mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbain.
Sonntaasbeilaae: Alluttrirtes SflimfaduBWft. ' * **
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faiU-x AnsrrttonSgebühr: die gespaltene Zeile Jber deren Raum 15 Pfg.
Neclamen: die Reire SO Dft.
Marburg
Sonnabend. 5. Oktober 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Äug. Koch, UnivcrfitSts-Buchdruckerci Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
42. Jahrg. .
Erttes Blatt.
Zur Lage des Handwerks.
Auch viele, die dem Handwerkerstande nicht angehören, werden wissen, daß erhebliche Zweige des Handwerks durch den Druck der Jn- ^dustriL Iark beeinträchtigt werden, daß die Roh- ^-prsdtä« und Fabrikate im Preise beständig ^Heiaen.^Qsi Lohnkämpfe nicht selten zu unfreiwilliger Muhe führen, daß die Erhöhung der Löhne den Gewinn des Handwerksmeisters schmälert, dah Arbeitermangel auch in den Zeiten der günstigsten Konjunktur nicht die gewünschte Entfaltung aller Betriebe zuläht und dah der jetzt nachgerade bedrohlich werdende Lehrlingsmangel kein Lichtblick für die Zukunft des Handwerks ist. Wie wird angesichts dieser Erscheinungen die Lage des Handwerks von diesem selbst beurteilt? Das vom Kaiserlichen statistischen Amt herausgegebene „Reichsarbeitsblatt" sucht in seiner neuesten Nummer diese Frage an der Hand der Jahresberichte der Handwerkskammern zu beurteilen, und dieser ^Verstellung seien die wichtigsten Gesichtspunkte Entnommen.
t- Metier die wirtschaftliche Lage des Handwerks sm allgemeinen gehen die Berichte der einzelnen ^Kammern weit auseinander. Altona sagt direkt: „Die wirtschaftliche Lage des Handwerks kann auch für das verflossene Geschäftsjahr als gut bezeichnet werden. Wenn auch die Berichte einzelner Zweige, die unter dem Druck der Grohinduftrie stehen und für die eine Besserung der wirtschaftlichen Depresiion in Bälde wohl nicht zu erwarten ist, auf einen wenig hoffnungsvollen Ton gestimmt sind und den Geschäftsgang als mühevoll bezeichnen, so rechtfertigt das Resultat unserer Bemühungen doch den Schluß, dah das Handwerk im Berichtsjahr sich andauernd im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwunges befand." In diesem Bezirke wird aber über die anhaltende Steigerung der Rohprodukte Klage geführt; zahlreiche Lieferanten haben sich zu Syndikaten zusammengeschlossen, denen der einzelne Handwerker machtlos gegenübersteht. Auch nach dem der Chemnitzer Handwerkskammer zugegan- tzenen Berichte ist wie fast überall im gewerblichen Leben eine Besserung zu verspüren, wenn sich diese Besserung auch nur auf den Grad der Beschäftigung, nicht aber auch auf den Nutzen selbst bezieht. Kotier den Einfluh des Arbeiter- Mangels und der Lohnkämpfe auf den Gewinn des Handwerks sagt der Chemnitzer Bericht:
Infolge des flotten Geschäftsganges machte sich ein erheblicher Arbeitermangel bemerkbar, der eine nicht unbedeutende Steigerung der Ähne zur Folge hatte. Ferner gerieten verschiedene Handwerke durch Streiks in Schwierigkeiten, aus denen sie sich, um die übernommenen Aufträge auszuführen, vielfach nur dadurch zu ziehen vermochten, daß sie die ost unberechtigt hohen Lohnforderungen auch der weniger tüchtigen Arbeiter erfüllten. Durch beide Faktoren wurde der Gewinn des Handwerks geschmälert.“ Die Eewerbekammer Leipzig stellt fest, dah die Gestaltung der wirtschaftlichen Lage im allgemeinen nicht zufrieden ft e l l e n d war. Der Jahresbericht der Handwerkskammer zu Insterburg spricht sogar von einer bedrängten Lage des Handwerks.
