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Marburg
Mittwoch, 16. Oktober 1907.
Erscheint wSchentlich siebe» mal.
Druck Md Berlagi Ioh. Lug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg«
| Angst der Sozialdemokratie.
M Zeuge Bebel hat im Hochverraisprozeß gegen -en „Genossen" Liebknecht wiederholt bekannt, -aß die sozialdemokratische Parteileitung aus Magst vor dem Paragraphen 112 des Strafgesetzbuches und noch mehr aus Sorge, daß dieser Paragraph verschärft werden könnte, vor der Lieb- Inechtschen Methode, antimilitaristische Agitation zu treiben, gewarnt habe. Zugleich ließ -er sozialdemokratische Führer die Besorgnis durchblicken, daß bei der Revision des Strafgesetzbuches überhaupt eine gegen die Umsturz- Kestrebungen gerichtete Verschärfung der entsprechenden Maßregeln vorgenommen werden Unnte. Nun scheint ja die auf dem Wiesbadener Parteitage von dem Abgeordneten Kaffermann abgegebene Erklärung,' daß ein Dcharfmachertum, neue polizeiliche Maßnahmen stricht mehr am Platze seien; daß man nur eine Ehrliche liberale Sozialpolitik treiben müsse, daß der Herrenstandpunkt als überwunden anzusehen sei usw., die Bebelschen Sorgen einigermaßen beschwichtigt zu haben. Trotz alledem geht aus der ganzen Haltung der offiziellen Sozialdemokratie hervor, daß man im roten Lager -ganz anders auftreten würde, wenn man nicht doch noch Angst vor der Einführung von Re- xressivmaßregeln hätte.
\ Diese Angst sticht von -der Behauptung, daß Repreffivmaßregeln nur zur Förderung der sozialdemokratischen Bewegung dienen würden, bedeutend ab. Wenn Bebel eingesteht, daß schon die bloße Furcht vor einer Verschärfung Einiger Strafgesetzbestimmungen die sozialdemokratische Agitation beeinflusse, so ist das ein Beweis für die, dieser Agitation unbedingt schädliche Wirkung derartig verschärfter Maßregeln. Man kann immerhin zugeben, daß die Sozialdemokratie schon viel zu stark geworden sei, als daß sie durch ein Repressivoorgehen vernichtet werden könnte; aber die Frage ist nicht so zu stellen, ob eine solche Vernichtung überhaupt möglich wäre, sondern ob es notwendig sei, ge- flen die weitere llnterwühlung der staatlichen Grundlagen einen festen Damm aufzurichten. Und diese Frage wird bejaht werden müssen. \ * Es ist eine Illusion, daß jetzt die beste Gelegenheit sei, die Industriearbeiter durch libe- 'zrale Mittel aus der sozialdemokratischen Umschlingung zu befreien, und es ist fast unbegreiflich, daß noch immer solche Illusionen gehegt Meiden. Man täuscht sich, wenn man wieder Einmal meint, die Sozialdemokratie stehe im Begriffe, sich zu mausern. Sie ist im Gegenteil Nur immer radikaler und auf radikaler Erund-
10 W. tNachdruck verboten.),
Frauenhande.
Roma» von Erich Friesen.
Wortsetzung). ~ . 5.
«b -öit seinem eleganten Bureau in der Broad- rvay sitzt Dr. William Berry, einer der gesuchtesten Rechtsanwälte Newyorks, und blättert in den vor ihm liegenden Aktenstößen.
' Seine Sprechstunde ist längst vorbei. Trotzdem hat der alte Bureauvorsteher soeben erst den letzten Klienten verabschiedet und bereitet sich fetzt selbst vor zum Nachhausgehen.
£. Da hält draußen vor dem Hause ein Wagen. - Gleich darauf heftiges Läuten an der elektrischen Glocke.
i-f Dr. Berry horcht auf. . /
H „Noch jemand?"
A: Er legt die Akten beiseite und blickt nach der Tür.
? „Frau Diana Mackay!" meldet der Bureauvorsteher etwas ärgerlich über die abermalige Verzögerung.
■;v „Ich lasse bitten!"
!'S' Gleich darauf tritt Frau Mackay ein.
