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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai» - Sormtaasbeilaae: AArrkrirteS E-mrrlMßMatt. **

JE 248

Vierteljährlicher Bezugspreis: der ver ExPÄiition 2 SRI, Lei allen Postämtern 2,25 M. (.ejcu Bestellgeld).

AnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle Jbtr deren Rrum 15 Pfg.

Reclamcn: die Zcllc SO Psg.

Marburg

Dienstag. 22. Oktober 1907.

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Erscheint wöchentlich neben mal.

Druck imd Verlag' Jsh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckern Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Marburg und Umgrgend. .

((Nachdruck eiller Ortgnralartrket tst gemäß § 15 del Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe

gs r »Lbecheff. Zrg.' gestattet)

l Mardnrg, 21. Oktbr.

I * FDe.s.eservisten. Alle Reservisten, die jetzt Dom SRilitüt entlassen worden sind, seien darauf Aufmerksam gemacht, daß das Jnvalidenversiche- Pungsgesetz ihnen eine wesentliche Vergünstig­ung bietet. Jeder vom Militär Entlassene ist Dämlich berechtigt, seine militö X Dienstzeit in seine Quittungskarts für die _ walidenver- ficherung eintragen zu lassen. Diese Zeit wird ihm^nn später bei Gewährung einer Rente als Beitragszeit voll angrrchnet. Den Reservisten sei daher geraten, von dieser Vergünstigung Ge­brauch zu machen, indem sie unter Vorzeigung ihres Militärpasses dis Anrechnung ihrer Dienst- tzeit bei den zuständigen Krankenkassen bean­tragen.

* Dürfen Geschäftsreisende dritter Klasse fahren «nb zweite berechnen? Diese Frage hat kürzlich das Kaufmannsgericht in Halle a. S. in bejahendem Sinne gelöst. Dem Reisenden, der vutzer Gehalt und Spesen den Fahrpreis zweiter Klasse vergütet erhält, darf es nach Ansicht des Gerichts nicht erwehrt seinErsparnisse" zu machen, indem er dritter Klaffe fährt. Auch ist damit, eben weil die' Absicht des Sparens zu recht anerkannt wird, dadurch kein Entlaffungs- tzrund gegeben.

* Eine Viehzählung soll am 2. Dezember 1907 stattfinden. Diese Zählungen sollten zunächst jrur alle fünf Jahre vorgenommen werden und zwar abwechselnd eine große und eine kleine. Aber mit Rücksicht auf die bedeutenden Jnter- effen, welche mit der richtigen Beurteilung der Entwickelung unseres Viehstandes und unserer Fleischversorgung verknüpft sind, soll diesmal wiederum eine große Viehzählung stattfinden.

* Hessenland. Der Inhalt der Nummer 20 desHessenland" ist folgender: Dr. Karl Schwarzkopf f. Apell, F. v., Generalmajor z. D. Die Inbesitznahme der Festung Rheinfels durch Landgraf Karl von Heffen-Caffel im Jahre 1702 (Fortsetzung). Müller, E. A., Sehnsucht '(Gedicht). Siebert, Karl, Dr. med. et phil. Das Hanauerland in Baden (Fortsetzung). Faubel, Louise. Der tolle Musikant (Erzäh­lung) (Schluß). Aus alter und neuer Zeit. Aus Heimat und Fremde. Personalien.

b. -----

f Biedenkopf, 19. Oki. Gestern Mittag ex­plodierte lautHinter!. Anz." in der Küche des Lehrers Merkel dahier der Herd, der total zer­trümmert wurde. Glücklicherweise befand sich niemand in der Küche, sonst wäre ein großes Unglück unausbleiblich gewesen, denn dis schweren Eisenteile des Herdes waren in alle Teile des Raumes geflogen. Was die Ursache der Explosion war, konnte nicht ermittelt wer­den, wird auch wohl unentdeckt bleiben, sehr nahe aber liegt die Vermutung, das; die Kohlen irgend einen explosiven Körper enthalten haben.

Hessen-Nassau und NachHargeLrett.

' Gießen, 19. Oft. Die Wählerliste zur Stadt- nerordnetenwahl ist jetzt aufgestellt, um zum Druck gegeben und veröffentlicht zu werden. Gestern Nacht brannten im Dorfe Steinoach zwei Scheunen ab. Es ist dies das fünfte Eroß- feucr in Steinbach in diesem Jahre. Allge­mein ist man der Ansicht, daß Brandstiftung vorliegt. Die hiesige Staatsanwaltschaft nimmt bereits Erhebungen vor.

