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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkaim
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Marburg, Markt 21. - Telephon 55. v ’ u
Marburg .
Sonntag, 20. Oktober 1907.
Drittes Blatt.
Achtzig auf Siebentausend.
Eine in ihrer Art mehr wie drastisch wirkende Mitteilung ist in diesen Tagen in einer Berliner Gewerbe-Versammlung gemacht wor- - hen, nämlich die, daß auf 7000 selbständige Meister und Gewerbetreibende der Schuhwaren- Manche in Berlin nur 80 Lehrlinge kommen. w4lnb auch diese 80 sind meist Söhne von Ge- fchäftsinhabern, so daß der Zustrom aus der Bevölkerung heraus zum Schuhmachergewerbe also so gut wie gänzlich aufgehört hat. Sind in Mittel- und Kleinstädten die Verhältnisse weniger schroff, immerhin spiegeln sie etwas von dem grellen Bilde wieder, das sich hier in der Riesenstadt zeigt, und das fast für die gesamten Mittel- und Kleingewerbe, soweit es sich um die Gewinnung von praktisch auszubildenden Lehrlingen handelt, typisch ist.
Man hat oft gehört, die Jugend werde um deswillen nicht mehr von ihren Eltern zur^r- lernung des Handwerks angehalten, weil es mit den Gewinn- und Verdicnstverhältniffen in letzterem zu unerquicklich stehe. Auch im Schuh- tnachergewerbe haben zweifellos die Fabriken int Inland und Ausland (Nordamerika importiert ja viele Lederfabrikate in Deutschland) einen erheblichen Teil der früher von den einzelnen Gewerbetreibenden angefertigten Produktion an sich gerissen. Auch die Warenhäuser und ähnliche Vcrkaufsstätten haben dem Handwerk Abbruch getan, aber damit hat der Schuhmacher noch nicht alle Chancen für die Zukunft verloren. Die Zahl der Leute, die ihre Stiefel usw. nach Maß bestellen, ist noch weit größer wie die, die ihre Anzüge nach Maß, und nicht fertig kaufen. Der Fuß ist ein eigener Gesell, und ein nicht ordnungsgemäß sitzender Stiefel hat schon manchen Schaden an der Gesundheit angerichtet.
Das erkennt auch die Militärverwaltung an, denn sie vergütet im Falle einer Mobilmachung jedem Soldaten die mitgebrachten „zu Paß" sitzenden Stiefel. Und zu der Anfertigung von Schuhen.nach Maß kommen in der großen Stadt, eben weil auch viele Fabrikware erwarben, noch außerordentlich viele und gut bezahlte Reparaturen. Ein pünktlich seine Kunden bedienender Schuhmacher hat mithin sein gutes Brot, und man sollte meinen, auch die Eltern von jungen 'Leuten sollten das einsehen. Aber, wie gesagt, 80 Lehrlinge auf 7000 Meister. Hier ist also
Das Deutsche Haus St. Elisabeth. Ein geschichtliches Bild aus Marburgs Vergangenheit.
Von Dr. W. Bücking. tftorNctzimg.)
Das Haus Marburg.
Das Haus vereinnahmt jährlich:
625 Malter Korn Winterfrucht.
891 Malter Korn Sommerfrucht.
60 Malter Korn und 30 Malter Hafer an - _ ständigen Pachten, die verliehen hat man. 585 Gänse, deren sind 300, die wüste liegen. 585 Herbsthühner, davon gehen ab 300, die auch wüste liegen und nicht fallen.
625 urstenden (zu Ostern zu liefernde Hühner, davon bleiben aus 200, die wüste liegen.
Das Haus hat Wiesenwachs und Holz zum Brennen und Bauen zur Notdurft.
Das Haus hat 3 Pflüge Gewichte, die sind Verliehen.
21 Morgen Weingärten.
f£>7 Pfund Heller Pfennigzins, davon gehen ab zu dieser Zeit 28 Pfund, die wüste liegen.
