mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkai« " Sonntaa-beUaaer AlluttrdrteS " JHIIh
Zweites Blatt
(Hersf. Tgbl.)
den entstanden.
Heffen-Nassan nnb Nachbargebiete.
Nassau, 7. Ott. Am Sonntag tagte hier eine Versammlung behufs Besprechung über die Erbauung einer Bahn von Montabaur durch das Eelbachtal nach Nassau. Es waren 130 Vertreter aus den in Betracht kommenden Kreisen Unterlahn, Unterwesterwald und Westerburg erschienen. Die Herren Landräte der genannten Kreise waren ebenfalls anwesend Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen dahingehend: in einer Eingabe an den Minister um „die Erbauung einer Bahnlinie Montabaur- Nassau im Anschluß an die Westerwaldbahn" zu erbitten. — Bekanntlich will Ems ebenfalls die Bahn haben. Weiter besteht noch ein Konkurrenzprojekt Montabaur-Neuhäusel-Lahnstein.
Kerspenhausen, 7. Okt. Welchen Schurkenstreichen Dreschmaschinenbesitzer manchmal ausgesetzt sind, ist noch von vorigem Jahre von Friedland her bekannt. Dieser Tage fiel nun der Dreschmaschinenbesitzer B. von hier einem solchen zum Opfer. Er arbeitete mit seiner Maschine in einem nahen Dorfe. Verschiedener Gründe halber ließ man die größte Vorsicht walten, trotzdem konnte es nicht verhindert werden, daß gegen das Ende des Dreschens hin ein ziemlich großer Basaltstein mit einer Weizengarbe in die Maschine gelangte und sie zum Stillstehen brachte. Der Stein war jedenfalls nächtlicherweile in die Garbe eingebunden worden. Der allgemeinen Sicherheit halber wäre es gut, wenn solche Burschen zur Anzeige gebracht und exemplarisch bestraft werden könnten. An der Dreschtrommel war natürlich ein größerer Scha-
Erschemt wöchentlich siebe« mal»
Druck Md Verlag-. Joh. klug. «och, UniverfitAS-Duchdruckerei 42. Jahr«.
Marburg, Markt 21. — Telephon öS.
Uti 238
Lippoldsberg (an der Weser), 7. Ott. Einen schauerlichen Fund machten vorgestern mehrere Forstbeamte in der Nähe von Oedelsheim. Sie fanden im Waldesdickicht da» Skelett eins» Menschen und das Gerippe eines Hundes. Wie die näheren Ermittelungen mit ziemlicher Sicherheit ergeben haben, handelt es sich um das Gerippe des vor einigen Jahren aus einem Nachbardorfe verschwundenen Schweinehirten, der sich demnach aufgehängt haben mutz. Sein Hund ist bet ihm gewesen, oder hat später die Leiche aufgesucht, hat sich unter den betreffenden Baum gelegt und di« Leiche seines Herrn nicht mehr verlassen, sodatz er verhungert ist.
Darmstadt, 7. Ott. Das Arbeiterdorf wird einen abgeschlossenen Teil der hessischen Landesausstellung bilden, die für 1908 in Darmstadt geplant ist. Bei der für das Erotzherzogtum Hessen so meisterhaft organisierten Kleinwohnungspflege wird die Ausführung dieses Gedankens ohne Zweifel einen wesentlichen Anziehungspunkt der Ausstellung bilden, gute Anregungen geben und nachhaltigenEinflutz hinter-
wordev ist, kann die Zahlung des staatlichen Drittels verweigert werden. Die Kosten für die durch die Schulaufsichtsbehörde etwa stngeord- nete Beaufsichtigung des Baues durch einen staatlicheen Baubeamten trägt der Staat. Hinsichtlich der Bauleitungskosten bewendet es bei den bestehenden Vorschriften. Was unter den Begriff der Schulbaulast fällt, ist unter Berücksichtigung der bisherigen Rechtsprechung zu entscheiden. Nicht gehören insbesondere dahm die Kosten für die innere Einrichtung (Schulbänke, Tische, Schränke, bewegliche Waschkessel usw.). Als im Etasjahr entstanden haben die Kosten dann zu gelten, wenn sie in dem Etatsjahr fällig geworden sind. Bei In natura geleisteten Hand- und Spandiensten kommt es auf den Zeitpunkt der Leistung an. Die Schulverbände sollen aufgefordert werden, etwaige Ansprüche auf Gewährung des staatlichen Baubeitrages bis zum 1. Mai bei der Königlichen Regierung geltend zu machen.
