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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 42. Jahrg-

Marburg, Markt 21. Telephon ob.

Marburg

Sonnabend, 19. Okwber 1907.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SoirntaasbeUaaer Allustrirtes SonnterasSrätt.

Vierteljährlicher Bezugspreis^ bet bei ExpÄition 2 Ml* TMJ 94 ß bn allen Postämtern 2,25 Mt. texcl. Bestellgeld).

*' Znserttonsgebuhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Neclaineu: die 5!ei^e Pfg.

Unsere Eisenbahnen in Afrika.

Die Berichte, welche von der Studienreise des Kolonialsekretärs DernLurg kommen, lassen klar . erkennen, daß dieser seine Hauptaufgabe in dem Studium der Bedingungen erblickt hat, die dem Eisenbahnbau für Ostafrika gestellt sind. Leider .scheint er daber von einer gewissen Voreinge- i nommenheit für die Zentralbahnen geleitet zu fein, die sich aus seinen Beziehungen zu den D= Banken erklärt. Es kann aber für keinen Ken- , ner Ostafrikas im Zweifel stehen, daß die jetzt so . . sehr in den Vordergrund geschobene Zentral- dahn keineswegs die wichtigste, mindestens nicht die nächstliegende Aufgabe darstellt. Unter Bei- tehaltung des jetzigen Bautempos würde man 'int günstigsten Falle in zwei Jahrzehnten Ta- bora und in einem weiteren Jahrzehnt den Tan- ganira-Seo erreichen. Da dies doch gewiß nicht dem Wunsche der beteiligten Kreise entspricht, !würde also eine ganz ungewöhnliche Aufwen­dung für diese Eisenbahn zu machen sein, deren "Zweck im wesentlichen in der Ueberwindung 'wüster Gebiete besteht. Es ist auch noch sehr die -Frage, ob für diese nicht mit einem ganz primi- 'tiven Verkehrsbetriebe das zunächst Nötige er­reicht wird. Wie immer dem sei, darf unter : teilten Umständen unter dem Plane der Zen­tralbahn der Ausbau der Nordbahn leiden, die eon Usambara nach dem Kilima-Ndscharo führ- »end uns die fruchtbarsten und zur Zeit auch be­reits besiedeltsten Gebiete erschließen soll. Iw Gegensätze zu der Zentralbahn handelt es sich hier, um eine Strecke von kaum mehr als 20b Kilometern, die in wenigen Jahren,beendet sein .kann und zur Besiedelung des Nordens, dessen Fruchtbarkeit von den jetzigen Ansiedlern be- iteils hinreichend bewiesen ist, ebenso beitragen Svird, wie zur Einschränkung des ungeheuren handelspolitischen Wettbewerbes, den uns jetzt ble englische Ugandabahn bereitet, von dem auch Herr Dernburg auf seiner Fahrt sich doch min- .bestens flüchtig überzeugt haben dürfte. Ebenso Dringend notwendig wie die Nordbahn ist aber zweifellos der Bau eines von Kilwa ausgehen­den Schienenstranges, was Herr Dernburg selbst .in seiner eigenen Denkschrift über die Eisen- 'bahnen Afrikas unzweideutig anerkannt hat. 'Auch im Süden handelt es sich um die Erschließ­ung eines naheliegenden Gebietes von nach- igewiesener Fruchtbarkeit und Vesiedelungs- lfähigkeit, und um dir Ausnutzung aller Vorteile, jwelche die englisch-portugiesischen Wettbewerbs- pläne dem deutschen Unternehmen bieten wür­den,während ihre Unterlassung die schon jetzt drohende Ausschließung Deutsch-Ostafrikas vom großen Ueberlandhandelsverkehr Jnnerafrikas »ndgiltig herbeiführen müßte."

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12 ! Nachdruck verboten.)

Frauenhände.

Roman von Erich Friesen. _ lForifetzung).

Wie freue ich mich, baß Du zuhause bist, Inein Alterchen," schmeichelt sie, ihm die Backe streichelnd.Ich habe nämlich mit Dir zu reden."

Thomas Mackays Gesicht strahlt. Rasch stellt t die Wasserpfeife beiseite und setzt sich erwar­tungsvoll seiner Frau gegenüber.