200 Pfund etwa von den Mühlen.
Das Haus verausgabt jährlich:
211 Pfund zu ewiger Zins.
276 Pfund 11 Schilling zu Leibgeding.
800 Gulden von 2500 Gulden Kapitalschuld.
800 Gulden nötiger Schuld.
62 Malter Korn ewiger Eulde.
; 96 Malter Korn zu Leibgeding.
' Das Haus vereinnahmt jährlich von den an- Heren Häusern, als:
Ma cm ©tief Ft ab t.
berste, davon gehen ab 12 Malter. L?6 Weizen, davon gehen ab jährlich . 4 "‘»«et zu einem ewigen Almosen.
^62 Malter Winterfrucht, davon liegen wüste . .. zu dieser Zeit 82 Malter.
i 10 Malter ©erste, davon liegen wüste 10 I W Malter. i
B5 Malter Hafer, davon liegen wüste 80 ^ Malter. , ]
keineswegs ein Niedergang des Handwerks Ursache, sondern die Abneigung, richtig, tüchtig und regelmäßig zu lernen, das Verlangen, sofort viel Geld zu verdienen, lustig und flott in den jungen Jahren zwischen 15 und 18 schon leben zu können, in denen viel vorteilhafter für die späteren Jahre mit den Körperkräften noch haushälterisch umgegangen werden sollte. Es ist übrigens nicht das Schuhmachergewerbe allein, das über diesen Lehrlingsmangel klagt, auch andere Handwerkszweige haben sich in gleichem Sinne geäußert.
Vermischtes.
Die Herausgabe der Prinzessin Pia Monika. Die Verhandlungen mit Frau Toselli wegen Herausgabe der Prinzessin Anna Pia Monika wurden, wie ministeriell mitgeteilt wird, definitiv abgebrochen, da Frau Toselli Anforderungen stellt, die vom Dresdener Hofe schlankweg abgelehnt werden mußten. Die Zivilklage auf Herausgabe der kleinen Prinzessin wurde infolgedessen vom deutschen Konsul in Florenz beim dortigen Zivilgericht überreicht und stützt sich auf den im Vorjahre zwischen bet Gräfin Moniignoso unb dem König von Sachsen abge- schlosienen Vertrag.
Vom Hauptmann Voigt. Köpenick, 17. Oft. Wir feiern heutzutage so viele Jubiläen, sind so erinnerungslustig, daß man vielleicht auch des 16. Oktober gedenken kann. An diesem Tage vor einem Jahre führte Schuhmacher Wilhelm Voigt den Köpenicker Gaunerstreich aus, der alle Welt lachen machte. Der Streich war so schön, daß er uns allen noch in Erinnerung ist. „Hauptmann" Voigt 6nimmt nun fast schon ein Jahr, aber da ein Gnadengesuch abgelehnt worden ist, wird er die ihm zugesprochenen vier Jahre Gefängnis voll verbüßen muffen. Die menschenfreundlichen Damen, die ihm Heiratsanträge gemacht unb große Summen zugedacht haben, müssen sich also gedulden.
Hungertod im Walde. Im Walde bei Dürr- maut in der Nahe non Marienbad wurde die vollständig entkleidete Leiche des feit einigen Wochen vermißten Redakteurs der „Vrüxer Volkszeitung", Hugo Riischel, aufgefunden. Ritschel litt schon feit längerer Zeit an nervösen Anfällen, die sich zu vorübergehender Geistesstörung steigerten: er lebte in dem Wahne, daß er verhungern müsse. Als er stellenlos wurde und mit seiner Familie in drückende Not geriet, verschlimmerte sich sein Leiden und eines Tages war der unglückliche Mann spurlos verschwunden: alle Nachforschungen blieben erfolglos, bis endlich seine Leiche im Walde gefunden wurde. Der Körper war bis zum Skelett abgemagert, und es unterliegt keinem Zweifel, daß der
200 Gänse, davon liegen wüste 70.
548 Herbst- und Fasinachtshiihner, davon gehen ab 200, die auch wüste liegen.
54 Pfund Heller Pfennigzins , davon liegen wüste zu dieser Zeit 24 Pfund.
Seibelsdorf.
