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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kircklia,'» Sstt«taaKveUaLe:^AVutterrt«S GOnvtachWratt,Vvwlll#

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Marburg

DieMag, 8. Oktober 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 65.

42. Jahrg.

Oesterreichisch-ungarische Balkan- Politik.

Unter absonderlicheren Verhältnissen, so wird aus Wien geschrieben, ist schwerlich jemals die auswärtige Politik eines Erotzstaats ge­macht worden, als jetzt diejenige Oesterreich« Ungarn«. So unverdrossen auch die ungewöhn­liche Begabung des Freiherrn v. Aehrenthal an ^roölevtt« arbeiten mag, an denen Graf Eolu- HhowErkimm durch eigene Schuld gescheitert ist, Silber eins "kommt kein Minister des Aeußern Hinweg: wie sich's wandelt innen, so kann man pinsn Spruch Logaus umkehren, wandelt sich's ' auch außen, und eine österreichisch-ungarische Politik, die doch vor allem wirtschaftliche Inter- Men zu wahren hat, muß erst von sich selbst wissen, ob sie die Politik Oesterreichs und Un> garns, zweier selbständiger Wirtschaftsgebiete, zu sein hat oder nach einem neuen Ausgleich auch fernerhin die Vertretung eines einheit- Schen Wirtschaftskörpers. Was Diplomatie lei­sten kann, hat Freiherr v. Aehrenthal in ein­jähriger Amtsführung geleistet, es ist ihm ge­lungen . die Valkanpolitik der Monarchie zu ieiner rückhaltlosen Verständigung mit Italien zu bringen und man könnte von den Bezieh­ungen Oesterreich-Ungarns zu Italien, so para­dox das klingt, sagen, daß es das Verdienst Ilehrenthals-Tittonis ist, wenn das Bündnis der beiden Staaten zu einer Entente ausge- ,stallet wurde. Denn eine Entente, die Verein­barung über bestimmte aktuelle Fragen war in diesem Falle mehr als ein Bündnis, als ein Vertrag, der jeden der beiden Verbündeten ge­gen den andern sichern wollte, indem er ledig­lich die allgemeine Absicht beider bekundete sich zu vertragen. Seit den Zusammenkünften in Desto und aus dem Semering ist aber das Bünd­nis Oesterreich-Ungarns und Italiens mit einem positiven Inhalt erfüllt. Es ist nicht mehr bloß eine Verbindung mittels zweier Drähte, deren Anschluß in Berlin besorgt wird denn das war es früher, seitdem zuerst der Dreibund geschloffen wurde, sondern es ist jetzt vor allem die Grundlage einer aktiven Balkanpoli- lik der Monarchie.

Und von den nächsten Zielen dieser Balkan­politik hat man durch eine Reihe von Kundgeb­ungen, deren letzte und ausführlichste soeben beim Besuch des Herrn v. Iswolsky in Wien erfolgt ist, eine klare Vorstellung erhalten. Oesterreich-Ungarn will im Einvernehmen mit Rußland die wirtschaftliche und administrative Konsolidierung Mazedoniens herbeiführen. Es hat dort keine territorialen Aspirationen und seins politischen reichen nicht weiter, als daß es keiner andern Macht in Mazedonien einen über­wiegenden Einfluß zugestehen kann. Aber die Monarchie hat in Mazedonien einen überwie­genden wirtschaftlichen Einfluß zu wahren und,

3 !Nachdruck verboten.),

Frauenhcmde.

Roman von Erich Friesen, (Fortsetzung).

2.

Himmelaufragende, schmale Häuserchen, »<nes neben dem anderen, wie zur Parade auf­gestellt, jedes mit einer steilen, gcländerlosen Steintreppe, die hinaus auf die Straße führt, dumpfe, stickige Luft, welche wohl von der Enge der Straße, sowie von der überreichen Bevöl­kerung der Häuser herrühren mag, ein durch­dringender, nasenkitzelnder Geruch nach gebrate­nen Heringen, der Lieblingsspeise der Armen Rew-Porks all dies verleiht der Kanalftraße ein besonders charakteristisches Gepräge.

Ein elegant gekleideter Herr ist hier stets eine auffallende Erscheinung um wieviel mehr eine Equipage.

