mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg rm.L> Mrchhaln.
AonntaasbeilaaerZlUustrirtes G-»vtaEr«tt. z
Vierteljährlicher Bezugspreis.- bet der ExMtion 2 ML, >**»<<***♦.* ____
Z"Ä» ÜI1 bei allen Postämtern 2,25 M. IcjcU Bestellgeld). Enchemt wüchentNch siebe» mal. cx*t.WA
AnsertionSgebührr dir gespalteneZell^ödcr deracRaum 15Pfg. 1 □ Ciffnftsr 1QA7 Druck Md Verlag-. Joh. Aug. Koch, UuiversttLt^Buchdrucker« 42. Jlthkg.
Neclamen: die ZM SV Psa. L>0Mttag, 13. OltODCr 1907. d)carourg, Markt 21. - Telephon öS.
Zweites Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt fr.... S Blätter.
Rückblick.
Der Wechsel in den hohen Reichsämtern, der strotze „Schub", der in der Sprache der Diplomaten mit dem herrlichen Fremdworts „Revire- ment" bezeichnet wird, hat weil er — hinsichtlich seiner Ausdehnung wenigstens — ziemlich überraschend gekommen ist, im deutschen Blätterwalde ein vielsagendes Raunen und Rauschen stervorgerufen. Es ist hier zu wenig Raum, auf ptt' die verschiedenartigen Preßstimmen einzu- tzehen und all' die Kritiken wiederzugeben, mit jbenen die „scheidenden" Männer bedacht worden sind. Der Hoffnung aber soll Ausdruck verliehen Werden, "Latz. dWch die Ersetzung des bisherigen Staatssekretär»-des Auswärtigen v. Tschirschky -urch Herrn v. Schön, den bisherigen Gesandten tn St. Petersburg wieder mehr Schneidigkeit in die Leitung des Auswärtigen Amtes komme, wo ;int Zeitalter der Weltpolitik ein behagliches „Fortwursteln" nach österreichischer Manier ganz und gar nicht am Platze ist. In dieser Beziehung aber hat Herr v. Tschirschky, der nun- «mehr als Botschafter nach Wien geht, zu mancherlei berechtigtem Tadel Anlaß gegeben,' denn der Leiter des Auswärtigen Amtes mutz mehr sein, qls ein „unbeträchtlicher" Untergebener des Reichskanzlers, wie englische Blätter vermeinen. Das hat seiner Zeit unser jetziger Kanzler bewiesen, als er unter Hohenlohe dieses verantwortungsreiche Amt innehatte. Nicht das fett ». Tschirschky vorgeworfen werden, daß ihm hie Redegewandtheit fehlte, im Reichstage als Vertreter des Kanzlers aufzutrcten, sondern daß cs ihm an Scharfblick und Energie gebrach, die Reichsintereffen dem Auslande gegenüber Wirkungsvoll geltend zu machen. Das zeigte sich !so recht bei Abgabe jener matten Erklärung auf ,die Anfragen Bassermanns im Reichstage, wo- bei der Meinung Ausdruck verlieh, daß der Abschluß des englisch-russischen Vertrages das deutsche Reich nicht weiter berühre, also ganz im .Gegensatz zu Bismarcks Lehren der Ansicht war, daß die Verminderung der Reibungsflächen zwischen anderen Großmächten uns nur nützlich sein Zönne. Dieser Prediger der selbstlosen Entsagung wird nunmehr ersetzt durch einen Mann, !dem von seiner früheren Tätigkeit an der Reva cher der Ruf eines fähigen und vor allem energi- fchen Mannes vorausgeht, und der deswegen berufen erscheint, dem mit Arbeit überbürdeten
Theehaus und Theater in Japan.
' ’f■= Fred Fredy-Gießen.
,4 In einer Zeit, da die Spalten der Zeitungen, deren Originalberichte und Meldungen immer mehr „Japanisches" bringen, dürfte es nicht ohne Interesse für den Leser sein, auch einmal etwas Celbsterlebtes aus dem mächtigen Inselreiche zu hören. Viel hat dieses Land von ;sich reden gemacht, mehr als irgend ein Kultur- sstaai in den letzten 50 Jahren. Viel ist darüber !gesch;icben und noch mehr darüber hergezogen worden, was aber nichts an der Tatsache ge- Lndert hat, daß die Achtung vor diesem Ener- gisvolke immer höher gestiegen ist.