80 Malter Korngulde, davon liegen wüste zu dieser Zeit 38 Malter.
60 Malter Hafer, davon liegen wüste 28 Malter.
72 Gänse, davon liegen wüste 32.
172 Herbsthühner, davon liegen wüste 124.
183 Fastnachtshühner, davon liegen wüste 120.
527 Pfund Heller und 9 Schilling Pfenigzins, davon liegen wüste 77 y2 Pfund.
Wetzfla r.*)
260 Malter Korn, davon liegen wüste 200 Malter.
22 Morgen Weingärten.
Friedberg. '
100 Matter Korn, davon liegen wüste zu dieser Zeit 12 Malter.
. Gelnhausen.
Einen Weinzehnten von 6 Fuder.
Flörsheim.
400 Matter Korn, davon liegen wüste tiefer Zeit 50 Malter.
1 Pflug Gewichte daselbst.'
5 Gulden Pfennigzins.
16 Kapaune und 6 Gänse.
44 Morgen Weingärten.
Das Haus verausgabt jährlich:
72 Malter Korn.
213 Pfund Heller und Vi 0hm Wein.
Die Pietanz zu Marburg vereinnahmt jährlich: w«,. -
*) Das Haus Wetzlar scheint früher schon außerordentliche Verluste in seinen Einnahmen gehabt zu haben, denn nach einer im Staatsarchiv vorhandenen Urkunde vom 30. Dezember 1332 bestimmt der Deutschmeister Wolfram von Nelle,'.bürg, daß wegen der Armut des Deutschen Hauses daselbst alle da absteigende fremde Brüder des Ordens die Kosten der Bewirtung ersetzen sollen. . " ’
Aermste in geistiger Umnachtung ttw-e im Walde umhergeirrt ist, bis er verhungerte. Bon den Kleidern konnte bisher nichts gesunde:: werden: es ist wahrscheinlich, daß der Unglückliche schön längere Zeit vor Eintritt des Todes nackt im Walde gehaust hat.
Die Pulverexplofion bei Fontanet. New- Pork, 17. Ott. Die Explosionen bei Fontanet töteten 80 und verletzten 500 Personen. Ein explodiertes Magazin enthielt 40 000 Faß Pulver, feine Explosion hob einen 10 Kilometer entfernten Paffagierzug fast von den Schienen und zertümmerte fast alle Fenster desselben. Fontanet ist vollständig dem Erdhoden gleichgemacht. Die Ruinen brennen. Die Ueberleben- den wohnen in Zelt-m. Die Pulvermühlen hatten gewöhnlich 200 Arbeiter, zur Zeit jedoch nur 75. x
(Bin menschliches Scheusal. München, 17. Ott. Wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" melden, tötete in der Umgegend von Schleißheim und Dachau bei München das 14- jährige Kindermädchen Ida Schnell fünf der ihr von ihrer jeweiligen Di"n>therrsck'aft anvertrauten Kinder dadurch, daß sie die Schädeldecke der Kinder mit einer starken Nadel, wahrscheinlich einer Haarnadel durchstach. Die Täterin ist geständig. Sie gibt an, sie habe eine unüberwindliche Scheu vor der Wartung kleiner Kinder, deren häufiges Weinen sie zu der Tat veranlaßt habe.
Er wollte nicht geknipst fein. München, 17. Ott. Saß da im Münchener Gefängnis ein etwa 50 mal vorbestrafter Vagabund, besten Persönlichkeit nicht genau festgestellt werden konnte. Um Nachforschungen anstelle» zu können, sollte der Brave photographiert werben. Doch er schnitt die schönsten ©Amassen, unb als bet Photograph trotzdem nicht locker ließ, nahm er einen Stuhl, mit bem er ben Apparat kurz unb klein schlug. Er schimpfte babei wie ein Rohrspatz unb »erstieg sich zu einer Majestätsbeleidigung. Vor Gericht entschuldigte er sich damit, daß ihm das „ewige Photographieren zu dumm" geworden sei. Urteil: 1 Jahr Gefängnis.