— Prüfungsordnung für Aerzte. lleber die Handhabung der Bestimmungen des Paragraphen 14 Absatz 4 der Prüfungsordnung für Aerzte vom 28. Mai 1901, betreffend die Festsetzung der Fristen für die Wiederholung nicht bestandener Prüfungsfächer der Aerztlichen Vorprüfung, sind Zweifel entstanden. Zu deren Behebung hat der Kultusminister nach Benehmen mit dem Reichskanzler folgende Entscheidung getroffen. Die im ersten Satze der erwähnten Bestimmungen vorgesehene, je nach den Umständen zu bemessende Frist von zwei Monaten bis zu einem Jahre stellt die Mindestfrist dar, nach deren Ablauf der Studierende die Aertt- liche Vorprüfung, soweit sie nicht bestanden iit, frühestens wiederholen darf. Bei der ge ß dem Schlußsätze des Absatzes 4 Paragraph 14 gleichzeitig erfolgten Festsetzung des Zeitpunktes, bis zu welchem spätestens die Meldung zur Wiederholungsprüfung erfolgen muß, wird demnach unter Umständen ein über ein Jahr hinausreichender Termin zu wählen sein. Es ist jedoch geboten, hierbei und bei der Handhabung der Bestimmungen des Paragraphen 14 Absatz 4 überhaupt mit Vorsicht zu verfahren, damit dem Studierenden die Möglichkeit einer zweiten Wiederholung innerhalb des für die Erledigung der gesamten Vorprüfung in Paragraph 14 Absatz 6 a. a. O. vorgeschriebenen Zeitraumes von zwei Jahren gewahrt bleibt. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß nicht die Meldung zur Wiederholung, sondern allein das Bestehen der Wiederholungsprüfung für die Berechnung der zweijährigen Eesamtfrist in Betracht kommt, und ferner, daß einer etwa erforderlich werdenden zweiten Wiederholung eine mindestens zweimonatliche, innerhalb der zweijährigen Frist liegende Zurückstellung vorangehen muß.
lassen. Vom Hessischen Zentralverein für kkv» richtung billiger Wohnungen, der das Arbeit«« dorf schaffen wird, werden für Rechnung hervor« ragender Jndustriefirmen 6 Arbeiterhauser «• richtet. Bet Ausführung und Einrichtung dies« Häuser soll das Schwergewicht auf dis wirtschaftlichen Momente gelegt werden. Die Kosten für Haus und Möbel usw. sollen so bemessen werden, daß sie für minderbemittelte Personen, in erst« Linie für Arbeiter erschwingbar sind. Jede« Erbauer bezw. Architekten bleibt die freie Verfügung bezw. Betättgung seines Wollens und Könnens überlassen. Es ist angenommen, dich unter Berücksichtigung eine» 200 bis 300 qm großen Bauplatzes, dessen Preis sich auf 1,50 bis 3 tM. für den Quadratmeter stellen soll, die Baukosten höchstenfalls 4000 <M für das Einfamilienhaus und 7200 M für das Zweifamilienhaus betragen dürfen, sodatz sich die Gesamtkosten höchstens auf 4500 bezw. 8000 <M. belaufen. — ®ö» Einfamilienhaus soll mindestens 3 Zimmer und Küche enthalten, auch bei den Zweifamilienhäusern soll möglichst jede Wohnung diese Erötze haben. Die Gesamtkosten der notwendige« Möbel für eine dreiräumige Wohnung sollen t« Durchschnitt 600 <M betragen, wobei für di» Küche 141—190 «M., für das Schlafzimmer 171 bis 216 M und für das Wohnzimmer 200 bi» 260 oM vorgesehen find. Die Hersteller der Möbel müssen sich schriftlich verpflichten, zu den vo« ihnen zu bezeichnenden Einheitspreisen jede i» der Ausstellung etwa gemachte Bestellung aus» zuführen. — Zur Erhöhung des Eindrucks solle« sämtliche Räume in einen völlig bewohnbare« Zustand versetzt d. h. mit allen zu diesem Zweck« erforderlichen Einrichtungs- und Dekorationsgegenständen versehen werden. Großer Wert wird auf Vorführung von gutem und billige» Wandschmuck gelegt. Gerade mit Hilfe des letzteren läßt sich eine Hebung des Geschmackes erzielen.