Gießen, 19. Ott. Der Hausbssitzerverein hat beim Ministerium gegen die von den Stadtver­ordneten einstimmig genehmigteKanalgebühren- ordnung Beschwerde erhoben. Dem Vernehmen nach wünschen die Hausbesitzer die Last auf die Steuern aufzuschlagen, was einen Zuschlag von 35 Prozent bedeutet. Würde dem stattgegeben, so würde Gießen unter den hessischen Städten die höchsten Steuerzuschläge haben.

Wetzlar, 19. Oft. Ein Fuhrwerk der Firma M. Thalberg u. Co. geriet beim Rückwärts­fahren in die Lahn. Die wertvollen Pferde wurden lautWetzl. Anz." mitgeriffen und er- Iranren.

Frankfurt, 18. Oft Eine junge Modistin ^9 >ug vorgestern abend die Unvorsichtigkeit, in der Nahe eines brennenden Gasherdes eine Pe­troleumlampe zu füllen. Plötzlich explodierte die -ampe rnrd das Mädchen stand in Hellen Flammen. Gin tm Haufe anwesender junger -Mann eilte auf das Hilfegeschrei herbei und Hatte die Geistesgegenwart, mit seinem Rock die "Flammen zu ersticken. Die Rettungswache stellte

erhebliche Brandwunden im Gesicht, am Halse und an den Händen fest.

Herdorf, 19. Ott. Aus dem Eisenbahnwagen winkte ein hiesiger Gastwirt während der Fahrt einem Bekannten mit der Hand zu. Im selben Augenblick fuhr eine Lokomotive vorbei, die ihm die Hand teilweise zerschmetterte.

Darmstadt, 19. Ott. lieber die Aufnahme von russischen Staatsangehörigen an der hie­sigen Technischen Hochschule hat das Großherzog­liche Ministerium des Innern neuerdings er­schwerende Bestimmungen erlaffen, die geeignet sind, den Zuzug russischer Studenten nach Darmstadt zu unterbinden. Rach diesem neuen Erlaß können nämlich vom Wintersemester 1907/08 ab nur solche Ruffen an der hiesigen Technischen Hochschule als ordentliche Studie­rende ausgenommen und zu den Diplomprü­fungen zugelaffen werden, die das Maturitäts­zeugnis eines russischen Gymnasiums besitzen und außerdem den Nachweis erbringen, daß sie bereits an einer russischen Technischen Hochschule immatrikuliert waren. Diese Zusatzbestimmung wird von den meisten deutschen Technischen Hochschulen. Aber nicht allein für die russischen Gymnasial-Abiturienten, son­dern auch für die Absolventen von siebenklassigen Realschulen, den eigentlichen Vorbcreitungsschulcn für das technische Stu­dium, sind erschwerende Bestimmungen ge­troffen. Diese Realschulabsolventen, die eben­falls in Rußland zum Hochschulstudium berech­tigt sind, sollen von jetzt ab nur als außerordent- "lich Studierende zugelaffen werden. Für die Studierenden des Maschinenbaues und der Elek­trotechnik wird außerdem noch eine mindestens einjährige praktische Tätigkeit gefordert. Dis Zulassung zur Diplomprüfung ist den Realschul­absolventen versagt; sie sind auf die Ablegung einer Fachprüfung angewiesen, durch die aber kein akademischer Grad erworben werden kann. Schließlich können Ruffen als Hospitanten überhaupt nicht in der hiesigen Hochschule eintreten. Die Folge der neuen Maßnahme wird sein, daß keine Ruffen mehr hierherkommen, und es werden auch viele der seit mehreren Semestern hier ein­geschriebenen Russen Darmstadt verlaffen und an andere Technische Hochschulen, die ihnen günstigere Bedingungen bieten, übersiedeln. Diese Mitteilungen derFrankfurter Zeitung", die natürlich mit dem Zurückdrängen des Aus­ländertums auf unseren Hochschulen nicht ein­verstanden ist, werden in weiten Kreisen mit Genugtuung begrüßt werden.

Hochsämlnackrickten.

X B e r l in. Der Direktor des Kgl. Kupfcr- stichkabinetts in Berlin, Geh. Negierungsrat Prof. Dr. Max Lehr hat dem Vernehmen nach einen Ruf als Direktor des Kupferstichkabinetts in Dresden erhalten und angenommen.

X Straßburg. Der kürzlich in den Ruhe­stand getretene o. Professor der Archäologie an der Universität Straßburg, Dr. phil. Adolf Michaelis, beging am 20. d. M. das 50jährige Doktorjubiläum.

