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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Gormtaasbeilaae: MuktrirteS Gsnntaasblatt. *

Drittes Blatt

brachten.

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*) Es war früher Sitte, daß die Herrschaften sich mit einer großen Laterne vorleuchten liehen.

gewaltige Schenkelknochen darunter, die mm« bestens eine Länge von etwa zwei Meter hat­ten. Die übrigen Teile schienen der Zeichnung nach Rückenwirbel und Rippen zu sein. Im ganzen meinte Herr Ingenieur Sattler, datz wohl Reste von zwölf gewaltigen Tiern dort zusammen aufgehäuft seien, und dah es leicht möglich erscheine, daraus ein Tier in seiner Ge- samtheit zusammenzustellen. Der landeskund­lichen Kommission für die Erforschung des Schutzgebietes ist von der Lindi-Schürf-Eesell- schäft über diese Funde mitgeteilt worden mit dem Ersuchen, man möge diese Schätze rechtzeitig heben lassen, um sie noch auf der verflossenen Kolonialausstellung zeigen zu können. Ditz landeskundliche Kommission hat aber aus ver­schiedenen Gründen sich der Ausführung dieser Arbeiten entziehen zu sollen geglaubt. Es ist ein besonderes Glück, dah der berühmte Natur­historiker Profesior Dr. Frah sich in Ostaftika befindet und ihm jetzt die Mitteilung davon ge­macht werden konnte; es ist zu hoffen, daß er diese Schätze noch unverletzt angetroffen hat. Es wäre zu bedauern gewesen, wenn durch das lange Hinzögern der Bearbeitung eine Zerstör­ung stättgefunden hätte. Zu wünschen ist, dah die nicht unbeträchtlichen Mittel bereitgestellt werden mögen, diesen seltenen Fund sachgemäß zu heben.

Marburg

Sonntag. 6. Oktober 1907.

den angrenzenden' Gärten

gen sie zurück und wurden den Plan hinunter bis nach der Untergasse verfolgt, wo sie sich in in Sicherheit

Stiebe findet, und ruft um Hilfe. Diese eilen herbei und es gelingt ihnen noch, Tätlichkeiten zu verhüten; sie können diesen aber nur dadurch aus dem Wege gehen, dah auch sie der dringen­den Einladung Folge leisten und der wüsten Ge­sellschaft nach Trümbachs Wohnung folgen, um ein Glas Bier zu trinken und eine Pfeife Tabak zu rauchen. Leutnant Rodemann gelingt es, sich zu drücken. Reitzenstein und Briede sind die einzigen Vernünftigen in der Gesellschaft und hatten gleich Gelegenheit, den Oberförster Ver­lach, der mit seiner Frau und seinem Sohne aus einer Gesellschaft vom Rentmeister kam, vor In­sulten zu retten, denn unglücklicherweise lieh sich der Oberförster von seiner Magd leuchten*). Kaum Licht sehend, stürzt Zobel auf den Ober­förster zu und befiehlt ihm, sofort das Licht zu löschen, nur der Intervention der Offiziere war es zu danken, dah er ungehindert gehen konnte, das Licht mutzte aber gelöscht werden. In Trüm­bachs Wohnung angekommen, wurde das Sauf­gelage fortgesetzt. Die Stadt ist in Angst und Sorge, wie die Nacht endigen wird. Student Schmidt betrachtet seine Degenklinge und weih nicht, wen er damit verwundet hat.

Da endlich um 12 Uhr nachts gibt der Rettor van der Velten der Scharwache Befehl, die Studenten zu arretieren. Unter Anführung des Pedellen Schimmelmann geht die Echarwache in Trümbachs Wohnung. Auf der Treppe kommt ihnen dieser schon entgegen und fragt, was sie wollten. Schimmelmann verliest den Befehl Seiner MagnifizLnz, welcher mit Verhöhnung und Gelächter beantwortet wird. Der Pedell wagt dennoch vorzudrinqen, da seht Trümbach diesem den Degen auf die Brust, doch springen einige hinzu und verhindern einen unausbleib­lichen Mord, greifet? aber gemeinsam die Schar­wache an, schleudern ihre Gläser auf bie Köpfe, ttnb wie diese weicht, verfolgen sie dieselbe bis vor die Haustüre; dort kommt es zu einem Handgemenge, einige der Studenten haben ihre Degen geholt, da mitten im Tumult schreit der Scharwächter Ludwig Stiel laut auf: ,,D weh, o weh, ach Herr Jesus, mein Leib!" Student Brand antwortet, als Trümbach diesen fragt: Wer hat den Mann gestochen?"Du Racker, Du hast den Kerl gestochen." Zobel antwortet: Kanaille, das muh man nicht sagen." Stiel liegt auf der Erde und stöhnt, die übrige Schar- wache flieht erschreckt fort, verfolgt von Tröm­bach. Zobel, Buchenau und Brand. Die wilde Jagd gebt über den Markt zur Neustadt hin­unter bis an Krämer Riemenschneiders Haus am Mönchbrunnen, wo die Studenten mit dem in Seiner Durchlaucht Prinz Wilhelm-Regiment stehenden Major von Löwenstein zusammen­trafen. Diesem gelingt es, die Studenten vor weiterer Verfolgung abzuhalten, er ruft von Buchenau zu:Monsieur Buchenau, nehmen Sie regard und consideration, es ist schon ein großes Unglück geschehen." Buchenau antwortet: Es ist uns Gewalt geschehen," will noch einmal hinter dem Scharwächter Melius her, wird aber zurückgehalten und steckt seinen Degen ein.

