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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Gonutaasbeilaae: AlluttrirL-S TonvtaaSblatt.
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l Nachdruck verboten.);
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Standesgenossen. Das Schelten auf die Klaffenjustiz paßt hier also wie die Faust aufs Auge!
Wie schon erwähnt wurde, hat sich August Bebel als Zeuge vor dem Reichsgericht als Gegner der Liebknechtschen Agitation bekannt. Zu dieser Haltung zwingen den Todfeind der bürgerlichen Gesellschaftsordnung natürlich nur taktische Erwägungen. Der schlaue Fuchts traute bisher zwar dem Rechtsanwalt Liebknecht die Fähigkeit zu, rabulistisch die im Hochverratsparagraphen liegenden Gefahren zu umgehen, fürchtet aber jedenfalls, die sog. kleinen Agitatoren würden um so eher in das Fangeisen dieses Paragraphen geraten. Nur darum mißbilligt er das Liebknechtsche Spiel mit dem Feuer. Rach einem Vorgehen nach Art Liebknechts muß er zu viele Verluste im roten Heerbann erwarten; sonst ist ihm ja jede Agitation gegen die bürgerliche Gesellschaftsordnung erwünscht. Andrerseits hat der Angeklagte Liebknecht seine antimilitaristische Agitation -nt Hinweisen auf den Umstand zu entschuldigen gesucht, rechtsstehende Blätter, wie die „Hamburger Nachrichten", die „Post" usw. hatten auch Aufforderungen zum Staatsstreichs gebracht. Man mag nun über den Kampf gegen das bestehende Reichstagswahlrecht denken, wie man will. Sicher aber waren die Artikel der genannten Preßorgane diktiert von der Sorge um den ungeschwächten Fortbestand des deutschen Reiches, und diese Sorge war gerade nach dem Ausfall der Reichstagswahlen von 1903 verständlich. Solche Aeußerungen vaterländischer Blätter aber mit den hochverräterischen Umtrieben der Sozialdemokratie auf eine Stufe zu stellen, ist absurd.
Der Leipziger Hochverratsprozeß hat seine Bedeutung nicht in der Person des nunmehr Verurteilten. Ob Liebknecht verurteilt oder freigesprochen wurde, hat im Grunde genommen nur ein nebensächliches Jntereffe. Sein erfreuliches Gepräge aber findet der Leipziger Prozeß in der erneut zum Ausdruck gebrachten Tatsache, daß das Deutschs Reich nicht bloß Machtmittel an der Hand hat, jede seinen Fortbestand „zermürbende" Agitation mit der vollen Schärfe des Gesetzes zu treffen, sondern auch entschloffen ist, von diesen Machtmitteln rücksichtslos Gebrauch zu machen. Das Unkraut der antimilitaristischen Agitation tritt auch bei uns schon häufiger auf als viele glauben und wissen. Die sozialdemokratischen Jugendvereine zählen bei uns bereits 6800 Mitglieder, und nach dem Bericht des internationalen Sekretariats >et sozialistischen Jugendorganisationen hat OPötn 1907 eine Gaukonferenz für den Elsaß sich bereits die folgende Resolution geleistet: „In Erwägung, daß der Militarismus eine jeder Menschlichkeit hohnsprechende Einrichtung des Klaffenstaates
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. klug. Koch, UmvcrfttLtS-Buchdruckerek 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
hat der Gerichtshof kein Bedenken getragen, sämtliche Tatbestandsmerkmale des Hochverrats für vorliegend zu erachten. Hinsichtlich der Frage aber, ob der Angeklagte aus einer ehrlosen Gesinnung heraus gehandelt habe, ist das Gericht im Widerspruche zu der Auffaffung des Oberreichsanwalts Dr. Olshaufen zu der Ansicht gelangt, daß eine solch« nicht vorliege. Betreffs des Hastantrages des Oberreichsanwalts hat der Gerichtshöfen entschieden, daß mangels Fluchtverdachtes dem Anträge nicht stattzugeben sei.