... Dor 3 Jahren begann der siegreiche Krieg gegen die Russen; Schreiber dieses war damals noch in Japan. Bor 2 Monaten führte Mar- iquis Ito einen gelungenen Diplomatenstreich aus, indem er die Veranlassung zur Abdankung ;bes Kaisers von Korea gab. Ein Streich, der
der Erklärung des Vikomte Hayaschi, — weder er noch Japan hätten einen Anteil an der Abdankung — doch Japan zuzuschrei- ben ist.
'5 ■ Und nun kam vor einigen Wochen die Nachricht, Hakodate sei nicdergebrannt.
Es war an einem kühlen Herbstmorgen des Jahres 1903, als unser Schiff mit verlangsamter Fahrt an der Nordspihe der Insel Nippon vorbei in die Tsugarstratze einfuhr, dann Kurs änderte und im Hafen von Hakodate ankerte. Hakodate ist eine der größten Städte Japans, und wir glaubten daher im Hafen, der einer der sichersten ist, die Mutter Natur geschaffen hat, eine ansehnliche Handelsflotte vorzufinden, doch nur ein einziger Dampfer der Kiuschu-Nip- pon-Cesellschast lag vor Anker, alle anderen Fahrzeuge waren Fifcherflottcn, große und kleine Zampans und Dampfpinassen.
Hakodate liegt gänzlich außerhalb der Sphäre les Handelsbetriebes, hat überhaupt keinerlei Verbindungen. mit dem ausländischen Handel.
Fürsten Bülow in der auswärtigen Politik zu entlasten. Dies aber war umso notwendiger, als der Reichskanzler gegenwärtig sckine ganze Kraft der inneren Politik zuwenden muß, die ihm gewiß vielerlei Sorgen bereitet. Wie es scheint hat der Reichskanzler mit der Berufung des Herrn v. Schön, der — nebenbei bemerkt — eigentlich bürgerlicher Herkunft ist und seinen Stammbaum in gerader Linie auf ein bekanntes Wormser Weinhandelshaus zurückfiihren kann, einen glücklichen Griff getan; denn als weitsichtiger Staatsmann muß er Wert darauf legen einen geschulten Mitarbeiter zu gewinnen, dessen Dienste er für längere Zeit sicher ist und den er vielleicht einmal zu seinem — Nachfolger Vorschlägen könnte. Daß der Kanzler, der vermutlich noch unter den Nachwehen seiner Erkrankung zu leiden hat, geheim den Wunsch hegt, sich in einigen Jahren auf sein „Altenteil" zurückzu- ziehen, daraus schien eine Notiz hinzudeuten, die vor einiger Zeit die Runde durch die Blätter machte, daß nämlich Fürst Bülow beabsichtige ein Landhaus in der Altonaer Gegend zu künftigem Sommeraufenthalten käuflich zu erwerben. Zwar ist bald darauf diese Absicht in Abrede gestellt worden, allein eine diesbezügliche Aeußerung des Fürsten scheint in irgendwelcher Form gefallen zu sein. Wie dem aber auch sein möge, ein tüchtiger Mitarbeiter für die auswärtigen Angelegenheiten tut dem überlasteten Kanzler dringend nötig, damit fürderhin der deutsche Einfluß in der Weltpolitik wieder stärker hervortritt und ein zweites Algeciras unmöglich gemacht wird.
Den aufregenden Meldungen aus Ofen-Pest über eine Erkrankung des Kaisers und Königs Franz Josef ist Ä» energisches Dementi aus Wien gefolgt, durch welches das Befinden des greise» Herrschers als leidlich zufriedenstellend bezeichnet wird. Allein selbst wenn die offiziellen Mitteilungen aur^der Hofburg auch wirklich den Tatsachen entsprechen, so gilt doch immerhin zu bedenken, daß bei dem hohen Alter des von schweren Sorgen gebeugten Doppelmonarchen auch eine leichtere Erkrankung nur allzuleicht eine verhängnisvolle Wendung nehmen kann. Daß der greise Herrscher den außerordentlichen Anforderungen seiner schwierigen Stellung nur noch mühsam gerecht werden kann, ist ja ein offenes Geheimnis, aus dem sich vielleicht auch das herausfordernde und alle Grenzen überschreitende Verhalten der Magyaren erklären läßt. Unter diesen Umständen gewinnt die in der Presse wenig beachtete Meldung, wonach der Erzherzog-Thronfolger während der Krisis der nun endlich zum Ziele geführten Ausgleichsverhandlungen in Ofen-Pest seinen persönlichen Einfluß geltend gemacht haben soll, einige Bedeutung.