Wie in den Vorjahren, so wird auch jetzt wieder von einem erheblichen Teil der Handwerkskammern über Mangel an ausreichendem Handwerkernachwuchs geklagt. Dah hier das Handwerk selbst keine Schuld trifft, wird wohl nirgends bestritten. An dem ehrlichen Willen, vorwärts zu kommen, fehlt es deutschen Handwerk wahrhaftig nicht, und die Mitteilungen der einzelnen Handwerkskammern über die Bestrebungen auf dem Gebiete der Lehrlingsver- mittelung, des Fortbildungsschulwesens, der Meisterkurse auch für Gesellen und des Eenoffen- schaftswesens lassen dies wiederum deutlich erkennen. Kebrigens find, um die aus der Schule entlafienen Knaben in ihrer freien Zeit in angemessener Weise zu unterhalten und zu beschäftigen, nicht selten Lehrlingsheime gegründet worden. Im Kammerbezirk Altona bestehen z. B. bereits 18 solcher Lehrlingsheime. Durch Darbietung von Schreib-, Lese-, Spiel- und Erholungsgelegenheit der verschiedensten Art, durch Turnen, Gesang, Vortrags- und sonstige Anterhaltungsabende soll den aus der Schule entlafienen Jünglingen, die eines geeigneten Familienanschlufies entbehren, in ihrer freien Zeit eine ihnen zusagende Unterhaltung und Beschäftigung vermittelt werden. Mit gutem Recht weist die Handwerkskammer Altona in einem Schreiben an zwei Regierungen darauf hin, dah zur wirksamen Bekämpfung der gegen die Erlernung eines Handwerks bestehenden Abneigung die Mitarbeit der Schule erforderlich ist. Auch die Handwerkskammer Insterburg hat die Vermittelung der Rektoren in den Schulen in Anspruch genommen, um die Schüler bei ihrem Abgänge von der Schule auf die Wichtigkeit dieses oder jenes Handwerks aufmerksam zu machen. Hier liegt in der Tat eine Aufgabe auch der Schule vor. Die irrige Meinung, als sei nicht auch derjenige ein
(Nachdruck verboten.)j
Frauenhände.
: Roman von Erich Friesen. :"ä^T ,• Frauenhände? . . .
Gar verschiedenartigen begegnet man im Leben! . . . Wie etwa malt sie doch der italienische Dichter?
1 Die einen sind kalt — die armen, hoffnungslosen — kalt wie Marmor . . .
‘ Die anderen lau; sie scheinen Samt zu sein — lebendig lauer Samt der Rose , . .
Manche lafien in unsern Herzen einen süßen Duft zurück, in der Einsamkeit nachzitternd gleich einem Lenztag voll Vlütenpracht: wahre Madonnenhände — keusch, rein, überirdisch, die Schmerzen verscheuchen, Leiden mildern, Ruhe bringen. . _
Aus anderen fühlt man das Leid erbeben; nicht kann man sie vergefien, auch wenn sie längst entschwanden in graue Ferne . .,
Frauenhände! ...
Lodernder Hah glüht aus wieder anderen: wahre Meisterhände int Ränkeschmieden — gierige Hände, so schlecht, dah selbst Arabiens Wohlgerüche sie nicht rein zu waschen vermögen.
Und schlaffe Hände gibt's, stets zaghaft zugreifend — unentschlossene, energielose Hände, die sich zu keiner Tat auftaffen . . .
Dann liebe kleine Hände — treu, wie Freundeshände, die doppelt fest im Leid halten, Leidenschaft abwehren und unentwegt durch des Lebens Ungemach führen, indes sie frohes Leuchten wählen Glückes um sich verbreiten...
O. ftrauenhände --
3§r, ja ihr könnt zwei Welten hervorzau- Sern: eine Welt voll Wehe, eine Welt voll Glück! ...
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Ein strahlender Spätsommertag. ' <
r Blutrot sinkt der Sonnenball ins Meer, alles, tfnasum in leuchtenden Purpur.tauchend__
Monoton plätschern die Wellen ihren einförmigen Rauschegesang. Von fernher dur'ch- zittern die weichen Klänge eines Wiener Walzers die klare Luft . . ,
Sonst alles still.