Madame trägt einen Morgenrock aus bunt­schillernder Seide. Bei jeder Bewegung raschelt die lange Schleppe gleich einer Schlange um die zierlichen, in Eoldlederpantoffeln steckenden Füßchen. Das rote Lockengewirr ist heute nicht hoch aufgesteckt, sondern fällt in langen Sträh­nen über Schultern und Nacken.

Sie weiß, ihrAlterchen" liebt diese Haar- frisur besonders an ihr und sie will heute so verführerisch wie möglich sein.

Kleine Pause.

Thomas Mackay betrachtet mit Entzücken feine schöne Frau . . . und Madame überlegt . .. 1 Plötzlich hebt sie den Kopf.

Hast Du schon einen Entschluß gefaßt, Alterchen?"

Entschluß? Worüber?"

Nun wegen Deines Herrn Stiefsohnes und der" verächtlich rümpft Madame das kurze Näschender Ruth Morton!"

Etwas unruhig rückt Thomas auf seinem Stuhl hin und her.

Wenn sie sich lieben, Diana da wird «icht viel zu machen sein."

Papperlapapp nicht viel zu machen!" lacht Madame.Wozu bist Du Stiefvater!"

Dem braven Thomas Mackay wird immer Unbehaglicher zumute unter den spöttischen Blicken seiner Frau.

'Mir selbst ist die Geschichte sehr fatal," sagt

So verschieden die Ansichten und Wünsche für den Eisenbahnbau in Ostafrika von je gewesen sein mögen, so ist man sich doch von vornherein so ziemlich darüber im Klaren gewesen, daß vor dem Bau von rentablen und kostspieligen Ueber- landbahnen für die Aufschließung der näher­gelegener. reichen Produktionsgebiete gesorgt werden muff.' Nun läßt freilich die Antwort, die der Kolonialsekretär bei dem Empfange der Farmer am Kilima-Rdscharo auf deren Wünsche erteilt hat, starke Zweifel daran, ob auch Herr Dernburg die Richtigkeit dieser Grundsätze an­erkennt. Er erklärte den Farmern, daß die Deutschen nur 3 Prozent aller Steuern in der Kolonie aufbringen, während 97 Prozent von den Farbigen aufgebracht würden, daß daher an eine stärkere Berücksichtigung der deutschen An­sprüche nicht eher gedacht werden könne, als bis die Kolonisten an Kopfzahl und wirtschaftlichem Einfluß stärker geworden sein würden. Der Reichstag wird in dieser Beziehung ein Wört- ch. mit dem Herrn Staatssekretär zu reden haoen. Bei aller schuldigen Fürsorge für die Neger darf doch nie vergessen werden, daß diese Untertanen und nicht Bürger des Deutschen Reiches sind und daß der oberste Zweck aller Kolonisation in der Förderung unserer eigenen Volksinteressen besteht.

Es riüibe aber im hohen Grade bedauerlich sein, wenn durch den doppelt schweren Fehler des Herrn Dernburg die ostafrikanischen Eisen­bahnpläne selbst geschädigt oder auch nur in den Hintergrund gedrängt werden würden. Mit Recht hat der Staatssekretär gerade diese Ko­lonie sich zum ersten Studienfelde auserkoren; denn sie ist ganz gewiß die aussichtsreichste, und seine eigenen Versicherungen beweisen ja, daß er von dieser Tatsache durch seine Reise voll über­zeugt ist. Im geraden Gegensätze zu ihrer Pro- duktionsfähigkeit steht--aber die Kürze der bis­herigen ostafrikanischen Bahnstrecken. Von den 1542 Kilometern Eisenbahnlinien, die wir in unseren Kolonien gebaut haben, kommen 1177 auf Südwestafrika und 167 auf das kleine Togo. Selbst Kamerun ist mit seinen 43 Kilometern vergleichsweise kaum schlechter als Ostafrika mit im ganzen 155 Kilometern Bahnstrecke gestellt.