Wie vorauszusehen war, hat dieses Urteil des Reichsgerichtes lebhafte Erörterungen hervorgerufen. Während sich gewiß sehr viele wackere Deutsche ganz zu der Auffaffung des Oberreichsanwalts bekennen, daß der Hochverrat nach deutscher Auffaffung stets etwas Ehrloses in sich schließt und deshalb mit Zuchthaus zu bestrafen sei, scheint man in linksliberalen Kreisen den sozialdemokratischen Fanatiker lebhaft zu bedauern. Dieser freisinnigen Humanitätsduselei gibt die „Frankfurter Ztg." Ausdruck, indem sie das Urteil des höchsten deutschen Gerichtshofs als einen „schweren Justizirrtum" hinstellt und die stets wiederkehrende linksliberale Klage bringt, daß es deutsche Richter gäbe, die allzu oft das Recht, das wahre Recht nicht finden könnten. Daß dies so kommen mußte, war ja vorauszusehen, allein: Leipzig hat gesprochen, der Rechtsstreit ist beendet.
Wie in den sozialdemokratischen Organen die „Affäre" behandelt wird, davon nur einige Proben. Bereits am Freitag morgen war im „Vorwärts*' zu lesen, die Anklage sei so total zusammengebrochen, die volle Schuldlosigkeit Liebknechts so klar bewiesen, daß die Annahme einer Verurteilung völlig ausgeschloffen erscheine. Ganz sicher aber waren sich die Herrschaften dieses Ausganges nicht; denn in dem gleichen Leitaufsatz des genannten „Berliner Volksblattes" war zugleich unter beleidigenden Ausfällen gegen das Reichsgericht zu lesen: „Wir sind die Letzten, die von den 14 Richtern des Reichsgerichts objektiv unvoreingenommene Beurteilung erwarteten. Und die Art der Verhandlung gibt der Befürchtung, daß Liebknecht trotz seiner Schuldlosigkeit von diesen, Richtern verurteilt werden könnte, wahrlich reichliche Nahrung." Selbstverständlich erzählte der „Vorwärts" bei diesem Anlaß auch wieder das Märchen von der Klaffenjustiz. In Wirklichkeit hatte das Reichsgericht aber nicht über einen „ausgepowerten" Proletarier, sondern über einen wohlsituierten Rechtsanwalt zu Gericht zu sitzen; nicht sahen sich 14 Bourgeois einem Proletarier gegenüber, sondern 14 Juristen einem
zwickt es — und dabei kommt die Figur nicht einmal vorteilhaft zur Geltung!"
„Gestatten Sie, Frau Mackay —"
Ruth zieht die Handschuhe aus und nähert sich der verdrießlichen Dame, die sich aufs neue vor dem Spiegel hin und her bewegt, den Kopf nach allen Seiten drehend.
„Wenn Sie eine Viertelstunde Zeit übrig habön, Frau Mackay, werde ich den Schaden sogleich reparieren. Darf ich um Schere, Fingerhut und Nadeln Litten?"
Madames Gesicht hellt sich auf.
Das Mädchen spricht ja ganz vernünftig!
„Zeit habe ich stets, wenn ich will, besonders für Toilettenangelegenheiten," lachte sie. „Polly! Schere her! Und Fingerhut! Und Nadeln und Zwirn!"
„Sind Sie Schneiderin gewesen?" fragt Madame verwundert, den flinken Fingern zusehend, wie sie trennen und nähen und probieren und zusammenstecken. „Mein Stieffohn sagte mir -och, sie hätten studiert —“
„Nein, ich war nie Schneiderin," lautet die lächelnde Antwort. „Aber ich hab« mir stets meine Garderobe selbst zurechtgemacht. Außerdem — ein bischen Geschick und ein wenig guter Wille--"
Und sie näht weiter. * V "
ist, dazu bestimmt, die Herrschaft der Bour»' geoiste aufrechtzuerhalten, erklärt die Konferenz, daß es dringend notwendig ist, die Erziehung und Organisation der Jugend zum Zwecke der Bekämpfung des Militarismus in Angriff z< nehmen und mit aller Kraft zu betreiben unh beschließt: 1. Die Einzelmitgliedschaften habe« in ihren privaten Zusammenkünften vor der Aushebung zum Militär belehrende Vortrage darüber abzuhalten, welche Recht der einzelne Soldat beim Militär besitzt; 2. zur selben Zeit sind Flugblätter zu verbreiten, in denen darauf hiNgewtesen wird, daß die Militärpflichtigen vom Beschwerderecht den ausgiebigsten Eebrauiy zu machen haben." Die Urheber solcher Wüh« lereien wiffen jetzt: es gibt noch Richter auch in Leipzig.