Als Norbert Douglas vor einem dieser klei­nen Häuschen aus dem Wagen springt und die steile Treppe erklimmt, blicken seiner schlanken, elastischen Gestalt mehr als ein Dutzend Augen verwundert nach.

Droben im zweiten Stock stehen die drei schmalen Fenster weit offen. Bei dem einen sind die weißen Mullvorhänge zugezogen.

«me Doktor! . . . Die arme Fa-

. tuichelt man sich auf der Straße be- E einem scheuen Seitenblick nach der offenen Fensterreihe

k. ^en vor der niedrigen Tür zieht Norbert ore scheue.

Ein unsauber aussehndes Dienstmädchen mit rotverweinten Augen öffnet.

Ist Fräulein Ruth Morton zuhause?" ' Das Mädchen nickt.

»Hier meine Karte. Ich möchte Fräulein Morton sprechen.*' - . - , ; -

soweit er noch nicht besteht, für die Zukunft zu sichern. Dieses Gebiet fällt in den natürlichen Aktionsbereich der österreichisch - ungarischen Wirtschaftspolitik, die, nachdem sie lange lang­sam aus altangestammten Aktionsgebieten ver­drängt worden war, sich heute anschickt wieder expansiv zu werden. Mit solchen Absichten der österreichisch-ungarischen Politik in Mazedonien sind jedoch die einander bekämpfenden nationalen Bestrebungen des Bulgarentums, des Hellenis­mus und der Serben ebensowenig vereinbar wie mit dem Frieden aus dem Balkan. Richt nur die territoriale Integrität der Türkei soll bei den mazedonischen Reformen unangetastet blei­ben, sondern auch den Souveränitätsrechten des Sultans darf kein Abbruch getan werden, und wenn die Justizreform in Mazedonien nach dem Wunsch Oesterreich-Ungarns und Rußlands un­ter eine europäische Kontrolle gestellt werden soll, so müßte -ine Form der Kontrolle gefunden werden, die keine auswärtige Einmischung in die türkische Justizpflege bedeutet, sondern aus­schließlich der Berichterstattung über den Erfolg der Justizreform dient. Es wird noch seine gute Weile haben, bis man von einer Verwirklichung des Mürzsteger Programms sprechen kann, doch ist durch die Bemühungen unserer Diplomatie diese Aussicht ein gutes Stück näher gerückt wor­den, und gerade deshalb erscheinen die Verhält- niffe, unter welchen der österreichisch-ungarische Minister des Äußern gegenwärtig Balkanpolitik macht, so absonderlich: Während Oesterreich- Ungarns Jntereffen in Mazedonien gewahrt werden, sind Jntereffen, die der Monarchie weit näher liegen, ernstlich bedroht und der Leiter der äußeren Politik kann nichts tun, um sie zu schützen. Anderthalb Jahre nach dem Beginn der neuen Handelsvertrags-Aera ist Oesterreich- Ungarn noch nicht dazu gelangt mit den Val- kanstaaten Handelsverträge zu schließen. Es hat seine Grenzen gegen Serbien gesperrt und Serbien hat die Einfuhr österreichischer In­dustrie-Artikel unterbunden. Es ist nicht im­stande einen Vertrag mit Rumänien zu schlie­ßen, der eine Verdreifachung seiner bisherigen Ausfuhr nach diesem konsumkräftigsten Balkan- staat ermöglichen würde. Denn der österreichisch- ungarische Ausgleich ist noch nicht fertig und Oesterreich und Ungarn haben sich noch nicht ge­einigt über die staatsrechtliche Form, in der künftighin Handelsverträge abzuschließen und zu unterzeichnen sein werden. Was vermag alle Diplomatenkunst gegenüber der Tatsache, daß Oesterreich-Ungarns Stellung auf dem Balkan geschwächt wird, weil die ungarische Regierung ihre Zustimmung zum Abschluß von Handels­verträgen mit den Balkanstaaten als Pfand zu­rückbehält, das sie nur gegen Konzessionen Oesterreichs im Ausgleich herauszugeben ent­schloßen ist?

Das Mädchen schließt die Tür wieder, Nor­bert seinen Betrachtungen überlaßend.