Menschenleer der weite Meeresstrand. Das Dadepublikum von Long-Jsland, dem berühmten Seebade unweit von Newyork, verbringt diese Stunden zumeist in der Nähe des Kurhauses, um bei den schmeichelnden Klängen der wohlgeschulten Kapelle zu lachen, zu scherzen, zu kokettieren.
Lang ausgestreckt in den weihen, feinkörnigen Sand, ruht einsam eine schlanke Mädchengestalt. Ihre großen, blaugrauen Augen spähen sehnsüchtig den Strand entlang. . ..
Sie bat den ireittn Florentiner Strohhut atigenommen und stützt den feinen Kops, den eine Fülle herrlichsten, goldigschimmernden Blondhaares krönt, in die hohle Hand. , . , .
Eine wundersame Hand! ....
Nicht klein, doch von vollendetem Ebenmaß, mit schlanken, spiüzulaufenden Fingern, an deren einem ein schmaler Goldreif mit einem einzigen Brillanten erglänzt — eine feste, energische, ruhige Hand, bei deren Anblick man fühlt: diese Hand kann niemandem etwas Böses zufügen, niemals sich hergeben zu etwas Schlechtem --die Hand eines edlen, vornehmen
Menschen, der das, was er einmal für recht erkannt, ausführt, koste es, was es wolle! . . .
Plötzlich hebt das Mädchen den Oberkörper. Schärfer spähen die Augen in die Ferne. . . . .
Jetzt färbt leise Röte die zarten, etwas bleichen Wangen. Die stolzen Lippen umspielt ein frohes Lachen.
Dort hinten taucht eine Männergestalt auf, die sich rasch nähert.
Das Mädchen springt empor und ordnet das zerzauste Haar.
Stolz, zu yoller Höhe aufgerichtet, steht sie da, die weiße Gestalt, in der edlen Plastik der Formen und in ihrer klassischen Ruhe an »ine Marmorstatue jaemafmenb. -
achtenswerter Mensch, dessen Arbeitsrock ein grober Kittel ist und dessen Tättgkeit eine schwielige Faust einträgt, kann nicht schnell genug ausgerottet werden. Nicht den Jünglingen wollen wir unsere Zukunft anvertrauen, die ihren einzigen Stolz in einem möglichst hohen Stehkragen erblicken, sondern solchen, die auch vor harter Arbeit nicht zurückschrecken. Hier also berührt sich die Zukunft des Handwerks zu einem guten Teile mit der Zukunft des gesamten Vaterlandes.
Deutsches Reich.
— Die Hollandfahrt des deutschen Kaiserpaares. Wie aus dem Haag von gestern gemeldet wird, ist der Besuch des deutschen Kaisers und der Kaiserin in Holland zwischen dem 18. und 20. November auf der Rückreise aus England in Aussicht genommen. Die Einzelheiten des Vesuchsprogramms sind noch nicht festgesetzt. Unter anderem ist auch eine Flottenschau in Vlissingen in Aussicht genommen. Die Nachricht von dem Besuche der Majestäten wurde von den hiesigen Regierungs- und Gesellschaftskreisen mit lebhafter Freude ausgenommen.
— Der Schießpreis des Kaisers für das Schiff des ostasiatischen Kreuzergeschwaders, das im Jahre die hervorragendsten Leistungen im Schießen mit der Schiffsartillerie aufweist, ist vom Kaiser für das laufende Schießjahr dem großen Kreuzer „Fürst Bismarck", dem Flaggschiff des Geschwaders, zuerkannt worden, nachdem ihn im Schießjahr 1906 der große Kreuzer „Hansa" errungen hatte.
— Noch ein Rücktritt im Kultusministerium. Wie das „Berl. Tgbl." erfährt, ist der Vortragende Rat im Kultusministerium Dr. Eilsber- get dem Beispiele seines bisherigen Vorgesetzten, des Ministerialdirektors Althoff gefolgt und hat den Staatsdienst aufgegeben, um die Leitung einer großen chemischen Fabrik zu übernehmen.
