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Vierteljährlicher Bezugspreis; der oet Expedition 2 bei allen Postämtem 2,25 M. i.excl. Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag, 20. Oktober 1907.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck und Verlag: Ioh. Lug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.^
Zweites Blatt.
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Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
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- Rückblick.
ÄWteigung zu politischen Tüfteleien hat in VNiert faxten Wochen die Herolde des Freisinns zu schier uferlosen Erörterungen des dankbaren Themas der Blockpolitik begeistert, also daß selbst einem Führer des weiblichen Freisinns, Herrn Pachnicke, des Salbaderns zuviel wurde Und ihn die Sehnsucht nach der Praxis be- tchlich, die ja in wenigen Wochen den theoretischen Betrachtungen ein Ende machen wird. Zwar die Polemik über die strittigen Fragen •et Blockpolitik war merklich gemildert worden »urch die Unterredungen, welche der Reichskanzler in Norderney mit Len Führern der Block- E'arteten gepflogen hatte, dafür aber war eben n linksliberalen Kreisen ein solcher Wirrwarr )er Meinungen entstanden, daß es fast den Anschein gewann, als ob die freisinnigen Theoretiker ihre zustimmenden Erklärungen zur Blockpolitik des Kanzlers vom Dezember vorigen Jahres aus dem Gedächtnis verloren hätten. Immer und immer wieder kommt bei den Links- nberalen aller Schattierungen jener Radikalis- »nus zum Vorschein, der trotzig die weitgehendsten Forderungen stellt, um für den Fall von deren Ablehnung die Obstruktion anzudrohen. Wie so oft schon in früheren Zeiten beweist durch ein solches Verhalten Freisinn seine Unfähigkeit zu wirklich ersprießlicher Mitarbeit. Die Herren vom Freisinn vergessen eben in diner (angesichts ihres stark gelichteten Besitzstandes) merkwürdigen Selbstüberschätzung ganz und gar, daß sie, nachdem sie sich einmal als Anhänger der Blockpolitik des Fürsten Bülow erklärt hatten, auch die moralische Pflicht haben, tiefe Blockpolitik zu stützen, zum mindesten aber alles zu vermeiden, wodurch das Unternehmen gefährdet werden könnte. Diese Gefahr aber wäre bei Geltendmachung extremer Forderungen des Freisinns in hohem Maße vorhanden,' denn schließlich kann es den andern Gliedern des Blocks, zumal den Konservativen, denen das Zusammengehen mit den „Herren vom graden und vom krummen Horn" doch gerade kein Vergnü- jgen bedeutet, nicht verdacht werden, wenn ste gegenüber freisinniger Anmaßung ihre politischen Grundsätze schärfer betonen würden. Im Grunde ist es ja das altbekannte Spiel des ^Freisinns, das hier wiederholt werden soll, der imit Recht so beliebte (!) „Kuhhandel". Was sie -nicht durch Gewicht ihrer — meist negativen — Gründe und Zahl ihrer Stimmen durchzusetzen -vermögen, das streben sie eben durch taktische Maßnahmen zu erreichen, indem sie sich durch die erschreckliche Androhung ihres Rücktrittes von der Koalition in Respekt zu setzen suchen. Dabei vergessen aber die lieben Freunde von der „blaßroten Couleur" einmal, daß öfters wiederholte Drohungen ihren Eindruck verlieren, zum andern aber, daß es ganz sicher zu ihrem eigenen Schaden sein würde, wenn sie die Drohung wahr machen wollten. Eine „glänzende Vereinsamung" des Freisinns nämlich dürfte aller Voraussicht nach die Folge haben, daß die bürgerliche Linke noch mehr nach links getrieben würde, als ihr selbst lieb wäre; denn das könnte ja nur den „Sozis" zum Vorteil gereichen. Die Praxis der Reichstagsverhand- lungen wird lehren,' ob die Freisinnigen, sich .rechtzeitig dieser Gefahr bewußt werden. Schon Hetzt fehlt es ja nicht an Anzeichen dafür, daß ln den Gruppen des Freisinns hier und da die Erkenntnis aufdämmert, wie gefährlich eine Politik ist, welche immer nur nebelhaften Idealen nachjagt und dabei den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verliert.
