machen. Bei der Veröffentlichung dieser Denkwürdigkeiten handelt es sich um die Korrespondenzen und die Aufzeichnungen der Königin Lis zu jenem Jahre 1861, das durch den Tod fces Prinzgemahls Albert einen so tiefen Einschnitt in ihr Leben gemacht hat. Die gesam- hnelten Papiere dieser Zeit, die nach einem besonderen System in chronologischer Reihenfolge «ingebunden sind, umfassen 500—600 Bände, Md aus dieser Riesenmasse haben die englischen Herausgeber, A. C. Benson und Lord Esher, eins zweibändige Auswahl getroffen, deren deutsche Ausgabe, in sorgsamer Uebersetzung von dem Konteradmiral M. Plüddemann, der Verlag von Karl Siegismund in Berlin besorgt hat. Die ganze Geschichte Europas, hauptsächlich wählend der Jahrzehnte von 1840 bis 1860, gleitet Hier wie ein Wandelpanorama an unserem Auge vorüber. Aber nicht von außen gesehen, wie in der Mehrzahl der Geschichtswerke, sondern sozu- zagen von innen her betrachtet, —- so, wie sie sich vrner Fürstin darstellt, die Mit dem Me^nis- ~U5f?e5 seschichtlichen Lebens, mit den leitenden Persönlichkeiten, ihren Charakteren und ihren « nuT innigste vertraut wat. Die Nusichluffe,und tnteressanten Mitteilungen, die diese Veröffentlichung bringt, sind überreich. Fast von Tag zu Tag begleiten wir an der Hand dxs Briefwechsels das Leben der Königin, Ms Leben Englands, das Leben Europa«. Es
nicht nur bei den öffentlichen Reichskassen, sondern auch gleichzeitig bei den Kaffen aller Bundesstaaten (Steuerkaffen, Forstkaffen usw.) Die Zählung wird von den Einzelstaaten bezw. den Behörden vorgenommen, zu bereit Ressort bte betreffenben Reichs- oder Landeskaffen gehören. Das gesamte Material geht an das Reichsschatzamt, das es für verschiedene Zwecke verwertet, z. B. zur Feststellung des Münzumlaufes, des Bestandes der Reichsbank, wieviel sich im freien Verkehr befindet usw.
Hefsen-Nasfan sind NaMargeblete.
Fritzlar, 19. Okt. Vor einigen Tagen wurde ein Einwohner eines Nachbarortes von einer Wespe gestochen, ohne sich weiter darum zu kümmern. Trotzdem er schon nach einigen Stunden heftige Schmerzen empfand und sogar bet Arm zu schwellen anfing, konnte er sich nicht entschließen, einen Arzt zu Nate zu ziehen. Als der Schmerz immer heftiger wurde, holte man schleunigst einen Arzt herbei, der eine hochgradige Blutvergiftung feststellte.
Allendorf, 20. Okt. Die durch die Versetzung des Herrn Metropolitan Most erledigte hiesige erste Pfarrstelle ist vom 1. November ab dem Pfarrer Dr. Sötte in Friedewald übertragen worden.
Eichenberg, 20. Okt. In unserer Gemarkung machen sich die Wildschweine in unangenehmer Weise bemerkbar. Gespürt sind bis jetzt ein außerordentlich starker Eber und ein Mutterschwein mit 7 jungen Tieren.
Spangenberg, 19. Okt. Der Umbau des alten Schlaffes zwecks Errichtung einer Forstlehrlings- schule ist nunmehr beendet. Vorgestern wurden die Arbeiten durch eine Kommission aus dem Ministerium abgenommen. Am Montag den 21. Oktober wird die Schule feierlich eröffnet werden. Eine Anzahl Schüler der neuen Anstalt ist bereits hier eingetroffen.
Recklinghausen Süd, 19. Okt. Spielende Kinder fanden vorgestern in den Kellerräumen des Friseurs Malkowicz eine mit einer Flüssigkeit gefüllte Flasche. Sie gaben davon dem dreijährigen Kinde der Familie Malkowicz zu trinken. Kaum hatte das Kind einen Sckluck genommen, als es mit einem Schmerzensschrei zusammenbrach. Wie sich herausftellte, enthielt die Flasche Salzsäure. Die angewandten Gegenmittel hatten leider nicht den gewünschten Erfolg. Das Kind ist bald nachher gestorben.