irgend einem Manne empfunden, ihr stolze, Herz blieb stets unberührt. , ’
Drum flammte die Liebe zu Norbert mit solch elementarer Gewalt in ihr auf, daß sie glaubte, kein Opfer sei ihr zu groß für diese ihre Liebe.
Mit dem Vater verband sie innige Geistesverwandtschaft. Die Mutter hingegen steht ihr völlig fern. Nie hat zwischen Mutter und Toch. ter auch nur das geringste vertrauliche Ver. hältnis bestanden. Nie auch spricht Ruth zu der Mutter von ihren Gedanken und Empfindungen; die brave Frau würde sie doch nicht verstehen.
Wie oft schon hat Ruth unter der Erkenntnis schwer gelitten.
Auch jetzt hebt ein tiefer Seufzer ihre Brust, als sie an die Mutter und die kleine Schwester denkt.
Ach, wie gern hätte sie wenigstens diesmal der Mutter ihr Herz ausgeschüttet, sie ins Ver-. trauen gezogen! -
Sie tat es nicht. Dre angstlrche, zaghafte Frau hätte vielleicht alles verdorben, was Norbert mit solcher Umsicht geplant und ausgrl- führt.
Norbert!
Ruth nimmt eine Kabinettphotographie aus dem Koffer und betrachtet sie mit glänzenden Augen, lange — lange--
Dann zieht sie ein dünnes, goldenes Kettchen, welches sie unter dem Kleid verborgen trägt, hervor.
An der Kette hängt ein schmaler Eowreif mit dem eingravietten Datum des gestrigen Tages und den Buchstaben? N. D. — ein Trauring.
„Norbert! Mein geliebter, treuer Gatte!" flüstert sie glückdurchbebt. „Gott helfe mir, daß ich Dir ein gutes Weib werde!"
Und voller tiefet Innigkeit drückt sie de»! Ring gn ihre Lippen. . i -y
• ' ......... --i ^Fortsetzung folgt.)
Kongreß für höhere Frauenbildung.
(Eigenbericht der „Oberh. Zeitung".) A
Zweiter Verhandlungstag. $1
Gaffel, 18. Ott.
Auch heute wieder ist der große Saal de» Evang. Vereinshauses dicht besetzt, und die Zuhörer folgen mit lebhaftem Jntereffe den Verhandlungen. Nachdem ein Begrüßungsschreiben des Konsistorialpräfidenten von Altenbokum verlesen ist, nimmt Frau Marianne Weber- Heidelberg das Wort zu einem einstündigen akademisch-gründlichen Vortrag über de« „gemeinsamen Schulbesuch von Knaben und Mädchen (Eoedukation)". Sie gibt zunächst einen Ueberblick über die Länder, in denen Eoedukation eingeführt ist wie Norwegen, Schweden, England, vor allem Amerika. An der Hand von Urteilen der Fachleute erweist sie, daß diese sich dort überall wohl bewährt habe. Alle betonen, daß auf sexual-moralischem biete sich keine Schwierigkeiten ergeben. Ei« bescheidener Anfang ist in Deutschland gemacht. Baden entschloß sich 1900 zur Aufnahme von Mädchen in Gymnasien. Württemberg, Hessen, Elsaß-Lothringen folgten. Von 20 Direktoren der Gymnasien, in denen Mädchen zugleich mit Knaben unterrichtet wurden, sprachen sich 17 für, 2 schwankend, 1 dagegen aus. Dieser aber leitet die Anstalt erst ein Jahr und hat selbst noch nicht in gemischten Klassen unterrichtet. Frau Weber fordert auf Grund der Erfahrungen weitere Ausdehnung der Eoedukation. Wo Mädchen in der Klasse sitzen, herrscht größere geistige Regsamkeit, der Verkehr ist ein kameradschaftlicher; Flirten kommen ja auch vor, wo Knaben und Mädchen getrennt feien. Es sei aber nicht zu leugnen, daß die gemeinsame Erziehung dem Lehrer auch besondere Schwierigkeiten auferlege, er müsse den Gedanken pslan-
Marburg
Dienstag, 15. Oktober 1907.