Der verwundete Scharwächter Stiel ist mitt­lerweile vom Pedellen Schimmelmann, zum Chi­rurgen Justi geführt worden, welcher ihm einen Verband anlegt, aber in bet Nacht stirbt et.

Trotzbem nun eine Menge Zeugen, unter anderen folgende Personen: Friedrich Heuser, Sockenstricket und Pförtner auf dem Weiden­häuser Tor, Joh. Heinrich Saam, Küfer, Joh. Jakob Schmidt, Rudolph Stock, Buchdrucker, Michaeli, Apotheker, Katharina Arcularius, deren Vater Baumeister war, Anna Barbara Brauer, Anna Margaretha Kuhn, Anna Chri­stine Ludwig, Christine Wiegand, Magd bei Engel, M. Elisabeth Arcularius, in diesem Er­eignis gerichtlich vernommen worden waren, wurden die Studenten, so viel aus den Akten zu ersehen war, aus der Haft entlasten und ist kei­ner gestraft worden.

Aus einem Vortrag im Hess. Eeschichts- Scrcir

Solche Strahenkämpfe waren in der da­maligen Zeit nichts Seltenes, bie ungestüme Fugenbkraft tobte sich gern in solchen Händeln aus unb schlichtete gegenseitige Beleidigungen kurzer Hand mit der Waffe, wo man sich fand, und wenn es mitten auf der Straße war.

Die Bürger verkrochen sich, um nicht später pls Zeugen vor Gericht zu erscheinen, wenn übet« !jaupt Anzeige stattfand, in ihre Häuser, oder sie teilten sich auf Seite bet einen Partei unb unterstützten btefe bereitwilligst. So kam es yuch, baß von Trümbach, betn bei biesem Ge­fecht bet Degen aus bem Griff geschlagen wor- yen wat, alsbalb von Sattler Kreuzer, bet bem Kampfe zugesehen, einen Degen aus dem Fen­ster gereicht bekam.

Nachdem nun die Partei zerstreut war, kehr­ten die Studenten, bie bei Trümbach gezecht hatten, durch bte Unteigaffe bei bem Hause des 2®" "en Einßedeln bie schmale Gaste hinauf tlt ote Poppsche Behausung zurück, wo von P.eueHL gezecht wurde. Hierdurch erhitzten sich hie Kopfe so sehr, daß bie Studenten in später Abendstunde aufbrachen und lärmend unb schrei­end nach dem Marktplatze mit brennenden

gackeln durch die Stadt zogen.

< Die erschreckten Bürger stürzten an die Fen« fer, doch der drohende Ruf:Lichter aus!" tritzb e alsbald wieder zurück. Sitz wußten Ast

fahtung, daß, wenn sie nicht sofort Gehorsam leisteten, sie schwer darunter zu leiden hätten. Den Ungehorsamen flogen bann, wenn sie nicht bem Befehl gleich nachkamen, Steine in bie Fenster, bis in die oberen Stockwerke, während im unteren Stockwerke die Fenster mit Stöcken und Degen zertrümmert wurden. Nur fest ver­riegelte Haustüren verhinderten, daß die trun­kene, tobende Rotte nicht in bie Häuser ein« brang unb bie Bürger noch mehr bedrohte.

So zogen sie, die Klingen über das Pflaster schleifend, kampflustig weiter, kein Scharwächter, kein Bürger stellte sich dem wüsten Treiben ent­gegen und das Bataillon, welches damals bei den Bürgern im Quartier lag, durfte sich in derartige Ausartungen, sobald diese von Stu­denten hervorgerufen wurden, nicht einmischen.

