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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Berlage Joh. Ang. Koch, UniverfitLtS-Buchdruckera Marburg, Mattt 21. Telephon ob.

rechts und links zu einer positiven nationalen Politik zusammenführen. Im übrigen wird es sich aber immer nur um eine Verständigung von Fall zu Fall handeln können. Es hieße doch wahrlich die Selbständigkeit und die Bedeutung der konservativen Partei ganz erheblich unter­schätzen, wenn man sich der Illusion hingeben wollte, die Konservativen würden, bloß um die Dauer des Blocks zu verlängern, einever­ständige liberale Politik" treiben. Würden sich denn nicht auch die blockbegeisterten National- liberalen höflichst bedanken, wenn man sie ein­laden wollte, der Dauer des Blocks zuliebe eine verständige konservative Politik zu machen?

Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß der Abgeordnete Vasiermann in seiner programmatischen Rede die Erundzüge der von ihm geforderten liberalen Politik ge­zeichnet hat. Sollte aber aus der Linken erwar­tet werden, der Block, d. h. die konservativ-libe­rale Mehrheit würde die Hand zur Verwirk­lichung der verschiedenen Programmpunkte bieten, so würde man sich täuschen. Wir heben nur einiges aus den sehr bedenklichen For­derungen und Ansichten hervor. Der Redner forderte den Ausbau des Koalitionsrechtes in freiheitlichem Sinne und die Zurückgewinnung der von den Sozialdemokraten beherrschten In­dustriearbeiter durch Mittel, die sich nur in der liberalen Politik finden ließen. Der national­liberale Führer ist dabei der Meinung, daß jetzt die Gelegenheit günstig sei, in der Jndustrie- arbeiterschaft gegenüber der Sozialdemokratie Boden zu gewinnen. Diese Anschauung können wir nicht teilen, wir sind vielmehr davon über­zeugt, daß der Block nur dann seine nationale Aufgabe in vollem Umfange wird lösen können, wenn er die Sozialdemokratie mit aller Schärfe und Rücksichtslosigkeit bekämpft. Die liberalen Mittel haben im Kampfe gegen die Sozialdemo­kratie versagt.

Vo» Vvn «puntteu einet

liberalen Blockpolitik, insonderheit von der For­derung einer direkten Reichssteuer, also einer die Selbständigkeit der Bundesstaaten bedrohen­den Finanzpolitik, sei hier abgesehen. Man darf nicht vergessen, daß Herr Basiermann sein Programm vor den nationalliberalen Delegier­ten entwickelt hat, und bestrebt sein mußte, es möglichst eindrucksvoll zu gestalten. Der Na- tionälliberalismus alsKern" des Blocks hat einen anderen als einen einseitig liberalen Standpunkt zu vertreten. Er befindet sich ziem­lich in derselben Lage, wie in den Jahren der Kartellpolitik, die ja der gemäßigten Linken un­leugbare Vorteile gebracht hat. Und woran ist das Kartell gescheitert? An den übermäßigen Ansprüchen, die der Liberalismus in partei­politischer Hinsicht an Regierung und Konser­vative gestellt hatte, an der Einbildung der Nationalliberalen, sie seien der maßgebende Kern" des Kartells, und das Kartell habe die Aufgabe, vernünftige liberale Politik zu trei­ben. Solche Fehler werden gemacht,, nicht da­mit man sie wiederhole, sondern damit man sie vermeide.

Frauenhiinde.

Roman von Erich Frieses "(Fortsetzung). ?. Mit offenem Abscheu wieg er die gutgemein­ten Trostworte seines Stiefvaters zurück. Immer

mehr schloß er sich ab von dem Elternhause, das ihm jetzt, da die Mutter tot war, noch fremder erschien, als vorher.

Als aber Thomas Mackay bereits nach einem Jahre die rothaarige quecksilberne, vielumwor- bene Diana Tickleton heiratete, eine Nichts des Präsidenten Roosevelt da war dem un­glücklichen Jüngling, als müsse sein Herz brechen vor Weh!