Großer Fischreichtum und der unerschrockene- Mut der Schiffsleute, sich in ihren kleinen Fahrzeugen selbst auf hohe See zu wagen, wo der Fang viel lohnender ist, haben die Fischerei in hohe Blüte gebracht, und große Räuchereien an der Küste verarbeiten das Material.
Bis uns die kleine Dampspinasse eines Schiffsmaklers an Land gebracht hatte, war es Mittag geworden. Da es in Hakodate kein deutsches Konsulat gab, fielen Meldungen und Komplimentierbesuche weg, und wir konnten unsere Elobetrottertätigkeit beginnen, bummeln, hören, sehen und staunen. Denn es war interessant und schön zugleich, eine japanische Stadt kennen zu lernen, die wenig bedacht mit europäischer Kultur, noch heute kein Ansiedel- ungspuntt für Europäer ist.
Was beim Landen sofort jedem Besucher äuf- fällt, ist der Mangel an Steinbauten, bis auf einige massive Lagerschuppen und ein größeres japanisches Hotel sieht man nur kleine Holzhäuser. Gerade angelegte Straßen führen vom Kai aus in das Innere der Stadt, und fast jedes Wohnhaus hat sein kleines Gärtchen mit Eoniferen und japanischen Zierpflanzen. Ein gar freundlicher Eindruck war es, den die ganze Stadt sofort auf uns machte, wozu nicht zuletzt die rafftnierto Sauberkeit der Japaner beitrug. r ..
Unser Plan ging dahin, ein Teehaus auszusuchen, dann nach Miiko zu reitest, um am Abend nach der Rückkehr ein japanisches Theater zu besuchen. •
Ein Techau? war bald gefunden, und im Geiste nichts ohne Ironie den alten Spruch zitierend: „Japan ist das Land, wo die Plu- men ohne Duft, die Blüten ohne Früchte und die Mädchen ohne Liebe sind" =- betrat ich den Vorgarten dieses Hauses. \
Mit einem tiesgedienerten „Ohaio!" kam mir eine alte Japanerin entgehest, fn schwarzem Kimono und mit noch schwärzeren Zähnen. Das gelbe runzelige Gesicht strahlte vor Vergnügen.
Kongreß für höhere Frauenbildung.
(Eigenbericht der „Oberh. Zeitung".)
:W ' Cassel, 11. und 12. Oktober.
In dem großen Saale des „Evangelischen Vereinshauses" wurde heute der Kongrch für höhere Frauenbildung eröffnet, auf dessen Wichtigkeit schon vor einiger Zeit auch die hiesige Abteilung des Vereins „Frauenbildung-Frauen- studium" hingewiesen hatte. Der große Saal war dicht gedrängt voll, sowohl in der Morgen- als in der Nachmittagsitzung, und die Präsenzliste zeigte, daß aus allen Teilen Deutschlands Frauen gekommen waren, um mit regem Interesse den Verhandlungen zu folgen, die allerdings auch des Bemerkenswerten genug boten.
Die Vorsitzende des Vereins „Frauen- bildung-Mrauenstudium", Frl. Steinmann aus Bonn, betonte in ihrer Begrüßungsansprache, daß unter den Frauen wohl verschiedene Richtungen vorhanden seien, die über den Frauenberuf entgegengesetzt Ansichten hegten. In der Forderung einer neuen Bildung für die kommenden Generationen sei man dennoch durchaus einig; Zwar gehe die Anregung zu dem Kongreß von dem Verein „Frauenbildung- Frauenstudium" aus, in die Kommission des Kongresses habe man aber mit Absicht Frauen aller Gruppen gewählt, damit in den Forderungen der Hauptsache der Frauenbildung ein voller Akkord erzielt werde. Der Kongreß sei deshalb nur möglich auf der Grundlage des allseitigen Wunsches nach Verständigung. Auch die Minoritäten sollen nicht überstimmt werden, sondern voll zu Worte kommen.
Prov.-Schulrat Dr. Otto iber« brachte sodann die Grüße des Herrn Oberpräsi- benten und des Prov.-Schulkollegiums, bas bett -Mestrebungen „Verständnis und nicht geringes Interesse" entgegenbrtngt. Regierungs- unb Schulrat Martin wünschte .m Namen des Präsidenten und bet Abteilung für Kirchen- und Schulangelegenheiten einen gedeihlichen Verlauf. Er bedauerte den ost allzu scharfen Kampf gegen die jetzige höhere Mädchenschule und hoffte vor allem, daß die Zuteilung der höheren Mädchenschule zum Volksschulwesen bald geändert werde, wodurch vieles andere fallen würde, was heute noch Grund zu Beschwerde liefere.