Stürmische Szene» im Mailänder Spatenbräu. Im Mailänder Spatenbräu fand vorgestern eine wahre Völkerschlacht statt. Die Menge wollte das Vierhaus und die davor- stehenden Tische räumen, allein die zahlreichen dort beim Biere sitzenden Deutschen trieben die Eindringlinge mit Stuhlbeinen und Deckel- frügen in die Flucht. Dennoch wäre die Situation kritisch geworden, wenn nicht Militär erschienen wäre, welches die Zumultanten auseinander trieb.
Die Beizjagd mit Falken in Deutschland wieder einzuführen, ist während des letzten Jahrzehnts mehrfach versucht worden, aber ohne
bauernden Erfolg. Jetzt soll, wie die „Tagt, Rundschau" erfährt, in der Nähe von Ebers« walde ein Falkenhof eingerichtet werden. —« Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.
Das teure T. Die „M. N. N.„ teilen f* gendes lustiges Stückchen aus einem Restaurant mit: Der Kellner überreicht bem ©ast bie Rechnung. „Kellner, in bet Rechnung ist ein Feh« le-." . „Bitte, wo?" „Sie haben Kotelette nut ir.it einen T geschrieben." „Ah, bitte um Enk» schulbigung, bas werben wir gleich ändern* Der Kellner nimmt die Rechnung wieder t« Empfang und macht einen Vermerk darauf. Al« der um dis Rechtschreibung so besorgte ©ast fiß wieder p;üst, liest er zu seinem größten Cw [tr„Ein T"e ... 75 Pfennige!"
SB *' - sr
Bücherschau.
** Die Jagdordnvng für btt Preußische Monarchie nebst ergänzet- den Reichs- und Landesgesetzen. Ausgabe mit Erlänter gen von Amtsrichter a. D. Dr. W. Brandts. Paul Schelte"^ Erben, ©. m. b. H. in Cöthcn-Anhalt. 1907. Kartoniert 2 JL — Alle bisherigen Jagdgesetze sind aufgehoben; fie gelten schon jetzt nicht mehr. Der Verfasser, bet sich als juristischer Mitarbeiter der Jagdzeitschrift „St. Hubertus" und durch andere Publikationen einen geachteten Namen als juristischer Schriftsteller erworben hat, hat das Gesetz auf ffirunb irr bisherigen Rechtsprechung über bie alten Vorschriften und auf Grund der Regie- rungsmoti"e'und Landtagsverhandlungen übet bie neuen, Vo schrifien in feiner bekannten klaren Weise erläutert. An den betreffende» Stellen sind di- noch in Kraft befindlichen Vorschriften des allgemeinen Landrechtes einge« glättet, ferner das Reichsgesetz, betreffend de» chutz von Vögeln. Jrn zweiten Teile sind bie einschlägigen Bestimmungen des Strafgesetzbuches über Widerstand gegen Forst- und Jagd« beamte nebst Gesetz und Jnstruttionen über ben _ Waffe-gebrauch der Beamten und strafrechtliche Best'--mungen über unbefugten Jagen usw. mitgexeilt urb teilweise sehr eingehend. Veige- geben sind b* 2- polizeilichen Vorschriften über bie Sonntagsruhe in den einzelnen Provinzen unb ein Auszug aus dem Feld- und Forstpolizei- gefetz, sowie eine vergleichende Uebersicht der alten Gesetze mit der Jagdordnung.
GefchäMiQ» Milteilinge'r.
Ehrenvolle Auszeichnung. Auf der Kochkunst- Ausstellung in Esten wurde der Maggi-Gefell- schäft wieder der erste Preis (große goldene Medaille der Stadt Essen) zuerkannt.
Berantwortlichfü r~big-Redaktion: Dr. Jvbannet Otto in Mori"rg.