Daß der Pfad der Politik für heißblütige Schwärmer mit Dornen besät ist, zumal, wenn sich einer beim Beschreiten desselben wider die Rechtsordnung verfehlt, hat bekanntlich jüngst Herr -rebknecht junior erfahren, der wegenHoch- verratsoerbrechens nunmehr Muße hat, in der Festung Elatz philosophischen Gedanken darüber nachzuhängen, daß Vorsicht die Mutter der Weisheit ist und daß iy2 Jahre Freiheitsentziehung eine ärgerliche Unterbrechung einer gutgehenden Rechtsanwaltspraxis bedeuten. Rach >en Auslassungen des „Vorwärts" vor der Urteilsfällung zu schließen hatte Herr Liebknecht gehofft, durch rabulistifche Dialektik den Maschen
des Gesetzes zu entschlüpfen, jedennoch alle Winkelzüge haben ihm nichts geholfen, Leipzig hat gesprochen und Liebknecht ist für ein Weilchen von den „Genossen" getrennt. Als ein „Märtyrer des sozialdemokratischen Gedankens" mag er ja wohl ein Weilchen von den „ganz Entschiedenen" im roten Lager bewundert werden, weil er den traurigen Mut gehabt, zum Hochverrate aufzuhetzen, allein im Herzen wird er den Stachel der Beschämung tragen, daß der „Obergenosse" Bebel ihn durch seine Zeugenaussage öffentlich blamiert und seine Tat als einen ungeschickten Streich hingestellt hat, der auch von Seiten der Partei gemißbilligt werden müsse. Diese Kritik aber soll Herrn Bebel nicht etwa zum Verdienst angerechnet werden; den» für sein Verhalten war nicht etwa beleidigtes Rechtsgefühl über Liebknechts schweres Vergehen, sondern lediglich Parteitaktik, d. h. die Sorge maßgebend, daß ihm der übereifrige „Genosse" das Konzept verderben könne, insofern die ungeschminkte Aufforderung jpim Hochverrate doch vielleicht manchen Mitläufer aufstützig machen und der Partei Schaden bringen dürfte. So wäre also Liebknecht jun. doppelt herein- gefallen, und doch kann er noch sehr froh sein, daß sein häßliches Verschulden aus rein formalen Gründen nicht noch schärfer geahndet worden ist. Wie so manch' anderer von Partci- wegen gerüffelte Genosse also wird auch Herr Liebknecht in seinem unfreiwilligen Tuskulum darüber Nachdenken können, was es mit der persönlichen Freiheit im Reiche Bebels auf sich hat. Diese Erkenntnis mag auch den beiden sozialdemokratischen Mitgliedern der badischen Kammer Kolb und Frank aufgegangen sein, die es gewagt haben, dem verewigten Croßherzoge das Geleit zur letzten Ruhe zu gehen.. Der rote Diktator hat ihnen bereits fein höchstes Mißfallen zum Ausdruck gebracht. Laut donnert er. im „Vorwärts" die beiden „Genossen" an, da er in ixten Teilnahme an der Trauerfeier „eine grobe Verletzung der Würde und des Taktes" erblickt, die beide „ihrer Stellung in der Partei schuldeten". Diese herbe Kritik des „Allgewaltigen" sieht einem Hinauswerfen der beiden „Verbrecher" sehr ähnlich. Hoffentlich öffnet er recht vielen freiwilligen und unfreiwilligen Mitläufern die Augen darüber, wessen sie sich seitens der roten Machthaber zu versehen haben.