Mainz. 7. Ott. In anscheinend selbstmöv» derischrr Absichk^yat gestern Nachmittag an d« Kaiserbrücke ein Unbekannter auf schreckliche Weise den Tod gesucht und gefunden. Als d« ^n Nachmittag 4.16 ab Mainz nach Wies- t fahrende Personenzug die Kaiserbrilckr passierte, schwang sich plötzlich dicht vor de» herannahenden Zuge ein Mann über die Barriere, die den Fußgängerweg von de« Schien« trennt, und warf sich vor den Zug, der über d« Unglücklichen hinwegging und ihn auf d« Stelle tötete. Dem Unbekannten, dessen Der« sönlichkeit bis zur Stunde noch nicht festgestellt werden konnte, wurde der Brustkorb eingedrückt
von der Diemel, 7. Ott. In Attendorn kam vorgestern ein unbekannt« junger Mensch ta ein Eisenwarengeschäft und ließ sich Revolver verschiedenen Kalibers vorlegen. Plötzlich ergriff er einen Revolver, lud ihn mit einer Patrone, die er sich mitgebracht hatte und jagte fick vor den Augen des Ladenpersonals einen Schutz
' Deutsches Reich.
— Eine weitere Anweisung zur Ausführung ^des Bolksschulunterhaltungsgesetzes hat jüngst Her Kultusminister erlassen. In der Verordnung wird auch die Frage des gesetzlichen Bau- Beitrages behandelt. Nach dem neuen Ee- t-fttze tritt gegenüber dem bisherigen Reichszu- pande zu gunsten der kleineren Schulverbände ^mit nicht mehr als sieben Schulstellen insofern eine wichtige Neuerung ein, als der Staat verpflichtet wird, ihnen ohne Rücksicht auf ihre Leistungsfähigkeit e i n e n T e i l der ihnen im Etatsjahre durch notwendige Bauten für Volksschulzwecke erwachsenen Kosten zu erstatten. Neben diesenr gesetzlichen Baubei- jtflfle werden solchen Schulverbänden im Bedarfsfälle weitere einmalige Baubeihilfen aus den hierfür- ^ereitgestellten Fonds gewährt. Hinsichtlich dieser Baubeihilfen, ebenso hinsichtlich der Unterstützung der Schulverbände mit mehr als sieben Stellen bei Unvermögen zur Tragung der durch Volksschulbauten entstehenden Kosten bewendet es bis auf weiteres bei den bestehenden Bestimmungen. Um aber die Höhe des gesetzlichen Baubeitrages zu ermitteln, sind nach der Ausführungsanweisung des Kultusministers die dem Schulverband durch notwendige Bauten für Volksschulzwecke (Neu-, Erweiterungs-, Ersatz-, Reparaturbauten) im zerflossenen Etatsjahre entstandenen Kosten zu- ^-mmenzurechnen. Auszuscheiden sind die Kosten für Grunderwerb, während der Wert der Na- turaldienste (Hand- und Spanndienste) in Ansatz gebracht werden kann. Doch darf der letztere den Höchstsatz von 15 Prozent der Eesamt- ^Hausumme des betreffenden Baufalls nicht über- Peigen. Van dem so gefundenen Kostenbettrag sind abzusetzen die durch Beiträge Drittver- pflichteter und Brandschadenversicherung gedeckte Summe und ferner für jede vorhandene Schulstelle ein Bettag von 500 M. Von der Restsumme zahlt der Staat ein Drittel. Der von dem Schulverband gemäß dem Gesetze angesammelte Baufonds kommt nur ihm zugute, ist -daher nicht von der Teilung abzusehen. Soll «in zu errichtendes Gebäude zugleich anderen Zwecken als denen der Volksschule dienen, oder sollen bei Gelegenheit von Volksschulbauten Einrichtungen hergestellt werden, die als für .Volksschulzwecke notwendig nicht anerkannt .werden können, so sind die für reine Volksschulzwecke allein notwendigen Baukosten auszuson- ibern bezw. zu veranschlagen. Nur diese kommen für die Berechnung des staatlichen Beitrags in Betracht. Für Bauten, für welche die im § 17 Abs. 3 vorgeschriebene Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde nicht eingeholt oder versagt
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver Expedition 2 Mk, im^*»&****.*
bet allen Postämtern 2,25 M. (excl. Bestellgeld). ' ÄrCWWlufl
S«sertl»«»gebühr: die gespaltene Zelle odervermRruwILPftz. in inni
Reclmnen: die Heile 80 Psg. DöNNttSMg. 10. öliODCt 1907.