Mit dem sicheren Instinkt einer nachdenk­lichen auf sich selbst angewiesenen Natur durch­schaute er die zweite Frau Thomas Mackay's sofort, sah er unter der glitzernden Oberfläche ihre graziöse Beweglichkeit hatte ihr in der amerikanischen Gesellschaft den Namen »die Eidechse" eingetragen den angefaulten Kern. . Er begriff nicht, wie der Stiefvater nach seiner stolzen, trotz ihrer Vergnügungssucht ge- diegenen ersten Frau dieses leichtlebige, kokette, katzenartig geschmeidige Geschöpf lieben kann.

Und diese Antipathie verminderte sich nicht, obaleich die zweite Frau Mackays sich die größte Mühe gab, den schönen, schlanken Jüngling mit dem ernsten Blick und dem edelstolzen Profil zu sich heranzuziehen.

Bis Madame Diana cs schließlich mit ver- Lchtlichem Zucken ihrer hübschen Schultern auf­gab, sich um dendummen Jungen" weiter zu kümmern.

Als Norbert verschiedene Examina glänzend bestanden, ging er auf Reisen nach Europa.

Die vielen Eindrücke wirkten mächtig aus ihn rin, so daß er tatenkrästiger denn je nach zwei Jahren in die Heimat zurückkehrte, ?.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar in Ostpreußen. Elbing, 10. Okt. Gestern Nachmittag 3 Uhr begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge nach dem Kaiser Wilhejm-Eedächtnisplatze, wo ihm die Entwürfe für den dort zu erbauenden Kaiser Wilhelm-Ge- dächtnisturm vergelegt wurden. Die Zustimm­ung des Kaisers fand der Entwurf des Geheim­rates Mesiel. Der Turm soll eine Erinnerung sein an die Flucht des jungen Prinzen mit seiner Mutter nach Memel, bei welcher Gelegenheit er an diesem Platz vorübergekommen ist. Frauenburg, 10. Okt. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise mit den Damen und Herren der Umgebung trafen heute Nachmittag gegen 4% Uhr hier ein und begaben sich zum bischöflichen Palais. Der Kaiser stattete später, geleitet vom Domprobst Dr. Dittrich, dem Dom einen Besuch ab, während die Kaisettn und die Prinzessin bei dem Bischof Dr. Thiel verweil­ten. Gegen 5% Uhr erfolgte die Rückkehr der Majestäten nach Cadinen.

123 Bände zusammengeredet. In den vierzig Jahren seit Bestehen des Reichstages, also von 1867 bis 1907, sind im Reichstage 123 Bände stenographischer Berichte herausgegeben worden. Jeder Band enthält durchschnittlich die Verhandlungen von 70 Sitzungen, und jeder Sitzungsbericht ist wiederum durchschnittlich 45 Seiten stark, so daß jeder Band im Durchschnitt 1350 Seiten oder 337% Bogen enthält, insge­samt also der Reichstag in vierzig Jahren ge­redet: 123 Folianten mit 166 050 Seiten oder 41512% Bogen. Das spricht Bände! Ein ganz Genauer hat hierzu noch folgende Stattstik aufgestellt: Jede Seite enthält zwei Spalten, iede Svalte durckschnittlich^n 40

ren wurden also 332 100 Spalten und 2 324 7Ö0 Zeilen zusammengeredet. Rechnet man den Durchschnitt der Worte der Zeile auf 8, so wur­den in 40 Jahren im deutschen Reichstage ins­gesamt 18 597 600 Worte, rund also 182/; Mill. Worte gesprochen. Die Zahl der gesetzten Buch­staben in jeder Zeile wird mit 45 im Durch­schnitt angenommen, die in 40-Jahren vom Reichstage verzapfte Weisheit besteht also aus 104611500 Buchstaben.

Di« Betriebseröffnung der Zentralbahn in Deutsch-Ostafrika. M r 0 g 0 r 0, 10. Okt. Nach der gestrigen ersten Fahrt des Personen­zuges auf der Zentralbahn bis Mrogoro, an der auch Staatssekretär Dernburg nebst Begleitern teilnahm, erinnerte der Staatssekretär bei dem anschließenden Festmahle in dem Trinkspruche auf den deutschen Kaiser an das Wott des ver­storbenen Herrn v. Siemens:Die Zentralbahn wird und muß gebaut werden!" Der Staats­sekretär fuhr fort:Sie ist gebaut worden trotz aller Schwiettgkeiten. Ob sie über den jetzigen

Mit einer lebhaften Geberde hebt Ruth den Kopf von dem Buch, in welchem sie gelesen.

