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Erstes Blatt.
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Her Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn.
Der übermäßige Unabhängigkeitsdrang der Magyaren, die von den Türken, ihren Vettern Abgesehen, in Europa das einzige Volk nicht- Krischen GMütes darstellen, das Anspruch darauf erhebt, als Kulturnation bezeichnet zu werden, hat schon öfters der Wiener Hofburg unliebsame lleberraschungen bereitet und hat in ,ben letzten Jahren eine solche Verschärfung der Gegensätze zwischen den beiden Reichshälften der österreichisch-ungarischen Monarchie hervor- gerufen, daß es immer schwieriger wird, nach Außen hin, den Ritz zu verkleistern. Dieses Experiment aber ist, wie schon früher dargelegt wurde, klusschlietzlich auf Kosten der österreichischen Reichshälfte durchgeführt worden; denn die Herre»Magyaren liehW sich an ihren staatsrechtlichen Errungenschaften nicht genügen, sondern strebten auch in wirtschaftlicher Beziehung eine vollkommene Sonderstellung an. Dies kam am schärfsten zum Ausdruck durch die im vorigen /Jahre von dem neuernannten ungarischen Handelsminister von Kossuih abgegebene Erklärung, daß Ungarn mit Oesterreich kein Zollbündnis ^mehr, sondern nur noch, wie mit einem fremden Staate, einen Handelsvertrag schließen wolle. ^Cegen diese Unverschämtheit mutzte von öster- 'reichischer Seite, wo man bislang den Magyaren immer klein Leigegeben hatte, Front gemacht werden. Als Protest gegen das einseitige, völlig vertragswidrige Vorgehen der ungarischen Regierung zog der österreichische Ministerpräsident Frhr. v. Beck im Vorjahre den 1902 eingebrach- len, aber noch nicht zur Annahme gelangten Gzell - Koerberschen Ausgleichsvorschlag zurück ;unb kündigte an, datz ein neuer Ausgleich — inzwischen war ja das Reziprozitätsverhältnis der beiden Reichshälften im Verordnungswege auf Grund des vielbesprochenen § 14, der mit .Ende dieses Jahres abläuft, geregelt worden — nur über den ganzen Umfang der zwischen Oesterreich und Ungarn schwebenden wirtschaftlichen Fragen möglich sei. Einseitige Diktate Ungarns müßten hierbei völlig ausgeschlossen fein und der Ausgleich selbst dürfe nicht kurzfristig bemessen sein, sondern müsse als ein lang- ^fristiger abgeschlossen werden, der auch nach Ablauf der auswärtigen Handelsverträge die witt- ifchaftliche Gemeinsamkeit beider Staaten sicher stelle. Diese ungewöhnliche Energie der österreichischen Regierung zeigte zur Genüge, daß man sich in Wien der Gefährlichkeit der Situa- lion voll bewußt war und datz man die feste Absicht hatte, diesmal der magyarischen Begehr-
Die deutschen Lehrer am Grabe H. Heine's.
, Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben:
>5« Nr. 236 der „Oberhessischen Zeitung" vom 8. Oktober d. Js. stand zu lesen unter #, daß gegen 100 deutsche Lehrer, auf einer Studienreise begriffen, am Grabe Heinrich Heines auf dem Montmartre in Paris einen Kranz niedergelegt hätten; der Vorsitzende der Bremer Lehrervereinigung, Breyhan, habe dabei «ine Ansprache gehalten. Es wäre interessant, dieser Ansprache habhaft werden zu können, um zu erfahren, in welchem Sinne man Heines gedacht habe. Heine war ohne Zweifel ein ganz bedeutendes Dichtergenie, ein ausgezeichnetes Talent mit tiefer, dichterischer Anschauung, dabei aber ein so frivoler Verwüster und Erzrevolutionär, Atheist, Religionsspötter und Gotteslästerer, datz das Urteil der Geschichte ihn als den geistigen Vater des ausgesprochenen Antichristentums und korrosiven Anarchismus bis unsere Zeit auffassen mutz; wer vermöchte die Seelen zu zählen, die Heinrich Heine ver- wüstet hat! Bei dieser Verwüstungsarbeit unterstützte ihn sein blendender Witz und beißender sarkasmus, der vor nichts Halt machte, mit dem ec sich selbst verspotten konnte, mit dem er auch das Heiligste nicht verschonte, bis er in k^dr .Matratzengruft" in Paris aufs Kran- Sterbelager sank und Zeit bekam, im elendsten Zustand über sich nachzudenken. Cs »l'ngt überaus tragisch, wenn er von sich sagt' ^Wenn man auf dem Sterbebette liegt wird man sehr empfindsam und weichselig, und 'möchte Frieden machen mit Gott und der Welt; seit ich selbst der Barmherzigkeit Gottes bed'ürf- Kig, habe ich allen meinen Feinden Amnestie erteilt; manche schöne Gedichte, die nur halbwegs
lichkeit gegenüber entschlossen Widerstand zu leisten. Alle Welt sah darum mit Spannung den in Ofen-Pest geführten neuen Ausgleichsver- handlungen entgegen.