Im Reichstage ist die Einsicht immer mehr durchgebrochen, daß es so unmöglich weiter gehen kann. Selbst die grundsätzlichen Gegner der Kolonialpolitik müssen zugeben, daß man Kolonien, die nun einmal nicht mehr aufgegeben werden können, wirtschaftlich entwickeln muß. Und daß dazu der Eisenbahnbau die notwen­digste Voraussetzung bietet, beweisen zur Ge­nüge die Erfahrungen des Auslandes. Wie rück­ständig wir in dieser Beziehung noch sind, zeigt ein auch nur flüchtiger Blick auf die französischen und englischen Bahnen in Afrika. In Algier

er ärgerlich.Ich hätte mir eine andere Schwiegertochter ausgesucht."

Na also!"

Aber ich habe schon mit Norbert gespro­chen und

und?"

Er sagt, er liebe Ruth Morton über alles."

Pah über alles! Will er sie denn hei­raten?"

Ja."

Empörend!"

Und Madame springt vom Stuhl auf und beginnt, erregt im Zimmer auf und ab zu trippeln.

Plötzlich bleibt sie vor ihrem Manne ^-^cn. Ihre grünschillernden Augen funkeln ihn an.

Hast Du ihn auf die Folgen einer solchen Verrücktheit aufmerksam gemacht, Thomas?"

Welche Folgen meinst Du, liebe Diana?"

Wenn er ein Mädchen heiratet, das seiner nicht würdig ist, verliert er den Anspruch auf die Erbschaft!"

Aber, meine Teuerste- Ruth Morton ist durchaus respektabel

Unsinn! Respektabel! . . . Als Gesellschaf­terin ja. Aber nicht als Schwiegertochter. Mach Dich nicht lächerlich, Thomas!"

Er schweigt. Zum ersten Male ist er mit dem, was seine Frau sagt, nicht einverstanden.

Diana merkt es und beginnt zu schmollen. Aergerlich wirft sic sich in einen Fauteuil und duckt sich nieder, wie eine wilde Katze, die jeden Augenblick sprungbereit ist. Böse funkeln ihre Augen hinüber zu ihrem Mann.

Pquse.

Na?" fragt sie nach einer Weile ungeduldig. Warum redest Du nichts? Hast Du das Testa­ment vergessen? . . . Dein Herr Stiefsohn darf nicht heiraten ohne Deine Einwilligung sonst fällt die Erbschaft an Dich zurück!"

Verwundert starrt Thomas Mackay seine Frau an

gab es Ende 1906 bereits 2917 Kilometer Schie­nenwege, in Rhodesta 2100 Kilometer, in der Kapkolonie 4934 Kilometer. Die Gesamtlänge der englischen Bahnen belief sich fast auf das zehnfache des deutschen Besitzes, nämlich 14 677 Kilometer, die Gesamtlänge der französischen Bahnen in Afrika auf 6090 Kilometer. Selbst Portugal hat seine afrikanischen Kolonien durch Bahnen erschlossen und ist dabei durch fremdes, zum Teil auch deutsches Geld unterstützt worden. Blickt man auf die wirtschaftlichen Ergebnisse dieser Bahnbauten, so zeigt sich, daß die Mehr­zahl sich bereits nach einigen Jahren rentiert hat, und daß, was schließlich die Hauptsache bleibt, die Betriebsamkeit der durchschnittenen Gebiete sich wesentlich erhöht hat.

Die amtliche Denkschrift über die Eisen­bahnen Afrikas faßt die wichtigsten Ergebnisse aus ihren zahlenmäßigen Darlegungen in fol­gendem zusammen:

Nahezu alle afrikanischen Eisenbahnen mit sehr verschwindenden Ausnahmen haben bereits von der Eröffnung an oder innerhalb sehr kur­zer Frist nachher mindestens ihre eignen Be­triebsausgaben einschließlich der Unterhaltungs­kosten zu decken vermocht; eine größere Anzahl brachte von vornherein eine Rente. Die Wirk­ungen von Eisenbahnen sind überall gewesen: a) erhebliche Erhöhung des Einfuhr- und Aus­fuhrhandels ... b) Erhöhung der Steuerkraft.. Die Steigerung dieser beiden Einnahmequellen hat fast in allen Fällen dazu hingereicht, die finanzielle Last für Verzinsung und Tilgung der für den Eisenbahnbau aufgewendeten Summen mehr als auszugleichen... c) friedliche Aus­dehnung der zivilen Gewalt, Eindämmung von Aufstandsbewegungen, Ersparnis in den .Aus­gaben für Expeditionen; d) gesundheitliche Heb­ung der Eingeborenen durch Vermeidung von Seuchen und ihre Erhaltung durch Vermeidung von Hungersnöten."