J Dr. Berry erhebt sich.
„Herzlich gegrüßt, liebe Diana? Was verschafft mir die Ehre? Neue Spekulationen in Eoldminenaktien, wie? . . t Nicht? , . .. Was denn sonst?"
-Mrvas viel Wichtigeres!" stößt sie erregt heraus. „Etwas, das mich furchtbar ärgert und weshalb ich Dich um Rat fragen will. Denn tr“ ste wirft ihm einen etwas koketten Blick zu — „in mancher Beziehung sicht mir mein lieber Cousin doch noch näher, als mein teurer Gatte."
■ - Dr. Berry verbeugt sich mit leisem Lächeln, während seine klugen Augen voll Erwartung euf seine Cousine blicken.
Dr. William Berry und Diana Mackay sind Nicht nur Cousin und Cousine, sondern auch Ju- ßendgespielen — trotz des Altersunterschiedes von beinahe zehn Jahren.
läge immer geschloffener geworden. Früher hoffte man auf einen Zwiespalt zwischen Ee- n werkschaften und Partei. Diese Hoffnung ist, wie sogar der mauserungsfreudige Optimist 5 Naumann zugeben mutzte, geschwunden. Auch |ä die Erwartungen, die man einem steigenden [ä | Einflüsse der Revisionisten entgegenbringen zu i- I können meinte, haben, wie zutreffend der Herr ;s I Reichskanzler ausführte, enttäuscht. Die revi-
I sionistischen „Genossen" sind vollkommen bedeu- 5 | tungslos geworden, und wer von ihnen sich ein-
I mal programmwidrig aufzuspielen wagt, wird , I bald mundtot gemacht.
. I Wohl glaubt man oon der nationalen Ar- x I beiterbewegung einen günstigen Einfluß auf die - I Jndustriearbciterschaft erwarten zu können. t I Aber gegenüber dem skupellosen terroristischen t I Vorgehen der Sozialdemokraten sind die natio- t I nalen Arbeiterorganisationen noch immer t I machtlos, wenn ihnen der Staat nicht mit seinen
I Machtmitteln zu Hilfe kommt. Möglich, daß - I die schrankenlose Koalitionsfreiheit den natio- , I nalen Organisationen Vorteile bringen würde; t I jedoch die meisten Vorteile davon würden die , I sozialdemokratischen Organisationen haben, und . I das würde schließlich zum Schaden nicht nur der h I nationalen Arbeiterbewegung, sondern des
I Staatswesens ausschlagen. .
I Man streitet sich in bürgerlichen Kreisen I I darüber, ob v. Vollmar, der soeben sich als Va- . I terlandsfreund aufzuspielen für opportun ge- , I halten hat, patriotischer empfinde als Bebel und ; I Rosa Luxemburg, oder ob Bebels bekannte Zu- ; I sicherung, die Flinte auf den Buckel nehmen zu I wollen, um das Vaterland zu verteidigen, als I eine Konzession an das erwachende patriotische 1 Bewußtsein der „Genossen" zu betrachten sei. I Dieser Streit ist müßig. In dem Bestreben, die I Staatsmacht zu untergraben und die vat-rläN- j buche Wehrkraft zu schwächen, sind alle Sozial- 1 demokraten einig. Und wenn Bebel mit von I Vollmar einer Meinung sind, daß bei der Iu- I gendorganisation und der antimilitaristischen I Propaganda vorsichtig verfahren werden müsse, I so ist das nur die Folge der Ängst vor der Ein- I führung von Repressivmaßregeln.
I Glaubt man denn, die Sozialdemokratie I habe von der Anwendung des politischen Mas- I senstreiks als Kampfmittel Abstand genommen? I Dann würde man sich schwer täuschen. Von sol- I chen Projekten wird zwar jetzt nicht laut ge- I redet; aber desto eifriger wird an ihrer Ver- I wirklichung gearbeitet. Das scharfe Vorgehen I der russischen Regierung gegen die Revolution | bat auch den deutschen Sozialrevolutionären das | Konzept verdorben. Wäre, wie Bebel und Ec-
Es gab eine Zeit, da schwärmte der junge Student für die reizende kleine Diana, die ihm mit ihrem pikanten Kapricengesichtchen, den grünschillernden, gleichsam phosphoreszierenden Äugen, den widerspenstigen roten Haaren und den schmeichelnden Bewegungen des kindlichen Körpers wie eine wilde Katze erschien.