Steinbach-Hallenberg, 19. Okt. Der hier geborene Oberstabsarzt Dr. Koenig hat die hiesige Gemeinde testamentarisch mit einem Kapital bedacht, dessen Zinsen für verschiedene Zwecke Verwendung finden sollen. Der größte Teil der Zinsen soll dazu benutzt werden, unbemittelte junge Leute, die ein Handwerk erlernen wollen, zu unterstützen, weiter soll für arme Schulkinder Schuhwerk beschafft werden und schließlich der etwa noch vorhandene Rest an Zinsen zu Aus- bildungszw ecken für arme Schulkinder ober Fortbildungsschüler Verwendung finden.
versteht sich, daß ein großer Teil des Werkes sich auf die innere englische Politik bezieht; allein es gibt doch kaum ein Land Europas und keine große europäische Angelegenheit, dieser Epoche, auf die durch den Briefwechsel der Königin Victoria nicht neues Licht fiele. Durch die Freundlichkeit der Verlagsbuchhandlung in die Lage versetzt, schon heute Mitteilungen aus diesem Werk bieten zu können, haben wir uns in erster Linie an solche Teile gehalten, die sich auf Deutschland oder auf solche Personen und Angelegenheiten beziehen, die für die deutsche Welt von Interesse sind.
Königin Victoria über englische Pr eßt r eibe reien gegen Deutschland.
Ein höchst interessanter, auch für die Gegenwart sehr lehrreicher Zwischenfall, der die vornehme Gesinnungsweise bet Königin bezeugt, ereignete sich im Jahre 1861. Damals nahm sie Veranlaffung, in einem Briefe an ben Viscount Palmerston die gehässige Haltung der „Times" gegen Deutschlanb auf bas entschiedenste zu tadeln. Sie schrieb an ben Minister:
„Die Königin bat lange mit tiefem Bedauern die fortwährenden Bemühungen; Der „Times" welche die übrige Presse anführt, ze- sAien, alles Deutsche anzugreifen, in ben Schmutz Mr zWen urtb zu beleidigen, besonders alles PreufWe. Diese Zchtuna hat seit Jahren dieselbe schiefe Richtung verfolgt, aber seit der Macdonald-Angelegenheif) jm letzten Jahre hat fif chstep giftigen Ton uHgenonimen de; nicht verfehlen kann, die gtötztc Entrüstung
Kapitän Macdonald wurde nr September IW als Eisenbühnpafsaairr in Bonn vvrk Elsendahnbe- amten aus dem Zuge geholt und inS Gefängnis gkwörfe'n. Der Zwischenfall gab Anlaß Äti längerem divlomatischey Schrisiwechsel, ebenso xtt heftigen All« griffen auf Preußen leitens der »im«. -
Wissenschaft, Knust und Leben.
# „Bruder Studio." lieber die Entstehung dieser landläufigen Bezeichnung für den fidelen Musensohn machen die „Akad. Blätter" folgende Mitteilung: „Als Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, der von den Studenten Jenas noch heute als Hanfried verehrt wird, int Jahre 1552, aus seiner fünfjährigen Gefangenschaft heimkehrte, wurde er von den Bürgern Jenas mit großer Feierlichkeit empfangen. Auch die Studenten hatten sich cingefunben. Mit Wohlgefallen blickte der Kurfürst auf die zahlreiche Schar der jugendlichen Gestalten, welche ja ihm allein die an diesem Orte gewährte Stätte verdankten, und lächelnd äußerte er, als sein Wagen durch die Reihen der neuen Akademiker hinsuhr, zu dem neben ihm sitzenden Lukas Kronach: „Sieh, da ist ja auch Bruder Studium!" Das Wort fand rasch unter Bürgern und Studenten Eingang und wurde von da an ständige Bezeichnung für die Studenten.
Vermischtes.
Die verkannte Inschrift. Ein Bauer aus deren Seite zu fassen; er möche zu dem allg e- dem Mecklenburgischen ist mit seiner Frau auf einige Tage nach Berlin gefahren, um sich die Schönheiten der Kaiserstadt anzusehen. An einem „billigen Sonntag“ wandern sie auch hinaus nach dem Zoologischen Garten. Wie sie zum Raubtierhaus kommen, sagt seine Frau: „Dau, Krischan, bau hängt ’ne Tafel, un dor steiht up: Fütterung um 6 Uhr." — „O", ruft schmunzelnd Krischan, „bat is ja wunberscheun; fifuntrointig Penn Angtree för de Perfon, borför bie hübsche, groote Goren mit all be veelen wilden Dhiehre, un denn giwrot ok noch wat te freeten — süh, bat lat ick mi gefallen!"
