1,2 Proz. Der Verfasser betont, daß eine Steigerung der Haushaltungskosten um 3 Proz. kam» als etwas Besonderes anzusehen sei. ©lei* zeitig sind natürlich die Löhne in weit eryev« licherem Matze gestiegen, so von 1904—190» M Schlossern und Schmieden um 163 Jl, bei de» Tagelöhnern in den W«ss-rwerken um 127 A bei den Zieherleuten tn den Gaswetten UO 120 Jl, bei den Tagelöhnern in denselben Wer« ken um 140 Jl. Durchschnittlich betrug die Lohnaufbesserung bei den Stadttagelöhnern 9 Proz, bei den Handwerken 8 Proz. Die Dresden« Arbeiterklasse hat also trotz der Einflüsse bei vorübergehenden Fleischteuerung ihre Lebenslage in sehr erheblichem Matze verbessern tön» nen. Es ist daher auch kein Wunder, wenn die Hungerwahlperiode der Sozialdemokratie ihre» Eindruck verfehlte. Indessen dürften derartige Feststellungen immer wieder an dem robuste» Gewissen der führenden Genossen abprallen, d« sie sich an Schlagworte, wie Hungertarif, Brot« und Fleischwucher einmal gewöhnt haben und dieses bequeme Agitationsmittel nicht missen mögen. In um so unerfreulicherem Lichte erscheint aber dementsprechend die ganze Art der. sozialdemokratischen Agitation.
— Die Verbindungen Professor Sombarts mit der Sozialdemokratie. Daß vom theoretischen Marxismus bis zur praktischen Förderung der Sozialdemokratie nur ein Schritt ist, beweist das Verhalten des Professors Werner Sombart. Dieser rühmt sich, die marxistische Theorie für die einzig mögliche zu halten. Das ist seine wissenschaftliche Anschauung. Sombart hat aber auch den Entschluss gefasst, praktisch für die Sozialdemokratie zu wirken, d. h. in sozialdemokratischen Vereinen Vorträge zu halten. I» Nr. 232 des „Vorwärts" vom 4. Oktober befindet sich folgende Notiz:
„Professor Sombart, der dem sozialdemokratischen Verein für Breslau bestimmt versprochen hatte, am 12. Oktober einen Vortrag zu halten, hat diese Zusage nach Kenntnisnahme des Leitartikels der „Volksmacht" (ein Greis von 40 Jahren) wieder zurückgezogen. Sein Schreiben löste schallendes Gelächter aus. Besser wäre gewesen, die Breslauer Genossen hätten den Herrn Professor nicht erst bemüht." Das Benehmen der Sozialdemokratie gegen Sombart, der in zahlreichen sozialdemokratischen Wahlslugblättern bei der letzten Reichstagswahl als volkswirtschaftliche Autorität gefeiert wurde, bietet uns keine Ileberrafchung. Man hat die Ruppigkeit, die Prof. Sombart an der sozialdemokratischen Presse kürzlich im „Morgen" scharf getadelt hat, nunmehr auch auf Herrn Sombart selbst angewandt. — Das Bemerkenswerte an der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass ein Mann, der bis vor Moneten ausserordentlicher Professor an der königlich preußischen Universität Breslau war, der zur Zeit Professor der Volkswirtschaftslehre in
Schein des Feuers die Gegenstände um sich her zu erkennen. i
Ha, was ist das? 1
Ruht dort auf der Ottomane, in der Mitte des Zimmers, nicht eine weisse Gestalt, stille unbeweglich, einen grossen Strauss dunkelroter Rosen in den gefalteten Händen?
Diana hält den Atem an und lauscht.
Alles still.
„Mein Cott, sie ist tot?" murmelt Diana, entsetzt zurückweichenh.
Da lacht es plötzlich leise, silberhell auf. Da» starre weisse Gesicht belebt sich. Zwei grosse weit offene Augen starren die glänzende Dame an.
Wie gebannt harrt Diana auf der derselbe» Stelle.
Jetzt hebt die weiße Gestalt sich ein menig? empor.