Etwas älter und vernünftiger geworden, merkte er bald die Oberflächlichkeit ihres Wesens, ihre Herrschsucht und Launenhaftigkeit, den gänzlichen Mangel. an Seele in diesem blendenden Aeußern.
Seine Schwärmerei flaute ab. Doch blieb immer noch soviel übrig, daß er mit Jntereffe ihr Schicksal verfolgte.
Gleich allen anderen Freunden und Bekannten wunderte er sich nicht wenig, als die gefeierte Diana Tickleton den um beinahe sünf- vndzwanng Jahre älteren Thomas Mackay heiratete — noch dazu ein Witwer mit einem Stiefkind. Bald jedoch sah auch er ein, daß kein anderer Mann so gut zu seiner schönen, leichtlebigen Cousine gepaßt hätte. Thomas Mackay ließ ihr in allem freien Willen, befriedigte jede ihrer Launen, unterstützte sie reichlich bei ihren sogenannten „Wohltätigkeitsbestrebungen" und gestattete ihr sogar, an der Börse zu spekulieren — ein Nervenkitzel, den sie besonders liebte.
Wegen dieser kleinen Extravaganzen sucht Tiana Mackay ihren Cousin öfters in seinem Bureau auf; denn sie liebt es nicht, Geschäfts- sachen in den glänzenden Räumen ihres Hauses zu verhandeln.
Was Wunder, daß Dr. Berry auch heute etwas derartiges vermutete!
Und nun ist es etwas anderes, weshalb ste seinen Rat einholen will! Er ist wirklich neugierig darauf.
„Nun?" fragt er, ste erwartungsvoll anblickend.
Eine Sekunde lang senkt Diana Mackay die Lider vor dem Blick dieser ernstforschenden Augen, die bis ins Tiefste der Seele zu dringen schienen ■
Deutsches Reich.
— Zum Besuche des Kaiserpaares in den Niederlanden wird aus Amsterdam gemeldet, daß das deutsche Kaiserpaar am 20. November nicht in Dliffingcn, sondern in Pmuiden mit der „Hohenzollern" ankommt. Zwei Panzerschiffs und zwei Panzerdeckschiffe und kleinere Fahrzeuge werden nach Pmuiden beordert, um das Begrüßungsgeschwader zu bilden.
— Die Kaiserin hat an den Grafen Posa- dowsky-Wehner, der anläßlich seines Ausscheidens aus dem Staatsdienste das Amt des Vorsitzenden des deutschen Zentralkomitees zur Ve- kllmpsung der Tuberkulose ntedergelegt hat, ein Handschreiben gesandt, in dem die Kaiserin dem Grafen die dankbare Anerkennung zum Ausdruck bringt, die seinem Wirken auch an dieser Stelle gebühre.
— Einführung des Kronprinzen in die Zioil- verwaltung. Der Kronprinz hat den Wunsch geäußert, die Zivilverwaltung des Staates in umfassender Weise kennen zu lernen. Auf diesen Wunsch hat der Kaiser durch Kabinettsorder vom 7. Oktober d. I. die Genehmigung zur Beschäftigung des Kronprinzen im Ministerium des Innern für die Dauer eines Jahres unter Befreiung von militärischen Dienstleistungen während dieser Zeit genehmigt, und die Einführung des Kronprinzen in die zivildienstlichen Geschäfte dem Minister des Innern von Moltke, unter Billigung des von diesem aufgestellten
„Nun?" fragt er abermals. Weswegen willst Du mich konsultieren, liebe Diana?"
„Wegen — wegen Ruth Morton!"
„Wie —?"
Ein leiser Schimmer von Röte färbt Dr. Berrys bleiches, hageres Gesicht.
„Ja, wegen meiner Gesellschafterin," fährt Diana Mackay, welcher der Farbenwechsel in den Zügen ihres Cousins nicht entgangen ist, lebhafter fort. „Du kennst sie ja! Ein hübsches Mädchen!" 1
„Gewiß. Ein sehr hübsches Mädchen!" Etwas forciert lacht Diana auf.