Nach unendlich langwierigen Verhandlungen, deren Erfolg bis zum letzten Tage in Frage gestellt schien, ist denn nun endlich eine Einigung in Ofen-Pest zustande gekommen. Die Ausgleichsvorlagen werden in den nächsten beiden Wochen ausgearbeitet werden und sollen wenn möglich bereits am 20. Oktober den Parlamenten in Wien und Ofen-Pest vorgelegt werden. Das scheint einen Erfolg der österreichischen Unterhändler zu bedeuten, könnte man meinen! In Wirklichkeit jedoch dürfte diese Einigung mehr den Wünschen der Magyaren, als denen der Oesterreicher entsprechen; denn es ist kaum anzunehmen, datz die ungarischen Vertreter durch die Drohung ihrer österreichischen Kollegen, die Verhandlungen abzubrechen und heimzufahren, derart eingeschüchtert worden waren, daß sie in den strittigen Fragen einfach klein beigegeben hätten. Ohne Zugeständnisse wird es wohl auch auf österreichischer Seite nicht abgegangen sein und vielleicht sind diese so beträchtlicher Art gewesen, datz die Ofen-Pester Blätter ganz berechtigt waren, ihrer Befriedigung über den Abschluß des Ausgleiches Ausdruck zu verleihen. Noch ein anderer Umstand aber läßt einen „Sieg" der österreichischen Regierung als äußerst zweifelhaft erscheinen, das ist die Tatsache, datz beide Regierungen sich ehrenwörtlich verpflichtet haben sollen, über den Inhalt des Ausgleichs vor dessen Einbringung in den Parlamenten keinerlei Mitteilung an die Presse zu machen, um zu verhindern, datz einzelne Punkte herausgegriffen und ungünstig beurteilt werden könnten. Dieses Versteckspielen mutet recht verdächtig an und gibt der Vermutung Raum, datz bei der „Einigung" nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Sollte diese Schlußfolgerung zutreffend sein, so würde man unter Umständen eine Wiederholutkg des Spieles zu erwarten haben, das die Delegierten fast 13 Monate lang getrieben; denn es ist wohl kaum anzunehmen, datz sich der Reichsrat in Wien mit einem abermaligen Kotau Oesterreichs vor Ungarn einverstanden erklärt.