Mit der einen durchsichtig zarten Hand lebhaft winkend, ruft sie halblaut, geheimnisrrll:
„Komm nur? Komm? Ich träumte gerade von Dir. Du bist der Engel des Lichts, nicht wahr?"
Wie von einer unsichtbaren Macht angezogen, nähert sich Diana.
„Nein, mein liebes Kind, ich bin nicht der Engel des Lichts." erwidert sie gleichfalls ge-, dämpft, „ich bin —"
Lebhaft wehrt die kleine Hand ab.
„Ssst? Ssst? . .. Bitte, störe mit nicht? Ich mutz nachdenken? . . . Setz Dich her zu mir?"
Noch niemals in ihrem Leben hat Madame Diana Mackay dem Befehl irgend eines Menschen gehorcht — nicht der Mutter, nicht de» Vater, nicht dem Gatten.
Beim Klang der süßen, hellen KindaÄimine' setzt sie sich gehorsam nieder tnf eine (*£e de» nächsten Stuhles.
Stürmisch pocht ihr Herz. Kaum wagt sie, sich 5» rühren. , he:*» •.$
' .^Fortsetzung folgt.)
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Marburg
Sonntag. 20. Oktober 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck tmb Verlag-. Joh. Ang. Koch, UmvcrsitätS-Buchdmckerei
Marburg, Mackt 21. — Telephon 55.
42. Jahrs.
BKUII
ErAes Blatt.
Ein Versuch zur Steigerung des bisherigen höchsicn Sielrerprszeutsatzes in Preußen.
Die offiziösen „B. P. N. bereiten darauf vor, k-hass die Progression der preutzischen Einkommen- Isteuer über den Satz von 4 v. H., der jetzt von Einkommen über 100 000 Jl erhoben wird, gesteigert werden soll. Cie schreiben: Als Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Preussen die Revision der Emkommenbe- steuerung vorgenommen wurde, war man sich klar darüber, dass die Progression in den Steuersätzen nur bis zu einer bestimmten Prozentstufe gehen sollte, lediglich über die Höhe der letzteren war man sich nicht ganz einig. Schliesslich kam Ilebereinstimmung dahin zu Stands, dass vom Einkommen über 190 OOG Jl die Steuer 4 Proz. betragen, dieser Steuersatz dann aber nicht mehr überschritten werden sollte. In Preußen hat man hieran bisher nichts geändert, man ist mit der Progression bis 4 Proz. ausgekommen. Ob sich aber in Zukunft damit wird auskommen lassen, ist recht ungewiß. Es lässt sich fa. nicht leugnen, dass der Staatseinkom4ren- fteuersatz nicht als solcher zu betrachten ist, sondern dass man bei seine,- Beurteilung stets die Zuschläge vor Augen haben must, die von der Gemeinde, Kirche uiw. gleichzeitig rrhsben werden. Deshalb war es auch durchaus richtig, daß man mit der Ausführung des Krunosaües der Progression ir, der Einkommensteuer bei einer bestimmten P»o<rntftufe Halt machte. Der Vorwwrf, datz^eigLnrlich keine progressive, sondern eine degressive Eiiftomnreubellsu-rung ein« geführt worden ist kann kalt lassen. In der Politik kommt es nicht so sehr auf die Durchführung von Prinzipksn, als vielmehr auf die Wahrung der sa’-a.« i nhi?ca an. Ob sich auf dis Dauer die Höchststufe von 4 Proz. wird aufrecht erhalten lassen, scheint jedoch fraglich. Die finanziellen Verhältnisse Preußens entwickeln sich, wenn man sie an sich und im Hinblick auf die Verpflichtungen gegenüber dem Reiche betrachtet, ?o, daß eine Steigerung feiner Einnahmen ins Auge gefaßt werden mutz. Datei aber dürfte die Erhöhung des bisherigen obersten Steuersatzes in erster Reihe eine Rolle spielen. Dass mit einer solchen Massnahme etwas durchgeführt werden sollte, was zu drückend wäre, wird nicht behauptet werden können. In Hessen beispielsweise ist man bereits längere Zeit bei dem Höchstsätze von 5 Proz., in Sachsen- Meiningen will man den gleichen Satz demnächst erreichen und zwar schon bei einem Einkommen von 63 000 Jl ab. Gewiß wird man in Preußen eben wegen der Belastungssteigerung, die eine solche Erhöhung infolge der Gemeinde-, Kirchen- usw. Zuschläge für die Zensiten hat,
13 .Nachdruck verboten.^
Frauenbünde.