„Auch Du, mein Sohn Brutus?" spöttelt ste. „Ihr Männer seid doch alle gleich! Sine hübsche Larve und ihr seid futsch! .... Ich Haffe solch« Männerschönheiten!"
„Wirklich?" Etwas ironisch blickt Dr. Berry in das pikante Frauengesicht vor ihm, um gleich daraus in geschäftmäßigem Ton; fortzufahren: „Was hat also diese böse junge Dame verbrochen. liebe Cousine?"
Diana Mackays Finger zupfen nervös an den Spitzen ihres Taschentuchs — so heftig, bofc das feine Gewebe hie und da zerreißt.
„Es ist geradezu unverantwortlich! Ich war £ Zufrieden mit ihr! . . . Ueber anderthalb Jahre ist das Mädchen jetzt in meinem Hause. Sie singt so hübsch, und sie führte meine Korrespondenz, und vor allem — sie verstand es, Meine Toilette in Ordnung zu halten — viel besser, als die dumme Polly! .... Und dabei habe ich ihr nie ein so hohes Gehalt gegeben — achthundert Dollars das Jahr ... und ich hätte ihn noch erhöht — nur aus Mitleid für ihre Mutter und Schwester .... Hübsche Toiletten habe ich ihr geschenkt, noch kürzlich ein weißes Kaschmirkleid mit Seidenstickerei —"
„Ich weiß, ich weiß —" wehrt Dr. Berry etwas ungeduldig ab.
Ein hohes ernstes Mädchenbild taucht vor seinem geistigen Auge auf, das edle Haupt von goldblondem Haar gekrönt, die schlanken Elie- ber in ein weißes Gewand gehüllt, dessen lose , Falten durch einen schlichten Silbergürtel ge- |
Veschäftigungsplanes, übertragen. In tzeU Programm ist vorgesorgt, daß dem Kronprinzen in alle wichtigeren Zweige des inneren Staats« dienstes ein eingehender Einblick gewährt wird. Neben eigener praktischer Bestättgung bei bet Bearbeitung ausgewählter Geschäftssachen und der Teilnahme an wichtigeren Ministerialvor« trägen, gelegentlichen Besichtigungen usw. werden Vorträge einhergehen, die dem Kronprinzen von Vertretern der Wissenschaft und Männer» der Praxis in steter Anlehnung an den Fortschritt seiner Tättgkeit gehalten werden. Wie weiter berichtet wird, hat der Kronprinz seine neue Beschäftigung bereits ausgenommen.
— Die Frage der Einberufung des preußischen Landtage» wird von einem Teile der Presse mit Leidenschaftlichkeit behandelt. Dazu ist aber, wie aus Berlin geschrieben wird, kein Anlaß vorhanden, da die Entschließung lediglich von Zweckmäßigkeitsgründen abhängen wird. Gewiß ist eine Einberufung des preußischen Landtages für den Herbst des laufenden Jahres in Aussicht gestellt worden. Es war dies erfolgt, weil man voraussah, daß sich für die nächste Tagung eine Fülle von Beratungsmaterial ansammeln würde, zu dessen Erledigung eine frühere, als die gewöhnliche Berufung des Landtages angebracht sein würde. Voraussetzung war natürlich auch damals, daß für beW Lanbtag, wenn er im Herbst einberufen würde, bis zu den Weihnachtsferien ausreichender Ve- ratungsstoff vorgelegt werden könnte. Auch die Presse, die die Einberufung vor Weihnachten fordert, gibt mittelbar zu, daß sie nur erfolgen sollte, wenn genügend Material vorhanden sein würde, sie setzt nur voraus, daß dieses Material da ist. So liegt die Sache allerdings nickt. Es dürfte sich aber wohl schon in naher Zeit entscheiden, ob dem preußischen Landtage, wenn er noch im November zusammenberufen würde, der nötige Beratungsstoff unterbreitet werden könnte und ob deshalb die zeitigere Einberufung den früher ins Auge gefaßten Zweck auch tatsächlich haben würde. Daß der Staatshaushaltsetat für 1908 nicht vora-legt werden könnte, steht jetzt schon fest. Es würde sich also nur um andere Entwürfe handeln können, allerdings auch um solche, die mit dem Etat im Zusammenhangs stehen. Lange wird die Enti. ei- dung hierüber schon aus äußeren Gründen nicht mehr auf sich warten lassen können.