Das Haus des Stadtküfers Saam wurde voll­ständig gestürmt und demoliert. Die erschreckte Familie flüchtete in das obere Stockwerk, doch wurden sie auch hier durch 4 Pfund schwere Steine aufs höchste geängstigt. Ebenso erging es dem Metzger Joh. Unckel, dem Bäckermeister Engel und noch anderen. In der unteren Neu­stadt (Steinweg), in bem Haus des Bäckermei­sters Engel (jetzt Gasthaus zum Anker), faß die junge Frau mit ihrer Magd am Ofen in der Backstube, hörte wohl den Straßenlärm, an den man in damaliger Zeit gewöhnt war, beun­ruhigte sich aber darüber nicht. Plötzlich erscholl vor ihrem Fenster der Ruf:Bestien, warum ge­horcht Ihr nicht? Lichter aus!" unb zugleich schlugen unter lautem Gebrüll bie Degenklingen der Rotte bie Fenster ein, baß die Scheiben klirrend auf die Straße flogen. Dem Engelschen Hause gegenüber war die Stocksche Buchdruckerei (Steinweg 44). Obgleich nun in derselben kein Licht zu sehen war, so stießen doch einige Stu­denten, indem sie auf den Kellerhals kletterten, mit bem Degen burch das über diesem befind­liche Fenster und stellten sich, wie sie darauf Tumult im Hause hörten, vor der Haustiire auf, um Heraustretende zu attackieren. Der inzwischen entstandene Tumult im Hause hatte aber nicht den Zweck, gegen die Studenten vor­zugehen, sondern war die Folge eines Unglücks, welche infolge des Stechens durch das Fenster geschehen war. Ein 18jähriges Mädchen, Sybille Matthäi, die Enkelin der Witwe Stock und Stieftochter des Buchdruckers Eberbach, war an demselben Abend bei ihrer Großmutter zu Besuch und sollte nicht nach Hause gehen, weil die alte Frau dachte, es könne ihr etwas pas­sieren; sie aber war neugierig unb ging, weil sie das Lärmen hörte, von der hinteren Stube nach bem Hausflur, wo sie sich auf bie Fensterbank neben bet Haustür stellte, um burch eine Laben­öffnung auf bie Straße zu sehen.

Kaum aber war dieses geschehen, so stürzte sie mit bem Rus:Herr Jesus" zurück unb preßte bas Nesseltuch, welches sie um den Hals geschlun­gen trug, auf eine Stichwunde am Hals, die sie von einem der trunkenen Studenten empfangen. Leider war eine Hauptader getroffen und das Blut sprang in weitem Bogen aus der Wunde hervor, sowie sie einen Augenblick das Tuch lockerte. Rasche Hilfe war leider nicht vor­handen, da der in demselben Hause wohnende Negimentsfeldscheer Kloks ausgegangen war, feine Frau stürzte herbei und stützte die schwächer Werdende, die auf einen Stuhl gesunken war, in ihrem Arm. Die mit dem Tode Kämpfende jagte noch mit matter Stimme:Herr Jesu, ach Tante, lassen Sie mich hinunter auf die Erde liegen." Langsam legte man das Mädchen auf die Erde auf ein Kissen, worauf sie nach einigen Minuten bie Augen schloß unb verschied. Die Studenten Zobel unb von Trümbach, welche vor bem Hause Wache hielten unb auf bas Heraus- kommen bet Bewohner lauerten, erfuhren von bem Unglück nichts. Sie waren bie Letzten, welche die Unglücksstätte verlassen, um ihren Kommilitonen zu folgen, bie mittlerweile vor bem Haus bes Ratsschöffen Joh. Kaspar Krebs ihren Unfug fortfetzten, biesem Türe unb Fen­ster einschlugen unb bann ihre Gewalttätigkeiten an bem gegenüberliegenben Hause bei Metzger Konrab Unkel fortsetzten, weil bort noch Licht war. Mit wahrem Vanbalismus stürmten sie bas Haus, die Familie flüchtete auf den Boden, das ganze Haus wurde verwüstet. Von da «eiterziehend, trifft die Rotte mit Seiner fürst­lichen Durchlaucht, des Prinzen Wilhelm Reit­knecht Friedrich Wiesel zusammen, der aus bem Hause bes Metzgers Jone Brauer herauskommt unb sich rasch burch bie Flucht ber drohenden Gefahr zu entziehen sucht, aber er wird vor bem Stollbergschen Hause vyn dem Studenten Trüm­bach eingeyolt unb nach einigem Hin- unb Her­reben gezwungen, mitzugehen unb an bem Un­

Wissenschaft, Kunst und Leben.