Stadtschulrat Bornemann sprach im Namen der Stadt. Sie habe die Ansicht vertreten,- daß das ganze Mädchenschulwesen von Grund umgeftaltet werden müsse. Die Bildungsmittel müßten für Knaben und Mädchen gleich sein. Daß das spezifisch Weibliche dabei nicht zu Grunde gehe, dafür müsse die besonnene Art des Vereins für „Frauenbildung-Frauenstudium" sorgen.
Sodann eröffnete die bekannte Vorkämpferin des Vereins Helene Lange -Berlin den Reigen der Vorträge, die heute unter dem Hauptthema „Der innere Aufbau der höheren
wahrscheinlich über die Aussicht, einen Fremden erwischt zu haben, dem es auf ein paar Yen (gleich 2 =41) nicht ankam.
Die vielgerühmte Sauberkeit bewirkt, daß man mit der Zeit, wie die Bewohner des Hauses selbst, ganz instinktiv die Schuhe vor der Tür auszieht, um sie mit einer Art Strohpantoffeln zu vertauschen. Und das nicht mit Unrecht. Auf den feinen Strohmatten, die den ganzen Boden der Zimmer bedecken, schläft, ißt und arbeitet der Japaner.
Was man in den japanischen Teehäusern nicht bekommt, ist Tee. Den größten Absatz erzielen Wein, Limonade und Asahibier, ein nach deutscher Art gebrautes Helles Bier.
Nachdem mich die Alte grinsend in das Gastzimmer komplimentiert hatte, bestellte ich mir eine Flasche Limonade und Zigaretten. Die Alte brachte es, und als ich mir eine der dünnen, stark parfümierten Papyros anzündete, summte ich unwillkürlich aus Jones „Geisha" den Mi- inosawalzer „Tanz Du kleine Geisha du!" Da klatschte die Alte plötzlich in die Hände. Also die Frau kannte die Melodie, und ich erfuhr erst später, daß es überhaupt keinen Japaner mehr gibt, der die Melodien dieser Operette nicht kennt. Die Alte aber hatte eben den Mi- mosawalzer für einen „Wink mit Zaunpfahl" gehalten und verständigte durch Klatschen ihre jungen Damen.
Eine dünne Holztür wurde bei Seite geschoben und herein spazierte im Trippelschritt, bekleidet mit farbenprächtigen Kimonos, ein hglbes Dutzend der kleinen Mädchen ohne Liebe". Nun hatte ich die Wahl; mich mit allen sechsen zu unterhalten, wäre über meine Kraft gegangen. Ich suchte nach der hübschesten, winkte diskret und die fünf übrigen machten kehrt wie eine Korporalschnft gut einexerzierter Soldaten und verschwanden dort, von wo sie gekommen. Hinter ihnen aber schob die Alte, so süß, als es ihr möglich war, lächelnd die Tür von ciifcen au. -
Frauenbildung" standen. Sie sprach, von Bei, fall begrüßt, über „Die höhere Mädchenschule. Die Theorie, daß die Frau nur soviel Bi^ung besitzen solle, um für die Bildung des Mannes die nötige Resonanz zu schaffen, verwarf die. Rednerin. Sie verlangte dagegen: es mutz ihr an Bildung gegeben werden, was sie als Gattin und Mutter nöttg hat und zweitens, was Pt zur Ausfüllung höherer Berufe bedarf. Hier, aus ergebe sich eine völlige Neuorganisation der. weiblichen Bildung. Als Schule für Mädchen fordert sie, die Realschule mit stärkerer Se* tonung des Deutschen. Es handele sich nicht unt ein Vermännlichen. Knaben und Mädchen nehmen bei der Verschiedenheit ihrer natür- lichen Anlage dieselben Stoffe schon ganz andern auf. Auch in der Volksschule bekommen ja Äna* ben und Mädchen dieselbe Bildung, ohne daß bas bis jetzt etwas geschadet Habs. Was dich Frage betreffe, daß doch damit für die MadchA etwas gefordert werde, was von vielen schon fut ben Knaben für falsch gehalten werde, so M zwar richtig, daß unsere Knabenbildung auf Kosten des Gefühls zu sehr verstandesmaßigge« richtet sei, doch liege das an der Ernsettigkett unserer Kultur. Die einseitige Pflege der Ee- fühlswelt sei gerade für die höhere Mädchenschule verhängnisvoll geworden, demgegenüber sei gerade die Realschule mit ihrer starken Betonung des Verstandes als gemeinsame höhere Mädchenbildungsanstalt zu fordern. Die Realschule biete eine geeignete Vorbildung. Was ben Oberbau anbetrifft, so werbe die Studentin das: Realgymnasium vorziehen. Die Ober real schul«; sei nichts für Mädchen. An der Gabelung in: Obergymnasien und Realgymnasien müsse fest-^ gehalten werden, das Dogma von bet Intakt»; heit bet höheren Mädchenbildung fei nicht zu, brauchen. ;