Das Urteil im Hochverratsprozeffe gegen Liebknecht.
Wie bereits auf Grund eigener Drahtmel- hung in der letzten Ausgabe der „Oberheffischen Zeitung" mitgeteilt wurde, ist am Samstag Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht, der Hauptagitator der sozialdemokratischen Jugendorganisationen, vom Reichsgericht im Sinne btt Anklage dtz« Hochverrats für schuldig erklärt und zu iy2 Jahren Festung, sowie zur Tragung der Kosten verurteilt worden. Außerdem wurde auf Einziehung der Schrift erkannt, welche den Anlaß des Verfahrens bildete. In der Urteilsbegründung wurde vom Vorsitzenden des höchsten deutschen Gerichtshofes folgendes ausgeführt: Die Tat, deren sich Liebknecht schuldig gemacht hat, ist das Verbrechen gegen § 85 des Strafgesetzbuches für das deutsche Reich in Verbindung mit § 81 Abs. 2. Das Tatbest and sm er km al der Vorbereitung ist erschöpfend nachgewiesen. Das Mittel, durch das der Angeklagte eine Vorbereitung zum Hochverrat betätigt hat, sind die Jugendorganisationen, welche nach Maßgabe der Liebknechtschen Schrift ausgesprochen zum Zwecke der Bekämpfung des Militarismus benutzt werden sollen. Auch der erforderliche Nachweis, daß das hochverräterische Unternehmen nicht in nebelhafter Ferne, sondern in klaren Umrissen zu erkennen ist, wird vom Gerichtshof als erbracht angesehen. Der Tatbestand des § 81/2 aber ist vollkommen erfüllt, da der Angeklagte eine Aenderung der verfassungsmäßig gegebenen Grundlagen für das Reich erstrebt, und zwar ist die gesamte verfassungsmäßige Wehrverfassung des Reichs das Objekt, gegen das sich die vorbereitende Handlung zum tochverrate richtet. Die Verwirklichung dieses edankens aber mußte notwendigerweise die Gewalt zur Konsequenz haben. Was die Parteistellung des Angeklagten hinsichtlich des sog. Herväismus anlange, so sei richtig, daß Liebknecht in seinen Bestrebungen nicht mit dem französischen Anarchisten identifiziert werden könne, welcher den Militär streik unter allen Umständen proklamiert, allein dieser Unterschied sei kein prinzipieller, sondern ein rein sachlicher, da der Angeklagte doch für einzelne Fälle den Militär st reik empfiehlt. Ebenso ist als festgestellt erachtet worden, daß Liebknecht gegen den Militarismus „nach innen", den er grundsätzlich von dem Militarismus „nach außen" unterscheidet, Gewalt angewendet wissen will. Da nun aber, wie schon oben bemerkt, die Verwirklichung dieses Unternehmen^ nicht für unabsehbare Zukunft, sondern für eine absehbare Zeit berechnet erscheint,
Nach einer guten Viertelstunde tritt sie zurück.
„Bitte, Frau Mackay! Wollen Sie jetzt einmal in den Spiegel sehen!" t s
Madame blickt in den Spiegel, V “ '
.Wahrhaftig — ganz anders rote vorhin. Elegant und schick... Und dabei so bequem! Sie find ja ein reines Jutbel, Fräulein Mor- •- i« 7
tön!
Und in heller Begeisterung eilt sie auf Ruth zu und küßt sie auf die Stirn'. - ■. -i
Ruth lächelt ein wenig, während Polly die Hände zusammenschlägt vor Verwunderung Ker
beim französischen Botschafter heute Abend mitmachen!" nickt Madame befriedigt. „Uebrigens — ich brauche Sie heute nicht mehr, liebes Kind. Polly, zeige Fräulein Morton ihr Zimmer!"