Nach früheren Erfahrungen, die man mit der österreichischen Staatskunst gemacht hat, läge die Annahme nicht ganz fern, datz bei dem Ofen- Pester Diplomatenturnier wieder einmal die eigentlich österreichischen Interessen hinter den dynastischen Forderungen haben zurückstehen müssen. Das aber wäre auch von deutscher Seite nur zu bedauern;denn eine solche Politik kann nur eine Schwächung Oesterreichs, sowohl in wirtschaftlicher als auch politischer Hinsicht zur Folge haben. Das Bestreben der Wiener Hofburg, die österreichisch-ungarische Monarchie nach Außen als ungeschwächten Machtfaktor hin-
Anzüglichkeiten gegen den lieben Gott selbst enthalten, habe ich mit ängstlichem Eifer den Flammen überliefert; es ist besser, datz die Verse brennen, als der Versifex. ... Ich habe auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht zum größten Aergernis meiner aufgeklärten Freunde, die mir Vorwürfe machten über dieses Zurückfallen in den alten Aberglauben, wie sie meine Heimkehr zu Gott zu nennen beliebten. ... Ja, ich bin zurückgekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern die Schweine gehütet rc." Diese Selbstzeugnisse könnten noch vermehrt werden; aus ihnen ist zu erkennen, daß Heine retrograd den seitherigen Lebensweg verließ und Heimweh bekam nach dem Gott, den er in ordinärster Weise verspottet hatte; es scheint eine Art Erweckung hei ihm stattgefunden zu haben; wenigstens find seine Selbstzeugnisse Wahrheit, wie vordem yuch seine Gotteslästerungen in ungeschminkter Blöße und frivolstem Zynismus ausgesprochen waren. Datz er wahren Schmerz in seiner Seele fühlte, zeigen die merkwürdigen Verse:
Traurig schau ich in die Hob, Ä Wo viel tausend Sterne nicken — | Aber meinen eignen Herrn s Kann ich nirgends dort erblicken, \ Hat im grldnen Labyrinth i Sich vielleicht verirrt am Himmels 1 Wie ich selber mich verirrt n In dem irdischen Getümmel. ,
Od Heine wert ist, bl Jahre nach seinem
Tode noch öffentlich geehrt zu werden mit Kranz und Ansprache, überlassen wir dem Geschmack, über den nicht disputiert werden soll, vielleicht war eine gewisse Kongenialität die Veranlassuiw zu der öffentlichen Ehrung, für welche die Franzosen auf jeden Fall mehr Verständnis haben als ein gebildeter Deutscher und
Ebrikt. ' ' - -
zustellen, kann auf die Dauer keinen Erfolg versprechen, wenn die Grundpfeiler der Erotzmacht- stellung des zweiten Dreibundstaates Schocken leide.
Auch für die Lage des Deutschtums in den österreichischen Kronländern sowohl, wie in Ungarn würde ein abermaliger Triumph der Magyaren, der gleichbedeutend mit einer weiteren Schwächung der Regierungsgewalt wäre, in hohem Matze bedenklich sein, da eine schwache Regierung noch weniger, als bisher, in der Lage fein würde, das Deutschtum vor den Anfeindungen und Vergewaltigungen seitens der Tschechen, Polen, Slowaken usw. zu schützen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser ernannte nach den Vesetzungs- feierlichkeiten in Karlsruhe den Erotzherzog von Baden zum Eeneralinspekteur der 5. Armeeinspektion unter persönlicher Ueber- reichung einer sehr gnädigen Kabinettsorder. — Der Kaiser, der am Montag nachmittags 4 Uhr von Karlsruhe wieder abgereist war, ist gestern mit dem Prinzen Oskar um 12 Uhr im Sonderzuge in Elbing eingetroffen, wo die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise, die im Automobil von Eadinen gekommen waren, zum Empfang auf dem Bahnhof erschienen waren. Die Ankunft in Eadinen erfolgte kurz vor 1 Uhr.
— Zur Frage der Gehaltsaufbesserung für Staats- und Reichsbeamte wird der „Rh.-Westf. Ztg." aus Berlin geschrieben: Die Frage der Gehaltsaufbesserung für Staats- und Reichsbeamte ist jetzt, nachdem am Sonnabend die aus Vertretern aller wichtigeren Behörden zusammengesetzte große Komission ihre vorläufigen Beratungen beendet hat, in das Stadium der Ausarbeitung im einzelnen getreten. Auf eine von der „Deutsch. Ztg." an vorzüglich unterrichteter Stelle eingezogene Erkundigung wurde die Auskunft erteilt, daß bestimmte Beschlüsse allerdings noch nach keiner Richtung gxfatzt sind, da es sich vorläufig nur um einen allgemeinen Meinungsaustausch und eine Begutachtung der bereits vorliegenden Entwürfe und praktischen Vorschläge durch eine möglichst große Anzahl von Sachverständigen handelt. Doch läßt sich der Umfang der für Preußen in Aussicht genommenen Gehaltsaufbesserung schon heute einigermaßen übersehen. Die Schätzung, datz die Summe von 100 Millionen Jl erreicht, vermutlich überschritten werden wird, trifft genau das Richtige. Dieser Betrag dürfte, wenn Pfarrer- und Lehrergehälter mit eingerechnet werden, voraussichtlich nicht unerheblich überschritten werden. Die Gehaltsaufbesserungen unter Hrn. v. Miquel erforderten rund 80 Millionen M, und die Zahl der Beamten — man denke nur an die fortschreitende Ausdehnung des Eisenbahnwesens — ha sich seitdem bedeutend vermehrt.