X B e r l i n. In der medzinischen Fakultät promovierte die Russin Fräulein Jtzina Fruma mit der Arbeit:Zur chirurgischen Behandlung der Basedowschen Krankheit."

X Berufungen. Profcffor Dr. Paul Schwarz, Extraordinarius für orientalische Sprachen an der Leipziger Universität, der in den Sudienjahren 19051907 als Lektor des Arabischen am Seminar für Orientalische Spra­chen der Berliner Universität tätig war, kehrt mit Beginn dieses Wintersemesters nach Leipzig zurück. An seine Stelle als Lehrer des Ara­bischen am Orientalischen Seminar wurde der Privatdozent an der Universität Halle Dr. phil. Georg Kampffmryer berufen. Dr. Kampffmeyer, ein geborener Berliner (1864), erhielt seine Ausbildung in Bern, Lausanne, Florenz und Berlin. Er habilitierte sich Ostern 1900 an der Universität M a r b u rg für das Fach der semi- ischen Sprachen. Michaelis 1901 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Halle über.

Wissenschaft, Kunst und Leben.

# Vogel-Dialekte. Das Vogellied, deffen Schönheit und Reichhqltigkeit sehr häufig mit dem Standorte des Tieres zusammenhängt, ist immer ein Minnegesang,' denn es spielt bei der Werbung und Paarung, beim Liebesstreit und bei der Abgrenzung der Brutreviere eine große Rolle. Der Gesang lockt da? Weibchen an, und niemand außer ihm ist zur Kritik am Liede be­rufen. Der Gesang des Vogelmännchens aber steigt und fällt mit seinem Eesellschäftsleben! Die Nachtigallenmännchen, die im Frühling an­kommen, singen fast die ganze Nacht, um die später eintresfenden Weibchen auf ihren Rajrort

aufmerksam zu machen, und auch während der Brutzeit verstummt der Gesang des Vogel­männchens nicht. Die Beobachtung hat, wie F. v. Lucanus in denOrnithologischen Monats­blättern" schreibt, gezeigt, daß das zahlenmäßige Verhältnis der Männchen und Weibchen zu einander auf die Gesangsleistung einen großen Einfluß hat. Sind mehr Weibchen einer Art in einer Gegend vorhanden, so ist der Gesang der Männchen schlechter, weil sie sich bei der Braut­werbung nicht so viel Mühe mit dem Gesang zu geben brauchen. Ferner ist die Häufigkeit einer Vogelart für einen guten Gesang be­stimmend. Aus diesem Grunde sind dir Sing­vögel in der Nähe großer Städte schlechte Sänger, denn sie finden nur wenig Nistgelegen- fjeit und Raum zu geselliger Ausbreitung. Das beste Lied erschallt in Wald und Flur, nament­lich aber im Gebirge, wo die Vogelwelt sich un­gestört ausbreiten darf. Der Gesang des Vo­gels trägt immer das Gepräge der Gegend, wo er nistet. Jedes Tal, jede Waldwiese und jedes Berggelände bat ein besonderes Likd. Bei einigen Vsaelarten sind auch gewiffs Dialekte zu unterscheiden, z. B. beim Rotkehlchen, die sämtlich eine große Eesangsmeisterichaft ver­raten. Je modulationsfähiger eine Vogelstimme ist, um so zahlreicher sind die Dialekte. Ihre Er­forschung hat einen wissenschaftlichen Wert; denn sie sind ein Beleg dafür, daß die Vögel immer wieder an ihre alten Brutstätten zurück- kehren. Jede Gegend besitzt demnach ihre ganz bestimmte Vogelraffe, deren Gesangsleistung durch die Anzahl der nistenden Vögel, durch die Häufigkeit der einzelnen Arten und durch Un­terweisung im Gesang bedingt wird. Der Un­terricht durch Eltern und Eenoffen ist für die Erhaltung der örtlichen Dialekte durchaus wich­tig; denn die Erfahrung lehrt, daß Vögel, die von Menschen aufgezogen wurden, im Gesänge Stümper blieben und später allerlei Töne und Geräuschs aus ihrer Umgebung nachzuahmen versuchten. Das Lied ist dem Bogel also nicht angeboren, sondern es muß erlernt werden. Deshalb sind die Gesangsstunden, die von den alten Vögeln den Jungen erteilt werden, für die Bildung der Dialekts maßgebend.

BermüchteS.