Sodann redet Frk. Sch lobt man n-Köln> über „DieVorbereitung für dieUniversität". 6iei führt aus: Wenn die heutige ünabenbtlbungj nicht gut sei, so müsse man den Männern das- Vorwärtsschreiten überlassen, die besser für die» sen Kampf geschult seien, die MädchenbildunM habe zunächst einmal den jetzigen Stand bet; Knabenbildung zu erreichen. Sie wandte sich, gegen ein degradierendes leichteres „grauen* abiturium" und trat für eine Verkürzung de« Schulzeit von 14 auf 12 Iahte ein. Der in bitj Länge gezogene Unterricht ermüde und wirk«; auch gesundheitlich schlecht. Sie sieht die Zukunft bet Vorbereitung zur Universität in dem Gymnasium und der durch stärkere Betonung bet- mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer verbesserten Obertealschule. (Worin man ihr auch für die Knabenbildung zustimmen kann!) >
Für die Diskussion wird die Redezeit auf, 5 Minuten verkürzt, trotzdem fällt diese seh^ wortreich aus. Interessant war der Vorschlag; einer Frau Pastor Jähner. Sie fordert eine; lOklasstge höhere Mädchenschule, in den beides oberen Klassen mit fakultativem Latein. Diq breigeteilte Oberstufe hat bann alle Fächer ims
Ohne Prüderie und Stolz saß klein ÄaitaJ wie sich meine „Mimosa" nannte, bald aus meinem Schoß, bald neben mir und radebrechte im süßesten Deutsch-Englisch ein ums anders Mal: „Ei Hess ju lieb, süsse Satz!" Dann griff sie zu einem Saitenspiel, ähnlich dem unsere^ Guitarre, und fing graziös an zu rupfen; daß sah sehr hübsch aus, aber diese Töne —! !
Mir machte Kattas Eebahren, das die Ab- sicht mich zu annimicren, stark durchleuchtest ließ, viel Spaß. Ich ging auf alles ein, trank schließlich Wein und rauchte noch mehr Zigaret* ten bis mich meine Uhr belehrte, daß cs Zeit zum Aufbruch sei. Ich bezahlte meine Rech« nung, eine Summe, für die ich hätte bei Dresset in Berlin dinieren können, unb ging, begleitet von dem lieblichen „Ohaio" Kattas. Als ich mich an der Gartenpforte noch einmal umsah,! stand die Alte in der Tür unb zeigte mir ihres schwarzen Zähne. Wo mögen die sein, die einst aus diesem Munde das „süsse Sah" hörten?
Jede Stadt Japans hat ihr Theater. Dies Industrieausstellung zu Osaka beherbergte' seiner Zeit sogar 14 Bühnen. 1
In einer Sackgasse, die das sonst freundliche Straßenbild vermissen ließ, fanden wir den Musentempel. Man denke sich auf unseren Jux* plätzen eine große Schaubude, mit der dickem Besitzerin an der Kasse, den Ausschreiern unds bunten, grellen Plakaten, denke sich statt der Dicken einen Japaner mit einem Hallunkengesicht an der Kasse und statt ber Plakate Fahnen, und man weiß, wie ein japanisches Theater von! außen sich präsentiert. Beim Eintritt fällt dem; Besucher zunächst die Dunkelheit, ja die Finsternis auf, die in dem ganzen Raum herrscht. Rach längerem Verweilen gewöhnt man sich jedoch voran und kann seine Umgebung unterscheiden) Während die vorderen Plätze einfache Pritschbänke aufweisen, die etwas tiefer liegen, ist der übrige Raum nur mit Strohmatten bedeckt. Hiev sitzt nun Groß und Klein, Alt und Jung iir atemloser Spannung.