Roman von E r i ch F r i e s e n, rFoiftetznng).
Diskretion ist nicht Madames Haupttugend.
Madame nimmt deshalb den Brief aus dem Kuvert und liest die Unterschrift.
„Ah, von der Mutter!"
4 Madanw ist lebhaft interessiert und be- fchließt, mrchr als nur die Unterschrift zu lesen.
Nach einem verächtlichen Blick auf das dünne Briefpapier und die schwerfällige, ungeübte Handschrift entziffert sie mühsam die wenigen sZ eilen.
Doch,scheint sie befriedigt: denn, als sie den Brief wieder in das Kuvert steckt, beides in-die iSchreibmapps zurücklegt und die Schublade zu- smacht, funkeln ihre Augen wie die eines Raub- stieres, und ihre Sippen umspielt ein grausamer Zug.
„Unserer lieben Ada geht es immer schlechter," memoriert sie vor sich hin. „Jeden Tag wird der kleine Engel schwächer, und ihr Gedächtnis nimmt immer mehr ab."
Madame denkt einige Augenblicke nach . . .
„Immer mehr?", philosophiert sie. „Dies« Ada muß also von jeher krank und gedächtnisschwach gsDrst-n sein! Hm, hm —"
Auf dieser Schlußfolgerung baut Diana Mackays erfinderisches Hirn einen neuen Plan <mf.
2f?s Madame sich gleich darauf wieder hinunter nach ihren Gemächern begibt, sind ihre Wangen vor Cver gerötet und ihre Lipoen trällern eine flotte Operettenmelodie
Bewundernd folgen der tänzelnden eleganten Gestalt die Blicke der ganzen Dienerschaft.
„Wie schon Madame ausfieht! Sie mutz eine trotze Freude gehabt haben I"
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mit größter Vorsicht auch auf diesem Steuergebiete vorgehen müssen, wenn aber schon einmal die Erhöhung der Einnahmen aus der Einkommensteuer notwendig geworden ist, so wird von selbst auch eine Aenderung in den Steuerprozentsätzen platzgreisen müssen. Man wird gut tun, sich darauf einzurichten, daß auch in Preußen demnächst der Versuch zur Steigerung des bisherigen höchsten Steuerprozentsatzes gemacht werden wird. Ist dies aber der Fall, dann wird man mit um so größerem Recht verlangen können, daß die direkte Besteuerung, die nun schon im Staate, in den Gemeinden, in der Kirche usw. eine bedeutende Rolle spielt, nicht noch zu anderen beträchtliche Mittel erfordernden Zwecken herangezogen wird. Daß es auch hier eine Grenze gibt, über die nicht hinausge- gangen werden darf, ist sicher.
Deutsches Reich.