Als die Kammerfrau mit der ihr folgenden Ruth die breite Treppe emporsteigt, wundert sie sich, daß sie gar nicht eifersüchtig ist auf ben neuen Günstling ihrer Gebieterin. Im Gegenteil — sie freut sich über das hochgewachsene blonde Mädchen, dessen klare Augen so ernst und doch so freundlich in die Welt blicken.
„Hier, Fräulein Morton! Dies ist Ihr Zimmer! Soll ich Ihnen beim Auspacken Ihres Koffers helfen?"
„Nein, liebe Polly. Das mache ich gern selbst. Trotzdem — herzlichen Dank!"
Mit tiefem Knix zieht Polly sich zurück.
Ruth ist allein.
Sie nimmt den Hut ab und blickt um sich.
Ein einfaches, aber freundliches Zimmer. Auch Frau Mackay erscheint i|t gar nicht so übel — lange nicht so bösartig, wie Norbert sie ihr geschildert.
Gewiß — alles wird gut gehen!
Während sie ihren Koffer aufschlietzt und Stück für Stück ihrer einfachen Garderobe herausnimmt .denkt sie nach über die große Wandlung in ihrem Leben . . .
Obgleich es knapp in ihrem elterlichen Haufe zuging, hatte sie doch niemals etwas von direkter Not gespürt. Ganz und gar ihrem Studium hingegeben, mertte sie kaum, wie die Mutter stets wie unter einem geheimen Druck einherging, wie selbst der Vater oft verdüstert und niedergeschlagen war, besonders wenn sein Blick sich auf seine jüngste Tochter Ada richtete.
Kurz nachdein Ruth ihr Examen mit Auszeichnung bestanden, warf ein schwerer Influenza-Anfall sie aufs Krankenlager, und als sie röieber davon genesen war, schickte ihr Vater sie zur rösteten Kräftigung nach bem Seebade Long Island.
Bisher hatte Ruth niemals eine Neigung zu
Vierteljährlicher Bezugspreis; btt bet ExMtion 2 Mk„ Tkrt 040 bet allen Postämtern 2,25 M. <ejtU Bestellgeld).
*'■— JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum! 5 Pfg,
Reklamen: die Zeile 30 Pfg.
Fmuenhände.
Roman von Erich Friesen.
(Forffstzung).
Während Madame an der mißachteten Schleppe herumzupft und zerrt, die Augen funkelnd vor Aerger, öffnet sich geräuschlos die Tür. ij
^in hochgewachsenes, ganz schwarzgekleidetes Mädchen tritt ein und verneigt sich leicht nach der Dame vor dem Spiegel hin.
Madame wendet nachlässig den Kopf mit dem hochfrisierten, brennend roten Haar.
„Ah, Sie —! Sind sie Ruth Morton?"
, . „Ja, Frau Mackay."
Ein kritischer Blick aus den grünlich schilletn- ,ben Augen inspiziert die hohe Mädchengeftalt von oben bis unten.
. „Hm!"
„Darf ich gleich meine Stellung antreten, Frau Mackay?"
Der freundlich ruhige Ernst der neuen Gesellschafterin imponiert Madame wider ihren Willen. Der hochmütige Zug verschwindet ttroas aus dem kapriziösen Gesicht.
Mit ausgestreckter Hand geht sie auf die bescheiden an der Tüt Stehende zu.
■ „Willkommen in meinem Hause, liebes jKind! Sie treten die Stellung bei mit auf Ent- vfehlttng meines Stiefsohnes an. Sie kennen lihn schon feit lange, wie?"
„Nein, Frau Mackay. Erst seit wenigen Wochen," erwidert Ruth, ohne jede Verlegen« Seit.
„Soso? Na. . . Mein Stiefsohn scheint Sie sehr hoch zu schätzen! Freilich, ein bischen Jung sind Sie — na, ich werde über Ihre Un- ßrfahrenheit hinwegsehen müssen, wenn Sie guten Willen haben... O, mein Gott! Die- V* schreckliche Kostüm! Ueberall drückt und