Die von naiven Friedensschwärmern und -Freunden des Abrüstungsvorschlags so freudig begrüßte Haager Konferenz hat bereits zum zweiten Male getagt, ohne Ergebnisse zu Tage-gefördert zu haben, durch welche man auch nur. einen Schritt dem Weltfriedensgedanken näher gekommen wäre. Das war auch das Urteil eines englichen Staatsmannes des Earl of Crewe, des Lordpräsidenten des Geheimen Rats, der in einer zu Shaffield gehaltenen Rede sein Bedauern darüber aussprach, daß die. Friedenskonferenz kein besseres Resultat ergeben, daß sie sich vielmehr ganz und gar in theoretische Erörterungen verloren habe. Um aber gerecht zu sein, muß man immerhin anerkennen, daß aus der ungeheuren Fülle des Stoffes, der während der vier monatelangen Tagung der zweiten Friedenskonferenz. zu Tage gefördert wurde, doch auch einige Beschlüsse zu verzeichnen sind, die ■ vielleicht praktische Bedeutung gewinnen können. Erfreulich hierbei ist der Umstand, daß das einzige positive Ergebnis großen Stiles, das die Konferenz zu erweisen vermochte, die Schaffung eines dauernden internationalen Prisengerichts auf Anregung des deutschen Reiches beschlossen worden ist, wie überhaupt bei dem zweiten Haager Palaver Deutschland aus seiner früheren Zurückhaltung hervortretend, vielfach die Führung der Verhandlungen übernahm.
Als eine beachtliche Leistung her Konferenz muß auch die Ausdehnung der Genfer Konvention auf den Seekrieg bezeichnet werden. Zeitgemäß ist zweifellos auch dick Konvention über die Rechte und Pflichten der Neutralen, die allerdings noch nicht zum Abschlüsse gekommen ist, da drei Großmächte: die Union, England und Japan sich dagegen erklärt haben und auch das deutsche Reich gegen zwei der wichtigsten Bestimmungen dieser Konvention Einspruch erhoben hat. Wesentlich verbessert worden ist auf deutschen Antrag dir noch von 1899 stammende Konvention betr. die Gebräuche des Landkrieges fteilich unter protestierendem Vorbehalt Englands.
Aus alledem läßt sich erkennen, daß die Haager Konferenz je mehr sie sich von den rein theoretischen Erörterungen abkehrt und ihre Arbeit in den Dienst der praktischen Humani- tätsbestreüungen stellt, tatsächlich Bedeutung für die gesamte Menschheit gewinnen kantt.^., A
Deutsches Reich.
— Die Einsegnung des Prinzen Joachim von Preußen. Berlin, 19. Ott. Heute Vormittag 11 Uhr fand in der Kapelle des Königlichen Schlosses die Einsegnung des Prinzen Joachim von Preußen statt, der zwischen dem Kaiser und der Kaiserin die Kapelle betrat. Der Kronprinz führte die Herzogin Wer« von Württemberg, Prinz Eitel Friedrich die Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Friedrich Leopold die Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz Adalbert die Prinzessin FriÄrich Karl von Hessen, Prinz August Wilhelm seine Braut, die Prin'essin Alexandra Viktoria von H<ftstein- Glücksbutg, der Erzherzog von Mecklenburg- Strelitz die Prinzessin Margarethe von Preußen. Prinz Joachim nahm unmittelbar dem Altar gegenüber Platz; hinter ihm saßen der Kaiser und die Kaiserin, neben und hinter den Majestäten die Fürstlichkeiten. Oberhofpredi- ger D. Dryander sprach übet das Wort der Schrift: „Denn alles, was von Gott geboten ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." Et erinnerte an Kaiser Wilhelm den Großen, an den verstorbenen Eroßherzog von Baden, an Kaiser Friedrich. Nach neuem Gesang des Domchors verlas der Prinz; vor die Stufen des Altars tretend, das von ihm verfaßte Glaubensbekenntnis, das er an Psalm 143 Vers 10 anknüpfte. Es folgte dann die Einsegnung durch den Oberhofprediger, die der Prinz vor dem Altar kniend empfing. Gebet, Vaterunser, Segen und Chorgesang schlossen die Feiet. Die Geladenen verließen nun die Kapelle. Nut die kaiserliche Familie blieb zurück und nahm das heilige Abendmahl,
— Der Bundesrat hat die Brennsteuerver- giitüng für denaturierten oder ausgeführten Branntwein von 8 auf 6 M für den Hektoliter . r. A. herabgesetzt.
— Offiziöse Feststellung. Berlin, 18. Ott. Die' „Rordd. Allg. Ztg." stellt irrtümlichen Annahmen gegenüber fest, daß der an den Kaiser gerichtete Huldigungsgruß des 10. Allgemeinen Vertretertages der nationalliberalen Partei bereits am 7. Oktober auf Allerhöchsten Befehl aus dem Geh. Zivilkabinett beantwortet worden ist.