— Gesetzgebung und Bundesrat. Wie bereits berichtet wurde, haben in den letzten Monaten Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der größten Fraktionen in Norderney stattgefunden. Wie angenommen werden darf, ist dabei auch die Behandlung wirtschaftlich besonders wichtiger Gesetzentwürfe zum Gegenstand der Erörterungen gemacht worden. Mau geht in der Annahme wohl nicht fehl, daß auf Grund dieser Beratungen künftig nicht mehr erst dann solche Entwürfe an die Oeffentlichkeit gebracht werden sollen, wenn, wie dies jahrzehntelangem Brauche entsprach, der Bundesrat bereits die Vorlagen angenommen hat, sondern daß von jetzt an erst der Kritik Gelegenheit gegeben werden soll, sich zu solchen Vorlagen zu äußern, si^vor dies« im Bundesrat zur -Verhandlung kommen. Mag auch dieses Verfahren nicht ganz bedenkenfrei sein, so hat es jedenfalls den Vorzug, daß dadurch noch geeignete Vorschläge berücksichtigt werden können, bevor diese Entwürfe dem Reichstage zugehen. Dieses Verfahren ist nun zum ersten Mal bei dem jetzt veröffentlichten Entwurf eingeführt worden, wonach gleich vier große Gesetze, das Eerichtsvorfassungsgesetz, die Zivilprozeßordnung, das »Eerichtskostengesetz und die Gebührenordnung für Rechtsanwälte einschneidende Aenderungen im Interesse der Beschleunigung und der Verbilligung • fei es Zivil- prozetzverfahrens erfahren sollen. Mit dieser Vorlage wird sich der Bundesrat erst demnächst beschäftigen: dem Reichstage soll sie, wie die „Deutsche Juristen-Zeitung" von wohlunterrichteter Seite erfährt, erst Anfang des neuen Jahres zugehen. Da es sich um eine Novelle zu den erwähnten Gesetzen handelt, sind die Bestimmungen nur verständlich, wenn die bisherigen Vorschriften jener Gesetze zur Vergleichung herangezogen werden. Dieser dankenswerten
An demselben Nachmittag hält vor dem Hause Nr. 225 in der Kanalstraße eine lwchele- gante Equipage mit Kutscher und Diener in goldgestickter blauer Livree.
Der Diener springt herunter und öffnet den Wagenschlag.
Eine wunderzierliche Dame kn taubengrauem, enganschließendem Seidenkleid, strahlend und glitzernd von Brillanten, stolze Neiher- federn herabnickend vom weißen Rembrandhut, hüpft graziös herab und schreitet hocherhobenen Hauptes, gefolgt von dem. Diener, zwischen zwei Reihen gaffender Straßenkinder, hinein ins Haus.
Das parfümierte Spitzentafchentuch vor Nase und Mund haltend, klettert sie zwei Trevpeu hinauf, die kleinen Schilder an den -en Türen musternd.
Endlich — am Ziele.
Die Dame zieht die Glocke.
Eine einfach gekleidete Fran mit ten Zügen öffnet.
„Ich möchte Frau Morton sprechen. Ist sie zu Hause?»
Leichte Röte steigt in die fahlen Wangen der Frau.
,,Jch bin Frau Morton."
, „Ah —!“ Wie impulsiv streckt die Dame beide Hände aus. „Wie freue ich mich, meine he6e Frau Morton! Mein Name ist Diana Mackay.»
Etwas wie Freud- huscht über die eingefallenen Züge der hageren Frar^ , .
„SJiiie, wollen Sie- nicht Eintreten?... Hier — ins Hinterzimmer! . . . Vorn ist Ada."
„Ada? Wer ist dasW fragt Diana Mackarn mit gutgespielter Verwunderung, indem sie auf einem Rohrstuhl Platz nimmt und Frau Mak- ton ihr lächelndes Antlitz znwendet. J"' '
„Meine jüngsto. Tochter, lieber.
kleiner Engel."
V- - - - - t
Aufgabe hat sich die „Deutsche Juristen-Ztg." (herausg. von Professor Dr. Lgband, Exz. Dr. Hamm und Justizrat Heinitz, Verlag von Otto Liebmann, Berlin) unterzogen, indem sie eine plastische Gegenüberstellung des Entwurfs und der entsprechenden bisherigen Gesetzesbestimmungen nebst der eingehenden Begründung in einer umfangreichen Sonderbeilage bereits heute ihren Abonnenten unentgeltlich zur Verfügung gefielt hat.