Du willst Ada doch nicht in schwarzen Krepp stecken, Mutter?"

Aber natürlich! Das gehört sich doch so! Wo der arme Papa gestorben ist!"

Und die wasierblauen Augen der kleinen schmalschulttigen Frau füllen sich mit Tränen.

Ruth schüttelt den Kops. Ihrer gesund und ursprünglich empfindenden Natur ist alles Kon­ventionelle zuwider.

Sie steht auf und geht ans Fenster, um den dunklen Vorhang auseinander zu ziehen.

Nicht doch! Nicht! Was würden die Leute sagen! Drei Tage nach Papas Tode schon die Vorhänge wegziehen!" jammert Frau Morton, die Hände ringend.

Frau Morton ringt bei jeder Gelegenheit die Hände. Es ist charakteristtsch für ihre ganze Person.

Welke schlaffe Hände! ...

Stets zaghaft zugreifend oder ängstlich zu­rückzuckend, wenn es gilt, irgend etwas auszu- führen kraftlose, ängstliche Hande, welche nie etwas fettig bringen im Leben--Hände,

denen man es ansieht, daß sie zwar noch nichts Schlechtes, aber auch noch nie etwas Gutes ge­tan, Hände, die einer anderen festen Hand als Stütze bedürfen, um sich ihr bedingungslos unterzuordnen.

Aber jetzt zittern diese Hände wieder vor Angst, während Träne um Träne die welken Wangen herabrollt.

,V Ruth zieht den Fenstervorhang wieder zu. %%/5o bleibe im Finstern, wenn es Dich tröstet in Deinem Schmerz, liebe Mutter!" sagte sie mit sanftem Ernst, ihre kräftige kühle Hand auf die kramphaft verschlungenen Finger der armen Frau legend.Ich will Ada sehen."

? Leise, behutsam, als fürchte sie, eine Schla­fende zu wecken, öffnet sie die Tür zum Neben­zimmer.

Es ist zwei Tage nach der Beerdigung des braven Dr. Morton.

Ruth und ihre Mutter sitzen schweigsam ein­ander gegenüber in dem kleinen, durch die herab- g-iasfenen Vorhänge halbdunklen Wohnzimmer.

Frau Morton hat vor sich auf dem Tisch einen Haufen schwarzer Kreppstoffe ausgebreitet, in denen sie herumwühlt.'

Dein Traueranzug ist fettig, Ruth," be­merkt sie, mit leiser, etwas weinerlicher Stimme. Jetzt kommt Ada dran,"

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Doch ehe er sich wieder in die enge, kon­ventionelle Gebundenheit des glänzenden El­ternhauses einkapselte, machte er noch einmal in Lang Island unweit von Newyork Halt

Nur ein paar Tage wollte et dort bleiben.

Doch hier ereilte ihn das Schicksal in Gestalt eines liebreizenden Mädchens.

Und er blieb . . . und blieb ... bis er kaum mehr an Newyork und an das Elternhaus und an den Stiefvater und an besten ihm so ver­haßte Gemahlin dachte.

Ganz.ging er auf in seinem Glück er, der verschlossene, ernste Mann mit seinem heißen Herzen voll Liebe und Sehnsucht.

Und dieses herrliche Glück wird et sich Nicht entreißen lasten unter keiner Bedingung trotz aller Widerwärtigkeiten, die sich seiner Vereinigung mit der Geliebten entgegenstem­men!

Halten wird er es mit kräftigen Händen, fest, ganz fest! ...

Und mit wiedergewonnener Hoffnungsfreu­digkeit und Energie schließt Norbert den Brief an seine Braut.

Ärmer Tor! Er ahnt nicht, welch schwarzes Gewölk sich bereits über seinem Haupt zusam­menballt.