— 70. Eeburstag eines konservativen Parlamentariers. Der Quästor des preußischen Abgeordnetenhauses, Abgeordneter Wilhelm Adolf Henning, vollendete am Donnerstag fein 70. Lebensjahr. Henning, der auch dem Reichstag als Mitglied der konservativen Fraktion angehört, entfaltete, wie die Kreuzzeitung mitteilt, und wie anderseits bestätigt wird, rege Tätigkeit und erwies sich als umsichtiges und hervorragendes Mitglied im Plenum und in den Komissionen. Da er aus dem Vaterhause künstlerische Neigungen besaß, so trat er namentlich in ästhetischen Fragen als Sachverständiger hervor. Früher Rittergutsbesißer, ist er noch heute Mftglied des Vorstandes der landwirtschaftlichen Provinzialgenossenschaftskasse und daneben in verschiedenen Vereinigungen der in- nern Mission tätig. Seit 1894 wohnt er als Rentner in Berlin.
— Einweihung der Königin Luisen-Brücke. Tilsit, 18. Okt. Die mit einem Kostenaufwande von etwa 2 Millionen Mark unweit der Stelle, wo 1807 der Tisiter Friede geschlossen wuide, neu erbaute Königin Luise- Brücke wurde heute mittag dem öffentlichen Verkehr übergeben. Zu dem feierlichen Atte war Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen als Vertreter des Kaisers erschienen. Ferner roar n anwesend der Minister der öffentlichen Ark.lten Breitenbach, Unterstaatssekretär Dr. Frhr. Coels von der Brügghen, Oberpräsident von Wind- Heim, andere hohe Staatsbeamte und zahlreiche Ehrengäste. Nach der Eröffnungsrede des Bauleiters, Wasserbauinfpektor Dieckmann, hielt Minister Breitenbach eine Ansprache, worin er auf die Bedeutung der neuen Brücke gerade für die östlichen Provinzen hinwies und allen Mitarbeitern am Werke dankte. Er schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser.
— Einziehung des Stammesvermögens aufrührerischer Hottentottenstämme. Die am 8. Mai d. I. verfügte Einziehung des gesamten beweglichen und unbeweglichen StammesrMmö- gens der Witboi-, Bethanier-, Franzmann- und Feldschuhträger-Hottentotten, sowie der Roten Nation, Hoakachans und der Bondelzwarts, einschließlich der Swartmodder-Hottentotten, ist seit dem 8. September unanfechtbar geworden.
— Der deutsch« Schulschiffsverein hielt am Freitag seine diesjährige ordentliche Mitglie- der-Versammlung unter dem Ehrenvorsitz des Königs Friedrich August ab. Die Versammlung leitete der Großherzog von Oldenburg, der itf Hner Ansprache der Freude über das Erscheinen jpes Königs und disPrinzen Johann George
Ausdruck gab. Er ließ sich dann über die AtH» gaben des Schulschiffvereins aus und hob dabeß unter anderem hervor, daß endlich auch iflt Binnenlande immer mehr sich die Erkenntnis Bahn breche, von welch' großer Bedeutung dfi Bestrebungen des Vereins für das deutsche Bist terland find. Nach den Ausführungen deh Großherzogs erstattete Professor Schilling be< Jahresbericht, der ein erfreuliches Bild von M( Entwickelung des Schulschiffsvereins aufweist, Nachdem sodann vom Kommerzienrat Max twi Guillaume der Kassenbericht erstattet und dem Vorstand und dem aufsichtsführenden Ausschuh Entlastung erteilt worden war, hielt der Eqn, dikus des Verbandes der sächsischen Jndustrh, ellen, Reichstagsabgeordneter Dr. Streesemani- einen Vortrag, in dem er eingehend darlegtq. welches hohe Interesse die sächsische Industrie mit ihrem überseeischen Export an der Entwick« lung der Handelsmarine und der Tüchtigkeit ihrer Mannschaften habe. Die Serfammlung wurde um 1 Uhr 30 Min. vom Großherzog g«q schlossen. An den Kaiser und die Kaiserin wurden Huldigungstelegramme abgesandt. ■