Hochzeitsgeschenke verbeten? Aus London, wird geschrieben: Unter den großen Veränder­ungen, die die letzte Londoner Saison herbei zu führen berufen war, gehört, wie cs scheint, auch das Verschwinden der in den letzten Jahren so sehr ausgcarteten

Sitte, Hochzeitsgeschenke zu geben. In den Verlobungsanzeigen der fashionablen Zeitun­gen findet man immer mehr und mehr die An­kündigung, daß einem besonderen Wunsch beider Teile zufolge alle Hochzeitsgeschenke verbeten werden, und es ist sicher, daß, wenn dieses gute Beispiel weiter Nachahmung findet, in kurzer Frist die gräßliche Tyrannei der Hochzcitsge- schenke aufgehört haben wird zu existieren. Ee- wiffe Westendgeschäfte werden allerdings bitter darunter zu leiden haben; denn es haben sich letzthin mehrere etabliert, die so gut wie aus­schließlich von dem Verkauf derartiger Ge­schenke bestanden. Es war nachgerade Pflicht ge­worden, jeder Braut oder jedem Bräutigam, selbst wenn man sie nur oberflächlich kannte, Hochzeitsgeschenke zu machen; diese wurden von Jahr zu Jahr kostspieliger, sodaß selbst wohlha­bende Leute die Last schwer empfanden und andere, weniger glückliche Familienväter direkt dadurch ruiniert wurden. Dann war die noch unglaublichere Sitte aufgekommen, in den großen Zeitungen, wie in derTimes" und der Morning Post" die Listen der Geber und ihrer Geschenke zu veröffentlichen und die letzteren am Hochzeitstage auszustellen, was natürlich dis Leute noch mehr veranlaßte, über ihre Verhält- niffe zu gehen. Andererseits pflegen Eltern häufig damit zu rechnen, daß ihre Töchter auf diese Weise eine billige Aussteuer bekamen; denn nachgerade konnte man annehmen, unter den Hochzeitsgeschenken so ziemlich alles zu fin­den, was man zur Einrichtung nach der Hochzeit brauchte. Und da es natürlich häufig vorkam, daß man mehrmals dieselbe Sache bekam, so wurde es sogar Mode, daß Mütter, wenn sie ihren Bekannten die Verlobung ihrer Tochter anzeigien, denselben mitteilten, daß sie dieses oder jenes bereits besitze, daß ihr aber zum Beispiel ein paar Ohrringe fehlten und so weiter. So unglaublich das klingt, so ist es nichtsdestoweniger wahr. Dann gibt cs im West- end besondere Geschäfte, die sich ausschließlich damit beschäftigen, Hochzeitsgeschenke aufzukau- . fen oder auszutauschen, und ein großer Teil der Gaben pflegte in vielen Fällen gleich nach der Hochzeit dorthin zu wandern. Daß in vielen Fällen Einladungen zu Hochzeiten nur ergehen, damit die Eingeladenen ein Geschenk schicken, ist selbstverständlich; man kann es daher nur /mit Freuden begrüßen, wenn diesem nicht gerade sehr würdigen Treiben in den englischen Ge­

sellschaftskreisen auf die eine oder andere Art ein Ende gemacht wird.

Gin Räuberstückchen. Langender-, Rheinl., 19. Oft. In der Nähe des Birmarck» turmes auf der Hardt liegt ein einsames Bauerngehöft. In voriger Woche tauchten daselbst nachts vermummte Kerle im Hause auf, nachdem sie zuerst sämtliche Fensterscheiben ein- geworfen hatten. Die Bewohner waren in der ersten Angst vor den eindringenden Banditen geflohen, nur der Knecht war zurückgeblieben/ Tie Räuber setzten ihm den Revolver auf die Brust und zwangen ihn. den Ort anzugeben, w» das Geld und die Wertsachen aufbepwahrt wur­den. Sie erbrachen dann noch einen Koffer, im dem der Knecht seine Ersparniffe liegen batte. Nachdem sie auch dieses Geld 32 Mark an sich genommen hatten, entfernten sie sich, ohne erkannt worden zu sein.