Wissenschaft, Kunst und Leben.
# Musikalisch-deklamatorischer Abend. Am 15. Oktober wird das erste Konzert in den neu hergerichteten Stadtsälen statttinden. Unsere Marburger Vortragskünstlerin Frau von Blanckensee wird im Verein mit den Berliner Künstlern Willy Lang und Frau Marie Hoffmann mit einem musikalisch-deklamatorischen Abend, dessen Programm sehr interessant zusammengestellt ist, die Konzettsaison eröffnen. Frau v. Blanckensee wird zuerst das Schiller- Schillingsche Melodram „Kassandra" rezitieren, mit welchem die Künstlerin in Stuttgart und Würzburg großen Erfolg erzielte. Der „Schwäbische Merkur" berichtet darüber: „Frau v. Blanckensee beherrscht souverän die Technik, jede Nüance des Ausdrucks steht ihr unmittelbar und treffsicher zu Gebot. Sie besitzt die Kraft, bildnerisch augenscheinlich zu gestalten, mit oft wenigen Strichen eine Situation in der Phantasie des Hörers hervorzuzaubern, einen Charakter scharf zu beleuchten. Aromatopoetische Elemente und Tonsymbole finden sehr feine wirkungsvolle Verwendung. Die gesangreiche Stimme eignet sich für das Melodram, dem in neuerer Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit ge- schentt wird, ebenfalls ausgezeichnet. Sie vermag es, sich den Tönen anzuschmiegen, sich mit ihnen zu verschmelzen." Das „Casseler Tageblatt" vom 7. Sept, bringt in der Notiz: Ein Musikabend bei Richard Burmeister folgende Beurteilung: „Viel Interesse erweckten die Deklamationen der Frau Elsa v. Blanckensee, denen ebenfalls Chopinssche Tonstücke zu Grunde lagen. Man kann es wohl verstehen, daß die wunderbar poetischen Gebilde Chopins Anregung geben, die von ihnen ausgelöste Stimmung in Worte zu fassen. Der Russe Kornel Ujejsn hat diesen Versuch gemacht; die Einrichtung dieser Dichtungen für melodramatischen Vortrag rührt von
— Zur Reform des Zivilprozefles wird uni von geschätzter Seite folgendes mitgeteilt: Der Entwurf eines Gesetzes zur Reform des Zivilprozesses ist der öffentlichen Beurteilung unterbreitet. Das amtsgerichtliche Verfahren soll geändert, die amtsgerichtliche Zuständigkeit von 300 auf 800 M erhöht werden. Die Zustellungen mit Ausnahme der Urteile sollen von Amts->> wegen bewirtt werden. Die Reform bringt damit ein lang ersehntes Verfahren, da durch di« Zustellungen von Amtswegen nicht nur eine' Vereinfachung sondern namentlich auch eine Verbilligung eintritt, indem für diese Zustellungen weder Gebühren noch Auslagen erhoben werden: der Staat trägt die Kosten. Auch die Zustellung der Zahlungsbefehle im Mahnverfahren wird von Amtswegen erfolgen, die Einspruchsfrist gegen die Versäumnisurteile der Amtsgerichte auf eine Woche verkürzt. — Der Entwurf sieht eine Beschränkung des Rechtsmittels der Berufung vor, indem für alle vor die ordentlichen Gerichte gehörigen Rechtsstreitigkeiten eine Berufungssumme — 50 Jt — festgesetzt wird. — Die Beweisaufnahme soll, wenn angängig, M unmittelbarem AnschlH an den Beweisbeschluß in demselben Termin erfolgen, ein Verfahren, welches im Interesse der Parteien die Erledigung der Prozesse beschleunigt. — Auch die Tätigkeit der Eerichtsschreiber wird erweitert. Diese haben die Kosten selbständig festzusetzen, der