110 Matter Korn, davon liegen wüste zu dieser Zeit 42 Malter.
18 Malter Hafer.
24 Gänse, 24 Herbst- und 24 Fastnachtshühner. 270 Pfund an Pfenniggulde, davon liegen wüste 60 Pfund.
37 Floren zu Wiederverkauf, Verausgabt jährlich:
4 Pfund Heller erblicher Zins.
3 Malter Korn zu Leibgeding.
140 Pfund nötiger Schuld. 5
Die Pfarrei zu Marburg vereinnahmt jährlich:
70 Pfund Pfennigzins, davon liegen wüste zu- dieser Zeit 12 Pfund.
60 Pfund Heller ungefähr an Opfer.
2 Gänse unb 24 Hühner.
Verausgabt jährlich:
1 Schilling zu ewiger ©ulbe.
32 Pfunb nötiger Schuld.
Handschriftliche Aufzeichnungen berichten über zwei im letzten Viertel des 15.. und im 2. Drittel des 16. Jahrhunderts stattgehabten schweren Gewitter mit Wolkenbrüchen, von denen das Deutsche Haus besonders betroffen worden ist, folgendermaßen:
„Im Jahre 1475 in der 3. Mitternachtsstunde des 4. August entlud sich in dem nahen Dorfe Marbach ein furchtbares, von Hagel begleitetes Gewitter. Jnfolgedesten schwoll die Ketzerbach so an, daß bas Master bei Vuchsecks Haus über bie Steinbrücke hinweg zu bem Tore bei bem Hospital hinein unb zu Sellharts Pforten hinaus ging; ferner ging es zu dem roten Tor bei St. Michael hinein, stieß auf Henchen Walters Pforte unb stanb in bet Deutschen Herren Hof. Zwischen dem roten Tor und der Deutschen Herren Kirchhof hatte es ein Stück Mauer urn- geworfen: Scheuern unb Ställe standen mannshoch unter Master. Das Vieh im Deutschen Hause mußte vor bas Spital geführt werben. Wären die Pforten geöffnet gewesen, dann hätte das Master feinen Abfluß gehabt unb ber Schaben wäre nicht so groß gewesen. Das Wasser kain mannshoch eus ber Marbach» ritz tiefe
Gräben, zerstörte bie Wege unb führte Wagen, Holz und Steine mit sich.
Im Jahrs 1536 am 18. Juli nachmittags 4 Uhr war infolge eines schweren Gewitters bie Ketzerbach so groß geworben, wie seit Menschen« gebenden nicht gewesen. Der Hof im Deutsche» Hause wurde so mit Wasser angefüllt, daß e« durch alle Ställe ging. Von ben Pferben darin hat man nur die Köpfe gesehen. Schweine ertranken, Wagen unb Holz führte bas Wasser im Hofe herum. Eine Kuh unb ein halbwüchsiges Reh kamen bis in den Hof geschwommen unb blieben am Leben. Der Bericht schließt mit folgenden Worten: „ist also grausam gewesen^ daß man nicht wohl glauben mag, wer es »ich« gesehen hat." *)
Im Mittelalter waren bie Häuser bet Marburger Vurgmannen unb Schöffen Freihäuser. Wer sich in ein solches Haus flüchtete und wenn bei Flüchtling auch zum Tobe verurteilt war (mit Ausnahme von Straßenräubern unb solchen,. bie sich gegen die Sittlichkeit vergangen hatten), durften nicht verfolgt werden und konnten acht Tage darin verweilen. Auch das Deutsche Haus war in den Besitz des Asylrechts gekommen. Kein landgräfttcher Beamte durste den Flüchtling über die Ringmauer des Hauses verfolgen. Dies Recht wurde aber manchmal mißbraucht, wie aus einem im Jahre 1495 auf« gezeichneten Beschwerdeprotokoll ersichtlich ist, worin es heißt: Es ereignen sich hier in Marburg mancherlei Frevel und Totschläge, die z» bestrafen dem Landgrafen zustehen. Die Uebel- täter aber flüchten in des Ordens Freiheit unb werden von da hinweggeschoben. Der Landgraf bittet solch Wegschieben fürder zu unterlassen.
' (Fortsetzung folgt.)
*) Bei dem am 3. August 1847 in der Marbach sich entladenden Wolkenbruche ging der wütende Strom über die vor der St, Elisabeth-' kirche sich hinziehende, inzwischen erniedrigte' Mauer hinweg, stürzte sich auf elftere und drang > durch eine vom Abtreten der Schwelle entstandenen Spalte der rechten Portaltür in bas Innere der Kirche unb verwüstete ben durch Gräber unterminierten Fußboden. - -i