Die falsche Bombe. Wird da irgendwo in der Schweiz eine Brücke gebaut. Der leitende In­genieur will sich von der Festigkeit der Zement­mauer überzeugen, läßt ein Stück abschlagey und zur Sicherheit gegen Vertauschen in einen Sack fest verschnüren und durch einen Arbeiter zum Rathaus tragen. Der Arbeiter legt den Sack einfach hinter die Raibaustiir. Etwas später entdeckt der Weibel das eigentümliche Gepäckstück, und da wir, sagte dieNeue Züricher Zeitung", der wir diese Geschichte entnehmen, nun einmal im Zeitalter der Bomben leben, steigt in dem Wächter der öffentlichen Ordnung schwerer Verdacht auf. Er läßt das Ding liegen, eilt in die Gerichtskanzlei und gibt Kunde von seiner Entdeckung. Der Herr Gerichtsschreiber wittert ebenfalls Unrat, der Sack wird von allen Seiten betrachtet, und da man Angst hat, er könne losgehen, wenn man ihn aufmache, wird verfügt: Der unheimliche Fund ist sorg­fältig aufzuheöen und unverweilt draußen im See zu versenken. Der Befehl wurde sofort mit aller Sorgsamkeit ausgeführt, und wie der un­heimlich beschwerte Sack von unten - aus des Sees Tiefe sich wiederspiegelte, atmete man im Rathaus erleichtert auf. Am Abend trifft der Herr Kantsnsingenieur auf feinem Bureau ein und sucht vergeblich nach seinem Sack mit dem Zementstück, um es nach Zürich an die eidge­nössische Probeanstalt abzuliefern. Der Arbei­ter wird verhört, und die Bombengeschichte kommt unter homerischem Gelächter an den Tag. Am letzten Sonntag noch ruhte der verhängnis­volle Sack am Ufer des Zugersees auf stillem Grunde.

Dis Gefahren derWolkenkratzer". Die zu­nehmende Zahl der riesigen Wolkenkratzer im Geschäftsviertel der unteren Stadt von Newyork birgt namentlich bei einer Feuersbrunst ganz außerordentlich große Gefahren, über dis man bisher leicht hinweggegangen ist. Besonders sind es die FeuerBersicherungsgesellschaften, die diesen Ausbau in die Höhe anstatt in die Breite mit immer größerem Bedenken verfolgen. Eg machen sich immer mehr Stimmen geltend, die eine Beschränkung in der Höhe dieser allerdings sehr praktischen Gebäude befürworten. Eine Grenze in der Höhe ist kaum mehr abzusehen. Noch ist der Turm des neuen Singer-Gebäudes auf dem Broadway, der -11 Stockwerke hoch sein wird, nicht vollendet, und schon läßt die Metro­politan - Lebensversicherungs - Gesellschaft dis Grundgemäuer zu einem anderen mit 46 Stock­werken in Angriff nehmen, und eine große Bank plant bereits ein, 55stöckiges Gebäude! Ange­sichts dieser wahnwitzigenHochbauten machen »ich nach denMünch. N. N." in den Sitzungen des Ausschuffes zur Prüfung der Dauverordnungen allerlei gewichtige Zweifel geltend, denen na­mentlich George W. Babb, der Vorsitzende der Vereinigung der Feuerversicheruno.sgesellschaf- ten, Ausdruck gab. Er schildert die gewaltige Gefahr, die der Brand eines solchen Wolken­kratzers mit sich bringen müffe. Die vereinigten Feuerwehren der Welt wären einem solchen Nie- senbrande gegenüber machtlos. Ein Brand im Hauptgeschäftsviertel Newports könne leicht un­geheuere Ausdehnung annehmen und Schaden von unzähligen Millionen anstiften, demgegen­über die Newyorker Feuerversicherungs-Gesell-; schäften, deren Gesamt-Hilfsquellen nicht mehr als 300 000 000 Dollar betragen, nur ein Fünf­tel bis ein Viertel der Versicherung bezahlen' könnten. (T. R.)

Ein Volk von Gastwirten. Die Wohlhaben­heit des Schweizer Volkes ist in den letzten 53 Jahren bedeutend gestiegen. Während das' Volksvermögen im Jahre 1850 auf acht Milli-s arbeit -tt geschätzt wurde, beträgt es heute gegen' vierzehn Milliarden, hat sich also um 75 v. HZ vermehrt. Der Staatsbesitz ist damit noch nicht' einmal einbegriffen. Bemerkenswert ist, daß! zwei Fünftel des gesamten Volksvermögens sich in den Händen der Schweizer Gastwirte befin-' det, die wie keine anderen cs verstanden haben,' aus ihrem Gewerbe ein Geschäft zu machen.- Ihr jährliches Einkommen schätzt das statistische: Bundesamt auf hundertzrvanzig Millionen die von bett Reiselustigen der ganzen Welt in' jedem Jahre in Tests Heimat Getragen »uden»j