Richter soll von Rechnungssachen entlastet werden. Die Parteien können die Entscheidung des Gerichts anrufen. — Die Erweiterung des Kreises der Feriensachen sowie eine einheitliche Regelung der Einlassungs- und Ladungsschriften im Wechselprozetz werden in Vorschlag gebracht. — Das Eerichtskostengesetz sowie die Gebührenordnung für Rechtsanwälte sollen geändert werden. Im Interesse einer Vereinfachung des Kostenwesens soll eine Pauschalsumme für Schreibgebühren und Porto festgesetzt werden. Auch den vielfachen Anträgen auf Anberaumung neuer Termine soll entgegengewirkt werden, indem nach der Anberaumung einer gewissen Zahl von Terminen unter bestimmten Voraussetzungen für Anberaumung eines jeden folgenden Termins eine besondere Gebühr vorgesehen wird. — Beschleunigung, Vereinfachung und Verbilligung des Verfahrens liegt im Interesse der Parteien, dies wird hoffentlich durch die Reform des Zivilprozesses erreicht werden!
— Som lenbaren Luftschiff hß» Grafen Zeppelin. Friedrich sh afen, 81 Oktober. Graf Zeppelin hat heute früh die Fahrten mit feinm Luftschiffe wieder ausgenommen. Der Aufstieg gelang vorzüglich. Der Ballon war bald den Augen der hiesigen Zuschauer entschwunden. Um 1 Uhr kehrte der Ballon zurück, manöverierte über dem See und fuhr dann wieder landeinwärts gegen den sehr starken Wind. Der König von Württem-
Burmeister her. Da sich die Dichtung der Musik eng anschmiegt, so übten diese Melodramen eine einheitliche Wirkung aus. Frau v. Blanckensee ist eine ausgezeichnete Vortragskünstlerin. Ihr warm klingendes dunkles Organ ist äußerst modulationsfähig und wohl geeignet, jeder Stimmung den rechten Ausdruck zu leihen; dabei unterstützt ein lebhaftes Mienenspiel da» gesprochene Wort noch wesentlich. Die Dichtung „Ein Begräbnis" zum Trauermarsch v-moll brachte Frau v. Blanckensee ergreifend zum Vortrag, nicht minder das dramatisch bewegte „In der Schenke" (Mazurka op. 6). Ebenso gut gelangen dir reizenden neckischen Vorträge „Die Verliebte" und „Kuckuck" (Mazurka op. 7 und 30), sowie der sinnige „Himmelfahrtstraum" (Präludium op. 28). Die eigenartigen Vorträge, welche Herr Burmeister am Flügel in künstlerischer Weise unterstützte, fanden reichen Beifall . . ." Mit der Pageniniskizze aus Heines Florentinischen Nächten wird Frau v. Blanckensee den Dichter als Erzähler interpretieren und zwar in dieser Form wohl dar erste Mal in einem Konzettsaale. Die elegante, geistreiche, hier schwärmerische, dort sarkastische Art und Weise dieser musikalischen Vision ist von fesselnder Gewalt. Die zum Vortrag kommenden Balladen sind von modernen Dichtern, von denen C. F. Meyer wohl der bekannteste sein dürste. Der jugendliche Geiger Will» Lang ist ein geborener Stuttgarter, er erhielt seine künstlerische Ausbildung bei den.Geigenvirtuosen Sevttk in Prag, Martean in Genf und Jsage in Brüssel. In Städten wie Köln. Berlin, Stuttgart, München und Nürnberg hat, W. Lang großen Beifall gefunden, dem in glänzenden Kritiken beredter Ausdruck gegeben wurde. Besonders gelobt wird „seine hervor-, ragende und elegante Technik, der vornehme Ton, ein mit Noblesse gepartes Temperament und tiefe Auffassung. So schreibt der »Stutts