— Vom Bundesrat. Berlin, 3. Ott. In der heutigen Plenarsitzung des Bundesrats gedachte der Vorsitzende, Staatssekretär des Innern Dr. von Bethmann-Hollweg, mit bewegten Worten des Hinscheidens des Eroßherzogs von Baden und gab der tiefen Trauer des Bundesrats Ausdruck über diesen das gesamte deutsche Vaterland schwer treffenden Verlust. Der Bundesrat beschloß, zu den Beisetzungsfeierlichkeiten in Karlsruhe eine Abordnung zu entsenden, deren Führung der Reichskanzler übernommen hat.
— Enthüllung des Rudolf von Benniasen- Denkmals. Am gestrigen Donnerstage fand in Hannover unter zahlreicher Beteiligung von hervorragenden Vertretern der nationalliberalen Partei aus allen Teilen Deutschlands die Enthüllung und Kebergabe des Denkmals Ru-
„Endlich, meine Ruth!"
Wie ein Jubelruf klingt es von den Lippen des Mannes.
Roch ein paar eilige Schritte — und er ist _ bei ihr und blickt voll leidenschaftlicher Begei- " sterung in die strahlenden Mädchenaugen, aus denen ihm eine Welt von Liebe entgegen» leuchtet.
„Du hast lange auf mich gewartet, Ruth. Verzeihe!"
Lächelnd schüttelt sie den Kopf. ?:
„Nicht doch, Geliebter!"
„Ich wurde durch einen Brief abgehalten, den ich noch beantworten mußte. Mein Stiefvater und seine Gemahlin fühlen plötzlich das Bedürfnis, mich bei sich zu sehen — gut Feier des dreißigsten Geburtstages von „Madame", Es soll ein glänzendes Fest geben —"
„Du wirst abreisen, Norbert?"
„Nicht, so lange Du hier weilst, Ruth. Was kümmern mich alle Feste der Welt, wenn ich Dich habe, mein Lieb!"
Das Mädchen schweigt. Aber ihre Augen strahlen ihn an, und ihre Augen lächeln ihm entgegen, und ihr ganz glückverklärtes Antlitz verrät ihm aufs neue das süße Geheimnis ihrer Liebe.
Hand in Hand schlendern die beiden jungen Menschenkinder langsam den Strand entlang.
Sie sprechen nicht viel. Sie fühlen nur, ste sehen einander.
Erhabene Meereseinsamkeit. . . . ,
Horch! . . . Flüstert es nicht über den leise plätschernden Wogen? Sind es die Geisterstimmen der Verstorbenen? Sino es die Träume und Hoffnungen, welche gleich Lichtelfen in weißglitzernden Gewändern durch die mählich heranziehende Dämmerung huschen? Sind es die lind verhallenden letzten Schwingungen unerfüllter Wünsche, welche, bevor sie ganz und für immer verklingen, mit ihrem Zaubergetön nochmals das Herz der armen Menschenkinder erzittern lassen?