Diesen Tatsachen wird man sich auch int Reichstage nicht verschließen, und die versöh­nende Stimmung, die durch die Blockpolitik in die regierungsfreundlichen Parteien gekommen ist, wird sicherlich dazu beitragen, durch För- derrtng des Bahnbaucs den Kolonien, voran Ostafrika, aufzuhelfen. Aber hoffentlich werden die am meisten verantwortlichen Parteien nicht unbesehen die etwa ihnen zugehenden Vorlagen bewilligen, sondern dafür sorgen, daß gerade bei dieser Aufgabe die Kolonisation ernsthaft und nachdrücklich gefördert wird.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am Donnerstag vormitag von Hubertusstock kommend im Automobil im Schloß Bellevue ein, wo Prinz Joachim für seine -------------- ------i

Du könntest denken, daß ich-- stot­

tert er.

Mein Gott, bist Du schwerfällig!" knurrt Madame, indem sie vom Stuhl emporschnellt und mit beiden Füßen aufstampft. Was ist da noch zu überlegen? Du gibst selbstverständlich Deine Einwilligung zu einer Heirat mit Ruth Morton nicht. Mögen die beiden dann tun, was ihnen beliebt. Entweder sie verzichten auf­einander. wenn die Liebe spöttisch lasst Ma­dame aufdoch nicht so heiß war ... Oder sie heiraten sich, ohne Deinen Willen, und die Erb­schaft kriegen wir. Weiß nicht, was mir lieber wäre. Geld kann man zwar nie zuviel haben! Aber Deinen hochnäsigen Herrn Stiefsohn, der mir kaum die nötigste Höflichkeit erweist, der mir oft ganz offen seine Verachtung zeigt, den möchte ich--"

Ihre Stimme versagt fast vor Wut. Er­schöpft sinkt sie in einen Sessel.^

Thomas Mackay blickt immer entsetzter drein.

Ist diese Furie mit den haßentstellten Zügen, den geballten Fäusten, der schrillen, nervener­regenden Stimme seine angebetete Diana? Oder holt ihn ein böser Traum in seinem Banne?...

Madame sieht plötzlich ein, daß sie zu weit gegangen ist.

Thomas!" flötet sie, sich ihm schmeichelnd nähernd.Mein gutes dummes Alterchen! Merkst Du denn nicht, daß Deine kleine Frau nur einen Scherz machte? Einen von den vielen Späßchen, die Du so sehr liebst?"

Sie lehnt ihre sammetweiche Wange an seine Backe, gewärtig der gewohnten Liebkosung.

Doch heute nichts dergleichen. Thomas Mackays Denken ist zu schwerfällig, um sofort die unangenehme Empfindung abzuschütteln, welche das Gebühren seiner Frau in ihm erregte. Seine ehrliche Natur fühlt sich in diesem Mo­ment fast abgestoßen^

Ohne etwas zu erwidern, läßt er Diana

Einsegnung geprüft wurde, und begab sich dan« gegen 1 Uhr nach dem Berliner königliche« Schlosse.

Die Einführung des Kronprinzen in M« Zivilverwaltung. Dem Kronprinzen wurden, wie dieKreuz-Ztg." berichtet, gestern vormtt» tag im Ministerium des Innern durch den Mi­nister v. Moltke die Beamten des Ministeriums vorgestellt. An die Vorstellung schloß sich ei« Vortrag des Universitätsprofessors Otto Hintz» über die Wandlungen des preußischen Staate» vom Territorialstaat zum Eroßstaat und übe« die Entwicklung vom landständischen zum abso­lutistischen und schließlich zum " --stftu- tionellen Staat.