5 (Nachdruck verboten.)
Frauenhände.
Roma« pon Erich Friesen.
M ^Fortsetzung).
Immer beredter, immer leidenschaftlicher fließen die Worte von den Lippen des tieferregten Mannes.
Ein paarmal will Ruth ihn unterbrechen.
Doch er hört nicht auf sie.
Und als er geendet und ihren gesentten Kopf zwischen seine Hände nimmt und einen innigen Kuß auf ihre Lippen drückt — da fühlt sie, wie ihr Entschluß, ihrer Liebe zu entsagen, schwankend wird.
Als sie bald darauf den Heimweg antritt, find ihre ganzen Gedanken erfüllt von dem großen Glück, das ihr, bevorsteht.
Die Hände faltend, blickt sie zum wolkenlosen Himmel empor, während ihre lächelnden Lippen flüstern:
„Vater, lieber guter Vater! Verzeihe mir, haß ich so glücklich bin, heute, wenige Tage nach Deinem Tode! Aber ich kann ja nicht anders!"
W ■ 3.
b ,L8ie ungeschickt Du wieder bist, Polly? Du Zerzausest mir das ganze Haar — oh, oh!" „Madame —"
’T „Papperlapapp! Rede nichts! Ich habe Kopfweh."
' Und die schöne Frau Diana Mackay hält sich mit einer gelangweilten Gebärde beide rosigen Ohren zu.
Dabei blicken die grünlich schillernden Augen Hinter ärgerlich zusammengezogenen Braunen var böse drein, und die Spitzen der in goldbestickten blauseidenen Pantöffelchen steckenden püßchen trampeln ungeduldig den Boden.
•< „Der Herr Gemahl lassen fragen, ob er Ma- pame sehen könne," meldet ein soeben eintreten- »er Diener im Flüsterton. „(Et und Herr Norbert sind draußen." -- ------x.
‘ „Meinethalben."
Kaum wendet sie den Kopf beim Eintreten der beiden Herren.
Von dem jüngeren nimmt sie nur durch kurze» Nicken Notiz, während sie dem älteren, etwas schwerfälligen Manne die brillanten» überlandene Hand entgegenstreckt.
„Ah, Thomas! Schön von Dir, daß Du kommst, um Deine arme Frau zu trösten."
Thomas Mackay ergreift die kleine Hand und küßt sie galant, wobei sein gutmütiges, etwas feistes Gesicht strahlt.
„Setzt Euch!"
Die beiden Herren nehmen auf den blauseidenen Fauteuils in der Nähe von Madame Platz, die ihr Haupt mit den lang herabfallenden leuchtend roten Haarsträhnen wieder den Händen der Kammerfrau überläßt.
Norbett Douglas kommt nicht oft hierher. Trotzdem zeigt er nicht das geringste Interesse weder für seine schöne Stiefmutter, noch für den mit raffiniertem Luxus ausgestatteten Raum.
Blauseidene Tapeten mit mattgoldenen Amoretten. Blaue Samtvorhänge, die jetzt am Abend vor den breiten Bogenfenstern zugezogen sind. Blaue Smyrnateppiche, in denen der Fuß fast verfintt. Blaue duftige Schleier über den elektrischen Lichtern. Alles blau, blau, blau.
Und inmitten dieses magisch bläulichen Ee- dämmers die wunderzierltche Gestalt der Herrin dieses Tuskulums im langen weißen Spitzennegligee, über welches das rote Haargeflute fast bis auf die Erde herabrieselt.
„Hast Du noch immet keinen Ersatz für die dumme Mademoiselle Dumont gefunden, Thomas?" fragt Madame mit einem Emporziehen der Augenbraunen.