Wird ein Blitz herauzucken und sein, sowie seiner geliebten Ruth Glück für immer zer-

Endpunkt hinaus fortgesetzt wird, ist in erst« Linie abhängig von der Entscheidung der gesetz­gebenden Fattoren, der wir nicht vorgreifen können. Eines aber läßt sich ohne weitere« sagen, nämlich, daß ohne Bahnbcuten die Er­schließung der Kolonie ebenso wenig möglich ist wie die Entnahme des Inhaltes einer verkorkten Flasche oder Hebung unterirdischer Schätze der Bodens ohne Senkung des Schachtes!" Deshalb sei der Einwand gegen den Bau von Kolonial­bahnen, daß man sie nicht bauen könne ohn« Vorhandenseins festen Verkehrs, hinfällig. *£M Beispiel Muansas zeige, wie Kolonialbahn«» wirkten. Vorher ein toter Platz, habe es blühen­den Handel, seitdem die Bahn, wenn auch keine deutsche, zum Viktoriasee führe. Die Kolonie solle nicht vergessen, welche Wohltat ihr Mutter­land durch den Bau der heute befahrenen Bahn ihr erwiesen habe. Während des Festabends gab es einen Zwischenfall, da zwei Löwen in einen kaum 75 Meter entfernten Kraal ein« drangen und dort zwei Schweine raubten.

Der Hochverratsprozeß gegen denGe­nossen" Liebknecht hat eine hohe Bedeutung für unsere Staatsethaltung. Es handelt sich um die Frage, ob die heutige Gesetzgebung dazu aus­reicht, die antimilitaristische Agitation der So­zialdemokratie unter der schulentlassenen Ju­gend zu verhindern. Sollte diese Frage durch den Leipziger Prozeß verneint werden, so wür­den neue Maßregeln ergriffen werden müssen; denn einer so gemeingefährlichen Agitation darf nicht untätig zugesehen werden. Für die hinterlistige Tattik der Sozialdemokratie ist das Verhalten des Angeklagten Liebknecht sehr bezeichnend; denn dieser beharrliche Verfechter des Plans einer ausgesprochen antimilitaristi­schen Jugendorganisation stellt sich unschuldig und harmlos. Wie wahrheitswidrig sein Auf- Roländ-Holst über die ".Internc^ionale der pro­letarischen Jugend" c isehen, der in betGleich- beit Nr. 19 abgedruckt ist. Dort heißt es u. a.: Mit brausendem Beifall wurde das Referat des Genossen Liebknecht ausgenommen. Dieser ließ sich im Besonderen angelegen sein, die im­manenten, im Wesen des modernen Militaris- mus liegenden Tendenzen zur Aufhebung feiner selbst darzustellen, und wies am Schlüsse aus­drücklich auf die Pflicht des klassenbewußten Proletariats hin, die Zermürbung und Zer- setzung des Militarismus durch Mittel zu för­dern, die selbstverständlich je nach den politischen Einrichtungen eines jeden Staates und der poli­tischen Situation verschieden sein müssen ' Die Zeugenvernehmung im Liebknechtprozeß ge­staltete sich dadurch interessant, daß der 1 Zeuge vernommene August Bebel bemü. war, Liebknechts Verfehlung von der Sozial­demokratie abzuwälzen. Bebel erwähnte in seiner Zeugenaussage, daß der Angeklagte be- reits im Jahrs 1904 in Bremen Antrags ge- stellt habe, die antimilitaristische Agitation mehr, als bisher zu pflegen. Er, Zeuge, und

JHegensatz zu dem Zimmer der Mutter steht das Fenster hier weit offen. Voll fluten die Sonnenstrahlen herein in den kleinen Raum mit seiner weißglänzenden Tapete und seinen rosa überzogenen Mööcln.

In bet Mitte des Zimmers, so, daß man von dott aus hinausblicken kann nach dem blauen Himmel, steht eine nh lrige Ottomane

Auf der Ottomane liegt eins kindliche Ge­stalt in weißem Gewand. Lange, seidenweiche Haarmasssn vom hellsten Blond fallen zu beiden Seiten des Kopfkissens herab. Die blauen, über­großen Augen starren hinaus in die Sonne.

Ganz ruhig liegt das Mädchen da, mit einem stillen Lächeln auf den halbgeöffneten, sich leise bewegenden Lippen.

Einige Augenblicke bleibt Ruth an der Tur stehen.

Ihr Herz krampst sich zusammen, wie stets bei dem Anblick dieses eigentümlichen Kinder« gesichts, das lieblich und anmutig in seinen 3ügen doch so ganz anders ist, wie ander« Gesichter.

Liebe Ada?" Ä .