Wie schaurig ärmlich hier alles ist! Der verfeinerte Geschmack des eleganten Mannes empört sich gegen die Misere ringsum. Kaum kann er sich feine schöne, strahlende Ruth in dieser Umgebung vorstellen . . .

Da öffnet sich wieder die Tür.

Fräulein Ruth ist nicht zu sprechen," stößt das kleine Dienstmädchen halb schluchzend her­vor.Sie ist bei unserem guten toten Herrn Doktor. Aber sie hat mir dieses für Sie ge­geben, mein Herr!"

Und die schmutzigen Finge-, händigen Nor­bert ein Blatt Papier aus, auf welchem Ruth ihm mitteilt, sie könne ihn jetzt unmöglich em­pfangen. Auch wiße ihre Mutter noch gar nichts von ihm. Alles fei überhaupt anders gewor­den. Das Beste für sie beide wäre, er ver­gäße sie.

Einige Augenblicke steht Norbert unschlüssig.

Noch faßt er den Sinn der Worte kaum. Er seine Ruth vergeßen? Wie kann das ge­liebte Mädchen nur auf einen.solchen Gedan­ken kommen? . . .

Während er noch überlegt, was tun, ver­nimmt er plötzlich von drinnen her gar eigen­artige Töne . . .

Wie der Gesang einer Kinderstimme klingt es, doch seltsam unirdisch, sphärenhaft . . , Was ist das?" fragt er auflauschend.

Unser Fräulein Ada," erwidert das Mäd­chen gleichgültig.Sie singt immer so."

Jetzt schweigt die Stimme.

Wieder tiefe Stille drinnen.

Norbert fährt sich über die Stirn. Die Stimme hat ihn mächtig bewegt er weiß selbst nicht weshalb.

Dann reißt er aus seinem Notizbuch ein Blatt Papier, kritzelt schnell ein paar Worte darauf, 1

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Prinzessin Viktoria Luise sind am Samstag um 6 Uhr abends von Rominten abgereist.

Das preußische Staatsministerium trat am Samstag unter dem Vorsitz seines Präsiden- ten Fürsten Bülow zu einer Sitzung zusammen. I Bei diesen Verhandlungen hat nach demL.-A" I u. a. die Neuregelung der Vereinsgesetz- I gebung eine Rolle gespielt. I

Ein Dementi. Berlin, 6. Okt. Die I Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In einigen Blät- I lern ist verbreitet worden, der Kaiser beabsich- I tige, unmittelbar nach der Beisetzungsfeierlich- I leit in Karlsruhe einem Aufstieg des Zeppelin- I scheu Luftschiffes beizuwohnen und an den I Fuchsjagden in Donaueschingen teilzunehmen. I Die ungewöhnliche Taktlosigkeit dieser Meldung I ergibt sich schon aus. ihrer Faßung. Se. Majestät I nimmt selbstverständlich an der badischen Lan- I destrauer teU und hat deswegen in vollem Ein- I Verständnis mit dem Fürsten zu Fürstenberg die I Jagden in Donaueschingen aufgegeben; die Ab- I sicht eines Besuches in Manzell hat überhaupt | nicht bestanden. I

Stapellauf des Kreuzers »Dresden". I Hamburg, 5. Okt. Heute Nachmittag lief I auf der Werft von Blohm u. Voß in Anwesen- I beit des Oberbürgermeistes von Dresden, Ee- I heimrat Beutler, als Vertreter des Kaifers und I des Vizeadmirals Schmidt als Vertreter des I Staatsfekretärs des Reichsmarineamts der I kleine KreuzerErsatz Komet" glücklich vom I Stapel. Beutler, der vom Kaifer beauftragt I war, den Taufakt zu vollziehen, hielt die Tauf- I rede, in der er darauf hinwies, daß das I Lebenswerk des Kaifers, die Aus- I gestaltung der Kriegsmarine, sich I immer mehr der Vollendung nahe. Die Gleich- I gültigkeit und Verständnislosigkeit in allen Fra- I gen der Marine sei bei den deutschen Stämmen I der Erkenntnis für die Notwendig- I feit, ja der Begeisterung für die! Flagge unsere Marine gewichen. I Dank für die Wandlung gebühre in erster Linie I dem Kaiser, der in unvergleichlicher und zu- I gleich unermüdlicher Weise trotz vielfacher Ver- I kennung seiner Absichten uns alle erst zum Ver- I stündnis für die Anforderungen, die das Meer I an uns stelle, erzogen habe. Der Oberbürger- I meister schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß I Gott den neuen Kreuzer und seine Vefatzung I überall und alle Zeit begleiten, daß das Schiff I eine scharfe, gute Waffe bleiben und seiner I Flagge wie dem Kaiser zur Ehre gereichen möge I und taufte das Schiff auf den NamenDres - I d e n". Mit einem dreifachen Hurra auf den I Kaiser schloß die Feier. I