— Ein wichtiger Erlaß des Justizministers Dr. Beseler ist soeben an die Oberlandes- gerickts-Präsidenten und Oberstaatsanwälte der preussischen Monarchie gelangt. Er betrifft den gewerblichen Rechtsschutz, ein Gebiet, auf dem wiederholt die Forderung nach Sondergerichten, ans Juristen und Technikern zusammengesetzt, laut geworden ist. Die Justizverwaltung hatte, diesem Verlangen entsprechend, eine bessere sachliche B eh and- l u n g der gewerblichen Rechtsstreitiakeiten vor den ordentlichen Gerichten in Aussicht gestellt, da die Schaffung von Sondergerichten zu einer -schweren Schädigung der allgemeinen Rechts- kMegsMhren mü$* Scharr vor "iMHen Jahren hatte der Justizminister die Anregung gegeben, bei den Oberlandesgerichten und einer Anzahl von Landgerichten besondere Senate oder Kammern für die Entscheidung der gewerblichen Streitsachen einzurichten. 'Diese in den beteiligten Kreisen dankbar aufgenommeneNeuerung hat sich bisher bewährt und soll nun auf Grund der inzwischen gesammelten (Erfahrungen weiter - ansgebaut werden. Wie wir hören, legt der i Minister in dem neuen Erlasse Wert darauf, daß in allen Bezirken, in denen c;n Bedürfnis für besondere Kammern vorliegt, namentlich in grossen Jndustriebezirken, wenigstens bei einigen Landgerichten Kammern für gewerbliche Rechtsstreitigkeiten gebildet werden, bei denen, auch wenn sie unzuständig sein würden, die Parteien erfahrungsgemäss gern durch Vereinbarung des Gerichtsstandes Recht nehmen. Der Erlaß regt ferner an, dass von einem Wechsel tn der Besetzung dieser Kammern möglichst abgesehen wird,
— Zur Berelendungstheorie. W-e wenig die marxistische Verelendungstheorie trotz aller Rettungsversuche seitens ihrer Hohenpriester mit den Tatsachen der Wirklichkeit übereinstimmt, zeigte wieder einmal eine beachtenswerte Untersuchung des städttsch-statiftischen Amtes der Stadt Dresden. Es wurden die Haushaltungsbudgets von 25 Arbeiterfamilien untersucht. Dabei ergab sich, daß im Zeitraum 1903—1906 sich die Ausgaben für Lebensmittel erhöhten im Höchstbetrage um 76 Jl, im Mindestbetrage um 20 Jl, durchschnittlich um 46 JA, prozentuell betrug die Steigerung im Höchstfälle 4,3 Proz., im Mindestfalle 1,9 Proz. und im Durchschnitt 3,1 Prozent. Hierzu trug die Fleischteuerung bei im Höchstfälle 32 Jl, im Mindestfalle 2 JA, im Durchschnitt 17 M, das bedeutet eine Steigerung der Haushaltungskosten um 1,7, 0,2 und u— j r .
Frau Mortons Stimme sinkt zum Flüsterton herab. Ihr matten Augen leuchten auf vor Zärtlichkeit.
„Unsere gute Ruth erzählte mit so oft von Ihnen, liebe Frau Morton, daß ich Sie gerne kennen lernen wollte. Sie besuchen Ihre Tochter nie; das muß doch einen besonderen Grund haben?"
„Ja, es hat einen besonderen Grund. Ich kann Ada nicht allein lassen."
„Haben Sie fein Mädchen?"
„Doch. Aber ich überlasse Ada niemals dem Dienstmädchen."
„Sie machen mich ganz neugierig auf Ihre Ada, meine liebe Frau Morton. Kann ich sie nicht einmal sehen?"
„Gewiß, später. Erst will ich Ihnen eine Tasse Tee bereiten."
Lautlos verschwindet Frau Morton, die Tür etwas hinter sich offen lassend.
Diana Mackay blickt um sich . . . Welch elende Wohnung! Kein Teppich, fein Sofa, kaum «n Spiegel — Und diese ängstliche Frau---
Plötzlich zuckt Diana Mackay zusammen. Was ist das? ... Welch merkwürdige Töne? ,.,
Sie lauscht . . .
Sollte das Ada sein? Der "liebe, kleine Engel, dessen Gedächtnis immer mehr abnimmt"? ♦
Eine unbezähmbare Neugierde zuckt in Diana auf. Sie huscht zum Zimmer hinaus und späht durch die nur angelehnte, gegenüberliegende Tür. -.
Jnr ersten Augenblick unterscheidet sie gar nichts. Dämmeriges Halbdunkel erfüllt den Raum. Trotz der warmen Frühlingsluft knistert ein helles Feuer in dem kleinen Kamin.
Oyne Bestnenn tritt Diana ein.
Die Vorhänge des Fensters sind herabge- lassen. Doch beginnt Ke bei dem flackernden