# Vorgeschichtliche Tierfnnbe im Süden von Deutsch-Ostafrika. Von sehr geschätzter, durch eigene Reisen in Deutsch-Ostafrika gut orientier­ter Seite wird derDeutschen Kolonialzeitung" über die vorgeschichtlichen Tierreste, die Pros. Fraß, Stuttgart, vor einiger Zeit im Hinter- lanbe auf Lindi gefunden hat, das Folgende ge- fchriüben: Die für ostafrikanische Verhältnisse ungeheuere Entdeckung ist wirklich im Jahre 1906 durch den Bergingenieur Sattler ber Linbi- Schürf-Eesellschast gemacht worben. Er hat ba- mals hierher gemelbet, baß er in ber Nähe bes Umbekuru-Flusses im Gestein offen zutage liegenb eine ganze Reihe von Knochen vorwelt­licher Tiere gefunben zu haben glaubte. Nach dtzsi zugleich tnitelngefanbten Zeichnungen waren

GeschaMiche Mitteilungen.

Zu den Vorgängen am Petroleum-Markt. Man schreibt uns:Angesichts ber Bestrebungen der Standard Oil Co. und ihrer Tochtergesell­schaften, den Zwischenhandel im Petrolurnge- scbäft ganz auszuschalten, und vor allem ange­sichts des Friedensschlusses, der jetzt anscheinend zwischen der Standard Oil Co. und der burch die Deutsche Bank vertretenen beutsch-tusv'-Y- rumänischen Gruppe zustande gekommen ist ver­dient das nachstehende Schriftstück besonderes Interesse. Es gebt den Detaillisten zur Unter­fertigung zu, sobald sie von den Agenten der Amerikaner genügend bearbeitet sind, und stellt den Vertag zwischen dem Kleinhändler und dem Lieferanten, im vorliegenden Falle der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft bar. Der Brief lautet:

An die Deutsch-Amerikanische Petroleum- Gesellschaft.

Unter Bezugnahme auf bie mündliche Unter­redung erkläre ich mich bereit, von heute brr 31, Dezember 1908 meinen gesamten Bedarf an Petroleum ausschließlich von Ihnen in der von Ihnen hier angeführten Ware und zu Ihrem jeweiligen an dem hiesigen Platze geforderten offiziellen Literpreis aus Ihren Straßenwagen gegen Barzahlung zu entnehmen. Als Gegen­leistung für diese Verpflichtungen gewahren Sie mir auf Ihren jeweilig hier geforderten offiziellen Literpreis eine Vergütung von Pf. (einen halben Pfennig) per Liter. Diese Ver­gütung ist vierteljährlich zahlbar, und zwar erstmalig per l./l. 1908, jedoch nur, wenn bie Bestimmungen dieses Abkommens von mit voll und ganz erfüllt werden. ...

Sollte ich nicht ber Vereinbarung gemäß ausschließlich bis zu oben genanntem Termin von Ihnen meinen gesamten Bedarf an Petro- lcum beziehen, so verfalle ich füt jede angc fangenen anderweitig bezogenen 100 Liter Petroleum in eine nach jeder Übertretung so­fort fällige Konventionalstrafe von 5 M (fünf Mark) zu Ihren Gunsten. .

Der Vertrag ist geradezu ein Schulbersprel für die Methode der Standard-Oil-Tochtergesell- schaften. Der zumeist unerfahrene Kleinhändler nimmt folgeschwere Verpflichtungen auf sich, während die Gegenleistung des Lieferanten höchst dehnbar formuliert ist. Er erhält für je­den verkauften Liter eine Vergütung von 1/, Pfennig, die Strafe im Fall ber Vertrags­verletzung ist aber nicht nur zehnmal so hoch wie die Vergütung (nämlich 5 Pfg. für den Liter), sondern wird auch gleich fünfmartoet)e für jeden angefangenen Hektoliter abgezogen. Dafür hat der Detaillist nur Anspruch auf bte hier geführte Ware" ohne jede Quafitatsbe- Zeichnung und muß denjeweiligen an dem hie­sigen Platz geforderten offiziellen Literpreis bezahlen. DieHöhe derjeweiligen offiziellen (!) Forderung" steht nämlich tm Belieben der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Geiellschaft. (Eine Verpflichtung zur Lieferung iprrcht tm Uebrigen dieser Mustervertag nicht aus. Er wäre der Mühe wert, vor Gericht zu untersuchen wie weit sich eine derartige Abmachung mit den guten Sitten verträgt." (Frkf. Zig)

Landau (Pfalz). Ein äußerst günstiges Er­gebnis brachte für bie Haar'sche Höhere Han» desschule Landau (Pfalz) bie Herbstprüfung in Speyer für ben einjährig-freiwilligen Militär­dienst. Nachdem in diesem Frühjahr bereits sieben die Prüfung bestanden haben, unter­zogen sich der soeben zu Ende gegangenen Prü, jung neun Schüler obige« Anstalt mit Erfolg.

fug teilzunehmen.