Der Reichstagsabgeordnete Schack wurde I vorgestern in Sachen der staatlichen Pensions- I Versicherung der Privatangestellten vom Staats- I sekretär von Bethmann-Hollweg empfangen. I

Eine chinesische Militärdeputation, be- I stehend aus dem Obersten Lol Tschon, dem Ma- I

Und wieder verschwindet das Mädchen, nach­dem es vorher die Tür zugezogen.

Diesmal kehrt es rascher zurück.

Fräulein Morton läßt sagen, bevor ihr Vater zur Ruhe bestattet ist, kann sie nieman­den empfangen. Das Begräbnis findet über­morgen nachmittags um drei Uhr auf dem St. Paulus-Friedhof statt."

Klapp fliegt die Tür wieder zu.

Tiefes Weh im Herzen schreitet Norbert die schmale Treppe wieder hinab und steigt in den unten harrenden Wagen.

Er begreift seine Ruth nicht mehr.

Nicht gewahrt er, wie droben an einem Fen­ster im zweiten Stock eine leise bebende Frauen­hand die Vorhänge ein wenig beiseite schiebt, wie für einige Sekunden ein goldblonder Kops sichtbar wird und wie ein Paar großer, tränen* dunkler Augen dem davonrollenden Gefährte sehnsüchtig nachblickt.

Dann fällt der Vorhang zusammen.

Norbert versucht nicht noch einmal, sich vor dem Begräbnis der Geliebten zu nähern. Er ehrt ihren Schmerz um den Toten, obgleich er ihr Verhalten ihm, dem Verlobten gegenüber, nicht versteht.

Vorüber die Trauerfeier.

Eine große Menschenmenge umgab das offene Grab lauter einfache Leute, aber darum voll umso ehrlicherer Trauer.

Etwas entfernt an einen Baum gelehnt, steht Norbert.

Sein Blick ist unverwandt auf Ruth gerich­tet, die ihm heute in dem düsteren Trauerge­wand, völlig verändert, um Jahre gealtert er­scheint. Wie weggewischt der harmlose kindliche Ausdruck des lieblichen Gesichts. Nichts erinnert Den angstvoll Beobachtenden mehr an das fröh­liche heitere Mädchen, mit dem er noch vor we­nig Tagen gescherzt, gelacht und rosige Zukunfts­

jor King Schan Püan und dem Hauptmann lax Mn Ho, ist in Berlin eingetroffen und wurde auf dem Lehrter Bahnhof von den Mitgliedern der chinesischen Gesandtschaft empfangen.

Persische Sondergefandtschaft. Die zur Anzeige der Thronbesteigung des Schahs ent­sandte persische Gesandtschaft wurde Samstag Nachmittag int Residenzschloße zu Dresden vom König von Sachsen in Audienz empfangen. Die Abreise nach Berlin erfolgte am gestrige« Sonntag.