Vom Bundesrat. Berlin, 18. Okt. In der gestrigen Sitzung des Bundesrates routbe dem Ausschußbericht über die Entwürfe betref­fend die Bestimmungen für die Vornahme bei Viehzählung am 2. Dezember d. I. und de» Aenderungen der Bestimmungen über die Sammlung von Saatenstands- und Erntenack^ richten, sowie dem Ausschußbericht über das Handels- und Schiffahrtsübereinkommen zwi­schen dem Deutschen Reiche und dem Fürsten­tum Montenegro zugestimmt. '

Eröffnung des sächsischen Landtage». Dresden, 18. Okt. Der sächsische Landtag wurde gestern mit einer Thronrede eröffnet, in welcher König Friedrich August seiner Genug­tuung darüber Ausdruck verlieh, daß er bei sei­nen Reisen im Lande wahrgenommen habe, wie einerseits der Sinn für das Gemeinwohl sich in weiten Kreisen der Bevölkerung ausbreite, und andererseits die Tätigkeit der Regierungs­organe durch das Vertrauen der Untertanen er­leichtert werde. Er wünsche, die im Volk vor­handenen Kräfte in möglichst weitem Umfange sowohl für die Selbstverwaltung, wie auch für die Volksvertretung zu verwerten, und habe deshalb eine Aenderung der Bestim« mungen über die Wahl der Abge­ordneten zur Zweiten Kammer bet Ständeversammlung und im Zusam- menhang damit über die Bildung der Bezirks« verbände und deren Vertretung für geboten er­achtet. Der erfreuliche Aufschwung auf den mei­sten Gebieten des Erwerbslebens habe bisher' angehalten, und unter der Gunst der allge­meinen Wirtschaftslage befänden sich die Ein­nahmequellen des Landes in erwünschter Auf­wärtsbewegung. Andererseits sei gleichzeitig der staatliche Ausgabebedarf in fast allen Zwei­gen der Verwaltung mit der zunehmenden Be­völkerung und den fortschreitenden Kulutur- bedürfnissen von neuem sehr erheblich gestiegen.. Neben den sonstigen Maßnahmen, die dazu die­nen, das Diensteinkommen der Beamten ange4 messen zu heben, werde deshalb eine wesentliche Erhöhung der Wohnungsgelzzu» schösse vorgeschlagen werden. Wie verlau-

drauflos schwatzen: daß sie versuchen wolle, ihr» Antipathie gegen jene Verbindung zu bekämpf fen; daß sie Rut alles Gute wünsche; daß sie so: gar ihre Mutter aufsuchen wolle und ähnliche schön gedrechselte Phrasen. ...

Als sie jedoch merkt, daß sie für heute nicht» bei Thomas erreicht, zieht sie ein Schmollmünik chen, gibt ihremDickkopf von Mann" einen schäkernden Klaps und trippelt wieder aus denk Zimmer.

Aergerlich mit sich und der ganzen Welt fegt sie in ihrem langen Schleppgewand durch» Haus, überall Schrecken verbreitend. John, der Kammerdiener ihres Mannes, knickt zusammen wie ein Taschenmesser; Polly zittert am ganzen Leibe, und die übrige Dienerschaft drückt sich scheu in die Ecke bei ihrem Nahen. ,

Madame ist ungnädig! Nehmt euch in Acht!" '

Nur Ruth scheint unberührt von Diana' Mackays Wut sie, die doch die eigentliche Veranlassung dazu war. Seit ihr Entschluß feststeht, bereits in nächster Zeit offen als Nor bert Douglas' Gattin hervorzutreten, fühlt |ie sich gewappnet gegen jede Bosheit.

Gleichmütig sitzt sie unten im kleinen Emp­fangssalon ihre Gebieterin und kopiert ein» Anzahl Briefe für sie. ;

Madame benutzt die Zeit, um in dem Zim­mer ihrer Gesellschafterin ein wenig herumzu­spionieren. i

Die Schubläden sind alle unverschlossen Mißtrauen ist einer so offenen Natur wie Ruch fremd. !

Madame zieht die oberste Schublade auf.

Ihr Blick fällt auf Norberts Bild. Mii höhnischem Lachen schiebt sie es beiseite.

Eine Schreibmappe kommt zum Vorschein.

Madame öffnet sie und erblickt ein offene.*'

Kuvert mit einem Brief. r

i (Fortsetzung folgt.) '