— Jubilare im preußischen Abgeordneten- hause. Berlin, 14. Ott. Die Abgeordneten Broekmann (Zentr.), Dr. Graf Douglas (frei!.). Hirsche (nat.-lib.), Lueckhoff (fteit), Mehner- Frankenstein (Zentr.) blicken am 26. Oktober auf ein 25jähriges Mandatsalter zurück. Der Abg. v. Detten begeht am 26. Oktober die 28- jährige Wiederkehr des Tages, an dem er zuerst
noffen erwartet hatten, die russische Revolution siegreich geblieben, dann würde das Auftreten der deutschen Sozialdemokratie ein ganz anderes sein, als es heute aus Angst vor der Anwendung staatlicher Machtmittel ist.
Hat der Liberalismus die Zuversicht, daß die Sozialdemokratie durch liberale Mittel erfolgreich bekämpft werden könne, so trete er doch in diesen Kampf mit voller Wucht ein Nicht etwa nur bei den Wahlen muß aber diese Wucht sich offenbaren, sondern zu allen Zeiten. Was für Mittel gedentt beispielsweise der Liberalismus gegen die verwüstende sozialdemokratische Jugendbewegung anzuwenden? Mit welchen Mitteln glaubt er gegen die antimilitaristtsche Propaganda vorgehen zu können? Auf diesen Gebieten ist mit „freiheitlichen" oder sozialpolitischen Maßnahmen nichts zu machen. Dazu aber, daß man sich diesem gemeingefährlichen Treiben gegenüber auf den bequemen Standpunkt des laisser-aller zurückziehen könnte, find doch wahrlich die Zeiten zu ernst und die Verantwortlichkeiten zu groß.
halten werden. Und er fühlt noch jetzt, welchen Eindruck jenes keusche Bild auf ihn gemacht...
„Und jetzt —" fährt Diana Mackay empört fort' — „jetzt dankt sie mir alle meine Güte so —“
„Was meinst Du damit?"
„Sie hat sich in meinen Herrn Stiefsohn verliebt und ihn sich geangelt!"
„ „Ah —.
Dr. Berry ist aufgestanden und rückt ei» Bild an der Wand zurecht, das sich verschoben hat.
Als er sich wieder seiner Cousine zuwendet, ist seine Sttrne lebhaft gerötet. Doch merkt man seiner Stimme nicht die geringste Erregung an. als er langsam sagt:
„Ich wußte nicht, daß Norbert Douglas 6e< reite von seiner Reise um die Welt zurückge- kehrt ist."
,,5«, schon vorige Woche. Aber er schien sich gar nicht weiter um Fräulein Morton zu kümmern. Bis ich gestern abends, als ich nach elf Uhr vom Theater nach Hause kam, im Musiksaal Licht erblickte. Ich schleiche hinein — ganz sachte . . . da sitzen die beiden dicht beieinander auf der Chaiselongue ... Er hält ihre Hand, und sie hat den Kopf an seine Schulter gelehnt. O, abscheulich! ... Als sie mich sah, wurde sie schneeweiß, die leichffertige Person. Mein Herr Stiefsohn aber sprang auf und sagte mir mit seiner ganzen Unverschämtheit ins Gesicht:
„Ob Sie es etwas früher oder später erfahret ist gleich, Frau Mackay. Fräulein Ruth Morton, hat eingewilligt, meine Gattin zu werden."
„Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Bevor ich etwas entgegnest konnte, hatte mein Herr Stiefsohn bereits das Zimmer verlasse», Ruth Morton aber saß da wie versteinert. Keilt Wort kam über ihre Lippen; ich sah jedoch, roi< sie am ganzen Leibe zitterte ... Du weiß- lieber Cousin, Geduld ist nicht meine gröK» Tugend. So ließ ich sie dar Skandalöse ihreG, Benehmens gründlich fühlen." ?