— Beisetzung der Asche Berbrannter ttuL den Friedhöfen. Berlin, 16. Oktober. Dich Frage, ob im Falle der Feuerbestattung die Angehörigen der Eingeäscherten einen Rechtsanspruch darauf haben, daß die Aschenreste auf einem Friedhöfe beigesetzt werden, beschäftigte kürzlich das Reichsgericht, das zu folgendem Ergebnisse gelangt ist: „Grundsätzlich sind di- Kirchhöfe zunächst nur für Beerdigungen in bet althergebrachten Form bestimmt, doch kann durch allgemeine Sitte auch eine Ausdehnung dieser Zweckbestimmung auf die Beisetzung von Aschen» reiten herbeigeführt werden. Wer jedoch eine solche Ausdehnung behauptet und auf Grund derselben auf dem Klagewege die Erlaubnis zur Beisetzung der Aschenreste verlangt, der mu| nachweifen, daß eine solche Sitte besteht. Dch nun 71 Bescheinigungen von deutschen Gemeindebehörden und Kirchengemeinden vorliegen, aus denen hervorqeht, daß diese Ausstellet teilweise sogar unter Genehmigung evangelisches Kirchenbehörden, die Beisetzung von Aschenresten in Krematorien verbrannter Leichen gestattet haben, und zwar meistenteils ohne jede Ein« schränkung, da ferner die Orte, auf welche di- beigebrachten Bescheinigungen sich beziehen, übet das ganze Deutsche Reich verteilt sind, auch von der danach erteilten Erlaubnis ein verhältnismäßig häufiger Gebrauch gemacht wird, so kann der Nachweis der allgemeinen Sitte als gefühtt erachtet werden." -
— Ein neuer liberal-sozialdemokratischer Block. Wie dem „Berliner Tageblatt" gemeldet wird, streben die württembergischen Liberalen die Gründung eines liberal-sozialdemokratischen Blocks an. In einer für nächsten Sonntag nach Stuttgart einberufenen Versammlung der, wütttembergischen liberalen Vereine soll folgender Antrag beraten werden: „Die Versammlung möge sich dahin aussprechen, daß die Volkspartei, die Deutsche Partei und die Sozial demokratie im künftigen Landtage zusammen» gehen mögen, um eine wirklich liberale Gesetzgebung zu ermöglichen." Das ist eine NachrikA die eigentlich nicht überraschen kann, da die Zuneigung des süddeutschen Liberalismus, wie auch des Freisinns Varth-Gerlacher Richtung zur Sozialdemokratie ja bekannt ist. 'Aber man wirdj die Frage aufwerfen können, wie dieses Vorgehen im württembergischen Landtage denn mi| dem Drängen gerade der süddeutschen Liberaler^ die Blockpolitik auch im preußischen Landtage zur Geltung zu bringen, harmoniere. Die, Po», litik des sogenannten nationalen Blocks richtet sich ausgesprochenermaßen in erster Linie gegen die Sozialdemokratie, trotzdem betreiben die süd». deutschen Liberalen die Verbrüderung mit bet, Sozialdemokratie. Können solche Angehörige, des Reichstagsblocks noch als zuverlässig angesehen werden? Wir meinen, daß in diesen- Falle die linksliberale „Frakttonsgemeinschast" ein Wörtlein sprechen sollte. Man kann doch nicht diesseits der Mainlinie national sein und zugleich jenseits des Main antinationalen Bestrebungen Vorschub leisten. i
Ausland. 4
= Russische Korruption. Wie der „Voll. Ztg." aus St. Petersburo berichtet wird, et» wate dortselbst das Gerücht großes Aufsehem daß die Moskauer Kriminalpolizer sich an zahlreichen Räubetüberp fäIIen in hervorragendem Maße beteiligt habe, sodaß dies nicht mehr langer verheimlicht werden könne. Man spreche davon, daß die Entlassung des Chefs der Morskauer Kriminalpolizei und vielleicht auch des Moskauer Stabtf Hauptmannes zu erwarten fei.
— Die Union und die Philippinen. Manila, 16. Ott. (Reuter.) Der Kriegssekretar der Vereinigten Staaten von Amerika, Tast, eröffnete heute bas erste philippinische Parlament. Er sagte in ber Eröffnungsrede, 0 glaub« Nicht, daß Jie Philippinos für die Dau«