Wörtlich befolgt. Mar, der begabteste Crena- bier, war, so erzählt man der „Tgl. Rdsch.", bei Hauptmanns Bursche geworden. Der Herr Oberst war zum Abendessen geladen und Herr
Frankfurt, 19. Okt. Rach Mitteilung des Statistischen Amts ist die Volkszahl für ben Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit bet letzten Volkszählung polizeilich gemelbeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschuffes der Geburten über die Sterbefälle am. 1. Oktober 1907 mit rund 352 000 anzunehmen. — Vorgestern vormittag nach 9 Uhr war der Hof des Straßen- reinigungs-Depots plötzlich vollständig überschwemmt und zwar mit kostbarem Rotwein. Beim Verbringen eines Stückfaffes in einen dort befindlichen Weinkeller brach es auseian- ber. Der edle Rebensaft ergoß sich bann über die Elefantengasse und Vilbelerstratze unb füllte dort bie Gossen. Der Schaden muß ein sehr beträchtlicher sein.
Max, bet Silberbiener, erhält von bet Fr« Hauptmann seine letzte Instruktion: „Also, MaL wenn Sie ben Fisch unb ben Braten herum« reichen, immer bei ber Frau Oberst anfanget^ von links herantreten, bie Schüssel in bie linti Hand, die rechte auf den Rücken gelegt!" „ZU Befehl, gnädige Frau, ich weetz schon!" antwor- tete Max. — Der Abend naht, man setzt sich M Tisch, die Suppe ist glücklich vorbei. Herr Maz erscheint mit der Fotellenschüffel, bie Hausfta« verfolgt ben kriegerischen Ganymed mit besorgten Blicken, Gott sei Dank, er tritt von link« zur Frau Oberst, präsentiert seine Schüssel —> unb — legt mit verbindlichem Grinsen der Fr« Oberst die weitzbehaudschuhte Grenabierprantt auf den atlasbezogenen, rundlichen Rücken! — Armer Max! — am anderen Tage trug er statt ber Bratenschüssel wieder bas Dienstgewehr. ■;
Ein ulkiger Zweikampf würbe kürzlich !s einem Restaurant zu Schönebeck ausgefochten. In das zur Abendzeit ziemlich stark besucht« Lokal trat ein fremder Herr mit einem großen, prachtvollen Neufundländer Hund. Nachdem ba« Tier genügend bewundert war, sagte einer be| anwesenden Gäste: „Ein sehr schönes Tier, aller ich esse doch mehr als es frißt." Hierüber etwas aufgebracht, antwortete bet Besitzer: „Wenn Sie mehr essen, als bet Hund frißt, bezahle ich das Essen unb ebenfalls noch ein Viertel Bier. Andernfalls Sie dasselbe zu bezahlen haben." „Angenommen," spricht ber Gegner. In ganz kurzer Zeit würben zwei gleich große Portionen Braten ohne jegliche Beigaben vom Wirt gebrach^ die eine erhielt ber Hunb, welcher sie schleunigst verschwinden ließ, bie anbere verzehrte bet Wettenbe mit bet größten Seelenruhe. Nachdem beide Portionen verzehrt waren, wiederholte sich dasselbe Manöver. Der Hund ließ sich wieder nicht lange nötigen, ber Partner verzehrte seinen Braten aber bedächtig. Nunmehr sprach ber Weitester: „Herr Wirt, bringen Sie noch ein Stück trocken Brot" unb schnitt dasselbe in zwei große Teile, wovon et bie eine Hälfte verzehrte, bie anbere aber bent Hunde vorwarf, welcher sie wohl beschnupperte, aber keineswegs von feinem Herrn zum Verzehren zu bewegen wat. Darauf großes Gelächter sämtlicher Anwesenden, sodaß ber Hundebesitzet mit füßsaurem Gesicht bie ausgebotene Wette mit klingenber Münze bezahlte unb bas Faß Bier unter manchem Spaßwort von den anwesenden Gästen fet gleich verstaut wurde.