Unterhalb des Kesseltor« wurden neue Fackeln angezün-et. Vor bem Wissebach,qen Hause neben dem Gürtler Goring seinem Hause stoßen sie auf Leutnant Rodemann, der, aus Gesellschaft kommend, auf dem Nachhause­ch befindet. Er wftd sofort umringt, ein

Marburger Studenten - Erinnerungen.

Von L. Mülle- Oortlebung.) Studenten im 18. Jahrhundert.

Von bei Zügellosigkeit der Studenten, die tm 18. Jahrhundert allgemein herrschte, mag ein Ereignis, das sich in Marburg zugetragen bat, Zeugnis geben. Eine Chronik berichtet darüber Folgendes:

Es war Fastnacht 1726, als eine vergnügte Gesellschaft junger Männer von einem wohl­besetzten Mittagstisch bei der Witwe Eebhardin Ju Marburg aufbrach und sich auf den Heimweg >egab. Sie bestand aus den Studenten von Trümbach, Schmidt aus Bremen, von Buchenau aus Buchenau und Heine aus Marburg. Um den fröhlichen Tag weiter auszunutzen, lud von Trümbach feine Kommilitonen ein, bei ihm in feiner Wohnung den Kaffee zu trinken. Diese war im Pöppschen Hause in der Barfüßerstraße, jetzt Nr. 24. Sein Hauswirt vereinigte mit einer Bäckerei eine Wein und Bierschenke, unb Cs konnte nicht ausbleiben, wie später bie Stu­denten von Löwenstein unb Brand hinzukamen, daß die Herren vom Kaffee zum Wein übergin­gen und bis zum Abendessen beisammen blieben. Sie hatten es sich bequem gemacht, ihre Degen abgelegt, die Röcke ausgewogen und faßen, trotz Eis und Schnee auf ber Straße in Hemdärmeln am offenen Fenster. Nach damaliger Sitte trug Schmidt einen grünen Rock, leberfarbene Welte, golden umsponnene Knöpfe, eine Perücke, Hut mit silberner spitzenbesetztet Borte, enge Hose, hohe Stiefel unb Hirschfänger; von Löwen­stein trug ganz grüne Kleidung, kurze Bein­kleider, lange Strümpfe, Schnallenschuhe, drei­eckigen Hut und Galanteriedegen, in ähnlicher Weise war bie Kleibung ber übrigen Stubenten, alle waren mit Degen versehen. Als ber fröhlich »erlebte Tag sich zu Enbe neigte, würbe bie zechenbe Gesellschaft burch wüstes Schreien unb Lärmen auf bet Straße veranlaßt, an bas Fenster zu springen. Sie erblickten eine Anzahl Stubenten mit Spielleuten an ber Spitze, welche vorn Markt her bie Barfüßerstraße passieren Wollten.

Vor bem ' Pöppschen Hause angekommen, machten sie Halt, als ihnen Trümbach zurief: Jungens, wenn Ihr nicht fortgeht, bann be­kommt Ihr Stockschläge!" Diese Drohung Wollte sich bie ausgelassene Gesellschaft auf bet Straße nicht gefallen lassen unb Stubent Degen jtus Marburg tief hinauf:Kein rechtschaffener Bursch' hält uns für Jungens, wir ftnb ebenso aut Butfchen, wie Ihr ba oben!" Trümbach ferberte nun seine Kommilitonen auf, bie untenstehenden Studenten zu vertreiben. Da­mit einverstanden, faßten sie ihre Degen unb stürzten sich auf bie vor bem Hause lärmenben Studenten.

Erschreckt durch diesen plötzlichen Angriff versuchten diese zwar sortzulaufen, wurden aber unter Schimpfworten der derbsten und brutal­sten Art verfolgt und vor bem Westenhelletschen Hause eingeholt, wo es zu einem Gefecht kam. Degen, Müller unb Wünschet wollten nicht weiten unb erst, natbbem mehrere ihrer Kom­militonen kampfunfähig geworben waten, gin-

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