dolf v. Bennigsens statt. An der Feier nahmen auch die Vertreter des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten, sowie die Mitglieder der Familie Bennigsen teil. Reichskanzler; Fürst Bülow hatte ein Telegramm gesandt, in welchem er Bennigsen als einen großen Deutschen und als Vorbild und Mahnung für die Ijeutige Zeit bezeichnete. Bei der Enthüllungs- feier hielt Wirk!. Geh. Rat Dr. Bürklin-Karls- ruhe die Festrede, in der er ein Lebensbild Bennigsens gab. \
— Eine Frau mit militärischen Ehren beerdigt. Aus Bayern wird berichtet: Mit mili- tärischen Ehren ist in St. Ingbert in der Rhein» Pfalz eine Frau beerdigt worden. Die Krieger- vereine gaben ihr unter Trommelwirbel bas. Geleite zum Grab. Es war die Witwe Lina Kahn, Jnhaberein der Kriegsdenkmünze 1870/71 für Nichtkombattanten und der Kaiser Wilhelm-Erinnerungsmedaille. Beide Auszeich- Zeichnungen hat die wackere Frau für ihr» Pflege der Kranken und Verwundeten erhalten«
— Die Einnahmen aus den neuen Steuert werden in ihrer Entwickelung mit Interesse verfolgt. Nach der amtlichen Statistik haben |te; wenn die Biersteuerreform außer Betracht bleibt, für die ersten fünf Monate des laufenden Finanzjahres 25,8 Millionen M betragen, wovon 6,4 Millionen auf den Frachturkundenstempel, 7,8 Millionen auf die Personenfahrkartensteuer, 1 Million auf die Kraftfahrzeugsteuer, 2,3 Millionen auf die Steuer von den Aufsichtsratsvergütungen und 8,8 Millionen «M. auf die Erbschaftssteuer kommen. Nach dem Etatsansatze hätten die aufgezählten neuen Steuern sämtlich in einem fünfmonatigen Zeitraum 37,5 Millionen M erbringen müssen. Die Wirttich- keit ist somit hinter der Schätzung um nicht weniger als 11,7 Millionen M zurückgeblieben. An dem Fehlbeträge beteiligten sich fast alle Steuerarten. Lediglich der Frachturkundenstempel weist ein Mehr von 1,4 Millionen Ji auf, dagegen war zu verzeichnen ein Weniger, bei der Personenfahrkartensteuer von 5,2 Millionen M, bei der Kraftfahrzeugsteuer von 0,1 Millionen Jt, bei der Aufsichtsratvergütungssteuer von 1,6 und bei der Erbschaftssteuer von 6,2 Millionen <K. Man sieht, daß die Erbschaftssteuer bei den Fehlbeträgen den Rekord hat, jedoch dckrf gerade hier darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich noch immer um ein Kebergangsstadium handelt. Andererseits wird jetzt schon nicht verkannt werden können, daß die Schätzung der Erträge, die bei der Einführung der neuen Steuern zu Grunde gelegt wurde, nicht zutreffend gewesen ist. Man hat im Etat für 1907, nachdem bei der Personen- fahrkartensteuer der von den verbündeten Ne- gierungen anfänglich vorgeschlagene Einnahmeansatz im Reichstage bedeutend heruntergesetzt worden war, auf eine Jahreseinnahme von
Fester faßt der Mann die Hand des Mäd« chens.
„Du willst also, daß unsere Verlobung noch ein Geheimnis bleibe, Ruth?"
„3a, Norbert. Da Du noch abhängig von der Güte Deines Stiefvaters bist —“
„Aber ich gelange erst in zwei Jahren in den Besitz meines Vermögens, mein Lieb!"
„Ich warte auf Dich. Was bedeuten zwei Jahre! Wir sind jung und haben das Leben vor uns, Norbert!"
„Knd was für ein herrliches Leben — wiH beide gemeinsam! . . . O, meine Ruth, wie ich Dich liebe? Seit zwei Jabren hat meinem Dasein der Sonnenschein gefehlt. In den zwei Wochen, da wir uns kennen, bin ich ein anderer geworden — froh, glücklich, voll Erwartung itz die Zukunft blickend. Erst jetzt empfinde ich ganz das Glück, jung zu sein und gesund!"
„Und — gesund!"
Wie ein Hauch zitiert das letzte Wort über Ruths Lippen.
Betroffen wendet Norbert sich dem Mädchen zu.
„Du bist so bleich, Ruth. Was ist Dir?"
„O nichts, nichts."
„Fühlst Du Dich nicht wohl?"
'' ».Doch, doch. Ich dachte nur —"
„Nun?"
„An meine kleine Schwester."
„An die kleine Ada, von der Du mir w zähltest?" .
„Ja, an Ada.« . j
„Knd das macht Dich traurig?"
„Das macht mich traurig. Seit Jahren ist sie leidend. Ich dachte daran, daß der lieb« kleine Engel wohl niemals im Leben glücklich werden wird — so glücklich, wie ich es bin. Un» in diesem Bewußtsein empfand ich mein Glück fast wie ein Unrecht!"
Frohes Lächeln umspielt Norberts Lipprt,
(Fortsetzung folgt.)