„Nein, liebste Diana. Keine der jungen Damen entsprach Deinen Wünschen. Die eine war zu alt, die andere zu gewöhnlich, die dritte nicht musikalisch, die vierte —“
„Genug, genug!" ruft Madame aufgebracht, indem ihre Reckte nervös auf der Marmorplatte des Toilettentisches herumtrommelt, ' Eine eigentümliche Hand! 1
Fast puppenhaft klein, mit spitzen, in lange Nägel auslaufenden Fingern, welche sich bei jeder Bewegung krallenarttg krümmen — nervöse, gierige Hände, wie geschaffen zum Ränkeschmieden, zum Anstchreißen zum — Hinmorden. Hände, so schlecht, daß selbst Arabiens Wohlge« räche sie nicht rein zu waschen vermögen ...
Thomas Mackay hat sich nie um die Psychologie der Hände gekümmert. Für ihn war der Tag, an dem die schöne Diana Tickleton ihm ihr kleines Händchen zum Bunde fürs Leben reichte, der herrlichste seines Erdendaseins. Um diesem Händchen jeden Gefallen zu tun, schont et seine Millionen nicht. Für einen warmen Druck dieses Händchens opfert er alles.
„Daß diese schreckliche Dumont auch gerade jetzt heiraten muß — kurz vor unserem großen Fest!" gellt Madames etwas hohe, scharfe Stimme in die eingetretene Pause hinein. „Wo finde ich gleich eine passende Person! Wirklich gräßlich!"
Norbert, der bis dahin noch kein Wort gesprochen, horcht auf. Er hatte sich vorgenommen, heute Frau Mackay zu fragen, ob in ihrem großen Bekanntenkreise vielleicht irgendwo eine Gesellschafterin gesucht würde. Daß sie selbst einer solchen bedurfte, ahnte er nicht, da er lange von Newyork abwesend war und während der wenigen Tage nach fein« Rückkehr Madame nur bei Tisch gesehen hatte.
Jetzt plötzlich düntt es ihm als eine Fügung des Himmels, daß er gerade heute den Stiefvater gebeten, ihn zu seiner Gattin begleiten zu dürfen.
„Frau Mackay," beginnt et lebhaft — er hat sich nie entschließen können, die zweite Frau seines Stiefvaters anders zu nennen — „Frau Mackay, ich glaube, zum ersten Mal in meinem Leben kann ich Ihnen einen Dienst erweisen."
Madame wendet ihm ein halb erstauntes, halb indigniertes Gesicht zu. Dann lacht sie hell stuf,
„Sie —? Da bin ich aber neugierig!"
Norbert kämpft das unangenehme Gefühl nieder, das ihn in der Nähe tiefer Frau stets
überfällt und das er vergebens zu überwind« sucht.
„Sie wünschen eine neue Gesellschafterin, Frau Mackay. Ich kenne ein junge» Mädchen, das vorzüglich für Sie paßt."
„Eh —? Wo haben Sie ste denn kennen gelernt?" —
„Bei einer befreundeten Familie."
„Hübsch?"
„Seht hübsch.«
„Hm! . . . Gebildet?"
„Ihr Vater wat Arzt."
„Also Waise!"
„Die Mutter lebt noch."
„Soso! .., Ist sie groß eh- tv".v.
„Groß."
„Brünett?"
„Nein blond."
„Hm!"
Madame lehnt sich in den Sessel zurück und blickt ihren Stiefsohn unter halbgeschlossenen Lidern von bet Seite an.
Polly hat sich auf ein« Wink ihrer Gebieterin zurückgezogen.
„Kann ich meinem Herrn Stiefsohn trauen? Empfiehlt er mir eine ordentliche Person?" fragt Madame lauernd. !
„Ganz gewiß, Frau Mackay!"
„Na, gut. Dann mag sie sich vorstellen.
Morgen nachmittags."
„Morgen wird es wohl noch nicht gehen. Vielleicht in acht Tagen. Vorgestern erst wurde ihr Vater zu Grabe getragen."
„Puh! Da geht sie wohl ganz schwarz? Ich hasse Trauerkleidet."
„Sie wird sich Ihrem Geschmack gewiß fügen, Frau Mackay. Nur beansprucht sie einen hohe« Gehalt. Sie hat für Mutter und Schwester zu sorgen."
„Bah? Der Gehalt ist Nebensache!" Madame schnippt mit den diamantenglitzernden Fingern. „Das besprechen Sie mit meinem Mann. Adieu! Auf Wiedersehen!" ।
...... (Fortsetzung folgt.), i»——