Eine deutsche Erklärung auf der Friedens-, konferenz. Aus dem H mo wird geschrieben: In der Samstagssitzung der Friedenskonfernz et», örterte die erste Kommission den Bericht des Barons Guillaume (Belgien) über die Frage des obligatorisch em Schiedsge­richts. Der deutsche Vertreter Freiherr v. Marschall sprach sich gegen den diesbezüg­lichen Entwurf aus. In feinet Rede, die von der Versammlung mit gespanntester Aufmerk­samkeit angehört und von einem Teil der Kom­missionsmitglieder wiederholt mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde, führte Freiherr v. Mar­schall u. a. folgendes aus: Indem ick das Wort ergreife, um die Beschlüße des Redaktions­komitees zu bekämpfen, bin ich mir klar dar­über, daß ich gegen eine ziemlich starke Strö­mung schwimmen muß. Ich spreche dabei nicht von der Strömung, welche diese Beschlüße trägt; denn ihre Stärke scheint mit recht mäßig. Aber ich befinde mich in- und außerhalb der Kon­ferenz mehr oder minder verbreiteten Gedanken gegenüber, daß die Konferenz, nach­dem sie sich mit - '""t Neihe von Fragen betreffend den eg ^chäftigt hat, etwas für den Frieden tun mLje. Die W te, es müsse etwas getan werden^, sind mir in Dingen der Gesetzgebung stets äußerst antipattsch gewesen: noch mehr fürchte ich ihren Einfluß, wenn es sich darum handelt,_ das in­ternationale Recht abzuändern. Unsere ebenso intereßanten wie arbeitsreichen Erörterungen haben eine Reihe von Problemen und Fragen, die meiner Ansicht nach von großer Wichtigkeit sind, ohne Lösung gelaßen. Die Mehrheit des Komitees hat nichtsdestoweniger die Materie als reich angesehen. Ich bin der entgegengesetzten Ansicht und werde nun in voller Freiheit bas unverletzliche Reckt ausüben. Die Kritik werde dies in der wohlbegründeten Ueberlegung tun, daß der vorliegende Entwurf weder der Sache des Friedens noch der Institu­tion des Schiedsgerichts nützlich ist.

Reform des Zivilprozeßes. DerReichs- anzeiger" druckt in seinen Beilagen den Ent­wurf eines Gesetzes zur Reform des Zivilpro­zesses ab, so wie dasselbe voraussichtlich'dem Bundesrat vorgelegt werden wird. Es umfaßt Aenderungen des Eerichtsverfaßungsgesetzes, der Zivilprozeßordnung und der Gebührenord­nung für die Rechtsanwälte. Eine ausführliche Begründung, welche die Absichten und Trag­weite der durch den Entwurf eingeleiteten Re­form erkennen läßt, ist dem Entwurf beigefügt.

plane entworfen nichts, außer dem goldblon­den Haargelock, das unter dem schwarzen Krepp- Hut bervorquillt, als Ruth einmal mit leisem Aufschluchzen das Taschentuch an die Augen führte.

Richt einmal blickt sie sich um, obgleich sie sich denken kann, daß Norbert sich unter den Leidtragenden befindet.

Norbert fühlt, wie ihm etwas die Kehle hin- aussteigt vor Schmerz. Ihm ist, als ob die Ge­liebte plötzlich meilenweit entfernt von ihm wäre, als habe sich ein Golf zwischen ihnen auf­getan, der nicht zu überbrücken ist.

Und doch kann er den Blick nicht abwenden von der ernsten, hobeitsvollen Gestalt. Warum steht sie allein am Grabe des Vaters? Wo ist die Mutter? Wo die junge Schwester? . . .

Und jetzt bas letzte Gebet gesprochen. Die Leidtragenden zerstreuen sich.

Auch Ruth verläßt den Friedhof.

Norbert weiß nicht einmal, ob sie ihn be­merkt, als sie in einiger Entfernung von ihm, das Haupt gesenkt, den dichten schwarzen Schleier vor das Gesicht gezogen, vorbeigeht. Nicht wagt er, sie anzusprechen. Sie erscheint ihm heute so unnahbar, so völlig fremd und weltentrückt.

Und doch liebt er dies bleiche, ernste, schwer­mütige Mädchen noch tiefer, noch heißer und inniger, als das heitere, lebenslustige Geschöpf vor wenigen Tagen.

Er grübelt und grübelt, wie es anfangert, um sich der Geliebten wieder zu nähern...»

Endlich entschließt er sich, ihr zu schreiben.

Einen kurzen Brief nur, aber voll von heißer Liebe und tiefinnigster Teilnahme, in welchem er mit aller Energie erklärt, er werde sie und ihre Mutter übermorgen aufsuchen, falls sie ihm nicht vorher eine Begegnung gestatte. . V "

Die Antwort läuft umgehend ein. lLortletzuna fotafJ