Das Mädchen wendet den Kopf ein wenig und blickt die Schwester schweigend an. Jh« Augen haben einen seltsam leeren Ausdruck,

Hast Du Dich einsam gefühlt, Ada?

KRein, gar nicht."

Auch keine Schmerzen gehabt? --

.Nein. Nur hier hinten im Kopf dir eigenes Gefühl ... so dumpf und benommen . . . nichts weiter. Du weißt, Ruth, ich hab« nie wirkliche Schmerzen." .

Adas Stimme klingt eigentümlich zart #n» erinnert an den Ton einer silbernen Glocke.

Soll ich Dir etwas vorlesen, Herzchen?".

^Ach ja, bitte!« »______

"S Was?«' '

" .Märchen. Von den lieben Engeln." (Fortsetzung folgt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet bei Expedition 2 Mtz, - tu» 9 4 n bet allen Postämtern 2,25 M. (exel. Bestellgeld).

- 3nfertton»gebü15 w Sonnabend, 12. CEloBct 1907.

DerKern" des Blocks.

X In seiner Wiesbadener Rede überDes Reiches Politik" hat der Abgeordnete Basset- Kann sich vollständig und mit dem Ausdruck lhohet Befriedigung zur Blockpolitik bekannt. ,Das konnte man um so mehr erwarten, als die jnationalliberale Partei wohl nicht mit Unrecht für sich selbst von dem Zusammenwirken int lReichtagsblock die größten Vorteile erhofft. Es wäre aber durchaus unangebracht und würde zur Festigung der konservativ-liberalen Reichs- tagsmehrheit nicht beitragen, wenn die Natio­nalliberalen sich als Träger und Tonangeber liier Blockpolitik betrachten wollten. Bezeichnete Herr Vassermann seins Partei als denKern des Blocks", so war dieser Ausdruck zu dem Zwecke, dis Bedeutung der Partei vor der Ee- famtheit ihrer Delegierten in möglichst hohem Glanze zu zeigen, erklärlich. Daß der Redner damit habe den Anspruch erheben wollen, die tzbrigen Mehrheitsparteien hätten nun nichts weiter zu tun, als sich dem naiionalliberalen h,Kern" anzugliedern und sich um ihn, als um den gegebenen festen Punkt der Blockpolitik zu bewegen, wird man hoffentlich nicht annehmen dürfen.

Die Blockpolitik kann, so wird uns von kon­servativer Seite geschrieben, nur Kompromiß­politik fein. Die Führung der konservativ- liberalen Mehrheit, die eine solche Politik machen soll, kann also keinesfalls wie man an einigen nationalliberalen Stellen anzuneh­men scheint in den Händen einer einzelnen Partei, sondern muß in den Händen der Re­gierung liegen. Nicht das Programm einer, an­geblich denKern" des Blocks bildenden Gruppe kann für dis Blockpolitik maßgebend fein, son­dern alle GriHMi des "Blocks haben gleicher­maßen Anspruch auf Berücksichtigung ihrer Wünsche. Betrachtet sich die nattonatttLerak« Partei in dem Sinne alsKern" des Blocks, daß sie sich die Ausgabe stellt, zwischen den Mehr­heitsgruppen zu vermitteln, so haben wir nichts dagegen einzuwenden. Nur muß dabei nicht »usschließlich liberalisierende Tendenz obwalten. Ein Ausspruch des nationalliberalen Führers aber muß in dieser Hinsicht die Konservativen i stutzig machen. Nach den ausführlichen Berichten lüber die Delegiertenverhandlungen hat der i Abgeordnete Vassermann geäußert:Die Frage, wie lange die Blockpolitik dauern werde, sei -nutzlos. Warten wir doch ab! (Heiterkeit.) Sie : werbe so lange dauern, als eine verständige liberale Politik getrieben werde." In dem Berichte derNationalliberalen Korrespondenz" -ist bei letzte Satz nicht enthalten. Man hat wohl eingesehen, daß bis Dauerhaftigkeit des Blocks sehr bald in Frage gestellt fein würde, wenn er ernsthaft dazu benutzt werden sollte, einerverständigen liberalen Politik" die Wege zu bereiten.

l Die Blockpolitik hat keineswegs die Aufgabe, «inen grundsätzlichen Kurswechsel nach links einzuleiten, sondern sie soll die Parteien von

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