Ein Spatzsnjubiläum. In bet „Allgemeinen Tierschutz-Zeitschrift" (hsrausgegeben vom Tierschutz-Verein für bas Eroßherzogtum Hessen) schreibt A. I, Reslet: Der Spatz, bet Gassenjunge unter ben Vögeln, ist vor 50 Jahren in Amerika eingewandert, nicht aus freien Stückem sondern auf besondere Einladung; et wat auf Vertrag eingeführt worden, um die Insektenplage beseitigen zu helfen. Der englische Sperling war schon einmal, im Jahre 1852, nach den Vereinigten Staaten gebracht worden; cs wate«, acht Pärchen, die aber nicht gediehen. Die zweite Sendung kam Ende des Jahres an, und 50 der Eingeführten ließ man im Newyorker
beim deutschen Volke hervorzubringen unb schrittweise bie Gefühle unseres Volkes Deutschland zu entfremden. Da Lord Palmerston wahrscheinlich keine deutschen Zeitungen liest, auch wohl keine persönlichen Beziehungen mit diesem Lande hat, kann er kaum gewahr sein, wie weit das Unheil schon um sich gegriffen hat, obwohl er mit ber Königin übereinftimmen wirb, daß Nationalhaß zwischen diesen beiden Völkern für beide ein wirkliches politisches Unglück wäre. Die Königin hat oft dis Absicht gehabt, darüber an Lorb Palmerston zu schreiben und ihn zu fragen, ob er nicht im Geists feiner Pflicht der Oeffentlichksit gegenüber handeln würde, wenn er versuchte — wenigstens soweit es in seiner Macht liegt — ben Machern ber .Tstmes" (welche ihre Macht zum Teil bem draußen verbreiteten Glauben verdankt, baß sie mehr ober weniger bie Ansichten ber Regierung vertritt) zu verstehen zu geben, wie großen Schaden sie dadurch den besten Interessen unseres Landes zufügt. Sie hat sich indessen bisher enthalten, dies zu tun, da sie auf eine Aenderung in ihrem Tons hoffte unb meinte, Lord Palmerston werde sich nicht gern auf eine Erörterung mit dem Herausgeber der „Times" einlasten. ‘
Die Königin glaubt, baß Lorb Palmerston bie einzige Person ist, die einigen Einfluß auf Mr. Dekane ausübert kann; unb sollte bet auch nicht groß sein, so wäre es doch wesentlich, daß dieser Herr bas Unheil erkennen lernt, welches sein Tun hervorbringt, ünb die Regierung bas aufrichtig beklagt."
Der bamalige Herausgeber ber „Times", Mr. Dekane, schrieb darauf, nachdem ihm Lorb Palmerston die Bedenken über die Haltung feines Betragens gegen Deutschland mttgeteiit hatte, an den Minister ben folgenden Brief, der durch feinen naiven Hochmut unb seinem Mangel an PeMnbnis gleich kennzeichnend ist. " "
„Mein lieber Lord! Ich werde mich freuen* ben Preußen bie grausamste aller Strafen — guten Rat — eine Weile zu stunden. Ich würde in der Tat nichts derartig Unwillkommenes während der glänzenden Krönungsfeft-' lichkeiten gebracht haben, hätte der König nicht diesen erstaunlichen Anachronismus vom „Göttlichen Recht" geäußert. _ (
Nehmen Sie, bitte, zur Abschwächung meine# beleidigenden Verhaltens zur Kenntnis, daß ich einen wahrheitsliebenden Berichterstatter nach Königsberg gesandt hatte, der all den Glanz' im schicklichen unb ehrerbietigen Geiste beschrieben hat unb getan hat, was ein Mensch tun kann, um solche Feierlichkeiten verständlich unb ben Bericht barüber für diejenigen nicht zw langweilig zu machen, welche so wenig an „Göttliches Recht" glauben, wie Ew. Lordschafl ganz getreuer Diener John I. Delane." I
Den Abschluß dieses Zwischenfalles macht ein Brief Lord Palmerstons an bie Königin, worin, er klipp unb klar ausspricht, man müsse die eng« lischen Zeitungen ausschließlich als Geschäftsunternehmungen ansehen; ;sie machten sich nur, burch bie Annoncen bezahlt; um Annoncen zu; bekommen, müßten sie bas Publikum vor allem interessieren. „Unb da die Leute, wie sie ein* , mal sind, mehr Vergnügen daran finden, Kri-s täten unb Aufdecken von Fehlern zu lesen, als; Lobeserhebungen, weil es der persönlichen; Eitelkeit fp schmeichelt unb sie sich einbilben läßt, । daß der Leser klüger geworden sei, als die-' ienigen, über die et liest, so kritisiert bie „Times", um ihre Verbreitung aufrecht zu erhalten, jede und jedes, besonders Ereignisse unb Pdr-j ^ten unb Regierungen braußen, weil solche, tischen Bemerkungen zuhause weniger Feind-; schäft erregen als heftige Angriffe der Sßgt»; tetertjunb^ Personen in unserem Laude,"